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Die katholische Kirche in Nigeria reklamiert, dass die Christen in ihrem Land Opfer eines Prozesses der ethnischen Säuberung durch die Fulani-Muslime seien, unter Beteiligung des Staates.

Während eines von KIRCHE IN NOT (ACN) durchgeführten Webinars bestätigten mehrere Referenten, darunter ein Bischof und einige Priester aus Nigeria, dass die Gewalt, unter der das Land seit mehreren Jahren leidet, nicht ausschließlich auf „Zusammenstöße“ zwischen muslimischen Viehhirten und christlichen Bauern zurückzuführen sei.

Ein inoffizielles Flüchtlingslager im Dorf Ichwa. © Diözese Markurdi

„Für mich ist das ein Religionskrieg“

„Es geht nicht nur um Fragen der Beweidung. Für mich ist das ein Religionskrieg“, sagt Bischof Wilfred Anagbe von der Diözese Makurdi im Bundesstaat Benue.

„Sie haben eine Agenda und diese ist die Islamisierung dieses Landes. Und sie setzen das um, indem sie vorsichtig alle Christen beseitigen und das Land besetzen. Wenn es um Beweidung ginge, warum würden dann Menschen umgebracht? Und warum deren Häuser niedergebrannt?“, fragt der Bischof.

„Eine konzertierte, gut geplante Besetzung“

Johan Viljoen, Direktor des „Denis Hurley Peace Institute of South Africa“, das sich für die Förderung von Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit einsetzt und sich mit den Angriffen der bewaffneten Fulani-Milizen im Südosten Nigerias befasst, spricht von einer „konzertierten, gut geplanten Besetzung“. „Dies alles geschieht unter dem Deckmantel der „Miyetti Allah“, deren Schirmherr Präsident Buhari ist“, sagt er und bezieht sich dabei auf eine Organisation, die behauptet, die Rechte der Fulani-Hirten zu verteidigen.

Hohe staatliche Beteiligung ist ein Grund, warum die Streitkräfte nicht bereit sind, einzugreifen und die Gewalt einzudämmen. „Ich glaube nicht, dass die Armee versucht, irgendetwas zu lösen. Wenn überhaupt, würde sie versuchen, es zu fördern“, sagt Viljoen. Er erinnert an eine kürzlich durchgeführte Informationsreise nach Nigeria, bei der Mitarbeiter seines Institutes alle fünf Kilometer von Soldaten, allesamt Fulani, angehalten wurden, die sich bedrohlich verhielten und Gewehre auf sie richteten. Nach Jahren der Gewalt „ist kein einziger Fulani für die Gewalt belangt worden“, fügt er hinzu.

A mass funeral at Genabe village  The height of this genocide against poor villagers took place on January 1st 2018 (new year’s day). More than  80 persons were killed including women and children and thousands displaced from their homes. There is a mass burial site at Genabe village, in Makurdi- Benue State that reminds all of this infamous day.  Photos taken out of the Presentation ACN-20210930-117425.pdf from IPIC - the quality of the single files is very low.
Ein Massenbegräbnis im Dorf Genabe. © Diözese Markurdi

Quellen vor Ort sprechen von bis zu 36 000 Toten

Bischof Wilfred hebt hervor, dass alle Streitkräfte der direkten Kontrolle des Präsidenten unterstünden und zudem „sind alle Chefs der Marine, der Armee, der Luftwaffe und der Polizei Muslime“.

Offizielle Zahlen sprechen von etwa 3000 Toten durch diese Welle der Gewalt in den letzten Jahren, aber diejenigen, die vor Ort sind, sagen, dass es bis zu 36 000 Tote sein könnten; hinzu kommen viele weitere vertriebene, völlig verarmte oder durch das Erlittene tief traumatisierte Menschen. Da viele Nichtregierungsorganisationen die Gefahrenzonen verlassen haben, ist die katholische Kirche mit ihren Einrichtungen, mit denen KIRCHE IN NOT International eng zusammenarbeitet, der einzige zuverlässige Ansprechpartner, um den Menschen vor Ort Hilfe zu bringen.

Eine Rinderherde der Fulani grast auf den Feldern christlicher Bauern. © Diözese Markurdi

Der Mythos wird am Leben gehalten, dass in Nigeria nichts passiere

Die Kirchenvertreter bitten die Menschen im Westen, bei der Bereitstellung von Hilfsgütern zu helfen, aber auch auf andere Weise. „Wir müssen den Diskurs ändern, wir können nicht dem Narrativ der nigerianischen Regierung folgen“, sagt Pater Remigius Ihyula, ebenfalls aus der Diözese Makurdi. „Sie haben überall auf der Welt ihre Getreuen in den Botschaften platziert, so dass der Mythos am Leben gehalten wird, in Nigeria passiere nichts“, beklagt er während des von KIRCHE IN NOT veranstalteten Webinars.

Pater Joseph Fidelis aus der Diözese Maiduguri erklärt, es sei ärgerlich, dass die Leute von „Zusammenstößen“ oder „Konflikten“ zwischen gegnerischen Gruppen sprechen. „Das sind keine Zusammenstöße, das ist ein langsamer Genozid. Menschen aus ihrer angestammten Heimat zu vertreiben, ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen und sie abzuschlachten ist eine Form von Völkermord.“

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber Schätzungen gehen von einer gleichmäßigen Aufteilung zwischen Muslimen und Christen aus, wobei erstere im Norden und letztere im Süden dominieren. Die Gewalt hat sich jedoch inzwischen auf das ganze Land ausgeweitet und bedroht die Stabilität der Nation.

Um den notleidenden Christen in Nigeria weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nigeria

Die katholische Kirche in Nigeria reklamiert, dass die Christen in ihrem Land Opfer eines Prozesses der ethnischen Säuberung durch die Fulani-Muslime seien, unter Beteiligung des Staates. Während eines von KIRCHE IN NOT International (ACN) durchgeführten Webinars bestätigten mehrere Referenten, darunter ein Bischof und einige Priester aus Nigeria, dass die Gewalt, unter der das Land seit mehreren Jahren leidet, nicht ausschließlich auf „Zusammenstöße“ zwischen muslimischen Viehhirten und christlichen Bauern zurückzuführen sei.

