{"id":2551,"date":"2022-08-22T22:00:00","date_gmt":"2022-08-22T20:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/minderjaehrige-entkommt-entfuehrung-html\/"},"modified":"2023-02-16T15:18:30","modified_gmt":"2023-02-16T14:18:30","slug":"minderjaehrige-entkommt-entfuehrung-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/minderjaehrige-entkommt-entfuehrung-html\/","title":{"rendered":"Minderj\u00e4hrige entkommt Entf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p><span>Der 22. August ist der \u201eInternationale Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalttaten aufgrund der Religion oder der Weltanschauung\u201c. Der Tag, der von den Vereinten Nationen eingef\u00fchrt wurde, erinnert daran, dass in zahlreichen L\u00e4ndern religi\u00f6se Gruppen diskriminiert oder verfolgt werden \u2013 darunter auch viele Christen.&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 13.008px;\">Aus diesem Anlass dokumentiert KIRCHE IN NOT einen Fall von Zwangskonversion und -verheiratung, von dem zahlreiche Frauen und M\u00e4dchen weltweit betroffen sind. Ein Brennpunktland ist Pakistan.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13.008px;\"><span>\u201eMeine Schwester und ich hatten uns neue Kleidung gew\u00fcnscht, aber meine Eltern konnten sich das nicht leisten. Also haben wir eine Arbeit angenommen, um unsere Familie zu unterst\u00fctzen\u201c, erkl\u00e4rt die 15-j\u00e4hrige Christin Saba Masih aus Faisalabad, der drittgr\u00f6\u00dften Stadt Pakistans im Osten des Landes.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Wie viele Angeh\u00f6rige der christlichen Minderheit Pakistans ist es auch Sabas Familie nur m\u00f6glich, einfache Hilfsarbeiten zu \u00fcbernehmen. Also ging Saba putzen \u2013 auch am 5. Mai 2022. Der Tag hat ihr junges Leben auf den Kopf gestellt.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Arbeit wurde die Christin entf\u00fchrt. Saba berichtet KIRCHE IN NOT von ihrem Martyrium: \u201eMein Entf\u00fchrer stoppte mit der Rikscha neben mir. Zwei Komplizen kamen mit dem Motorrad. Sie zogen mich in die Rikscha. Dann legten sie ein Taschentuch auf mein Gesicht, das mit Chemikalien getr\u00e4nkt war. Ich wurde bewusstlos.\u201c<\/p>\n<p><span>Als Saba aufwachte, befand sie sich in einer anderen Stadt, etwa 200 Kilometer von Faisalabad entfernt. Sie kannte ihren Entf\u00fchrer: Es handelte sich um ihren muslimischen Nachbarn, einen Bauarbeiter. \u201eIch flehte ihn an, mich zu meinen Eltern heimkehren zu lassen. Ein paar Tage lang habe ich jede Nahrung verweigert\u201c, erz\u00e4hlt Saba. \u201eAber er gab nicht nach.\u201c<\/span><\/p>\n<p>Ihre verzweifelten Eltern gingen zur Polizei. Dort teilte man ihnen mit, dass ihre Tochter den Entf\u00fchrer geheiratet habe. Auf die Frage nach einem Beweis f\u00fcr diese angebliche Eheschlie\u00dfung h\u00e4tten die Polizisten ihn aufgefordert \u201eauf den islamischen Ehevertrag zu warten und jetzt zu gehen\u201c, teilte Sabas Vater Nadeem Masih mit.<\/p>\n<p><span>Sabas Entf\u00fchrung und Zwangsverheiratung ist kein Einzelfall: Nach Angaben des unabh\u00e4ngigen \u201eZentrums f\u00fcr soziale Gerechtigkeit\u201c wurden in Pakistan allein 2021 mindestens 78 M\u00e4dchen und junge Frauen verschleppt, zwangsverheiratet und zur Konversion gezwungen.<\/span><\/p>\n<p>Bei den Entf\u00fchrten habe es sich um Christinnen, Hindus und eine Angeh\u00f6rige der Sikh-Religion gehandelt. Die Dunkelziffer d\u00fcrfte jedoch weit h\u00f6her sein, da viele Entf\u00fchrungen aus Angst vor Repressalien nicht gemeldet werden. Besonders viele Entf\u00fchrungsf\u00e4lle von Christinnen gibt es in der Provinz Punjab, wo auch Saba mit ihrer Familie lebt.<\/p>\n<h5>Nur zwei Prozent in Pakistan sind Christen<\/h5>\n<p>Christen sind eine Minderheit von rund zwei Prozent der \u00fcber 200 Millionen Einwohner Pakistans; Muslime machen rund 96 Prozent der Bev\u00f6lkerung aus. Die Islamische Republik Pakistan hat viele Grunds\u00e4tze der Scharia in ihr Rechtssystem \u00fcbernommen. Es gibt eine starke Gruppe radikaler Muslime, die auch f\u00fcr Entf\u00fchrungen und weitere Aggressionen gegen religi\u00f6se Minderheiten verantwortlich gemacht werden. Mittlerweile stellen sich jedoch auch zahlreiche Muslime Pakistans gegen solche Taten.