{"id":2553,"date":"2022-08-26T07:28:21","date_gmt":"2022-08-26T05:28:21","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/uebergriff-auf-christin-bleibt-unbestraft-html\/"},"modified":"2023-02-16T15:18:12","modified_gmt":"2023-02-16T14:18:12","slug":"uebergriff-auf-christin-bleibt-unbestraft-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/uebergriff-auf-christin-bleibt-unbestraft-html\/","title":{"rendered":"\u00dcbergriff auf Christin bleibt unbestraft"},"content":{"rendered":"<p>Am 27. April 2022 betrat die koptische Christin Niveen Sobhy eine Dorfapotheke im Gouvernement al-Minufiyya im Norden \u00c4gyptens. Sie wollte Medikamente besorgen f\u00fcr ihren kleinen Sohn. Es war Ramadan, der muslimische Fastenmonat.<\/p>\n<p>Beim Betreten der Apotheke schrie der Besitzer sie an, weil sie ein kurz\u00e4rmliges T-Shirt und keinen Schleier trug. Er habe gewusst, dass sie Christin sei, erkl\u00e4rte Niveen Sobhy im Gespr\u00e4ch mit dem katholischen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c. Sie habe dem Apotheker entgegnet, dass ihn ihre Bekleidung nichts angehe. Daraufhin habe er sie zwei Mal kr\u00e4ftig ins Gesicht geschlagen.<\/p>\n<p><strong>Schikaniert und unter Druck gesetzt<\/strong><\/p>\n<p>Die Christin verst\u00e4ndigte ihre Familie. Die gingen mit ihr zur \u00f6rtlichen Polizeistation, um den \u00dcbergriff anzuzeigen. \u201eDer Polizist und unser B\u00fcrgermeister haben den Apotheker angerufen. Er gab die Tat auch sofort zu. Er behauptete aber, es habe sich dabei nur um einen ,Scherz\u2019 gehandelt, und die Ohrfeigen seien nicht so schlimm gewesen\u201c, erz\u00e4hlt Sobhy.<\/p>\n<p>Auch habe man sie und ihre Familie bei der Polizei schikaniert und unter Druck gesetzt: \u201eSie lie\u00dfen mich bis zwei Uhr nachts warten, obwohl mein Kind schwer krank zu Hause lag. Sie weigerten sich zuerst, einen Bericht \u00fcber den Vorfall zu schreiben. Als ich darauf bestand, Anzeige zu erstatten, drohten sie damit, mich festzunehmen.\u201c Als der Bericht schlie\u00dflich fertig war, h\u00e4tte man ihr nicht erm\u00f6glicht, ihn zu lesen, bevor sie ihn unterschrieb.<\/p>\n<p>Die \u00dcberraschung kam, als sie den Polizeibericht sp\u00e4ter bei der Staatsanwaltschaft einsehen konnte: Dort war zu lesen, der Apotheker sei ein Freund der christlichen Familie und habe sich nur einen Spa\u00df erlaubt. Dabei sei ein solcher \u00dcbergriff nicht zum ersten Mal passiert: \u201eAm vergangenen Osterfest hat der Apotheker eine andere Christin aus dem Dorf geschlagen. Er hat es schon \u00f6fter getan, aber die Frauen haben Angst, ihn anzuzeigen\u201c, berichtet Niveen Sobhy.<\/p>\n<p><strong>Christen sind B\u00fcrger zweiter Klasse<\/strong><\/p>\n<p>Solche \u00dcbergriffe ereigneten sich gerade in den l\u00e4ndlichen Regionen \u00c4gyptens immer wieder, berichtet der Journalist und Menschenrechtler Kamal Sedra. Nach wie vor w\u00fcrden Christen oft als B\u00fcrger zweiter Klasse angesehen. Sie machen weniger als zehn Prozent der \u00fcber 100 Millionen Einwohner \u00c4gyptens aus. Die meisten Christen geh\u00f6ren der koptisch-orthodoxen Kirche an; es gibt auch eine kleine mit Rom unierte koptisch-katholische Kirche. \u201eDie koptischen Christen sind hilflos\u201c, erkl\u00e4rt Sedra gegen\u00fcber \u201eKirche in Not\u201c. \u201eSelbst diejenigen, die gewaltsam aus ihren H\u00e4usern vertrieben werden, haben keine Chance.\u201c<\/p>\n<p>Der Aktivist verweist auf einen Fall aus dem Jahr 2016: Damals sei die 75-j\u00e4hrige Christin Souad Thabet von einem Mob \u00fcber die Stra\u00dfe geschleift worden. Ausl\u00f6ser waren falsche Ger\u00fcchte, ihr Sohn h\u00e4tte eine Aff\u00e4re mit einer verheirateten Muslimin. Die misshandelte Frau und ihre Angeh\u00f6rigen h\u00e4tten das Dorf schlie\u00dflich verlassen m\u00fcssen. Auch ihr ganzes Eigentum blieb zur\u00fcck. Klagen h\u00e4tten bislang keine Chance gehabt, obwohl die Rechtslage eindeutig sei: \u201eEs h\u00e4ngt von der Stimmung der Beh\u00f6rden und dem politischen Willen ab\u201c, erkl\u00e4rt Sedra. Die Verantwortlichen wollten muslimische Extremisten nicht gegen sich aufbringen; es handle sich schlie\u00dflich um eine wichtige W\u00e4hlergruppe.