Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 36 von 49
Spenden
Österreichisches Spendegütesiegel Ihre Spende ist steuerlich absetzbar!

Der seit einem halben Jahr anhaltende Konflikt in der nordäthiopischen Provinz Tigray hat sich zu einer humanitären Katastrophe für die dortige Zivilbevölkerung entwickelt. „Es herrschen Hunger und Angst. Die aktuelle Situation ist immer noch von dem verheerenden Krieg geprägt, der nahezu in der gesamten Region wütet“, berichtete ein äthiopischer Priester aus Tigray gegenüber KIRCHE IN NOT. Aus Sicherheitsgründen muss der Gesprächspartner anonym bleiben.

Unser Hilfswerk konnte mit dem Priester am Telefon sprechen, nachdem er fast fünf Monate von jeder Verbindung zur Außenwelt abgeschnitten war. Dabei betonte er, dass „die Situation von Minute zu Minute schlimmer wird“ und „die Menschen am Rand des Abgrunds stehen“.

Vor allem Kinder litten unter Unterernährung; viele seien zu Waisen geworden, und niemand kümmere sich um sie. Der Priester berichtete auch von Müttern, die im allgemeinen Chaos von Flucht und Kämpfen ihre Kinder aus den Augen verloren hätten und den Seelsorger bitten, ihnen zu helfen.

Landschaft in Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

„Nicht genug zu essen, keine Medikamente, keine Sicherheit”

„Mir fehlen die Worte, um das Leid zu beschreiben: Es gibt so viel Verzweiflung, die Menschen sind traumatisiert“, sagte der Gesprächspartner. Es gebe keine funktionierende Infrastruktur mehr in der Region, „nicht genug zu essen, keine Medikamente, keine Sicherheit und kein Vertrauen“. Der größte Teil der Provinz sei die meiste Zeit von allen Kommunikationskanälen abgeschnitten, Internet und Stromversorgung seien eingeschränkt.

In der Provinz Tigray ist seit November ein Kampf zwischen Regierungstruppen und der „Volksbefreiungsfront von Tigray“ (TPLF) entbrannt. In die staatliche Militäroffensive schaltete sich auch das Nachbarland Eritrea ein. Ob der angekündigte Truppenabzug der eritreischen Streitkräfte mittlerweile erfolgt sei, sah das US-Außenministerium in einer jüngsten Mitteilung nicht als bewiesen an.

Ein Priester besucht eine Familie in der Region Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

Mehr als eine Million Menschen auf der Flucht

UN-Berichten zufolge sind innerhalb der Region mehr als eine Million Menschen auf der Flucht und über 2,3 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Berichte über Menschenrechtsverletzungen gegenüber Zivilisten häufen sich – darunter auch kirchliche Vertreter und Gläubige.

Auch der anonyme Gesprächspartner bestätigte, dass in seiner Gegend „drei katholische Pfarrer bedroht und geschlagen wurden“. Sämtliches Eigentum der Kirchengemeinden sei von Soldaten geplündert worden. „Hunderte Menschen wurden brutal ermordet.“

Trotz dieser verheerenden Situation „hat die Kirche nie aufgehört, ihrer Aufgabe nachzukommen“, betonte der Priester. Er war zunächst als Missionar in entlegenen Gebieten im Süden Äthiopiens tätig und wurde von KIRCHE IN NOT unterstützt. Bereits dort setzte er sich für den Frieden zwischen den verschiedenen Ethnien ein. Äthiopien besteht aus 120 Volksgruppen, die teilweise in Konflikt miteinander stehen.

Ordensschwestern in Äthiopien.

