{"id":4445,"date":"2023-05-04T09:22:00","date_gmt":"2023-05-04T07:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/?p=4445"},"modified":"2023-05-03T10:22:56","modified_gmt":"2023-05-03T08:22:56","slug":"angebliche-blasphemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/angebliche-blasphemie\/","title":{"rendered":"Christin und Muslim wegen angeblicher Blasphemie festgenommen"},"content":{"rendered":"<p>Die Christin Musarat Bibi, die an der &#8222;Girls Higher Secondary School&#8220; in der Stadt Arif-Wala in der pakistanischen Provinz Punjab arbeitet, wurde zusammen mit einem muslimischen Mann, der ebenfalls an der Schule arbeitet, unter dem Vorwurf der Koransch\u00e4ndung verhaftet. Die beiden waren dabei, die Lagerschr\u00e4nke der Schule auszur\u00e4umen und verbrannten dabei M\u00fcll, alte Akten und unbrauchbare Papiere. Sarmand erkannte unter den verbrannten Papieren einige Seiten der Heiligen Schrift des Korans in arabischer Sprache und alarmierte die Schulbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Als sich die Nachricht von der angeblichen Verbrennung der Koranseiten verbreitete, begannen einige Sch\u00fcler und Lehrer zu protestieren. Durch den Anruf eines Mannes, der sich als Kashif Nadeem zu erkennen gab, wurde die Polizei alarmiert und traf zur Untersuchung am Tatort ein. Die Schulleitung berichtete \u00fcber den Vorfall, betonte aber, die beiden Mitarbeiter h\u00e4tten ihr Bestes getan hatten, um die gekennzeichneten Seiten zu entfernen, und bezeichnete den Vorfall als &#8222;v\u00f6llig unbeabsichtigt&#8220;. Die Polizei nahm jedoch Musarat Bibi und auch Mohammad Sarmand unter dem Vorwurf der Blasphemie gem\u00e4\u00df Abschnitt 295-b des Strafgesetzbuchs, der die Verunglimpfung des Korans unter Strafe stellt, fest und verhaftete sie.<\/p>\n<p>Die verwitwete Frau hat drei T\u00f6chter, von denen zwei verheiratet sind und die j\u00fcngste 14 Jahre alt ist. Die j\u00fcngste Tochter wurde inzwischen von den anderen Familienmitgliedern an einen sicheren Ort gebracht. Musarat arbeitete nach dem Verschwinden ihres Mannes, der Grundschullehrer war, in der Schule. Die in der Gegend von Arif-Wala lebenden Christen f\u00fcrchten nun um die Sicherheit der Christin und den anderen wenigen dort lebenden christlichen Familien. In der Vergangenheit Menschen war es vorgekommen, das Personen die der Gottesl\u00e4sterung beschuldigt wurden, von einem Mob religi\u00f6ser Fanatiker gelyncht wurden.<\/p>\n<p>Laut Javed Sohatara, dem Anwalt der Familie, hat Kashif Nadeem die christliche Witwe der Blasphemie beschuldigt, weil er einen pers\u00f6nlichen Hass auf die Frau hegt. \u201eKashif Nadeem&#8220;, so der Anwalt, &#8222;hegt einen Groll gegen die christliche Mitarbeiterin, weil die Schulverwaltung ihr die Leitung der Schulkantine \u00fcbertragen hat, die zuvor von einem Verwandten von Kashif geleitet wurde, der den Vertrag verlor\u201c. \u201eMit seiner Anschuldigung wollte der Mann Musarat Bibi dauerhaft aus der Schulkantine und von der Arbeit entfernen, was ihm auch gelang&#8220;, so der Mann.<\/p>\n<p>Die Schulverwaltung und die Verantwortlichen der Stadt stehen unterdessen auf der Seite der Christin und des zu Unrecht angeklagten muslimischen Mannes. &#8222;Die Unterst\u00fctzung der Gemeinde ist ein wichtiger Faktor f\u00fcr die Familie des Opfers: Dies k\u00f6nnte hoffentlich zu einem guten Ausgang des Falles f\u00fchren&#8220;, so der Anwalt.<\/p>\n<p>Joseph Jansen, Leiter der Nichtregierungsorganisation &#8218;Voice for Justice&#8216; in Pakistan, betont in seinem Kommentar zu dem Fall, dass &#8222;Menschenrechtsverletzungen in Pakistan in gro\u00dfem Ausma\u00df zunehmen und bei vielen Vorf\u00e4llen die Blasphemiegesetze als Vorwand benutzt werden&#8220;. \u201eVor allem gegen Frauen aus religi\u00f6sen Minderheiten, namentlich Hindu-Christen, wird Gewalt ausge\u00fcbt, die nicht geahndet wird&#8220;, betont er. &#8222;Aufgrund der Zunahme falscher Anschuldigungen ist in der Gemeinschaft und insbesondere in der Gegend von Arif-Wala gro\u00dfe Angst entstanden, insbesondere unter christlichen Arbeiterinnen. Die Frauen werden von der Arbeitssuche abgehalten, was die finanzielle Not in ihren Familien vergr\u00f6\u00dfert, die Armut und Verwundbarkeit erh\u00f6ht und ihren sozialen Status weiter herabsetzt&#8220;, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>&#8222;In Blasphemie-F\u00e4llen haben Kl\u00e4ger und Zeugen, die falsche Anschuldigungen erhoben haben, keine Konsequenzen zu tragen und werden nicht wegen Meineids verfolgt, auch wenn die Falschaussagen diese bewiesen sind\u201c, f\u00e4hrt Jansen fort, \u201eDie Bestimmung k\u00f6nnte, wenn sie umgesetzt wird, dazu beitragen, das Klima der Straflosigkeit zu \u00e4ndern und die Beteiligten f\u00fcr Anschuldigungen zur Rechenschaft zu ziehen, die zum Schaden anderer erhoben werden. Ein Aktionsplan zur Beendigung des Missbrauchs dieses Gesetzes, das sich gegen die Schw\u00e4chsten richtet, ist seit vielen Jahren dringend erforderlich. In mehreren F\u00e4llen haben fanatische Einzelpersonen dieses Gesetz genutzt, um die Justiz in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen und die Angeklagten zu lynchen&#8220;.<\/p>\n<p>Zara Amoon Gill von &#8222;Minorities Rights Watch Pakistan&#8220;, weist auf ein weiteres Element hin: &#8222;Es sollten hochrangige Polizeibeamte und nicht blo\u00dfe Agenten sein, die Beschwerden und Anschuldigungen wegen Blasphemie registrieren&#8220;. Sie h\u00e4lt es f\u00fcr notwendig, &#8222;falsche Zeugen strafrechtlich zu verfolgen&#8220;. &#8222;Wir fordern die Regierung dringend auf, die Sicherheit der Angeklagten bis zum Gerichtsurteil zu gew\u00e4hrleisten, um sie vor extremistischer Gewalt zu sch\u00fctzen&#8220;, betont sie. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS\/wikipedia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Christin Musarat Bibi, die an der &#8222;Girls Higher Secondary School&#8220; in der Stadt Arif-Wala in der pakistanischen Provinz Punjab arbeitet, wurde zusammen mit einem muslimischen Mann, der ebenfalls an der Schule arbeitet, unter dem Vorwurf der Koransch\u00e4ndung verhaftet. 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