„Es geht nicht nur um Fragen der Beweidung. Für mich ist das ein Religionskrieg“, sagt Bischof Wilfred Anagbe von der Diözese Makurdi im Bundesstaat Benue.

„Sie haben eine Agenda und diese ist die Islamisierung dieses Landes. Und sie setzen das um, indem sie vorsichtig alle Christen beseitigen und das Land besetzen. Wenn es um Beweidung ginge, warum würden dann Menschen umgebracht? Und warum deren Häuser niedergebrannt?“, fragt der Bischof.

Johan Viljoen, Direktor des „Denis Hurley Peace Institute of South Africa“, das sich für die Förderung von Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit einsetzt und sich mit den Angriffen der bewaffneten Fulani-Milizen im Südosten Nigerias befasst, spricht von einer „konzertierten, gut geplanten Besetzung“. „Dies alles geschieht unter dem Deckmantel der „Miyetti Allah“, deren Schirmherr Präsident Buhari ist“, sagt er und bezieht sich dabei auf eine Organisation, die behauptet, die Rechte der Fulani-Hirten zu verteidigen.

Hohe staatliche Beteiligung ist ein Grund, warum die Streitkräfte nicht bereit sind, einzugreifen und die Gewalt einzudämmen. „Ich glaube nicht, dass die Armee versucht, irgendetwas zu lösen. Wenn überhaupt, würde sie versuchen, es zu fördern“, sagt Viljoen. Er erinnert an eine kürzlich durchgeführte Informationsreise nach Nigeria, bei der Mitarbeiter seines Institutes alle fünf Kilometer von Soldaten, allesamt Fulani, angehalten wurden, die sich bedrohlich verhielten und Gewehre auf sie richteten. Nach Jahren der Gewalt „ist kein einziger Fulani für die Gewalt belangt worden“, fügt er hinzu.

Bischof Wilfred hebt hervor, dass alle Streitkräfte der direkten Kontrolle des Präsidenten unterstünden und zudem „sind alle Chefs der Marine, der Armee, der Luftwaffe und der Polizei Muslime“.

Offizielle Zahlen sprechen von etwa 3000 Toten durch diese Welle der Gewalt in den letzten Jahren, aber diejenigen, die vor Ort sind, sagen, dass es bis zu 36 000 Tote sein könnten; hinzu kommen viele weitere vertriebene, völlig verarmte oder durch das Erlittene tief traumatisierte Menschen. Da viele Nichtregierungsorganisationen die Gefahrenzonen verlassen haben, ist die katholische Kirche mit ihren Einrichtungen, mit denen KIRCHE IN NOT International eng zusammenarbeitet, der einzige zuverlässige Ansprechpartner, um den Menschen vor Ort Hilfe zu bringen.

Die Kirchenvertreter bitten die Menschen im Westen, bei der Bereitstellung von Hilfsgütern zu helfen, aber auch auf andere Weise. „Wir müssen den Diskurs ändern, wir können nicht dem Narrativ der nigerianischen Regierung folgen“, sagt Pater Remigius Ihyula, ebenfalls aus der Diözese Makurdi. „Sie haben überall auf der Welt ihre Getreuen in den Botschaften platziert, so dass der Mythos am Leben gehalten wird, in Nigeria passiere nichts“, beklagt er während des von KIRCHE IN NOT veranstalteten Webinars.

Pater Joseph Fidelis aus der Diözese Maiduguri erklärt, es sei ärgerlich, dass die Leute von „Zusammenstößen“ oder „Konflikten“ zwischen gegnerischen Gruppen sprechen. „Das sind keine Zusammenstöße, das ist ein langsamer Genozid. Menschen aus ihrer angestammten Heimat zu vertreiben, ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen und sie abzuschlachten ist eine Form von Völkermord.“ 

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber Schätzungen gehen von einer gleichmäßigen Aufteilung zwischen Muslimen und Christen aus, wobei erstere im Norden und letztere im Süden dominieren. Die Gewalt hat sich jedoch inzwischen auf das ganze Land ausgeweitet und bedroht die Stabilität der Nation. (Bild: OpenDoors)

Am 24. April 2018 überfielen Fulani-Nomaden, deren Mehrheit Muslime sind, die Gemeinde St. Ignatius in Ukpor-Mbalom im Bundesstaat Benue im Südosten Nigerias. Zwei Priester, Joseph Gor und Felix Tyolaha, wurden zusammen mit mindestens 17 weiteren Gläubigen ermordet.

Der Angriff fand während der täglichen, gut besuchten Morgenmesse um 5:30 Uhr statt. Die Messe hatte gerade begonnen. Manche Gläubige hatten kaum die Kirche betreten, als eine Gruppe bewaffneter Männer sich plötzlich einen Weg in die Kirche bahnte und das Feuer eröffnete.

Nach dem Angriff auf die Kirche begaben sich die Angreifer in die Stadt und zerstörten 60 Häuser und Getreidespeicher. Unter den Opfern war auch ein Katechet, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und der Direktor des einzigen Gymnasiums der Stadt.

Die Probleme, die die Kirche in Nigeria bewältigen muss, sind riesig, und immer wieder sind Christen das Ziel islamistischer Extremisten. Doch die Kirche ist lebendig und wächst, und die Berufungen werden zahlreicher. Die Priesterseminare benötigen unsere Hilfe, um all die jungen Männer aufnehmen zu können, die an ihre Türen klopfen. KIRCHE IN NOT unterstützt einige Priesterseminare in Nigeria, wie zum Beispiel das Seminar der Diözese Jos mit 69 Studenten.

