Das Übel der Boko Haram - KIRCHE IN NOT Österreich
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Das Übel der Boko Haram

Das Übel der Boko Haram

24.09.2014 aktuelles

Die christliche Welt konzentriert sich auf den Irak, wo Tausende Gläubige in ihrem eigenen Land Flüchtlinge sind, verfolgt, wenn nicht sogar Opfer der gnadenlosen Brutalität der islamistischen Extremisten des Islamischen Staates. Inzwischen steht das bevölkerungsreichste Land Afrikas  unter der Belagerung durch dschihadistische Kräfte, die genauso entschlossen sind, ihren Würgegriff durch eine unablässige Mordkampagne durchzusetzen, die kürzlich damit begann, dass Mädchen im Alter von 10 Jahren als Selbstmordattentäterinnen benutzt wurden. Dies ist die Situation in Nigeria, wo eine eher wirkungslose und unbeholfene Reaktion der Regierung dazu geführt hat, dass die Kirchenführer zu den wenigen in der Öffentlichkeit stehenden Personen gehören, denen die Menschen vertrauen.

Unter ihnen ist Erzbischof Ignatius Kaigama von Jos, der 56jährige Vorsitzende der nigerianischen Bischofskonferenz, einer der sichtbarsten und mutigsten kirchlichen Würdenträger des Landes. In Jos, wo Boko Haram im vergangenen Mai an einem einzigen Tag zwei Bombenattentate verübt hat, bei denen mehr als 100 Menschen ums Leben kamen, ist der Erzbischof eindeutig in Gefahr. Dennoch lehnt er es kategorisch ab, sich bei seinen Pastoralvisiten von bewaffneten Personenschützern begleiten zu lassen. 

“Ich habe kein Sicherheitskommando”, sagte er kürzlich gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk “Kirche in Not” bei einem Besuch in dessen Nationalbüro in New York. „Eine solche würde Übeltäter nur anziehen. Außerdem würde es mich zu einem Gefangenen machen, wenn ich mich schützen würde. Es würde dazu führen, dass die Menschen Angst haben. Stellen Sie sich vor, die Priester würden mit Personenschutz herumlaufen! Wir glauben daran, dass Gott mit uns ist. Wir glauben daran, dass wir trotz dieser schlimmen Machenschaften der Terroristen triumphieren werden“. 

Der Erzbischof halt es für seine Aufgabe, “präsent zu sein” und dorthin zu gehen, wo die Menschen sind, „auch wenn in der Nähe Gewalt stattfindet. „Unsere Führer“, so beklagt er, „sind einfach nicht sehr sensibel für die Armen“, während die Kirche – trotz ihrer „begrenzten Mittel“ – tue, was sie könne, um Christen und Muslimen gleichermaßen zu helfen und dabei  „politische und religiöse Trennungen zu überwinden“.

Schon vor dem Auftauchen von Boko Haram, das, wie er sagt, auf “ernstzunehmende Sympathisanten innerhalb und außerhalb von Nigeria“ zurückgeht – war der Erzbischof ein Pionier dessen, was er den „Dialog des Lebens“ nennt. Dies ist eine Herangehensweise an den muslimisch-christlichen Dialog, die die großen theologischen Unterschiede zwischen den beiden Religionen realistisch sieht und daher vor allem darauf abzielt, an der Basis Freundschaft zu schließen und in Kontakt zu kommen. Der „Dialog“ erkenne an, dass „dein Leben auch mein Leben und mein Leben auch das deine betrifft“, wie es der Erzbischof beschreibt.

Der Erzbischof nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wenn man tötet und dabei nicht nur Kämpfer auslöscht, sondern auch Frauen und Kinder, arme Leute, dann ist es böse. Diejenigen, die auf dem Markt von Jos ums Leben kamen, waren Händler von Orangen, Erdnüssen oder Milch, die am Abend ein bisschen Geld nach Hause bringen wollten. Diese Tat ist ein Ausdruck des Bösen.“

Furcht ist ihm nicht fremd: “Es ist normal, Angst zu haben”, sagt der Erzbischof, “aber ich habe alles aufgegeben, um Gott und Seinem Volk zu dienen. Ich habe keine biologische Familie, kein Eigentum, das ich das meine nennen könnte. Wenn ich mein Leben verlieren sollte, während ich das Recht der Menschen auf die Ausübung ihrer Religion und die Einheit der Menschheit verteidige, würde ich keine  Verbindlichkeiten hinterlassen. Dennoch hat man Angst vor dem Tod, und das gilt für jeden.“

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