Erneute Angriffe auf Christen: „Systematische Einschüchterung“

Zwei evangelikale Hauskirchen sind von hindu-nationalistischen Schlägertrupps angegriffen worden. Die christliche Organisation Bangiya Christiya Parisheba hat in den vergangenen drei Monaten 26 Fälle von Verfolgung dokumentiert. Anzeigen bei der Polizei blieben jedoch weitgehend ohne Folgen.
Im indischen Bundesstaat Westbengalen sind am vergangenen Wochenende innerhalb von 24 Stunden zwei Hauskirchen von gewalttätigen Gruppen aus dem hindu-nationalistischen rechten Spektrum angegriffen worden. Die Vorfälle ereigneten sich in Barrackpore im Distrikt North 24 Parganas und in Khejuri im Distrikt Purba Medinipur. Sie markieren eine alarmierende Verschärfung der gezielten Gewalt gegen religiöse Minderheiten.
Die koordinierten Angriffe haben in der örtlichen christlichen Gemeinschaft große Empörung ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen sprechen von systematischer Einschüchterung und werfen den zuständigen staatlichen Behörden Untätigkeit vor.
Gottesdienst gestürmt, Pastor und Gläubiger geschlagen
Am Sonntag, dem 20. September, fand gegen Mittag ein Gebetsgottesdienst der Dekhali Church and Mission in Dekhali Jalpai im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Khejuri statt. Während Pastor Chintamoni Midde den Gottesdienst leitete, umstellten mehr als 50 unbekannte Personen das Gebäude. Sie behaupteten, der rechtsgerichteten Gruppierung Bajrang Dal anzugehören.
Nach Angaben des Zeugen Bhagyadhar Jana in seiner Anzeige drangen die Angreifer gewaltsam in das Gebäude ein. Sie schlugen und traten ihn sowie den Pastor und beschimpften die versammelte Gemeinde wegen ihres Glaubens. Bevor sie gingen, bedrohten sie die Anwesenden und forderten sie auf, sämtliche kirchlichen Aktivitäten sofort einzustellen und die Gegend zu verlassen.
Die örtliche Vertretung der Bangiya Christiya Parisheba (BCP), einer bedeutenden regionalen christlichen Organisation, verständigte die Polizei in Khejuri und erstattete Anzeige. Die Polizei kam vor Ort, um die Lage zu beruhigen. Die Spannungen bleiben jedoch groß.
Bibeln zerrissen und drei Frauen misshandelt
Bereits am Vortag, Samstag, dem 19. September, hatte sich gegen 14 Uhr ein ähnlicher Vorfall in Billa Depot in Barrackpore ereignet, im Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Mohanpur. Eine Gruppe von 50 bis 60 alkoholisierten Personen, bewaffnet mit Eisenstangen und anderen Schlagwaffen, stürmte das Privathaus von Puja Satyaki. Dort fand ein nachmittägliches Gebetstreffen statt.
Dem Zeugen Sanjit Sardar zufolge warteten acht oder neun Gläubige gerade auf weitere Teilnehmende, als der Mob das Haus verwüstete, Haushaltsgegenstände raubte, Bibeln zerriss und Gesangbücher zerstörte. Drei Frauen wurden geschlagen und beschimpft, anschließend aus dem Haus gezerrt und der Polizeistation Mohanpur übergeben.
Die BCP-Rechtsanwälte Aditya Tewari und Samarjit Dey schalteten sich bei der Polizei ein. Während sich die Beamten um die Opfer kümmerten, belagerte ein feindseliger Mob die Polizeistation. Die Beteiligten wurden als Mitglieder des Bajrang Dal identifiziert. Die bedrohliche Atmosphäre verzögerte die Freilassung der traumatisierten Frauen.
Christliche Organisation beklagt Straflosigkeit
Gegenüber AsiaNews berichtete die Bangiya Christiya Parisheba von einer alarmierenden Zunahme unprovozierter Angriffe, von Vandalismus und Gewalt gegen Kirchen und Gläubige in Westbengalen sowie in anderen Bundesstaaten. Seit dem Wahlsieg der BJP und ihrer Übernahme der örtlichen Regierungsgewalt würden extremistische Gruppen nach Angaben der Organisation völlig straflos agieren. Sie verbreiteten Videos ihrer Gewalttaten im Internet und beschädigten damit Indiens Ansehen als säkularer und demokratischer Staat.
Die BCP wandte sich auch an Mohan Bhagwat, den Anführer des Sangh Parivar. Unter Verweis auf seine jüngsten Reden in New York und London, in denen er ein harmonisches Zusammenleben betont hatte, forderte sie ihn auf, seine moralische Autorität einzusetzen, um die Angriffe zu stoppen.
Bereits in einem Schreiben vom 17. September an die Regierungsführung Westbengalens hatte die Organisation ihre Sorge um die Sicherheit von Gebetsstätten zum Ausdruck gebracht. Dem Brief zufolge leben in Westbengalen mehr als 1,3 Millionen Christen. Ihre Gemeinschaft engagiert sich seit Jahrhunderten im Bildungswesen, in der Gesundheitsversorgung und in der sozialen Hilfe. Heute sehe sie sich jedoch Falschdarstellungen, Propaganda, Gewalt und Schikanen ausgesetzt.
Forderung nach Ermittlungen und Polizeischutz
In den vergangenen drei Monaten hat die BCP nach eigenen Angaben 26 Fälle von Verfolgung dokumentiert und elf Anzeigen erstattet. In den meisten Fällen seien diese jedoch ohne weitere Maßnahmen geblieben.
Die Organisation fordert deshalb transparente Ermittlungen zur Identifizierung der Täter sowie ausreichenden Polizeischutz für Kirchen, Gebetsräume und gefährdete christliche Einrichtungen in allen Distrikten. (Quelle: AsiaNews)