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Ein Bezirksgericht in Rawalpindi hat den seit 2012 inhaftierten 58-jährigen protestantischen Pastor Zafar Bhatti wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Der christliche Religionsvertreter war beschuldigt worden, blasphemische Textnachrichten verschickt zu haben. Zafar Bhatti wurde am 3. Mai 2017 gemäß den Paragrafen 295 (a) und 295 (c) des pakistanischen Strafgesetzbuchs wegen Beleidigung des Propheten Mohammed und seiner Mutter zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor seiner Verhaftung im Jahr 2012 hatte Pastor Zafar Bhatti die Wohltätigkeitsorganisation „Jesus World Mission“ zur Unterstützung der Armen und eine Hauskirche gegründet und betreut.

Nach der Anzeige eines Unbekannten nahm die Polizei Pastor Zafar Bhatti wegen Blasphemie fest. Doch bei der Überprüfung der Handynummer bestätigte der Anbieter, dass die zum Versenden von Textnachrichten verwendete SIM-Kartennummer nicht auf seinen Namen registriert war. Eine muslimische Frau namens Ghazala Khan wurde als Inhaberin der SIM-Kartennummer ermittelt, die zum Versenden blasphemischer Textnachrichten verwendet wurde. Das Gericht verurteilte die Frau im April 2013, ließ sie aber auf Kaution frei. Vom ersten Tag an hat Zafar Bhatti die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten. Er ist derzeit der am längsten wegen Blasphemie Inhaftierte und der erste, gegen den das Gericht am 3. Januar die Todesstrafe verhängte.

Der christlicher Menschenrechtsaktivist, Ilyas Samuel, äußerte seine Bestürzung über das ungerechtfertigte Todesurteil gegen Zafar Bhatti: „Diese Nachricht macht mich traurig. Ich bedaure, dass der Missbrauch der Blasphemiegesetze so weit verbreitet ist und als Racheinstrument gegen unschuldige Menschen eingesetzt werden kann“.

Unterdessen wurde am 5. Januar der Christ Nadeem Samson, der seit November 2017 Opfer des Blasphemiegesetzes inhaftiert war, nach vier Jahren Haft auf Kaution freigelassen. Dies entschied der Oberste Gerichtshof. Nadeem Samson war unter dem Vorwurf verhaftet worden, ein gefälschtes Facebook-Konto eingerichtet zu haben, auf dem er angeblich blasphemische Inhalte postete.

Joseph Jansen, Präsident von „Voice for Justice“ sagte dazu: „Wir sind froh, dass wir eine Freilassung auf Kaution für Nadeem Samson erwirkt haben. In der Tat ging es bei dem Streit mit dem Beschwerdeführer um Geld- und Vermögensfragen. Die meisten Fälle von Gotteslästerung beruhen auf falschen Anschuldigungen, auf Familienstreitigkeiten oder religiösen Vorurteilen. Diejenigen, die andere fälschlicherweise der Blasphemie beschuldigen, müssen vor Gericht gestellt und ordnungsgemäß bestraft werden“, sagte er.

Der muslimische Anwalt Saif-ul-Malook, der Nadeem Samson vertritt und auch Verteidiger im Fall von Asia Bibi war, sagte: „Dies ist eine historische Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Pakistan. Dieses Urteil wird als Präzedenzfall dienen, um anderen Opfern von Blasphemievorwürfen zu helfen. Die pakistanischen Gerichte lehnen routinemäßig Kautionsanträge von Opfern des Blasphemiegesetzes ab, insbesondere wenn die Anklage auf Artikel 295(c) beruht. Wir danken Richter Syed Mansoor Ali Shah vom Obersten Gerichtshof Pakistans dafür, dass er sich nicht von religiösen Vorurteilen davon abhalten ließ, Recht zu sprechen“, schließt er.

