Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 44 von 49
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Während der Corona-bedingten Ausgangssperren ist in Pakistan ein minderjähriges Mädchen entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen worden. Es handelt sich um die 14-jährige Katholikin Maira Shahbaz aus Faisalabad im Nordwesten des Landes.

Der Haupttäter, der Muslim Mohamad Nakash, habe das Mädchen zur Frau genommen und sie gezwungen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Dies berichtete Anwalt Khalil Tahir Sandhu, dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Er vertritt die Familie der Entführten. Laut Zeugenaussagen wurde das Mädchen am 28. April von drei Männern auf offener Straße in ein Auto gezogen. Beim Wegfahren hätten die Männer in die Luft geschossen.

Die entführte 14-jährige Christin Maira Shahbaz aus Faisalabad.

Gericht gibt Entführer recht – Revision angekündigt

In einem Schnellverfahren vor dem Magistratsgericht Faisalabad habe der Entführer Dokumente vorgelegt, die belegen sollten, dass er und das Mädchen bereits im vergangenen Oktober geheiratet hätten. Außerdem behauptete er, dass Mädchen sei bereits 19 Jahre alt, so der christliche Anwalt. Am Tag der Verhandlung seien rund 150 Männer zum Gericht gekommen, um den Entführer zu unterstützen. Diese hätten auch Druck auf den Staatsanwalt ausgeübt.

Mairas Familie habe anhand von Urkunden, kirchlichen Dokumenten und Schulunterlagen zu beweisen versucht, dass Maira noch minderjährig sei. Das Gericht setzte sich darüber hinweg und gab dem Entführer recht. Dieser sei bereits verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebe nicht weit vom Haus der christlichen Familie entfernt und habe Maira so kennengelernt.

„Menschen, die einem Kind so etwas antun, behandeln uns nicht wie menschliche Wesen, sondern wie Tiere“, beklagte Sandhu. Er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen – falls nötig bis vor den Obersten Gerichtshof Pakistans. Dieser hatte im Oktober 2018 auch das Todesurteil gegen die wegen angeblicher Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi gekippt. Der Fall hat weltweit Beachtung gefunden und in Pakistan eine Gewaltwelle radikaler Muslime ausgelöst.

Die Mutter und Geschwister der Entführten.

Mairas Familie gehört zu den ärmsten

„Kirche in Not“ sprach auch mit der katholischen Menschenrechtlerin Lala Robin Daniel. Sie kennt das entführte Mädchen und ihre Angehörigen persönlich: „Die Familie Shahbaz ist eine der ärmsten im Viertel. Sie verdienen ihr kleines Einkommen mit Putzen.“ Maira habe schon früh die Schule verlassen müssen, da sich die Familie das Schulgeld nicht mehr leisten konnte.

Nighat Shahbaz, die alleinerziehende Mutter der Entführten, ist nach der Tat mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden. Über „Kirche in Not“ richtete sie einen Appell an die Öffentlichkeit: „Ich flehe darum, dass uns meine Tochter zurückgegeben wird. Ich habe Angst, sie nie wieder zu sehen.“

Mairas Schicksal ist kein Einzelfall: Der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden“ zufolge werden in Pakistan jedes Jahr rund 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen entführt und zwangsverheiratet. „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren.

„Kirche in Not“ unterstützt christliche Familien bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und steht den bedrängten Gemeinden bei. Um weiter helfen zu könnten, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Pakistan

Als Antwort auf die anhaltende dramatische Situation der Christen in Syrien unterstützt das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mit einem weiteren Nothilfeprogramm 20 550 christliche Familien unterschiedlicher Konfessionen.

Der einmalige Zuschuss von 25 Euro pro Familie ermögliche besonders bedürftigen Familien, Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen, das sich auch in Syrien ausbreite, erklärte der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“. „Es scheint ein kleiner Betrag zu sein, aber er entspricht fast der Hälfte des monatlichen Einkommens einer syrischen Familie und ist daher lebenswichtig. Die Nothilfe muss schnell umgesetzt werden, bevor sich COVID-19 weiter im Land ausbreitet.“

Die Nothilfe ermöglicht besonders bedürftigen Familien, Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen

Das mit über eine halbe Million Euro umfassende Programm kommt katholischen, orthodoxen und evangelischen Familien in ganz Syrien zugute. Viele Familien sind durch den immer noch andauernden Krieg und die Wirtschaftssanktionen am Ende ihrer Kräfte. Jetzt müssen sie sich einer weiteren Herausforderung stellen: der Ausbreitung von COVID-19. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Schließung von Geschäften und Schulen sowie der Einstellung des Transports zwischen den Städten, stößt die finanzielle Situation der Ortskirchen in Syrien an ihre Grenzen.

„Wir unterstützen mehr als hundert Projekte in Syrien. Einige sind wegen der Pandemie eingeschränkt, aber viele laufen weiter, wie zum Beispiel unser Projekt ,Ein Tropfen Milch‘. Damit wird hunderten Kleinkindern und Säuglingen eine lebenswichtige Milchration gewährleistet. Das neue Hilfsprogramm ist ein Zeichen der Ermutigung für unsere Brüder und Schwestern in Syrien und gibt ihnen Trost und finanzielle Unterstützung“, erklärt Thomas Heine-Geldern. „Wir möchten die Christen in Syrien nicht allein lassen.“

Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT

Besonders die christliche Bevölkerung in Syrien leidet unter den Folgen des Krieges, der seit 2011 andauert. Waren Diskriminierungen gegen Christen davor eher selten und die Auswanderung begrenzt, so fühlen sie sich heute als Bürger zweiter Klasse, die von der Regierung im Stich gelassen und von anderen Bürgern diskriminiert werden. Ihr Eigentum wurde im Krieg zerstört, geplündert oder weit unter Preis verkauft. Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren. Ausländische Hilfen erreichen wegen der Sanktionen und Grenzschließungen das Land nur sehr schwer.

Darüber hinaus ist das Bankensystem des Nachbarlandes Libanon, das einen Teil des Systems aufrechterhalten hat, aufgrund der politisch-sozialen Krise und der COVID-19-Pandemie zusammengebrochen. Die Inflation im Land ist immens hoch.

Um die Christen in Syrien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine medizinische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine pastorale. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat seit Ausbruch der Krise zahlreiche Solidaritätsbekundungen von Projektpartnern überall auf der Welt erhalten, aber auch von den steigenden Nöten und dem Einsatz von Priestern und Ordensleuten im Kampf gegen die Pandemie erfahren. Als Antwort darauf hat das Hilfswerk ein Sonderprogramm auf den Weg gebracht, um diese Arbeit zu stärken. Tobias Lehner hat mit Regina Lynch, Projektdirektorin von „Kirche in Not“, über die aktuellen Hilfen und den Einsatz der Kirche in der Corona-Krise gesprochen.

Kirche in Not: Von welchen Nöten berichten die Projektpartner von „Kirche in Not“ in der Corona-Krise am meisten?

Regina Lynch: Sie schildern, welche Auswirkungen die Einschränkungen auf das kirchliche Leben haben: Öffentliche Gottesdienste und Versammlungen sind verboten, die Schulen sind geschlossen und immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In den meisten unserer Projektländer sind die Christen in der Minderheit und gehören zu den unteren sozialen Schichten, manchmal werden sie auch verfolgt.

Am härtesten trifft es die Kirche, dass weder Gottesdienste noch karitative und seelsorgerische Aktivitäten in gewohnter Form möglich sind. Priester und Ordensleute können ihren wichtigsten Pflichten nicht mehr nachgehen: Sakramente spenden, das Evangelium verkünden und die Menschen trösten.

Ordensschwester in Burkina Faso versorgt ein krankes Kind. © Kirche in Not

Wo sind die aktuellen Schwerpunkte der Hilfe von „Kirche in Not“ angesichts der Pandemie?

