{"id":415,"date":"2014-02-14T09:41:40","date_gmt":"2014-02-14T08:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/im-fadenkreuz-radikaler-islamisten-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:18:25","modified_gmt":"2023-02-23T11:18:25","slug":"im-fadenkreuz-radikaler-islamisten-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/im-fadenkreuz-radikaler-islamisten-html\/","title":{"rendered":"Im Fadenkreuz radikaler Islamisten?"},"content":{"rendered":"<p>Bernadin Francis Mfumbusa ist Bischof der Di\u00f6zese Kondoa im Herzen Tansanias. Seit Generationen leben dort alle Religionen friedlich zusammen. In den letzten Jahren gibt es jedoch besorgniserregende Anzeichen f\u00fcr das Aufkommen eines extremistischen Islam. Im Gespr\u00e4ch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c erkl\u00e4rt Bischof Mfumbusa die Hintergr\u00fcnde dieser Entwicklung.<em><br \/><\/em><br \/><strong>Herr Bischof, Sie waren vor Kurzem anl\u00e4sslich eines Jubil\u00e4ums auf den Tansania vorgelagerten Inseln von Sansibar, wo der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung muslimisch ist. Beobachten Sie dort eine Zunahme extremistischer Tendenzen?<\/strong><\/p>\n<p> Ja, aber diese Bedrohung sollte im Zusammenhang gesehen werden. Denn erstens sind die Spannungen zwischen Christen und Muslimen auf Sansibar nichts Neues: Einige Muslime beanspruchen den Archipel f\u00fcr sich und behaupten, der Islam sei die Religion Sansibars. Zweitens ist die Radikalisierung eines bestimmten Teils der Bev\u00f6lkerung von Sansibar Teil eines weltweiten Trends, also kein rein lokales Problem. Und drittens haben religi\u00f6se Spannungen immer auch eine politische Dimension, da einige Gruppen sich selbst als Verteidiger der \u201eWerte Sansibars\u201c darstellen und gemeint sind damit die Werte und Prinzipien des Islams. Allerdings w\u00fcrde die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung auf Sansibar lieber in Frieden leben, da Extremismus eine Gefahr f\u00fcr die gesamte Gesellschaft ist \u2013 nicht nur f\u00fcr Christen.<\/p>\n<p> <strong>Haben Sie Sorge, dass solche dschihadistischen Elemente f\u00fcr Probleme auf dem Festland sorgen k\u00f6nnten? <\/strong><\/p>\n<p> Die M\u00f6glichkeit, dass es auf dem Festland von Tansania Probleme geben wird, ist genauso real wie in London oder New York. Im vergangenen Jahr wurde auf eine katholische Kirche in Arusha ein Bombenattentat ver\u00fcbt. Die T\u00e4ter laufen immer noch frei herum. K\u00fcrzlich stand in der Zeitung, dass in Tanga, einer wichtigen Hafenstadt, Angeh\u00f6rige der Al-Shabaab-Miliz, einer militanten Organisation aus Somalia, gesehen wurden. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr im Augenblick ist die Infiltrierung durch ausl\u00e4ndische Dschihadisten und die R\u00fcckkehr tansanischer Radikaler, die au\u00dferhalb des Landes in Trainingscamps waren.<\/p>\n<p> <strong>Nehmen Sie eine gr\u00f6\u00dfere Bedrohung f\u00fcr Tansania wahr, jetzt da extremistische Muslime sich ihren Weg nach Mali, Nigeria, in die Zentralafrikanische Republik und andere Staaten gebahnt haben? Welche Kr\u00e4fte stecken hinter diesem importierten radikalen Islam? <\/strong><\/p>\n<p> Tansania hat mit sch\u00e4tzungsweise 35 Prozent einen gro\u00dfen muslimischen Bev\u00f6lkerungsanteil. Eine Gruppe, die auf Kisuaheli \u201eUamsho\u201c (\u201eErwachen\u201c) hei\u00dft, sch\u00fcrt die Gewalt, speziell in Sansibar. Flugbl\u00e4tter mit Botschaften, die sich konkret gegen Christen und christliche Einrichtungen wenden, wurden sichergestellt. Auf dem Festland wurde wenigstens ein Radiosender verboten, weil er zu religi\u00f6s motivierter Gewalt anstachelte. Die Geldmittel f\u00fcr diese Aktivit\u00e4ten scheinen aus dem Ausland zu stammen, und die Stra\u00dfen werden von Medien \u00fcberflutet, die Muslime zu Gewalt gegen Kafir, also Nicht-Muslime, ermutigen.