{"id":485,"date":"2014-05-21T11:00:18","date_gmt":"2014-05-21T09:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/sie-wollten-das-herz-nigerias-verletzen-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:50:11","modified_gmt":"2023-02-23T10:50:11","slug":"sie-wollten-das-herz-nigerias-verletzen-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/sie-wollten-das-herz-nigerias-verletzen-html\/","title":{"rendered":"Sie wollten das Herz Nigerias verletzen"},"content":{"rendered":"<p>Boko Haram: \u201eSie wollten das Herz Nigerias verletzen\u201c. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 2014 wurden ungef\u00e4hr 275 M\u00e4dchen aus einer staatlichen Oberschule in Chibok im nigerianischen Bundesstaat Borno entf\u00fchrt. Boko Haram zeichnete f\u00fcr die Entf\u00fchrung verantwortlich.<\/p>\n<p>Kirche in Not sprach mit dem Vorsitzenden der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama von Jos. Gelegenheit zu diesem Gespr\u00e4ch gab es im Rahmen des von dem katholischen Hilfswerk veranstalteten internationalen Kongress zur Religionsfreiheit am 13. Mai 2014 in Malta.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Maria Lozano<\/p>\n<p><strong>Euer Exzellenz, dies ist nicht das erste Mal, dass Boko Haram an unschuldigen Opfern in Nigeria Gewalt aus\u00fcbt, aber dieses Mal hat der Schlag weltweit Entsetzen ausgel\u00f6st. <\/strong><\/p>\n<p>Sie wollten das Herz Nigerias verletzen. Ich bin sehr besorgt. Diese M\u00e4dchen haben noch nie ihren Heimatort verlassen und jetzt sind sie im Busch. Ich bete nur darum, dass die von Boko Haram vertretenen religi\u00f6sen Werte ausreichen und sie dahingehend beeinflussen, die W\u00fcrde dieser M\u00e4dchen zu respektieren. Das sind einfach unschuldige M\u00e4dchen, die jedem Menschen Leid tun. Das Leben ist heilig.<\/p>\n<p><strong>Es ist nat\u00fcrlich tragisch, dass erst etwas so Grauenvolles passieren muss, damit die Welt aufmerksam wird. <\/strong><\/p>\n<p>Ja, Boko Haram hat seit 2009 schon viele \u00dcberf\u00e4lle ver\u00fcbt und Tausende von Menschen get\u00f6tet. In meiner eigenen Di\u00f6zese Jos wurden wir Opfer mehrerer Angriffe, z. B. der Angriff auf die katholische Kirche St. Finbarr, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen. Im Februar ermordete die Gruppierung in den D\u00f6rfern Doron Baga und <a title=\"Izghe (page does not exist)\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Izghe&amp;action=edit&amp;redlink=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Izghe<\/a> mehr als 100 M\u00e4nner christlichen Glaubens, aber die internationale Gemeinschaft zeigte keine Reaktion. Ich glaube, dieses Mal war es anders, weil es um unschuldige junge M\u00e4dchen geht und auch weil es das unmittelbare Leid von Frauen, der M\u00fctter dieser Kinder, ber\u00fchrt. Frauen k\u00f6nnen sich st\u00e4rker mit dem Leid anderer identifizieren. Die Frauen begannen zu demonstrieren \u2013 sowohl christliche als auch muslimische Frauen.<\/p>\n<p><strong>Ist nicht so, dass obgleich Boko Haram Christen verfolgt und das ganze Land islamisieren will, auch die muslimische Gemeinschaft immer mehr von Verfolgung und Gewalt betroffen ist? <\/strong><\/p>\n<p>Ja.&nbsp; Am Anfang ging es mehr um die Idee, das Christentum, sogenannte \u201ewestliche Werte\u201c zu zerst\u00f6ren und einen Scharia-Staat im Norden Nigerias zu verwurzeln. Sie attackierten also nicht nur Christen, sondern auch Polizeiwachen und andere Einrichtungen, die f\u00fcr westliche Werte standen. Aber jetzt kann man nicht mehr sagen, dass sie ausschlie\u00dflich Christen angreifen. Boko Haram hat auch muslimische Geistliche get\u00f6tet. Es geht nicht mehr um Norden oder S\u00fcden, auch nicht um Muslime oder Christen. Es geht um Menschen. Die Nigerianer treten gemeinsam f\u00fcr Freiheit und W\u00fcrde ein; eine gemeinsame Stimme wird lauter, eine Stimme, die sagt: \u201eGewalt ist niemals ein Weg\u201c.