{"id":83,"date":"2013-03-20T10:49:32","date_gmt":"2013-03-20T10:49:32","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/verfolgung-macht-den-glauben-staerker-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:12:44","modified_gmt":"2023-02-23T11:12:44","slug":"verfolgung-macht-den-glauben-staerker-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/verfolgung-macht-den-glauben-staerker-html\/","title":{"rendered":"Verfolgung macht den Glauben st\u00e4rker"},"content":{"rendered":"<p>Christen im Irak zehn Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins; Interview mit Amel Nona, chald\u00e4ischer Erzbischof von Mosul<\/p>\n<p>Exzellenz, zehn Jahre nach der amerikanisch gef\u00fchrten Invasion des Irak sagen viele Christen: Saddam war sicher ein Diktator, aber die Lage unter ihm war besser als das Chaos, das wir seither erleben. Stimmen Sie zu?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbDie gegenw\u00e4rtige Lage im Irak ist das Ergebnis dessen, was in den letzten vierzig Jahren oder l\u00e4nger ges\u00e4t worden ist. Es ist deshalb nicht leicht zu erkl\u00e4ren, was in unserem Land vor sich geht. Denn dazu m\u00fcsste man zur\u00fcck in die Geschichte gehen, um zu wissen, welche die sozialen, politischen und religi\u00f6sen Gr\u00fcnde sind, die die Pers\u00f6nlichkeit des Irakers von heute geformt haben. Man kann die Situation des Irak unter Saddam indes nicht allein nach Sicherheitsgesichtspunkten rechtfertigen. Man muss vielmehr die ganze Situation kennen, die er geschaffen hat, um beurteilen zu k\u00f6nne, ob es besser oder schlechter war.\u00ab<\/p>\n<p>Glauben Sie indes, dass sich die Lage der Kirche nach Jahren des Chaos langsam zu stabilisieren beginnt?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbDie Lage der Kirche h\u00e4ngt zu einem guten Teil von der Lage des Irak insgesamt ab. Es ist bekannt, dass die Lage auch zehn Jahre nach dem Sturz Saddams weit davon entfernt ist, stabil zu sein. Abgesehen davon haben all die Verfolgungen und der Druck, dem die Kirche all die Jahre ausgesetzt war, daf\u00fcr gesorgt, dass es noch keine klare Vision f\u00fcr die Zukunft gibt. All das zusammen mit der anhaltenden Abwanderung der Christen erlaubt es der Kirche im Irak insgesamt nicht, Normalit\u00e4t und Stabilit\u00e4t zu finden. So etwas gibt es in manchen Di\u00f6zesen und Pfarreien in bestimmten Gegenden, aber insgesamt brauchen wir noch Zeit, um uns zu stabilisieren.\u00ab<\/p>\n<p>Aber gibt es Ihrer Einsch\u00e4tzung nach eine M\u00f6glichkeit, den christlichen Exodus aufzuhalten?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbDer Exodus der irakischen Christen ist ein Faktum, dem verschiedene Motive zugrunde liegen und nicht nur ein einziges. Man kann deshalb nicht von nur einer M\u00f6glichkeit sprechen, den Exodus aufzuhalten. Vielmehr muss man \u00fcber verschiedene Wege reden, um ihn zu stoppen. Probleme gibt es dabei viele: die allgemeine Lage im Land, die mangelnde Sicherheit, die wirtschaftliche Situation. Hinzu kommen die Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft wie das Anwachsen des islamischen Fundamentalismus. All das ist nicht hilfreich, um den christlichen Exodus aufzuhalten.\u00ab<\/p>\n<p>Wie viele Christen haben das Land verlassen?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbDas ist schwer zu sagen. Ich sch\u00e4tze etwa sechzig Prozent, wenn nicht mehr.\u00ab<\/p>\n<p>Ist sich die irakische Regierung der schwierigen Lage der Christen bewusst?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbWas man von den Verantwortlichen in der irakischen Regierung \u00fcber die Christen h\u00f6rt, ist immer gut. Aber in Wirklichkeit wissen alle, wie unsere Lage ist, und es gibt keine echte L\u00f6sung f\u00fcr unsere Probleme.\u00ab<\/p>\n<p>K\u00f6nnte hier vielleicht der Westen helfen? Etwa durch diplomatischen Druck?