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KIRCHE IN NOT hat von Projektpartnern aus Indien Berichte erhalten, wonach extremistische Hindu-Gruppen an den Weihnachtstagen gezielt gegen Christen und christliche Einrichtungen vorgegangen sind. Wir sind zutiefst schockiert über diese Gewaltwelle, die sich leider in jüngster Zeit schon abgezeichnet hat. Indien, die größte Demokratie der Welt, wird für Christen und andere religiöse Minderheiten mehr und mehr zu einem Land der Unsicherheit und der Angst. Das setzt uns in Alarmbereitschaft.

Dr. Suresh Mathew, Herausgeber der katholischen Wochenzeitung „Indian Currents“, bestätigte dem Hilfswerk acht christenfeindliche Attacken an den Feiertagen. Diese gingen auf das Konto hindunationalistischer Kräfte, unter anderem der „Hindutva Brigade“. Sie gilt als militanter Arm der Regierungspartei BJP (Bharatiya Janata Party), der auch der indische Premierminister Narendra Modi angehört. Nachdem die „Hindutva Brigade“ Medienberichten zufolge in jüngster Vergangenheit muslimische Einrichtungen attackiert habe, ging sie an den Weihnachtstagen gezielt gegen Christen vor.

Christmette gestürmt und Gläubige bedroht

Laut Mathew sei etwa im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh ein Mob vor das Kloster „Mathridham Ashram“ in Varanasi gezogen. Die Menge skandierte „Church Murdabad“, auf Deutsch in etwa „Nieder mit der Kirche“ oder „Tod der Kirche“. In der Stadt Ambala im Bundesstaat Haryana hätten Extremisten eine Christusstatue beschädigt; in Silchar (Bundesstaat Assam) sei eine Christmette gestürmt und die Gläubigen bedroht worden. An mehreren Orten gab es Proteste gegen Weihnachtsfeiern an christlichen Schulen oder auf öffentlichen Plätzen.

Irritationen hatten auch Berichte über die von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“ ausgelöst. Die Ordensleitung bestätigte, dass ihr Verlängerungsantrag, um Spenden aus dem Ausland annehmen zu dürfen, nicht verlängert worden sei. Nach Angaben des indischen Innenministeriums sei die erneute sogenannte FCRA-Registrierung am 25. Dezember abgelehnt worden, weil die Zulassungsbedingungen nicht erfüllt worden seien. In den vorhergehenden Monaten hatten nationalistische Gruppen den „Missionarinnen der Nächstenliebe“ vorgeworfen, sie würden hinduistische Mädchen in Kinderheimen zur Konversion zwingen und religiöse Gefühle verletzen.

„Organisierte Gewalt gegen Christen weitet sich aus“

Einem im Oktober erschienenen Bericht mehrerer Menschenrechtsorganisationen zufolge herrsche in 21 der 28 Bundesstaaten Indiens Christenverfolgung; bis September 2021 registrierte der Bericht 305 Gewalttaten gegen Christen oder christliche Einrichtungen. „Die organisierte Gewalt gegen Christen weitet sich im ganzen Land aus“, erklärte A. C. Michael, einer der Mitherausgeber des Berichts vom „United Christian Forum“. Weitere Herausgeber waren die „Association for Protection of Civil Rights“ und die Gruppe „United Against Hate“. Der Bericht kritisiert, dass Polizei und Behörden zu zögerlich gegen die Täter vorgingen. Auch immer mehr christliche Frauen gerieten ins Visier der Fanatiker. „Wir leben in einer sehr bedrohlichen Situation“, sagte Michael gegenüber „Kirche in Not“.

Christen machen rund 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus. Die Kirchen engagieren sich vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitsfürsorge und anderen wohltätigen Zwecken. (Bild: TUBS/wikipedia)

Neuer Bericht beklagt die Zunahme der Gewalt gegen Christen in Indien. „In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden 305 Gewalttaten gegen Christen verübt“, heißt es in einem am 21. Oktober in Neu-Delhi veröffentlichten Untersuchungsbericht.

Der Bericht, der von den Bürgerrechtsgruppen  „United Against Hate“, „Association for Protection of Civil Rights“ und „United Christian Forum“ erstellt wurde, besagt, dass Christen in 21 der 28 Bundesstaaten des Landes verfolgt werden.

„Das weist darauf hin, dass sich die organisierte Gewalt gegen Christen im ganzen Land ausbreitet“, sagte A. C. Michael, nationaler Koordinator des “United Christian Forum“, das Teil der Untersuchungskommission ist, gegenüber dem Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN).

„In den neun Monaten seit Januar“, so der Bericht, „wurden Christen im ganzen Land 305 Mal gewaltsam angegriffen“; viele der Angriffe gingen vom Mob aus.

Dem Bericht zufolge war der September mit 69 gewalttätigen Übergriffen der schlimmste Monat für Christen in Indien, gefolgt vom August mit 50, Januar mit 37, Juli mit 33, März, April und Juni mit 27, Februar mit 20 und Mai mit 15 Angriffen.

Indiens Hindi sprechende Bundesstaaten wie Uttar Pradesh, Chhattisgarh, Jharkhand und Madhya Pradesh verzeichneten im Berichtszeitraum 169 Vorfälle von Gewalt gegen Christen.

Auch der relativ friedliche südliche Bundesstaat Karnataka ist inzwischen feindselig gegenüber Christen eingestellt. Nach der Machtübernahme der pro-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) wurden bis September 32 gewalttätige Vorfälle gemeldet.