„Über Frieden und Versöhnung sprechen”

Auch jetzt während der Kämpfe in Tigray sei es notwendig, mit den Menschen über Frieden und Versöhnung zu sprechen, betont der Priester. Sein Wunsch ist es, ein Entwicklungsprojekt für Jugendliche auf die Beine zu stellen, „denn die Jugend ist das Rückgrat der gesamten Umwandlung der Gesellschaft, sowohl wirtschaftlich als auch geistlich. Wir müssen mit der Ausbildung junger Menschen beginnen.“

Trotz der großen Schwierigkeiten bei der Einreise in das Konfliktgebiet und bei der Kommunikation mit der Krisenregion unterstützt KIRCHE IN NOT die Priester der äthiopisch-katholischen Eparchie (Diözese) von Adigrat, die ganz Tigray umfasst, mit Messstipendien. Die Gaben für die Feier einer heiligen Messe sind eine wichtige Existenzhilfe für die Seelsorger und unterstützen ihre Arbeit in den Gemeinden.

„Beten Sie weiter und helfen Sie. Wir brauchen materielle und geistliche Unterstützung“, wandte sich der Priester an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT. „Angesichts der schwierigen Situation, in der wir hier in Tigray leben, ist die Kirche aufgerufen, mehr denn je zu handeln.“

Unterstützen Sie die Arbeit der Seelsorger in der Region Tigray und in ganz Äthiopien! Spenden Sie – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Äthiopien

Die katholische Kirche in Lateinamerika ist von der Geißel der COVID-19-Pandemie nicht verschont geblieben. Im Jahr 2020 und ersten Quartal 2021 sind Dutzende Priester in verschiedenen Ländern wie Venezuela, Mexiko, Peru, Kolumbien und Bolivien gestorben, nach dem sie sich bei der Ausübung ihrer Aufgabe als Seelsorger, den Gläubigen zu helfen und sie in ihrer Angst und ihrem Schmerz zu begleiten, mit dem Coronavirus angesteckt haben.

So teilte die venezolanische Bischofskonferenz (CEV) in einem kürzlich an das internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT gerichteten Statement mit, dass seit der Beginn der Verbreitung des Coronavirus im Land im März 2020 bis heute 201 der 2002 in Venezuela lebenden Priester an dieser Krankheit erkrankt und 24 an ihr gestorben sind.

Trotz so vieler Todesfälle setzen die Priester und Ordensleute ihre Mission fort.

„10 % aller venezolanischen Geistlichen haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der an dem Virus Gestorbenen macht 11,9 % der Infizierten und 1,2 % aller Priester im Land aus“, so das CEV-Statement.

Weiter schreibt die CEV : „Diejenigen, die für die Kirche arbeiten, können nicht vermeiden, sich dem COVID-19-Virus auszusetzen. Die Priester, die ihrer Berufung zum Dienst am Nächsten, ihrer Mission als „Seelenarzt“ nachgegangen sind, wussten, dass sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in den Kirchen und trotz der Einhaltung aller Hygieneregeln Gefahr liefen, sich selbst anzustecken bis hin zur Möglichkeit, daran zu sterben.“

KIRCHE IN NOT unterstützte insgesamt 146 Projekte mit mehr als 1,5 Millionen Euro, um den Ortskirchen zu helfen, die Folgen von COVID in Lateinamerika zu lindern.

Die Lage des Klerus in Mexiko ist noch dramatischer

Nach Erkenntnissen des Hilfswerks KIRCHE IN NOT ist die Lage des Klerus in Mexiko noch dramatischer. Das Katholische Multimediale Zentrum (CCM) berichtet, dass seit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 bis März 2021 245 Geistliche und Ordensleute an vom COVID-19 hervorgerufenen Komplikationen gestorben sind. Unter den Toten sind fünf Bischöfe, 221 Priester und Ordensleute, 11 Diakone und acht Ordensschwestern.

In einem im Februar verbreiteten Bericht erklärte das CCM, am meisten betroffen seien die Erzdiözese Guadalajara, die Erzdiözese Mexiko, die Erzdiözese Puebla, die Erzdiözese Morelia, die Erzdiözese San Luis Potosi, die Erzdiözese Toluca und die Erzdiözese Tlalnepantla.

Venezuela im Zeichen der Corona-Krise
Bischof Mario Moronta aus San Cristobal trägt das Allerheiligste auf die Straßen, um seine Stadt zu segnen.

