Enteignetes Land zurückgeben!

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hat den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, enteigneten Grundbesitz an das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin (Berg der Gottesknechte) im Südosten des Landes zurückzugeben. Anlass ist ein Besuch Erdogans in Berlin. Er hält am 4. Februar eine Wahlkampfrede vor Landsleuten. In der Türkei finden im März Kommunalwahlen statt. Auch 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken sind wahlberechtigt. Im September 2013 hatte Erdogan in Aussicht gestellt, die Enteignung zurückzunehmen. Er wolle „ein Unrecht beseitigen“. 2011 hatte ein Gerichtshof in Ankara dem Staat große Teile des klösterlichen Grundbesitzes übertragen. Mor Gabriel ist das wichtigste syrisch-orthodoxe Kloster in der Türkei. In dem Gebiet leben noch etwa 3.000 Aramäisch sprechende syrisch-orthodoxe Christen.
Aramäer: Bis heute nichts geschehen
Wie der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir (Heidelberg), erklärte, hat Erdogan auf seine Ankündigung vom September bisher keine Taten folgen lassen: „Die Klosterleitung und die aramäische Gemeinschaft weltweit warten weiter auf die Umsetzung.“ Man fordere die Rückgabe sämtlicher enteigneter Klosterländereien. Die Aramäer seien in der Türkei nicht als Minderheit anerkannt und könnten auch „das elementare Menschenrecht der Religionsfreiheit“ nicht ausüben. Demir rief Erdogan zu einer neuen, glaubwürdigen Minderheitenpolitik auf. Nötig sei „eine neue Verfassung, in der auch die offizielle Anerkennung der Aramäer als Minderheit verankert ist“. Das Kloster Mor Gabriel wurde im Jahr 397 gegründet und ist eines der ältesten Klöster der Christenheit. Aus dem Tur Abdin sind in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 300.000 syrisch-orthodoxe Christen nach Europa geflohen, um Verfolgung und Ermordung durch Türken und Kurden zu entgehen. Die Türkei hat 75,6 Millionen Einwohner, von denen 95 Prozent Muslime sind. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000; darunter sind etwa 4.000 Evangelikale. (Quelle: idea, Foto:Christian Koehn)