{"id":821,"date":"2015-08-04T13:14:33","date_gmt":"2015-08-04T11:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/68-gebetstag-fuer-frieden-im-irak-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:06:35","modified_gmt":"2023-02-23T11:06:35","slug":"68-gebetstag-fuer-frieden-im-irak-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/68-gebetstag-fuer-frieden-im-irak-html\/","title":{"rendered":"6.8., Gebetstag f\u00fcr Frieden im Irak"},"content":{"rendered":"<p><span>&#8222;6. August: ein Tag der Trauer, aber auch der Tag, an dem uns Gott gerettet hat &#8220;&nbsp;<\/span><span>Vor einem Jahr mussten zehntausende Christen vor ISIS fliehen &#8211; Betroffene erinnern sich.&nbsp;<\/span><span>Der 6. August 2014 hat das Leben der Kirche des Irak f\u00fcr immer ver\u00e4ndert: \u00dcber 120000 Christen mussten vor den Dschihadisten der Terrorgruppe &#8222;Islamischer Staat&#8220; (IS oder ISIS) fliehen. Seither leben sie als meist mittellose Fl\u00fcchtlinge inner- oder au\u00dferhalb des Irak. Das katholische Hilfswerk &#8222;Kirche in Not&#8220; erinnert ein Jahr sp\u00e4ter durch eine internationale Gebetsaktion an diesen Tag, der den Betroffenen unvergesslich ist.&nbsp;<br \/><\/span><br \/><span>&#8222;Es war schrecklich. Wir flohen am Abend des 6. Augusts. Ich sehe noch immer den Schrecken auf den Gesichtern der Menschen. Sie hatten Angst um ihr Leben. Sie dachten, dass ISIS sie t\u00f6ten w\u00fcrde. Mir ging es auch so. Ich wusste nicht, ob ich den n\u00e4chsten Tag erleben w\u00fcrde&#8220;: Der 22-j\u00e4hrige Christ Rami lebt ein Jahr sp\u00e4ter im Mar Elia-Centre, einem Fl\u00fcchtlingslager in Erbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdengebiete des Nordirak. Hierher haben sich die meisten Christen gefl\u00fcchtet. &#8222;Ich komme aus Mossul. Wir verlie\u00dfen die Stadt aber schon im Januar 2014, weil die Sicherheitslage so schlecht war. Dschihadisten entf\u00fchrten Christen. Man musste um sein Leben f\u00fcrchten&#8220;, berichtet der junge Mann. Mit seinen Eltern und seiner Schwester ging er deshalb nach Karakosch (Qaraqosh), die gr\u00f6\u00dfte christliche Stadt des Irak. Sie mieteten dort ein Haus. Im August 2014 aber wurden sie erneut zu Fl\u00fcchtlingen. Rami erinnert sich, wie am Morgen des 6. August das Gefechtsfeuer st\u00e4rker wurde. &#8222;Als wir sahen, dass die kurdischen Soldaten, die uns bislang verteidigt hatten, abzogen, da war uns klar, dass wir auch gehen mussten. Es stand ja niemand mehr zwischen uns und ISIS.&#8220; Dramatische Szenen spielten sich Rami zufolge ab. &#8222;Die Menschen waren in Panik. Viele rannten einfach los, um sich in Sicherheit zu bringen. Rami selbst floh mit seiner Familie im Auto eines Cousins. &#8222;In der Hektik habe ich sogar meinen Ausweis vergessen. Gegen ein Uhr Nachts kamen wir dann in Erbil an. Dort herrschte das Chaos.&#8220; Tats\u00e4chlich war die Stadt voll mit tausenden Fl\u00fcchtlingen. &#8222;Wir mussten im Garten der Mar Elia -Kirche schlafen. Unter freiem Himmel. Danach wurden wir in einer Parkgarage untergebracht. Nach ein paar Wochen kamen wir dann wieder in das Mar Elia-Centre zur\u00fcck. Bald konnten wir dort in ein einfaches Zelt einziehen.&#8220;&nbsp;<br \/><\/span><br \/><span>Heute wohnt Rami wie hunderte andere Menschen in einem Wohncaravan, der mit Hilfe von &#8222;Kirche in Not&#8220; angeschafft werden konnten. Zuversicht, schnell in seine Heimat zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen, hat Rami ein Jahr sp\u00e4ter keine mehr. &#8222;Ich habe weder in die Regierung noch die Armee meines Landes Vertrauen. Sie haben ISIS einfach Mossul und die anderen Orte \u00fcberlassen.&#8220; Er glaubt deshalb nicht, dass seine Heimat schnell zur\u00fcckerobert wird. Aber das Problem geht f\u00fcr Rami tiefer. &#8222;Wir Christen haben hier keine Rechte und keine Sicherheit. Au\u00dferdem f\u00fchren Schiiten und Sunniten Krieg gegeneinander. Ich will deshalb weg. Lieber heute als morgen. Ich sehe keine Zukunft f\u00fcr mich im Irak. Mein Eindruck ist, dass die meisten Christen gehen wollen.