Die Hindu-Extremisten, die hinter diesen Angriffen stecken, verschonten dem Bericht zufolge nicht einmal Frauen. Mehr als 1331 Frauen wurden bei den Angriffen gegen Christen verletzt, darunter 588 aus indigenen Gemeinschaften und 513 Dalits, früher als Unberührbare bekannt.

Der Bericht dokumentiert auch 28 Fälle von Beschädigungen christlicher Gebetsstätten, einschließlich Kirchen.

Ein weiteres großes Problem für Christen ist die ablehnende Haltung der Polizei und anderer ziviler Behörden. 85 Mal wurde Christen unter dem einen oder anderen Vorwand verboten, sich zu religiösen Aktivitäten zu versammeln, heißt es in dem Bericht.

Der Bericht verzeichnete 10 bekannte Fälle, in denen Christen aufgrund der Antikonvertierungsgesetze illegaler Bekehrungsaktivitäten beschuldigt wurden, die angeblich durch Betrug, Nötigung oder Verführung zustande gekommen waren.

„Minderheiten dürfen ihren Glauben nicht ausüben“, sagte Michael und fügte hinzu, dass „ein solches Phänomen auf dem Vormarsch ist, und das auch noch mit stillschweigender Unterstützung der Polizei und anderer Regierungsbeamter, die uns eigentlich schützen sollten“.

Am 3. Oktober brach ein Mob von 300 Menschen in eine Kirche in Roorkee im Bundesstaat Uttarakhand ein, griff Gläubige an und verwüstete die Kirche. Die Angreifer „zerstörten die Überwachungskameras, misshandelten Männer und belästigten Frauen“, so Michael gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN).

Selbst nach mehreren Wochen „wurde niemand verhaftet und die Schikanen gegen Christen gingen weiter“, sagte Michael, der ein ehemaliges Mitglied der Minderheitenkommission des Bundesstaates Delhi ist, die die Interessen von Minderheiten schützen soll. Er fügte hinzu: „Wir leben in einer sehr bedrohlichen Situation.“

„Trotz der zunehmenden Schikanen gegen Rechtsanwälte, Aktivisten, Journalisten, Studenten, Akademiker und andere, die der Regierung und ihrer Politik kritisch gegenüberstehen, bin ich optimistisch, dass unser Land die Bewährungsprobe für seine Demokratie und seine säkuläre Ausrichtung übersteht, da die Verfassungsorgane wie die Justiz weiterhin eine Position vertreten, die auch vertreten werden sollte.“

„“Dies ist eine vorübergehende Phase, die bald vorbei sein wird, sobald die Mehrheit dies versteht und ihre politische Macht nutzt“, schloss Michael.

Der emeritierte Erzbischof von Bhopal, der Hauptstadt des zentralindischen Bundesstaates Madhya Pradesh, Leo Cornelio, hat ebenfalls seine Besorgnis über die zunehmenden Angriffe auf Christen zum Ausdruck gebracht.

Er wandte sich in einem Schreiben an Premierminister Narendra Modi mit dem Appell, wirksame Maßnahmen zur Eindämmung der Gewalt gegen Christen einzuleiten.

In seinem Schreiben vom 26. Oktober erklärte der Prälat, dass „bestimmte Einzelpersonen und Gruppen eine Hasskampagne gegen Minderheitengruppen, insbesondere Christen, gestartet haben“, die zu Gewalt gegen sie führe. „Der zunehmende religiöse Fundamentalismus und Hass“, so der Prälat, seien „eine Bedrohung für das Wachstum der Nation“.

Christen machen 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus. Die Kirchen engagieren sich vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitsfürsorge und anderen wohltätigen Zwecken.

Rund 500 hinduistische Extremisten der „Bajrang Dal“-Bewegung drangen ist in eine katholische Schule im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh ein und verwüsteten diese. Es handelt sich um die St.-Josephs-Schule in Ganj Basoda im Bezirk Vidisha in Madhya Pradesh. Während der Prüfungen der 12. Klasse warfen sie Steine auf das Schulgebäude, beschädigten Fenster und Möbel und und versetzten die Schüler in Angst und Schrecken. Den Schulbehörden, Lehrern und Schülern, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Gebäude aufhielten, gelang es, der Gewalt unversehrt zu entkommen.

Der Grund für die Gewalttaten war die angebliche religiöse Konversion von acht hinduistischen Schülern, die angeblich vom Schulpersonal gefördert wurde. Die Anschuldigungen werden von den Schulbehörden entschieden zurückgewiesen. Bruder Antony Pynumkal, Direktor der Schule, die von den Malabar Missionary Brothers (MMB) in der syro-malabarischen Diözese Sagar betrieben wird, erklärte gegenüber Fides, dass die angebliche Bekehrung ein „Vorwand“ sei der „falsch ist“ und „jeglicher Grundlage“ entbehre. Er berichtet, dass er am Tag vor den jüngsten Ereignissen durch die lokalen Medien von der bevorstehenden Organisation der Razzia erfahren hatte. Bruder Pynumkal informierte daraufhin umgehend die Polizei, die jedoch keine Sicherheitsmaßnahmen ergriff, um die Schule zu schützen und die Gewalt zu verhindern.