Damit sie nicht durch Geldmangel an der Erfüllung ihrer Hauptaufgaben gehindert werden, unterstützt „Kirche in Not“ notleidende und bedrängte Gemeinden. Wir geben zum Beispiel Mess-Stipendien für mittellose Priester oder Existenzhilfen für Ordensleute weiter. Außerdem unterstützt „Kirche in Not“ Priesterseminare, da in vielen Fällen auch die Seminaristen der Ausgangs- und Kontaktsperre unterliegen und ihr Rektor keine Möglichkeit hat, für sie zu sorgen. Wir helfen, damit sich Priester, Seminaristen und Ordensschwestern mit Masken und Schutzkleidung eindecken können. Das ist zum Beispiel in Chile oder in der Ukraine der Fall, wo Geistliche und Ordensleute weiterhin ihre Gemeindemitglieder besuchen, insbesondere die Kranken und Sterbenden.

Es wird auch zwei neue Projekte geben: Wir starten ein weiteres Hilfsprojekt für die Christen in Syrien, dass es jeder Familie ermöglichen soll, Lebensmittel und Schutzausrüstungen zu kaufen. Für Pakistan, wo Christen mit Diskriminierung und manchmal Verfolgung zu kämpfen haben, arbeiten wir an einem Nothilfeprogramm. Es gibt Berichte, dass Christen dort bei öffentlichen Hilfeleistungen benachteiligt werden.

Welche Hilfen wurden bislang geleistet?

Dank der Großzügigkeit unserer Spender konnte „Kirche in Not“ seit März fast 400.000 Messstipendien an mehr als 10 000 mittellose Priester zu weitergeben. Wir werden Ordensschwestern in allen Teilen der Welt unterstützen. Wir erhalten in diesem Bereich laufend neue Anfragen. Schon immer stand diese Art der Unterstützung im Fokus, insbesondere in Osteuropa und Lateinamerika. Dort erteilen die Ordensschwestern nicht nur Katechismusunterricht oder bereiten die Gläubigen auf die Sakramente vor. Sie kümmern sich auch um Waisenkinder, alleingelassene alte Menschen oder um Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden. Eine der Folgen der Corona-Krise ist, dass uns nun zum ersten Mal Diözesen um Hilfe bitten, die bisher ohne unsere Unterstützung auskamen.

Verteilung von Schutzausrüstung in der Erzeparchie Iwano-Franiwsk/Ukraine. © Kirche in Not

Wie sieht es mit der Hilfe in Asien aus, dem Ausgangspunkt der Corona-Pandemie?

Der Erzbischof von Chittagong in Bangladesch sandte uns einen dringenden Hilferuf zur Unterstützung der Ordensschwestern, die in seinem Erzbistum arbeiten. Weil Gästeunterkünfte und Krankenstationen geschlossen wurden, haben sie kein Einkommen mehr. Bereits vor der Krise reichte der kleine Betrag, den die Gläubigen zum Unterhalt der Schwestern beisteuern konnten, nicht aus, doch nun ist die Situation dramatisch. In Maimansingh, ebenfalls Bangladesch, haben die Schwestern vom Heiligen Kreuz zusammen mit dem Bischof das gesamte verfügbare Geld dazu eingesetzt, den leidenden Menschen zu helfen. Doch die Schwestern selbst müssen auch überleben, und da kann „Kirche in Not“ helfen.

Wir werden alle diese Projekte fortführen. Selbst wenn in einigen Ländern die öffentlichen Gottesdienste langsam wieder stattfinden, wird sich die wirtschaftliche Situation weiterhin verschlechtern. Unsere Hilfe wird mehr denn je benötigt.

Welches Projekt hat Sie besonders beeindruckt, wie Priester und Ordensleute sich der Bekämpfung der Corona-Pandemie stellen?

Da gibt es zum Beispiel die Priester in der Diözese Dolisie in der Republik Kongo. Sie teilen die Mess-Stipendien, die sie von uns bekommen, mit ihren armen Gemeindemitgliedern. Ich bin beeindruckt von der Hingabe so vieler Ordensschwestern, die ihre Arbeit trotz des Gesundheitsrisikos fortsetzen. Ein Beispiel sind die Schwestern der Kongregation „Hermanas Sociales“ in Kuba. Trotz der notwendigen Einschränkungen finden sie Möglichkeiten, ihre seelsorgerische Arbeit fortzusetzen und sich weiterhin um betagte Menschen oder Obdachlose zu kümmern.

Ich denke auch an die Studenten eines Priesterseminars in Burkina Faso, deren Familien wegen Terroranschlägen ihre Dörfer verlassen mussten. Einer ihrer Ausbilder ist an Covid-19 gestorben, vier ihrer Kommilitonen sind erkrankt. Wir haben ihnen und ihren Familien geholfen und unterstützen nun ein Programm, um die anderen Seminaristen vor dem Coronavirus zu schützen.

Beeindruckend ist auch, wie viel Kreativität die Kirche in der Krise zeigt. Bereits zu Beginn der Pandemie erkannte Bischof Dodë Gjergji im Kosovo, dass er trotz des Verbotes öffentlicher Gottesdienste versuchen musste, seine Gläubigen zu erreichen. Er bat uns, die Ausrüstung für die Übertragung der Sonntagsmesse aus der Mutter-Teresa- Kathedrale in Priština zu finanzieren. Wir haben ihn unterstützt und kürzlich berichtete er uns, dass sich während der Übertragung einer heiligen Messe über 50.000 Menschen eingeloggt hatten. Die Möglichkeiten der Medien sind nicht zu unterschätzen.

„Kirche in Not“ ist ein pastorales Hilfswerk; der Bedarf in der Corona-Krise beruht in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch auf humanitärem und medizinischem Gebiet. Wie gehen beide Zielsetzungen zusammen?

Während eine medizinische, und in zahlreichen Ländern auch humanitäre Reaktion auf die Corona-Krise absolut notwendig ist, sind hierfür in erster Linie die örtlichen Behörden verantwortlich. Wir wissen, dass dies in vielen Ländern nicht der Fall ist und dass stattdessen Hilfsorganisationen und die Kirche diese Aufgaben übernehmen. Tätige Nächstenliebe gehört zum Wesen der Kirche. Doch ihr geht die Seelsorge voraus. In diesen Krisenzeiten brauchen die Menschen die Kirche mehr denn je. Sie haben Angst und wissen nicht, was die Zukunft bringen wird. Die Kirche tröstet sie und bringt ihnen sowohl geistige als auch materielle Hilfe, die nicht nur den eigenen Gemeinden zugutekommt, sondern dem ganzen Volk Gottes.

Um den Einsatz von Priestern und Ordensfrauen im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

Regina Lynch, Projektdirektorin von „Kirche in Not“ International. © Ilona Budzbon/Kirche in Not.
Ordensschwester in Ecuador bringt einem älteren Mann die Kommunion. © Kirche in Not

Die Hagia Sophia in Istanbul (Türkei) war einst das Zentrum der Orthodoxie, bevor sie in eine Moschee und dann in ein Museum umgewandelt wurde.  In dieser ehemaligen byzantinischen Kathedrale, die seit 1934 offiziell religiös neutral ist, erklang am 23. März erneut der Ruf des Muezzins zum muslimischen Gebet. Nach 85 Jahren war dies das erste Mal am 3. Juli 2016 wieder geschehen.

Um die Beweggründe für dieses bedeutsame Ereignis herauszufinden, hat die internationale Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) Etienne Copeaux, einen Historiker, der sich mit der zeitgenössischen Türkei befasst, interviewt. Er war ehemals Mitarbeiter des Französischen Instituts für anatolische Studien in Istanbul und Forscher am CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung). Er betreibt den Blog Susam-Sosak, der ganz der Türkei gewidmet ist. Das Interview führte Christophe Lafontaine.

