{"id":521,"date":"2014-07-04T06:46:53","date_gmt":"2014-07-04T04:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/fluechtlingsdrama-vor-den-toren-mossuls-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:15:08","modified_gmt":"2023-02-23T11:15:08","slug":"fluechtlingsdrama-vor-den-toren-mossuls-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/fluechtlingsdrama-vor-den-toren-mossuls-html\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlingsdrama vor den Toren Mossuls"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 1.538em;\">Der Vormarsch der ISIS-Krieger hat tausende irakische Christen heimatlos gemacht. Immer mehr denken an Ausreise. F\u00fcr das internationale katholische Hilfswerk &#8222;Kirche in Not&#8220; ist zurzeit Oliver Maksan im Land.&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.538em;\">Er berichtet \u00fcber die Fl\u00fcchtlingshilfe der katholischen Kirche nahe Mossul.<\/span><\/p>\n<p><span>&#8222;Ahlan wa sahlan, herzlich willkommen&#8220;, sagt Erzbischof Amil Nona freundlich, als eine \u00e4ngstlich dreinschauende verschleierte Frau sein B\u00fcro betritt. Er bietet ihr einen Platz an. &#8222;Sie ist mit einem ihrer S\u00f6hne gerade zu Fu\u00df aus Mossul hierher nach Tilkef gekommen, um sich in Sicherheit zu bringen&#8220;, \u00fcbersetzt der chald\u00e4ische Erzbischof von Mossul, was die hektisch auf Arabisch sprechende Muslimin berichtet. &#8222;Es gab Gefechte zwischen der Regierung und den sunnitischen Aufst\u00e4ndischen. <br \/> Deshalb ist sie geflohen.&#8220; Zwischen Mossul und dem zum Teil christlichen Ort Tilkef sind es nur drei Kilometer. Aber dazwischen liegen jetzt Welten, seit die Islamisten die Stadt erobert haben. &#8222;Wir nehmen hier jeden auf, sei er Christ, sei er Muslim&#8220;, sagt Nona. &#8222;Das ist, was uns unser Glaube lehrt: Jedem helfen ohne Ansehen der Religion. Gott liebt jeden. Deshalb sollen auch wir allen helfen.&#8220; Tats\u00e4chlich hat die Kirche ihre Schulen, Kinderg\u00e4rten und Gemeindes\u00e4le nicht nur Christen, sondern auch muslimischen Familien ge\u00f6ffnet. In Alkosch, einem christlichen Ort etwa 20 Kilometer von Mossul entfernt, haben sie neben 500 christlichen auch 150 muslimische Familien aufgenommen. In Tilkef fanden \u00fcber 700 Fl\u00fcchtlingsfamilien Aufnahme, darunter auch Muslime. Der Ort platzt aus allen N\u00e4hten. Selbst in einer Druckerei f\u00fcr liturgische B\u00fccher sind Fl\u00fcchtlinge untergebracht. So wie die f\u00fcnfk\u00f6pfige Familie von Vater Habib. &#8222;Wir haben in Mossul alles zur\u00fcckgelassen. Nur was wir am Leib trugen, Dokumente und ein paar Tragetaschen haben wir aus Mossul retten k\u00f6nnen. Das ist alles, was uns geblieben ist. Ich wei\u00df nicht, ob wir jemals wieder dorthin zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen&#8220;, berichtet der chald\u00e4ische Katholik. Er zuckt mit den Schultern. &#8222;Ich wei\u00df auch nicht, was uns die Zukunft bringt.