Auch in Peru ist die Lage sehr ernst

Auch in Peru ist die Lage der katholischen Kirche im Zusammenhang mit der Pandemie sehr ernst. Besonders betroffen macht der Tod von Msgr. Luis Armando Bambarén Gastelumendi S.J., dem emeritierten Bischof von Chimbote und ehemaligen Vorsitzenden der peruanischen Bischofskonferenz (CEP), der am 19. März starb. Ebenfalls im März starb am Coronavirus Eduardo Peña Rivera, Kaplan der peruanischen Luftwaffe (FAP) in Piura, einer Region im Norden des Landes.

Der jüngste Todesfall ereignete sich am 16. April und betraf Pater Dergi Facundo, einen jungen Priester, der den an der Krankheit Leidenden im Norden des Landes durch die Sakramente Trost brachte.

Kolumbien beklagt den Verlust eines Bischofs

Auch Kolumbien beklagt den Verlust eines Bischofs: Bischof Luis Adriano Piedrahita von Santa Marta starb am 11. Januar 2021. Nach „Kirche in Not“ vorliegenden Informationen starben Ende 2020 binnen zwei Wochen zehn Jesuitenpater, die in demselben Haus im Stadtteil Chapinero in Bogotá lebten. Von April 2020 bis Januar 2021 sind insgesamt 12 Jesuiten im Land gestorben.

Besonders traf die Gläubigen in der kolumbianischen Hauptstadt auch der Tod des Franziskanermönchs Gabriel Gutiérrez Ramírez am 2. April. Der Bruder war bekannt als „Engel der Ausgegrenzten“ wegen seines Apostolats mit Obdachlosen sowie für die Gründung der Stiftung „Callejeros de la Misericordia“ („Straßenarbeiter der Barmherzigkeit“).

Aus Bolivien liegen keine aktualisierten Daten vor, aber das Portal „Información de la Comunidad de Bolivia“ (Information aus der Gemeinde Bolivien Infodecom) gab Mitte 2020 an, dass bis zu diesem Zeitpunkt 13 Priester an COVID-19 gestorben waren. Unter ihnen befand sich auch Bischof Eugenio Scarpellini von El Salto. Im Februar dieses Jahres starben weitere fünf Priester in der Erzdiözese Cochabamba an der Epidemie.

Kolumbien: Eine Hl. Messe als Livestream.

„Das Leben der Kirche steht nicht still“

„Das Leben der Kirche steht nicht still“, sagt Msgr. José Trinidad Fernández, Weihbischof von Caracas und Generalsekretär der CEV, in dem jüngsten Statement. Der Weihbischof bat die Menschen darum, die Hoffnung nicht zu verlieren, denn „im täglichen Leben begleitet uns Gott, weil wir Gottes Tempel sind. Gott wohnt im Herzen, da kann kein Platz für Traurigkeit, Ernüchterung, Enttäuschung sein.“

In ihrer Mitteilung sagt die CEV weiter, dass die Gläubigen inmitten der Angst und des Schmerzes, die durch die Pandemie verursacht werden, danach suchen, „sich Gott zu nähern, um die Seele zu trösten. Die Priester versuchen daher, auf dieses grundlegende Bedürfnis zu reagieren, indem sie sich in ihrer Menschlichkeit ganz hingeben, wobei sie darauf achten, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.“

„Trotz so vieler Todesfälle setzen die Priester und Ordensleute ihre Mission fort”

KIRCHE IN NOT-Projektleiterin Regina Lynch drückte in ihrer Stellungnahme zu der tragischen Bilanz ihre Trauer und ihre Wertschätzung für die Arbeit der Kirche aus: „Trotz so vieler Todesfälle setzen die Priester und Ordensleute ihre Mission fort, die an dem Coronavirus Erkrankten zu begleiten und den Gläubigen, die in den genannten Ländern und in anderen auf der ganzen Welt so sehr leiden, Trost zu spenden.“ Sie erinnerte auch daran, dass „sich oft die Priester und Ordensschwestern bei ihrer heroischen Arbeit der Hingabe und des Dienstes für die Bedürftigsten oder bei der Sorge um die Gesundheit der Seele angesteckt haben. Auch dies ist etwas ungeheuer Wichtiges, denn für uns Christen zählt nicht nur die Gesundheit des Körpers.“

Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützte im Jahr 2020 insgesamt 146 Projekte mit mehr als 1,5 Millionen Euro, um den Ortskirchen zu helfen, die Folgen von COVID in Lateinamerika zu lindern. Das Hilfswerk erhöhte die Hilfen für Priester und die Zahl der Messintentionen und unterstützte mehr als 7200 Priester.

Helfen Sie Priestern und Ordensfrauen im Kampf gegen Corona! Spenden Sie – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nothilfe Covid-19

Pfarrer Albert Toungoumale-Baba war einer von vielen Menschen, die am 1. Mai 2018 bei einem Angriff auf die Kirche „Unsere Liebe Frau von Fatima“ in der Hauptstadt Bangui ums Leben kamen.

Die Kirche wurde von einer bewaffneten Gruppe Männer angegriffen, als Pfarrer Albert Toungoumale-Baba gerade die heilige Messe in Gedenken an den heiligen Josef mit Gläubigen feierte. Die Angreifer warfen Handgranaten auf die Gemeinde, die 16 Menschen töteten – darunter auch Pfarrer Albert – und über 100 weitere Menschen verletzten.

Pfarrer Albert Toungoumale-Baba war ein unermüdlicher Kämpfer für Frieden in seinem Land.

Der Priester war ein unermüdlicher Kämpfer für Frieden in seinem Land und hatte tausende Flüchtlinge in seiner Gemeinde aufgenommen. In einer Nachricht, die er vor seinem Tod KIRCHE IN NOT und seinen Unterstützern zukommen ließ, hieß es: „Unser Land ist verwundet und bedürftig. Bitte betet für uns ohne Unterlass, so wie Jesus es uns gelehrt hat. Bitte betet jeden Tag für uns!”

KIRCHE IN NOT hat auf diese Attacke umgehend reagiert und den Betroffenen der Gemeinde Soforthilfe zukommen lassen. 2019 hat KIRCHE IN NOT die Ausbildung von 45 Seminaristen und angehenden Priestern unterstützt. Außerdem wurden Exerzitien für 50 Priester bezuschusst und eine katholische Radiostation in Bangui mit aufgebaut sowie viele weitere Projekte unterstützt, wie beispielsweise die Reparatur eines Wassertanks für das Priesterseminar und weiterer Wassertanks in Bangui.

Die Beispiele von aktuellen Märtyrern stammen aus unserem Büchlein “Kalender der Märtyrer und Zeugen der Liebe”, das Sie in unserem Shop bestellen können: zum Kalender der Märtyrer

In jedem dritten Land der Welt kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des weltweit tätigen Hilfswerks „Kirche in Not“, das die Ergebnisse am heutigen Donnerstag in einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte.

Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ zufolge, wurde dieses Grundrecht zwischen 2018 und 2020 in 62 von 196 untersuchten Ländern nicht respektiert. Die Zahl der in diesen Staaten lebenden Menschen liegt bei fast 5,2 Milliarden. In 26 Ländern sind die Einwohner sogar massiver Verfolgung ausgesetzt, heißt es in dem Bericht.

Bedrohungen nehmen weltweit zu

Laut dem Bericht von „Kirche in Not“ ist ein drastischer Anstieg dschihadistischer Gruppen in Afrika zu verzeichnen, insbesondere in der Subsahara-Region und Ostafrika. In fast der Hälfte der Staaten des Kontinents (42 Prozent) kommt es mittlerweile zu Verstößen gegen die Religionsfreiheit. Burkina Faso und Mosambik sind markante Beispiele.