Wie ist die Forderung der Muslime zu erklären, in der Hagia Sophia zu beten?

Die Forderung, dass die Basilika aus dem 6. Jahrhundert wieder für die muslimische Religionsausübung zurückgegeben werden soll, ist seit den Feierlichkeiten zur 500. Jahrestag der Einnahme von Konstantinopel im Jahr 1953 stark gegenwärtig. Anlässlich der Einnahme der Stadt (der „Fetih“) feierte der Sultan den Sieg in der Hagia Sophia und wandelte diese ipso facto in eine Moschee um. Diese Geste verlieh der Basilika einen sakralen und islamischen Charakter und machte sie zu einem Symbol des Islam, obgleich paradoxerweise ihr griechischer, christlicher Name beibehalten wurde: „Aya Sofia“. Atatürk, der Gründer und von 1923 bis 1938 erste Präsident der türkischen Republik, hat 1934 zum großen Ärger der Gläubigen entschieden, die Hagia Sophia zu säkularisieren und sie in ein Museum zu verwandeln, das sie bis heute geblieben ist.

Etienne Copeaux – französischer Historiker

Stellt die Frage des muslimischen Gebetes in der Hagia Sophia eine Zurückweisung der von Atatürk gewollten Laizität dar?

Das Gedenken im Jahr 1953, das alles in allem eine ziemlich einfache Zeremonie war, fand in einer anti-laizistischen Periode statt, einer Zeit der Rückkehr des Religiösen unter der Regierung der Demokratischen Partei von Adnan Menderes (1950-1960), der 1956 in Konya erklärte: „Die türkische Nation ist muslimisch.“ Diese Aussage, die den Charakter der Türkei, die nach dem Völkermord an den Armeniern, der Ausweisung der orthodoxen Griechen und den Pogromen an den Juden de facto zu 99 Prozent muslimisch geworden war, widerspiegelt, wurde zum Lieblingsslogan der extremen Rechten in der Türkei.

Als der politische Islam von Juni 1996 bis Juni 1997 wieder an die Macht kam, versprach Premierminister Necmettin Erbakan seinen Wählern, die Basilika dem Islam zurückzugeben. Er blieb nicht lange genug an der Macht, um diesen Plan zu verwirklichen.

Zur selben Zeit, nämlich von 1994 bis 1998, war Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister von Istanbul und formulierte dieselben Absichten. Doch er wurde 1998 durch die Armee abgesetzt und sogar für die „Verletzung der Laizität“ inhaftiert.

2018 rezitierte Erdogan als türkischer Präsident den ersten Koranvers in der Hagia Sophia und erklärte im März 2019, er wolle den Status eines Museums in den einer Moschee umwandeln. Steht der Gebetsruf vom 23. März damit im Zusammenhang?

Ich meine, dass viele Maßnahmen, die Erdogan seit 2002 und insbesondere im Jahr 2012 getroffen hat, zum einen ein politisches Ziel haben, das 50 Jahre zurückgeht, und zum anderen als eine Rache für die Verletzung gesehen werden können, die ihm seine Absetzung 1998 zugefügt hat. So ist auch das Gebet von vergangenem März in meinen Augen nichts anderes als ein (für den Augenblick) bescheidenes Ergebnis eines langen Prozesses. Vor allem darf man das Regime von Erdogan nicht als einen Bruch betrachten, sondern es ist Teil einer langen national-islamischen Geschichte, die sich nicht immer unterirdisch vollzogen hat.

Wie können die Christen in der Türkei reagieren?

Die Christen in der Türkei, und vor allem der Überrest der orthodoxen Bevölkerung, deren größter Teil 1914, 1955 und 1964 in Wellen ausgewiesen wurde – um nicht von der Vertreibung der Orthodoxen aus Nordzypern im Jahr 1974 zu sprechen – ist angesichts des von ihnen Erlebten extrem zurückhaltend. Die Anweisung, sich zurückzuhalten, wird sogar von den religiösen Führern beharrlich wiederholt: keine hohen Wellen zu schlagen, sich nie zu beklagen. Die Reaktionen der Orthodoxie können in der Türkei nur über den offiziellen Weg des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel laufen. Aber der Erfahrung nach sind die Treffen zwischen dem Patriarchen und den türkischen Behörden oft sehr konventionell, sehr diplomatisch. Wird die griechische und russische Orthodoxie passiv bleiben, wenn die Basilika wie im Jahr 1453 der muslimischen Religionsausübung überlassen werden sollte? Angesichts des komplizierten Kontextes der Beziehungen mit Russland aufgrund des Syrienkonflikts ist es ziemlich unwahrscheinlich.

Titelbild: Arild Vågen/wikimedia

In Pakistan häufen sich Vorfälle, bei denen Christen und andere religiöse Minderheiten bei der Verteilung von Schutzausrüstungen und humanitären Hilfen während der Corona-Pandemie benachteiligt werden. Dies berichtete Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Dem Leiter der katholischen Menschenrechtsorganisation zufolge gibt es zahlreiche Berichte, wonach islamische Organisationen und Moscheegemeinden Christen bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Nothilfen dezidiert zurückwiesen. Dies sei zum Beispiel in einem Dorf in der Nähe von Lahore der Fall gewesen. In einem anderen Dorf in der Provinz Punjab seien 100 christliche Familien von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen worden.

Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), bei einem Kongress von KIRCHE IN NOT.

Christen besonders von Ansteckung gefährdet

Es gebe auch Meldungen über Hilfspersonal, das Nichtmuslimen die Unterstützung verweigert habe mit dem Hinweis, dass es sich um Spenden aus der „Zakat“, der islamischen Armensteuer, handle. Chaudry zitierte einen Imam aus Lahore, der bei einer Predigt angekündigt habe: „Morgen früh werden Hilfsgüter an Notleidende verteilt, aber nur an Muslime.“

Dabei gehörten Christen und andere religiöse Minderheiten zu den besonders hilfsbedürftigen Gruppen der pakistanischen Gesellschaft, so der Menschenrechtler. Viele von ihnen lebten als Tagelöhner unter der Armutsgrenze; ihre Einkunftsmöglichkeiten seien durch die Pandemie weggebrochen. Auch seien sie besonders ansteckungsgefährdet, da sie zum Beispiel als Hausangestellte, in Ziegeleien oder bei der Müll- und Abwasserbeseitigung arbeiten, erklärte Chaudry: „Covid-19 kennt keine Grenzen – Jeder ist gefährdet, unabhängig von der Religion. Ist es also gerecht, Christen und anderen Minderheiten die Nothilfe zu verweigern?“

Arbeiter in einer Ziegelei in Faisalabad. Viele Christen arbeiten in diesem Bereich.

Religiöse Minderheiten in Entscheidungen einbeziehen

Der NCJP-Leiter rief die pakistanische Regierung auf, Schutzmaterialien für besonders gefährdete Berufsgruppen zur Verfügung zu stellen, unter denen auch viele Christen seien. Außerdem sollten die religiösen Minderheiten bei den Initiativen zur Pandemie-Bekämpfung hinzugezogen werden, so Chaudry: „Wir haben bislang keine Kenntnis über Initiativen, die Angehörige religiöser Minderheiten miteinbeziehen. Ihre Bedürfnisse dürfen nicht ignoriert werden.“

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spendenonline … hier  oder auf folgendes Konto:

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Die terroristische Bedrohung, die besonders fünf Regionen im Norden und Osten Burkina Fasos betrifft, wird laut mehreren lokalen Quellen im Gespräch mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) „von der Covid-19-Pandemie überschattet“. Für die unmittelbar von den Terroranschlägen betroffene Bevölkerung ist das Coronavirus „ein Unglück mitten im Unglück”. Die Gesprächspartner aus den stark von den Auswirkungen des Terrorismus betroffenen Diözesen Dori, Kaya und Fada N’Gourma sind sich einig, dass „der Ernst der Lage an einigen Orten gleichgeblieben oder sogar noch schlimmer geworden ist“ als vor der Pandemie. Fast eine Million Menschen wurden aus diesem Gebiet vertrieben, ohne eine wirksame Reaktion seitens der nationalen oder internationalen Behörden.
Flüchtlinge in einem der vielen Flüchtlingslager.

