{"id":921,"date":"2015-12-21T09:48:33","date_gmt":"2015-12-21T08:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/weihnachten-der-hoelle-von-aleppo-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:40:57","modified_gmt":"2023-02-23T10:40:57","slug":"weihnachten-der-hoelle-von-aleppo-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/weihnachten-der-hoelle-von-aleppo-html\/","title":{"rendered":"Weihnachten in der &#8222;H\u00f6lle von Aleppo&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><span>Weihnachtsmusik, bunte Luftballons, Lichter, ein Christbaum: Schwester Annie Demerjian und ihre Helfer haben den Gemeindesaal weihnachtlich geschm\u00fcckt. Geschenke werden verteilt. Kleine Kinder tollen umher. Es wird gelacht. Doch die Idylle tr\u00fcgt. Regierung und Rebellen liefern sich seit 2011 einen erbitterten Kampf um Aleppo, die einst wohlhabende Handelsmetropole im Norden Syriens. Immer wieder kommt es zu Gefechten. \u201eVor zwei Tagen schlugen Raketen in unserer unmittelbaren N\u00e4he ein. Sechs Menschen wurden get\u00f6tet. Keiner wei\u00df, ob man lebend heimkommt, wenn man das Haus verl\u00e4sst\u201c, berichtet Schwester Annie. Sie geh\u00f6rt der \u201eGemeinschaft Jesu und Mariens\u201c an. Zusammen mit ihren Mitschwestern versucht sie, die verbliebenen Mitglieder der armenisch-katholischen Gemeinde mit Kleidung, Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. <\/p>\n<p> Hunderttausende Christen lebten vor Beginn des Krieges in Aleppo. Heute sind es nur noch wenige zehntausend. Viele wurden get\u00f6tet, andere sind geflohen. Die Stadt ist ein Tr\u00fcmmerfeld. \u201eDas Leben bei uns ist sehr hart. Strom und Wasser gibt es oft tagelang nicht. Jetzt im Winter ist es bitterkalt. K\u00fcrzlich habe ich eine Familie besucht: Eltern und Kinder hausten weiterhin in ihrer Wohnung, obwohl sie von Raketen schwer besch\u00e4digt war. Mein Herz hat geweint\u201c, erz\u00e4hlt Schwester Annie. <\/p>\n<p> Die Ordensfrau tut auch in diesem Jahr ihr M\u00f6glichstes, um den Gemeindemitgliedern ein frohes Weihnachtsfest zu bereiten. \u201eWir teilen Hosen, Pullover und Jacken aus. Das brauchen die Menschen am dringendsten.\u201c Seit September haben Schwester Annie und ihre Helfer f\u00fcr die weihnachtliche Bescherung gearbeitet. \u201eWir haben christliche Schneider in Aleppo mit der Herstellung beauftragt. Sie sind so dankbar, dass sie endlich wieder Arbeit haben und damit ihre Familien ern\u00e4hren k\u00f6nnen.\u201c Gut 12 000 Kleidungsst\u00fccke sind auf diese Weise zusammengekommen. Die Ordensfrau ist zufrieden. \u201eJetzt k\u00f6nnen wir vielen Menschen zu Weihnachten eine kleine Freude machen.\u201c <\/p>\n<p> Trotz der eigenen Schwierigkeiten denkt die Gemeinde auch an andere Notleidende. Einige der Kleidungst\u00fccke wurden nach Al-Hasaka transportiert, das \u00fcber f\u00fcnf Autostunden von Aleppo entfernt liegt. Das Vorr\u00fccken der islamistischen Milizen h\u00e4tte die Aktion fast verhindert. \u201eDer IS hat das Gebiet zwischen Aleppo und Al-Hasaka erobert und uns den Weg abgeschnitten\u201c, erz\u00e4hlt Schwester Annie. Alles musste umgepackt und per Flugzeug geschickt werden. Nun sei alles wohlbehalten angekommen. <\/p>\n<p> Seit dem dritten Advent verteilt Schwester Annie die weihnachtlichen Kleiderspenden. \u201eDie Menschen sollen sich nicht wie Bettler vorkommen. Deswegen haben wir den Ausgaberaum festlich geschm\u00fcckt. Es soll eine Begegnung von Mensch zu Mensch sein.\u201c Viele seien dankbar, sich ihr Leid von der Seele reden zu k\u00f6nnen, so Schwester Annie. Ein alter Mann habe ihr berichtet, dass er und seine Frau an den Weihnachtstagen nur zu zweit seien. \u201eFr\u00fcher feierten alle ihre sechzehn Kinder und Enkel mit ihnen. Jetzt sind sie alle weg, geflohen. Geblieben sind nur die beiden Alten.\u201c So ergehe es vielen. \u201eIn jedem Haus gibt es eine traurige Geschichte zu erz\u00e4hlen\u201c, wei\u00df Schwester Annie. <\/p>\n<p> Ohne Unterst\u00fctzung aus dem Ausland w\u00e4re das umfangreiche Weihnachtsprojekt nicht zu stemmen, davon ist die Ordensfrau \u00fcberzeugt. \u201eDass ich den Menschen \u00fcberhaupt etwas geben kann, ist f\u00fcr mich ein Wunder Gottes \u2013 der durch die Hand hilfsbereiter Menschen wirkt.\u201c Das weltweite katholische Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c unterst\u00fctzt die Arbeit Schwester Annies seit Jahren. \u201eWir sind unseren Wohlt\u00e4tern so dankbar. Wir beten f\u00fcr sie. Die Menschen sind tief bewegt, wenn sie h\u00f6ren, von wem die Gaben stammen.\u201c <\/p>\n<p> Die Geschenke und Spenden seien f\u00fcr die Christen in der \u201eH\u00f6lle von Aleppo\u201c ein Hoffnungsschimmer in einer trostlosen Zeit. \u201eDas ist f\u00fcr uns das f\u00fcnfte Weihnachtsfest im Krieg. Nat\u00fcrlich werden die Menschen an den Festtagen in die Kirche gehen. Aber die Freude, die wir alle einmal an Weihnachten sp\u00fcrten, ist weg. Geblieben ist nur noch Traurigkeit.\u201c Dennoch staune sie immer wieder \u00fcber die Zuversicht und den tiefen Glauben der Menschen, so Schwester Annie. \u201eDie Menschen vertrauen auf Gott. Und sie freuen sich, dass ihre Mitchristen im Ausland sie nicht vergessen haben.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>YouTube-Video: Weihnachtsbotschaft der Christen aus Aleppo:&nbsp;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/C5QhS53vewE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/youtu.be\/C5QhS53vewE<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachtsmusik, bunte Luftballons, Lichter, ein Christbaum: Schwester Annie Demerjian und ihre Helfer haben den Gemeindesaal weihnachtlich geschm\u00fcckt. Geschenke werden verteilt. Kleine Kinder tollen umher. Es wird gelacht. Doch die Idylle tr\u00fcgt. Regierung und Rebellen liefern sich seit 2011 einen erbitterten Kampf um Aleppo, die einst wohlhabende Handelsmetropole im Norden Syriens. 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