{"id":529,"date":"2014-07-10T07:47:01","date_gmt":"2014-07-10T05:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/wir-koennen-das-nicht-alleine-schaffen-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:14:56","modified_gmt":"2023-02-23T11:14:56","slug":"wir-koennen-das-nicht-alleine-schaffen-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wir-koennen-das-nicht-alleine-schaffen-html\/","title":{"rendered":"Wir k\u00f6nnen das nicht alleine schaffen"},"content":{"rendered":"<p id=\"content-636\">Durch den Vormarsch der radikal-islamischen ISIS-Bewegung sind viele Menschen aus dem arabischen Teil des Nordirak ins sichere Kurdengebiet im Nordosten geflohen. In Erbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion, erwartet der chald\u00e4isch-katholische Erzbischof, Bashar Matti Warda, weitere Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me.<\/p>\n<div class=\"inner\">\n<div class=\"text\">\n<p><strong>Wie viele Fl\u00fcchtlinge haben in Ihrer Di\u00f6zese Zuflucht gefunden?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00fcmmern uns derzeit um etwa 400 christliche Familien, die seit Anfang Juni aus der Region Mossul zu uns gekommen sind. Darunter sind Chald\u00e4er, syrisch-orthodoxe und syrisch-katholische Christen. Die kurdische Regierung hat die Grenzen f\u00fcr die Christen ge\u00f6ffnet, w\u00e4hrend Muslime aus den von ISIS betroffenen Gebieten nur so etwas wie eine zeitweise Aufenthaltsberechtigung haben.<\/p>\n<p><strong>Warum unterscheiden die Kurden zwischen Muslimen und Christen?<\/strong><\/p>\n<p>Als wir bei der hiesigen Regierung angefragt haben, haben wir klargemacht, dass die christlichen Familien keine Absicht haben, zur\u00fcckzukehren. Die Muslime hingegen schon. Die Kurden haben gesagt, dass sie es nat\u00fcrlich lieber s\u00e4hen, wenn die Christen in ihrer Heimat bleiben k\u00f6nnten, wo ihr Besitz ist. In dieser Situation haben sie die Einreise erleichtert. Die kurdische Regierung ber\u00e4t uns, aber materielle Unterst\u00fctzung erhalten wir nicht.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberfordert Sie als Bischof die Fl\u00fcchtlingshilfe?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Wir k\u00f6nnen das nicht allein schaffen und haben gar nicht das Team, um einen solchen Andrang qualifiziert zu bew\u00e4ltigen. Zum Gl\u00fcck konnten die Menschen aus Karakosch nach ein paar Tagen wieder in ihren Ort zur\u00fcck, nachdem sich die Lage dort beruhigt hatte.<\/p>\n<p><strong>Die Fl\u00fcchtlinge aus Mossul sind aber noch hier. Was wird mit ihnen langfristig geschehen?<\/strong><\/p>\n<p>Sie werden nicht zur\u00fcckgehen. Entweder sie bleiben hier in Kurdistan oder gehen ins Ausland, zum Beispiel in die T\u00fcrkei oder den Libanon. Manche haben damit leider schon begonnen.<\/p>\n<p><strong>Welche M\u00f6glichkeiten haben Sie, die Christen in Kurdistan zu halten?<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr m\u00fcssten wir ihnen Wohnungen und Arbeit bieten k\u00f6nnen. Aber das ist schwierig. Wir als Di\u00f6zese k\u00f6nnen das nicht. Wir m\u00fcssten hier mit der Regierung und ausl\u00e4ndischen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Glauben Sie, dass das Christentum im derzeit noch irakischen Kurdistan eine Zukunft hat?<\/strong><\/p>\n<p>Ausgehend von dem, was wir seit Jahren erleben, w\u00fcrde ich sagen: ja. Es gibt hier nicht nur Sicherheit, sondern die Regierung hat auch ein offenes Ohr f\u00fcr unsere Anliegen. Das hat sich jetzt in der Fl\u00fcchtlingskrise wieder gezeigt. Aber es gibt auch einige Kritikpunkte. Beispielsweise gibt es Landstreitigkeiten zwischen christlichen und kurdischen D\u00f6rfern. Die Regierung hat versprochen, hier Abhilfe zu schaffen. Die l\u00e4sst aber noch auf sich warten. Aber bei anderen Dingen geht es schneller.<\/p>\n<p><strong>Die Parteien, die Kurdistan regieren, stehen eher in einer s\u00e4kularen Tradition. Sorgt das f\u00fcr eher pluralistische Verh\u00e4ltnisse?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Wann immer wir mit der Regierung zu tun haben, sp\u00fcren wir das. Sicher, auch hier gibt es Menschen mit engen Ansichten. Aber das ist nicht die Haltung der Regierung.<\/p>\n<p><strong>Viele Christen in Kurdistan klagen aber, dass es auch hier islamistische Parteien gibt. Vor einigen Jahren wurden in einigen kurdischen St\u00e4dten im Norden Alkoholgesch\u00e4fte von Fanatikern angegriffen. Macht Ihnen das f\u00fcr die Zukunft Sorgen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, so etwas gibt es. Da muss man realistisch sein. In der ganzen Region gibt es solche aufsteigenden Bewegungen. Sie werden ganz sicher auch Kurdistan erreichen. Aber wenigstens hat die Regierung das Problem im Blick.<\/p>\n<p><strong>Was kann &#8222;Kirche in Not&#8220; f\u00fcr die Christen des Irak in dieser schwierigen Situation tun?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben immer um Ihr Gebet gebeten. Und helfen Sie uns auch weiterhin, unsere Situation gegen\u00fcber der Politik und der \u00d6ffentlichkeit bekannt zu machen. Au\u00dferdem danken wir auch f\u00fcr die Unterst\u00fctzung unserer Nothilfeprogramme. Wir erwarten schwierige Zeiten f\u00fcr Orte wie Karakosch.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch den Vormarsch der radikal-islamischen ISIS-Bewegung sind viele Menschen aus dem arabischen Teil des Nordirak ins sichere Kurdengebiet im Nordosten geflohen. In Erbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion, erwartet der chald\u00e4isch-katholische Erzbischof, Bashar Matti Warda, weitere Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me. Wie viele Fl\u00fcchtlinge haben in Ihrer Di\u00f6zese Zuflucht gefunden? 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