{"id":881,"date":"2015-10-27T14:27:30","date_gmt":"2015-10-27T13:27:30","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/aus-lebendigen-werden-tote-steine-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:22:22","modified_gmt":"2023-02-23T11:22:22","slug":"aus-lebendigen-werden-tote-steine-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/aus-lebendigen-werden-tote-steine-html\/","title":{"rendered":"\u201eAus lebendigen werden tote Steine\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Terror du Gewalt ersch\u00fcttert das Heilige Land \u2013 Das wirkt sich auch auf die Christen aus. Seit Wochen ersch\u00fcttert Gewalt zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern das Heilige Land. Besonders Jerusalem steht einmal mehr im Zentrum des Konflikts. Anfang September war es hier wie schon im vergangenen Jahr zu Konflikten um den Tempelberg gekommen. Die Pal\u00e4stinenser beschuldigten Israel, Juden Gebets- und mehr Zugangsrechte zu dem islamischen Heiligtum verschaffen zu wollen, wo fr\u00fcher der j\u00fcdische Tempel stand. Israel bestreitet das vehement. Dennoch setzte sich eine Welle von pal\u00e4stinensischen Terrorattentaten in Gang, die von Israel hart bek\u00e4mpft wurde. Eine Kette von Gewalt und Gegengewalt begann. Sie dauert seit Wochen an und forderte bislang dutzende Todesopfer und Verletzte auf beiden Seiten. Angst und Hass vergiften das Verh\u00e4ltnis von Israelis und Pal\u00e4stinensern.<\/p>\n<p>Die Jerusalemer Altstadt mit ihren Juden, Christen und Moslems heiligen St\u00e4tten ist viel leerer als sonst. Die Gesch\u00e4fte im christlichen Viertel bekommen das zu sp\u00fcren. \u201eDie Kunden bleiben weg\u201c, sagt Alfred, w\u00e4hrend er hinter der Verkaufstheke in seinem leeren Gesch\u00e4ft steht, im Gespr\u00e4ch mit \u201eKirche in Not\u201c. \u201eDie Menschen haben gro\u00dfe Angst hierherzukommen. Viele Pilgergruppen haben schon storniert. Und das ist erst der Anfang.\u201c Der Katholik aus einer Jerusalemer Familie betreibt am New Gate zur Altstadt einen kleinen Laden mit Andachtsgegenst\u00e4nden. Kreuze, Rosenkr\u00e4nze und Ikonen gibt es im \u201eSaint Francis Store\u201c zu kaufen. Das Bild von Papst Franziskus im Schaufenster l\u00e4dt Kunden ein, vorbeizuschauen. \u201eViele Christen in Jerusalem leben von den Pilgern. F\u00fcr jede Gewaltwelle, jede Intifada, jeden Krieg in Gaza bezahlen wir. Ich muss jedes Mal Schulden machen, um die Flaute danach zu \u00fcberstehen. Damit bin ich nicht allein. Und ich muss meine Familie unterhalten und Schulgeb\u00fchren f\u00fcr meine Kinder bezahlen. Lange halte ich das nicht mehr durch\u201c, meint er pessimistisch. \u201eWir Christen haben mit dem Tempelberg nichts zu tun. Wir sind aber trotzdem die Leidtragenden des Streits zwischen Juden und Moslems. Als Minderheit trifft es uns sogar h\u00e4rter. Wir stehen zwischen den Fronten.\u201c<\/p>\n<p>Pater David Neuhaus sieht die gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen ebenfalls mit Sorge. \u201eDer israelische Jesuit, ein zum Katholizismus konvertierter Jude, leitet im Lateinischen Patriarchat die Seelsorge an den hebr\u00e4isch-sprachigen Katholiken. Mit Blick auf die Auseinandersetzungen um den Haram Al Sharif, das edle Heiligtum, wie die Moslems den Tempelberg mit dem Felsendom und der Al Aqsa-Moschee nennen, meint er: \u201eIch glaube nicht, dass der Konflikt sich in einen religi\u00f6sen verwandelt. Eher ist es so, dass der nationale Konflikt die Religion benutzt, damit er noch komplizierter und unl\u00f6sbarer wird. Will ich jemanden von der Gerechtigkeit meiner Sache \u00fcberzeugen, geht es einfacher, wenn ich Gott in die Sache hineinziehe.