Zwei Christen wurden wegen „Proselytismus“ (Bemühung um einen Wechsel der Konfession) zu zweijährigen Haftstrafen und hohen Geldstrafen verurteilt. Geahndet werden Vorfälle aus den Jahren 2008 und 2017. Pastor Rachid Seighir und einer seiner Gemeindemitglieder, Nouh Hamimi, erfuhren von ihren Strafen durch eine schriftliche Benachrichtigung, die an ihrem Kirchengebäude in Oran angeschlagen wurde.

Im September 2017 wurde eine Buchhandlung, die Pastor Rachid gehörte und in der Hamimi als Verkäufer arbeitete, von den Behörden in Oran durchsucht. Nachdem sie christliche Bücher, Druckmaschinen und Bibeln gefunden hatten, schloss der Gouverneur die Buchhandlung. 2018 und 2019 gewann die Kirche Gerichtsverfahren, die die Neuöffnung des Buchladens verfügten. Der Gouverneur weigerte sich jedoch, die Gerichtsentscheidung zu befolgen. Die Buchhandlung ist seit dem ursprünglichen Vorfall geschlossen geblieben.

Nach zwei erfolglosen Gerichtsverhandlungen legte die Kirche im Oktober 2019 Berufung bei einem Verwaltungsgericht ein. Es entschied zu ihren Gunsten. Das Urteil beinhaltete eine finanzielle Entschädigung von 3.745 USD. Stattdessen wurden Pastor Rachid und Hamimi am 27. Februar in Abwesenheit verurteilt. Beide gehen gegen ihre Verurteilung in Berufung.

Zwei weitere Christen wurden seit Dezember 2020 wegen Blasphemie angeklagt. (Quelle: ICC)

„Ich schätze die überwältigende Solidarität, die viele Menschen auf der ganzen Welt mir während meiner 100tägigen Haft zum Ausdruck gebracht haben, zutiefst. Manchmal hat mir die Nachricht von so viel Solidarität immense Kraft und Mut gegeben. Denn das das einzig Sichere im Gefängnis ist die Unsicherheit“, so der 83-jährige indische Jesuitenpater Stan Swamy, der seit dem 8. Oktober wegen angeblicher Volksverhetzung im Gefängnis ist. 

Trotz des Alters und der schweren Form von Parkinson, an der er leidet, sitzt der Jesuit zusammen mit weiteren 15 anderen Aktivisten und NGO-Mitgliedern in Haft, denen im Rahmen des „Gesetzes zur Verhütung illegaler Aktivitäten“ Terrorismus und Volksverhetzung vorgeworfen werden. Sie sollen mit den maoistischen Rebellen zusammenarbeiten. Alle engagierten sich für den Schutz der Rechte des Volksstammes der Adivasis in Jhakarland. Die Rechte der Ureinwohner werden regelmäßig von Großgrundbesitzern oder multinationalen Unternehmen missbraucht, wobei Menschenrechte und soziale und kulturelle Rechte verletzt werden.

In einer Stellungnahmen von Pater Swamy, die von den indischen Jesuiten veröffentlicht wurde, die ihn im Gefängnis besuchten sagt der inhaftierte Ordensmann: „Eine weitere Quellle der Stärke in diesen letzten hundert Tagen war es, die schwierige Situation der anderen Gefangenen zu beobachten. Die meisten von ihnen stammen aus wirtschaftlich und sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen. Viele dieser armen Menschen wissen nicht einmal, welche Anklagen gegen sie erhoben wurde und haben ihre Anklageschrift nie gesehen. Sie bleiben jahrelang ohne rechtliche Unterstützung im Gefängnis. Insgesamt müssen die Gefangenen mit dem Nötigsten leben, ob arm oder reich. Dieser Zustand schafft ein Gefühl der Brüderlichkeit und der Solidarität der Gemeinschaft derGefangenen: Man erfährt, dass es möglich ist, sich gegenseitig zu unterstützen trotz aller Widrigkeiten“.

Pater Swamy erinnert abschließend an die anderen Aktivisten, die zusammen mit ihm inhafriert wurden: „Wir 16 Angeklagten können uns nicht treffen, da wir in verschiedenen Gefängnissen oder in verschiedenen Abteilungen innerhalb desselben Gefängnisses untergebracht sind. Aber wir werden auch künftig im Chor unsere Stimme erheben. Ein Vogel kann noch singen, auch wenn er im Käfig ist „.

