{"id":805,"date":"2015-07-21T08:22:34","date_gmt":"2015-07-21T06:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/zwischen-hoffnung-und-angst-html-0\/"},"modified":"2023-02-27T16:16:12","modified_gmt":"2023-02-27T15:16:12","slug":"zwischen-hoffnung-und-angst-html-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/zwischen-hoffnung-und-angst-html-0\/","title":{"rendered":"Zwischen Hoffnung und Angst"},"content":{"rendered":"<p><span>Syrische Christen versuchen, ihr Leben neu aufzubauen &#8211; Doch Krieg und Gewalt sind nie weit.&nbsp;Bunte Farben im Grau der Zerst\u00f6rung: Kinder und Jugendliche haben jetzt eine der Stra\u00dfen in der vom Krieg heimgesuchten Altstadt von Homs bemalt. An Hausw\u00e4nden brachten sie in leuchtenden Farben zum Ausdruck, was sie bewegt und worauf sie hoffen. &#8222;Hoffnung und Freude sollen so wieder in unsere Stadt einkehren&#8220;, erkl\u00e4rt Pfarrer Lukas Awad von der syrisch-orthodoxen Kirche. &#8222;Jugendliche unserer Pfarrei hatten die Idee. Sie haben dazu Kinder aus ganz Homs eingeladen. Sie wollten den Kleinen eine Freude machen und die Eltern ermutigen, wieder in die Altstadt zur\u00fcckzukehren.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span> Homs hatte vor dem Ausbruch des syrischen Krieges eine gro\u00dfe christliche Gemeinde. Besonders in der Altstadt mit ihren Kirchen lebten viele Christen. Bis ins 1. Jahrhundert reicht die christliche Pr\u00e4senz hier zur\u00fcck. Die ber\u00fchmte Kirche der Jungfrau Maria vom Heiligen G\u00fcrtel soll ihre Urspr\u00fcnge sogar auf das Jahr 50 nach Christus zur\u00fcckf\u00fchren k\u00f6nnen. Doch im Februar 2012 erreichte der immer brutaler werdende syrische Krieg auch das strategisch wichtig gelegene Homs. Die Christen flohen aus der Altstadt. Nur einige wenige blieben, nachdem Rebellengruppen das Gebiet erobert hatten. Die Mehrheit suchte Zuflucht in anderen Teilen der Stadt oder verlie\u00df die Gegend ganz. Mitte 2014 dann brachten Regierungstruppen auch die Altstadt wieder unter ihre Kontrolle. Doch die Zerst\u00f6rung ist noch immer un\u00fcbersehbar.<\/span><\/p>\n<p><span><span>&#8222;Absicht der Jugendlichen war es, die Christen zu ermutigen, trotz der Zerst\u00f6rung wieder in ihre H\u00e4user in der Altstadt zur\u00fcckzukehren&#8220;, erkl\u00e4rt Pfarrer Lukas. &#8222;Und sie haben Erfolg damit. Nach diesem Projekt kamen viele zur\u00fcck, besonders in die bemalte Stra\u00dfe.&#8220; Dutzende Familien h\u00e4tten sich seither von der Initiative inspirieren lassen, berichtet der Priester weiter. &#8222;Und jeden Tag kommen ein, zwei neue dazu.&#8220; Manche Familien h\u00e4tten Bilder des Projekts im Fernsehen gesehen und sich danach f\u00fcr ihre alte Heimat entschieden. &#8222;Das Gebiet ist schlie\u00dflich sicher&#8220;, gibt Pfarrer Lukas zu bedenken. &#8222;Auch die Infrastruktur funktioniert, einigerma\u00dfen wenigstens. Drei Stunden haben wir Strom, dann wieder keinen. Aber das geht schon. Das Hauptproblem sind die gro\u00dfen Zerst\u00f6rungen der H\u00e4user und der Mangel an Arbeit. Au\u00dferdem ist alles furchtbar teuer, auch Baumaterial. Wir als Kirche tun aber, was wir k\u00f6nnen. Besonders die Reparatur der Wohnungen hat Priorit\u00e4t f\u00fcr uns.&#8220; <\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span>Doch trotz der Fortschritte: Zu Ende sind der Krieg und seine Gefahren nicht. Daran wurden die Menschen in Homs erinnert, als die Terrorgruppe &#8222;Islamischer Staat&#8220; den Ort Palmyra eroberte. Oder als der katholische Priester Jacques Mourad Ende Mai entf\u00fchrt wurde. &#8222;Als Palmyra erobert wurde, flohen alle Christen aus dem Ort. Und nach der Entf\u00fchrung von Pater Jacques sind Christen aus Qaryatayn weggegangen. Sie alle haben Angst vor dem IS. Und auch die Menschen hier in Homs werden von dieser Angst erfasst. Sie f\u00fcrchten, dass der Krieg zur\u00fcckkehrt.&#8220; Eine Familie habe deshalb ihre R\u00fcckkehr in die Altstadt von Homs verschoben. Sie will erst abwarten, wie sich die Dinge entwickeln.&nbsp; Doch Pfarrer Lukas verzagt nicht. &#8222;Als Christen haben wir Vertrauen in Gott. Wir m\u00fcssen zuversichtlich sein trotz des Leids. Denn unser Herr Jesus Christus hat gesagt: F\u00fcrchtet euch nicht, ich bin alle Tage bei euch.&#8220; Die Menschen w\u00fcrden viel beten, berichtet Pfarrer Lukas. Und die Tatsache, dass Bisch\u00f6fe, Priester und Ordensleute auch in den schlimmsten Zeiten nie von der Seite ihrer Gemeinden gewichen sind, hat das Vertrauen in die Kirche gest\u00e4rkt. &#8222;Wir als Kirche tun alles, was wir k\u00f6nnen, um unsere Gl\u00e4ubigen geistlich, aber auch materiell zu st\u00e4rken.