In den Departements Bourzanga (Region Centre-Nord) und Djibo (Region Sahel) finden täglich Anschläge statt. Nach dem Hilfswerk vorliegenden Erkenntnissen „sind ganze Landstriche von der Welt abgeschnitten, aber nicht wegen der Ausgangssperre aufgrund der Pandemie, sondern wegen der dort vorherrschenden totalen Unsicherheit. Die wenigen noch bevölkerten Dörfer beherbergen Tausende von Binnenvertriebenen, sind aber zunehmend vom Rest des Landes isoliert.“

So auch die Stadt Djibo, die seit Mitte Januar 2020 von Terroristen umzingelt ist. Von KIRCHE IN NOT befragte Quellen schildern, dass „es keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Versorgung mit Lebensmitteln, keinen Zugang hinein oder hinaus gibt, dass es an Wasser, Treibstoff und Lebensmitteln mangelt, immer wieder zu Stromausfällen usw. kommt“.

Nach Angaben des Nationalen Rates für Nothilfe und Wiederaufbau (CONASUR) leben in der Provinzhauptstadt Djibo fast 150 000 Binnenvertriebene. Unter der Blockade leidet ebenfalls die Stadt Arbinda, die 60 000 Binnenvertriebene aufgenommen hat. Die beiden Städte sind die letzten Enklaven des Lebens in der Provinz und der einzige Schutzwall, der viele Menschen vor den Terroristen bewahrt hat.

Ein vertriebener Priester aus der Diözese Kaya in der nördlichen Zentralregion berichtet KIRCHE IN NOT von einer ähnlichen Lage dort: „Die Dörfer sind so gut wie menschenleer; dort ist kein Leben mehr, obwohl es immer noch Zeichen der Hoffnung gibt. In meiner Pfarrei, in der viele Menschen Zuflucht gesucht haben, gibt es Probleme in der Grundversorgung. Das entscheidende Problem ist nach wie vor das Wasser. Es ist sehr schwierig, an dieses kostbare Gut zu gelangen, was die Frauen bei allen damit verbundenen Risiken dazu zwingt, in die wegen terroristischer Bedrohungen verlassenen Nachbardörfer zurückzukehren, um zu versuchen, Wasser zu beschaffen und es auf Dreirädern zu transportieren.“

Auch in Kaya sind wichtige Gemeinden, etwa Namisgma und Dablo, von den Städten abgeschnitten, die sie früher versorgt haben. In der Stadt Pensa haben sich die Terroristen nach wiederholten Anschlägen niedergelassen, und die Stadt vom Rest des Territoriums abgetrennt.

Ein Begräbnis von Opfer des Terrorismus.

Appelle an nationale und internationale Behörden für ein energisches Vorgehen

Nach Aussage der Betroffenen erkennen die lokalen und nationalen Behörden zwar das Drama, unter dem die Bevölkerung leidet. Ihre Bemühungen werden jedoch meistens aufgrund fehlender Ressourcen schnell zunichte gemacht. Viele bedauern auch, dass außerhalb des Landes das Ausmaß der Tragödie nicht erkannt werde: „Von den 75 Dörfern in meiner Pfarrgemeinde sind nur noch zehn bewohnt. Die Menschen sind alle gegangen. Weil die Dörfer verlassen sind, befindet sich ein großer Teil des Territoriums in der Hand von Terroristen, die sich auf diese Weise der staatlichen Kontrolle entziehen“, sagt ein Priester der Diözese Kaya, der ebenfalls wegen der Drohungen gegen seine Gemeinde fliehen musste.

Obwohl ausländische, vor allem französische Streitkräfte präsent sind, sind viele Burkiner skeptisch. Sie beklagen, dass sie keinerlei Ergebnisse sehen. Sie kritisieren auch die Tatsache, dass die nationale Armee effektiver sein könnte, wenn sie über die gleichen Transport- und Waffenbedingungen verfügte wie die ausländischen Streitkräfte.

Im Allgemeinen fühlen sich die meisten Burkiner angesichts des Unglücks ohnmächtig, „vor allem, weil sich die Aufmerksamkeit im Moment auf die Coronavirus-Pandemie konzentriert, und dabei vergessen wird, dass der Terrorismus sogar noch mehr Opfer fordert als Covid19“, beklagt der Priester.

Viele fordern von den Behörden, dass sie bei der Verbesserung der Lage der Binnenflüchtlinge und bei der Bekämpfung des Terrorismus die gleiche Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit an den Tag legen wie bei der Bekämpfung der Pandemie. „Beide Gefahren bestehen mit Sicherheit. Wir sind mittendrin gefangen; es ist sehr schwer herauszufinden, was schlimmer ist. In jedem Fall sind die Folgen die gleichen, weil beide tödliche Konsequenzen haben“, sagt ein weiterer Partner von KIRCHE IN NOT aus der Region Fada N’Gourma. Er hat gerade Unterstützung für den Bau einer Sicherheitsmauer um seine Pfarrei erhalten, nachdem sie gewaltsame Übergriffe erlitten hatte.

Seit fast fünf Jahren wird Burkina von einer beispiellosen terroristischen Welle heimgesucht. Im Februar 2020 reiste eine KIRCHE IN NOT-Delegation in das Land, um sich ein Bild von der Notlage der Christen im Norden des Landes zu machen, und um die Solidarität der Weltkirche zu bekräftigen. Nach den von KIRCHE IN NOT bei dem Besuch gesammelten Daten beläuft sich die Zahl der Binnenvertriebenen auf fast eine Million. Seit 2019 wurden mehr als 1000 Menschen – Christen, Anhänger der traditionellen Religion und Muslime – getötet. Dreizehn Priester, sieben Ordensgemeinschaften und 193 Pastoralkoordinatoren mussten in sichereren Pfarreien Schutz suchen. Mindestens acht Pfarreien sind geschlossen.

„Der Herr des Lebens zeige den Menschen in Asien und Afrika seine Nähe, die schwere humanitäre Krisen durchmachen, wie etwa in der Region Cabo Delgado im Norden Mosambiks“, sagte Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft. Er ist einige der wenigen internationalen Persönlichkeiten, die sich öffentlich zur terroristischen Gewalt in dieser Provinz im Norden Mosambiks geäußert haben – eine Tragödie, von der viele Menschen nichts wissen.

Seit 2017 kommt es in der Region zu terroristischen Gräueltaten; Hintergründe und Urheber bleiben im Dunkeln. Maria Lozano vom internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ sprach mit Bischof Luiz Fernando Lisboa aus Pemba, das in der Provinz Cabo Delgado liegt, über die aktuelle Situation. Sie hat sich über die Ostertrage nochmals verschlimmert.

Der ausgebrannte Altarraum der Herz-Jesu-Kirche in Muambula nach einem Brandanschlag am Karfreitag 2020. © Kirche in Not

Kirche in Not: Vor ein paar Wochen haben Sie über Angriffe auf die Stadt Mocímboa da Praia im Norden Ihrer Diözese berichtet. Wie ist die Lage dort heute?

