{"id":4399,"date":"2023-03-26T09:25:00","date_gmt":"2023-03-26T07:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/?p=4399"},"modified":"2023-03-24T09:01:42","modified_gmt":"2023-03-24T08:01:42","slug":"seminaristen-erinnern-an-entfuerhung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/seminaristen-erinnern-an-entfuerhung\/","title":{"rendered":"\u201eDas Blut unseres Bruders hat uns befreit\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwei nigerianische Seminaristen erinnern sich an die dramatische Zeit in den H\u00e4nden ihrer Entf\u00fchrer.<\/h2>\n\n\n<p><em>Pius Tabat und Stephen Amos wurden zusammen mit zwei weiteren Seminaristen am 8. J\u00e4nner 2020 entf\u00fchrt. Sie wurden mehrere Tage lang gefangen gehalten und gefoltert, w\u00e4hrend ihre Kidnapper versuchten, L\u00f6segeld von ihren Familien zu erpressen. Einer der Seminaristen, Michael Nnadi, wurde get\u00f6tet.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Rahmen einer vom weltweiten katholischen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c organisierten Internet-Konferenz sprachen Pius Tabat und Stephen Amos \u00fcber diese schwierigen Tage. <\/em><\/p>\n<p>\u201eIn der Nacht sind wir von Gewehrsch\u00fcssen geweckt worden. Wir wussten nicht, was geschah. Als wir an die T\u00fcr kamen, hielt uns jemand ein Gewehr an den Kopf. Er nahm unsere Handys, Ger\u00e4te und Wertsachen ab und forderte uns auf, mitzukommen. Wir liefen drei bis vier Stunden lang, ohne zu wissen, wohin. Sp\u00e4ter lie\u00dfen sie uns auf Motorr\u00e4der aufsteigen, und wir fuhren, bis wir am fr\u00fchen Morgen an unserem Ziel ankamen.<\/p>\n<p>Sie zwangen uns und sieben oder acht weitere Personen, uns in einem Zelt auf den blo\u00dfen Boden zu legen. Wir waren mit ungef\u00e4hr 12 Personen in dem Zelt zusammengepfercht, im Januar, in der K\u00e4lte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter forderten sie uns auf, Kontakt mit unseren Eltern aufzunehmen und sie dar\u00fcber zu informieren, dass wir entf\u00fchrt worden waren. W\u00e4hrend der Telefonate schlugen sie uns. Wir weinten vor Anspannung, w\u00e4hrend unsere Eltern am Telefon zuh\u00f6rten. Dieser Ablauf wiederholte sich ungef\u00e4hr zwei Wochen lang immer wieder. Immer wenn wir telefonierten, schlugen sie uns.<\/p>\n<p>Die meiste Zeit des Tages sa\u00dfen wir mit verbundenen Augen unter einem Baum. Wir konnten uns nicht hinlegen, der R\u00fccken schmerzte, aber wir konnten nichts tun. Wir wurden weiter geschlagen: auf den Kopf, den R\u00fccken, jedes beliebige K\u00f6rperteil, jeden Tag ohne jedes Mitleid.<\/p>\n<p>Unsere Entf\u00fchrer waren Fulani-Hirten, sie sprachen die Sprache der Fulani. Wir wissen nicht, welches Motiv sie hatten, aber die meisten Menschen, denen wir w\u00e4hrend unserer Gefangenschaft begegneten, waren Christen. Es ist also nicht weit hergeholt, zu sagen, dass es sich in erster Linie um einen Angriff gegen unseren christlichen Glauben handelte. Muslimische Gebetsst\u00e4tten oder F\u00fchrer werden in unserer Gegend nie angegriffen.<\/p>\n<h3>Essen, Wasser, Motor\u00f6l \u2013 im selben Beh\u00e4ltnis<\/h3>\n<p>Wir bekamen Reis zu essen, den wir aus einem sehr schmutzigen Beh\u00e4ltnis a\u00dfen. Mit demselben Beh\u00e4ltnis holten sie Kraftstoff f\u00fcr ihre Motorr\u00e4der, aus demselben Beh\u00e4ltnis tranken wir Wasser aus einem Bach. Wir konnten das Motor\u00f6l sehen und schmecken, aber wir hatten keine andere Wahl. Manchmal gab es einmal am Tag zu essen, ganz selten zweimal. Unsere Kleidung wechselten wir nie. Einer von uns wurde sehr krank. Sie nahmen ihn, lie\u00dfen ihn am Wegesrand liegen und sagten jemandem, dass er ihn aufsammeln sollte. Zum Gl\u00fcck \u00fcberlebte er.<\/p>\n<p>Als wir nur noch zu dritt waren, organisierten wir uns so, dass an jedem Tag einer von uns die anderen im Gebet einer Novene leitete und Worte der Ermutigung sprach. Michael Nnadi war der Dritte, aber er wurde get\u00f6tet, als er das zweite Mal an der Reihe war.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Tage fing einer der Kidnapper an, Fragen zu stellen, und Michael versuchte, ihm den christlichen Glauben zu erkl\u00e4ren. Es kam der Punkt, an dem der Kidnapper darum bat, das Vaterunser gelehrt zu bekommen, und Michael brachte es ihm bei.