Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 49 von 49
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Die Universalität der katholischen Kirche wird an vielen Orten deutlich, wo sich das Christentum in der Minderheit befindet, so auch in Marokko, einem Land mit 37 Millionen Einwohnern, von denen 99,9% Muslime und nur 0,08 Katholiken sind. Dort leistet eine kleine, aber große Kirche ihre pastorale Arbeit unter den katholischen Gläubigen. Vor allem engagiert sie sich aber für den am stärksten benachteiligten Teil der marokkanischen Bevölkerung sowie für die Tausenden von jungen Menschen, die aus der Subsahara kommend auf der Suche nach einer Zukunft im idealisierten Europa die Wüste durchqueren. Dorthin, an die Grenze zwischen Afrika und Europa, wird Papst Franziskus am 30. und 31. März reisen, und auf Einladung des Königs Mohamed VI. und der Bischöfe des Landes die Städte Rabat und Casablanca besuchen.

Anlässlich einer Fernsehsendung hat María Lozano für KIRCHE IN NOT (ACN) Msgr. Cristóbal López Romero, den Bischof von Rabat, interviewt. Der Salesianer Don Boscos schildert, was es bedeutet, in dieser Nation im Norden Afrikas zu leben und zu arbeiten.

„Die katholische Kirche existiert in Marokko“, sagt der Bischof voller Stolz gleich zu Beginn des Gesprächs. „Sie ist eine lebendige und junge Kirche, mit Gnaden gesegnet und mit dem ausgeprägten Wunsch, Zeugnis abzulegen. Das nordafrikanische Land hat zwei Kathedralen, eine in Tanger und eine zweite in Rabat. Die erste stammt aus der Zeit des spanischen Protektorats, die zweite aus der Zeit des französischen Protektorats. „In unsere Kirchen“, fährt López Romero fort, „kommen mehr junge als alte Menschen, mehr Männer als Frauen und mehr Schwarze als Weiße“. In Marokko besteht die Kirche hauptsächlich aus Ausländern, aus Gläubigen aus mehr als 100 verschiedenen Ländern. Sie arbeiten in der Regel in Unternehmen, die in Marokko Niederlassungen unterhalten. Darüber hinaus stammen viele von ihnen aus Ländern südlich der Sahara, etwa aus dem Kongo, aus Senegal oder der Elfenbeinküste. Diese kommen zum Studium in das Land und finden in der katholischen Kirche die „Geborgenheit“, die sie suchen. Die katholischen Ordensleute, die im Land arbeiten, stammen aus mehr als 40 verschiedenen Nationen. Bischof López erklärt dazu: „katholisch zu sein heißt, universal, weltumfassend zu sein“. Diese Universalität bedeutet, dass die Menschen die individuellen Besonderheiten beiseite legen und sich auf das Gemeinsame konzentrieren: „Wir schauen auf das Wichtige, auf das Wesentliche. Die Unterschiede bereichern uns, wir sind offen füreinander, und sehen den Unterschied als Chance, nicht als Problem.“

Kirche als Samariterin

Die Kirche in Marokko und die Einrichtungen, mit denen sie zusammenarbeitet, nehmen die Schwächsten unabhängig von ihrer Herkunft auf und helfen ihnen. Sie engagieren sich insbesondere innerhalb der marokkanischen Gesellschaft sowie unter den aus Ländern südlich der Sahara kommenden Einwanderern, die versuchen, Europa zu erreichen oder in Nordafrika zu bleiben. „Die Kirche setzt die Aufnahme und Fürsorge für die Bedürftigen in die Praxis um, d.h. sie ist eine samaritanische Kirche“, sagt der Interviewte. Durch die Caritas betreut Marokko Tausende von Migranten, die die Sahara durchqueren, und nach dieser harten Durchquerung gweissermaßen im Land „stecken bleiben“, ohne nach Europa gelangen zu können. „Diese Menschen müssen betreut und gehört werden. Die meisten sind bei ihrer Ankunft krank, und viele Frauen schwanger. Die Kirche „nimmt sie auf. Sie beschützt, fördert und gliedert sie ein, so wie es Papst Franziskus fordert.“ Die Arbeit der Kirche in Marokko ist so wichtig, dass „auch die muslimischen Behörden sie schätzen“.

Auf die Frage, warum junge Menschen aus Afrika fliehen, erklärt Bischof López, dass für die Mehrheit der jungen Migranten wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend sind. Sie fliehen vor Armut und Arbeitslosigkeit, viele von ihnen aber ebenfalls vor Krieg, Kampfhandlungen, Verfolgung oder Naturkatastrophen. Nach Ansicht des Bischofs von Rabat wird das Migrationsproblem in Afrika kaum zu lösen sein, solange „in Europa 30% der produzierten Lebensmittel weiterhin weggeworfen werden“, und dort „im Überfluss und prunksüchtig“ gelebt und gleichzeitig verlangt wird, dass diejenigen, „die im Elend leben, sich untätig in ihr Schicksal fügen“, und sich die Gesellschaft dieses Verhaltens nicht bewusst macht. „Es ist wenig christlich, ja unmenschlich, dass Europa seine Grenzen abschirmt, um nicht teilen zu müssen, was allen gehört und was Europa sich angeeignet hat“, bemerkt der Ordensangehörige mit empörter Stimme. Der Bischof erinnert dabei an die Worte von Papst Franziskus: „Kapitalismus tötet“. „Statt Hilfe zu leisten, sollten wir für die Rohstoffe bezahlen, die wir ausbeuten. Sorgen wir dafür, dass die multinationalen Konzerne die Steuern zahlen, die sie schulden“. Er fordert, dass Afrika nicht „mit Brosamen, sondern mit Gerechtigkeit und Entwicklungsplänen“ geholfen wird. „Ohne Liebe sind wir nichts, ohne Gerechtigkeit sind wir noch weniger“.