Eine beherzte Botschaft der Solidarität bringt unterdessen auch Pater Arturo Sosa, Generaloberer der Gesellschaft Jesu, in einer Videobotschaft zum Ausdruck. „Pater Stan widmete sein ganzes Leben den Ärmsten der Welt, den indigenen Adivasi und die Dalits“, so der Generalobere, „Er ist die Stimme der Stimmlosen. Er hat sich vor die Mächtigen gestellt und ihnen die Wahrheit gesagt, er setzt sich für die Verteidigung der Menschenrechte von Minderheiten ein“. Die Gesellschaft Jesu hat einen internationalen Aufruf zur sofortigen Freilassung eingereicht, in dem der Orden seine völlige Unschuld bekräftigt und auf seine prekären Gesundheitszustand hinweist.

Bisher hatten alle Versuche und die Appelle für die Freilassung des Jesuitenpaters – die jüngst auch von drei indischen Kardinälen, bei einem Gespräch mit Premierminister Narendra Modi vorgetragen wurden, keine Wirkung. (Quelle: Fidesdienst, Bild: Communications Hub JCSA)

Eine 40-jährige muslimische Frau in Algerien verklagt ihren christlichen Ehemann (50) und beschuldigt ihn, sie zum Christentum bekehren zu wollen. Ebenfalls des gleichen „Verbrechens“ angeklagt sind drei Mitglieder einer anderen Familie, allesamt Christen, die versucht hatten, zwischen dem Paar zu vermitteln. Zum Zeitpunkt des Schreibens war der Fall noch nicht entschieden. „Einen Muslim zum Religionswechsel anzuregen“ ist ein Verbrechen gemäß Verordnung 6-3 von 2006. Die Strafe beträgt zwei bis fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu einer Million Dinar (ca.  7.500 €). Betet für die vier angeklagten Christen, dass die Anklage gegen sie fallen gelassen wird. (Quelle: Barnabasfund)

Am 14. November ordnete ein Gericht die Schließung der Kirche in Aït Djemaa, 35 km südlich von Tizi Ouzou im Bezirk Ait Bouadou an.  Der Befehl wurde erteilt, weil die Kirche nicht über die erforderliche Erlaubnis des Nationalkomitees für nicht-muslimische kultische Handlungen verfügt.

Die Bezirksbehörden reichten im September 2017 eine Klage gegen diese Kirche ein und warfen der Kirche vor, gegen die Vorschriften des Dekrets 2006-03 zu verstoßen, das die nicht-muslimische kultische Handlungen regelt.  Das Gebäude ist für die Wohn- oder Geschäftsnutzung, nicht aber als Kultstätte ausgewiesen.  Die Kirche ist der Evangelischen Kirche von Algerien (L’Église Protestante d’Algérie / EPA) angeschlossen, aber das Gericht hat entschieden, dass eine solche Zugehörigkeit die Anforderung, dass einzelne Kirchen die Erlaubnis des Nationalkomitees einholen müssen, nicht erfüllt.  Die EPA wird gegen das jüngste Urteil Berufung einlegen.

Diese Situation spiegelt eine seit langem bestehende rechtliche Schwierigkeit für die Kirchen in Algerien wider.  Das Dekret 2006-03 schreibt vor, dass vor der Nutzung eines Gebäudes für nicht-muslimische Gottesdienste eine Genehmigung eingeholt werden muss.  Die Behörden haben jedoch fast alle Anträge von Kirchen, die dem gesetzlich registrierten WPA angehören, nicht beantwortet.  Angesichts der mangelnden Resonanz ist es für Kirchen zum Standard geworden, Räumlichkeiten zu mieten und die örtlichen Behörden darüber zu informieren, dass sie ihre Räumlichkeiten als Gotteshäuser nutzen. (Quelle: MEC/AKREF/pm, Bild: TUBS)