Pfarrer Sabu Puthenpurackal, ein Priester, der in der Diözese Sagar für die Medienarbeit zuständig ist erklärt zu den Hintergründen der Tat: „Die nahe gelegene Kirche St. Joseph in Ganj Basoda hatte am 31. Oktober die Erstkommunion einiger katholischer Kinder der Gemeinde organisiert. Ein Gruppenfoto der Kinder zusammen mit Bischof James Athikalam und Pfarrer Pater Jose Lee Cyrakkove wurde am 5. November im monatlichen Mitteilungsblatt der Diözese „Sagar Voice“ veröffentlicht. Dieses Foto wurde von den Betreibern des YouTube-Kanals ‚Aayudh‘ fälschlicherweise als Bekehrung von hinduistischen Kindern interpretiert, was militante Hindu-Gruppen zu Aktionen gegen Christen angestachelt hat“. In den letzten Tagen hatten sich die Kirchenbehörden deshalb auch an die Polizei gewandt, um christliche Einrichtungen in Ganj Basoda zu schützen. Diese konnten die Gewalt jedoch nicht verhindern. Unterdessen teilt die Polizei mit, dass die Ermittlungen wegen Vandalismus im Gange sind.

Die 2009 gegründete Schule nimmt Schüler in der Stadt Ganj Basoda auf, die etwa 105 km nordwestlich von Bhopal, der Hauptstadt des Bundesstaates, liegt. Sie wird von 1.500 Schüler aller Religionen und Kulturen besucht, von denen weniger als ein Prozent Christen sind. (Quelle: Fidesdienst, Bild: KIRCHE IN NOT, Symbolfoto)

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 kam es in Indien trotz der schweren Pandemie-Situation zu 127 Gewalttaten gegen Christen. Dies berichtet das „United Christian Forum“ (UCF) und zitiert dabei die Daten der speziellen „Hotline“ zur Überwachung von Gewalttaten gegen Gläubige im Land. Unter den Beschwerden, die von indischen christlichen Bürgern über die gebührenfreie Nummer gemeldet wurden, gibt es Massenangriffe oder Drohungen und Einschüchterungen verschiedener Art aus Gründen der Religionszugehörigkeit. „Außerdem besteht die Tendenz, den First Information Report (FIR), die offizielle Anzeige bei der Polizei nicht einzureichen, denn nur in 15 Fällen von 127 Gewaltfällen war dies der Fall“, so der Katholik A.C. Michael, ein führendes Mitglied der UCF.

Wie aus den Daten hervorgeht führt der Bundesstaat Chhattisgarh in Zentralindien die meisten Unfälle an (19), während sich in Karnataka und Jharkhand 17 Fälle ereigneten. Religiöse Gewalt wurde möglicherwise durch die durch die Pandemie verursachten Bedingungen der Armut und des Elends im gesamten Staatsgebiet verschärft.

Insgesamt 555 Frauen, 120 Dalits und 189 Stammesangehörige wurden Opfer dieser Vorfälle und Fälle religiöser Gewalt „sind so häufig geworden, dass niemand mehr das Bedürfnis verspürt, sie zu verurteilen. Das gilt auch für politische, zivilgesellschaftliche und religiöse Führungskräfte“, sagt Michael und signalisiert damit die Gefahr der Gleichgültigkeit. Dank des Engagements von Anwälten und Freiwilligen, die kostenlose Rechts- und Sozialhilfe leisten, wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 28 Gotteshäuser oder Gebetsstätten wiedereröffnet und 66 von der Polizei festgenommene Gläubige freigelassen.

Die UCF mit Sitz in Neu-Delhi ist eine christliche Organisation, die Grund- und Bürgerrechte fördert und eine und sich für die Rechte der christlichen Minderheit einsetzt. Sie arbeitet mit verschiedenen Netzwerkpartnern wie der Alliance Defending Freedom India, der Religious Liberty Commission of Evangelical Fellowship of India (EFI) und der Christian Legal Association zusammen. Gemeinsam fördern diese Organisationen die Menschenrechte und die Religionsfreiheit in Indien.
Laut der Volkszählung von 2011 leben in Indien 966 Millionen Hindus, 80 % der 1,3 Milliarden indischen Bevölkerung. Muslimische Bürger sind 172 Millionen (14%), während Christen 29 Millionen (2,3%) sind. (Quelle: Fidesdienst)

Am 22. und 23. September hat eine wütende Menge von 2.000 – 3.000 Menschen im indischen Bundesstaat Chhattisgarh 15 christliche Familien angegriffen. Dabei wurden zahlreiche Christen verletzt und ihre Häuser zerstört oder beschädigt. Während der Übergriffe waren Polizisten anwesend, konnten die Situation jedoch nicht unter Kontrolle bringen. Angesichts der aufgebrachten Menge agierte die Polizei äußerst zurückhaltend.

Christen für „Zorn der Götter“ verantwortlich gemacht 

Bevor die Situation eskalierte, waren die Christen in dem Dorf Singanpur zu einer öffentlichen Versammlung gerufen worden. Dort hatte man sie beschuldigt, eine fremde Religion angenommen zu haben. Anschließend rotteten sich nach Angaben der Christen bis zu 3.000 Menschen zusammen und attackierten sie und ihre Häuser. Einige mussten medizinisch betreut werden. Die herbeigerufene Polizei konnte den Mob nicht aufhalten. Die Angreifer schrien Dinge wie: „Seit ihr Christen geworden seid, sind unsere Götter zornig auf uns! Sie erhören unsere Gebete nicht mehr!“ Ein einheimischer Christ sagte: „Ohne die Polizei wären Menschen gestorben. Viele Dorfbewohner waren betrunken und hatten Stöcke dabei.“ Filmaufnahmen von dem Angriff wurden in den sozialen Netzwerken geteilt.