<\/p>\n<p><span>Das Vorgehen bei den Entf\u00fchrungen ist immer gleich: Die M\u00e4dchen werden auf offener Stra\u00dfe verschleppt, meist am helllichten Tag. Die Entf\u00fchrer gehen zu radikalen \u00f6rtlichen Geistlichen, die islamische Ehevertr\u00e4ge ausstellen, mit denen die erzwungene Eheschlie\u00dfung f\u00fcr g\u00fcltig erkl\u00e4rt wird. Anzeigen bei der Polizei werden oft nur mit gro\u00dfer Verz\u00f6gerung bearbeitet.<\/span><\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr Gerichtsverfahren, auch sie ziehen sich durch Altersbestimmungen oder Einspr\u00fcche der Beklagten in die L\u00e4nge. W\u00e4hrend der ganzen Zeit bleiben die jungen Frauen in der Hand ihrer Entf\u00fchrer \u2013 ausgebeutet und missbraucht.<\/p>\n<h5>Fortschritte und R\u00fcckschl\u00e4ge<\/h5>\n<p>In j\u00fcngerer Vergangenheit haben sich pakistanische Gerichte wiederholt zugunsten der entf\u00fchrten Frauen ausgesprochen. Die Rechtslage ist klar: Das Heiratsalter f\u00fcr M\u00e4dchen liegt in Pakistan bei 16, f\u00fcr Jungen bei 18 Jahren. In der Provinz Sindh im S\u00fcdosten des Landes hat die Regierung verf\u00fcgt, dass auch M\u00e4dchen bei der Hochzeit mindestens 18 Jahre alt sein m\u00fcssen. Damit wurde die Kinderehe unter Strafe gestellt \u2013 ein erster wichtiger Schritt.<\/p>\n<p><span>Aber es sind auch R\u00fcckschl\u00e4ge zu verzeichnen: Es gibt nach wie vor keine Altersbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr den \u00dcbertritt zum Islam, von Religionsschulen oder Geistlichen ausgestellte Bescheinigungen werden gern als Beweis f\u00fcr den angeblich g\u00fcltigen Religionswechsel vorgelegt.<\/span><\/p>\n<p>Auch hat der \u201eRat f\u00fcr Islamische Ideologie\u201c, ein religi\u00f6ses Beratergremium der Regierung und des Parlaments, zwei wichtige Gesetzesentw\u00fcrfe zum Schutz vor h\u00e4uslicher Gewalt und zum Verbot von Zwangskonversionen abgelehnt.<\/p>\n<h5>Kirche steht den betroffenen Familien bei<\/h5>\n<p>Viele Familien k\u00f6nnen sich einen Rechtsbeistand bei Entf\u00fchrungsf\u00e4llen nicht leisten. Kirchliche Organisationen springen ein. So auch im Fall von Saba. Ihre Angeh\u00f6rigen wandten sich an die katholische \u201eKommission f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden\u201c, deren Arbeit KIRCHE IN NOT seit Jahren unterst\u00fctzt. Mitarbeiter dokumentierten den Fall und machten ihn publik.<\/p>\n<p><span>Dies schien Wirkung zu zeigen: Am 29. Mai 2022 erhielt Sabas Vater einen Anruf vom Onkel des Entf\u00fchrers. Er teilte ihm mit, das M\u00e4dchen sei vor einem Polizeirevier in Faisalabad abgesetzt worden. So konnten die Eltern des M\u00e4dchen nach mehr als drei Wochen wieder in die Arme schlie\u00dfen \u2013 ein Wunder. Viele M\u00e4dchen sind monate- oder jahrelang verschleppt.<\/span><\/p>\n<h5>Viele M\u00e4dchen monate- oder jahrelang verschleppt<\/h5>\n<p>Saba ist frei, aber die Tat blieb f\u00fcr den Entf\u00fchrer bislang ohne Konsequenzen. Er ist nach wie vor auf freiem Fu\u00df, obwohl sogar seine richtige Ehefrau zu einer Aussage gegen ihn bereit sei. Das teilte der Di\u00f6zesanleiter der \u201eKommission f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden\u201c, Khalid Rashid, gegen\u00fcber KIRCHE IN NOT mit.<\/p>\n<p>Er ist entschlossen, nicht nachzugeben \u2013 f\u00fcr Sabas Freiheit und das der anderen verschleppten M\u00e4dchen aus religi\u00f6sen Minderheiten in Pakistan: \u201eEs ist selten, entf\u00fchrte M\u00e4dchen zur\u00fcckzubekommen. Aber wir werden niemals Kompromisse eingehen. Das ist eine eklatante Menschenrechtsverletzung durch Personen, die die Religion missbrauchen.\u201c (Foto: Die 16-j\u00e4hrige Saba Masih)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 22. August ist der \u201eInternationale Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalttaten aufgrund der Religion oder der Weltanschauung\u201c. 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