<\/p>\n<p> <strong>Was geschieht mit dem friedlichen Islam, der so lange charakteristisch f\u00fcr Afrika war? <\/strong><\/p>\n<p> Ein bekannter ugandischer Politikwissenschaftler, Mahmoud Mamdani, hat ein Buch mit dem Titel \u201eGuter Moslem, b\u00f6ser Moslem\u201c geschrieben. Darin warnt er unter anderem vor der Gefahr, die Thematik zu stark zu vereinfachen. Es gibt eine extremistische Randgruppe, das ist richtig, aber die gro\u00dfe Mehrheit der Muslime ist friedfertig. <br \/> In meiner Stadt Kondoa sind \u00fcber 90 Prozent Muslime. Rund 80 Prozent meiner eigenen Familienmitglieder sind Muslime. Und bis jetzt sind wir miteinander gut ausgekommen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist der Einfluss von au\u00dfen, der neue Interpretationen und sogar neue Formen der Aus\u00fcbung des Islam mit sich bringt.<\/p>\n<p> <strong>Wie erkl\u00e4ren Sie den Hass einiger Muslime auf Christen und ihren Glauben?<\/strong><\/p>\n<p> Einige muslimische Gelehrte sagen, der Islam sei die urspr\u00fcngliche Religion Afrikas. In Wahrheit wurde der Islam im 7. Jahrhundert in Folge von Eroberungsz\u00fcgen nach Nordafrika gebracht und gelangte \u00fcber arabische H\u00e4ndler nach Ostafrika. Der Hass von Muslimen auf Christen kann auf eine totalit\u00e4re Tendenz zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, alle Nicht-Muslime auszul\u00f6schen. Das geschah in Nordafrika w\u00e4hrend der fr\u00fchen Anf\u00e4nge des Islam. Einige muslimische Anf\u00fchrer behaupten, Muslime w\u00fcrden von Christen an den Rand gedr\u00e4ngt. Damit begr\u00fcnden sie Interventionen wie vor kurzem in der Zentralafrikanischen Republik durch die muslimischen S\u00e9l\u00e9ka-Rebellen, deren Raubz\u00fcge unter dem Vorwand stattfanden, Muslime sch\u00fctzen zu wollen. Christen sind die S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr alles, was in der muslimischen Bev\u00f6lkerung nicht stimmt \u2013 und die Demagogen nutzen solche Argumente, um die Menschen in den Hass zu treiben.<\/p>\n<p> <strong>Wie kann die Kirche dazu beitragen, Br\u00fccken zwischen Christen und Muslimen zu bauen? <\/strong><\/p>\n<p> In Tansania gibt es auf verschiedenen Ebenen einen interreligi\u00f6sen Dialog. Auf nationaler Ebene gibt es einen multikonfessionellen Ausschuss, in dem Glaubensf\u00fchrer aller Religionen zusammenkommen. Sogar hier in meiner Di\u00f6zese in Kondoa haben wir einen Ausschuss, der sich mit interreligi\u00f6sen Problemen besch\u00e4ftigt. Au\u00dferdem ist die Kirche offen f\u00fcr alle Menschen, die ihre Einrichtungen wie Schulen, Universit\u00e4ten oder Krankenh\u00e4user nutzen m\u00f6chten.<\/p>\n<p> <strong>Hatten Sie selbst bereits schon einmal unter den Extremisten zu leiden?<\/strong><\/p>\n<p> Das B\u00f6se ist Teil des menschlichen Lebens, und niemand kann dem entgehen. Es ist leichter, von den Schrecken des Krieges, von Hass, Hunger und so weiter zu h\u00f6ren, wenn das in weit entfernten L\u00e4ndern geschieht. Ich habe pers\u00f6nlich eine Trag\u00f6die durchlebt, als Pater Ambroce Mkenda am Heiligabend 2012 angeschossen und schwer verletzt wurde. Sein Verbrechen war es offensichtlich, katholischer Priester auf Sansibar zu sein. Ich kenne ihn gut, wir waren Ende der 1980er-Jahre zusammen im Priesterseminar. Tats\u00e4chlich ist es so, wie manche sagen: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.<\/p>\n<p> <strong>Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Gaben des afrikanischen Katholizismus \u2013 und k\u00f6nnen diese f\u00fcr die Kirche im Westen von Vorteil sein?<\/strong><\/p>\n<p> Ich denke, eine der gr\u00f6\u00dften Gaben des tansanischen Katholizismus ist die Einigkeit. Trotz ethnischer, regionaler und anderer Unterschiede akzeptieren die Gl\u00e4ubigen beispielsweise problemlos Seelsorger und Bisch\u00f6fe aus anderen Landesteilen oder anderen ethnischen Gruppen. Eine andere Gabe, die man anderenorts nachahmen k\u00f6nnte, sind unsere \u201aKleinen Christlichen Gemeinschaften\u2018, die zur kraftvollen Verk\u00f6rperung der lokalen Kirche unseres Landes geworden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernadin Francis Mfumbusa ist Bischof der Di\u00f6zese Kondoa im Herzen Tansanias. Seit Generationen leben dort alle Religionen friedlich zusammen. 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