{"id":5749,"date":"2026-10-19T09:15:00","date_gmt":"2026-10-19T07:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/?p=5749"},"modified":"2026-10-08T09:19:21","modified_gmt":"2026-10-08T07:19:21","slug":"un-experten-fordern-besseren-schutz-fuer-christliche-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/un-experten-fordern-besseren-schutz-fuer-christliche-maedchen\/","title":{"rendered":"UN-Experten fordern besseren Schutz f\u00fcr christliche M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drei UN-Sonderberichterstatter haben bei einer Nebenveranstaltung des UN-Menschenrechtsrats Pakistan an seine internationalen Menschenrechtsverpflichtungen und seine eigene Gesetzgebung erinnert. Im Mittelpunkt standen der Schutz von Kindern vor Zwangskonversionen, Kinderehen, Ausbeutung und sexueller Gewalt sowie der Zugang religi\u00f6ser Minderheiten zur Justiz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir wissen nicht, wo sie sie festhalten. [\u2026] Wir haben schreckliche Gedanken dar\u00fcber, was mit ihr geschieht\u201c, sagt die Mutter von <strong>Maria Shahbaz<\/strong> in einem Video, das w\u00e4hrend der Veranstaltung im Saal Concordia 1 des UN-Menschenrechtsrats gezeigt wurde. \u201eHelft uns, unsere T\u00f6chter zur\u00fcckzubringen\u201c, lautet der Appell von Familien, deren T\u00f6chter nach ihren Angaben von muslimischen Nachbarn entf\u00fchrt und zwangsweise zum Islam bekehrt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">UN-Sonderberichterstatter fordert besseren Zugang zur Justiz<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hauptansprache hielt <strong>Professor Nicolas Levrat, UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr Minderheitenfragen<\/strong>. Seine Einsch\u00e4tzung war deutlich: Die Straflosigkeit im Zusammenhang mit Zwangskonversionen lasse sich \u201enicht durch neue Gesetze oder zus\u00e4tzliche Gesetzgebung\u201c allein l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Levrat verwies darauf, dass Pakistan die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert habe und die Rechte von Kindern darin ausdr\u00fccklich gesch\u00fctzt seien. Zwangskonversionen und Kinderehen verstie\u00dfen sowohl gegen Pakistans internationale Verpflichtungen als auch gegen nationales Recht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Levrat sprach sich zugleich gegen ein eigenes Gesetz zum Verbot von Zwangskonversionen aus. International zeige sich, dass solche Gesetze h\u00e4ufig von der religi\u00f6sen Mehrheit diskriminierend gegen religi\u00f6se Minderheiten angewandt w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stattdessen forderte er die pakistanischen Beh\u00f6rden auf, <strong>Minderheiten einen besseren Zugang zur Justiz zu erm\u00f6glichen<\/strong>. Dabei verwies er auf die Aussagen der betroffenen Familien. Der Vater von Maria Shahbaz hatte berichtet, die Familie sei von Gericht zu Gericht gegangen, doch \u201enichts ist passiert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Levrat forderte daher Schulungen und technische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Polizei, Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und Justiz. Rechtliche Schritte allein reichten nicht aus. Gleichzeitig m\u00fcssten gesellschaftliche Vorurteile gegen\u00fcber Minderheiten bek\u00e4mpft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDaran muss gearbeitet werden\u201c, sagte er. Es gebe eine weit verbreitete Voreingenommenheit zugunsten der Mehrheitsgesellschaft. Die Beh\u00f6rden m\u00fcssten Beschwerden ernsthaft pr\u00fcfen und f\u00fcr Gerechtigkeit sorgen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kinderehen als Form moderner Sklaverei<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Online zugeschaltet war auch <strong>Dr. Katarina Schwarz<\/strong>, eine Expertin f\u00fcr internationales und vergleichendes Recht mit Schwerpunkt auf modernen Formen von Sklaverei, Menschenhandel und Ausbeutung sowie neu ernannte UN-Sonderberichterstatterin zu modernen Formen der Sklaverei und Menschenhandel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie wies darauf hin, dass Kinderehen unter Formen der Sklaverei fallen k\u00f6nnen. Sklaverei entstehe nicht im luftleeren Raum, sondern gedeihe h\u00e4ufig in einem Umfeld von Diskriminierung und treffe besonders Frauen und M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwarz betonte, dass die Verantwortung