„Ja, wir haben Angst, aber Gott ist mit uns“ 

Die meisten Christen sind bislang nicht in ihre Heimat zurückgekehrt. Ein einheimischer Christ sagte: „Sie wohnen in anderen Dörfern oder in anderen Häusern in der Nähe. Diese Häuser wurden auch beschädigt, aber sie sind sicherer.
Wegen der Schäden bieten sie nicht viel Schutz vor dem starken Regen, den wir in diesen Wochen erleben. Glücklicherweise hat es nicht noch mehr Gewalt gegeben. Aber es gibt immer noch Spannungen. Die Polizei ist weiterhin im Dorf.“
Der plötzliche Ausbruch von Gewalt hat die Christen erschüttert, aber sie bleiben stark im Glauben. (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS/wikipedia)

In Indien ist die Zahl der Übergriffe auf Christen weiter gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Menschenrechtsbericht der Indischen Evangelischen Allianz hervor. Demzufolge gab es 2019 mindestens 366 Angriffe auf Menschen oder Gotteshäuser. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 12,5 Prozent (2018: 325). Zudem verzeichnete der Dachverband bereits 40 Übergriffe in den ersten beiden Monaten im Jahr 2020. Die 2019 berichteten Vorfälle umfassen unter anderem physische Gewalt (67 Fälle), Drohungen (73) und die Störung von Gottesdiensten (62) durch radikale Hindu-Nationalisten oder die Polizei, so der Dachverband: „Gebetstreffen und Gottesdienste zu stören ist nun ein Trend in allen Bundesländern geworden.“ Vier Christen seien wegen ihres Glaubens ermordet worden.

Auch Muslime Ziel von Anfeindungen geworden

Die Indische Evangelische Allianz betont, dass im vergangenen Jahr nicht nur Christen, sondern auch Muslime massiv angefeindet wurden. So habe es in Neu-Delhi von Dezember 2019 bis Februar 2020 eine weit verbreitete Hasskampagne gegen Muslime gegeben. Sie war durch eine Reform des Staatsbürgerschaftsgesetzes ausgelöst worden, die den Angehörigen religiöser Minderheiten aus Bangladesch, Pakistan und Afghanistan, die vor 2015 ohne gültige Papiere ins Land kamen, eine vereinfachte Einbürgerung ermöglichen soll. Muslime sind jedoch davon ausgeschlossen. Seit Dezember 2019 kommt es deswegen immer wieder zu Protesten, gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Muslimen und Hindus sowie zu Pogromen in muslimischen Vierteln Neu-Delhis. Dabei brannten Allianzangaben zufolge neun Moscheen nieder. 45 Muslime seien getötet worden. Indien ist mit etwa 1,3 Milliarden Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt nach China. 80 Prozent sind Hindus, 14 Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. (Quelle: Evangelische Allianz)

Über 200 Extremisten verwüsteten eine katholische Schule in Tamil Nadu und griffen die anwesenden Ordensschwestern an. Der Grund für den Übergriff vom vergangenen 26. März, war der Selbstmord eines 15-jährigen Hindu-Mädchens, die die Schule besuchte. Wie Pfarrer Arputharaj, Sekretär der Erzdiözese Pondicherry-Cuddalore mitteilte drang eine Gruppe mit zum Teil gewaltbereiten Dorfbewohnern katholische „Little Flower High School“ in Chinnasalem ein, die das Mädchen besucht hatte.
Die junge Frau hatte sich am Nachmittag des 25. März in ihrem Dorf Kallakurichi in der Nähe von Chinnasalem das Leben genommen worüber ihre Eltern die Polizei informierten. Das Mädchen soll gegenüber ihren Schulkameradinnen die Befürchtung geäußert haben, die Schulprüfungen nicht bestanden zu haben und soll sich vor der Reaktion ihrer Eltern gefürchtet haben.

Mitglieder der extremistischen hinduistischen Bewegung „Rashtriya Swayamsevak Sangh“ (RSS) begleiteten daraufhin die Eltern zur Schule und griffen die dort tätigen Franziskanerinnen des Unbefleckten Herzens Mariens an, die die Schule in der Erzdiözese Pondicherry-Cuddalore leiten. Vier Ordensfrauen und zwei Angestellte der Schule mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dies bestätigt Schwester Asir von der Ordensprovinz der Franziskanerinnen vom Unbefleckten Herzen Mariens. Die Schule befindet sich in der Nähe der Polizeistation, doch die Beamten griffen nicht ein. Nun sollen Rechtsanwälte in Zusammenarbeit mit Priestern die Angelegenheit zu untersuchen. Die Eltern sollen von den Schwestern die Zahlung von „Schmerzensgeld“ gefordert und die gewaltbereiten Mitglieder der hinduistischen Bewegung beauftragt haben. Schwester Asir bittet die Polizei um rasche Ermittlungen. Die Ortskirche will Protestkundgebungen organisieren, sollte die Tat ungestraft bleiben. (Quelle: Fidesdienst, Foto: Symbolfoto/KIRCHE IN NOT)

In Alaba, circa 220 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, ist es am 9. und 10. Februar zu massiven Ausschreitungen gegen Christen gekommen. Ein Mob von Muslimen beschädigte dabei 13 Kirchengebäude schwer, 26 Christen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auslöser der Übergriffe war nach Angaben lokaler Quellen der Aufruf eines Imams zur Gewalt gegen Christen. Wenige Tage nach dem Vorfall besuchten Mitarbeiter von Open Doors die Christen und machten sich ein Bild von der Situation.