Bischof Luiz Fernando Lisboa: In den vergangenen Monaten wurden nicht nur Mocímboa da Praia, sondern auch in zwei anderen wichtigen Ortschaften Anschläge verübt. In Mocímboa da Praia ist die Lage zurzeit unter Kontrolle, aber leider hat es viele Plünderungen gegeben. Während der Angriffe sind viele Menschen aus der Stadt geflohen und haben im Wald Zuflucht gesucht. Einige Kriminelle haben dies ausgenutzt, um die Häuser zu plündern. Am 20. April wurde einer dieser Diebe gefasst und von der Bevölkerung gelyncht. Leider führt dieses Klima des Terrors zu Unsicherheit und zunehmender Kriminalität.

Am Karfreitag wurde die Missionsstation im Dorf Muambula angegriffen. Was ist dazu bekannt?

Die Angreifer überfielen die Kirche und steckten mehrere Kirchenbänke sowie das aus schwarzem Holz gefertigte Bildnis der Muttergottes in Brand. Sie zerstörten auch ein Bild des Heiligsten Herzens Jesu, dem die Pfarrei geweiht ist. Glücklicherweise konnten sie nicht die ganze Kirche in Brand stecken, sondern nur die Kirchenbänke.

War dies der erste Anschlag auf eine Kirche?

Es wurden bereits sechs Kapellen bereits angegriffen und niedergebrannt. Auch auf Moscheen wurden Brandanschläge verübt. Allerdings sind in jüngerer Zeit offensichtlich die christlichen Kirchen die Hauptziele.

Bischof Luiz Fernando Lisboa segnet Gläubige bei einem Pastoralbesuch. © Leandro Martins

Stimmt es, dass es in einem der Dörfer des Distrikts Muidumbe zu einem Massaker gekommen ist?

Ja, am 7. April in Xitaxi. Zu unserer großen Trauer wurden dort 52 junge Menschen niedergemetzelt, als sie sich weigerten, sich den Aufständischen anzuschließen. Für uns sind sie Märtyrer des Friedens, weil sie es abgelehnt haben, sich am Krieg zu beteiligen und deshalb ihr Leben verloren haben.

Warum ist Mosambik zum Schauplatz des islamistischen Terrors geworden?

Ich würde nicht behaupten, dass Mosambik ein Schauplatz des islamistischen Terrors ist. Die jüngsten Anschläge sind vermeintlich vom sogenannten „Islamischen Staat“ verübt worden, aber es bestehen weiterhin Zweifel daran. Einige meinen, dass eine lokale Gruppe dafür verantwortlich ist, die den Namen des Islamischen Staates benutzt. Wir wissen auch nicht, was hinter all dem steckt, glauben aber, dass es um natürliche Ressourcen geht.

Aber sind die Beteiligten an diesen Terrorakten überall dieselben? Woher kommen sie?

Wir haben bemerkt, dass die Terroristen in der Vergangenheit nur einen Anschlag an je einem Ort verübt haben. Nun sind sie dazu übergegangen, mehrere Angriffe gleichzeitig durchzuführen. Viele Berichte besagen, dass ein Teil von ihnen Mosambikaner sind und die anderen aus Tansania und anderen Ländern kommen.

Haben die Anschläge eine religiöse Komponente?

Von Anfang an haben sich die muslimischen Führer von den Anschlägen distanziert. Sie haben erklärt, mit all dem nichts zu tun zu haben. Sie wollen keine Gewalt. Sowohl in Cabo Delgado als auch im übrigen Mosambik haben wir nie Probleme zwischen den Religionen gehabt. Wir haben viele gemeinsame Aktivitäten unternommen: Gebete, Erklärungen und Märsche für den Frieden.

Was unternimmt die Regierung in Mosambik, um die Situation zu entschärfen?

Sie hat verstärkt Verteidigungskräfte entsandt. Allerdings gibt es darunter viele junge Leute, die dort aus reiner Pflicht sind. Wenn es dann zu einem Angriff kommt, desertieren viele. Sie sind schlecht auf den Kampf vorbereitet und kaum in der Lage, mit dieser Situation umzugehen. Ich empfinde schreckliches Mitleid mit den jungen Menschen, denn viele haben bereits ihr Leben verloren.

In seiner Osterbotschaft hat der Heilige Vater über Mosambik gesprochen. Er ist eine der wenigen Stimmen, die das Schweigen brechen.

Es war für uns sehr wichtig, dass der Papst die humanitäre Krise in Cabo Delgado angesprochen hat, weil es hier eine Art „Verschwiegenheitsgesetz“ gibt.

Was meinen Sie damit?

Die Lage ist sehr ernst, weil nicht frei gesprochen werden kann. Einige Journalisten wurden verhaftet; bei vielen Reportern wurden die Kameras konfisziert. Es ist wichtig, dass bekannt wird, was vor sich geht, und dass internationale Organisationen tätig werden. Die Menschen hier haben sehr viel gelitten; es gibt Hunderte von Toten. In unserer Provinz haben wir mehr als 200 000  Vertriebene. Es ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Die Menschen hier haben sehr wenig, und das Wenige, das sie haben, geht durch diesen Krieg verloren.

„Kirche in Not“ unterstützt die schwierige Mission der Kirche in Mosambik. Das Hilfswerk fördert zum Beispiel die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten, finanziert Fahrzeuge für die Seelsorge, fördert den Bau und die Renovierung von Kirchen und unterstützt die kirchliche Friedensarbeit. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

Die Syrer im allgemeinen, aber besonders die Einwohner von Aleppo, neigen dazu, sich weniger Sorgen um ihre persönliche Sicherheit zu machen als die meisten Menschen in Europa.

“Viele von ihnen sagen, dass sie bereits seit neun Jahren leiden und sowohl den Krieg als auch den Hunger überlebt hätten. Einige sind vorsichtiger und verwenden Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Handschuhe, um sich zu schützen. Aber die meisten Menschen machen sich keine Sorgen über die Ausbreitung des Coronavirus. Sie haben schon so viel gelitten”, erklärt der armenisch-katholische Priester Antoine Tahhan gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Am 19. März erließ die syrische Regierung aus Angst vor der Verbreitung des Coronavirus einen Erlass, alle Geschäfte zu schließen und verhängte eine Ausgangssperre zwischen 18 und 6 Uhr. Nur wenige Tage später, am 22. März, beschlossen die katholischen Bischöfe in Aleppo zusätzlich die Schließung aller ihrer Kirchen, um die Gläubigen zu schützen und die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern.  Seitdem kommt Pater Antoine jeden Morgen in die armenisch-katholische Heilig-Kreuz-Kirche in Aleppo, um dort allein die heilige Messe zu feiern, und kehrt dann nach Hause zurück, um die Vorgaben zur sozialen Isolierung einzuhalten.

Aber es gibt wenig, was in einem Land wie Syrien getan warden kann, in dem der Krieg auch das Gesundheitssystem zerstört hat. “Aleppo hat viele Krankenhäuser und Gesundheitszentren verloren, die durch die Terroristen zerstört wurden. Ein großer Teil der Ausstattung und der Medikamentenvorräte wurden geplündert, und viele Ärzte sind ausgewandert, weil die Terroristen einige entführt und anderen gedroht hatten, sie zu töten.  Infolgedessen ist das Gesundheitssystem in einem schlechten Zustand, und darauf fußt die Sorge, dass das Virus sich in der Bevölkerung, insbesondere unter den Soldaten der Syrisch-Arabischen Armee, verbreiten könnte”, sagt Pater Antoine.

“Ich denke nicht, dass es in den Krankenhäusern, insbesonderen auf den Intensivstationen, genug Beatmungsgeräte gibt, um dem Virus gewachsen zu sein. Wir benötigen ebenfalls sehr viele Schutzmasken, Ausrüstung zum Sterilisieren und andere medizinische Ausstattung. Zugleich müssen wir unter der Bevölkerung auch ein Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken erwecken, denn noch immer gehen viele Leute in den Parks spazieren, halten sich an den Händen und begrüßen sich, ohne die behördlichen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit zu beachten.”

