{"id":371,"date":"2013-12-24T10:07:57","date_gmt":"2013-12-24T10:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/bischof-geschlagen-und-verhaftet-interv-html\/"},"modified":"2022-12-06T15:33:33","modified_gmt":"2022-12-06T15:33:33","slug":"bischof-geschlagen-und-verhaftet-interv-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/bischof-geschlagen-und-verhaftet-interv-html\/","title":{"rendered":"Bischof geschlagen und verhaftet, Interv."},"content":{"rendered":"<p><em>Am 11. Dezember 2013 nahm Erzbischof Anil Couto von Delhi an einem gro\u00dfen Protestmarch in Indiens Hauptstadt teil, bei dem die Demonstranten gleiche Rechte f\u00fcr Christen und Muslime der unteren Kaste, die auch Dalits oder \u201eUnber\u00fchrbare\u201c genannt werden, forderten. Sie machen mehr als 65&nbsp;% der 27 Millionen Christen Indiens aus. Als sich die friedlichen Demonstranten der Hauptstra\u00dfe n\u00e4herten, wurden sie Opfer brutaler \u00dcbergriffe der Polizei. Zahlreiche Demonstranten, darunter auch Priester und Nonnen, wurden geschlagen und mit Wasserwerfern mit schmutzigem Wasser beschossen. Erzbischof Couto, der Seite an Seite mit anderen hohen katholischen W\u00fcrdentr\u00e4gern des Landes sowie gemeinsam mit f\u00fchrenden Vertretern von Protestanten und Muslime an dem Protestmarsch teilnahm, war einer von mehr als 400 Demonstranten, die von der Polizei verhaftet wurden.<\/em><\/p>\n<p><em style=\"line-height: 1.538em;\">Erzbischof Couto im Gespr\u00e4ch mit dem katholischen Hilfswerk Kirche in Not<\/em><\/p>\n<p><strong style=\"line-height: 1.538em;\">Was war der Grund f\u00fcr die Proteste genau zu diesem Zeitpunkt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir demonstrieren seit vielen Jahren regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr gleiche Rechte von Christen und Muslime. Der 10. Dezember war \u00fcberdies der UN-Menschenrechtstag. Zu dieser Zeit kommt au\u00dferdem das indische Parlament zu seiner Wintersitzung zusammen. Wir hofften also, dass die Regierung und einige politische F\u00fchrer, die mit unserem Anliegen sympathisieren, auf uns aufmerksam werden w\u00fcrden, damit das Thema im Parlament zur Sprache k\u00e4me und auf diese Weise Druck auf die Regierung ausge\u00fcbt w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong style=\"line-height: 1.538em;\">Wie erkl\u00e4ren Sie sich die \u00e4u\u00dferst aggressive Reaktion der Beh\u00f6rden auf Ihren Protest? Zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren wurde so viel Gewalt angewandt, um die Proteste christlicher und muslimischer Dalits niederzuwerfen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Aggressionen auf Seiten der Regierung resultierten aus der Tatsache, dass wir die Sicherheitsabsperrung vor dem Parlament durchbrochen haben. Die Proteste jenseits dieser Absperrung wurden von der Polizei mit Kn\u00fcppeln und Wasserwerfern bek\u00e4mpft. Wenn wir unsere Demonstration fortgesetzt h\u00e4tten, h\u00e4tte die Polizei m\u00f6glicherweise zu noch h\u00e4rteren Mitteln gegriffen. Aber wir hatten den Eindruck, dass wir diesen Vorsto\u00df wagen mussten, um die erforderliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Wir mussten eine drastische Ma\u00dfnahme w\u00e4hlen, auch wenn wir damit gegen Gesetze versto\u00dfen haben. Dieses Risiko mussten wir einfach eingehen.<\/p>\n<p><strong>Welche Bedeutung kommt der Tatsache zu, dass Christen und Muslime in dieser Sache Seite an Seite k\u00e4mpfen? K\u00f6nnte dies positive Auswirkungen auf Muslime und Christen in Indien und Pakistan oder beispielsweise auch im Nahen Osten haben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Auswirkungen unsere gemeinsamen Anstrengungen au\u00dferhalb von Indien m\u00f6glicherweise haben. In Pakistan sind Christen nur eine kleine Gemeinschaft, die sich vielen fanatischen Gruppen gegen\u00fcbersieht. Nat\u00fcrlich hoffe ich, dass diese Beziehung zwischen Christen und Muslime in Indien positive Auswirkungen auch au\u00dferhalb unseres Landes haben wird. Aber hier sind nat\u00fcrlich Christen als auch Muslime eine Minderheit, die diskriminiert wird. Das macht diese ganz spezielle Situation aus, in der wir gute Beziehungen miteinander pflegen.