&#8220;&nbsp;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><span>Um die Menschen weiter zu ermutigen, hat Pfarrer Lukas jetzt ein Projekt f\u00fcr einen Kinderspielplatz auf den Weg gebracht. Im Juli soll es er\u00f6ffnet werden. &#8222;Kirche in Not&#8220; unterst\u00fctzt ihn dabei. &#8222;Ohne die Wohlt\u00e4ter k\u00f6nnten wir nicht vollbringen. Wir danken ihnen von Herzen. Sie k\u00f6nnen versichert sein, dass wir f\u00fcr sie beten. M\u00f6ge ihnen der Herr ihre Gro\u00dfz\u00fcgigkeit reich vergelten.&#8220;&nbsp;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><span><span>So wie in Homs fassen auch die Christen von Maalula neuen Mut. &#8222;Immer mehr Menschen kommen nach Maalula zur\u00fcck. Daf\u00fcr sind wir sehr dankbar&#8220;, berichtet Pfarrer Toufic Eid von der griechisch-katholischen Kirche. Vierzig bis f\u00fcnfzig Prozent der Menschen sind bislang wieder nach Maalula zur\u00fcckgekehrt. Sie waren vor dem Krieg in andere Orte Syriens geflohen oder hatten sich gleich im Nachbarland Libanon in Sicherheit gebracht. Maalula: Das ist \u00e4ltester christlicher Boden. In dem Ort n\u00f6rdlich von Damaskus wird noch immer Aram\u00e4isch, die Sprache Jesu gesprochen. Zahlreiche Kirchen und Kl\u00f6ster pr\u00e4ge das Ortsbild. Im September 2013 aber wurde Maalula von Rebellen erobert. &#8222;Das waren Dschihadisten. Die Menschen flohen vor ihnen. Sie haben sofort drei junge M\u00e4nner ermordet und sie zu M\u00e4rtyrern gemacht. Auch unsere Kirchen haben sie verw\u00fcstet. Ikonen wurden von ihnen zerst\u00f6rt. Teilweise haben sie Einschussl\u00f6cher. An anderen man kann sehen, wie sie mit Werkzeugen zerst\u00f6rt wurden.&#8220; Der Christenhass richtete sich auch gegen die hoch \u00fcber dem Ort thronende Statue der Jungfrau Maria. Sie wurde von den Dschihadisten kurzerhand in die Luft gesprengt.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><span><span><span>Nachdem die Rebellen im April 2014 aber von der Regierungsarmee aus dem Ort vertrieben worden waren, begannen die Wiederaubauarbeiten. Symbole sind dabei wichtig. So wurde Mitte Juni eine neue Statue Marias anstelle der zerst\u00f6rten aufgestellt. &#8222;Das gibt dem Menschen viel Hoffnung. Die Figur ist schlie\u00dflich das Wahrzeichen unserer Stadt.&#8220; K\u00fcrzlich kehrten auch die Glocken zur\u00fcck, die die Dschihadisten entwendet hatten. Sie waren im Libanon entdeckt worden. &#8222;Leider sind die Glockenst\u00fchle besch\u00e4digt. Man kann nicht alle der zur\u00fcckgebrachten Glocken derzeit nutzen. Aber es tut den Menschen gut zu wissen, dass sie wieder da sind.&#8220; Auch um die besch\u00e4digten Kirchen k\u00fcmmert man sich. &#8222;In unserer Georgskirche ist die Ikonenwand ganz verbrannt. Wir haben die wichtigsten Reparaturen in der Kirche durchgef\u00fchrt. F\u00fcr neue Ikonen oder die Restaurierung alter fehlt uns aber das Geld. Entscheidend ist jetzt vor allem, den Menschen wieder Wohnraum zu geben. Die Sicherheitslage ist gut. Auch die Infrastruktur. Entscheidend ist das Wohnproblem. Die meisten H\u00e4user in unserem Ort wurden entweder besch\u00e4digt oder ganz zerst\u00f6rt. Wenn wir wollen, dass die Menschen zur\u00fcckkommen, m\u00fcssen wir hier ansetzen. Die Menschen h\u00e4ngen an ihrer Heimat. Das gibt ihnen viel Energie.&#8220;&nbsp;<\/span><span><br \/><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span><span><span><span><span><span>Doch trotz des Elans, der sich im Wiederaufbau ausdr\u00fcckt, ist das Grundproblem nicht gel\u00f6st. &#8222;Wenn wir zur Zeit auch sicher sind, so wissen wir, dass sich das stets \u00e4ndern kann&#8220;, so der Priester. &#8222;Auch jetzt muss man durch gef\u00e4hrliche Gebiete fahren, will man nach Damaskus.&#8220; Pfarrer Toufic gibt sich deshalb realistisch. &#8222;Ich verspreche den Menschen nichts, was ich nicht halten kann. Ich sage denen, die zur\u00fcckkommen und bleiben wollen, dass sie bereit sein m\u00fcssen, mit Jesus das Kreuz zu tragen. Aber wichtig ist, dass wir als Kirche nicht nur reden, sondern den Menschen helfen und bei ihnen sind. Das ist das Wichtigste. Der Rest ist in Gottes Hand.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Syrische Christen versuchen, ihr Leben neu aufzubauen &#8211; Doch Krieg und Gewalt sind nie weit.&nbsp;Bunte Farben im Grau der Zerst\u00f6rung: Kinder und Jugendliche haben jetzt eine der Stra\u00dfen in der vom Krieg heimgesuchten Altstadt von Homs bemalt. 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