Die freigesprochene Christin Asia Bibi darf Pakistan nicht verlassen. Das bestätigte die in dem Land tätige Menschenrechtsanwältin, Aneeqa Anthony (Lahore), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Oberste Gerichtshof in Islamabad hatte das Todesurteil gegen die Katholikin am 31. Oktober mit der Begründung aufgehoben, die Vorwürfe seien juristisch schwach. Die Mutter von fünf Kindern soll als „Ungläubige“ durch Berührung eines Gefäßes das Wasser für muslimische Feldarbeiterinnen verunreinigt und sich im Streit beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert haben. Seit der Entscheidung kommt es zu massiven Protesten von Islamisten, darunter viele Anhänger der radikalislamischen Partei Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP), in zahlreichen Städten des Landes. Die Klägerseite hat laut Anthony nun einen Antrag auf erneute Prüfung des Urteils eingereicht.

Gesellschaft für bedrohte Völker: Das ist ein skandalöser Deal

Lokalen Medien berichten, es habe wegen der anhaltenden Proteste ein Abkommen zwischen der Regierung und der islamistischen TLP-Partei gegeben. Demzufolge wird der Revisionsantrag gegen den Freispruch zugelassen, und ein Gericht soll über das von islamistischen Gruppen geforderte Ausreiseverbot für Bibi verhandeln. Zudem sollen alle Demonstranten, die seit dem Freispruch der Katholikin festgenommen wurden, freigelassen werden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) nannte das Einlenken der Regierung eine Bankrott-Erklärung des Rechtsstaates gegenüber dem Druck islamistischer Bewegungen. Ihr Direktor, Ulrich Delius, sagte am 3. November in Göttingen, der „skandalöse Deal“ mache Pakistans Rechtssystem zur Beute des islamistischen Mobs: „Er missachtet die Gewaltenteilung und die Priorität des Rechts.“ Die Regierung dürfe nicht zulassen, „dass radikale Islamisten noch dabei gefördert werden, wie sie die Rechtsprechung aushebeln“.

Prozess war immer wieder vertagt worden

Der Fall hatte international Aufsehen erregt. 2011 war der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter Mumtaz Qadri erschossen worden, weil er sich für die Begnadigung von Bibi und eine Reform des Blasphemiegesetzes eingesetzt hatte. Der Attentäter wurde zwar zum Tode verurteilt und gehängt, wird aber seitdem verehrt. Eine 2014 gebaute Moschee trägt nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) seinen Namen. Der Richter, der Qadri zum Tode verurteilt hatte, musste laut IGFM aufgrund der Bedrohung durch Extremisten mit seiner Familie ins Exil nach Saudi-Arabien gehen. Seit das Oberste Gericht Pakistans im Juli 2015 eine Berufung gegen das Urteil zuließ, war der Prozess immer wieder vertagt worden. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus. (Quelle: idea, Bild: British-Pakistani-Christian-Association)

Die Insel Sansibar vor der Küste Tansanias gilt als exotisches Urlaubsparadies. Doch islamische Extremisten gewinnen zunehmend Einfluss und üben massiven Druck auf einheimische Christen aus. Dabei sind besonders Pastoren und ihre Familien die Leidtragenden.

Jahrelang unschuldig vor Gericht

Ein Beispiel ist Pastor George*. Er wurde fälschlicherweise beschuldigt, ein kleines Mädchen vergewaltigt zu haben, das er beim Werfen von Steinen auf die Kirche erwischt hatte. Nachdem ein Gericht ihn 2014 von den Anschuldigungen freisprach, wurde er beim Verlassen des Gebäudes erneut verhaftet, weil die Ankläger gegen das Urteil Berufung einlegten. Das neuerliche Verfahren dauerte vier Jahre und brachte den Pastor und seine Familie an den Rand der völligen Erschöpfung. Finanziell stehen sie kurz vor dem Ruin. Bei einer Anhörung Ende August wurde er schließlich freigesprochen.