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbIch glaube, dass der Westen viel machen kann. Man muss indes pr\u00e4zisieren, was man unter Westen versteht. Wenn damit die westliche Politik gemeint ist, dann glaube ich nicht, dass man viel erwarten kann. Wenn wir unter Westen aber die dortige Gesellschaft verstehen, dann ist noch viel m\u00f6glich, indem man den Christen des Irak etwa durch Projekte in sicheren Gebieten hilft.\u00ab<\/p>\n<p>Sie erw\u00e4hnten vorhin einen wachsenden islamischen Fundamentalismus. Wie kommt das? Durch Einfl\u00fcsse von au\u00dfen?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbDer irakische Islam war nie fundamentalistisch. Aber nach 2003 ist ein radikaler und fundamentalistischer Islam in den ganzen Irak gekommen. Und wenn er einmal da ist, ist es sehr schwierig wenn nicht unm\u00f6glich, ihn wieder auszurei\u00dfen. Aber das Problem ist nicht der Fundamentalismus sondern die Islamisierung der Gesellschaft. Die irakische Gesellschaft hat sich sehr ge\u00e4ndert. Sie ist islamistischer und radikaler geworden. Das ist das Resultat all dieser fundamentalistischen Gruppen und einer Politik, die die Religion benutzt, um ihre Ziele zu verwirklichen. Die Angst ist ein wesentliches Element, um die Gesellschaft zu islamisieren. Desto gr\u00f6\u00dfer die Angst, desto st\u00e4rker der Fundamentalismus.\u00ab<\/p>\n<p>Vielleicht in keiner Stadt haben Christen so sehr unter dem islamischen Fundamentalismus gelitten wie in Mosul, wo sie Erzbischof sind. Wie ist die Lage derzeit?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: Mosul stellt f\u00fcr die Christen noch immer eine Gefahr dar, obwohl wir seit zwei Jahren kein direkt gegen Christen gerichtetes Attentat mehr gehabt haben. Aber die Angst davor besteht fort, weil sich die Lage der Stadt im allgemeinen nicht verbessert hat.<\/p>\n<p>Ist Ihrer Meinung nach der Glaube der Christen durch die Verfolgungen gest\u00e4rkt worden oder hat er gelitten?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbVerfolgung macht den Glauben st\u00e4rker. Und das ist auch hier im Irak so passiert. Aber man darf meiner Meinung nach nicht sagen, dass sich der Glaube heute ohne Zutun der Kirche vertieft. Es ist notwendig, dass wir den Sinn f\u00fcr den Glauben und die Wichtigkeit des christlichen Zeugnisses heute wecken. Ansonsten werden wir, wenn wir einmal die heutigen Lage \u00fcberwunden haben werden, Schwierigkeiten haben, die neuen Generationen von der Wichtigkeit des Glaubens f\u00fcr das Leben von heute zu \u00fcberzeugen.\u00ab<\/p>\n<p>Genau diesem Zweck dient das vom Heiligen Vater Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens. Spielt es eine Rolle in der Pastoral des Irak?<\/p>\n<p>Erzbischof Nona: \u00bbMeiner Einsch\u00e4tzung nach wird es gut angenommen. Aber das h\u00e4ngt auch von der jeweiligen Di\u00f6zese ab. In der unsrigen tun wir viel daf\u00fcr, sowohl auf der Ebene der Pfarreien wie der Di\u00f6zese, um den Glauben der Gl\u00e4ubigen zu vertiefen.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christen im Irak zehn Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins; Interview mit Amel Nona, chald\u00e4ischer Erzbischof von Mosul Exzellenz, zehn Jahre nach der amerikanisch gef\u00fchrten Invasion des Irak sagen viele Christen: Saddam war sicher ein Diktator, aber die Lage unter ihm war besser als das Chaos, das wir seither erleben. Stimmen Sie zu? Erzbischof Nona: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":82,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[204],"tags":[27,4,40,39],"class_list":["post-83","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-irak","tag-asien","tag-christenverfolgung","tag-irak","tag-naher-osten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3885,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83\/revisions\/3885"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/82"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}