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span>Erzbischof Nona wei\u00df, wie es den Menschen geht. Er selbst ist Fl\u00fcchtling geworden. Mit der \u00dcbernahme Mossuls durch die dschihadistischen Terroristen von ISIS vor drei Wochen flohen er und etwa 5000 Christen aus der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt des Irak. Auch hunderttausende Muslime versuchten, sich vor den grausamen Gotteskriegern in Sicherheit zu bringen. Auf etwa 450 000 Menschen wird ihre Zahl gesch\u00e4tzt. Die meisten haben Zuflucht in den kurdischen Autonomiegebieten gefunden. &#8222;Meine Di\u00f6zese gibt es nicht mehr. ISIS hat sie mir genommen&#8220;, sagt der Erzbischof. Derzeit, so Nona, seien drei Viertel seiner etwa 10 000 Di\u00f6zesanen auf der Flucht. &#8222;Ich wei\u00df nicht, ob sie jemals wieder nach Mossul zur\u00fcck k\u00f6nnen.&#8220; Dementsprechend d\u00fcster ist die Stimmung der Menschen. &#8222;Es gibt im Nahen Osten keinen Platz f\u00fcr uns Christen&#8220;, sagt eine Frau. Auch sie ist aus Mossul geflohen. Vier Kinder hat sie. &#8222;Wo sollen die jetzt hin? Uns h\u00e4lt im Irak nichts mehr. Erst der Krieg 2003.<\/span><\/p>\n<p><span>Dann die Wirren danach, als wir Christen zur Zielscheibe von Fanatikern wurden. Und jetzt das. Wir wollen lieber heute als morgen in den Westen.&#8220; Sie macht sich aber keine Illusionen. &#8222;Ich wei\u00df von Verwandten, dass es dort nicht leicht ist, ein neues Leben zu beginnen. Aber wenigstens ist es dort sicher. Ich will nicht, dass meine Kinder in Angst aufwachsen m\u00fcssen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span>Die Bisch\u00f6fe sind sich dar\u00fcber im Klaren, wie ihre Gl\u00e4ubigen denken.&nbsp;Verzweifelt haben sie auf der Synode, die vergangene Woche zu Ende ging, nach Antworten auf die Krise gesucht, die der Vorsto\u00df von ISIS entfacht hat. &#8222;Es ist ja nicht nur die aktuelle Fl\u00fcchtlingskrise&#8220;, sagt Erzbischof Nona. &#8222;Das Problem ist, dass sich durch den Vorsto\u00df von ISIS und die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten alle Christen im Irak unsicher f\u00fchlen. Sie haben den Glauben an eine Zukunft hier verloren.&#8220;&nbsp;Dabei ist der Aderlass des sich auf den Apostel Thomas zur\u00fcckf\u00fchrenden irakischen Christentums nicht neu. Erzbischof Nona rechnet vor, dass vor 2003, als die Amerikaner kamen, um Saddam Hussein zu st\u00fcrzen, allein \u00fcber 25 000 Chald\u00e4er in Mossul lebten. Vor der jetzigen Flucht waren es gerade noch 5000. Insgesamt hat die irakische Christenheit in zehn Jahren etwa zwei Drittel ihrer einst 1,2 Millionen Gl\u00e4ubigen an die Region und das westliche Ausland verloren.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Hoffnung der Bisch\u00f6fe richtet sich derweil auf Kurdistan. Die autonome Zone im Norden des Irak ist schon seit Jahren zum Zufluchtsort f\u00fcr Christen aus unruhigen Teilen des Landes wie Mossul und Bagdad geworden. Dort, so glauben viele Bisch\u00f6fe, k\u00f6nnten sie eine neue Heimat finden. Patriarch Louis Rafael sagte gegen\u00fcber dem katholischen Hilfswerk &#8222;Kirche in Not&#8220; k\u00fcrzlich, dass man hier eine neue christliche Infrastruktur errichten m\u00fcsse, sobald sich die Lage beruhigt habe. &#8222;Wir werden neue H\u00e4user brauchen und Fabriken und Landwirtschaft aufbauen m\u00fcssen. Die verbliebenen christlichen Orte m\u00fcssen modernisiert werden.&nbsp;F\u00fcr all das sind wir auf die Hilfe von au\u00dfen angewiesen.&#8220;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vormarsch der ISIS-Krieger hat tausende irakische Christen heimatlos gemacht. Immer mehr denken an Ausreise. 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