Kath. Bischöfe verlangen Aufklärung über Tötung von Christen

Die katholischen Bischöfe Äthiopiens haben eine umfassende Untersuchung der jüngsten Gewalt gegen orthodoxe Christen in der Arsi-Zone der Region Oromia gefordert. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte die Katholische Bischofskonferenz von Äthiopien (CBCE).
Auslöser der Stellungnahme ist eine Serie schwerer Angriffe. Bei einem der jüngsten Vorfälle wurden nach Berichten sechs Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt. Ziel war demnach das Kloster Tte Adbaraat Wetaekka Negesat Atronse Mariam im Bezirk Mahal Saint in der Region Amhara. Der Angriff ereignete sich am 28. Februar, nur zwei Tage nach einer weiteren Bluttat in Ost-Arsi.
Dort sollen Extremisten am 26. Februar einen Markt überfallen und das Feuer auf Zivilisten eröffnet haben. Berichten zufolge kamen dabei rund 20 orthodoxe Christen ums Leben, darunter auch ein Priester. Mehrere weitere Menschen wurden demnach verschleppt.
Örtliche Quellen berichten, die Angreifer seien unter religiösen Rufen in eine Kirche eingedrungen und hätten anschließend auf die Menschen im Inneren geschossen. Danach hätten sie Häuser und Felder in Brand gesetzt. Viele Bewohner flohen aus Angst in nahegelegene Orte.
In einer Erklärung, die ACI Africa am 10. März veröffentlichte, äußerten die katholischen Bischöfe ihre „tiefe Trauer“ und verurteilten die Tötung unschuldiger Zivilisten im ganzen Land mit scharfen Worten. Die Gewalt in der Arsi-Zone nannten sie besonders brutal.
Die vorsätzliche Tötung unschuldiger Menschen sei eine schwere Sünde vor Gott und verletze die unveräußerliche Würde jedes Menschen, erklärten die Bischöfe. Gewalt gegen wehrlose Zivilisten lasse sich weder religiös noch ethnisch oder politisch rechtfertigen.
Zugleich forderten sie die Behörden auf, die Vorfälle gründlich zu untersuchen und die Täter vor Gericht zu bringen. Der Schutz unschuldiger Bürger sei eine grundlegende Pflicht des Staates.
Die Bischöfe bekundeten außerdem ihre Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen. Besonders gelte ihre Anteilnahme den orthodoxen Christen, die bei den Angriffen Familienmitglieder verloren hätten. Die katholische Kirche stehe an der Seite der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche, des Obersten Rates für Islamische Angelegenheiten in Äthiopien sowie aller Religionsgemeinschaften, die Gewalt ablehnten und die Heiligkeit des Lebens verteidigten.
Nach Einschätzung von Open Doors deutet vieles darauf hin, dass die Angriffe auf orthodoxe Christen gezielt und organisiert erfolgen. Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche (EOTC) berichtete, dass allein im Oktober 2025 in der Ost-Arsi-Zone mehr als 25 Zivilisten getötet worden seien.
Bereits im November hatten die katholischen Bischöfe Angriffe vom 25. und 27. Oktober verurteilt. Dabei seien Menschen ums Leben gekommen und Eigentum von Angehörigen der katholischen Gemeinschaft zerstört worden.
Open Doors sieht als einen möglichen Hintergrund der Übergriffe, dass Behörden muslimische Ansiedlungen begünstigten und muslimische Bürger bei staatlichen Arbeitsplätzen gegenüber orthodoxen Christen bevorzugten.
Nach Schätzungen der US-Regierung gehören 44 Prozent der äthiopischen Bevölkerung der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Rund 31 Prozent sind sunnitische Muslime, weitere 23 Prozent zählen zu evangelikalen und pfingstkirchlichen Gemeinschaften. Besonders stark vertreten ist der Islam demnach in den Regionen Oromia, Afar und Somali.
Einheimische beschrieben das Gebiet bislang als historisch friedlich und von einem Zusammenleben von Muslimen und orthodoxen Christen geprägt.
Die katholischen Bischöfe warnten zugleich davor, die Gewalt zur weiteren Spaltung des Landes zu missbrauchen. Alle Äthiopier seien aufgerufen, Hass zurückzuweisen und sich nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen, heißt es in der Erklärung vom 6. März. Abschließend erinnerten sie an das Bibelwort: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“
Die Seelen der Verstorbenen vertraue man der Barmherzigkeit Gottes an, erklärten die Bischöfe. Zugleich beteten sie für Trost für die Hinterbliebenen, Heilung für die Verletzten und Frieden für das Land. (Quelle: aciafrica, Foto: CBCE)