„Alaba gehört dem Islam“

Der Angriff begann am Samstag, den 9. Februar, gegen 10 Uhr, als sich eine große Gruppe von Muslimen in Alaba versammelte. Als Waffen trugen sie Stöcke, Steine und Brandbeschleuniger bei sich. Zeugen gaben an, die Menge habe „Allahu Akubar“ (Allah ist größer) und „Alaba gehört dem Islam“ gerufen. Der Mob zog von Kirche zu Kirche und zerstörte Gebäude und Einrichtungsgegenstände. 26 Christen, darunter vier Gemeindearbeiter, wurden bei dem Versuch verletzt, ihre Kirchengebäude zu schützen. Sie mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer beschädigten oder zerstörten 13 Gebäude, 14 Motorräder und eine unbekannte Anzahl von Fahrrädern verschiedener Gemeinden sowie Bibeln und Möbel.

„Fake News“ als Auslöser, Polizisten in der Beobachterrolle

Quellen erklärten gegenüber Open Doors, der Angriff sei durch den Aufruf eines islamischen Predigers ausgelöst worden. Er habe am vorausgegangenen Freitag (8. Februar) die Muslime dazu angestachelt, örtliche Christen anzugreifen. Dabei habe er auf kursierende Berichte verwiesen, denen zufolge Christen in einer nahegelegenen Stadt eine Moschee niedergebrannt und einen Imam ermordet hätten. Die Berichte erwiesen sich später als gegenstandslos. Nach Einschätzung der Christen in Alaba dienten diese Gerüchte jedoch nur als Vorwand für den Angriff. Der eigentliche Grund sei die wachsende Wut über ihr Engagement bei der Verbreitung des Evangeliums in Alaba. Die Einwohner der Stadt sind zum größten Teil Muslime.

Besonders schockiert äußerten sich die Christen aus Alaba über die Untätigkeit der örtlichen Polizei. Zeugenaussagen zufolge hätten Polizeibeamte „einfach herumgestanden“ und das Chaos drei Stunden lang beobachtet. Erst als Beamte der Bundespolizei aus Awasa und Wolayita Sodo eintrafen, stellten diese die Ordnung wieder her. Nach dem Vorfall verhaftete die Bundespolizei über 100 Verdächtige. Unter ihnen waren auch die Polizeikommandanten der Stadt und des Distrikts, möglicherweise weil sie die Angriffe nicht unterbunden hatten. Alle sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS/wikipedia)

Rund 20 Junge Aktivisten der Jugendbewegung „Yuva Sena“ der hinduistischen nationalistischen Organisation „Shiv Sena“ sind gewaltsam in das Büro der katholischen Mädchenschule „Holy Cross High School“ in Kolhapur im Süden des Bundesstaates Maharashtra eingedrungen, wo sie am 22. Januar um 13.30 Uhr (Ortszeit) während der Schulstunden Möbel und Computer beschädigten. „Sie betraten gewaltsam den Campus, indem sie die Wachposten umgingen, und riefen bereits auf dem Schulhof Parolen gegen Schulleitung und plünderten dann das Büro, während die Ordensschwestern verängstigt waren und Schüler und Lehrer untätig zusehen mussten“, so die Schulleiterin Schwester Bharati.

„Die Eindringlinge bedrohten unsere Mitarbeiter und als ich sie bat, ruhig zu bleiben und die Angelegenheit friedlich zu besprechen, fingen sie an, das Büro zu verwüsten und selbst religiöse Gegenstände wie Statuen und Kreuz im Büro zu beschädigen“, sagt Schwester Bharati weiter. „Der Angriff war so unvermittelt und grausam, dass die Schülerinnen der unteren Klassen vor Angst zitterten und immer noch geschockt sind. Wir konnten nichts anderes tun, als den Vandalismus zu beobachten, still und verängstigt“, so die Ordensschwester weiter.

Unterdessen konnte die Polizei in Kolhapur zwei verdächtige Personen festnehmen, während weitere 18 auf der Flucht sind. Die Schule bleibt geschlossen, bis der Fall aufgeklärt wurde. Doch angemessene Sicherheitsvorkehrungen zur Überwachung der Einrichtung werden nicht gewährleistet. Die christliche Gemeinde in Kolhapur und die Eltern der Schülerinnen organisierten unterdessen Protestaktionen und schickten ein Memorandum an die Polizei, in dem sie den Schutz von Institutionen und christlichen Kirchen in der Stadt forderten.

Bischof Thomas Dabre von Pune drückte „Unmut und Besorgnis“ über den Vorfall aus. „Alle von der Kirche geführten Institutionen sollen der Bevölkerung dienen, vor allem den Armen und Randgruppen. Wir stehen den Schwestern der Holy Cross High School zu Seite und bieten ihnen unsere volle Unterstützung“, sagte Bischof Dabre. Erzbischof Peter Machado von Bangalore verurteilte den Akt des Vandalismus ebenfalls und betont, dass Fragen des hinduistischen Extremismus auch auf der Tagesordnung der der laufenden Versammlung der indischen Bischofskonferenz in Bangalore stehen.

Die katholische Kirche unterhält in Indien mehr als 50.000 Bildungseinrichtungen, darunter 400 Colleges, sechs Universitäten und sechs medizinische Fakultäten, die von der Mehrheit der Bevölkerung geschätzt werden. (Quelle: Fidesdienst)

Zehn Jahre danach erinnert sich ein indischer Katholik an die Gewalt. Am zehnten Jahrestag  wird des furchtbaren Ausbruchs antichristlicher Gewalt gedacht, die im Bezirk Kandhamal im indischen Bundesstaat Odisha im August 2008 zum Tod von mehr als hundert Christen geführt hatte. 300 Kirchen und 6.000 Wohnhäuser waren dabei beschädigt oder zerstört und 50.000 Personen gezwungen worden, die Gegend zu verlassen.