<\/p>\n<p><strong style=\"line-height: 1.538em;\">1950 wurden hinduistischen Dalits Rechte einger\u00e4umt, die in der Folge auch Buddhisten und Sikhs erhielten. Welche Erkl\u00e4rung haben Sie daf\u00fcr, dass sich so viele aufeinanderfolgende indische Regierungen immer wieder geweigert haben, christlichen und muslimischen Dalits Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Weigerung resultiert aus der Hindutva-Ideologie, nach der Indien streng nach hinduistischen Regeln ausgerichtet sein muss und letztendlich ein theokratischer Hindu-Staat werden soll. Man propagiert die Ansicht, dass der Islam und das Christentum von au\u00dfen in das Land gekommen sind und dass diese Religionen nicht aus Indien stammen. Anh\u00e4nger von Glaubensrichtungen, die in Indien beheimatet sind wie Sikhs, Jains und Buddhisten werden in Indien in viel st\u00e4rkerem Ma\u00dfe toleriert. Die Diskriminierung von Christen resultiert vor allem aus der Furcht, dass, wenn christlichen Dalits Rechte einger\u00e4umt werden, viele hinduistische Dalits zum Christentum konvertieren k\u00f6nnten. Genau dies bef\u00fcrchten die rechtsgerichteten nationalistischen Hindu-Parteien.<\/p>\n<p><strong style=\"line-height: 1.538em;\">Gibt es etwas, was den christlichen Glauben so einzigartig macht?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, der christliche Glaube h\u00e4lt auf eine bestimmte Weise die W\u00fcrde des Menschen aufrecht. Aus der Beziehung zu Christus und dem Evangelium ergibt sich eine gro\u00dfe Kraft und St\u00e4rke. Der Herr ist f\u00fcr uns gestorben! Durch sein Opfer wurden wir errettet! Neben geistiger Nahrung bieten die christlichen Kirchen gro\u00dfe Leistungen im gesellschaftlichen Bereich an und arbeiten unerm\u00fcdlich f\u00fcr soziale und politische Reformen. Dies ist \u00e4u\u00dferst attraktiv f\u00fcr die Menschen \u2013 und genau aus diesem Grund haben rechtsgerichtete Hindu-Splitterparteien Angst, dass ein gro\u00dfer Exodus vom Hinduismus hin zum Christentum einsetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Es wurde verschiedentlich berichtet, dass einige christliche Dalits, obwohl sie ihren Glauben f\u00fcr sich pers\u00f6nlich praktizierten, sich in der \u00d6ffentlichkeit als Hindus ausgaben, um von staatlichen Leistungen zu profitieren? Stellt das f\u00fcr Sie ein gro\u00dfes Problem dar? <\/strong><\/p>\n<p>Die Situation ist ungerecht: Christen werden ihre verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierten Rechte aberkannt und auf diese Weise kann man Gesetze umgehen. Allerdings sind mir nicht viele Personen bekannt, die dies tun. Es gibt viele Menschen, die f\u00fcr ihren Glauben eintreten und deshalb bewusst wirtschaftliche und soziale Nachteile in Kauf nehmen.<\/p>\n<p><strong style=\"line-height: 1.538em;\">Am 12. Dezember hatten Sie sowie weitere christliche F\u00fchrer die M\u00f6glichkeit eines Treffens mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh. Welche Ergebnisse hatten die Gespr\u00e4che mit ihm?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten nur 10 Minuten Zeit, um mit ihm zu sprechen, aber die Gespr\u00e4che haben uns Mut gemacht. Als wir ihn \u00fcber die Schl\u00e4ge und die Gewalt der Polizei in Kenntnis setzen, erwiderte er: \u201eDas tut mir sehr leid.