Die Direktorin der Projektabteilung von „Kirche in Not“, Regina Lynch, berichtete, dass das Hilfswerk von den Projektpartnern vor Ort „schockierende Berichte und Fotos von barbarischen Anschlägen der Dschihadisten“ aus Mosambik erhalte, vor allem aus der Provinz Cabo Delgado im Norden. „Jeder, egal ob Muslim oder Christ, der die Ideologie der Dschihadisten nicht akzeptiert, wird dafür bestraft. Die Menschen müssen mit ihrem Leben bezahlen, sind grausamen Formen der Folter ausgesetzt oder müssen mit ansehen, wie ihre Häuser und Ernten zerstört werden.“ „Kirche in Not“ unterstütze hier Hunderttausende vertriebene Menschen mit Nothilfe und psychologischer Betreuung zur Traumabewältigung, so Lynch.

Drastische Zunahme dschihadistischer Gruppen in Afrika

Auch in Nigeria fördere „Kirche in Not“ aktuell derartige Projekte, vor allem für Witwen in Maiduguri im Nordosten des Landes. Dort sind seit 2009 Dschihadisten von „Boko Haram“ aktiv. „Sie greifen die lokale Bevölkerung mit dem Ziel an, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. Wie in anderen afrikanischen Ländern töten oder entführen sie jeden, ganz unabhängig von seiner Religion, der ihre Weltsicht nicht akzeptiert“, schildert die Projektdirektorin.

Diese Radikalisierung treffe jedoch nicht nur den afrikanischen Kontinent. Der Bericht zeigt ein Anwachsen transnationaler islamistischer Netzwerke, die sich von Mali und Mosambik über die Komoren bis hin zu den Philippinen erstrecken, mit dem Ziel, ein sogenanntes „transkontinentales Kalifat“ zu errichten.

Mark von Riedemann, Vorsitzender des Redaktionsausschusses des Berichts, betonte, dass Muslime und Christen gleichermaßen Opfer extremistischer Gewalt seien. „Mit der zunehmenden Radikalisierung der Islamisten werden Christen zunehmend zur spezifischen Zielscheibe für Terroristen.“ Dadurch werde vor allem der für die Subsahara-Region typische soziale und religiöse Pluralismus und das harmonische Zusammenlebe der Religionen zerstört.

„Transnationales Kalifat“

Der Bericht stellt zudem einen neuen Trend heraus. Auf künstlicher Intelligenz basierende Technologie, Cybernetzwerke und Massenüberwachung werden in einigen Nationen zur Verstärkung der Kontrolle und Diskriminierung missbraucht – allen voran China. Aber auch dschihadistische Gruppen nutzen digitale Technologien, um Anhänger zu radikalisieren und zu rekrutieren, heißt es in dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“.

Neben autoritären Regierungen und islamistischem Extremismus sei auch ein ethnisch-religiöser Nationalismus ein wichtiger Faktor, der die Religionsfreiheit beeinflusst. Darunter falle beispielsweise die Förderung der ethnischen und religiösen Vormachtstellung in einigen asiatischen Ländern mit hinduistischer und buddhistischer Mehrheit – ein Trend, der eine Bevölkerung in Milliardenhöhe betreffe. Die Folge sei eine größere Unterdrückung von Minderheiten, die zu „Bürgern zweiter Klasse“ degradiert werden. Beispielländer seien Indien, Pakistan oder Myanmar.

Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, sagte: „Religionsfreiheit und Menschenwürde sind Geschwister. Sie sind untrennbar miteinander verbunden – nicht nur durch ihre Bedeutung als elementares Menschenrecht, sondern auch durch die Verletzungen, denen sie gleichermaßen ausgesetzt sind. Ohne Religionsfreiheit kann eine wahrhaft offene und plurale Gesellschaft nicht existieren.“ In diesem Kontext müsse man auch die Christenverfolgung verstehen. „Sie ist nicht isoliert zu betrachten, sondern immer als ein Bestandteil von Menschenrechtsverletzungen“, so Koch. Als Erzbischof von Berlin sei er Menschen begegnet, die aus eigener Erfahrung von den religiösen Verfolgungen in ihren Heimatländern Erschütterndes berichtet hätten. Religionsfreiheit könne zu einem Instrument des Friedens werden, wenn die Gläubigen der verschiedenen Religionen sich als Weggefährten erkennen für sie eintreten. „Das mag nicht immer leicht sein, aber es ist trotzdem der richtige und einzige Weg“, ist sich Erzbischof Koch sicher.