Die Kämpfe in Aleppo sind seit dem 24. Dezember 2016 zu Ende. Einige bessergestellte Familien waren seitdem in der Lage, ihre Häuser wiederherzustellen, aber die meisten christlichen Familien sind sehr arm und überleben nur dank der Unterstützung der Ortskirche und von Organisationen wie der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, die Nothilfeprojekte ins Leben gerufen haben, um die ärmsten Familien in Aleppo und anderen Teilen Syriens mit Mietzuschüssen, Lebensmitteln und grundlegender medizinischer Versorgung zu unterstützen. „Ohne diese Hilfe könnten die Christen nicht nach Hause zurückkehren und die christliche Präsenz im Nahen Osten sichern”, erklärt Pater Antoine.

Der durch den Krieg bedingte Exodus habe verheerende Auswirkungen: „Die Zahl der christlichen Familien, die vor dem Krieg in Aleppo lebten, lag bei 30.000. Nun ist die Anzahl auf rund 10.000 gesunken. Wir leiden unter einer massiven Überalterung der Bevölkerung, da der Anteil an älteren Menschen inzwischen auf zwei Drittel gestiegen ist, und das nicht nur in Aleppo, sondern in ganz Syrien. Und der Mangel an jungen Arbeitskräften hat sich durch den Militärdienst weiter verschärft.”

Seit einem Jahr leide Syrien an einer schweren Wirtschaftskrise. “Als Aleppo befreit wurde, bestand beträchtlicher Optimismus, und drei Jahre lang setzten die Menschen ihre Hoffnung auf harte Arbeit, aber nun wird die wirtschaftliche Lage immer schlimmer. Viele Menschen sind arbeitslos, und die gezahlten Gehälter reichen nicht aus, um eine vierköpfige Familie zu ernähren. Die Wirtschaftssanktionen fügen der Bevölkerung schweres Leid zu, und die schlechte wirtschaftliche Lage im Libanon beeinträchtigt auch die Wirtschaft in Syrien. Der Dollarkurs und damit auch die Lebenshaltungskosten sind in die Höhe geschossen. Zugleich wurden die Hilfeleistungen, die über den Libanon nach Syrien gelangten, eingestellt”, erklärt Pater Antoine gegenüber KIRCHE IN NOT.

Seit der Befreiung von Aleppo sind 75 armenisch-katholische Familien zurückgekehrt, aber sie waren Binnenflüchtlinge aus anderen Teilen Syriens und keine Flüchtlinge aus Europa. “Um Familien dazu zu ermutigen, nach Syrien zurückzukehren, müssen die Wirtschaftssanktionen aufgehoben warden, wie der Papst es in seiner Osterbotschaft gefordert hat, und man muss den jungen Menschen dabei helfen, Arbeit zu finden. Wir brauchen auch Sicherheit, medizinische Versorgung und die Aufhebung der Militärreserve, damit die jungen Leute Arbeit finden, ihre Zukunft aufbauen und Familien gründen können”, schließt Pater Antoine.

Das Coronavirus ist  eine weitere Sorge unter vielen anderen, aber diese globale Pandemie lässt die Menschen in Syrien vor allem die wirtschaftlichen Folgen fürchten. Sie könnten zum einen ihren Leidensweg erschweren und andererseits eine Minderung der Nothilfeprogramme zur Folge haben, die jetzt für ihr Überleben notwendiger sind denn je.

46 kontemplative Klöster weltweit sind der Einladung des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ gefolgt, für die Wohltäter des Hilfswerks, die Projektpartner und alle Betroffenen der Corona-Pandemie zu beten. Unter den Teilnehmern dieser weltweiten Gebetskette befinden sich unter anderem kontemplative Klöster der Karmelitinnen, Benediktinerinnen, Dominikanerinnen, Klarissinnen sowie vier Männergemeinschaften.

Karmelitinnen in Venezuela. © Kirche in Not

Alle Klöster sind langjährige Projektpartner von „Kirche in Not“ und befinden sich meist selbst in einer angespannten Situation: etwa in Nigeria oder Burkina Faso und weiteren Ländern Afrikas, in denen Christen unter Terror und Verfolgung leiden. In lateinamerikanischen oder osteuropäischen Ländern haben sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Corona-Pandemie noch verschärft.

„Die Brücke der Liebe trägt und hält“

Dennoch sind die Klöster innerhalb weniger Tage der Einladung von „Kirche in Not“ nachgekommen und tragen nun die Anliegen der von Corona betroffenen Wohltäter sowie die Sorgen der Projektpartner in aller Welt in ihren Gebeten mit. „Diese geistliche Solidarität zeigt: Die Brücke der Hilfe und der Liebe, die wir bei ,Kirche in Not‛ seit über 70 Jahren bauen, trägt und hält – gerade jetzt“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich. „Unsere Wohltäter können sich sicher sein: Ihre Unterstützung ist keine Einbahnstraße. Es kommt so viel an geistlicher Verbundenheit durch das Gebet und die Feier der heiligen Messe zurück – das erleben wir gerade jetzt ganz stark, das öffentliche kirchliche Leben eingeschränkt ist“, erklärte Rechberger.

Ukrainische Ordensfrau mit Schutzmaske. © Kirche in Not

Zeichen geistlicher Nähe und Solidarität

Zusammen mit den Zusagen für die jüngste Gebetsaktion haben die kontemplativen Klöster zahlreiche Botschaften der Solidarität gesandt. Sie spiegeln die eigenen Bedrohungen und Schwierigkeiten wider, in denen die Ordensleute leben. Sie dokumentieren aber auch die große Verbundenheit und Dankbarkeit gegenüber „Kirche in Not“. Stellvertretend dokumentieren wir fünf dieser Botschaften in Auszügen.

Karmelitinnen aus Morondava/Madagaskar:
„In diesen Zeiten der globalen Prüfung hören wir nie auf, den Herrn zu bitten, seinem Volk zu helfen, wie er es für sein Volk in der Wüste getan hat. Wir denken an alle Wohltäter, die krank sind und Hilfe benötigen, sowie an alle, die von COVID-19 betroffen sind. Auch unser Land Madagaskar wird von der Pandemie heimgesucht. Es gibt strenge Ausgangsverbote. Jetzt haben viele Menschen Angst, dass terroristische Milizen die Situation ausnutzen und zu Raubzügen aufbrechen. Das Corona-Virus terrorisiert uns und wir beten, dass die Diebe nicht noch mehr dazu beitragen, uns zu töten.“

Redemptoristinnen aus Diabo/Burkina Faso:
„Ja, unsere Kirche und unsere Welt durchlaufen eine Zeit der Prüfungen. Wir beten Tag und Nacht von ganzem Herzen, dass Gott diese Krankheit. Selbst zu dieser Zeit von COVID-19 müssen wir Ostern als Geheimnis unserer Erlösung feiern. Man kann die Kirchen abschließen. Man kann Versammlungen von Gläubigen verbieten. Aber man kann Ostern nicht aus unseren Herzen stehlen!“

Karmelitinnen aus Sarajewo/Bosnien und Herzegowina:
„Vielen Dank für alles, was Sie für unsere Gemeinschaft getan haben. Möge die Güte Gottes Ihnen mit Segen und allen notwendigen Gnaden alles hundertfach zurückgeben! Unsere Gemeinschaft übergibt mit Gebet und stillen täglichen Opfern Ihr Leben dem Herrn und bittet um die Barmherzigkeit Gottes für alle Bedürftigen dieser Tage, besonders für alle, die unter dem Corona-Virus leiden, das medizinische Personal und alle, die in großer Angst um ihr Leben kämpfen.“

Klarissinnen aus Indonesien:
„Die Nachrichten über das Corona-Virus prägen auch unsere Gemeinschaft. So viele Menschen bitten um das Gebet. Leider verlieren auch immer mehr Menschen ihr Leben. Wir können unsere Augen und Ohren vor ihren Schreien nicht verschließen. Wir versprechen, dass wir ihre Gebetsanliegen in unsere speziellen Gebete für die Projektpartner miteinschließen werden. Wir wissen, dass auch zahlreiche Wohltäter älter sind und alleine leben. Deshalb sprechen wir ein spezielles Gebet für alle Spender. Möge Gott sie erhalten und begleiten!“

Karmelitinnen aus Maracaibo/Venezuela:
„Wir schätzen Ihre Gebetsinitiative sehr. Die aktuelle Situation, die wir durchmachen, ist kritisch. In dieser Zeit ist es wichtig, starke ,Freunde Gottes‛ zu haben. Wir beten, dass wir Gott näher kommen und gemeinsam das Licht erreichen, das Jesus uns als Herr der Geschichte bereitet. Sie können auf uns zählen.”