f\u00fcr den Schutz der M\u00e4dchen beim Staat liege. Pakistan m\u00fcsse pr\u00e4ventiv handeln und \u201erobuste und wirksame Schutzma\u00dfnahmen\u201c umsetzen, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Gesetze, aber Probleme bei der Umsetzung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenfalls online nahm <strong>Reem Alsalem, UN-Sonderberichterstatterin \u00fcber Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen, deren Ursachen und Folgen<\/strong>, an der Veranstaltung teil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie verwies zun\u00e4chst auf die bestehenden rechtlichen Schutzmechanismen f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen in Pakistan und begr\u00fc\u00dfte die Verabschiedung des <strong>Child Marriage Restraint Bill 2026<\/strong> in Punjab. Das Gesetz trat im Mai 2026 in Kraft, setzt das Mindestalter f\u00fcr eine Eheschlie\u00dfung f\u00fcr M\u00e4dchen und Buben auf 18 Jahre fest und stuft Kinderehen als nicht kautionsf\u00e4higes Delikt ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschnitt 5 des Gesetzes stellt zudem das Zusammenleben mit einem Kind infolge einer solchen Ehe als Kindesmissbrauch unter Strafe \u2013 unabh\u00e4ngig von der Zustimmung des Kindes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verabschiedung des Gesetzes in Punjab ist besonders bedeutsam, da sich dort laut dem Bericht \u201eStolen Girls\u201c der Jubilee Campaign die meisten bekannten F\u00e4lle von Entf\u00fchrungen und Zwangskonversionen christlicher M\u00e4dchen ereignen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alsalem \u00e4u\u00dferte jedoch Besorgnis \u00fcber die uneinheitliche Anwendung der Gesetze. Ob T\u00e4ter zur Verantwortung gezogen w\u00fcrden, h\u00e4nge h\u00e4ufig vom zust\u00e4ndigen Gericht und vom Engagement der Anw\u00e4lte ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlich werde die Strafverfolgung dadurch erschwert, dass Entf\u00fchrer und mitunter sogar Angeh\u00f6rige der Sicherheitsbeh\u00f6rden Druck auf Opfer und Familien aus\u00fcbten, Beschwerden zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blasphemiegesetze und Druck auf christliche Minderheiten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Christophe Foltzenlogel<\/strong>, Referent beim European Centre for Law and Justice, beschrieb den breiteren Kontext der Diskriminierung religi\u00f6ser Minderheiten, insbesondere von Christen, in Pakistan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er verwies auf die langsamen Gerichtsverfahren und nannte den Fall <strong>Shahzad Masih<\/strong>. Dieser sei erst 16 Jahre alt gewesen, als er 2017 festgenommen worden sei, nachdem er lediglich eine Unterhaltung wiedergegeben habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl ein Polizeikommissar ausgesagt habe, Shahzads Aussagen seien nicht beleidigend gewesen, habe das Gericht ihn aufgrund des erheblichen Drucks fundamentalistischer Gruppen, die Gerichtss\u00e4le f\u00fcllten und Richter einsch\u00fcchterten, nicht als Minderj\u00e4hrigen behandelt. Im November 2022 sei er zum Tode verurteilt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shahzad Masih habe seinen Anw\u00e4lten k\u00fcrzlich gesagt: \u201eSie sollen mich einfach h\u00e4ngen. Ich ertrage dieses t\u00e4gliche Warten und Leiden nicht mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Foltzenlogel betonte wie die anderen Teilnehmer, dass Pakistan \u00fcber entsprechende Gesetze verf\u00fcge, diese aber nicht konsequent umsetze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er kritisierte insbesondere den Umgang der Justiz mit F\u00e4llen von Zwangskonversionen. Gestohlenen Gegenst\u00e4nden werde mitunter mehr Aufmerksamkeit geschenkt als entf\u00fchrten Menschen. Bei Diebst\u00e4hlen werde nach dem gestohlenen Gegenstand gesucht und dieser von der Polizei sichergestellt oder dem Eigent\u00fcmer zur\u00fcckgegeben. Die damals 13-j\u00e4hrige <strong>Maria Shahbaz<\/strong>, die von einem 30-j\u00e4hrigen Mann entf\u00fchrt worden sein soll, befinde sich hingegen bis heute unter der Kontrolle ihres mutma\u00dflichen Entf\u00fchrers.