In einer Botschaft zum 60. Jahrestag der Unabhängigkeit Nigerias von der britischen Herrschaft am 1. Oktober, äußerte Bischof Matthew Kukah von Sokoto scharfe Kritik am Präsidenten des Landes, Mohammadu Buhari, und warf ihm vor, es versäumt zu haben, die anhaltende Gewalt, die sich zum großen Teil gegen Christen richtet, einzudämmen.

„Wo sind die Chibok-Töchter? Wo ist Leah Sharibu? Wer sind die gedungenen Mörder, die unser Land überrannt haben? Unser Land ist jetzt ein Blutbad. Herr Präsident, bitte drehen Sie die Uhr zurück, bevor es zu spät ist. Ich bete für Sie, dass Gott Ihr Herz berührt, damit Sie die Ideale derer annehmen, die vor Ihnen kamen. Dies ist nicht das Nigeria, von dem sie geträumt haben“, sagte der Bischof in der Erklärung, die er an die päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) sandte.

Vor dem Hintergrund der Tötung christlicher Bauern, hauptsächlich durch muslimische Fulani-Hirten fügte der geistliche Würdenträger hinzu, dass „Vetternwirtschaft unter Verletzung der Verfassung zur neuen Ideologie dieser Regierung geworden ist“. In Anlehnung an diese Ideologie hat der Präsident schätzungsweise 85 % der Schlüsselpositionen an die Muslime im Norden abgegeben und dafür gesorgt, dass Männer seines Glaubens in den kritischsten Bereichen unseres nationalen Lebens, nämlich in der Nationalversammlung und in den Sicherheitsbehörden, die Zügel der Macht fest in der Hand halten!

Bischof Kukah erhob den Vorwurf, dass „der Präsident recht gewissenhaft und konzentriert eine Agenda verfolgt hat, die den Bestrebungen und Hoffnungen unseres Volkes über die religiösen Grenzen hinweg eindeutig fremd ist. Nigeria war nicht so, bevor er kam. Wie lange wird diese Lüge noch andauern, bis sie in unseren Gesichtern schmilzt? Wir leben eine Lüge und wir wissen es.“ „In Nigeria ist die Staatsführung ein kriminelles Unterfangen und kein Ruf zum Dienst“, sagte der Bischof.

Ishaku Manawa arbeitet als Pastor in einer für Christen sehr gefährlichen Gegend: In Adamawa, einem Bundesstaat im Nordosten Nigerias. Zu Spitzenzeiten des Terrors von Boko Haram befanden sich hier ganze Landstriche unter islamistischer Kontrolle. Sie hatten zeitweise sogar Mubi und Yola, zwei große Städte des Bundesstaates, eingenommen.

Regierungstruppen befreiten die Gegend zwar im Jahr 2015, doch die Gewalt gegen Christen hält weiter an. Boko Haram gewinnt erneut an Kraft, während zudem islamistische Hirten aus dem Fulani-Stamm  christliche Dörfer ungestraft angreifen. Und das ist auch der Grund dafür, warum Ishaku hier seinen Dienst tut: „Ich will dorthin gehen, wo es den Menschen schlecht geht oder sie noch nie etwas von Jesus gehört haben“, sagt er.

Ishakus Familie lebt zurzeit in Mubi, aber drei bis vier Tage die Woche fährt er über Nacht in die umliegenden Dörfer, um den Gläubigen dort beizustehen. Er weiß, dass er damit jedes Mal sein Leben riskiert. Und der Schmerz, enge Freunde zu verlieren, ist Ishaku nur allzu vertraut. Er schätzt, dass islamistische Terroristen etwa 50 Menschen umgebracht haben, um die er sich gekümmert hat, allein 37 davon gehörten zu einer Gemeinde, die er leitet. Seine Trauer wird meist etwas abgemildert durch das Wissen, dass es Menschen waren, die eng mit Jesus verbunden waren. „Aber bei anderen macht mir ihr Tod wirklich sehr zu schaffen“, erklärt er. „Weil sie nicht so fest im Glauben standen.“

Ishaku konnte sogar miterleben, dass Mitglieder von Boko Haram Christen wurden – wie beispielsweise ein 17-jähriges Mädchen. „Als sie die Gute Nachricht von Jesus hörte, kehrte sie um. Auch wenn ihr Vater nicht begeistert davon ist, es war ihre Entscheidung“, erzählt er. Damit sie in ihrer Beziehung zu Jesus wachsen kann, half Ishaku ihr, zu einer christlichen Frau in einen anderen Bundesstaat zu ziehen.

Als 2014 Hunderttausende von Boko Haram vertrieben wurden, gründete er eine Gemeinde unter den Flüchtlingen jenseits der Grenze in Kamerun. Kürzlich brachte er Bauern aus Adamawa, die vor islamistischen Fulani-Kämpfern geflohen waren, Lebensmittel. „Wo auch immer es nötig ist, gehe ich hin und ermutige die Christen“, erklärt er. „Und ich kümmere mich darum, dass sie einen Ort finden, an dem sie gemeinsam Gottesdienst feiern können – selbst wenn es unter einem Baum ist. Ich besuche sie regelmäßig und bete mit ihnen.“

Obwohl seine Arbeit von ihm verlangt, dass er viel Zeit getrennt von seiner Familie verbringt, unterstützen ihn seine Frau und seine sieben Kinder. „Meine Frau spornt mich immer wieder an“, erklärt er. „Jedes Mal, wenn ich von Menschen in Not höre, sagt sie mir, dass ich mich zu ihnen auf den Weg machen soll.“ Seine älteste Tochter begleitet ihn sogar gelegentlich auf seinen Reisen.