„Der junge Marokkaner“ – der Bischof kehrt zum vorigen Thema zurück – „ist in seinem eigenen Land eingesperrt“. Aufgrund seiner geografischen Lage leidet Marokko darunter, dass es keinen realistischen Weg aus dem Land gibt. Im Süden befindet sich die große Wüste Sahara, im Westen der Atlantik, im Osten Algerien – und die Grenze zu diesem Land ist wegen des Krieges geschlossen – sowie im Norden Europa. „Viele junge Menschen aus Marokko fragen, und weisen dabei auf Spanien hin: Warum können sie hierher kommen, und ich kann nicht dorthin fahren?“

Gibt es Religionsfreiheit in Marokko? 

Eine ganz andere Frage, auf die Franziskus sicherlich bei seiner Reise stoßen wird, ist die Lage der Religionsfreiheit im Land. Wie die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT in ihrem Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2018 feststellt, ist das Königreich Marokko gemäß seiner Verfassung ein souveräner muslimischer Staat. In Artikel 3 heißt es: „Der Islam ist Staatsreligion; der Staat gewährleistet allen Menschen die freie Religionsausübung.” Aber die Verfassung selbst verbietet es politischen Parteien, parlamentarische oder verfassungsmäßige Änderungen vorzunehmen, die dem Islam zuwiderlaufen. Das Europäische Parlament hat im Hinblick auf die Religionsfreiheit festgestellt, dass diese zwar in der marokkanischen Verfassung verankert ist, dass jedoch „Christen und vor allem zum Christentum konvertierte Muslime zahlreichen Formen der Diskriminierung ausgesetzt sind und es ihnen nicht erlaubt ist, eine Kirche zu betreten.“ Gemäß dem marokkanischen Strafgesetzbuch ist es Nicht-Muslimen verboten, Muslime zu bekehren bzw. deren „Glauben zu erschüttern“. Auch die Verbreitung von nichtislamischen religiösen Publikationen unterliegt Beschränkungen von staatlicher Seite.

KIRCHE IN NOT-Österreich sammelt Spendengelder, um in den verschiedenen Teilen der Welt die Armut zu bekämpfen, den Menschen vor Ort das Überleben zu sichern und die kirchlichen Aufgaben zu ermöglichen, aber auch dort wo, Christen wegen ihres Glaubens unterdrückt, bedroht oder verfolgt werden.

Herbert Rechberger, Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT-Österreich, zeigt sich nun sehr zufrieden, dass die Spendenabsetzbarkeit endlich möglich ist: „Unsere Wohltäter sind besonders großzügig und haben auch tatkräftig mitgeholfen, die vielfältigen Nöte in aller Welt zu lindern, ohne Spendenabsetzbarkeit. Und daher bin ich froh und dankbar, wenn auch sie nun endlich diese Steuererleichterung bekommen.“

Der Schwerpunkt unserer Hilfe liegt nach wie vor im Mittleren und Nahen Osten. So haben ein Projekt in Syrien begonnen, das den Wiederaufbau der zerstörten Häuser vorantreibt. Mit einer Zeremonie anlässlich des Wiederaufbaus ihrer Häuser feierten vor kurzem christliche, syrische Familien ihre Rückkehr in ihre Heimatstadt, aus der sie von Extremisten gewaltsam vertrieben worden waren. Im Laufe des Gottesdienstes in der vollen Marienkirche im Dorf Krak des Chevaliers (Al Husn) erhielten die Pfarrangehörigen Steintafeln mit der Aufschrift “Jesus ist mein Fels” und Fläschchen mit Weihwasser – als Zeichen für die Fertigstellung der Reparaturen an den Häusern, die in der zweijährigen Gewaltkampagne auf dem Höhepunkt des Krieges verwüstet worden waren. Neben den Reparaturen an den Häusern hat KIRCHE IN NOT die 900 Jahre alte Marienkirche, die schwer unter den Angriffen während der Welle der Gewalt gelitten hatte und profaniert worden war, restauriert.

Der melkitisch griechisch-katholische Erzbischof von Latakia, Nikolas Sawaf, der die Zeremonie leitete, dankte unter anderem KIRCHE IN NOT für die Finanzierung des Programms zur Instandsetzung von 55 Häusern.
Er sagte: “Wer hätte angesichts all dessen, was die Menschen durchlitten haben, angesichts der Gewalt und des Hasses, geglaubt, dass diese Häuser wieder aufgebaut würden? Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung, und ich danke KIRCHE IN NOT von Herzen.”

Alle Spenden, die ab dem 5. Februar 2019 bei KIRCHE IN NOT-Österreich eingehen, sind steuerabzugsfähig. Die Registriernummer lautet: SO13882.

Dank der Spende von 200.000 Euro, die KIRCHE IN NOT im Anschluss an die Versteigerung des von Papst Franziskus verschenkten Lamborghini erhalten hat, kann das Hilfswerk nun zwei neue Initiativen finanzieren, die den in die Ninive-Ebene zurückgekehrten christlichen Familien zugute kommen.

Am 15. November 2017 hatte der Heilige Vater entschieden, einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Lamborghini Huracan, der ihm vom Autohersteller geschenkt worden war, KIRCHE IN NOT zukommen zu lassen. Heute wird KIRCHE IN NOT diese Geste des Pontifex zu konkreter Hilfe machen, indem sie mit dem Geld den Wiederaufbau zweier durch den Krieg zerstörter Einrichtungen der syrisch-katholischen Kirche finanziert: den Wiederaufbau des nach der Jungfrau Maria benannten Kindergartens und des Multifunktionszentrums der gleichnamigen Pfarre.

