{"id":2379,"date":"2021-11-03T08:45:23","date_gmt":"2021-11-03T08:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/katholiken-werden-benachteiligt-html\/"},"modified":"2023-02-20T12:14:40","modified_gmt":"2023-02-20T11:14:40","slug":"katholiken-werden-benachteiligt-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/katholiken-werden-benachteiligt-html\/","title":{"rendered":"\u201eKatholiken werden benachteiligt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Friedensschluss von Dayton ist das Zusammenleben in Bosnien und Herzegowina von Konflikten gepr\u00e4gt. Die katholische Minderheit des Landes werde nach wie vor diskriminiert, beklagt der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica. Gegen\u00fcber dem weltweiten katholischen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c (ACN) monierte er die Tatenlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft. Ein neues Projekt f\u00fcr Frieden und Zusammenarbeit ist f\u00fcr Bischof Komarica ein kleines Hoffnungszeichen in einer verfahrenen Situation.&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 13.008px;\">KIRCHE IN NOT: Bischof Komarica, Sie haben k\u00fcrzlich in einem Interview Bosnien und Herzegowina als \u201eAbsurdistan\u201c bezeichnet, als einen unm\u00f6glichen Staat. Warum?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Bischof Franjo Komarica: Daran sind nicht die Einheimischen schuld, die hier nicht erst seit gestern zusammenleben. Die internationale Staatengemeinschaft, insbesondere die Europ\u00e4er, haben es zugelassen, dass hier von 1992 bis 1995 ein Stellvertreterkrieg gef\u00fchrt wurde. Bosnien und Herzegowina ist seit dem Ende des Krieges noch immer ein Provisorium, es herrscht Stillstand.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 13.008px;\">Warum ist das so?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Bosnien und Herzegowina wird de facto gef\u00fchrt von einem internationalen Vertreter, dem Hohen Repr\u00e4sentanten. Obwohl seit 1995 schon der achte Amtsinhaber hier ist, hat diese Pr\u00e4senz das Land nicht zu einem Rechtsstaat gemacht. Und die einheimischen Politiker haben nicht die notwendigen Voraussetzungen und die Macht, um aus Bosnien und Herzegowina einen funktionierenden Rechtsstaat zu machen.<\/p>\n<p>Bosnien und Herzegowina ist ein Staat mit drei konstitutiven V\u00f6lkern (Serben, Bosniaken und Kroaten; Anm. d. Red.) und zwei Entit\u00e4ten (F\u00f6deration Bosnien und Herzegowina und Republik Srpska; Anm. d. Red.). Die Republik Srpska steht unter dem Einfluss Russlands, die F\u00f6deration unter dem Einfluss der T\u00fcrkei bzw. der islamischen Welt. Und das dritte Volk, die Kroaten (die mehrheitlich den katholischen Bev\u00f6lkerungsanteil ausmachen; Anm. d. Red.), geht zugrunde. Wir kommen unter die R\u00e4der, wir sind einfach nirgendwo mehr zu Hause.<\/p>\n<p><strong>Inwieweit werden die Katholiken benachteiligt?<\/strong><\/p>\n<p>In jeder Hinsicht: Politisch, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich. Oft haben Katholiken Probleme, wenn sie einen kroatischen Namen tragen. Es ist auch schwierig f\u00fcr sie, Arbeit zu finden. Es gibt noch einen Landesteil, West-Herzegowina, wo sie mehr oder weniger leben k\u00f6nnen. Aber auch dort wandern die Katholiken aus.<\/p>\n<p><strong>Welche Folgen hat die Auswanderung der Katholiken f\u00fcr das Land?<\/strong><\/p>\n<p>Die katholischen Kroaten wirken wie \u201eKlebstoff\u201c zwischen Serben und Bosniaken. Wenn dieser Klebstoff wegf\u00e4llt, dann werden diese beiden Welten \u2013 die islamische und die die orthodoxe \u2013 noch weiter auseinanderklaffen. Dann w\u00fcrde es noch mehr Unruhe geben.