{"id":333,"date":"2013-11-19T07:51:16","date_gmt":"2013-11-19T07:51:16","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/glaube-ist-ein-stueck-heimat-html\/"},"modified":"2022-12-06T15:33:34","modified_gmt":"2022-12-06T15:33:34","slug":"glaube-ist-ein-stueck-heimat-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/glaube-ist-ein-stueck-heimat-html\/","title":{"rendered":"Glaube ist ein St\u00fcck Heimat"},"content":{"rendered":"<p>Die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel besteht haupts\u00e4chlich aus Einwanderern, die vor allem aus Indien und von den Philippinen stammen. Die Pfarreien der Region sind daher ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen, Traditionen und Sprachen.&nbsp;<span style=\"line-height: 1.538em;\">Stefan Stein vom weltweiten katholischen Hilfswerk &#8222;Kirche in Not&#8220; ist vor kurzem von einer Informationsreise in die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Kuwait zur\u00fcckgekehrt. Im Interview berichtet er von den Herausforderungen der Seelsorge und der pastoralen Unterst\u00fctzung durch das Hilfswerk vor Ort.<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Herr Stein, wie leben die Christen in den von Ihnen besuchten Golfstaaten?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Die Christen sind eine Minderheit in den vom Islam gepr\u00e4gten Gesellschaften, einheimische Christen gibt es fast gar nicht. Der hohe Ausl\u00e4nderanteil zeigt sich auch bei den Priestern, die meist aus Indien oder von den Philippinen kommen. Die Mehrheit der Gl\u00e4ubigen ist wegen der Arbeit in die arabischen L\u00e4nder gezogen. Ein Gro\u00dfteil lebt dort alleine; ihre Ehepartner und Familien wohnen dagegen weiterhin in ihren Heimatl\u00e4ndern. Deswegen ist die Pfarrei, aber auch der christliche Glaube ein St\u00fcck Heimat f\u00fcr sie.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">K\u00f6nnen die Christen ihren Glauben frei leben?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Die Pfarreigrundst\u00fccke werden den Katholiken von den jeweiligen Herrschern des Landes zur Verf\u00fcgung gestellt. Auf diesem Gel\u00e4nde k\u00f6nnen die Priester ihren liturgischen Dienst frei aus\u00fcben und die Gl\u00e4ubigen einen Gottesdienst besuchen. Au\u00dferhalb ist das nicht immer m\u00f6glich. Die Priester der Pfarrei in der bahrainischen Hauptstadt Manama k\u00f6nnen zum Beispiel die ausl\u00e4ndischen Arbeiter, die h\u00e4ufig in eigenen Camps wohnen, besuchen und bei ihnen Gottesdienste feiern. In den Vereinigten Arabischen Emiraten geht das dagegen nicht. Mission unter Muslimen ist \u00fcberall verboten.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Wie sieht das katholische Gemeindeleben in den Golfstaaten aus?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe die Pfarreien in allen vier L\u00e4ndern als lebendig und vielf\u00e4ltig erlebt. Die Gottesdienste sind dort sehr gut besucht. An einem normalen Werktag kamen in Dubai beispielsweise rund 2000 Gl\u00e4ubige zusammen. Die Kirchen in den Golfstaaten sind meist gr\u00f6\u00dfer als hierzulande, um so viele Menschen fassen zu k\u00f6nnen. Aber manchmal reicht der Platz dennoch nicht aus, so dass die Gottesdienste auch nach drau\u00dfen \u00fcbertragen werden. Auf Leinw\u00e4nden oder gro\u00dfen Fernsehern kann man dann die Messen verfolgen. An einem Freitag \u2013 dem islamischen Feiertag, an dem die Kirche in diesen L\u00e4ndern die Sonntagsliturgie feiert \u2013 gibt es rund 15 Gottesdienste am Tag in verschiedenen Sprachen und Riten. An einem Samstag und Sonntag sind es immerhin noch jeweils bis zu zehn Gottesdienste. In Dubai gibt es die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dfte Pfarrei der Welt. Es gibt zwar keine offizielle Statistik, aber der Gemeindepfarrer geht von 300 000 bis 400 000 Katholiken aus. Auch in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, oder in Manama, der Hauptstadt Bahrains, gibt es jeweils rund 100 000 Katholiken.