Beide Gebäude befinden sich in Baschiqa, gerade 30 Kilometer von Mosul entfernt. Die Kleinstadt ist durch den Krieg hart getroffen worden, doch zahlreiche Mitglieder der christliche Gemeinschaft sind zurückgekehrt. Es sind tatsächlich bereits 405 der 580 beschädigten Wohnhäuser repariert worden und 50 % der Christen, genauer gesagt 1585, zurückgekehrt. Die beiden mit dem Verkaufserlös des Lamborghini finanzierten Wiederaufbaumaßnahmen werden auch den anderen Minderheiten in der Stadt zugute kommen, da das Multifunktionszentrum mehr als 1000 Personen fassen kann und von den verschiedenen Gemeinschaften für Hochzeiten und religiöse Feste genutzt werden wird. Es wird das größte Zentrum der Gegend sein und mehr als 30 000 Einwohnern, die Angehörige verschiedener Ethnien und Glaubensrichtungen sind, zur Verfügung stehen.

Gerade etwas mehr als zwei Jahren nach der Befreiung der Dörfer der Ninive-Ebene hat die Zahl der Christen, die in ihre Häuser zurückkehren konnten, die kühnsten Erwartungen übertroffen. Am 11. Januar diesen Jahres waren gut 9108 Familien in ihre Dörfer zurückgekehrt, also fast 46% der 19 832 Familien, die dort im Jahr 2014 vor der Ankunft des Islamischen Staats (IS) gewohnt hatten. Dies ist den enormen Anstrengungen des Wiederaufbaus zu verdanken, die zum Großteil von KIRCHE IN NOT finanziert worden sind und es erlaubt haben, bis jetzt 41% der 14 035 vom IS zerstörten oder beschädigten Wohnhäuser wiederherzustellen.

Die Initiative, bei deren Verwirklichung die Stiftung zusammen mit den lokalen Kirchen an vorderster Front steht, hat im Heiligen Vater einen unermüdlichen Wohltäter gefunden. Bereits im Jahr 2016 hat Papst Franziskus mit 100 000 Euro die “Saint Joseph Charity Clinic” in Erbil gestiftet, die kostenlose medizinische Versorgung anbietet.

Dieses zusätzliche Geschenk des Heiligen Vaters nun wird es den Christen ermöglichen, ihren eignen Glauben zu leben und ihren Kindern eine Zukunft im Irak zu sichern. Gleichzeitig wird es eine starke Botschaft und Einladung zur friedlichen Koexistenz der Religionen in einer Gegend sein, in der der Fundamentalismus leider auch die interreligiösen Beziehungen beschädigt hat.

Seit der Vertreibung der Christen durch den IS hat KIRCHE IN NOT die notleidenden Christen im Irak mit 40 Millionen Euro unterstützt. Um den Wiederaufbau weiter voranzutreiben und der Bevölkerung materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Irak Wiederaufbau

Ein Aktionsplan, der es Tausenden von Christen ermöglichen soll, in ihre Häuser in der syrischen Stadt Homs zurückzukehren, wurde unter Beteiligung von Kirchenführern und einer bedeutenden katholischen Hilfsorganisation vereinbart.

Bei diesem Treffen in Homs unterzeichneten die Führer von fünf Kirchengemeinden die «Homs-Wiederaufbau-Komitee-Vereinbarung», nach der die katholische Hilfsorganisation KIRCHE IN NOT, als Teil der ersten Phase des Plans, 300 Häuser wieder instandsetzen wird.

In einer zweiten Phase sollen weitere 980 Häuser wiederaufgebaut werden: 80 von Angehörigen der melkitisch griechisch-katholischen Gemeinde, 600 von Angehörigen der griechisch-orthodoxen Gemeinde und 300 Häuser, die syrisch-orthodoxen Familien gehören. KIRCHE IN NOT wird einen Teil dieses Projektes unterstützen.

Um die Bedeutung dieser Vereinbarung hervorzuheben, sagte der für KIRCHE IN NOT-Projekte im Nahen Osten verantwortliche Referent, Pater Andrzej Halemba: “Diese Vereinbarung ist eine der entscheidendsten Maßnahmen für die Wiederherstellung der christlichen Gemeinde in Homs.

“Die Verpflichtung, so viele Häuser wiederaufzubauen, ist für die Menschen, die unbedingt in die Stadt zurückkehren wollen, die für Christen eine der bedeutendsten in ganz Syrien ist, ein Licht der Hoffnung.”

Der Griechisch-Orthodoxe Bischof von Homs, Georges Abou Zakhem, kommentierte: “Die Menschen müssen in ihre Häuser zurückkehren, können dies ohne die Hilfe von KIRCHE IN NOT aber nicht tun.”

Der Melkitische Priester, Pater Bolos Manhal, sagte hierzu: “Ich bin sehr glücklich, dass die Menschen diese wunderbare Möglichkeit haben, in ihre Häuser zurückzukehren. Sie haben so viel gelitten, und für viele wird mit der Rückkehr ein Traum in Erfüllung gehen.

“Sie mussten so viel Geld ausgeben, um eine Wohnung zu mieten, sodass der Wiederaufbau ihrer Häuser ihr Familienbudget sehr entlasten wird. Überdies gibt es in der Stadt mehr Arbeitsmöglichkeiten als auf dem Land, und die werden sie dann nutzen können.”