Kirchenbau immer wieder verweigert

Pastor Kovu* erwarb 2007 offiziell ein Grundstück für den Zweck, darauf eine Kirche zu errichten. Dennoch wird ihm der Verstoß gegen einen Gerichtsbeschluss vorgeworfen, „keine Kirche auf einem Grundstück zu bauen“. Eine lokale Kontaktperson erläutert: „Obwohl er über alle erforderlichen Besitznachweise verfügt, wird ihm sein Recht wegen seines Glaubens vorenthalten.“ Die Gerichtskosten belaufen sich inzwischen auf umgerechnet ca. 8.500 Euro. Unterdessen ist Pastor Kovus 10-jähriger Sohn massiven Anfeindungen im Dorf und in der Schule ausgesetzt. Einmal wurde er von Männern angesprochen. Sie urinierten in eine Flasche, zwangen ihn, etwas davon zu trinken, und gossen den Rest über ihn aus. In der Schule sperrten muslimische Klassenkameraden ihn in der Toilette ein und öffneten die Tür erst Stunden später, ohne dass die Lehrer eingriffen. Seine schulischen Leistungen haben stark gelitten.

Gebäude fünfmal zerstört, Tochter vergewaltigt

Pastor Abasi* musste aus Sicherheitsgründen dreimal umziehen, um ein neues Zuhause und einen Versammlungsort für seine Gemeinde zu finden. Seit 2016 wurde seine winzige Zeltkirche (9x6m) fünfmal zerstört. Trotz Benachrichtigung der Polizei wurde ihm kein Schutz gewährt. Besonders schmerzhaft war für die Familie, dass ihre 4-jährige Tochter in einer der gemieteten Wohnungen vergewaltigt wurde. Der Täter läuft frei herum. Viele Gemeindemitglieder bleiben den Gottesdiensten aus Angst vor weiteren Angriffen inzwischen fern.

* Name aus Sicherheitsgründen geändert (Quelle: Open Doors)

Im Iran sind zwei evangelikale Christen wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ und Mission zu einer jeweils achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit. Nach ihren Angaben hat ein Revolutionsgericht in Schiraz die Urteile gegen die beiden Männer Eskandar Rezaie und Suroush Saraie am 28. Dezember gefällt. Beide zählen zu dem Kreis Evangelikaler im Iran, die immer wieder ins Visier der islamischen Staatsmacht geraten, weil sie ihren christlichen Glauben bekennen. Rezaie wurde am 6. Juli vergangenen Jahres zu Hause in der südiranischen Stadt Lar festgenommen. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten dort mehrere Hundert Ausgaben des Neuen Testaments. Saraie wurde ebenfalls im Juli inhaftiert. Beide waren erstmals im Oktober 2012 für fünf Monate in Haft gekommen, als Sicherheitskräfte ein Gebetstreffen in Schiras auflösten, an dem sie teilnahmen. Im Juli 2014 wurden sie erneut eingesperrt und erst nach 16 bzw. 17 Monaten wieder freigelassen.

Der Iran hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert, der auch Religionsfreiheit garantiert. Sie beinhaltet das Recht, den eigenen Glauben öffentlich zu bekennen und die Religion zu wechseln. Der Iran zählt zu den Staaten, die Christen am stärksten verfolgen. Im Weltverfolgungsindex des Hilfswerkes Open Doors rangiert das Land auf Platz zehn. 95 Prozent der über 77 Millionen Einwohner gehören zum schiitischen Zweig des Islams. Die Zahl der Christen liegt bei 360.000. (Quelle: idea, Foto: Hansueli Krapf/wikipedia)

Mehr als dreitausend Muslime haben mehrere Tage lang auf den Straßen Islamabads, der Hauptstadt Pakistans, demonstriert, um von der Regierung unter anderem die Hinrichtung Asia Bibis zu fordern. Bibi, eine katholische Mutter, wurde unter hoch umstrittenen Umständen zum Tode verurteilt mit der Begründung, sie habe gegen den Koran gelästert. Sie ist mittlerweile seit acht Jahren im Gefängnis inhaftiert. Nach Angaben der vatikanischen Nachrichtenagentur Fides haben die Demonstranten, die Anhänger der radikal-islamischen Gruppen „Tehreek-i-Labaik Ya Rasool Allah Pakistan“ und „Sunni Tehreek“ sind, auch die Freilassung inhaftierter islamischer Religionsführer und den Rücktritt des Justizministers Zahid Hamid verlangt.

