{"id":737,"date":"2015-04-17T07:28:29","date_gmt":"2015-04-17T05:28:29","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/priester-und-nonnen-gehen-als-letzte-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:09:30","modified_gmt":"2023-02-23T11:09:30","slug":"priester-und-nonnen-gehen-als-letzte-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/priester-und-nonnen-gehen-als-letzte-html\/","title":{"rendered":"&#8222;Priester und Nonnen gehen als letzte&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Helden des Glaubens im Irak: Priester, Seminaristen und Ordensleute harren bei ihrer vom IS bedr\u00e4ngten Herde aus. &#8222;Nachts h\u00f6ren wir oft Gesch\u00fctzfeuer. Aber zum Gl\u00fcck liegen wir ein ganzes St\u00fcck weit von den K\u00e4mpfen entfernt&#8220;, meint Pfarrer Steven. Das ist Ansichtssache. Tats\u00e4chlich trennen kaum 15 Kilometer Luftlinie den Ort Alqosh von der Frontlinie, wo sich die kurdischen Peschmerga-Truppen und die K\u00e4mpfer der islamischen Terrorgruppe IS schwerbewaffnet gegen\u00fcberstehen. Dahinter liegt die weite Ninive-Ebene, die die Dschihadisten im vergangenen Jahr erobert und zum Teil ihres Gebiete in Syrien und dem Irak umfassenden Kalifats erkl\u00e4rt haben. Mit blo\u00dfem Auge kann man von Alqosh aus bei gutem Wetter die christlichen Orte sehen, die jetzt in der Hand des IS sind.<br \/>&#8222;Da hinten liegt mein Dorf Batnaya&#8220;, sagt der chald\u00e4ische Priester und zeigt in Richtung des christlichen Orts in der Ebene. &#8222;Ich war Pfarrer dort. Jetzt regiert da der IS.&#8220; Der Geistliche berichtet, wie schnell alles im Sommer ging, wie der IS immer weiter vorr\u00fcckte und \u00fcber 125 000 Christen in Panik vor ihnen flohen. &#8222;Ich war der Letzte, der Batnaya verlassen hat. Wenig sp\u00e4ter trafen die Dschihadisten ein. Ihre erste Frage war: Wo ist Pfarrer Steven?&#8220; Muslime der Nachbarorte, berichtet er weiter, h\u00e4tten sich den Dschihadisten angeschlossen, Menschen, mit denen die Christen ein Leben lang Seit&#8216; an Seit&#8216; gelebt hatten. &#8222;Das war besonders bitter f\u00fcr uns.&#8220;<\/p>\n<p>Jetzt lebt Pfarrer Steven als Fl\u00fcchtling in Alqosh, ein paar Kilometer nur von seiner Pfarrei Batnaya entfernt. Mit ihm haben \u00fcber 480 christliche Familien aus der Gegend Zuflucht in dem uralten christlichen Ort gefunden. Ein chald\u00e4ischer Bischof residiert hier. Die Ruinen einer Synagoge bergen das Grab des alttestamentlichen Propheten Nahum. Sch\u00f6ne Kirchen pr\u00e4gen das St\u00e4dtchen. Wenig nur h\u00e4tte gefehlt und auch \u00fcber Alqosh w\u00fcrde jetzt die schwarze Fahne des Kalifats wehen. &#8222;Sie standen Anfang August kurz vor Alqosh&#8220;, sagt Steven. &#8222;Aber aus Gr\u00fcnden, die wir nicht kennen, hat der IS dann umgedreht. Das hat uns gerettet.&#8220; Sein Mitbruder Ghazwan sieht die Hand Gottes im Spiel. &#8222;Es ist ein Wunder, dass wir noch hier sein k\u00f6nnen. Die Polizei hat uns im Sommer gesagt, sofort den Ort zu verlassen, nachdem ISIS immer weiter vorr\u00fcckte. Zeitweise war deshalb niemand mehr hier.&#8220; Nur etwa 100 mutige junge M\u00e4nner harrten in den Bergen bei Alqosh aus, so der Priester. &#8222;Sie waren bereit, den Ort gegen den IS unter Einsatz ihres jungen Lebens zu verteidigen. Sie waren bereit, f\u00fcr ihre Heimat zu sterben.&#8220; Priester Ghazwan m\u00fcsste zun\u00e4chst mit den \u00fcbrigen Bewohnern fliehen. Aber nur f\u00fcr eine Woche. &#8222;Das war die Woche, als zum ersten Mal in unserer langen christlichen Geschichte hier in Alqosh keine Messe gefeiert wurde.&#8220; Aber das blieb nicht lang so. &#8222;Am 15. August kam ich wieder zur\u00fcck. Ich wollte bei unseren jungen Leuten sein.&#8220;<\/p>\n<p>Dutzende Priester und Ordensleute wurden im vergangenen Jahr heimatlos. Sie verloren nicht nur Konvente, Kirchen und Kl\u00f6ster, sondern auch Schulen und Kinderheime, im Grunde ihr ganzes \u00fcber Jahre aufgebautes Apostolat. &#8222;Wir haben 23 unserer Kl\u00f6ster und H\u00e4user verloren&#8220;, sagt Schwester Suhama. Die Dominikanerin lebt jetzt in einer Reihenhaussiedlung nahe Erbil. Wie sie werden Dutzende heimatlose Schwestern, M\u00f6nche und Priester von &#8222;Kirche in Not&#8220; beim Neuanfang unterst\u00fctzt. &#8222;Wir waren 26 Schwestern allein in Qaraqosh. Wir hatten ein bl\u00fchendes Gemeindeleben dort. Manche Schwestern l\u00e4sst dieser Verlust nicht los. Sie tr\u00e4umen nachts, dass sie bald zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.