{"id":4771,"date":"2024-03-14T09:40:11","date_gmt":"2024-03-14T08:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/?p=4771"},"modified":"2024-03-14T09:40:11","modified_gmt":"2024-03-14T08:40:11","slug":"weitere-christenverfolgung-manipur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/weitere-christenverfolgung-manipur\/","title":{"rendered":"Weitere Christenverfolgung im Bundesstaat Manipur bef\u00fcrchtet"},"content":{"rendered":"<p>Im Vorfeld der indischen Parlamentswahlen im kommenden April und Mai bef\u00fcrchtet der Missionar und Exerzitienleiter Pater Thomas Bobby Emprayil, dass die christenfeindlichen Ausschreitungen im ostindischen Bundesstaat Manipur weiter eskalieren: \u201eDas ist erst der Anfang. Es wird noch schlimmer kommen als jetzt\u201c, erkl\u00e4rte der Vinzentinerpater im Gespr\u00e4ch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.<\/p>\n<p>Wie Pater Bobby ausf\u00fchrte, versuchten nationalistische Hindus auch unter den \u00fcberwiegend christlichen Volksgruppen der Kuki und Naga weiter Zwietracht zu s\u00e4en. \u201eEs soll die alte Feindschaft um Landfragen wieder angefacht werden.\u201c Viele Einwohner s\u00e4hen die Kuki als ausl\u00e4ndische Einwanderer, da ihre Wurzeln in Myanmar l\u00e4gen. Angesichts der dortigen Konflikte br\u00e4chten sich weitere Stammesangeh\u00f6rige im Nachbarland Indien in Sicherheit. \u201eEs soll zu einer ethnischen S\u00e4uberung kommen\u201c, zeigte sich Pater Bobby \u00fcberzeugt.<\/p>\n<h3>\u201eEs hat sich viel Hass auf Christen gebildet\u201c<\/h3>\n<p>Christenfeindliche Gewalt sei im Bundesstaat Manipur nichts Neues: \u201eEs ist der Staat, in dem die meisten katholischen Priester erschossen werden. Mehr als 30 verschiedene Rebellengruppen treiben dort ihr Unwesen\u201c, erkl\u00e4rte der Ordensmann. Christen machten rund 40 Prozent der Bev\u00f6lkerung aus; sie geh\u00f6rten rund 28 verschiedenen Konfessionen an.<\/p>\n<p>Trotz dieses f\u00fcr Indien hohen Bev\u00f6lkerungsanteils seien Christen in Regierung und Verwaltung unterrepr\u00e4sentiert. Die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP beg\u00fcnstige diese Entwicklung. \u201eAlle Privilegien gehen an die anderen 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung.\u201c Pater Bobby macht extremistische Kr\u00e4fte im Umfeld jener Partei, die seit 2014 mit Narendra Modi den indischen Ministerpr\u00e4sidenten stellt, f\u00fcr die Eskalation verantwortlich: \u201eFr\u00fcher ging es mehr um Neid auf Land. Aber jetzt ist es anders. Es hat sich viel Hass auf die Christen gebildet. Besonders die jungen Menschen werden aufgewiegelt.\u201c<\/p>\n<h3>Internetverbindungen gekappt<\/h3>\n<p>Die katholische Erzdi\u00f6zese Imphal habe in den vergangenen Monaten \u00fcber 100 Hilfscamps aufgebaut, in denen Binnenvertriebene Zuflucht finden, erkl\u00e4rte Pater Bobby. \u201eDie Menschen haben ihren gesamten Besitz verloren. Sie k\u00f6nnen nicht zur\u00fcck, weil ihr Land von den Angreifern \u00fcbernommen wurde.\u201c Um die Verbreitung von Hassreden und eine weitere Eskalation zu verhindern, h\u00e4tten Beh\u00f6rden seit einem halben Jahr alle Internetverbindungen gekappt.<\/p>\n<p>Pater Bobby baut im Bundesstaat Manipur zwei geistliche Zentren auf. Eines im Bezirk Senapati wurde mit Unterst\u00fctzung von KIRCHE IN NOT fertiggestellt; ein anderes ist im Bezirk Churachandpur in Planung. Dort haben Pater Bobby und seine Mitarbeiter Land f\u00fcr 50 Vertriebenenfamilien zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<h3>24 Stunden Gebet<\/h3>\n<p>\u201eAls die Unruhen begannen, waren wir bereit. Wir haben keine Angst\u201c, betonte der Ordensmann. \u201eWir begannen, in unseren Zentren 24 Stunden am Tag zu beten: F\u00fcr die verfolgten Christen, f\u00fcr die Einheit. Ich wei\u00df, dass der Herr Manipur sehr liebt und unser Volk darauf vorbereitet, was auch kommen mag.\u201c<\/p>\n<p>Im Bundesstaat Manipur waren im Mai 2023 christenfeindliche Krawalle ausgebrochen. Dabei wurden nach Angaben der Erzdi\u00f6zese Imphal \u00fcber 300 Kirchen und kirchliche Einrichtungen niedergebrannt. Mindestens 100 Personen sollen get\u00f6tet worden sein, \u00fcber eine halbe Million Menschen fl\u00fcchtete.<\/p>\n<h3>Komplexe Lage<\/h3>\n<p>Die Hintergr\u00fcnde sind f\u00fcr europ\u00e4ische Beobachter komplex: Die hinduistische Mehrheitsbev\u00f6lkerung geh\u00f6rt \u00fcberwiegend dem Stamm der Meitei an, diese siedelt in der Talregion des Bundesstaats Manipur. Die St\u00e4mme der Kuki und Naga sind in den Bergregionen beheimatet, die meisten von ihnen sind Christen. Die Meitei strebten ebenso wie diese den Status als \u201eregistrierte Stammesgemeinschaft\u201c an, was den Erwerb von Land in den Bergregionen erm\u00f6glichen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Christen protestierten gegen diese Einstufung, da sie weitere Benachteiligungen bef\u00fcrchten. Daraufhin entz\u00fcndeten sich christenfeindliche Krawalle, die sich vorrangig gegen die Kuki richteten. Im Laufe der Auseinandersetzung haben sich auch die Spannungen zwischen Angeh\u00f6rigen der Kuki und Naga wieder intensiviert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vorfeld der indischen Parlamentswahlen im kommenden April und Mai bef\u00fcrchtet der Missionar und Exerzitienleiter Pater Thomas Bobby Emprayil, dass die christenfeindlichen Ausschreitungen im ostindischen Bundesstaat Manipur weiter eskalieren: \u201eDas ist erst der Anfang. Es wird noch schlimmer kommen als jetzt\u201c, erkl\u00e4rte der Vinzentinerpater im Gespr\u00e4ch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. 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