&#8220; Gerne w\u00fcrde Rami in den Westen. Aber dazu muss er sich bei den Vereinten Nationen als Fl\u00fcchtling in einem der Nachbarl\u00e4nder registrieren. Das k\u00f6nnen sich Rami und seine Familie aber nicht leisten. &#8222;Im Libanon, der T\u00fcrkei oder Jordanien d\u00fcrfen wir nicht arbeiten. Oft dauert es aber ein, zwei, drei Jahre bis man ausreisen darf. Man muss solange vom Ersparten leben. Das haben wir aber nicht.&#8220;&nbsp;<br \/><\/span><br \/><span>Sana half christlichen Fl\u00fcchtlingen wie Rami von der ersten Stunde an. Die junge Frau arbeitet f\u00fcr die chald\u00e4ische Di\u00f6zese Erbil. &#8222;Ich habe in den Nachrichten vom Vorr\u00fccken des IS in Richtung der christlichen Orte geh\u00f6rt. Und dann kamen ja auch schon die ersten Fl\u00fcchtlinge hier bei uns an. Im Laufe der Nacht und am anderen Morgen wurden es immer mehr.&#8220; Sana half wie viele junge Leute aus Erbil sofort, die Neuank\u00f6mmlinge zu versorgen. &#8222;Es war schlimm, die Menschen zu sehen. Sie hatten teilweise ja buchst\u00e4blich nichts dabei. Sie sind panisch gefl\u00fcchtet. Sie dachten, ISIS holt sie ein. Manche fuhren von Karakosch (Qarakosh) nach Erbil zw\u00f6lf Stunden und mehr, weil die Wege so \u00fcberf\u00fcllt waren. Normalerweise ist es nicht weit.&#8220; Sie selber habe gar keine Zeit zum Nachdenken gehabt. &#8222;Wir haben einfach nur geholfen. Zw\u00f6lf Stunden am Tag und mehr, oft bis sp\u00e4t in die Nacht, haben wir gearbeitet. Diese Tage sind mir unvergesslich.&#8220; Wenn sie heute zur\u00fcckblicke, wundere sie sich, wo all die vielen tausend Menschen hin sind, die im August nach Erbil gefl\u00fcchtet waren. &#8222;Als die Menschen hier ankamen, haben sie auf dem blo\u00dfen Boden geschlafen. Und jetzt hat jeder eine Wohnung oder wenigstens einen Wohncaravan. Es ist viel passiert.&#8220; Aber nat\u00fcrlich sei das Leben f\u00fcr die Menschen nicht leicht. &#8222;Sie dachten anfangs ja, dass sie nur wenige Tage oder Wochen hier bleiben m\u00fcssten. Aber als es dann ein Monat, zwei Monate, drei Monate wurden, da war ihnen klar, dass es wohl l\u00e4nger dauern w\u00fcrde. Viele haben gar keine Hoffnung mehr, dass sie zur\u00fcck k\u00f6nnen.&#8220; Tr\u00f6stlich, so Sana, seien ihr auch ein Jahr sp\u00e4ter noch Worte des Bischofs von Erbil. &#8222;In einer Predigt antwortete er auf die Frage der Menschen, wo Jesus in dieses Tagen des August war: Jesus floh mit euch. Er lief an eurer Seite. Nur deshalb seid ihr noch am Leben.&#8220;<br \/><\/span><br \/><span>Unvergesslich ist der August letzten Jahres auch Schwester Sanaa. Die Oberin der Kongregation der T\u00f6chter vom heiligsten Herzen Jesu (Congregation of the Daughters of the Sacred Heart of Jesus) erinnert sich: &#8222;Wir Schwestern waren in Erbil. Wir bereiteten uns auf unsere Jahresexerzitien vor. Da h\u00f6rten wir von den Ereignissen in Karakosch (Qaraqosh) und Umgebung. Wir fragten den Bischof, was wir tun sollten. Er meinte, dass wir unsere Exerzitien durchf\u00fchren sollten. Es waren aber sehr traurige Tage f\u00fcr uns. Wir haben so viel gebetet f\u00fcr die Menschen, die nach Erbil gestr\u00f6mt sind.&#8220; Als die Schwestern aus den Exerzitien kamen, sahen sie die Menschen auf der Stra\u00dfe liegen. Kirchen, Schulen und andere \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude waren bereits \u00fcberf\u00fcllt. Schnell begannen die Schwestern, den Menschen zu helfen. Ein Jahr sp\u00e4ter schaut Schwester Sanaa traurig zur\u00fcck. &#8222;Je l\u00e4nger diese Situation dauert, desto gr\u00f6\u00dfer werden die Leiden der Menschen. F\u00fcr mich ist die Lage schlimmer als noch vor einigen Monaten. Die Hoffnung stirbt.