Tarun Kumar Nayak (19) wurde im Bundesstaat Odisha geboren und ist Magisterkandidat in Naturwissenschaften. Im Alter von neun Jahren war er Zeuge und Opfer der gewaltsamen Übergriffe  eines hinduistischen Mobs. Tarun erzählt seine Erinnerungen der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Dabei beginnt er mit dem Bericht über die Zerstörung seines Elternhauses und der Schneiderei seines Vaters in der Ortschaft Bamunigoan. Dieser Vorfall stellte den Auftakt der mörderischen Ausschreitungen im August 2008 dar:

“Die Hälfte meines Dorfes besteht aus Christen und der Rest sind Hindus. Die Einwohner waren friedliebend; Mitglieder beider Religionen lebten friedlich und harmonisch zusammen. Man half sich gegenseitig in der Zeit religiöser Feiertage. Das Leben verlief ruhig bis zum 24. Dezember 2007, als ein unerwarteter, alptraumartiger Vorfall das Dorf erschütterte.

“Wir Christen hatten über der Durchfahrtsstraße unseres Dorfes weihnachtlichen Lichterbogen- Schmuck angebracht. Eine Gruppe von 150 bis 200 Hindus machte sich zum Marktplatz auf und forderte, dass dieser entfernt werde.  Später versuchte diese aufgebrachte Menge, die Schließung des Wochenmarktes und aller Geschäfte der Gegend zu erzwingen.

“Als die christlichen Eigentümer der Geschäfte sich weigerten zu schließen, kam es nach hitzigen Diskussionen zum Ausbruch der Gewalt. Um die zwanzig Geschäfte von Christen wurden geplündert und zerstört. Dabei starb ein Christ.

“Wir sahen uns gezwungen, aus unserem Dorf zu fliehen und uns im Wald zu verstecken. Wir mussten in der Dunkelheit meilenweit laufen, um nicht umgebracht zu werden. Dabei gingen wir mindestens zwei Tage lang ohne Nahrung und Wasser. Einige von uns fielen sogar in tiefe Gruben und stießen auf Schlangen. Personen jeden Alters, einschließlich erst kürzlich geborener Kinder mussten die Kälte dieses Winters aushalten.

“Dennoch, wie heißt es in der Bibel:  «Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein?». Niemand von uns kam schwer zu Schaden. Wir gelangten zu einem Tamangi genannten Dorf, in dem Mitglieder eines Stammes uns Essen und Unterkunft anboten.

“Die Fanatiker suchten meinen Vater, da er, bis zu seinem Tod im letzten Jahr,  der Repräsentant unserer christlichen Gemeinschaft war. Mein Vater blieb im Dorf in der Hoffnung, mit den Angreifern sprechen zu können, womit er sein Leben aufs Spiel setzte. Schließlich musste er aber doch gehen, da die Zustände schlimmer wurden. Er lief mehr als 40 Kilometer durch den Wald, um einen Fernbus zu nehmen und sich mit seiner Familie wiedervereinen zu können, die in Berhampur lebte, etwa 130 Kilometer entfernt. Ich musste über eine Woche versteckt bleiben, und während dieser Zeit wussten wir nicht, wo mein Vater sich aufhielt.

“Wir kehrten zu unseren Häusern zurück, als es der örtlichen Verwaltung gelang, den Frieden wiederherzustellen, aber mein Vater kam erst fünf oder sechs Tage später zurück. Wir weinten Tag und Nacht, waren wir doch davon überzeugt, dass er ermordet worden sei. Wir weinten nicht etwa nur deshalb, weil er − in einem Haushalt von acht Personen − das einzige Familienmitglied mit Einkünften, sondern weil er unser geliebter Vater war, der alles dafür tat, um uns Leid zu ersparen.

“Als Schneider konnte er sich um meine Mutter, meine Geschwister und mich kümmern. Er opferte alles, um uns eine an Werten orientierte Bildung zu ermöglichen. Darüber hinaus spielte er im Dorf und unserer christlichen Gemeinschaft eine sehr wichtige Rolle: In seiner Abwesenheit fand keine Versammlung statt.

“Normalerweise begannen wir mit den Weihnachtsfeierlichkeiten immer um den  20. Dezember und schlossen sie in der ersten Januarwoche mit einem Picknick ab. Im Jahr 2007 haben wir aufgrund der Spannungen im Dorf jedoch nicht gefeiert. Aus Angst vor neuen Konflikten stellte die örtliche Bezirksverwaltung zwei Polizeitrupps der Hauptreserve auf. Das Sicherheitspersonal hielt im Dorf zumindest zweimal am Tag Patrouillen ab, um den Leuten ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Nach und nach normalisierte sich das Leben im Dorf, und die Geschäfte öffneten wieder.

“Doch dann, am 24. August 2008, gab es einen neuen und schrecklichen Ausbruch der Gewalt aufgrund des Todes des religiösen Hindu-Führers Swami Laxmanananda Saraswati, der zusammen mit vier seiner Schüler in seinem Ashram ermordet wurde.  Obgleich eine maoistische Guerilla sich zu den Morden bekannte, waren die Hindu-Fundamentalisten der Auffassung, dass die Christen hierfür verantwortlich seien, und begannen, die christliche Gemeinschaft vor Ort anzugreifen. “Obwohl viele starben und  Eigentum total zerstört wurde, hielten wir an unserem Glauben fest. Nur in der Gewissheit, dass Gott mit uns ist, waren wir in der Lage, Terror und brutaler Gewalt standzuhalten.

