Christen nicht nur mit Waffen verfolgt



Bischof Habila Daboh Nigeria

Entführungen, Bauverbote, Diskriminierung: Laut Bischof Habila Daboh aus der Diözese Zaria werden Christen im Norden Nigerias nicht nur angegriffen, sondern systematisch ausgegrenzt. Lösegeldforderungen und Zwangsehen bedrohten Gemeinden.

Bischof Daboh äußerte sich am Sonntag in Augsburg bei einer Veranstaltung von KIRCHE IN NOT. Hindernisse gebe es etwa beim Zugang zu höherer Bildung, zu Arbeitsplätzen und öffentlichen Ämtern. In einigen Bundesstaaten hätten Christen Probleme, Bescheinigungen zu erhalten, die für Stipendien, Beschäftigung und den Zugang zu staatlichen Leistungen nötig seien. Zudem würden regelmäßig Genehmigungen zum Bau oder zur Reparatur von Kirchen verweigert. Historische Gotteshäuser würden abgerissen. Doch auch Gewalt gegen Christen gebe es weiterhin, beklagte der Bischof. In den vergangenen Jahren hätten im Norden des Landes Entführungen zugenommen. Bewaffnete Angreifer stürmten Kirchen während Gottesdienste gefeiert würden, fingen Priester auf einsamen Landstraßen ab oder drängen nachts in christliche Häuser ein. Die Entführten würden oft unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten und mit dem Tod bedroht, wenn nicht hohe Lösegelder bezahlt würden. Dies bringe die ohnehin armen Gemeinden dazu, Ackerland, Vieh oder Erbstücke zu verkaufen.

Entführungen mit weitreichenden Folgen

Nach der Freilassung kämen die Überlebenden mit tiefen Traumata zurück. Die Gefahr derartiger Entführungen verbreite Angst und schwäche das christliche Leben in der Region. Zudem gebe es Fälle, in denen junge Christen gewaltsam zur Konversion zum Islam gebracht würden und ohne Zustimmung ihrer Familien verheiratet würden. Derartige Taten zerstörten nicht nur das Leben Einzelner, sondern zielten auch darauf ab, die Zukunft der christlichen Gemeinschaft zu zerstören. In Nigeria bekennen sich gut die Hälfte der 230 Millionen Einwohner zum Islam. In zwölf Bundesstaaten im muslimisch geprägten Norden gilt die Scharia.