Steyler Anbetungsschwester aus Indonesien. © Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT
Das Coronavirus hat auch Osteuropa erreicht. Für die Ukraine könnte die Ausdehnung der Krankheit fatale Konsequenzen haben. Eine anhaltende Rentenkrise hat ältere Menschen bereits vor COVID-19 dem Risiko von Krankheit und Armut ausgesetzt. Hinzu kommt die anhaltende Kriegssituation im Osten der Ukraine, die viele Menschen noch weiter in die Verelendung treibt.

In der Ukraine und anderen Krisenländern stehen Priester und Ordensleute an vorderster Front im Einsatz für notleidende Menschen. Damit sie auch unter den Folgen der Corona-Pandemie weiterhin ihren sozialen wie seelsorgerischen Dienst ausüben können, hat das internationale päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ besondere Hilfen zur Verfügung gestellt. Vier ukrainische Ordensschwestern berichten über ihre Arbeit in Zeiten der Pandemie.

Schwester Daniela Pukhalska ist Krankenschwester in Odessa am Schwarzen Meer. Sie arbeitet in der Abteilung für Infektionskrankheiten und kennt das Leid aus erster Hand: „Zurzeit kommen viele Patienten mit Verdacht auf Corona zu uns“, berichtet sie. „Vor einigen Tagen wurde uns mitgeteilt, dass wir ab sofort nur noch Patienten aufnehmen, die positiv getestet wurden. Es gibt so viel Arbeit, dass ich am Ende des Arbeitstages sehr erschöpft bin.“ Selbst einige der Ärzte seien in Panik geraten, einige von ihnen hätten sogar gekündigt, erzählt Schwester Daniela. Sie dagegen bleibt relativ gelassen: „Wie unser Chefarzt immer sagt: Wir wussten, in welcher Abteilung wir arbeiten und was uns erwarten könnte.“

Schwester Justiniana versorgt eine Frau im Altenheim. © Kirche in Not
Schwester im Erzbistum Lemberg besucht einen hilfsbedürftigen Mann. © Kirche in Not

Sie selber habe keine Angst vor einer Infektion. Diese Zuversicht sei der Gnade Gottes und dem Umstand zu verdanken, dass viele Menschen für sie und für die Kranken beten, betont die Schwester, die der Gemeinschaft „Kleine Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens“ angehört. „Ich weiß, dass viele Menschen für uns, für die Ärzte und das gesamte Personal beten, wofür wir sehr dankbar sind. Wir bitten weiterhin um Gebete, damit uns die Kraft nicht verlässt“, sagt Schwester Daniela.

„Nicht in Panik geraten, sondern Patienten beruhigen“

Mit der Pandemie konfrontiert sind auch Schwestern, die sich um ältere und pflegebedürftige Menschen kümmern, wie zum Beispiel Schwester Justiniana aus dem Altersheim „Maria, Mutter der Barmherzigkeit“ im westukrainischen Lemberg. Dort betreuen die St.-Joseph-Schwestern 25 bettlägerige Personen, die rund um die Uhr medizinische Betreuung brauchen. Während der Corona-Pandemie haben sie die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Es sei zum Beispiel verboten, Patienten zu besuchen, erzählt Schwester Justiniana. Das Personal verwende Masken und Schutzkleidung. Alles werde streng desinfiziert. „Wir befürchten, dass uns die notwendigen Mittel und Medikamente bald ausgehen, denn es ist schwer, Nachschub zu besorgen“, berichtet Schwester Justiniana besorgt. „Trotz allem versuchen wir, nicht in Panik zu geraten, sondern die Patienten zu beruhigen und zu schützen.“

Mut für den täglichen Kampf schöpfe auch sie aus dem Glauben: „Wir haben Anfang April den 15. Todestag des heiligen Johannes Paul II. gefeiert. Wir erinnern uns an seine Worte: ,Hab keine Angst! Öffnet die Tore für Christus‛. Wenn wir uns für Christus öffnen und ihn annehmen, stehen wir unter seinem besonderen Schutz. Deshalb vertrauen wir ihm unser Zuhause und die ganze Welt an.“

Geistliche und materielle Sorgen für notleidende Menschen

Die Missionsbenediktinerin Jana Lypiwska arbeitet seit zwei Jahren in der Pfarrei des heiligen Aloisius in Schmerinka in der Zentralukraine. Ihre Hauptaufgabe war bis vor kurzem die Katechese für Kinder und Erwachsene sowie die Vorbereitung auf die Sakramente. Schwester Jana kümmerte sich aber auch um die alten und hilfsbedürftigen Menschen der Pfarrei. Das sei jetzt ihre wichtigste Beschäftigung, erzählt die Ordensfrau: „Gerade in dieser schwierigen Zeit der Ausgangssperren brauchen diese Menschen unsere Hilfe und unser Lebenszeugnis. Viele bitten uns um das Gebet. Wir öffnen unsere Kapelle für das persönliche Gebet, wir erledigen Einkäufe oder sind einfach für die Menschen in dieser schwierigen Zeit da.“

Schon vor der Pandemie war die wirtschaftliche Lage der Ukraine wegen des Krieges, in dem das Land sich seit 2014 befindet, sehr schlecht. Ersparnisse hat dort kaum jemand, und der Verlust der Arbeitsstelle durch die Pandemie bringt die Menschen an den Rand ihrer Existenz. Das spüren auch die Schwestern in Iwano-Frankiwsk in der Westukraine. Schwester Elena Gnadziuk gehört der Kongregation der „Myronositsi“ an. Ihr Kloster wird täglich von Menschen besucht, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden – täglich werden es mehr. Die Schwestern geben Lebensmittel aus. „Jedes Mal, wenn es klingelt und ich die Tür unseres Klosters öffne, sehe ich Menschen in Not“, erzählt Schwester Elena. „Gestern hat uns eine Frau um Essen für ihre drei Kinder gebeten. Nach ihr kam ein Mann, der um Essen für seine Mutter bat … Unter den Bedürftigen gibt es viele alleinstehende Menschen, die keinerlei Unterstützung haben. Wir sind für sie da.“

„Kirche in Not“ unterstützt alle genannten Klostergemeinschaften seit vielen Jahren. Das Hilfswerk fördert Ausbildung und Unterhalt der Ordensfrauen sowie ihren karitativen Einsatz. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at/helfen/spenden

Schwester Elena gibt an der Klosterpforte Lebensmittel aus. © Kirche in Not
Um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abzumildern, stellt das internationale päpstliche Hilfswerk “Kirche in Not”, das der verfolgten und leidenden Kirche in aller Welt dient, Nothilfen für Priester und Ordensfrauen zur Verfügung.