<\/p>\n<p><strong>\u201eBesch\u00e4mende Vers\u00f6hnung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Deshalb kommt es immer wieder zu Scheinl\u00f6sungen, wie im Fall der geohrfeigten Niveen Sobhy. Sie war fest entschlossen, den Vorfall diesmal nicht auf sich beruhen zu lassen. Deshalb hatte sie an den Nationalen Frauenrat \u00c4gyptens, den Innenminister und sogar an das B\u00fcro von Pr\u00e4sident Abdel Fattah Al-Sisi geschrieben. Dennoch setzten die Beh\u00f6rden die Christin und ihre Familie unter Druck.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich stimmten sie einem au\u00dfergerichtlichen Vermittlungstermin zu, der in einer erzwungenen Vers\u00f6hnung mit dem T\u00e4ter endete. Der Apotheker ging straffrei aus. Ein Foto nach dem Termin zeigt alle Beteiligten mit den muslimischen und christlichen Geistlichen des Ortes. Die Entt\u00e4uschung steht Niveen Sobhy ins Gesicht geschrieben.<\/p>\n<p>\u201eDas war eine typische besch\u00e4mende Vers\u00f6hnung\u201c, kommentiert Kamal Sedra. \u201eSo wird \u00fcblicherweise bei extremistischen Angriffen gehandelt. Eine Frau hat nicht das Recht, sich einer solchen erzwungenen Vers\u00f6hnung zu verweigern und Nein zu sagen. Es war von vornherein zu erwarten, dass es so ausgehen w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Es g\u00e4be nach wie vor eine Spaltung zwischen den verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierten Rechten und dem gesellschaftlichen Druck, der durch das muslimische Recht entstehe, erkl\u00e4rt Sedra: \u201eIn \u00c4gypten ist in der Verfassung zwar festgelegt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Aber es gibt nach wie vor einen Artikel, der besagt, dass die Scharia Hauptquelle der Gesetzgebung ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Christen erfahren mehr Solidarit\u00e4t, trotzdem halten \u00dcbergriffe an<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die koptischen Christen \u00c4gyptens jahrelang schweren extremistischen Anschl\u00e4gen ausgesetzt waren, hat sich die Regierung st\u00e4rker des Themas angenommen \u2013 auch auf internationalen Druck hin. Pr\u00e4sident al-Sisi hat zum Beispiel an Weihnachten den Gottesdienst besucht und die Zugeh\u00f6rigkeit der Christen zur \u00e4gyptischen Gesellschaft betont.<\/p>\n<p>Auch wurden nachtr\u00e4glich zahlreiche Kirchenbauten f\u00fcr legitim erkl\u00e4rt, nachdem die Beh\u00f6rden jahrzehntelange keine Baugenehmigungen erteilt hatten. Verantwortliche kritisieren jedoch, dass die Vorschriften f\u00fcr den Bau von Kirchen nach wie vor viel strenger seien als f\u00fcr den Bau von Moscheen.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident al-Sisi ernannte k\u00fcrzlich zum ersten Mal in der Geschichte des Landes einen koptischen Richter zum Vorsitzenden des Verfassungsgerichts. Auch in Teilen der Mehrheitsbev\u00f6lkerung und unter muslimischen Geistlichen haben viele Zeichen der Solidarit\u00e4t mit den christlichen Nachbarn eingesetzt.<\/p>\n<p>Dennoch sind Christen nach wie vor Diskriminierungen und \u00dcbergriffen ausgesetzt, vor allem in den l\u00e4ndlichen Regionen. Im Fokus der Gewalt stehen christliche Frauen. \u201eKirche in Not\u201c hat F\u00e4lle dokumentiert, in denen koptische Frauen und M\u00e4dchen von radikalen Muslimen verschleppt, zwangsverheiratet und zur Konversion gezwungen wurden.<\/p>\n<p><em>Die Fallstudie \u201eH\u00f6rt ihre Schreie\u201c von \u201eKirche in Not\u201c dokumentiert F\u00e4lle von Gewalt gegen christliche Frauen aus \u00c4gypten, Pakistan, Nigeria, Irak und Syrien. Sie ist kostenlos bei \u201eKirche in Not\u201c erh\u00e4ltlich:&nbsp;<span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/shop\/bericht-hoert-ihre-schreie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.kircheinnot.at\/shop\/bericht-hoert-ihre-schreie\/<\/a><\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. April 2022 betrat die koptische Christin Niveen Sobhy eine Dorfapotheke im Gouvernement al-Minufiyya im Norden \u00c4gyptens. Sie wollte Medikamente besorgen f\u00fcr ihren kleinen Sohn. 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