<\/p>\n<p><strong>Es sind ja auch w\u00e4hrend des Krieges Katholiken gefl\u00fcchtet. Verhindert die aktuelle Situation deren R\u00fcckkehr?<\/strong><\/p>\n<p>Der Annex 7 des Abkommens von Dayton, der die R\u00fcckkehr aller Fl\u00fcchtlinge und Vertriebenen regeln sollte, wurde nicht umgesetzt. Der Vertrag legte auch fest, dass Bosnien und Herzegowina und die internationale Staatengemeinschaft den R\u00fcckkehren politisch, rechtlich und materiell helfen m\u00fcssen. Das ist im Falle der Kroaten nicht passiert. Ich habe die Papiere in H\u00e4nden gehalten, auf denen stand: \u201eSo und so viel Millionen f\u00fcr die vertriebenen Serben, so und so viel f\u00fcr R\u00fcckkehr der Bosniaken.\u201c Und dann nur ein Satz: \u201eDie R\u00fcckkehr der bosnischen Kroaten existiert nicht\u201c. Also erhalten wir von dieser Seite nichts.<\/p>\n<p><strong>Wie wichtig war und ist Ihnen die Hilfe von \u201eKirche in Not\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn es in Europa eine Kirche in Not gibt, dann ist es unsere Kirche. In meinem Bistum Banja Luka wurden 95 Prozent der kirchlichen Geb\u00e4ude im Krieg zerst\u00f6rt oder schwer besch\u00e4digt. Hier hat \u201eKirche in Not\u201c besonders beim Wiederaufbau geholfen. Das gilt auch f\u00fcr viele andere Projekte. Wichtig ist aber auch, dass \u201eKirche in Not\u201c unsere Probleme versteht, uns zuh\u00f6rt und wir auch in Zukunft mit Verst\u00e4ndnis rechnen d\u00fcrfen. Vergelt\u2018s Gott an alle Wohlt\u00e4ter, die hier in eine Sache Gottes investieren! \u201eKirche in Not\u201c ist nicht die Sache von Bisch\u00f6fen und Priestern, nicht die Sache einer Gemeinschaft, es ist die Sache Gottes.<\/p>\n<p><strong>Sie haben ein Europa-Zentrum f\u00fcr Frieden und Verst\u00e4ndigung gegr\u00fcndet. Was ist der Gedanke dahinter?<\/strong><\/p>\n<p>Wir wollen das Zentrum im ehemaligen Trappistenkloster \u201eMaria Stern\u201c (Marija Zvijezda) beheimaten. Es wurde 1869 noch in osmanischer Zeit von Pater Franz Pfranner aus Vorarlberg in \u00d6sterreich gegr\u00fcndet. Als es Probleme mit Baugenehmigungen gab, reiste Pfranner pers\u00f6nlich nach Konstantinopel, um mit dem Gro\u00dfwesir des Sultans zu verhandeln \u2013 mit Erfolg. Dialog ist m\u00f6glich. In diesem Geist soll das Zentrum ein Ort der Begegnung, Bildung, Vers\u00f6hnung und der internationalen wie interreligi\u00f6sen Zusammenarbeit sein. Ich habe f\u00fcr diese Projekte schon wertvolle Mitstreiter gewinnen k\u00f6nnen. So steht zum Beispiel der ehemalige deutsche Bundespr\u00e4sident Christian Wulff an der Spitze des Gr\u00fcndungskuratoriums. Wir wollen die Europ\u00e4isierung Bosniens. Das ist eine gro\u00dfartige Chance.<\/p>\n<p><em>Unterst\u00fctzen Sie die Arbeit und das \u00dcberleben der katholischen Kirche in Bosnien und Herzegowina! Spenden Sie online unter:&nbsp;<span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/helfen\/spenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.kircheinnot.at\/helfen\/spenden\/<\/a><\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Friedensschluss von Dayton ist das Zusammenleben in Bosnien und Herzegowina von Konflikten gepr\u00e4gt. Die katholische Minderheit des Landes werde nach wie vor diskriminiert, beklagt der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica. Gegen\u00fcber dem weltweiten katholischen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c (ACN) monierte er die Tatenlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft. 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