&#8220; Schwester Suhamas Mitschwester weint leise, w\u00e4hrend sie zuh\u00f6rt. 14 \u00e4ltere Schwestern sind seit der Flucht vor Kummer sogar gestorben.<br \/>Es sei nicht leicht, so Schwester Suhama, angesichts der Umst\u00e4nde ein regelm\u00e4\u00dfiges Ordensleben weiterzuf\u00fchren. &#8222;Wir m\u00fcssen uns ja um unsere Leute k\u00fcmmern, die jetzt hier leben. Sie haben viele Probleme. Aber wir bem\u00fchen uns doch, Messe und Gebet den geb\u00fchrenden Platz zu geben.&#8220; Das Wichtigste sei, dass die Menschen sp\u00fcrten, dass ihnen die Kirche nahe sei, betont die Schwester. &#8222;Unsere Aufgabe ist es, bei unseren Leuten zu sein. Sollten irgendwann auch alle Christen den Irak verlassen, was ich nicht glaube: Wir Priester und Nonnen werden als letzte gehen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie die Schwestern haben auch die beiden Seminaristen Martin und Randi ihre Heimat verloren. Die jungen M\u00e4nner studieren jetzt mit Unterst\u00fctzung von &#8222;Kirche in Not&#8220; im Priesterseminar in Erbil. &#8222;Der IS hat unsere Berufung gest\u00e4rkt&#8220;, sagt Randi voller \u00dcberzeugung. Der syrisch-katholische Seminarist stammt aus Qaraqosh. &#8222;Nat\u00fcrlich ist es bitter, die Heimat zu verlieren. Meine Eltern leben jetzt als Fl\u00fcchtlinge hier. Aber zum Gl\u00fcck haben die Menschen \u00fcberlebt. Das zeigt mir, dass Gott ein Gott des Lebens und nicht von Besitz und Gegenst\u00e4nden ist. Gott sorgt f\u00fcr uns.&#8220; Martin stimmt ihm zu. Der Chald\u00e4er aus Karamles, einem Ort nahe Qaraqosh, ist bereits Diakon. &#8222;Unser Dorfpriester und ich sind als eine der letzten geflohen, nachdem wir uns versichert hatten, dass niemand mehr im Ort ist. Wir konnten die heilige Eucharistie und einige liturgische B\u00fccher retten. Sonst nichts. Ich hatte wirklich Angst um mein Leben&#8220;, sagt er. W\u00e4hrend der Flucht nach Erbil habe er gedacht, dass der Tod nahe sein k\u00f6nnte. Traurigkeit \u00fcberkommt ihn beim Gedanken an das verlorene Zuhause. &#8222;Ich m\u00f6chte erst dann zum Priester geweiht werden, wenn ich die erste Messe in meinem Dorf feiern kann. Ich wei\u00df nat\u00fcrlich, dass das Monate oder l\u00e4nger dauern kann.&#8220; Diakon Martin hatte sich zuvor ganz bewusst f\u00fcr ein Leben im Irak entschieden. &#8222;Meine Eltern leben in den USA. Ich war eine Zeitlang auch dort. Aber ich wollte zur\u00fcck in den Irak. Hier ist mein Platz. Hier will ich den Menschen dienen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch Randi sieht sich den Gl\u00e4ubigen verpflichtet. &#8222;Ich will nicht nur am Altar dienen, sondern mich um die Armen k\u00fcmmern. Davon haben wir jetzt wirklich genug.&#8220; Ihn schmerze es zu sehen, wie immer mehr Christen den Irak f\u00fcr immer verlie\u00dfen. &#8222;Aber auch wenn unsere Herde in Zukunft noch kleiner sein wird, haben wir Christen hier doch einen wichtigen Auftrag. Wir m\u00fcssen unser Land wieder aufbauen. Wir m\u00fcssen trotz allem lernen, wieder mit den Muslimen zusammenzuleben. Wir m\u00fcssen unsere Kinder lehren, vor dem Anderen Respekt und Achtung zu haben. Das w\u00fcrde dem Irak sonst fehlen.&#8220;<\/p>\n<div class=\"inner\">\n<div class=\"text\">\n<p>Das katholische Hilfswerk &#8222;Kirche in Not&#8220; unterst\u00fctzt Ordensleute, Priester und Seminaristen, die vor dem IS fliehen mussten. Dies geschieht durch Messstipendien f\u00fcr Priester sowie durch direkte Nothilfe f\u00fcr Wohnung und Verpflegung. N\u00e4here Infos finden Sie<a href=\"http:\/\/www.kircheinnot.at\/Aktuelles\/Themenschwerpunkt\/Nothilfe_fuer_irakische_Christen\/\">&nbsp;&#8230;hier<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helden des Glaubens im Irak: Priester, Seminaristen und Ordensleute harren bei ihrer vom IS bedr\u00e4ngten Herde aus. &#8222;Nachts h\u00f6ren wir oft Gesch\u00fctzfeuer. Aber zum Gl\u00fcck liegen wir ein ganzes St\u00fcck weit von den K\u00e4mpfen entfernt&#8220;, meint Pfarrer Steven. Das ist Ansichtssache. 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