Die Islamisten demonstrierten am 8. November auf der „Jinnah Avenue“, einer der Hauptstraßen der Stadt, in Reaktion auf die Verabschiedung des „Wahlgesetzes 2017“. Dieses Gesetz änderte die Form der Vereidigung der Kandidaten auf öffentliche Ämter in Pakistan: Die Formel, die auf einem Zitat des Propheten Mohammed basiert, würde nicht mehr lauten „Ich schwöre feierlich“, sondern „Ich glaube“. Fides erklärte, der Zweck dieser Maßnahme sei, „die Präsenz und Glaubwürdigkeit nicht-muslimischer Kandidaten zu schützen.“

Wenn diese Norm auch vom Obersten Gerichtshof Islamabads wenige Tage nach ihrer Verabschiedung wieder aufgehoben worden war, sind muslimische Extremisten weiterhin voll Zorn, da sie das Geschehene als eine Beleidigung des islamischen Charakters Pakistans ansehen. Am vergangenen 10. November hielten islamistische Führer während der Proteste eine Predigt, in der sie drohten, die Familie des Justizminister und Personen, die der Gotteslästerung angeklagt sind, anzugreifen. 

Der christliche Anwalt Sardar Mushtaq Gill, der selbst Opfer von Drohungen durch die Extremisten ist, sagte zu Fides, dass „circa 150 radikale religiöse Führer bei der Verhandlung im Fall Asia Bibi die Regierung gedrängt hatten, sie hinrichten zu lassen. Der islamische Extremismus ist in der Öffentlichkeit präsent. In den vergangenen Tagen hat die Polizei die „Jinnah Avenue“ geräumt; daraufhin haben sich die Extremisten in ein anderes Viertel Islamabads begeben. Im Jahre 2009 war Asia Bibi aufgrund des Verbrechens der Gotteslästerung verurteilt worden. Nachdem sie aus einem Brunnen getrunken hatte, behauptete eine Gruppe muslimischer Frauen, das Wasser sei nun verunreinigt, da sie Christin sei.

Bibi antwortete auf die Beleidigungen mit ihrem Glauben: „Ich glaube an meine Religion und an Jesus Christus, der am Kreuz für die Sünden der Menschheit gestorben ist. Was hat der Prophet Mohammed getan, um die Menschheit zu retten?“

Nachdem Asia Bibi zum Tode verurteilt worden war, begann ein juristischer Kampf um ihre Rettung. Doch die hauptsächlichen Verteidiger, die sich für ihre Freilassung eingesetzt hatten – der katholische Politiker und Minister für Minderheiten  Shabahz Bhatti, sowie der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer – wurden ermordet. Seit Oktober 2016 – nachdem einer der Richter im Verfahren zurückgetreten war – ist die definitive Gerichtsverhandlung zur Freilassung Asia Bibis ohne Angabe eines neuen Termins verschoben. Wie die päpstliche Stiftung Kirche in Not in einem Video mitteilt, gibt es in Pakistan mittlerweile mehr als tausend Menschen, die aufgrund des Blasphemiegesetzes verurteilt worden sind. Das Gesetz vereint mehrere Normen, die direkt von der Scharia – dem religiösen Gesetz des Islam – inspiriert sind, um jegliche Beleidigung Allahs, Mohammeds oder des Korans  zu bestrafen. (Quelle: CNA, Foto: Flickr/Hazteoir.org)

