{"id":923,"date":"2015-12-22T14:09:34","date_gmt":"2015-12-22T13:09:34","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/meine-zeit-den-haenden-des-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:40:49","modified_gmt":"2023-02-23T10:40:49","slug":"meine-zeit-den-haenden-des-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/meine-zeit-den-haenden-des-html\/","title":{"rendered":"&#8222;Meine Zeit in den H\u00e4nden des IS&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u201cM\u00e4nner mit Kapuzen sind in das Kloster Mar Elian eingedrungen und haben mich zusammen mit Boutros, einem unserer Freiwilligen, entf\u00fchrt. Sie haben uns gezwungen, in ein Auto einzusteigen, und haben uns vier Tage lang mit verbundenen Augen und gefesselt mitten in der W\u00fcste gelassen. Dann haben sie uns nach Rakka, in die Hauptstadt des Islamischen Staates, gebracht.\u201c So beginnt der Bericht von Pater Jacques Mourad, einem syrischen Ordensmann, der am 21. Mai vom IS entf\u00fchrt wurde und am 10 Oktober freikam. In einer von der p\u00e4pstlichen Stiftung \u201eKirche in Not\u201c organisierten Pressekonferenz erz\u00e4hlte der M\u00f6nch, der der von Pater Paolo Dall\u2019Oglio gegr\u00fcndeten Gemeinschaft Deir Mar Musa angeh\u00f6rt, zum ersten Mal bei einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung von den langen Tagen seiner Entf\u00fchrung.<\/p>\n<p>\u201eIn Rakka hielten sie uns in einem kleinen Badezimmer gefangen\u201c, f\u00e4hrt Pater Mourad fort. \u201eSie hatten diesen Raum eigens dazu ausgew\u00e4hlt, um uns zu dem\u00fctigen, aber unsere Mission besteht darin, auch angesichts von Gewalt dem\u00fctig zu sein.\u201c In diesem kleinen Badezimmer verbrachte der Ordensmann 84 Tage. \u201eDie Dschihadisten beschimpften uns oft, aber der schwierigste Moment war, wenn sie uns drohten: \u201eEntweder tretet ihr zum Islam \u00fcber, oder wir schneiden euch den Kopf ab!\u201c. In den langen Monaten der Gefangenschaft fand Pater Jacques Trost im Rosenkranzgebet und in dem Gebet der Hingabe von Charles de Foucauld, der \u201eein Opfer der Gewalt war und sein Leben dem Dialog zwischen Islam und Christentum widmete\u201c. Auch Pater Mourad hat aus dem interreligi\u00f6sen Dialog den Kern seiner Mission gemacht, indem er seit \u00fcber 15 Jahren allen Familien aus Qaryatayn half, ohne aufgrund der Religionszugeh\u00f6rigkeit Unterschiede zu machen. Der Ordensmann geht davon aus, dass sein Einsatz f\u00fcr den Dialog den Islamischen Staat dazu bewegt haben k\u00f6nnte, ihn zu entf\u00fchren: \u201eZweifellos hat aber das Gute, das ich der Bev\u00f6lkerung auch dank \u201aKirche in Not\u2018 bringen konnte, einen entscheidenden Beitrag zu meiner Befreiung geleistet. Ich bin sicher, dass dies einer der Gr\u00fcnde war, die ISIS daran gehindert haben, mich zu t\u00f6ten.\u201c<\/p>\n<p>Am 11. August f\u00fchrten die M\u00e4nner von al Baghdadi ihn noch einmal ab und brachten ihn in ein Auto. \u201eIch dachte, meine letzte Stunde habe geschlagen\u201c, erinnert er sich. \u201eWir fuhren vier Stunden, dann hielt das Auto an.\u201c Als er ausgestiegen war, erkannte Pater Jacques einen jungen Mann aus seiner Pfarrei. Hinter ihm waren 250 Christen, die einige Tage zuvor vom Islamischen Staat in Qaryatayn entf\u00fchrt worden waren. Sie waren nun in der N\u00e4he von Palmira, von wo aus Pater Mourad und seine Gl\u00e4ubigen erst am 1. September wieder in ihre Heimatstadt zur\u00fcckkehrten. \u201eWir sind fast zu einem normalen Leben zur\u00fcckgekehrt, aber es war uns absolut verboten, die Stadt zu verlassen.\u201c In den 40 Tagen, die der Ordensmann in Qaryatayn blieb, feierte er die Messe in unterirdischen R\u00e4umen, \u201csowohl um nicht w\u00e4hrend des Gebetes gesehen zu werden, als auch, um uns vor den Bombardements in Sicherheit zu bringen\u201c.<\/p>\n<p>Am 10. Oktober gelang Pater Jacques mit der Hilfe eines Moslems und eines syrisch-orthodoxen Priesters die Flucht. \u201eIn Qaryatayn war das Leben unm\u00f6glich geworden: ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne elektrischen Strom. Nach und nach verlie\u00dfen alle Christen die Stadt. Elf von ihnen sind noch immer in den H\u00e4nden des ISIS, w\u00e4hrend acht Christen von den Dschihadisten get\u00f6tet worden sind.<\/p>\n<p>Am Ende der Pressekonferenz wollte Pater Mourad \u201eKirche in Not\u201c daf\u00fcr danken, dass das Hilfswerk \u201eseit vielen Jahren die Gemeinschaft Deir Mar Musa unterst\u00fctzt\u201c, und er erinnerte an den entf\u00fchrten Pater Paolo Dall\u2019Oglio \u201eWir beten um das Wunder seiner Freilassung\u201c. Seit Beginn der Krise in Syrien hat \u201eKirche in Not\u201c mehr als 8,6 Millionen Euro f\u00fcr humanit\u00e4re und pastorale Hilfsprojekte in dem Land gew\u00e4hrt. Das Hilfswerk hat in diesen Tagen eine Weihnachtskampagne f\u00fcr Kinder in Syrien gestartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cM\u00e4nner mit Kapuzen sind in das Kloster Mar Elian eingedrungen und haben mich zusammen mit Boutros, einem unserer Freiwilligen, entf\u00fchrt. Sie haben uns gezwungen, in ein Auto einzusteigen, und haben uns vier Tage lang mit verbundenen Augen und gefesselt mitten in der W\u00fcste gelassen. 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