KIRCHE IN NOT wird den Wiederaufbau der Häuser mit maximal 3.500 US-Dollar pro Haus unterstützen.
Da in Homs mehr als 12.500 Häuser zerstört und 37.500 schwer beschädigt worden sind, leben viele Christen als Vertriebene seit bis zu sieben Jahren im nahegelegenen «Tal der Christen».

Zum Höhepunkt des Konfliktes im Jahr 2014 lebten in der Altstadt von Homs nur noch weniger als 100 Christen, und gezielte Angriffe durch islamistische Extremisten zwangen ungefähr 250000, den Ort zu verlassen.

Im letzten Jahr entwickelte KIRCHE IN NOT den Plan, 100 Häuser wiederaufzubauen, die melkitischen und syrisch-orthodoxen Familien gehören. Von diesen sind 85 bereits wieder bewohnt, und die Rückkehr der restlichen Familien wird zu Beginn des Studienjahres im Herbst erwartet.

Der «Wiederaufbauplan Homs 2018» war Teil eines Vorhabens, das bereits zum Neuaufbau von beinahe 500 Häusern in ganz Syrien geführt hat, viele davon in Aleppo.

Seit Beginn der Krise in Syrien im Jahre 2011 hat KIRCHE IN NOT 750 Projekte abgeschlossen, an denen 150 Partner beteiligt waren.

Seit dem Beginn des Bürgerkrieges in Syrien 2011 hat KIRCHE IN NOT in Syrien fast 750 Projekte für rund 29,5 Millionen Euro finanziert. 

Um den Menschen in Syrien weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter www.spenden.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Christen in Syrien

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Am 27. Januar 2019 explodierten zwei Bomben in der Kathedrale von Jolo auf dem Sulu-Archipel zwischen Mindanao und Borneo, die 23 Menschen töteten und 112 weitere verletzten. Auf diese Tragödie folgte am 30. Januar ein Granatenangriff auf eine Moschee in Zamboanga im Westen der Insel Mindanao. Pater Sebastiano d’Ambra, Missionar des Päpstlichen Instituts für Auslandsmissionen (PIM), der sich seit 40 Jahren im Süden der Philippinen für den interreligiösen Dialog engagiert, erzählt in einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, wie die Situation in dem Land mit der meisten Katholiken auf dem asiatischen Kontinent erlebt wird.

KIRCHE IN NOT:
 Pater D’Ambra, können Sie uns erzählen, wie der Anschlag vom 27. Januar vor Ort wahrgenommen wurde?

Pater D’Ambra: Selbstverständlich hat uns die Gewalt des Anschlags schockiert und auch die Tatsache, dass das Ziel ein heiliger Ort war. Leider reiht sich dieser Gewaltakt in einen Kontext wachsender Spannungen in der Region ein. In den letzten Jahren hat der Radikalismus zugenommen und die christliche Minderheit auf der Insel Jolo (1% der Gesamtbevölkerung von 120.000 Einwohnern der Insel Jolo) ist nicht das einzige Opfer; es gibt auch Muslime, die zu mir kommen und sagen: „Pater, wir werden ebenfalls bedroht, weil wir nicht die gleiche Art Muslime sind wie sie.“

KIRCHE IN NOT: Drei Tage nach dem Anschlag auf die Kathedrale hat eine Granate in einer Moschee in Zamboanga auf den Südphilippinen, wo Sie arbeiten, zwei Menschenleben gefordert. Haben Sie Angst, dass es zu einem interreligiösen Konflikt kommt?

Pater D’Ambra: Meiner Meinung nach besteht keine Verbindung zwischen den beiden Anschlägen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christen ihre Toten rächen wollen, indem sie eine muslimische Kultstätte angreifen. Andererseits glaube ich schon, dass es sich wieder um das Werk jener extremistischen Gruppen handelt, deren Gewalt zunimmt und die Verwirrung stiften wollen. Sie sind es, die Christen und Muslime voneinander trennen wollen. Sie nutzen die Situation, um im ganzen Land Chaos zu verursachen und das Gleichgewicht in Frage zu stellen. Ein Gleichgewicht, das zu einem großen Teil auf den Beziehungen zwischen Gläubigen verschiedener Religionen beruht.

KIRCHE IN NOT: 
Laut den Behörden wird zurzeit jedoch der Kampf gegen den islamischen Terrorismus sukzessive gewonnen, teilen Sie diese Einschätzung?

Pater D’Ambra: Nein, überhaupt nicht. Leider kommt es zu interreligiösen Spannungen. Dass Führer extremistischer Gruppen hingerichtet wurden, bedeutet noch lange nicht, dass die philippinische Regierung den Krieg gewinnt. Dies zu glauben, wäre ein Fehler. Ich weiß sehr wohl, dass die Armee alles in ihrer Macht Stehende tut, um diese Gruppen zu kontrollieren. Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht. Gruppen wie der Islamische Staat, Maute oder Abu Sayyaf haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Probleme im Land verursachen, und sie können in den kommenden Jahren an Macht gewinnen. Ich sage nicht, dass wir in Angst leben müssen, aber wir müssen realistisch sein, und ich glaube nicht, dass sie besiegt sind. Ich glaube, dass sie weiterhin die Freundschaft auf die Probe stellen werden, die uns mit unseren muslimischen Nachbarn verbindet.

KIRCHE IN NOT: Haben Sie den Eindruck, dass Sie um Ihr Leben bangen müssen?