Ishaku glaubt, dass er dazu berufen ist, diese gefährliche Arbeit zu tun. Als „normaler“ Pastor wäre er nicht glücklich. „Ich kann nicht einfach nur herumsitzen und mich amüsieren“, erklärt er. Er spürt, wie Gott ihn für diese besondere Aufgabe ausrüstet. So, wie andere Christen dazu befähigt werden, ihre jeweilige Aufgabe im Leib Christi auszufüllen – zum Beispiel für Ishaku zu beten. (Quelle: HMK) 

Bischof äußert sich nach Ermordung von Entwicklungshelfern. Die Gewalt durch islamistische Milizen und extremistische Fulani-Hirten gegen Christen in Nigeria stellt einen Völkermord dar, erklärte Bischof Matthew Hassan Kukah aus Sokoto im Nordwesten Nigerias. Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT betonte Kukah, dass auch zahlreiche Muslime der Gewalt zu Opfer fielen.

Der Bischof äußerte sich zum Mordanschlag auf fünf Entwicklungshelfer im nordnigerianischen Bundesstaat Borno Ende Juli. Die Terrormiliz „Islamic State West African Province“ (ISWAP), eine Splittergruppe von Boko Haram, hatte ein Video veröffentlicht, dass die Ermordung der Entwicklungshelfer zeigt.

Lokale Berichten zufolge seien drei von ihnen Christen gewesen. Der ISWAP hatte erklärt, das Video solle als Warnung gelten „für all jene, die von Ungläubigen benutzt werden, um Muslime zum Christentum zu bekehren“. Im sogenannten „Middle Belt“, der Zentralregion Nigerias, halten derweil die Übergriffe militanter Fulani-Hirten an. Bei den Attacken handelt es sich um eine Mischung aus Landkonflikten aufgrund der klimatischen Veränderungen und religiösen Auseinandersetzungen.

Seit 2015 rund 6000 Christen getötet

Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) hatte laut „Vatican News“ im Mai dieses Jahres mitgeteilt, dass in Nigeria seit 2015 rund 6000 Christen getötet worden seien, „vor allem durch Boko Haram und militante Fulani-Hirten, die Terroranschläge gegen christliche Bauern verübt haben“. Auf die Frage, ob die Tötung von Christen durch Fulani nach internationalem Recht als Völkermord eingeordnet werden könne, sagte Kukah: „Das denke ich, ja.“

Tötungen von Christen und Muslimen

Er wies darauf hin, dass Morde wie diese nicht nur auf Christen eingegrenzt werden dürften. Muslime seien gleichfalls betroffen – oft sogar noch mehr: „Diese Tötungen waren im vorwiegend muslimischen Norden von Nigeria noch weit schlimmer, etwa in den Bundesstaaten Katsina, Sokoto und Zamfara.“

Bischof Kukah deutete an, dass die nigerianische Regierung am Aufstieg der terroristischen Gruppen Mitverantwortung trage: „Es ist zu befürchten, dass die Regierung diese Gruppen unbeabsichtigt mitfinanziert – vor allem weil sie die Sicherheitsbehörden infiltriert haben. Die Ineffizienz des Militärs hat die Terroristen mutiger gemacht, und es gibt auch Probleme der Komplizenschaft auf verschiedenen Ebenen des Militärs.“ Kukah zufolge könne es „überhaupt keine Diskussion darüber“ geben, dass Nigeria ein sogenannter „failed state“ sei – ein gescheiterter Staat, der seine grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen könne. „Nigeria lässt seine Leute im Stich. Aber die Ölfirmen machen auch noch Gewinne mit dem, was vom Land übrig ist.“

Der Bischof kritisierte auch die westlichen Staaten. Sie hätten keine weiteren Anstrengungen unternommen, um Nigeria zu helfen: „Wir hören Versprechungen von den USA und Europa, doch sie verlaufen alle im Sande.“

 KIRCHE IN NOT unterstützt die bedrängten Christen Nigerias seit Langem. Das Land ist einer der Schwerpunkte der Hilfen auf dem afrikanischen Kontinent. Unser Hilfswerk fördert die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten und sichert ihren Einsatz für die notleidende Bevölkerung.

Auch finanziert KIRCHE IN NOT den Wiederaufbau zerstörter kirchlicher Einrichtungen und unterstützt die lokalen Bischöfe im Einsatz für den Dialog zwischen Christen und Muslimen, der sich angesichts der gemeinsamen Bedrohung noch verstärkt hat. Um weiter den Menschen in Nigeria helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden. Jetzt online spenden … hier.

Im zentralafrikanischen Kamerun ist erneut ein Bibelübersetzer bei einem Anschlag getötet worden. Das bestätigte die Pressesprecherin der auf Bibelübersetzungen spezialisierten Missionsgesellschaft Wycliff, Ramona Eibach (Burbach bei Siegen), auf Nachfrage gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Überfall auf den Pastor Christopher Tanjoh ereignete sich bereits am 7. August in seinem Heimatdorf Guzang im Nordwesten Kameruns. Medienberichten zufolge entführten Unbekannte den Bibelübersetzer und Alphabetisierungslehrer aus seinem Haus und schossen ihm einige Stunden später ins Bein. Der 55-Jährige verblutete daraufhin. Er hinterlässt eine Ehefrau und sieben Kinder. Tanjoh war beim Bibelübersetzungs- und Alphabetisierungsprojekt CABTAL tätig. Die Vereinigung ist Teil des internationalen Dachverbandes der Wycliff-Organisationen. Wie der Generalsekretär von CABTAL, Keyeh Emmanuel, erklärte, gibt es in der Region immer wieder Unruhen. Auch Mitarbeiter des Übersetzungsprojekts seien deswegen bereits weggezogen. Tanjoh jedoch habe das Neue Testament in der Sprache „Moghamo“ fertigstellen wollen. Neben seiner Tätigkeit als Bibelübersetzer arbeitete Tanjoh auch für die Kameruner Gemeinschaftsinitiative für nachhaltige Entwicklung (COMINSUD).

UN: Immer wieder Gewalt gegen Entwicklungshelfer

Siti Batoul Oussein (Jaunde) vom Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) verurteilte den Mord ebenfalls scharf. Entwicklungshelfer würden in Südwest- und Nordwest-Kamerun regelmäßig Opfer von Gewalt. Die UN-Mitarbeiterin rief dazu auf, jegliche Übergriffe oder Behinderungen von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen zu beenden.