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das irgendwie herausgekommen oder der Kidnapper hat es selbst weitergegeben. Sie kamen eines Abends und holten Michael. Wir dachten, er w\u00fcrde freigelassen, dass es eine gute Nachricht war. Wir konnten doch nicht ahnen, dass er an diesem Tag get\u00f6tet werden w\u00fcrde!<\/p>\n<h3>\u201eWir sollten unsere Eltern anrufen, um uns zu verabschieden\u201c<\/h3>\n<p>Sp\u00e4ter sagte uns der Anf\u00fchrer der Bande, dass sie Michael get\u00f6tet h\u00e4tten und dass sie uns ebenfalls t\u00f6ten w\u00fcrden, wenn bis zum n\u00e4chsten Morgen nicht das L\u00f6segeld bezahlt sei. Das war eine der l\u00e4ngsten N\u00e4chte unseres Lebens. Morgens riefen sie uns zu sich und gaben uns unsere Handys. Wir sollten unsere Eltern anrufen, um uns zu verabschieden, bevor sie uns t\u00f6teten. Das taten wir, gingen zur\u00fcck in unser Zelt und legten unser Leben in die Hand Gottes. Doch an diesem Tag wurden wir nicht get\u00f6tet.&nbsp; Drei Tage sp\u00e4ter sagten sie uns, dass wir freigelassen werden. Das klang zu sch\u00f6n, um wahr zu sein \u2013 nach so vielen Tagen der Gefangenschaft, nach so viel Schmerz und Schl\u00e4gen.<\/p>\n<p>Sie fuhren uns auf ihren Motorr\u00e4dern zu einer verlassenen Siedlung und setzten uns dort ab. Sie sagten uns, wir sollten so lange gehen, bis wir auf einen Mann treffen, der uns zum Priesterseminar zur\u00fcckbringen w\u00fcrde. Wir fanden ihn, und er brachte uns auf seinem Motorrad zum Priesterseminar zur\u00fcck. Wir waren frei.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt hofften wir, dass Michael doch noch lebte und in Sicherheit war. Im Seminar hoffte man, dass er bei uns war. Unsere Oberen kontaktierten die Kidnapper und erfuhren, wo seine sterblichen \u00dcberreste zu finden waren. Da begriffen wir, dass er kaltbl\u00fctig ermordet worden, den M\u00e4rtyrertod gestorben war. Dabei war sein einziges Verbrechen, ein Christ und katholischer Seminarist zu sein.<\/p>\n<p>Wir glauben nicht, dass es Zufall war, dass wir vier Tage nach seiner Ermordung freigelassen wurden. Es war, als ob sein Blut uns befreit h\u00e4tte, als ob er den Preis f\u00fcr unsere Freiheit bezahlt h\u00e4tte.<\/p>\n<h3>\u201eWir halten an unserer Berufung fest\u201c<\/h3>\n<p>Wir wurden ins Krankenhaus gebracht und blieben dort ungef\u00e4hr eine Woche lang. Wir begegneten unserem Kommilitonen, der fr\u00fcher freigelassen worden war und der sich erholte. Nachdem es uns wieder besser ging, kehrten wir in unsere jeweiligen Di\u00f6zesen zur\u00fcck. Dort sagte man uns, wir sollten uns auf die Fortsetzung unserer Ausbildung vorbereiten.<\/p>\n<p>Unsere Familien waren gl\u00fccklich, uns wiederzusehen, und dankten Gott f\u00fcr unsere Freilassung. Als sie von unserer Entscheidung erfuhren, unsere Ausbildung fortzusetzen, gab es keine Vorw\u00fcrfe. Sie versuchten auch nicht, uns davon abzubringen. Tats\u00e4chlich war es so, dass uns all das Geschehene ermutigte. Wenn Gott uns aus dieser Situation errettet hat, dann hat er noch viel mit uns vor. Wir f\u00fchlen uns ermutigt, an unserer Berufung festzuhalten.\u201c<\/p>\n<p><em>Die katholische Bischofskonferenz Nigerias untersucht die M\u00f6glichkeit, Michael Nnadi als einen \u201eM\u00e4rtyrer Nigerias\u201c vorzustellen. \u201eKirche in Not\u201c unterst\u00fctzt ein Zentrum f\u00fcr die eucharistische Anbetung in Malumfashi (Di\u00f6zese Sokoto). Es wurde gebaut, um diejenigen zu ehren, die f\u00fcr ihren christlichen Glauben durch die Hand von Extremisten ums Leben gekommen sind.<\/em><\/p>\n<p>Titelbild: Gruppenbild mit den Seminaristen Pius Tabat (Mitte) und Stephen Amos (2. v. r.).<\/p>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">Unterst\u00fctzen<\/span> Sie die Arbeit der Kirche in Nigeria und ihren Einsatz f\u00fcr die Betroffenen von Gewalt und Terror mit Ihrer Spende \u2013&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/helfen\/spenden\"><span style=\"color: #ff0000;\">online \u2026 hier&nbsp;<\/span><\/a><\/em><em>oder auf folgendes Konto:<\/em><\/p>\n<p><em>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT<br>IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600<br>Verwendungszweck: Nigeria<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei nigerianische Seminaristen erinnern sich an die dramatische Zeit in den H\u00e4nden ihrer Entf\u00fchrer. 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