Hindu-Nationalisten greifen katholische Kirche an

Im indischen Bundesstaat Westbengalen sollen rund 200 hindu-nationalistische Aktivisten eine katholische Kirche angegriffen und mehrere Gläubige verletzt haben. Hintergrund sind Vorwürfe angeblicher religiöser Zwangsbekehrungen, die von kirchlicher Seite zurückgewiesen werden. Der zuständige Bischof von Krishnanagar, Nirmol Vincent Gomes, verurteilte die Gewalt und forderte den Schutz der katholischen Bevölkerung.
Im Dorf Jalalkhai im Distrikt Nadia im ostindischen Bundesstaat Westbengalen ist es am Freitag, dem 9. Oktober, zu einem Angriff auf die katholische St.-Louis-Kirche gekommen. Nach Angaben des Pfarrers Jithin Muthukattil versuchten rund 200 Aktivisten der hindu-nationalistischen Organisation Vishwa Hindu Parishad gegen 18 Uhr gewaltsam auf das Kirchengelände vorzudringen. Sie seien mit Fahrzeugen gekommen und hätten Ziegelsteine und Bambusstöcke mitgeführt.
Gemeindemitglieder versuchten zunächst, das Eingangstor zu verschließen und mit Bambus zu verbarrikadieren. Die Angreifer hätten jedoch Steine und Ziegel geworfen, seien gewaltsam auf das Gelände eingedrungen und hätten provisorische Tore sowie Glasabdeckungen von Heiligenstatuen beschädigt, darunter auch die einer Christusstatue. Mehr als zehn Männer und Frauen, die sich den Angreifern entgegenstellten, seien geschlagen worden. Gegen 19 Uhr traf die Polizei ein und brachte die Situation unter Kontrolle. Nach Angaben eines Vertreters der diözesanen Laienkommission wurden zunächst keine Verantwortlichen festgenommen.
Gebetsveranstaltung vorzeitig beendet
Zum Zeitpunkt des Angriffs hatten sich rund 1.900 Christen der indigenen Santhal-Gemeinschaft aus umliegenden Gebieten zu einer viertägigen Gebetsveranstaltung im Divine Love Retreat Centre versammelt, das zur Pfarre gehört. Die Veranstaltung hatte am 8. Oktober begonnen. Aufgrund des Angriffs und weiterer Drohungen wurde sie jedoch bereits am 10. Oktober nach der Heiligen Messe und dem Frühstück beendet. Pfarrer Muthukattil erklärte, dass die jährlich stattfindende Gebetsveranstaltung in den vergangenen zwölf Jahren keinen vergleichbaren Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei.
Bischof spricht von schwerster Gewalt in seiner Diözese
Der zuständige Bischof von Krishnanagar, Nirmol Vincent Gomes, zeigte sich bestürzt über den Vorfall. Gegenüber UCA News bezeichnete er die Ereignisse als die schlimmste Form von Gewalt, die seine Diözese bislang erlebt habe. Priester und Ordensfrauen hätten bereits am 9. Oktober Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie fordern die Festnahme der Verantwortlichen und Schutz für die verängstigten katholischen Gläubigen. Ein leitender Polizeibeamter bestätigte gegenüber UCA News, dass eine Anzeige eingegangen sei und die Ermittlungen liefen.
Kirche weist Vorwürfe religiöser Bekehrungen zurück
Die Angreifer warfen den kirchlichen Veranstaltern vor, Hindus zum Christentum zu bekehren. Ein Vertreter der Vishwa Hindu Parishad behauptete, in mehreren Regionen Westbengalens würden Menschen mit Geld und Wundversprechen zu einem Religionswechsel bewegt. Der Kanzler der Erzdiözese Kalkutta, Pater Dominic Gomes, wies die Anschuldigungen zurück. Die Gebetsveranstaltungen dienten nicht dazu, Menschen zum Christentum zu bekehren. Vielmehr sollten sie den Teilnehmern Gelegenheit zum Gebet, zur geistlichen Unterstützung und zur Erneuerung ihres Glaubens geben. Bei einer fairen und objektiven Prüfung anhand von Fakten und Beweisen würden sich die Bekehrungsvorwürfe als unbegründet erweisen, erklärte Gomes.
Auch Herod Mullick, Gründungssekretär des Bengal Christian Council, äußerte sich besorgt. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich zunehmend in verschiedenen Teilen des Bundesstaates. Er förderte die Behörden zu einer unverzüglichen und unparteiischen Untersuchung auf. Zudem müsste die öffentliche Ordnung gewährleistet und die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft gezogen werden. (Quelle: Vatican News)