Dritter Mord innerhalb weniger Monate

Es ist bereits der dritte Mord an einem Bibelübersetzer innerhalb weniger Monate in Kamerun. Am 23. Oktober 2019 hatten mehrere Personen – Einheimische sprechen von muslimischen Fulani-Hirten – den Bibelübersetzer Benjamin Tem (48) in seinem Haus in der Region Wum (Nordwest-Provinz) die Kehle durchgeschnitten. Nur zwei Monate zuvor war sein Kollege Angus Abraham Fung (60) mit einer Machete getötet worden. Der Ehefrau des Opfers schnitten die unbekannten Angreifer eine Hand ab. Beide Männer hatten bis 2016 bei einem Wycliff-Projekt zur Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache des Stamms der Aghem gearbeitet. In dem Land gibt es mehrere Konfliktherde: Zwei englischsprachige Regionen streben die Unabhängigkeit an, weil sie sich von der frankophonen Mehrheit ausgegrenzt fühlen. Bei den Kämpfen sind mittlerweile mehr als 3.000 Menschen ums Leben gekommen. Ferner sind in den Grenzgebieten islamistische Terrorgruppen aktiv. Von den 23,3 Millionen Einwohnern Kameruns sind jeweils etwa 25 Prozent evangelisch bzw. katholisch. 20 Prozent gehören dem Islam an. Weiterhin gibt es Anhänger von animistischen Religionen. (Quelle: idea)

In den ersten zwei Monaten des Jahres 2020 töteten nach Angaben der in Nigeria ansässigen “International Society for Civil Liberties and Rule of Law” Fulani-Viehhirten 350 Christen. Die US-Menschenrechtsorganisation “International Committee on Nigeria” berichtete, dass extremistische Fulani-Hirten (die traditionell Muslime sind) in den Jahren 2015 bis 2020 für 17.000 Tote verantwortlich waren, wobei die Mehrheit der Opfer christliche Bauern im sog. “Middle Belt” des Landes waren.

Im Gegensatz zur Gruppe Boko Haram, die weiterhin im Land aktiv ist und und die ein islamistisches Kalifat errichten will, sind die Ziele der Fulani-Kämpfer lokal begrenzt und richten sich insbesondere auf den besseren Zugang zu Weiden für ihre Herden, so der “Globale Terrorismus Index”. Die daraus resultierenden Landkonflikte haben einen ethnischen und religiösen Charakter, da die attackierten Bauern vorwiegend Christen sind.

Übergriffe und Morde durch Fulani-Viehhirten haben sich im März und April mit hohem Tempo fortgesetzt. Hier eine Zusammenfassung von Zwischenfällen, über die von nigerianischen Medien berichtet wurde: Am 5. März wurden vier Christen im Bundesstaat Benue getötet, sieben kamen am 13. und 14. März bei Angriffen im Bundesstaat Plateau ums Leben. Am 26. und 31. März wurden neun Christen im Staat Kaduna getötet. Am 1. und 2. April wurden im Staat Plateau sieben Bauern getötet, am 4. April im Bundesstaat Ondo drei Christen, am 11. April wurde ein christlicher Bauer im Staat Plateau ermordet, am 13. April wurden im selben Bundesstaat zwei Christen enthauptet und am 14. April neun Christen getötet, darunter sechs Kinder und eine schwangere Frau.  

Fr. Samuel Aseer Aluga, der Pfarrer der St. Augustin-Kirche in der Diözese Lafia im Bundesstaat Nasarawa, war im vergangenen Jahr selbst mit einem Angriff der Fulani-Viehhirten konfrontiert und berichtet KIRCHE IN NOT von seiner Erfahrung und seinen Gedanken über die Verfolgung von Christen in Nigeria im Lichte der Osterzeit:

“Es geschah am 1. Januar 2019, als ich in der Kirche des heiligen Johannes des Täufers in Keana im Staat Nasarawa die heilige Messe feierte. Es war 5:30 Uhr morgens, und die Mitglieder einer katholischen Frauenorganisation hatten sich versammelt, um das Fest der Muttergottes zu begehen. Die Frauen sangen und tanzten, als Pfarrangehörige aus der Außenstation St. Johannes in die Kirche kamen und ihre Habseligkeiten bei sich trugen. Sie sagten, die Fulani hätten Christen in der Außenstation getötet.

Die Leute schrien um Hilfe. Aber die Polizei sagte mir, sie hätten nicht genug Personal vor Ort, um der Zahl der angreifenden Fulani gewachsen zu sein. Sie sagten auch, sie hätten auch nicht die modernen Waffen, über die die Angreifer verfügten. Am Ende plünderten die Fulani viele Außenstationen, und eine Pfarrei mit 30 Außenstationen wurde geschlossen. Meine Pfarrangehörigen und ich wurden zu Binnenflüchtlingen. Einige Familien, die nicht nach Hause zurückkehren konnten, befinden sich noch in meiner Obhut. Ich habe für sie eine Unterkunft gemietet.

An jenem Tag wurden 15 Angehörige der Pfarrei brutal abgeschlachtet. Dies geschah am Neujahrstag, an dem wir die Muttergottes ehren, und ich fühlte mich im Stich gelassen und fragte mich, ob Gott auf unserer Seite sei. Ich fragte mich, warum das, was ich organisiert hatte, um die Muttergottes zu ehren, und der Terror am selben Tag passieren musste. Ich fragte mich, wo Maria, unsere Mutter, war, warum sie nicht eingreifen konnte, sondern diese Menschen leiden ließ.

Ein Jahr später können wir, wenn wir im Licht von Ostern über das Leid nachdenken, das durch die Fulani-Viehhirten, Boko Haram und ISWAP verübt wird, zuerst einmal feststellen: Das Leid war von jeher ein Teil der menschlichen Anstrengungen. Es geschieht, um die Menschheit aus ihrem Versagen lernen und sie zu ihrem Gott zurückkehren zu lassen, um Barmherzigkeit zu erlangen.