Pater D’Ambra: Na ja, wissen Sie: Ich lebe seit vierzig Jahren hier. Ich hätte deshalb schon lange Zielscheibe werden können – sogar mehrfach, würde ich sagen. Insbesondere einmal, als ich in eine Falle gelockt wurde. Die für mich bestimmte Kugel tötete einen meiner Freunde. In dieser Zeit vermittelte ich mit den muslimischen Rebellen. Dass ein Priester fast drei Jahre lang mit diesen Gruppen sprach, war eine ungewöhnliche Erfahrung. Wir hatten es geschafft, ein Verhältnis gegenseitigen Respekts herzustellen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, dass ein einziger Priester mehr als tausend Soldaten für den Frieden leisten könnte, diejenigen überrascht haben muss, die das Ende des Konflikts nicht wollten. Diese Haltung erleben wir auch heute. Einige Muslime sagen uns, dass unsere Programme für den Dialog zwischen Christen und Muslimen nicht nach dem Geschmack von Extremisten sind.

KIRCHE IN NOT: Möchten Sie zum Schluss eine Botschaft aussprechen?

Pater D’Ambra: Habt keine Angst! Glaubt mir, die Liebe ist stärker als der Hass! Ich danke KIRCHE IN NOT für ihre Nähe zu den Christen, die sich auf der ganzen Welt in Not befinden. Ich bitte alle Christen, den Dialog in ihrem eigenen Umfeld zu fördern, um aus der Logik des Konflikts auszubrechen.

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In Pakistan wurden schätzungsweise 224 Christen Opfer des Blasphemiegesetzes, seit das Gesetz 1986 verabschiedet wurde. So berichtet Cecil Shane Chaudhry, Exekutivdirektor der pakistanischen Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) einer italienischen Delegation der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT bei ihrem Besuch in dem asiatischen Land.

Auch wenn der juristische Fall für Asia Bibi am vergangenen 29. Januar ein glückliches Ende gefunden hat, verzeichnet die Kommission derzeit 25 weitere Fälle von Christen auf, die immer noch im Gefängnis leiden, wie es eine dem Hilfswerk vorgelegte Studie belegt. Darüber hinaus wurden 23 Christen wegen der Unterstellung von Blasphemie zwischen 1990 und 2017 umgebracht.

Als “Antiblasphemiegesetz” sind vor allem zwei Absätze des Artikel 295 des pakistanischen Strafgesetzbuches zu verstehen (Absätze B e C). Der Artikel 295B sieht für denjenigen, der den Koran verunglimpft, die lebenslange Freiheitsstrafe vor; der Artikel 295C die Todesstrafe für denjenigen, der den Propheten Mohammed beleidigt.
“Das Antiblasphemiegesetz stellt für die Fundamentalisten ein gewaltiges Instrument zur Machtausübung dar, zulasten der Minderheiten, und wird häufig missbraucht, um persönliche Rache zu nehmen“, so Chaudhry. „Und wenn ein Christ angeklagt wird, so betreffen die Konsequenzen die ganze Gemeinschaft.“

Dies ist genau das, was sich im März 2013 im christlichen Viertel Joseph Colony in Lahore ereignet hat, nachdem der junge Christ Sawan Masih angeklagt worden war, Mohammed beleidigt zu haben. „Nach dem Freitagsgebet am 9. März hat eine Menschenmenge von 3000 Muslimen das ganze Viertel niedergebrannt und dabei fast 300 Wohnhäuser und zwei Kirchen zerstört”, so berichtet Pater Emmanuel Yousaf, Präsident des NCJP der Delegation von KIRCHE IN NOT bei ihrem Besuch der Siedlung, die mittlerweile dank der Hilfen der Regierung wieder aufgebaut und den Christen zurückgegeben worden ist.

Doch obwohl die 83 Rädelsführer des Brandanschlags alle wieder auf freiem Fuß sind, wurde Sawan Masih 2014 zum Tode verurteilt und wartet noch heute auf den Berufungsprozess. „Die Anhörungen werden ständig verschoben“, erklärt Anwalt Tahir Bashir. “Die letzte Anhörung war für den 28. Januar angesetzt, doch der Richter ist nicht erschienen. Nun ist ein neuer Termin für den 27. Februar anberaumt.”

Wie bei Asia Bibi mangelt es auch beim Fall von Sawan nicht an Unregelmäßigkeiten Die Anzeige gegen ihn wurde von einem seiner muslimischen Freunde, Shahid Imran, erstattet, nachdem die beiden gestritten hatten. Nur zwei Tage später erschienen zwei Zeugen, die in Wirklichkeit zum Zeitpunkt der vermeintlichen Beleidigung Mohammed gar nicht anwesend gewesen waren. „Die Anschuldigungen gegen Sawan werden instrumentalisiert“, so Pater Yousaf gegenüber KIRCHE IN NOT. „In Wirklichkeit geht es eigentlich darum, die Christen aus diesem Stadtviertel zu vertreiben, das sehr begehrt ist, weil es in der Nähe von Stahlfabriken liegt.“

Unterdessen zieht Sobia, die Ehefrau von Sawan, ganz alleine ihre drei Kinder groß. „Ich weiß nicht, warum sie meinen Mann beschuldigen“, sagt sie zu KIRCHE IN NOT. „Ich weiß lediglich, dass der Mann, der ihn angezeigt hat, ein Freund von ihm war, mit dem er gestritten hatte. Sawan ist unschuldig!“

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KIRCHE IN NOT feiert in diesem Jahr den 40. Geburtstag seiner Kinderbibel „Gott spricht zu seinen Kindern“. Über 51 Millionen Exemplare in 189 Sprachen wurden seither weltweit verteilt. „Es ist nach menschlichen Maßstäben nicht fassbar, wie vielen Kindern, aber auch Erwachsenen, die Kinderbibel den Weg zu Gott erschlossen hat“, erklärte der Geschäftsführende Präsident der Stiftung, Dr. Thomas Heine-Geldern, zum Jubiläum. In vielen Familien in armen Weltregionen sei die Kinderbibel oft das einzige Buch, das sie je besitzen.