„Religionsfreiheit ein elementares Menschenrecht “ –
Anstieg der „höflichen Verfolgung“

In den westlichen Ländern registriert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ einen Anstieg der „höflichen Verfolgung“. Der zugespitzt-ironisch formulierte Begriff wurde von Papst Franziskus geprägt und beschreibt Tendenzen, wonach neue kulturelle Normen und Werte in Widerspruch zu den Rechten der Einzelnen auf Gewissensfreiheit stehen und bewirken, dass Religion „in die geschlossenen Räume von Kirchen, Synagogen oder Moscheen“ verbannt wird.

Die Studie dokumentiert auch die tiefgreifenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Religionsfreiheit. Angesichts des Ausmaßes hätten Regierungen außerordentliche Maßnahmen für notwendig erachtet, die in einigen Fällen die Religionsausübung im Vergleich zu säkularen Aktivitäten unverhältnismäßig stark einschränken. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Pakistan oder Indien, wurden religiöse Minderheiten humanitäre Hilfen vorenthalten.

Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2021“ in Berlin (von links): Regina Lynch (Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT/ACN International), Heiner Koch (Erzbischof von Berlin), Thomas Heine-Geldern (Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT/ACN), Markus Grübel MdB (Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit), Mark von Riedemann (Vorsitzender des Redaktionsausschusses des Berichts).

Covid-19-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Religionsfreiheit

Angesichts der Ergebnisse des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2021“ stellte der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“ (ACN) International, Dr. Thomas Heine-Geldern, fest: „Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf religiöse Gewalt und auf religiöse Verfolgung im Allgemeinen ist zu gering und kommt oft zu spät – too little, too late.“ Auch wenn Menschenrechte in aller Munde seien, führe die Religionsfreiheit oft ein Schattendasein. Er bezeichnet den vorliegenden Bericht als „Warnsignal“: Die Aussichten auf ein friedliches Zusammenleben seien düster, „solange die Religions- und Glaubensfreiheit nicht als grundlegendes Menschenrecht geachtet wird, das auf der Menschenwürde jedes Einzelnen beruht“.

Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit erscheint zum 15. Mal. „Kirche in Not“ hat ihn erstmals 1999 veröffentlicht. Er analysiert, inwieweit das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in allen 196 Ländern der Welt und bezogen auf alle Religionen respektiert wird. „Kirche in Not“ ist die einzige katholische Institution, die einen Bericht dieser Art herausgibt.

Die Ergebnisse, Quellen und Verfahrensweise der Studie sowie alle 196 Länderberichte sind abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at.

Präsentation des Berichtes bei Livestream-PK am Donnerstag, 22. April 2021

Erörtert wird dieser Report vor deutschsprachigen Medien im Rahmen einer Livestream-Pressekonferenz am 22. April 2021 um 11 Uhr aus Berlin (siehe nachstehender Link). Daran teilnehmen werden u.a. der Beauftragte der Deutschen Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel MdB, der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch und Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident des internationalen katholischen Hilfswerks “Kirche in Not”.

 

Die Pressekonferenz wird per Livestream aus Berlin übertragen unter: https://www.kircheinnot.at/informieren/bericht-religionsfreiheit-livestream/.
Onlineteilnehmende Journalisten und Interessenten haben die Möglichkeit, via Chat Fragen zu stellen.

