Oberstes Gericht bestätigt Todesurteil gegen Christen

Das Oberste Gericht Pakistans hat das Todesurteil gegen Qaiser Ayub, einen christlichen Vater von drei Kindern, bestätigt und seinen jüngeren Bruder Amoon Ayub freigesprochen. Der Blasphemiefall sorgt seit mehr als einem Jahrzehnt international für Aufmerksamkeit.
Am Mittwoch, dem 7. Oktober, wies ein Richtergremium unter dem Vorsitz von Richter Muhammad Hashim Khan Kakar Qaisers Berufung gegen den Schuldspruch und das Todesurteil zurück. Amoon wurde mangels ausreichender Beweise freigesprochen.
Die Hilfsorganisation CLAAS-UK (Centre for Legal Aid, Assistance and Settlement) unterstützt Qaiser seit mehreren Jahren. Sie begrüßte Amoons Freispruch, bezeichnete die Entscheidung über seinen Bruder jedoch als zutiefst erschütternd. Die Organisation forderte, alle verbleibenden rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Qaisers Leben zu retten.
Ein Verfahren, das sich über fünfzehn Jahre erstreckt
Der Fall begann 2011 mit dem Vorwurf, auf einer Qaiser zugeschriebenen Website seien blasphemische Inhalte veröffentlicht worden. Qaiser erklärte, er habe die Website bereits 2009 geschlossen. Eine andere Person habe sie später wieder aktiviert und dabei seinen Namen in den Urheberrechtsangaben stehen lassen. Für die beanstandeten Inhalte sei er nicht verantwortlich gewesen.
Berichten zufolge gingen den Anschuldigungen Meinungsverschiedenheiten zwischen Qaiser und Bekannten an seinem Arbeitsplatz voraus. Aus Angst um ihre Sicherheit flohen die Brüder nach Singapur und Thailand, bevor sie nach Pakistan zurückkehrten. Dort wurden sie 2014 festgenommen.
Am 13. Dezember 2018 verurteilte ein Gericht beide Brüder zum Tod. Aus Sicherheitsgründen fand das Verfahren im Gefängnis von Jhelum statt. Das Hohe Gericht von Lahore bestätigte beide Schuldsprüche im Juni 2022. Im Jahr 2025 äußerten Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen erhebliche Bedenken gegen die Todesurteile. Sie stellten unter anderem die Beweislage und die Anwendung der Todesstrafe bei Blasphemiedelikten infrage.
Fragen zur digitalen Beweislage
Die Anklage gegen Qaiser soll sich wesentlich auf elektronische Beweismittel gestützt haben, die Berichten zufolge auf einem von der Polizei beschlagnahmten Laptop gefunden wurden. CLAAS-UK betonte, dass digitale Beweismittel in jedem Verfahren, in dem die Todesstrafe droht, höchsten Anforderungen an Überprüfung, Echtheitsnachweis und richterliche Prüfung genügen müssten.
Die Hilfsorganisation warnte außerdem davor, dass das Urteil den Umgang mit künftigen Fällen prägen könnte, in denen die Verantwortung für Onlineinhalte umstritten ist. Dies könnte Folgen für Christen und andere religiöse Minderheiten haben, denen Blasphemie vorgeworfen wird.
Qaiser ist im Gefängnis von Sahiwal inhaftiert. Seine Frau und seine drei Kinder leben seit Jahren mit der Trennung und der Ungewissheit über sein Schicksal.
Der Missbrauch der Blasphemiegesetze bleibe eine der schwerwiegendsten Herausforderungen für religiöse Minderheiten in Pakistan. Blasphemievorwürfe werdem missbraucht werden, um persönliche Streitigkeiten auszutragen, schutzbedürftige Menschen einzuschüchtern oder Personen wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit ins Visier zu nehmen. Schon eine Anschuldigung allein kann den Ruf, die Existenzgrundlage und das Familienleben eines Menschen zerstören – noch bevor irgendein Beweis vor Gericht geprüft wurde. (Quelle: CLAAS, Foto: Usman Ghani/wikipedia)