Kinderbibel stillt Sehnsucht nach Gott

„Die Briefe aus den vergangenen 40 Jahren, in denen Kinder, Familien, Bischöfe und Seelsorger für die Kinderbibel danken, zeugen von der tiefen Sehnsucht nach Gott, die dieses Buch nach wie vor stillt“, erklärte Heine-Geldern. „Gott spricht zu seinen Kindern“ ist in 99 Kurzkapitel gegliedert und enthält die wichtigsten Texte des Alten und Neuen Testamentes in kindgerechter Sprache. In der aktuellen Version der Kinderbibel stammen diese von der deutschen Theologin Eleonore Beck (1926-2014). Die spanische Ordensfrau Miren-Sorne Gomez (*1937) malte die farbenprächtigen Illustrationen, die auch vielfach in Religionsunterricht und Katechese Eingang gefunden haben.

„Vater“ der Kinderbibel war der niederländische Prämonstratenser Pater Werenfried van Straaten (1913-2003), der Gründer von KIRCHE IN NOT. Für 1979 hatten die Vereinten Nationen ein „Jahr des Kindes“ ausgerufen. Dies wurde zur Initialzündung für eine langehegte Idee von Pater Werenfried: „Kinder brauchen so etwas wie eine Kinderbibel, damit das Bild von Jesus in ihren Herzen lebendig wird“, schrieb er damals. „Oft hat die Kirche keine Mittel, eine Kinderbibel in der Muttersprache zu besorgen. Oder die Kirche wird verfolgt und darf solche Schriften nicht herausgeben. Viele Kinder sind so arm, dass sie sich ein Buch nicht leisten können. So wollen wir ihnen eine Kinderbibel schenken.“

Große Nachfrage von Anfang an

Bei der Konferenz der lateinamerikanischen Bischöfe im mexikanischen Puebla Ende Januar 1979, an der auch Papst Johannes Paul II. auf seiner ersten Auslandsreise teilnahm, stellte KIRCHE IN NOT die Kinderbibel vor. Der Erfolg war überwältigend: Die Bischöfe bestellten prompt 1,2 Millionen Exemplare in spanischer Sprache. Missionare, Bischöfe und Katechten aus anderen Ländern erfuhren davon und machten weitere Übersetzungen nötig. Heute sind es 189 Sprachversionen – von Afar, das von rund eineinhalb Millionen Angehörigen des gleichnamigen Volks in Äthopien, Eritrea und Dschibuti gesprochen wird, bis zu isiZulu, einer Bantusprache im südlichen Afrika. Regelmäßig kommen neue Übersetzungen hinzu. Schließlich spricht man allein in Afrika über 2000 eigenständige Sprachen. Dort leistet die Kinderbibel bis heute einen wichtigen Beitrag bei der Alphabetisierung.

Von Anfang stellt KIRCHE IN NOT in bedürftigen Ländern die Kinderbibel kostenlos zur Verfügung. In wohlhabenderen Ländern deckt der erhobene Preis die Selbstkosten. Zu den am meisten verteilten Exemplaren gehören Ausgaben auf Spanisch (rund 14 Millionen), Portugiesisch (10,3 Millionen), Englisch (2,5 Millionen), Französisch (1,2 Millionen) und dem ostafrikanischen Swahili (950 000). Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion machte ein christlicher Radiosender die Kinderbibel auf Russisch bekannt. KIRCHE IN NOT erreichten daraufhin innerhalb kurzer Zeit eine halbe Million Bestellungen.

Auch die Päpste schätzen die Kinderbibel: So hat Papst Benedikt XVI. bei seinem Pastoralbesuch in Brasilien im Mai 2007 die zehnmillionste Ausgabe der Kinderbibel verteilt. Auf Deutsch wurden bis heute rund 500 000 Exemplare verbreitet.

Eine deutsche Ausgabe unserer Kinderbibel “Gott spricht zu seinen Kindern” können Sie in unserem Webshop bestellen … zur Kinderbibel im Webshop

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Das Oberste Pakistanische Gericht hat am 29. Jänner den Freispruch der Katholikin Asia Bibi von der Todesstrafe wegen angeblicher Gotteslästerung bestätigt. Dazu erklärt der Generalsekretär der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN), Philipp Ozores:

„Die heutige Gerichtsentscheidung ist ein Triumph der Menschenreche über religiöse Intoleranz, ein Sieg des Rechts über den Hass der Fanatiker – vor allem aber ein persönliches Glück und eine große Freude für Asia Bibi und ihre Familie. Millionen Menschen haben für ihr Schicksal gebetet und sich für eine Freilassung eingesetzt, darunter auch KIRCHE IN NOT.

Nach über acht Jahren der Ungewissheit ist heute eine lang gehegte Hoffnung Wirklichkeit geworden. Eine Hoffnung, die auch die 187 weiteren pakistanischen Christen beflügelt, die wie Asia Bibi wegen Blasphemie angeklagt sind, in Gefängnissen sitzen oder auf ihre Hinrichtung warten. Für ihre baldige Freilassung wird KIRCHE IN NOT zusammen mit anderen Organisationen und den Projektpartnern in Pakistan weiterhin beten und arbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung des Gerichts endlich auch ein Umdenken der Regierung zufolge hat und die Blasphemiegesetze gelockert oder am besten ganz aufgehoben werden.