„Je mehr die Welt über religiös motivierten Hass erfährt, desto eher wird sie in der Lage sein, etwas dagegen zu unternehmen“ – so der eindringliche Appell von Emmanuel Yousaf, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Pakistan im Vorwort des aufrüttelnden Berichtes „Religionsfreiheit weltweit“ von “Kirche in Not”. Diese Dokumentation ist eine kritische Bestandsaufnahme  der untragbaren Menschenrechtslage in Bezug auf mangelnde Religionsfreiheit, die vielerorts gefährliche Formen annimmt. Die Länderberichte wurden von 30 unabhängigen Experten aus verschiedenen Kontinenten erstellt und befassen sich mit den verschiedenen Religionen.

Der aktuelle Bericht zur„Religionsfreiheit weltweit“ ist ab dem 20. April abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at . Auf der Internetseite können sowohl die einzelnen Länderberichte, die Regionalstudien und die Weltkarte eingesehen werden. Auch ein Download des gesamten Berichts ist möglich. Darüber hinaus veröffentlicht KIRCHE IN NOT eine Zusammenfassung und die wichtigsten Ergebnisse des Berichts als Broschüre.

Zur Veranschaulichung – hier vorab einige der Inhalte des Berichtes:

Fast vier Milliarden Menschen leben in den 26 Ländern mit den schwerwiegendsten Verstößen gegen die Religionsfreiheit – etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (51%). Beinahe jeder zweite dieser Staaten liegt in AFRIKA, u.a.:

 

  • Am Horn von Afrika terrorisiert die islamistische Terrormiliz al-Shabaab die somalische Bevölkerung. Sie ermorden auch Zivilisten und verüben Anschläge auf Regierungsgebäude und Hotels. Sie machen Nicht-Muslime ausfindig, um sie zu töten.

 

  • Islamisten haben sich während der Covid-19-Pandemie in der gesamten Sahelzone (Mali, Burkina Faso, Niger und Nigeria sowie Mosambik) neu aufgestellt. Sie versprechen den Neurekrutierten Immunität gegen das Virus und einen sicheren Platz im Paradies. Der Dschihadismus strebt danach, ein transkontinentales „Kalifat“ zu errichten. Der sog. IS ist im Nahen Osten zwar geschwächt, aber nicht zerstört. Dieser hat seinen Einflussbereich jetzt teilweise nach Afrika (und auch Asien) verlagert.

 

  • In Nigeria vermehrt sich die Zahl der Massenentführungen von Schulkindern und in:

 

  • In Mosambik ist die Gewalt gänzlich außer Kontrolle geraten. Seit April 2020 gab es mehrere Massaker bei denen rund 100 junge Männer grausam umgebracht wurden, nur weil sie sich nicht den Islamisten anschließen wollten. In den letzten drei Jahren haben diese Terroristen mehr als 2.500 Zivilisten getötet und über 570.000 Menschen vertrieben.

 

In ASIEN gehört – neben dem Islamismus und dem kommunistischen Totalitarismus – ebenso der religiöse Nationalismus zu den größten Bedrohungen für die Religionsfreiheit und das friedliche Zusammenleben der Religionen in unserer heutigen Welt. In zahlreichen Ländern – wie z.B. Sri Lanka, Malaysia oder Myanmar) sind religiöse Minderheiten zunehmend mit gravierender Ausgrenzung und aktiver Verfolgung konfrontiert.

 

In Myanmar hat sich im Berichtszeitraum 2019-2020 weiter auf das schlimmste Verbrechen, den Völkermord, zubewegt. Massive Angriffe des Militärs auf die muslimische Rohingya-Bevölkerung im Rakhaing-Staat gehen Hand in Hand mit andauernden Anschlägen gegen Christen und Hindus im Kachin-Staat.

 

In Pakistan werden jedes Jahr bis zu 1.000 christliche und hinduistische Frauen zwischen 12 und 25 Jahren von muslimischen Männern entführt. Die Täter kommen meist ungeschoren davon – da die Gerichte häufig zugunsten der Entführer entscheiden.