“Der damalige Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar, Raphael Cheenath, bemühte sich, Gerechtigkeit und eine Entschädigung für die Christen zu erlangen, und appellierte − an den Obersten Gerichtshof Indiens. Die Regierung gewährte daraufhin den Betroffenen auf Gerichtsbeschluss einige ökonomische Hilfen. Mittlerweile ist die Lage im Bezirk unter Kontrolle. Während der Feier christlicher Feste wird Sicherheitspersonal stationiert, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, aber die Erinnerung und die Angst vor der Gewalt sind noch lebendig”.

Seit 2008 unterstützt die päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT auch den Wiederaufbau einiger der 300 während der Unruhen zerstörten Kirchen.

Im vergangenen Jahr hat KIRCHE IN NOT fast 7 Millionen Dollar für Projekte zugunsten von Christen in Indien ausgegeben, insbesondere für Dalits, der untersten Kaste in der Hindu-Hierarchie, und für „Tribals“, die ebenfalls sehr stark von Fundamentalisten diskriminiert werden.

INDIEN: Angriffe und Bedrohungen gegen Christen auf einem historisch hohen Niveau. Christen und religiöse Minderheiten 10 Jahre nach den Ausschreitungen von Khandamal. 2008 war ein Jahr, in dem Katholiken im Indischen Bundesstaat Odisha unter furchtbarer Unterdrückung durch Hindu-Fundamentalisten litten, die darauf bedacht waren, das Christentum in dieser Region auszulöschen. Morde, das Niederbrennen von Gebäuden und Häusern, die öffentliche Vergewaltigung christlicher Frauen; diese Gräueltaten wurden im Bundesstaatsbezirk Khandamal verübt, um die Gläubigen der Ortskirche zu zwingen, zum Hinduismus zu konvertieren oder zu verschwinden. 

Während eines Besuches in der Zentrale von KIRCHE IN NOT (ACN), setzte sich Pater Ajay Kumar Singh vom «Odisha Forum für Soziales Handeln» kürzlich für die unterdrückten Christen dieses Bundesstaates ein: “10 Jahre danach“ gebe es „für diese  Gemeinden kaum Gerechtigkeit,” kommentierte Pater Singh. 

Der katholische Priester erklärte, die Angriffe von 2008 seien die schlimmsten gewesen, die das Land in 300 Jahren erlebt habe. Die Gewalt habe “101 Menschenleben gefordert, mehr als 350 Kirchen zerstört, 7500 Häuser in Schutt und Asche gelegt“. Überdies sei eine große Anzahl von Klöstern, Pfarrhäusern, Krankenhausapotheken und 13 humanitäre Organisationen attackiert und verwüstet worden. Die Ausschreitungen hätten sich allein im Bezirk Khandamal auf 450 Dörfer ausgeweitet.

Mit der Zeit werden die Gebäude wieder aufgebaut; die Schlagzeilen ändern sich, die Erinnerung verblasst. Wie aber geht es den Christen in Odisha und quer durch Indien 10 Jahre danach?

Regierungswechsel, Zunahme an Hass. 

2014, sechs Jahre nach den Angriffen von Khandamal, erlitt die “säkularistische” Partei Indischer Nationalkongress zugunsten der nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) eine Wahlniederlage. Seit es 2002 im Bundesstaat Gujarat zu Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslime gekommen ist, wird gegen sie die Anschuldigung erhoben , Gewalt zwischen den Religionsgemeinschaften zu schüren. Unter der Regierung der BJP kam es in den drei Jahren bis 2017 zu mehr als einer Verdoppelung der angezeigten Angriffe gegen Christen: Von 147, die 2013 registriert wurden − dem Jahr vor dem Regierungswechsel −, bis zu 351 im letzten Jahr. Gemäß der Recherche von Pater Singh, seien physische Angriffe und Drohungen gegen Christen und sonstige Minderheiten innerhalb des Landes auf historisch hohem Niveau, wobei es keine Dokumentation über die Anzahl nicht gemeldeter Fälle gebe.

Pater Singh weist auf ein zunehmendes Phänomen in Indien hin: Jahrzehntealte Gesetze, die die Schlachtung von Kühen verbieten (Tiere, die im Hinduismus als heilig gelten) und die Beschaffung oder Lagerung von Rindfleisch, selbst innerhalb der Grenzen von Privathäusern von nicht-Hindus, seien kürzlich von Bürgerwehren “überwacht” worden, dazu geführt habe, dass diejenigen, die   diesen Anordnungen zuwidegehandelt haben, verprügelt oder sogar Opfer von Lynchmorden geworden seien. . Die sogenannten “Rindfleisch-Lynchmorde” wurden nicht nur in Odisha gemeldet, sondern auch in verschiedenen Bundesstaaten in ganz Indien. Nach den vom Menschenrechtsverteidiger ermittelten Zahlen, seien 86% der Opfer von Lynchmorden für Transport oder Verzehr von Rindfleisch Muslime. 97% aller Vorfälle seien innerhalb der letzten drei Jahre geschehen, also seit die BJP in 2014 an die Macht kam.

Religiöse Konflikte ein offenes Geheimnis.

Obgleich die Justiz in Indien auf einer Verfassung gründet, die Religionsfreiheit und die Würde aller ihrer Bürger anerkennt, scheint sie sich immer noch nach einem abgestuften Klassensystem zu richten und Christen sowie Angehörige niedriger Kasten zu diskriminieren. Der Großteil der christlichen Bevölkerung Indiens entstammt den sogenannten niederen Kasten, was ihre Benachteiligung noch verstärkt, wenn sie in eine Rechtssache verwickelt sind, ob nun als Kläger oder Angeklagter.