Im Blick auf Asia Bibi gilt ein dreifacher Wunsch: Sie soll das Land so schnell wie möglich verlassen können, um mit ihrer Familie in Freiheit vereint zu sein. Es möge der pakistanischen Regierung gelingen, den Mob religiöser Fanatiker auf den Straßen im Zaum zu halten. Und wir alle – Medien, Politik und Organisationen – sollten uns mit Spekulationen über Asia Bibis Verbleib zurückhalten. Ausufernde Spekulationen könnten ihre Ausreise buchstäblich auf den letzten Metern gefährden. Die Gefahr ist noch nicht gebannt, aber die Zuversicht überwiegt.“

Hintergrund:

Die Katholikin Asia Bibi (51) war vor acht Jahren zum Tod verurteilt worden. Das Gericht befand sie für schuldig, im Gespräch mit Nachbarinnen den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Im islamisch geprägten Pakistan gilt ein strenges Blasphemiegesetz. Über Jahre hinweg hatten sich zahlreiche Politiker und Kirchenführer für die Freilassung von Asia Bibi eingesetzt, darunter auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus. Asia Bibis Mann und eine ihrer Töchter hatten mehrfach auf Einladung von KIRCHE IN NOT Reisen nach Europa unternommen, um auf das Schicksal der Inhaftierten aufmerksam zu machen.

Nach jahrelangen Verzögerungen hatte das Oberste Pakistanische Gericht am 31. Oktober 2018 das Todesurteil aufgehoben. Daraufhin kam es in einigen pakistanischen Städten zu gewalttätigen Demonstrationen islamischer Extremisten. Die Regierung sagte schließlich zu, Asia Bibis Ausreise zu verhindern und einen erneuten Revisionsantrag zu zulassen. Diesen hat das Gericht am 29. Jänner abgelehnt.

Foto: British Pakistani Association

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Dominikanerpater James Channan setzt sich seit Jahren für den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein – in einem Land, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen gegen die verschwindend kleine Minderheit der Christen kommt und ein Blasphemiegesetz jede vermeintliche Kritik am Islam unter drakonische Strafen stellt, nicht nur im Fall Asia Bibi. Channan leitet das „Peace Center“ in der pakistanischen Stadt Lahore. 

Mit Tobias Lehner sprach er über die Auswirkungen der Blasphemiegesetze bei einem Besuch in der Zentrale von der Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN), hoffnungsvolle Entwicklungen in der islamischen Welt und die Zukunftsaussichten für Asia Bibi.

Tobias Lehner: Die lebensgefährliche Situation vieler Christen in Pakistan hat für die Weltöffentlichkeit durch das Schicksal von Asia Bibi ein Gesicht bekommen. Nach Jahren in der Todeszelle wurde sie Ende Oktober 2018 vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen. Was wissen Sie über die aktuelle Situation?

Pater James Channan: Die Lage der Christen in Pakistan ist alarmierend. Sie leben in Angst und Unsicherheit. Diese Situation hält schon seit den Siebzigerjahren an, seitdem die islamische Gesetzgebung der Scharia in Pakistan als Quelle der Gesetzgebung dient. Vor allem das umstrittene Blasphemigesetz wird von radikalen Muslimen missbraucht, um persönliche Rechnungen zu begleichen. Wenn irgendwo ein Christ wegen angeblicher Blasphemie angeklagt wird, stehen gleichzeitig alle Christen in der Region am Pranger. Oft kommt es dann auch zu Ausschreitungen gegen Christen.
Genau das passierte auch im Fall Asia Bibi. Wegen angeblicher Blasphemie war sie neun Jahre in der Todeszelle. Auch nach ihrem Freispruch ist sie nach wie vor nicht sicher. Radikale Islamisten versuchen, sie ausfindig zu machen und zu töten. Daher steht sie unter staatlichem Schutz. Wir hoffen, dass das oberste Gericht bald den Freispruch nochmals bestätigt und keine weitere Revision zulässt. Dann kann sie hoffentlich ausreisen und in Freiheit leben.

Asia Bibi ist kein Einzelfall. Was wissen Sie über das Schicksal der Christen, die ebenfalls wegen Blasphemie angeklagt sind?

Einem Bericht der katholischen Bischofskonferenz von Pakistan zufolge gibt es weitere 187 Fälle, in denen Christen wegen Blasphemie angeklagt sind. Darunter ist zum Beispiel das Ehepaar Shafqat Masih und Shagufta Bibi. Sie sind in der Todeszelle, ich habe sie dort besucht. Sie werden beschuldigt, blasphemische SMS verschickt zu haben. Das Paar bestreitet das. Ihre Zukunftsaussichten sind sehr düster. Selbst wenn sie doch noch freigesprochen werden sollten, werden sie und ihre Kinder nicht länger in Pakistan leben können. Fanatische Muslime werden versuchen, sie zu töten. Das Blasphemiegesetz zerstört das Leben der Angeklagten, auch wenn sie der Hinrichtung entgehen.

Nach dem Freispruch von Asia Bibi haben wir Bilder einer aufgeheizten Menge gesehen, die weiterhin ihre Hinrichtung fordert. Haben die Christen in Pakistan vor diesem Hintergrund jemals eine Chance auf Religionsfreiheit?

Es entstand der Eindruck, dass eine Gruppe militanter Muslime jederzeit das ganze Land lahmlegen können. Aber der militante Islamismus hat in Pakistan keine Mehrheit. Es gibt entweder zehn bis 15 Prozent radikale Islamisten, die die Menschen zu Gewalt anstacheln. Die Mehrheit der Muslime folgt diesen Aufheizern nicht. Sie setzen sich für die Religionsfreiheit auch der Christen ein. Es war eine große Erleichterung für Christen und Muslime, dass die pakistanischen Sicherheitskräfte in jüngster Zeit über 1000 Islamisten festgenommen hat. Es war ein richtiger Schritt der Regierung, hart gegen den Extremismus vorzugehen. Und ich hoffe, dass das so bleibt.