\u201c Er versicherte der Delegation, dass er die Angelegenheit in seinem Kabinett zur Sprache bringen wird und dass sich zudem daf\u00fcr einsetzen wird, dass sie auch im Parlament angesprochen wird. Das Thema ist derzeit beim Obersten Gerichtshof anh\u00e4ngig, der darauf wartet, ob die Regierung es bef\u00fcrwortet oder ablehnt, christlichen und muslimischen Minderheiten Rechte einzur\u00e4umen. Der Gerichtshof handelt gem\u00e4\u00df der Empfehlung eines Sonderausschusses, der sich Ragunath Mishra-Ausschuss nennt und in diesem Zusammenhang von der Regierung eingesetzt wurde. Der Ausschuss hat die Regierung vor vier Jahren gedr\u00e4ngt, dass positive Ma\u00dfnahmen unabh\u00e4ngig von Religionszugeh\u00f6rigkeiten ergriffen werden sollten. Unsere Frage an die Regierung ist, warum der Oberste Gerichtshof von ihr bislang weder eine positive noch eine negative Antwort erhalten hat. Die F\u00fchrung des Landes schweigt einfach zu dem Thema. Aber sie muss handeln!<\/p>\n<p><strong>Welche Meinung haben Sie zu Narandra Modi, dem Regierungschef des indischen Bundesstaats Gujarat, der der Bharatiya Janata-Partei (BJP) angeh\u00f6rt und bei den Wahlen im kommenden Jahr antreten m\u00f6chte. Er wird mit Gewaltakten gegen Muslime, bei denen 2002 1.000 Menschen get\u00f6tet wurden, in Verbindung gebracht. Hat er eine Chance auf das Amt des Premierministers? Was w\u00fcrde es f\u00fcr Ihr Anliegen bedeuten, wenn die BJP als nationalistische Hindupartei wieder an die Macht k\u00e4me?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin mir nicht sicher, ob er eine Chance hat. Die Medien sehen ihn als Gewinner der Wahlen. Es herrscht ein ziemlicher Rummel. Betrachtet man seine Vergangenheit, w\u00e4re er sicherlich keine gute Wahl f\u00fcr uns. F\u00fcr Minderheiten k\u00f6nnte es in der Tat sehr gef\u00e4hrlich werden, wenn die BJP wieder an der Macht w\u00e4re, auch innerhalb einer Regierungskoalition. Sie w\u00fcrden wieder damit anfangen, Stimmung gegen eine Konversion zum Christentum zu machen und die Christen beschuldigen, auf aggressive Weise zu missionieren, was eine v\u00f6llig falsche Behauptung ist.<\/p>\n<p>Die christliche Missionsarbeit wird fortgef\u00fchrt, aber im verfassungsrechtlichen Rahmen. Wir haben die Freiheit, unseren Glauben zu bekennen und ihn zu verbreiten. Und die Menschen sind frei in der Wahl ihrer Religion. Der BJP w\u00fcrde es gefallen, eine Art von Psychose und \u00f6ffentliche Paranoia dahingehend entstehen zu lassen, dass jede Konversion eine Zwangskonversion ist und den Beh\u00f6rden gemeldet werden muss. Zudem w\u00e4ren viele Medien auf der Seite hinduistischer Nationalisten.<\/p>\n<p><strong>Welche n\u00e4chsten Schritte planen Sie und andere christliche (und muslimische) F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten in Indien?<\/strong><\/p>\n<p>Wir versuchen, unsere Bem\u00fchungen in diesem \u00f6kumenischen Rahmen zu b\u00fcndeln. Wir denken \u00fcber unsere n\u00e4chsten Schritte nach. Wir haben noch keine gemeinsame Strategie entwickelt. Die Bischofskonferenz arbeitet mit dem National Christian Council von Indien und dem Evangelical Fellowship zusammen, um die Menschen zu ermutigen, ihre Stimme Parteien mit weltlicher Pr\u00e4gung zu geben, die den s\u00e4kularen Charakter unserer Verfassung aufrechterhalten. Dennoch sind wir nicht sicher, welche \u2013 wenn auch s\u00e4kulare \u2013 Partei offen f\u00fcr die Anliegen christlicher (und muslimischer) Dalits eintreten w\u00fcrde. Der Kongress hatte alle M\u00f6glichkeiten, sich mit diesem Thema vor vielen Jahrzehnten zu befassen, als die Bef\u00fcrworter dort noch die absolute Mehrheit hatten, aber er hat die Zeit f\u00fcr dieses wichtige Thema vertr\u00f6delt und damit f\u00fcr Ungerechtigkeit gesorgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 11. 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