Obwohl wir in diesem Land von verschiedenen Seiten Leid erfahren – von islamistischem Terrorismus bis hin zu Entführungen und bewaffnetem Banditentum – müssen wir ein Volk der Hoffnung sein. Wenden wir uns an Gott, unseren Vater, und beten wir innig darum, dass Er eingreift.

 Mögen wir unsere Leiden und unseren Schmerz unserem Herrn und Meister Jesus aufopfern, der am Kreuz auf Kalvaria vor Schmerz aufschrie und um unseretwillen Seinen Geist aushauchte. Er sagte, wie es der Evangelist Joahnnes überliefert hat: “Es ist vollbracht.” So werden eines Tages auch alle diese Schreie und dieser Terror zu Ende gehen. Alles, was wir tun müssen, ist, an unserem Glauben festzuhalten in der Hoffnung, dass auch dies eines Tages vorübergehen wird.

Die Osterzeit ist eine besondere Zeit, in der die Kirche jedes Jahr den Übergang Christi feiert, den Übergang vom Leiden und Tod in die ewige Glorie der Auferstehung. Unsere menschlichen Erfahrungen sollten uns nicht daran hindern, Ostern in seiner ganzen Fülle zu begehen.

Wenn wir weiterhin unseren täglichen Kampf streiten, müssen wir ein Volk der Hoffnung sein, dass Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in unsere Situation eingreifen und dauerhaft Freude und Frieden bringen wird. Er wird uns zu unseren Übergang rufen – unserem eigenen Übergang von Leben zum Tod.”

Nigeria ist ein weltweit einzigartiges Land. Seine Einwohner sind fast zu gleichen Teilen Christen und Muslime. Hier lebt etwa ein Fünftel der afrikanischen Bevölkerung. Eine Krise, die in Nigeria nicht entschieden angegangen wird, würde sich letztlich auf ganz Afrika auswirken. Der katholische Erzbischof von Benin-Stadt und Präsident der Katholischen Nigerianischen Bischofskonferenz Augustine Obiora Akubeze spricht in einem Interview mit der Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) von den ernsten politischen Problemen, die sich aus der derzeitigen Unsicherheit im Land aufgrund der Gräueltaten sowohl der Terrorgruppe Boko Haram als auch anderer radikaler Gruppen wie der Fulani ergeben.

KIRCHE IN NOT: Wie würden Sie die derzeitige Situation der Christen in Nigeria beschreiben?
Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin, in einem einzigen Interview ein getreues Bild von Nigeria zu vermitteln. Ich werde es versuchen, wohl wissend, dass ich dabei Gefahr laufe, aus Zeitgründen und aufgrund der Komplexität Nigerias eine unbefriedigende Antwort zu geben.

Die gegenwärtige Situation in Nigeria spiegelt eine selbstverschuldete, unnötige Spannung wider. Wir haben es mit einem politisch polarisierten Land zu tun. Leider waren und sind einige unserer politischen Führer für Entscheidungen, Erklärungen und Ernennungen verantwortlich, die manche Nigerianer in einigen Gebieten dazu veranlassen, die Einheit des Landes immer wieder in Frage zu stellen. Wir leben in einem Nigeria, in dem die Verfassung das föderalistische Prinzip anerkennt. Dies bedeutet, dass alle Sektoren des Landes in der Verwaltung der Bundesinstitutionen vertreten sein müssen. Dieses Prinzip wurde eingeführt, damit sich alle Nigerianer willkommen fühlen und wissen, dass Nigeria allen gehört. Angesichts der enormen Herausforderung durch die jetzige große Unsicherheit – sie war mit Ausnahme der Zeit des Bürgerkriegs in Nigeria noch niemals so groß – hat die derzeitige Bundesregierung Nigerias jedoch beschlossen, bei der Besetzung sensibler Posten auf höchst fragwürdige Weise vorzugehen. So gehören praktisch alle Armeechefs, die den Präsidenten beraten, derselben ethnischen Gruppe der Hausa-Fulani an. Daher sind 95 Prozent von ihnen Muslime. Und das in einem Land, in dem etwa 50 Prozent Christen sind. Die für die Sicherheit zuständige Behörde wird in einer multireligiösen und multiethnischen Nation von einer einzigen religiösen Gruppe, einer einzigen ethnischen Gruppe, geleitet! Wir Mitglieder der Katholischen Nigerianischen Bischofskonferenz haben uns wiederholt gegen diese Haltung der Bundesregierung ausgesprochen. Darüber hinaus haben wir uns mit dem Präsidenten getroffen und unsere völlige Unzufriedenheit mit diesem Vorgehen der Regierung zum Ausdruck gebracht.

KIRCHE IN NOT: Sicherheitsprobleme treten im Land seit Jahren auf. Boko Haram bedroht Nigeria seit einem Jahrzehnt. Kann man sagen, dass die Terrorgruppe zwar verwundet, aber nicht besiegt ist?

Boko Haram greift die Nigerianer seit vielen Jahren an. Diese Terrorgruppe, die dem IS die Treue geschworen hat, operiert im Nordosten Nigerias, hat aber auch in der Bundeshauptstadt Abuja Anschläge verübt. Boko Haram verfolgt eine extremistische religiöse Ideologie: Nigeria soll in eine islamische Republik verwandelt werden. Einerseits lehnen sie alles Westliche ab, andererseits benutzen sie westlich hergestellte Waffen und Munition, um unschuldige Nigerianer, sowohl Muslime als auch Christen, anzugreifen. Zurzeit konzentrieren sie sich auf die Ermordung und Entführung von Christen. Die Reaktion der Regierung darauf war für die meisten Nigerianer weitgehend unbefriedigend. Während wir dieses Interview führen, wird die von Boko Haram verschleppte Leah Sharibu immer noch gefangen gehalten. Erst vor einigen Wochen wurde der örtliche Regierungsvorsitzende der Christlichen Vereinigung Nigerias von Boko Haram enthauptet. Der 58-jährige verheiratete Pastor Lawan Andima, Vater von neun Kindern, wurde nur deshalb getötet, weil er ein Christ war.

