Über 100 Christen seit 1 Woche verschollen - KIRCHE IN NOT Österreich
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Über 100 Christen seit 1 Woche verschollen

Die Christen Syriens sind in größter Sorge über das Schicksal ihrer am vergangenen Mittwoch in der Stadt Qaryatain entführten Glaubensgeschwister – mindestens 130, aber es könnten auch 250 sein. Am Wochenende sei es allerdings rund 30 Christen gelungen, aus der von den IS-Terroristen besetzten Stadt zu fliehen. Einige der Christen seien Schafzüchter und Hirten, die sich in der Gegend sehr gut auskennen, berichtete der Ordenmann P. Jihad Yousef am Mittwoch dem Hilfswerk „Kirche in Not“. Seit 5. August gibt es aber kein Lebenszeichen der restlichen Entführten.

Derzeit bemühten sich der syrisch-orthodoxe und der syrisch-katholische Bischof von Homs, über Mittelsmänner Kontakt zu den IS-Terroristen aufzunehmen. Es gebe aber keinerlei Anzeichen, dass die Terroristen wirklich verhandeln und die Geiseln freilassen wollen, so Yousef. Der syrisch-katholische Mönch verwies darauf, dass die IS-Terroristen den Christen normalerweise drei Optionen vorlegen: Bezahlung der „Jizya“, der Sondersteuer für Christen, Konversion zum Islam oder Verlassen des Landes. Die letztgenannte Option sei offensichtlich nicht angeboten worden, „denn dann hätten die Christen sofort von sich aus die Stadt verlassen“.

P. Jihad Yousef sagte in dem Interview, dass es keinerlei Kontakt mehr zum St. Elias-Kloster seiner Gemeinschaft in der eroberten Stadt gebe. Vielleicht würden auch deren im Mai entführte Mitglieder P. Jacques Mourad und Diakon Boutros Hanna Dekermenian in eine Lösung für die Geiseln einbezogen. Der Grund für die Entführung von P. Jacques Mourad sei offensichtlich sein erfolgreicher Einsatz für Dialog und Koexistenz von Christen und Muslimen gewesen. Der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien, Ignatius Aphrem II., rief unterdessen zum Gebet für die Freilassung der Entführten auf. Seit dem Abend des 5. August gebe es keine Nachrichten mehr über diese Menschen, man wisse nicht, ob sie leben oder ob sie ermordet wurden, so der örtliche Erzbischof Silvanos Al-Nemeh.

Die Entführten hätten ihr ganzes Leben in Qaryatain verbracht, „wo sie ein stilles Leben auf der Basis von Nächstenliebe, Zusammenarbeit und Frieden führten“. Zunächst hatte es geheißen, die IS-Terroristen hätten die Christen wegen angeblicher „Kooperation mit dem Assad-Regime“ der Freiheit beraubt. Nach Angaben des syrisch-orthodoxen Erzbischofs erfolgte die Eroberung von Qaryatain durch die IS-Terroristen am 5. August. Die Terroristen hätten zunächst alle Christen verhaftet, derer sie habhaft werden konnten. Dann seien 200 christliche Familien freigelassen worden, 100 christliche Familien würden weiterhin in der Befehlszentrale der Terroristen festgehalten. Die 200 freigelassenen Familien seien nach Homs geflüchtet, wo sie im Erzbischöflichen Palais aufgenommen wurden. Erzbischof Al-Nemeh: „Die Leute mussten aus ihren Häusern weg, ohne irgendetwas mitnehmen zu können, sie kamen nur mit dem, was sie auf dem Leib hatten. Wir bemühen uns, sie mit einem Dach über dem Kopf, Kleidung, Nahrung und Medikamenten zu versorgen“. Insgesamt seien aus Qaryatain und Sadad mehr als 1.500 christliche Familien geflüchtet bzw. vertrieben worden, so der Erzbischof.

Scharfe Kritik von Ignatius Yousif III.

Die IS-Terroristen hätten Komplizen in Qaryatain gehabt, weshalb man mit ihrer Ankunft schon länger gerechnet hatte, erklärte der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Yousif III. Younan im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Deshalb hätten nach der Entführung von P. Jacques Mourad viele christliche Familien die Stadt verlassen, nur rund 120 Familien seien in der Stadt verblieben.

Da alle Christen und Muslime Syriens zur selben Ethnie gehören, müsse man bei den aktuellen Vorgängen nicht von einer ethnischen, sondern von einer „religiösen Säuberung“ sprechen, erklärte der Patriarch. Die sonst auf Menschenrechte bedachten Regierungen des Westens würden sich zynisch verhalten, zumal sie vor dieser Tatsache die Augen verschließen: „Ihnen ist die Religionsfreiheit dieser Gemeinschaften, die über Hunderte von Jahren durch ihre Treue zum Evangelium dort durchgehalten haben, ziemlich egal“. (Quelle: Kathweb)

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