<\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Das sind sehr hohe Zahlen. Wie schaffen es die Priester, die Seelsorge bei so vielen Menschen aufrechtzuerhalten?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Das ist oft nicht einfach. Jeder Priester hat am Wochenende nat\u00fcrlich mehrere Gottesdienste. Manche Pfarreien haben auch weit entfernte Au\u00dfenstationen. Die Arbeit der Priester ist vor allem gepr\u00e4gt durch den sakramentalen Dienst, neben Gottesdienstfeiern kommen Taufen, Eheschlie\u00dfungen oder Beerdigungen hinzu. Ohne die Arbeit und das Engagement von zahlreichen Laien und Freiwilligen geht es daher nicht.&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Bischof Paul Hinder, der f\u00fcr die L\u00e4nder Vereinigte Arabische Emirate, Jemen und Oman zust\u00e4ndig ist, sagte w\u00e4hrend unseres Besuchs treffend:&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">&#8222;Es ist eine Kirche auf den Schultern der Laien.&#8220; Ein Beispiel: In allen vier besuchten Staaten liegt die Katechese in der Hand von Freiwilligen.&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Sie opfern ihren freien Tag, um Kindern und Jugendlichen den Glauben zu vermitteln. Auch hier ist die Zahl enorm: Etwa 8000 treffen sich jede Woche zur Katechese in der Pfarrei St. Mary\u2018s in Dubai. In Abu Dhabi sind es 4000. Sie werden in unterschiedlichen Klassenstufen in mehreren Schichten nacheinander unterrichtet.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Wie ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Muslimen und Christen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Ich kann nat\u00fcrlich nur die Situation in den von uns besuchten L\u00e4ndern beschreiben. Zumindest dort begegnet man sich mit gegenseitigem Respekt.&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Nat\u00fcrlich wissen und merken Christen, dass sie in den muslimisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern nicht zu Hause sind. Aber es gibt keine Christenverfolgung, wie man sie aus anderen arabischen L\u00e4ndern kennt.&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Priester k\u00f6nnen auch im Alltag den Talar tragen, und viele Muslime besuchen kirchliche Schulen.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Sie haben unter anderem Katar besucht, wo im Jahr 2022 die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft stattfindet. In den Medien wurde von zahlreichen Toten auf den Stadienbaustellen berichtet. Wie haben Sie die Situation der Arbeiter erlebt?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">In Katar wird derzeit sehr viel gebaut. Es entstehen nicht nur Stadien f\u00fcr die Fu\u00dfball-WM, sondern auch ein neuer Flughafen sowie ein neues&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Gesch\u00e4fts- und Handelszentrum, das sich auf einer L\u00e4nge von acht Kilometern erstreckt. Zudem werden viele neue Stra\u00dfen gebaut. Die Bauarbeiter kommen so gut wie alle aus dem Ausland. Die meisten von ihnen leben in gro\u00dfen Wohngemeinschaften in einem Haus oder in abgeschotteten und abgelegenen Camps. Solche Lager gibt es auch in den anderen drei Staaten. Wir hatten leider keine Gelegenheit, diese zu besuchen. In Kuwait waren wir aber in einer Wohngemeinschaft von neun Arbeitern in einer \u00e4rmeren Vorstadt von Kuwait City. Sie lebten