Inhaftierte Christin tritt wegen verweigerter Bibel und Todesdrohungen in Hungerstreik

Die zum Christentum konvertierte Ghazal Marzban, die im Teheraner Evin-Gefängnis eine Haftstrafe von mehr als neun Jahren verbüßt, ist in Hungerstreik getreten. Sie protestiert dagegen, dass ihr eine Bibel verweigert und ihr wegen der Abkehr vom Islam mit dem Tod gedroht wird.
Marzban, die Anfang dieses Monats in der Frauenabteilung des Gefängnisses ihren 43. Geburtstag verbrachte, nimmt vorliegenden Informationen zufolge seit Samstag weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich.
Es ist bereits ihr zweiter Hungerstreik innerhalb von drei Monaten. Im Juni hatte sie nach ihrer Verurteilung zu neun Jahren und acht Monaten Haft wegen „Propaganda gegen den Staat“ sowie „Versammlung und Absprache gegen die nationale Sicherheit“ einen elftägigen Hungerstreik unternommen.
Bibel verweigert und Widerruf des Glaubens verlangt
Nach Informationen von Article18 wurde Marzban mitgeteilt, dass nur Iraner, die in christliche Familien hineingeboren wurden, im Gefängnis eine Bibel besitzen dürften. Für Menschen, die zum Christentum konvertiert sind, gelte dieses Recht nicht.
Auch eine britische Mitgefangene soll für Marzban um eine Bibel gebeten haben – ebenfalls vergeblich. Vermutlich handelt es sich um Lindsay Foreman, die seit Jänner 2025 gemeinsam mit ihrem Ehemann Craig inhaftiert ist. Das Paar war als Reisende im Land unterwegs.
Berichten zufolge soll ein Richter Marzban zudem aufgefordert haben, eine schriftliche Reueerklärung zu unterzeichnen und in einer Videoaufnahme ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Andernfalls drohe ihr die Todesstrafe wegen Apostasie, also der Abkehr vom Islam.
Frühere Haft, Misshandlungen und Bericht über Vergewaltigung
Marzban hatte bereits zwei Monate im Evin-Gefängnis verbracht, nachdem sie wegen „Propaganda gegen das Regime durch das Rufen von Parolen“ verurteilt worden war. Seit ihrer erneuten Festnahme im Jänner befindet sie sich wieder in Haft.
Die zum katholischen Glauben konvertierte Frau wurde im Juli geschlagen und erlitt dabei einen Bruch an der linken Hand. Im August veröffentlichte sie einen bewegenden Brief, in dem sie von einer „brutalen“ Vergewaltigung in einem Haftzentrum des Geheimdienstministeriums berichtete. Diese habe sich nach ihrer ersten Festnahme im Mai 2023 ereignet. (Quelle: Article18, Bild: TUBS/wikipedia)