Israelische Siedler greifen christliches Dorf an

Israelische Siedler haben das einzige rein christliche Dorf im Westjordanland angegriffen. Der Vorfall ereignete sich am 25. Juni in Taybeh, östlich von Ramallah. Mindestens zehn Verletzte soll es gegeben haben. Wie die arabischsprachige katholische Nachrichtenplattform ACI Mena berichtet, hatten Siedler in den letzten Wochen einen Außenposten am östlichen Rand Taybehs errichtet. Das etwa 2.000 Einwohner zählende Dorf ist für seine Bierbrauerei bekannt. Laut ACI hatten israelische Siedler schon 2019 und 2020 ähnliche Außenposten rund um die Stadt errichtet, oft begleitet von Brandanschlägen auf Ernten, Diebstahl von Geräten und dem absichtlichen Freilassen von Vieh auf den Feldern, um die Ernten zu zerstören. Der Priester der lokalen Kirche „Christus der Erlöser“, Bashar Fawadleh, berichtete gegenüber ACI: „Die Stadt, die im Johannesevangelium als ‚Ephraim‘ bezeichnet wird – der Ort, an den sich Jesus vor seinem Leiden zurückzog –, ist heute für ihre Bewohner nicht mehr sicher. Wir leben nicht in Frieden, sondern in täglicher Angst und Belagerung.“ Aufgrund der wiederkehrenden Übergriffe seien mehr als zehn Familien aus der Stadt weggezogen, so der Geistliche. Er beklagte: „Derzeit weiden Siedler ihre Kühe auf einem Hügel mit Oliven- und Gerstenfeldern direkt neben den Häusern der Menschen. Die Einheimischen sehen dies als Teil einer systematischen Strategie, sie wirtschaftlich zu strangulieren und zu vertreiben.“ Der Abt der deutschsprachigen Benediktiner-Abtei Dormitio in Jerusalem, Nikodemus Schnabel, verurteilte den Übergriff. Auf dem Kurznachrichtenkanal „X“ schrieb er: „Taybeh ist das einzige Dorf in der Westbank, in dem ausschließlich Christen leben! Es gibt dort drei sehr lebendige Pfarren: eine griechisch-orthodoxe, eine melkitische griechisch-katholische und eine lateinische. Wann endet dieser unfassbare Hass?“
Drei Tote im Nachbarort
Am selben Tag griffen israelische Siedler auch den muslimischen Nachbarort Kafr Malik an. Medienberichten zufolge hatten die Siedler in der Ortschaft nordöstlich von Ramallah mehrere Häuser und Autos angezündet. Zudem bewarfen sie die Bewohner mit Steinen und gaben Schüsse ab. Um die Lage zu beruhigen, rückte die israelische Armee an. Ihren Angaben nach wurden sie sowohl von den Siedlern als auch von bewaffneten Palästinensern beschossen und mit Steinen beworfen. Die Soldaten erwiderten das Feuer. Drei Palästininser starben dabei, sieben wurden verletzt. Medienberichten zufolge nahm die Armee fünf Siedler fest und übergab sie der Polizei. Sie seien am nächsten Tag wieder auf freien Fuß gekommen. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Gewalt und gab der israelischen Regierung die Schuld dafür. Wie die Internetzeitung „Times of Israel“ berichtete, erklärte das israelische Militär das Gebiet rund um Kafr Malik zur militärischen Sperrzone. Laut der Tageszeitung „Haaretz“ bauten die Soldaten den illegal errichteten Außenposten der Siedler ab. Dies führte in den vergangenen Tagen zu mehreren Ausschreitungen in einer nahe gelegenen Militärbasis und Polizeistation durch die israelischen Siedler. Ihre Angriffe auf israelische Soldaten lösten in der Öffentlichkeit Empörung aus. Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz verurteilten die Vorfälle. (Quelle: ACI Mena, Bild: Taybeh, Ralf Lotys/wikipedia)