\u201c<\/p>\n<p>Die katholische Kirche, so Pater David weiter, habe eine klare Haltung zum Konflikt. \u201eDie Hierarchie der katholischen Kirche hat wiederholt dazu aufgerufen, Vernunft walten zu lassen und zu Verhandlungen zur\u00fcckzukehren. Sie ruft dazu auf, nach einem Weg zu suchen, der Israelis und Pal\u00e4stinensern, Juden, Moslems und Christen erlaubt, in Frieden zu leben. Die Hierarchie der katholischen Kirche, die zum gr\u00f6\u00dften Teil arabisch ist, ist sehr sensibel, was die Frage der Gerechtigkeit und die repressive Natur der Besetzung pal\u00e4stinensischen Landes anlangt. Gleichzeitig weist sie aber Gewalt in allen Formen zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Als Zuschauer des Konflikts sieht Pater David die Christen im Heiligen Land nicht. \u201eChristen sind hier keine Zuschauer, im Gegenteil. Sie sind Teil dieser Gesellschaft, in der sie leben.\u201c Sowohl in der pal\u00e4stinensischen wie in der israelischen Gesellschaft lebten Christen, so Neuhaus. 120000 pal\u00e4stinensische Christen gebe es in Israel, rechnet der Jesuit vor, und etwa 50000 in Pal\u00e4stina mit dem israelisch besetzten Ost-Jerusalem. Im j\u00fcdischen Teil der israelischen Gesellschaft lebten zudem etwa 40000 Christen, die keine Araber seien. Hinzu k\u00e4men 150000 christliche Migranten, die in der j\u00fcdisch-israelischen Mehrheitsgesellschaft lebten und arbeiteten. \u201eUnsere Berufung ist es nicht, Zuschauer zu sein. Wir m\u00fcssen vielmehr die Hefe im Teig sein, Br\u00fccke und Licht. Obwohl wir in beiden Gesellschaften, der israelischen und pal\u00e4stinensischen, nur etwa zwei Prozent ausmachen, sind wir dazu berufen, uns f\u00fcr unsere Gesellschaften einzusetzen. Wir m\u00fcssen die Werte, die wir predigen, durchsetzen: Gerechtigkeit, Friede, Vers\u00f6hnung und so weiter. Wir m\u00fcssen die Tendenz verhindern, uns in Ghettos einzuschlie\u00dfen und den Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft zu verlieren. Vielmehr m\u00fcssen wir an vorderster Front des Kampfes f\u00fcr eine Gesellschaft stehen, die die Werte umsetzt, f\u00fcr die wir stehen. Wir m\u00fcssen in unseren Gesellschaften Verb\u00fcndete finden, die an dieselben Werte wie wir glauben.\u201c<\/p>\n<p>Pater Neuhaus sieht derweil die Gefahr, dass sich pal\u00e4stinensische Christen und nicht-pal\u00e4stinensische entlang nationaler Linien spalten. \u201eDas ist eine echte Herausforderung f\u00fcr die Kirche. Es ist aber auch eine goldene Gelegenheit, das innerhalb der Kirche zu praktizieren, was wir predigen. Nationale Trennungen sind gerade in unsere Konfliktsituation real. Die Einheit der Christen muss aber wegen ihres gemeinsamen Glaubens und der geteilten Hoffnung daf\u00fcr noch realer sein.\u201c<\/p>\n<p>Alfred in seinem kleinen Laden ist derweil fest entschlossen, weiter zu machen, solange es geht. \u201eWir Christen wollen Frieden. Und der beste Weg f\u00fcr Christen aus dem Ausland, uns zu unterst\u00fctzen, ist es, weiter ins Heilige Land zu kommen. Denn wenn wir Christen hier nicht mehr leben k\u00f6nnen, wird die Altstadt mit der heiligen Grabeskirche zu einem Museum. Es gibt dann keine lebendigen Steine mehr sondern nur noch tote.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Terror du Gewalt ersch\u00fcttert das Heilige Land \u2013 Das wirkt sich auch auf die Christen aus. Seit Wochen ersch\u00fcttert Gewalt zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern das Heilige Land. Besonders Jerusalem steht einmal mehr im Zentrum des Konflikts. 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