Ein muslimischer Freund hatte ihn angezeigt. In Pakistan ist ein Christ wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Medienberichten zufolge befand das zuständige Gericht in Gujrat – rund 170 Kilometer südlich der Hauptstadt Islamabad – Nadeem James schuldig, über den Kurznachrichtendienst WhatsApp ein Gedicht verschickt zu haben, das blasphemisch sei und den Propheten Mohammed beleidigt habe. James hatte das Gedicht an einen muslimischen Freund geschickt. Der zeigte James daraufhin bei der Polizei an. James’ Anwalt vermutet, dass der Freund verärgert war über eine angebliche Affäre des nun Verurteilten mit einer Muslimin. Er kündigte an, das Urteil anzufechten. Blasphemie gilt in Pakistan als Kapitalverbrechen. Das Blasphemiegesetz dient allerdings häufig als Mittel der Rache in persönlichen Auseinandersetzungen, insbesondere gegen Angehörige religiöser Minderheiten und Andersdenkender. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus. (Quelle: idea)

Der bekannteste Pastor in der Islamischen Republik Iran, Youcef Nadarkhani, ist wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ zu zehn Jahren Gefängnis und anschließend zwei Jahren Verbannung verurteilt worden. Das teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am 12. Juli in Frankfurt am Main mit. Laut inoffiziellen Aussagen des Islamischen Revolutionsgerichts sei Nadarkhani wegen „Verbreitung des Christentums“ bestraft worden. Zum Hintergrund: Der IGFM zufolge war der Pastor bei der Gründung von Hausgemeinden „erfolgreich“. Mit der Haftstrafe wollten die Machthaber eine Fortsetzung seiner Arbeit verhindern. Der Anwalt Nadarkhanis hat, so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin, zumindest auf dem Papier noch die Möglichkeit, innerhalb von 20 Tagen gegen das Urteil vom 6. Juli Berufung einzulegen. Die Justiz der Islamischen Republik sei jedoch dafür bekannt, dass sie nicht nur internationales Recht missachte, sondern auch das eigene, das iranische. 2010 hatte ein Revolutionsgericht den Pastor wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt. Die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea benannten ihn im Dezember des gleichen Jahres zum „Gefangenen des Monats“ und riefen dazu auf, sich für ihn einzusetzen. Im September 2012 kam er nach weltweiten Protesten aus der Haft frei. Die Behörden drangsalierten ihn aber weiter, weil er seine Gemeindearbeit nicht aufgab. (Quelle: idea)

Im Iran hat ein Gericht vier Christen wegen missionarischer Aktivitäten und angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt, drei von ihnen in Abwesenheit. Damit hob es das Urteil einer früheren Instanz auf. Wie die britische Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity Worldwide“ (Christliche Solidarität Weltweit) berichtet, handelt es sich bei den Christen um den Iraner Nasser Navard Goltape sowie die Aserbaidschaner Yusif Farhadov, Eldar Gurbanov und Bahram Nasibov. Alle vier waren im Sommer 2016 in Teheran verhaftet worden, wo sie befreundete Christen besuchten. Es folgten zwei Monate Einzelhaft. Anschließend wurden sie in ein anderes Gefängnis verlegt. Ende Oktober wurden sie gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Am 7. November 2016 durften die drei Aserbaidschaner in ihre Heimat ausreisen. Sie können der nun verhängten mehrjährigen Haftstrafe entgehen, wenn sie nicht in den Iran zurückkehren. Sie legten zudem Widerspruch gegen das Urteil ein. Beobachter sehen jedoch nur geringe Chancen auf Erfolg. Der Menschenrechtsanwalt Mansour Borji von der Organisation „Artikel 18“, die sich für verfolgte Christen einsetzt, hält das Urteil für alarmierend. Nach seiner Einschätzung versucht das Islamische Revolutionsgericht damit, ein Exempel zu statuieren, das auch andere Christen einschüchtern soll. In der Vergangenheit seien Christen in vergleichbaren Fällen zu maximal fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Leiter von „Christian Solidarity Worldwide“, Mervyn Thomas (London), forderte die iranischen Behörden auf, die Berufung der Christen ernsthaft zu prüfen. Sie dürften nicht wegen ihres Glaubens verfolgt werden. (Quelle: idea)

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