Bei seinem Gespräch mit der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT legte Pater Singh dar, dass es – abgesehen vom Gerichtsurteil zugunsten der Seite mit  einer Religion “Indischen Ursprungs” −, auch weniger wahrscheinlich sei, dass die Polizei im Fall von gegenüber Christen verübter Gewalt tätig werde. Die außergerichtliche Natur von Beschwerden gegenüber Christen (Lügengeschichten sind häufig), und die Sitte von Untersuchungen aus dem Stegreif ließen Mitglieder religiöser Minderheiten ohne einen konkreten Zugangsweg zur Gerechtigkeit. Da Analphabetismus unter den Armen weit verbreitet sei, bestehe für sie auch kaum die Aussicht, dass Fälle von Ungerechtigkeit festgehalten werden. Für die Behörden sei es einfach, “Beschwerden über systematische Ungerechtigkeit als erfunden oder übertrieben abzutun“.

Indien, ein Wegbereiter religiöser Diskriminierung.

Daten, die im Bericht über Religionsfreiheit von 2016 gesammelt und von KIRCHE IN NOT veröffentlicht wurden, haben angezeigt, dass von den 22 Ländern, die in der Kategorie ‘Verfolgung‘ aufgeführt werden, Indien eines von sechs ist, das Anzeichen weitverbreiteter und ernsthafter Probleme aufweist, wie sie von autoritären Staaten verursacht werden. Für Christen in Indien ist dies nichts Neues. Wenn jemand Christ wird, kann einer Ehefrau ein Scheidungsverfahren und der Verlust von Elternrechten drohen und dies nur aufgrund der Konversion. Katholiken, die eine Wohnung  suchen, sind als Mieter nicht wirklich gern gesehen. Die Liste der Diskriminierungen ist lang.

Um Religionsfreiheit“ müsse man “sich kümmern”, sagte Pater Singh. “Diese Anti-Konversions-Gesetze” verstoßen gegen “Menschenrechte und die Menschenwürde.“ Indien sei einer der Unterzeichner der UN-Menschenrechtscharta gewesen. Auch habe es dem Internationalen Abkommen über Zivile und Politische Rechte zugestimmt und hiermit die Menschenrechte akzeptiert. Diese könne man “nicht einfach so ausrangieren.”

Die Aufgabe der Kirche für die verfolgten Brüder und Schwestern in Indien.

“Ich erkenne an, dass KIRCHE IN NOT nach dem Ausbruch der Gewalt eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Wir sind dankbar, dass ihr Eure Unterstützung und Solidarität erweitert habt, um den Opfern dabei zu helfen, dass sie überleben.”

“Wir wünschen uns, dass für diejenigen, die zu Märtyrern geworden sind, die von diesen Problemen betroffen sind und angegriffen wurden, eine internationale öffentliche Anhörung stattfindet, so dass dieses Thema herausgestellt und eine Lektion daraus  gelernt wird.”

“Ich fürchte mich vor der nächsten Gewalt: es könnte furchtbar werden. Es sollte in Indien kein zweites Khandamal geben”, sagt Pater Singh zum Abschluss.

In der katholischen Gemeinden und anderen religiösen Minderheiten in Indien wächst die Sorge im Hinblick auf „sporadische Angriffe auf Institutionen und Mitarbeiter religiöser Minderheiten in verschiedenen Teilen des Landes“. Diese Gewaltakte verstoßen gegen das Gesetz und schädigen das Land. “ Wenn die Regierung entschieden eingreift, „kann dies die Ängste in den Gemeinden lindern“ und weitere Gewalt verhindern. So der neue Vorsitzende der Indischen Bischofskonferenz (CBCI), Kardinal Oswald Gracias, am gestrigen 20. März bei einem Treffen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi. Das Treffen zwischen dem Kardinal und dem Premierminister soll in einer herzlichen und offenen Atmosphäre stattgefunden haben und wurde von beiden Seiten als „Vertrauen erweckend “ bezeichnet.

Das Treffen sei eine Gelegenheit gewesen, um „an den historischen Beitrag der Kirche zum Aufbau der Nation und ihre Arbeit für das Wohlergehen der indischen Bevölkerung, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheitsfürsorge und Solidarität“ zu erinnern, so Kardinal Gracias. Der Vorsitzende der CBCI betont in diesem Zusammenhang, dass die Kirche angesichts der großen Herausforderungen, vor denen das Land steht, „ein Teil des großen Projekts der Entwicklung der Nation will“, wobei das Gemeinwohl der Horizont sein müsse.

Der Kardinal besprach auch mit dem Premierminister unter anderem auch die Möglichkeit eines Besuchs von Papst Franziskus in Indien: „Papst Franziskus ist das Oberhaupt der Weltkirche und wird weltweit bejubelt und von Gläubigen aller Konfessionen und Religionen geschätzt“, so der katholische Kirchenvertreter, der in diesem Zusammenhang betonte, dass „sein Besuch unserem Land langfristige Vorteile bringen wird“.
Premierminister Narendra Modi versicherte dem Vorsitzenden der Indischen Bischofskonferenz, dass „die erste Priorität der Regierung das Wohlergehen der Menschen und die Bekämpfung der Armut ist“. Er unterstrich insbesondere, dass er „der Premierminister aller Inder, ungeachtet der Kaste und des Glaubens“ sei, und erklärte, dass er immer „verfügbar und interessiert sein werde, sich mit dem ihm zur Kenntnis gebrachten Problemen zu befassen“. (Quelle: Fidesdienst)

 

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