KIRCHE IN NOT arbeitet seit vielen Jahren mit Ihnen zusammen. Aus europäischer Sicht scheinen die Möglichkeiten begrenzt, um die Situation zu verändern. Macht die Hilfe dennoch einen Unterschied für die Christen in Pakistan?

Die Unterstützung von KIRCHE IN NOT trägt immens dazu bei, dass die Kirche in Pakistan den Glauben verkünden und den Dialog fortsetzen kann. Durch diese Hilfe ist es uns gelungen, viele Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen. Wir wollen zeigen, dass die verschiedenen Religionen keine Angst voreinander zu haben brauchen. Im Friedenzentrum in Lahore sind viele muslimische Geistliche, darunter der Großimam der zweitgrößten Moschee Pakistans, fester Bestandteil unseres Programms und enge Freunde. Ich bin überzeugt, dass eine gute und friedliche Zukunft im Dialog zwischen Christen und Muslimen begründet liegt.

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Nach fünf Jahren Ehe adoptierten Gulzar Masih und seine Frau, ein katholisches Ehepaar, mit Hilfe eines Freundes der Familie ein kleines Mädchen aus einem örtlichen Krankenhaus. Sie gaben ihm den Namen Meerab. Mittlerweile ist Meerab, die in Sargodha, Pakistan, lebt, 19 Jahre alt und erzählt der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT von ihrem schwierigen Leben und ihren Zielen für die Zukunft.

“Mein Vater war Gulzar Masih, meine Mutter ist Naasra Bibi. Ich habe einen acht Jahre alten Bruder, Shahryar Gulzar und gehöre zu einer katholischen Familie. Mein Vater arbeitete als Tagelöhner auf dem Bau und als Anstreicher; er verdiente 200 pakistanische Rupien am Tag, was etwa zwei Dollar entspricht. Aber an manchen Tagen gelang es ihm nicht, Arbeit zu finden, sodass wir gelegentlich auf die Mahlzeit verzichten mussten. Für unseren Bedarf zu sorgen, war für meinen Vater immer schwierig. Wir dankten aber dennoch Gott für seinen Segen.

Eines Tages wurde mein Vater schwer krank, und meine Mutter brachte ihn ins Krankenhaus. Der Arzt diagnostizierte Diabetes. Für eine angemessene Behandlung fehlte uns das Geld, so dass mein Vater starb.

Nach seinem Tod fand meine Mutter, obgleich sie unter großen Sorgen und Mühen litt, Arbeit als Haushaltshilfe. Der Lohn sollte unsere häuslichen Bedürfnisse und Ausbildungkosten decken. Das Einkommen unserer Familie war dennoch niedrig und die Kosten hoch, sodass ich meine schulische Ausbildung unterbrechen musste. Meine Mutter ermutigte mich, nicht den Glauben an Gott zu verlieren, wobei sie sagte, Er werde uns den Weg zeigen. Jede Nacht dachte ich an meinen Vater und die Nöte unserer Familie. So entschloss ich mich, meiner Mutter, die nicht sehr gesund war, zu helfen. Sie ist oft krank und leidet unter hohem Blutdruck.

Ich sagte ihr, ich würde ihr nach der Schule helfen und entweder mit ihr zusammen oder an ihrer Stelle arbeiten. Eines Tages ging ich allein zur Arbeit, wo der etwa 40 Jahre alte Hausherr mich bat, ihm eine Tasse Tee zu kochen. Als ich zu ihm kam, um ihn zu bedienen, hielt er mich am Arm fest und küsste mich. Ich fürchtete mich davor, dies meiner Mutter zu erzählen, da ich dachte, sie würde mich schlagen. Aber als sich dies wiederholte, erzählte ich es ihr. Daraufhin erlaubte sie mir nicht mehr, mit ihr zu arbeiten. Ich fragte mich, ob sie wohl genauso belästigt wird.

Ich betete immer zu Gott in der Hoffnung, dass Er uns helfen und einen Ausweg zeigen möge. Einige Leute besuchten uns und boten uns ihre Unterstützung an. Ich setzte meine schulische Ausbildung an der katholischen St. Ann’s Primary School fort. Mein Bruder besuchte zu dieser Zeit auch die Schule, aber aufgrund unserer finanziellen Schwierigkeiten verließ er sie wieder , um im Baugewerbe als Maler zu arbeiten.

Als ich in der achten Klasse war, begann die zu unserer Diözese gehörende Gesellschaft des heiligen Vinzenz von Paul uns finanziell zu helfen. Zu Beginn bekamen wir ein monatliches Stipendium in Höhe von 500 Rupien, das nach zwei Jahren auf 1000 Rupien erhöht wurde. Später bekam ich die Zulassung für die Oberschule am Ort, die von einer katholischen Organisation geleitet wird und eine der besten Schulen unserer Stadt ist. Ich bin unserem Schulleiter dankbar, der uns alle Gebühren erließ, so dass ich meine schulische Laufbahn problemlos fortsetzen konnte.

Dank der guten Menschen, die Gott uns sandte, kann ich an einem auf das Medizinstudium vorbereitenden Hochschulprogramm teilnehmen. Dort werde ich religiös diskriminiert, da die Schule muslimisch ist, aber ich weiß, dass Gott mit mir ist. Ich lebe in einer sehr armen Gegend; deshalb unterrichte ich abends 200 Kinder kostenlos. Ich wünsche mir sehr, Ärztin zu werden und den Armen zu helfen, damit niemand stirbt, wie mein Vater starb.

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