KIRCHE IN NOT: Glauben Sie also, dass die Regierung nicht genug tut, um die Christen zu schützen?

Der nigerianische Präsident hat kürzlich erklärt, dass er über die fortdauernde Ermordung von Nigerianern, zumeist Christen, schockiert ist. Viele Nigerianer fragen sich, ob der Präsident in einem Paralleluniversum lebt: Wie kann er jetzt überrascht tun, nachdem einige von uns an Massenbegräbnissen von Christen teilgenommen haben, die von Boko Haram getötet wurden? In der Tat: Die Regierung tut nicht genug, um sowohl Christen als auch Muslime zu schützen. Vor einigen Tagen schlug die Nationalversammlung einstimmig vor, dass der Präsident die militärische Führung austauscht, weil sie das Leben der Nigerianer nicht schützt. Da sich der gesetzgebende Zweig der Regierung zum größten Teil aus Mitgliedern der Regierungspartei zusammensetzt, spiegelt ein solcher Vorschlag die Unzufriedenheit der Nigerianer mit dem Ausmaß der Inkompetenz der nigerianischen Regierung beim Schutz von Leben und Eigentum wider. Wir in der Katholischen Nigerianischen Bischofskonferenz haben bereits in einer Stellungnahme erklärt, dass eine Regierung, die nicht in der Lage ist, ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zum Schutz von Leben und Eigentum nachzukommen, allmählich ihre Legitimität verliert.

KIRCHE IN NOT: Es wird von immer mehr Angriffen auf Christen durch andere radikale Gruppen als Boko Haram, etwa durch die Fulani, berichtet. Wie wirkt sich das auf die Situation der Christen in Nigeria aus?

In der Vergangenheit beschränkten sich die ernsthaften Sicherheitsprobleme auf ein bestimmtes Gebiet, den Nordosten Nigerias. Heute herrscht jedoch überall Unsicherheit. Heute werden in allen Gebieten Nigerias Menschen entführt, um Lösegeld zu fordern. Es gibt viele Fälle von Zusammenstößen zwischen Viehhirten und Bauern, wobei die Viehhirten überwiegend muslimische Fulani aus dem Norden sind, genauso wie der Präsident. Sie bewegen sich mit beispielloser Unverfrorenheit in Nigeria auf der Suche nach Weideland für ihr Vieh. Es wird von zu vielen Fällen in allen Teilen des Landes berichtet, in denen diese Viehhirten in das Ackerland eindringen und dies mit Waffen, sogar mit Schusswaffen, tun. Die von der internationalen Gemeinschaft bereits als terroristische Gruppe bezeichneten Viehhirten handeln völlig ungestraft. Dass diese Männer nicht strafrechtlich verfolgt werden, nährt den Glauben, dass sie die Unterstützung der Bundesregierung haben. Ich muss zwar zugeben, dass ich keine schlüssigen Beweise dafür habe, dass diese Gruppe die Unterstützung der Regierung hat. Weil sie aber nichts dagegen tut, und offenkundig keinen wirklichen Willen hat, die Zunahme dieser Verbrechen zu stoppen, ist es schwierig, die Nigerianer davon zu überzeugen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der einseitigen Ernennung von Militärführern und dem Ausbleiben einer Verfolgung der Täter gibt, die solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die offenbar selektive Tötung von Christen verüben.

Gerechtigkeit und Frieden gehen immer Hand in Hand. Wer echten Frieden wünscht, muss Gerechtigkeit fördern. Damit in Nigeria Frieden und Sicherheit herrschen können, muss es für jeden einzelnen Nigerianer politische, religiöse, ethnische, wirtschaftliche und juristische Gerechtigkeit geben.

KIRCHE IN NOT: Kürzlich hat uns die Entführung von Seminaristen in Kaduna und der Mord an einem von ihnen, Michael Nnadi, schockiert. Wie bekannt ist, wurden die anderen drei freigelassen. Können Sie uns etwas über ihren Gesundheitszustand sagen?

Wir haben die Nachricht mit Trauer im Herzen aufgenommen. Leider steht die Entführung der Seminaristen in einem Kontext mit anderen Entführungen von Priestern und Ordensleuten durch die gleiche Gruppe, die die Nigerianer terrorisiert. Zu viele Priester und Ordensleute sind in letzter Zeit entführt worden. Wie ich erfahren habe, werden die freigelassenen Seminaristen derzeit behandelt. Über den Gesundheitszustand der Seminaristen weiß ich zwar nichts Konkretes, aber laut den Berichten von Gefangenen können wir zweifellos davon ausgehen, dass sie große Qualen erlitten haben und tief traumatisiert sind. Die Ermordung von Michael Nnadi schmerzt und macht uns traurig. Zu wissen, dass er ein Waisenkind war, macht es schmerzhafter. Mögen seine Seele und die Seelen aller, die in den Händen dieser Verbrecher gestorben sind, in Frieden ruhen.

KIRCHE IN NOT: Wie kann die Sicherheit von Gotteshäusern und weiteren kirchlichen Stätten wie Seminaren, Konventen und Klöstern gewährleistet werden?

Alle Institutionen versuchen, Sicherheit in ihren Gotteshäusern zu gewährleisten. Laut lokalen Berichten reagieren damit die religiösen Führer auf die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung. Einige Kirchen nehmen die Dienste der nigerianischen Polizei für den Sonntagsgottesdienst in Anspruch und müssen für die bereitgestellte Sicherheit bezahlen. Je nach Gegend wird auch privates Sicherheitspersonal angeheuert, in einigen Fällen melden sich die Gläubigen selbst freiwillig, um für die Sicherheit zu sorgen.  Zurzeit gibt es keine einheitliche Situation hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen für Gotteshäuser und Seminare. Aber den meisten der privaten Sicherheitsdienste, die eingestellt werden, fehlen die Mittel, um mit dem Ausmaß der Bedrohung durch die Fulani-Viehhirten und Boko Haram fertig zu werden.