Angesichts der weltweiten Zunahme sozialer Not aufgrund von COVID-19 hilft diese großzügige Unterstützung Ordensleuten, die ihre materielle Lebensgrundlage verloren haben, damit sie weiterhin ihren seelsorglichen und sozialen Dienst ausüben können. Die finanzielle Hilfe unterstützt insbesondere Hilfsprojekte im Nahen Osten, in Mittel- und Osteuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika.

Ordensschwestern auf den Philippinen versorgen bedürftige Menschen. Foto: KIRCHE IN NOT
„Da in Folge der COVID-19-Pandemie eine Welle menschlichen Leids weltweit spürbar wird, ist der Bedarf an sozialer und geistlicher Fürsorge gestiegen“, sagt Thomas Heine-Geldern, der Geschäftsführende Präsident von “Kirche in Not”. „Diese Hilfe, die dank vieler Wohltäter möglich wird, soll dazu beitragen, die Last der zahlreichen mutigen Ordensleute und Priester zu erleichtern, die an vorderster Front stehen und unseren leidenden Brüdern und Schwestern Gottes Liebe und Erbarmen bringen. Nun werden mehr denn je das Licht und die Hoffnung des Herrn benötigt.“
Menschen warten auf die Essensausgabe vor einer Kirche in Venezuela. Foto: KIRCHE IN NOT
Besonders die Menschen in Entwicklungsländern, die nur über sehr begrenzte Mittel verfügen, sind besonders gefährdet. Häufig sind bei der Gesundheitsfürsorge vom Einsatz der Kirche abhängig.

„Wir sind im Gebet verbunden mit den tapferen und engagierten Priestern und Ordensfrauen und mit allen leidenden Menschen in der Welt“, fährt Heine-Geldern fort. „Dies ist angesichts dessen, was gebraucht wird und was noch benötigt werden wird, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Kirche spielt jedoch eine besonders wichtige Rolle im Alltag der christlichen Gemeinden der Welt. Mein Dank gilt vor allem unseren Wohltätern, die oft trotz ihres eigenen Leids und ihrer eigenen Bedrängnis die Hand nach ihren Mitchristen ausstrecken und helfen, den Glauben lebendig zu halten.“

Um den Einsatz von Priester und Ordensfrauen weltweit im Kampf gegen Covid-19 unterstützen zu können, bitte „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN:AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nothilfen Covid-19

In Indien ruht aufgrund der Corona-Pandemie das gesamte öffentliche Leben. Dennoch herrscht eine noch nie dagewesene Völkerwanderung im Land: Millionen Wanderarbeiter sind durch den Ende März verhängten „Shutdown“ des Landes nun arbeitslos und wollen so schnell wie möglich nach Hause.

Gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT schildert die indische Ordensschwester Christin Joseph die Situation: „Es ist ein nicht enden wollender Strom von Zehntausenden von Menschen, die zu Fuß in ihre teilweise mehr als tausend Kilometer entfernten Heimatdörfer zurückkehren.“ Der Verkehr sei weitgehend eingestellt, Pensionen und viele Läden geschlossen. So könnten sich die Menschen nur mit wenig Lebensmitteln eindecken. Einen Platz zum Rasten oder Schlafen gebe es nicht. Hinzu kämen Temperaturen von an die 40 Grad.

Mitglieder der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ verteilen während der Corona-Krise Lebensmittel an bedürftige Familien. © Kirche in Not
In Indien zwingen Arbeitsmangel und Armut vor allem viele Einwohner aus den nördlichen Bundesstaaten zur Abwanderung in die großen Städte im Süden. „Tausende von ihnen sind einfache Tagelöhner, die viele Stunden täglich für ein paar Dollar am Tag arbeiten, ohne soziale Absicherung. Nun wollen sie wegen der Schließungen in ihre Heimat zurück“, erklärt Schwester Christin, die der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz angehört.

Abgeschnitten von Lebenswerk, aber geistig verbunden

Sie leitet die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, eine indische Laienbewegung. Die Gemeinschaften bilden sich in Regionen, die sehr abgelegen sind, wo selten ein Priester hinkommt oder wo es nur sehr wenige Christen gibt. Gläubige treffen sich mit einem Katecheten zu Wortgottesdiensten, Gebet und Austausch. In ganz Indien gibt es etwa 85 000 „Kleine christliche Gemeinschaften“.

Indische Katholiken, besonders im Norden des Landes, gehören oft zu den unteren Gesellschaftsschichten. Sie sind mit einer zunehmend gewalttätigen Diskriminierung konfrontiert. Unter normalen Umständen reist Schwester Christin monatlich tausende Kilometer, um diese benachteiligte Minderheit zu unterrichten und zu ermutigen.

Schwester Anne Christin Joseph, Leiterin der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ in Indien. © Kirche in Not
Vater und Sohn mit einem Lebensmittelpaket während der Corona-Krise. © Kirche in Not
Durch Corona hat sich jedoch die Lage geändert. Schwester Christins Schmerz ist spürbar, als sie KIRCHE IN NOT erzählt: „Ich bin über 65 Jahre alt und mein Gesundheitszustand ist schlecht. Deshalb darf ich nicht raus, ich darf nichts tun. Wenn ich höre, was mit unseren armen Menschen geschieht, fühle ich mich hilflos und unfähig, ihnen zu helfen. Ich kann nichts Anderes tun, als auf das Kreuz zu schauen und alles dem Herrn anzuvertrauen, der den menschlichen Schmerz am besten versteht.“

Hohes karitatives und geistliches Engagement in der Krise

Neben diesem Schmerz erreichen Schwester Christin aber auch hoffnungsvolle Nachrichten: „Zu meinem Trost reagieren unsere Gemeinschaften mit vielen kleinen Initiativen auf die aktuelle Lage. Immer unter Berücksichtigung der angeordneten Vorschriften helfen sie notleidenden Menschen und verteilen Lebensmittel, und zwar an alle, ob Katholiken, Protestanten, Hindus oder Muslime, ohne Unterschied.“ Im Bundesstaat Sikkim im äußersten Norden Indiens an der nepalesischen Grenze, helfen Mitglieder der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ in Zusammenarbeit mit staatlichen Helfern bei der Verteilung von Desinfektionsmitteln und Schutzmasken.

Darüber hinaus unterstützen sich die Gläubigen gegenseitig durch digitale Nachrichten, sie veröffentlichen Gebete und Leitfäden, um besonders für ein Ende der Pandemie und ihre Folgen zu beten, berichtet Schwester Christin: „Wir müssen uns mit dieser neuen Art des Kirche-Seins arrangieren und zeigen, wie wir in dieser Zeit der Ausgangssperre ,Liebe in Aktion‛ sein können“.

In der Hauptstadt Neu-Delhi seien die von der Regierungsbehörde auferlegten Beschränkungen sehr streng, berichtet Emmanuel Johnson, Leiter einer „Kleinen christlichen Gemeinschaft“. Dennoch helfen er und seine Mitchristen bei der Verteilung von Lebensmittelrationen an Tagelöhner und Familien in Not. „Außerdem haben wir während der Ausgangssperre das Familiengebet eingeführt“, erklärt Johnson. Täglich um 19:00 Uhr versammelt sich die Familie und betet den Rosenkranz in Solidarität mit den an Corona erkrankten Menschen.

Auch Schwester Christin betet viel und hält via WhatsApp Kontakt mit den ihr liebgewordenen Gemeinschaften, die sie nun nicht mehr besuchen kann. Sie dankt KIRCHE IN NOT für die Unterstützung über all die Jahre, so dass die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ jetzt in der Zeit der Krise eine Quelle des Trostes für ihre Mitmenschen sein könnten. „Aber die Tragödie ist groß“, richtet Schwester Christin das Wort direkt an die Wohltäter. „Indien braucht Ihr Gebet. Vergessen Sie uns nicht!“

Um die Arbeit der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ in Indien weiterhin unterstützen kann, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden– online unter: www.kircheinnot.at/helfen/spenden