in drei Zimmern, f\u00fcnf von ihnen in einem fensterlosen Raum. F\u00fcr diese drei Zimmer zahlen sie umgerechnet \u00fcber 500 Euro Miete im Monat. Ein Arbeiter verdient durchschnittlich zwischen 250 und 350 Euro im Monat. Davon muss er unter anderem die Miete zahlen und manchmal auch die Verpflegung, je nachdem, bei welcher Firma er angestellt ist. Mit einem Teil des Lohnes unterst\u00fctzen viele Arbeiter auch ihre Familien, die sie im Heimatland zur\u00fccklassen mussten. Einmal im Jahr kann ein Arbeiter seine Familie f\u00fcr einen Monat besuchen, manchmal auch nur alle zwei Jahre. Der Kontakt wird \u00fcber Internet oder Telefon aufrechterhalten.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Wie wird sich das Leben der Christen in der Golfregion entwickeln?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Das ist nat\u00fcrlich schwer vorherzusagen. Aber zwei Faktoren sind wichtig:&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">das wirtschaftliche Wohlergehen der Staaten und ein best\u00e4ndiger Frieden.&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Bisher k\u00f6nnen die Christen in den Golfstaaten ihren Glauben innerhalb der Pfarrei frei leben. In Saudi-Arabien nat\u00fcrlich nicht, denn dort ist keinerlei \u00f6ffentliches christliches Bekenntnis erlaubt. Aber auch dort gibt es \u00fcber 1,5 Millionen Christen. Falls die vom Erd\u00f6lexport gepr\u00e4gte Wirtschaft einbrechen und kriegerische Auseinandersetzungen in anderen muslimisch gepr\u00e4gten Staaten, wie zum Beispiel Syrien oder Irak, auch die Golfstaaten erreichen sollte, w\u00e4ren die Migranten die Ersten, die das Land verlassen m\u00fcssten.<\/span><\/p>\n<p>Das Christentum in der Region rund um den Persischen Golf w\u00e4chst, denn immer mehr Arbeiter aus christlich gepr\u00e4gten Regionen kommen dorthin. Im Apostolischen Vikariat S\u00fcdliches Arabien gibt es rund eine Million Christen, vor vier Jahren waren es noch etwa 700 000. In Bahrain entsteht zudem demn\u00e4chst ein neues geistliches Zentrum f\u00fcr das Apostolische Vikariat N\u00f6rdliches Arabien, das auch von &#8222;Kirche in Not&#8220;&nbsp;<span style=\"line-height: 1.538em;\">unterst\u00fctzt werden soll. Hier kommen zuk\u00fcnftig Priester und Katecheten zu Tagungen, Gespr\u00e4chen und Treffen zusammen. Au\u00dferdem wird eine neue Kathedrale mit knapp 2000 Sitzpl\u00e4tzen errichtet. Das h\u00f6rt sich f\u00fcr deutsche Ohren m\u00f6glicherweise viel an, aber wer mit eigenen Augen gesehen hat, dass wirklich so viele Menschen in die Gottesdienste und zu den Katechesen kommen, der erkennt, dass dieser Platz tats\u00e4chlich gebraucht wird.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.538em;\">Was k\u00f6nnen wir in Europa f\u00fcr die Menschen vor Ort tun?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Begleiten Sie die Christen am Persischen Golf im Gebet. Au\u00dferdem empfehle ich jedem, der vorhat, in die Staaten am Persischen Golf zu reisen, dass er oder sie sich nicht nur im Hotel oder in Einkaufszentren aufhalten sollte. Besuchen Sie zum Beispiel in Dubai oder Abu Dhabi an einem Freitag eine der katholischen Pfarreien. Viele Leser werden sicherlich erstaunt sein \u00fcber die Lebendigkeit und Freude in den Gottesdiensten und auf dem Pfarreigel\u00e4nde. Das erwartet man aus einem deutschen Blickwinkel vielleicht nicht unbedingt. Die Herzlichkeit der Menschen und die Freude am Glauben werden aber jeden anstecken.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel besteht haupts\u00e4chlich aus Einwanderern, die vor allem aus Indien und von den Philippinen stammen. 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