KIRCHE IN NOT: Können wir etwas tun, Ihnen in diesem Bereich zu helfen?

Zunächst einmal möchte ich Ihnen für das fortwährende Interesse Ihrer Stiftung an der Not der leidenden Menschen und insbesondere an der Not der Armen in Nigeria danken. Ihre Unterstützung war für viele Nigerianer eine große Hilfe, insbesondere für unsere Brüder und Schwestern in den nördlichen Diözesen.

Ein Bereich, in dem meiner Meinung nach westliche Länder und Medien eine große Hilfe leisten könnten, ist die Berichterstattung über die Gräueltaten in Nigeria. Die Zahl der Tötungen ist einfach erschreckend. Vielleicht würde sich die nigerianische Regierung bei einer umfassenden westlichen Berichterstattung unter Druck gesetzt fühlen, zu handeln. Darüber hinaus würden die Regierungen der Mitgliedsländer der Europäischen Union und Amerikas wahrscheinlich moralisch verpflichtet fühlen, nach Wegen zu suchen, um das Leben von Christen und anderen Nigerianern zu schützen, die ständig von Boko Haram und den Fulani-Viehhirten angegriffen werden.

„Der jüngste Anschlag in chronologischer Reihenfolge fand in der Nähe von Bomoanga statt, in dem Dorf, aus dem Pierluigi Maccalli am 17. September 2018 verschleppt wurde, und geht auf den Abend des 5. Februar zurück. Mindestens sechs bewaffnete junge Männer auf Fahrrädern umzingelten und bedrohten und misshandelten einen dort tätigen Gärtner, der einen Baum stutzen wollte“, so Pater Armanino. „Nicht weit entfernt entdeckten sie einen weiteren Mann, der eine Zigarette rauchte … dem sie mit einer weitaus schlimmeren Bestrafung drohten, sollten sie ihn noch einmal beim Rauchen überraschen“, so Pater Mauro Armanino von der Gesellschaft der Afrikamissionar .

„Zum Glück war der lokale Elternvertreter der Schule nicht anwesend. Sein Motorrad wurde zusammen mit Schulmaterial verbrannt und das Geld gestohlen, das er in seinem Verkaufsstand aufbewahrte. Der Elternvertreter hatte ebenso wie Dutzende anderer Familien, Grundschulkinder und Teenager Zuflucht in der besser geschützten Stadt Makalondi gefunden, etwa vierzig Kilometer vom erwähnten Dorf entfernt“, so der Missionar weiter. Die Dschihadisten „fordern die Dorfbewohner auf, die Gebote des Propheten des Islam in die Tat umzusetzen: keine Feiern, kein Alkohol, kein Tabak, keine Baumfällung, keine westlichen und christliche Schulen. Die Frauen sollen Schleier tragen verschleiert und sind damit vor jeglichem Missbrauch geschützt und so werden auch die Kinder geschützt. Gesundheitseinrichtungen bleiben von der Zerstörung verschont, da dort Kinder behandelt und ernährt werden, die die Zukunft der Islamisierung garantieren.“

Nach Aussage des Missionars werden die örtlichen Christen gezwungen, „zu Hause, in der Familie und heimlich mit Nachbarn zu beten, in einem Land, das die Freiheit der Religion, des Gottesdienstes und der Sprache offiziell anerkennt“. „Es wurde eine dschihadistische Diktatur installiert, die den Lebensstil, die Optionen, die täglichen Entscheidungen beeinträchtigt und vor allem Angst und Schrecken für das Erreichen der eigenen Ziele nutzt, angefangen mit der Entführung von Pater Dr. Pierluigi: der christlichen Glaube soll im Land der Gourmantché ausgerottet werden“, prangert der Missionar an. „Die Dschihadisten aus dem Hirtenvolk der Fulani sprechen Fulfulde, eine Sprache, die jeder in der Region versteht, weil es zwischen den sesshaften Bauern und den Nomaden ständige Konflikte gab.“

„Der Staat, der auf dem Land, in dem die armen Bauern leben, nicht sichtbar ist, war verschwunden, noch bevor all diese Dinge passierten. Er war bereits vorher abwesend und jetzt abwesend, obwohl das Militär nicht weit von den genannten Gebieten stationiert ist. Und wir befinden uns nur etwas mehr als hundert Kilometer von Niamey, der Hauptstadt des Landes, entfernt, wo sich die katholische Kathedrale steht, die Maria, Mutter der ewigen Hilfe, gewidmet ist“, schließt er. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS/wikipedia)

Der Vorsteher der katholischen Gemeinde des heiligen Augustinus in der Keana Local Government Area im nigerianischen Bundesstaat Nasarawa wurde ermordet. Am Morgen des 20. Januar überfielen Banditen, vermutlich Nomaden aus dem Hirtenvolk der Fulani, die Gemeinde Abebe und schossen wild um sich. Bei der Schießerei starb Augustine Avertse, der Vorsteher der örtlichen katholischen Gemeinde, zusammen mit seinem Vater Akaa’am Avertse und zwei weiteren Personen. Einer der Überlebenden, der bei dem Überfall verletzt wurde, betonte, dass der Angriff nicht provoziert worden war, da es nie Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern der Gemeinde und den Fulani gekommen war, die in der Gegend leben. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS/wikipedia)

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht. Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten.

Roman Kris vom christlichen Online-Jugendmagazin „f1rstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

Roman Kris: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?

Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört. Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?

Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt. Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst. Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?

Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden. In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen. Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?

Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir hier in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?

Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können. Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

 

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT 
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600 
BIC: GIBAATWWXXX 
Verwendungszweck: Nigeria

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