&#8220; Die Ordensfrau setzt deshalb ganz auf das Gebet. &#8222;Wir als Iraker und als Christen sind auf das Gebet angewiesen. Nur das Gebet kann uns helfen in dieser schrecklichen Lage. Wir glauben fest, dass der Herr mit uns ist. Bitte denken Sie am 6. August an uns.&#8220;<br \/><\/span><br \/><span>Auch Pater Douglas Bazi war wie Schwester Sanaa zun\u00e4chst geschockt vom Ausma\u00df der Krise. Der chald\u00e4ische Priester leitet das Mar Elia-Centre in Erbil. Er erinnert lebhaft an den 6. August. &#8222;Ich war in den USA. Als ich von den Nachrichten h\u00f6rte, kehrte ich sofort zur\u00fcck. Weil aber der Flughafen Erbil geschlossen war, sa\u00df ich zun\u00e4chst in Ankara fest. Ich traf erst am 7. August in Erbil ein.&#8220; Dort sah der aus Bagdad stammende Geistliche die Not. &#8222;Die zehntausenden Menschen, die hier ohne alles ankamen, das hat mich zun\u00e4chst einfach \u00fcberw\u00e4ltigt. Die Menschen waren v\u00f6llig verloren. In ihren Gesichtern stand Zorn, Verwirrung und Verlorenheit. Sie schienen mir wie K\u00f6rper mit toten Seelen. Manche wollten nicht einmal essen. Sie sagten: Wozu? Um zu leben? Wof\u00fcr?&#8220; Als ich das sah, dachte ich: Das ist das Ende. Ich versuchte, nach au\u00dfen St\u00e4rke zu zeigen. Aber innerlich war ich zerst\u00f6rt. Was nur k\u00f6nnen wir jetzt machen? Ich wusste, dass allein in Karakosch (Qaraqosh) 60000 Christen lebten. Wie nur sollten wir so vielen Menschen helfen?&#8220; Schnell ging Pater Douglas aber dazu \u00fcber, sich ganz auf die Organisation der ersten Hilfe zu konzentrieren.&nbsp;<br \/><\/span><br \/><span>Mittlerweile ist das Leben im Mar Elia-Centre wohl organisiert. Keiner schl\u00e4ft mehr auf dem Boden. Wohncaravans bieten 130 Familien ein w\u00fcrdevolleres Zuhause. Viele Familien haben auch richtige Wohnungen gefunden und sind umgezogen. &#8222;Ich versuche die Leute, vor allem die Jungen, zu besch\u00e4ftigen. Wir bieten Sprachkurse an. Die Kinder erlernen auch Instrumente oder den Umgang mit dem Computer. Aber sie fragen mich: Was kommt als N\u00e4chstes? Das macht mir Angst. Vielleicht wei\u00df ich es bald selbst nicht mehr. Und was dann?&#8220;, fragt er sich. &#8222;Die Leute verlieren jeden Tag mehr, die Hoffnung, zur\u00fcckzukehren. Ich bin aber \u00fcberrascht, wie ruhig die Menschen dennoch sind.&#8220; Den 6. August begeht Pater Douglas mit einem Gottesdienst. &#8222;Der 6. August ist ein Tag der Trauer, aber auch der Tag, an dem uns Gott gerettet hat. Schlie\u00dflich sind wir noch am Leben. Wir werden eine Messe feiern. Vergessen k\u00f6nnen wir nicht, was geschehen ist. Wir werden Gott aber bitten, den T\u00e4tern zu vergeben und ihr Denken zu ver\u00e4ndern.&#8220; Die Wohlt\u00e4ter von &#8222;Kirche in Not bittet er inst\u00e4ndig, sich ihrem Gebet anzuschlie\u00dfen. &#8222;Wir f\u00fchlen die Kraft Ihres Gebetes. Deshalb nur k\u00f6nnen wir voranschreiten. Es ist als Glieder am einen Leib Christi unsere Pflicht, einander beizustehen. Die Kirche in Mesopotamien sieht sich dem B\u00f6sen ausgesetzt. Bitte beten Sie, dass mein Volk angesichts des Teufels stark bleiben kann!&#8220;<br \/><\/span><br \/><span>Das katholische Hilfswerk &#8222;Kirche in Not&#8220; hilft den christlichen Fl\u00fcchtlingen des Irak auf vielf\u00e4ltige Weise. Unmittelbar nach dem 6. August reiste eine Delegation in den Irak, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Seither wurden etwa sieben Millionen Euro f\u00fcr die Unterbringung und Versorgung der Menschen sowie f\u00fcr die Einrichtung mehrerer Schulen f\u00fcr tausende von Fl\u00fcchtlingskindern aufgewandt. F\u00fcr den 6. August ruft das Hilfswerk zum Gebet f\u00fcr die notleidenden Christen des Irak auf. #PrayForIraq #WeAreChristians #6thAugust<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;6. August: ein Tag der Trauer, aber auch der Tag, an dem uns Gott gerettet hat &#8220;&nbsp;Vor einem Jahr mussten zehntausende Christen vor ISIS fliehen &#8211; Betroffene erinnern sich.&nbsp;Der 6. 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