Mehr als 3.000 Tote und 400 angegriffene Kirchen in acht Monaten

Die nigerianische Menschenrechtsorganisation Intersociety (International Society for Civil Liberties and Rule of Law) schlägt erneut Alarm wegen einer nach eigenen Angaben eskalierenden Welle tödlicher Angriffe auf Christen in Nigeria. Laut einem Bericht der Organisation wurden zwischen Jänner und August 2026 mehr als 3.000 Christen getötet, über 3.100 verschleppt und 400 Kirchen angegriffen.
In dem von Intersociety-Vorsitzendem Emeka Umeagbalasi veröffentlichten Bericht ist die Rede von 3.083 getöteten und 3.193 entführten Christen in Angriffen, die die Organisation islamistischen Extremistengruppen zuschreibt. Diese Zahlen sind unabhängige Angaben der Organisation, die von Sicherheitsbehörden bislang nicht offiziell bestätigt wurden.
25 Geistliche betroffen, Hunderte Kirchen angegriffen
Der Bericht zufolge wurden im selben Zeitraum 25 Angehörige christlicher Geistlichkeit – Priester und Pastoren – getötet oder entführt, während in verschiedenen Landesteilen Hunderte Kirchen gewaltsamen Angriffen ausgesetzt gewesen sein sollen.
Umeagbalasi erklärte, der Bericht stütze sich auf Informationen von Anwohnern, Augenzeugen, Überlebenden und lokalen Quellen in den betroffenen Gebieten. Die Zahlen würden jene Angriffe widerspiegeln, die die Organisation als religiös motiviert einstuft.
Zuspitzung im Juli und August
Laut dem Bericht verschärfte sich die Gewalt im Juli und August: In diesen beiden Monaten sollen 437 Christen getötet und 393 entführt worden sein. Allein auf den August entfielen demnach 138 Todesopfer und 180 Entführungen. Die Bundesstaaten Plateau und Benue verzeichneten dabei einige der schwersten Vorfälle.
Der Bericht listet zudem mutmaßliche Angriffe in Kaduna, Adamawa, Edo, Kogi, Ondo, Imo, Enugu und weiteren Bundesstaaten auf. Christliche Gemeinschaften seien dort weiterhin koordinierten Übergriffen, Entführungen und Angriffen auf Gotteshäuser ausgesetzt.
Verantwortliche und Entführungsfälle
Intersociety zufolge sollen bewaffnete Gruppen mit Fulani-Hintergrund für einen erheblichen Teil der dokumentierten Angriffe verantwortlich sein; daneben macht die Organisation auch andere in Nigeria aktive islamistische Extremistengruppen für gezielte Gewalt gegen christliche Gemeinschaften verantwortlich.
Zu den Entführungen heißt es, mindestens 92 christliche Reisende seien im August in einzelnen Vorfällen in den Bundesstaaten Benue, Kogi und Ondo verschleppt worden. Rund 120 der 180 im August entführten Christen sollen aus dem Südosten des Landes stammen, darunter Reisende auf dem Weg nach Lagos und Abuja.
„Dunkelziffer“ nicht unabhängig bestätigt
Umeagbalasi zufolge enthält der Bericht auch, was die Organisation als „Dunkelziffer“ bezeichnet – geschätzte Opfer, deren Tod oder Verschwinden nicht unabhängig bestätigt werden konnte, die aber auf Basis von Feldinformationen und lokalen Berichten als wahrscheinlich gelten.
Intersociety forderte die nigerianische Bundesregierung auf, die Sicherheit in gefährdeten Gemeinden dringend zu verstärken, die nachrichtendienstliche Aufklärung zu verbessern, Gotteshäuser zu schützen und dem zunehmenden Muster von Entführungen und Tötungen im Land entgegenzuwirken. (Quelle: The Will)