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eIhr Status als Kind wurde beiseitegeschoben\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Joseph Janssen<\/strong>, pakistanischer Menschenrechtsaktivist und Mitarbeiter der Jubilee Campaign, berichtete von Begegnungen mit \u00dcberlebenden von Zwangskonversionen und Entf\u00fchrungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Berufung auf den Bericht \u201eStolen Girls\u201c schilderte er das Ausma\u00df des Problems. Zudem berichtete er von einem j\u00fcngeren Fall eines minderj\u00e4hrigen M\u00e4dchens, <strong>Amber Nadeem<\/strong>, das zwangsweise zum Islam bekehrt und mit einem \u00e4lteren muslimischen Mann verheiratet worden sein soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch habe pers\u00f6nlich erlebt, wie Anw\u00e4lte vor Gericht argumentierten, dass sie nach ihrer Konversion zum Islam nicht zu ihren christlichen Eltern zur\u00fcckkehren k\u00f6nne, weil dies als Apostasie gelten w\u00fcrde. Ihr Status als Kind wurde beiseitegeschoben\u201c, sagte Janssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies unterstreiche den von Professor Levrat beschriebenen gesellschaftlichen Druck. Neben gesetzlichen Ma\u00dfnahmen m\u00fcssten auch gesellschaftliche Einstellungen ver\u00e4ndert werden, um Minderheiten langfristig wirksam zu sch\u00fctzen und ihre Gleichheit an W\u00fcrde und Rechten sicherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fall Maria Shahbaz weiterhin ungel\u00f6st<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer Fall Maria Shahbaz wurde sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene angesprochen, unter anderem im Europ\u00e4ischen Parlament und bei den Vereinten Nationen\u201c, sagte Janssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch befinde sie sich weiterhin in der Obhut ihres mutma\u00dflichen Entf\u00fchrers und angeblichen Ehemanns. Janssen fragte, warum sie noch immer nicht unter staatlichen Schutz gestellt worden sei \u2013 fern von jenen Personen, denen vorgeworfen werde, ihr geschadet zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er schloss sich damit dem Appell der betroffenen Familien an: Pakistan m\u00fcsse die M\u00e4dchen aus der Gewalt ihrer Entf\u00fchrer befreien, w\u00e4hrend die rechtliche Aufarbeitung weiterlaufe. Bestehende Gesetze m\u00fcssten umgesetzt und d\u00fcrften nicht nur auf dem Papier bestehen. Maria Shahbaz und andere betroffene M\u00e4dchen m\u00fcssten zu ihren Familien zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">UN wartet weiterhin auf Antwort Pakistans<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Frage nach dem Stand einer fr\u00fcheren Mitteilung der UN-Sonderverfahren zu Zwangskonversionen und Entf\u00fchrungen von Frauen und M\u00e4dchen in Pakistan antwortete Professor Levrat: \u201eNoch keine Antwort.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die UN-Sonderverfahren hatten ihre Bedenken mehrfach \u00f6ffentlich bekr\u00e4ftigt, zuletzt im April 2026. Damals erkl\u00e4rten UN-Experten, das Ausma\u00df und die Dauer der Menschenrechtsverletzungen deuteten auf eine \u201esystematische Diskriminierung nichtmuslimischer Frauen und M\u00e4dchen hin, die gezwungen oder gen\u00f6tigt werden, zum Islam \u00fcberzutreten, um muslimische M\u00e4nner zu heiraten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Experten forderten die pakistanische Regierung auf, ihre Anstrengungen gegen Zwangskonversionen zu verst\u00e4rken, das Mindestalter f\u00fcr Eheschlie\u00dfungen in allen Provinzen und Territorien auf 18 Jahre anzuheben, Zwangskonversion als eigenen Straftatbestand einzuf\u00fchren und bestehende Gesetze gegen Menschenhandel und sexuelle Gewalt konsequent anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob diese Empfehlungen umgesetzt werden, bleibt offen. Die Teilnehmer der Veranstaltung \u00e4u\u00dferten die Hoffnung, dass Pakistan durch die Veranstaltung erneut an seine Verantwortung erinnert wird, die betroffenen M\u00e4dchen zu sch\u00fctzen, sie aus der Gewalt ihrer Entf\u00fchrer zu befreien und bestehende internationale und nationale Verpflichtungen tats\u00e4chlich umzusetzen. (Quelle: jubileecampaign.org)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei UN-Sonderberichterstatter haben bei einer Nebenveranstaltung des UN-Menschenrechtsrats Pakistan an seine internationalen Menschenrechtsverpflichtungen und seine eigene Gesetzgebung erinnert. Im Mittelpunkt standen der Schutz von Kindern vor Zwangskonversionen, Kinderehen, Ausbeutung und sexueller Gewalt sowie der Zugang religi\u00f6ser Minderheiten zur Justiz. \u201eWir wissen nicht, wo sie sie festhalten. 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