<\/p>\n<p><strong>Wie viele der M\u00e4dchen sind Christinnen und inwieweit wurden sie zum Opfer, weil so viele von ihnen Christinnen sind? <\/strong><\/p>\n<p>Die meisten der M\u00e4dchen sind Christinnen. Die meisten der geflohenen M\u00e4dchen sind Christinnen, wir k\u00f6nnen also annehmen, dass dies auch auf diejenigen zutrifft, die noch festgehalten werden. Es ist aber auch richtig, dass ebenfalls einige muslimische M\u00e4dchen entf\u00fchrt wurden. Dieser Vorfall ist also ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass Boko Haram zum Teil auch Muslime angreift.<\/p>\n<p><strong>Es wurde Kritik an der Reaktion der Regierung auf die von Boko Haram ausge\u00fcbte Gewalt laut, speziell nach der Entf\u00fchrung der Schulm\u00e4dchen. Ist diese Kritik gerechtfertigt? <\/strong><\/p>\n<p>Die Regierung hat die Boko Haram-Krise untersch\u00e4tzt und dementsprechend langsam reagiert. Ein Teil des Problems ist es, dass die Ressourcen nicht richtig eingesetzt wurden, um die Sicherheitskr\u00e4fte ad\u00e4quat zu versorgen und auszustatten, damit sie die Gewalt bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen. M\u00f6glicherweise waren korrupte Praktiken der Grund. Manche Sicherheitskr\u00e4fte \u00e4u\u00dfern sich dahingehend, dass Boko Haram bessere und modernere Waffen habe als das Milit\u00e4r und die Polizei. Die Mittel m\u00fcssen bei den richtigen Leuten ankommen. Es gab auch F\u00e4lle, bei denen Soldaten get\u00f6tet wurden, die ihre Mitmenschen und ihre Familie verteidigen wollten und nicht genug Hilfe bekamen. Es ist wichtig, dass diese Familien unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p><strong>Was unternimmt die Katholische Kirche als Reaktion auf diese Entf\u00fchrungen? <\/strong><\/p>\n<p>Wir haben den Dialog gesucht und das hat nicht funktioniert. Die Regierung hat Gewalt eingesetzt und das hat nicht funktioniert. In dieser Phase m\u00fcssen wir beten: nur Gott kann das Herz dieser Menschen bewegen. Wir beten und wir bitten um Ihre Gebete. Als Vorsitzender der Bischofskonferenz habe ich mich mit einem Schreiben an alle Katholiken in Nigeria gewandt und zu einer Stunde der Anbetung aufgerufen und alle Bisch\u00f6fe, Geistlichen und Gl\u00e4ubigen zum Gebet aufgefordert.<\/p>\n<p><strong>Wof\u00fcr beten Sie? <\/strong><\/p>\n<p>Ich bete f\u00fcr drei Dinge: Erstens, dass sie diese M\u00e4dchen bald unbeschadet frei lassen. Zweitens, dass Boko Haram diese Angriffe einstellt und die Gewalt aufgibt. Und dann, dass die Regierung Hilfe von anderen L\u00e4ndern der Welt erh\u00e4lt: dass L\u00e4nder sich zusammentun und Terrorismus, Hunger und Armut bek\u00e4mpfen, um eine authentische Einheit zu schaffen, und nicht nur um politischen \u2013 scheinheiligen \u2013 Interessen zu dienen.<\/p>\n<p><strong>Das Problem besteht nun seit f\u00fcnf Jahren. Haben Sie Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft dieses Problem jetzt l\u00f6sen kann? <\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen zusammenstehen, das ist die einzige L\u00f6sung. Boko Haram hat Waffen, aber wie gelangen diese Waffen zu den Terroristen? Woher kommt das Geld? Wer bildet sie aus? Ich denke, die internationale Gemeinschaft kann das in den Griff bekommen. Ich bin Priester, es ist nicht meine Aufgabe, aber ich glaube, dass die internationale Regierungen, das in den Griff bekommen, wenn sie zusammenarbeiten. Nigeria spielt eine wichtige Rolle in Afrika und in der Welt. Es ist besser, jetzt zu helfen anstatt abzuwarten bis es zu sp\u00e4t und noch komplizierter ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boko Haram: \u201eSie wollten das Herz Nigerias verletzen\u201c. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 2014 wurden ungef\u00e4hr 275 M\u00e4dchen aus einer staatlichen Oberschule in Chibok im nigerianischen Bundesstaat Borno entf\u00fchrt. Boko Haram zeichnete f\u00fcr die Entf\u00fchrung verantwortlich. Kirche in Not sprach mit dem Vorsitzenden der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama von Jos. 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