{"id":5462,"date":"2026-03-02T08:10:00","date_gmt":"2026-03-02T07:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/?p=5462"},"modified":"2026-02-27T09:15:37","modified_gmt":"2026-02-27T08:15:37","slug":"christen-tuerkei-brauchen-rechtssicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/christen-tuerkei-brauchen-rechtssicherheit\/","title":{"rendered":"Christen in der T\u00fcrkei brauchen Rechtssicherheit"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schwedischer Jurist setzt sich f\u00fcr syrisch-orthodoxe Christen im Turabdin ein, von denen viele ihr Land in den vergangenen Jahrzehnten verloren haben, und mahnt eine politische L\u00f6sung ein.<\/h3>\n\n\n\n<p>Der schwedische Rechtsanwalt Ilhan Aydin will die letzten im Turabdin in der S\u00fcdostt\u00fcrkei verbliebenen Christen sowie jene, die in ihre Heimat zur\u00fcckkehren wollen, unterst\u00fctzen und ihnen bei Rechtsstreitigkeiten um Landbesitz helfen. Im Portal &#8222;The Assyria Post&#8220; mahnt Aydin diesbez\u00fcglich eine politische L\u00f6sung ein. Ohne eine solche w\u00fcrden die syrischen Christen auf ihrem eigenen Land zu Fremden werden. Keine Gemeinschaft k\u00f6nne auf unsicherer rechtlicher Grundlage eine nachhaltige Zukunft aufbauen, und ohne sichere Eigentumsrechte k\u00f6nne es keine sinnvolle R\u00fcckkehr geben, schreibt der Anwalt, der selbst Wurzeln im Turabdin hat, laut Pressedienst der Wiener Stiftung Pro Oriente (Donnerstag).<\/p>\n\n\n\n<p> Im Turabdin, dem spirituellen und kulturellen Zentrum des syrisch-orthodoxen Christentums, leben heute nur mehr circa 2.600 Christinnen und Christen. Um 1900 soll ihre Zahl bei 200.000 gelegen haben, in den 1960er Jahren bei rund 75.000. Als Mitte der 1980er Jahre der milit\u00e4rische Konflikt zwischen der kurdischen PKK und dem t\u00fcrkischen Milit\u00e4r ausbrach, sa\u00dfen die verbliebenen Christen im Turabdin zwischen allen Fronten. Einige christliche D\u00f6rfer wurden in Folge vom t\u00fcrkischen Milit\u00e4r zur G\u00e4nze ger\u00e4umt, in anderen gab die christliche Bev\u00f6lkerung von selbst auf. Viele zogen nach Istanbul, die Mehrheit suchte ihr Gl\u00fcck im Westen, vor allem in Deutschland, Schweden, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien oder auch in \u00d6sterreich. Die Bilanz: Mitte 1997 verblieben im Turabdin etwa 2.600 Christinnen und Christen. Ihre Zahl ist bis heute nicht signifikant gestiegen, obwohl inzwischen einige in ihre alte Heimat zur\u00fcckgekehrt sind. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Landbesitz verstaatlicht <\/h3>\n\n\n\n<p>Im Zuge umfassender Grundbuchverfahren in den 2000er Jahren wurden riesige Landstriche in ehemals christlichen D\u00f6rfern von der T\u00fcrkei als Staatseigentum neu klassifiziert und als Staatsland, Waldland oder Weideland registriert. Viele Christen, die einst ihre Heimat verlassen haben, s\u00e4hen sich nun einer Realit\u00e4t gegen\u00fcber, die sich kaum jemand h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen, so Aydin. Er war und ist in mehr als 30 D\u00f6rfern aktiv und hat versucht, durch aufwendige Recherchen die Besitzverh\u00e4ltnisse zu kl\u00e4ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Aydin nennt als Beispiel das Dorf Inwardo (G\u00fclg\u00f6ze). In diesem wurden mehr als 32 Millionen Quadratmeter Land (das entspricht etwa 4.500 Fu\u00dfballfeldern) verstaatlicht. In Hah (Anitli) sind es mehr als 28 Millionen Quadratmeter. In Mzizah (Doancay) wurden fast 50 Millionen Quadratmeter Land in Staatsbesitz \u00fcberf\u00fchrt. \u00c4hnliche Probleme best\u00fcnden auch in den anderen D\u00f6rfern der Region. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie Aydin betont, bildeten die betroffenen L\u00e4ndereien einst das landwirtschaftliche R\u00fcckgrat ganzer Gemeinschaften. Die staatlichen Registrierungen h\u00e4tten zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung bereits ausgewandert war. Die abwesenden Familien h\u00e4tten keine M\u00f6glichkeit gehabt, die Verwaltungsprozesse zu \u00fcberwachen oder gar anzufechten. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute, da immer mehr syrische Christen ihre D\u00f6rfer besuchen, H\u00e4user restaurieren und \u00fcber langfristige Investitionen oder eine R\u00fcckkehr nachdenken, m\u00fcssten sie feststellen, dass Land, das jahrhundertelang bewirtschaftet und als Familienbesitz betrachtet wurde, nicht mehr auf ihre Namen eingetragen ist. Aydin und seine Mitarbeiter haben die Besitzverh\u00e4ltnisse und ihre Ver\u00e4nderungen umfassend dokumentiert: &#8222;Es geht nicht mehr darum, das Problem zu identifizieren. Es ist erkannt. Die Frage ist nun, ob der politische Wille besteht, es durch Ma\u00dfnahmen der t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden anzugehen und zu l\u00f6sen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn in einzelnen D\u00f6rfern mehrere Millionen Quadratmeter Land in Staatsbesitz \u00fcbergegangen sind, lasse sich dies nicht durch Gerichtsverfahren einzelner Familien l\u00f6sen. Das Ausma\u00df des Problems \u00fcbersteige die M\u00f6glichkeiten individueller Rechtsverfahren, so der Anwalt: &#8222;Es bedarf eines politischen Rahmens und einer strukturierten \u00dcberpr\u00fcfung. Es bedarf der Anerkennung, dass viele dieser Registrierungen in einer Zeit erfolgten, in der ein Gro\u00dfteil der indigenen Bev\u00f6lkerung faktisch abwesend war. Es bedarf einer transparenten, rechtm\u00e4\u00dfigen und fairen L\u00f6sung.&#8220; (Quelle: Kathpress, Pro Oriente)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwedischer Jurist setzt sich f\u00fcr syrisch-orthodoxe Christen im Turabdin ein, von denen viele ihr Land in den vergangenen Jahrzehnten verloren haben, und mahnt eine politische L\u00f6sung ein. 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