Spuckattacken zeigen zunehmende Christenfeindlichkeit in Israel

In der Jerusalemer Altstadt werden christliche Geistliche, Ordensfrauen und kirchliche Einrichtungen immer häufiger Ziel von Beschimpfungen, Spuckattacken, Vandalismus und Einschüchterungen. Besonders häufig gingen die Vorfälle von jungen religiösen Israelis aus. Bei einem nationalistischen Marsch im Mai seien allein im Umfeld des armenisch-apostolischen Patriarchats mindestens zwölf Spuckattacken dokumentiert worden.
Nach Angaben eines israelischen Zentrums zur Beobachtung der Religionsfreiheit wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 107 christenfeindliche Vorfälle registriert – mehr als doppelt so viele wie im entsprechenden Zeitraum 2024. Die meisten ereigneten sich in oder nahe der Jerusalemer Altstadt. Neben Spucken und verbalen Angriffen wurden auch christenfeindliche Graffiti, Müllwürfe auf Klöster sowie tätliche Übergriffe gemeldet.
Der deutsche Benediktinerabt Nikodemus Schnabel berichtet, dass sich die Lage seit seiner Ankunft in Jerusalem im Jahr 2000 deutlich verschlechtert habe. Heute werde er beinahe täglich angespuckt oder wegen seines Brustkreuzes angefeindet. Eine französische Ordensfrau wurde im April auf dem Zionsberg zu Boden gestoßen und am Kopf verletzt. Manche Ordensfrauen trauten sich inzwischen nur noch mit Begleitung auf die Straße.
Eine Ursache ist eine zunehmende Unkenntnis über das Christentum unter jungen Israelis. Viele nähmen das Christentum vor allem durch die Geschichte christlicher Gewalt gegen Juden wahr. Hinzu kämen Ängste vor Missionierung sowie die Auffassung, christliche Bilder und Heiligenfiguren seien Götzendienst. Laut einer Umfrage glaubt inzwischen etwa die Hälfte der israelischen Bevölkerung, dass Juden keine Kirche betreten dürften.
Zudem beklagen Kirchenvertreter Steuerforderungen für kirchliche Immobilien, Schwierigkeiten bei der Ausstellung von Visa für christliche Organisationen und Einschränkungen beim Zugang zu heiligen Stätten. Im März sei Kardinal Pierbattista Pizzaballa zunächst daran gehindert worden, zum Palmsonntagsgottesdienst die Grabeskirche zu betreten. Die israelischen Behörden hätten dies später als Fehler eingeräumt.
Die israelische Regierung betont, sie verteidige die Religionsfreiheit. Kritiker werfen den Behörden jedoch vor, christenfeindliche Vorfälle nicht entschieden genug zu verfolgen. (Quelle: Wall Street Journal)