 

Diskriminierung und massive Verfolgung aufgrund religiöser Überzeugungen sind also heutzutage wachsende globale Phänomene, die es sehr ernst zu nehmen gilt. Eine zunehmende Bedrohung sind vor allem die transnational agierenden dschihadistischen Gruppen, die systematisch die Verfolgung all jener betreiben, die die extreme islamistische Ideologie ablehnen. (Hiervon sind Muslime und Christen gleichermaßen betroffen.)

Die Steyler Missionsschwester Veronika Theresia Rackova war eine Ärztin und die Direktorin des St.-Bakhita-Ambulanzzentrums in Yei in Südsudan. Am 16. Mai 2016 wurde an einer Straßenblockade der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA), einer früheren Guerilla-Bewegung, die aufgrund der Unabhängigkeit Süd sudans 2011 an die Macht kam, auf sie geschossen.

Schwester Veronika saß am Steuer des Krankenwagens und wollte gerade eine hochschwangere Frau in das nächstgelegene Krankenhaus fahren. Vier Tage später starb sie in einem Krankenhaus an den Folgen ihrer Verletzungen.

Sr. Veronika wurde von der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA), einer früheren Guerilla-Bewegung, angeschossen.

Die 58-jährige Ordensfrau, ursprünglich aus der Slowakei, widmete ihr Leben dem Dienst an den armen und bedürftigen Menschen.

Der Südsudan hat unter langen Bürgerkriegen zu leiden. Die Kirche in diesem Land braucht unsere Unterstützung. Aus diesem Grund unterstützt KIRCHE IN NOT eine Bandbreite verschiedener pastoraler, Bildungs-, Gesundheits- und Hungerhilfeprojekte, wie beispielsweise ein Projekt der Comboni-Missionare in der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Yirol in der Diözese Rumbek im Zentrum des Landes.

Die Beispiele von aktuellen Märtyrern stammen aus unserem Büchlein “Kalender der Märtyrer und Zeugen der Liebe”, das Sie in unserem Shop bestellen können: zum Kalender der Märtyrer

„Der Bericht ‚Religionsfreiheit weltweit’ ist wichtig, um an die Grausamkeiten zu erinnern, die in vielen Teilen der Welt geschehen. Er hat eine besondere Bedeutung für die Menschen, die unter Gewalt leiden.”  Das erklärte der ehemalige Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit der Vereinten Nationen, Professor DDr. Heiner Bielefeldt, zur bevorstehenden Veröffentlichung des „Religious Freedom in the World Report“ (RFR) von KIRCHE IN NOT.

Bielefeldt ist einer der Autoren des Berichts, der die Situation der Religionsfreiheit in 196 Ländern und für alle Religionen und Glaubensrichtungen analysiert. Insgesamt haben über 30 internationale Experten und Journalisten an „Religionsfreiheit weltweit“ mitgewirkt.

Der Theologe, Philosoph und Historiker Heiner Bielefeldt war von 2010 bis 2016 Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit beim UN-Menschenrechtsrat. Aktuell ist er Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. DDr. Heiner Bielefeldt.

“Menschenrechtsverletzungen mit Ausmaßen eines Völkermords”

Bielefeldt zufolge litten vor allem religiöse und ethnische Minderheiten unter Verstößen gegen die Religionsfreiheit, erklärte er in einer Videobotschaft an KIRCHE IN NOT: „Wir haben Menschenrechtsverletzungen mit Ausmaßen eines Völkermords erlebt – zum Beispiel in der chinesischen Provinz Xinjiang. Hunderttausende Uiguren werden dort Berichten zufolge in Internierungslager gesteckt. Wir haben auch ethnische Säuberungen registriert, etwa als die Rohingya in Myanmar aus ihrem eigenen Land vertrieben wurden.“

Bielefeldt erklärte, dass auch die Christen im Nahen Osten Verletzungen der Religionsfreiheit erlitten hätten: „Viele Christen sahen sich gezwungen, ihre Heimatländer zu verlassen, weil sie keine Zukunft mehr für ihre Gemeinden sahen. Radikale Kräfte versuchen sogar, die Ursprünge des Christentums in einigen Ländern auszulöschen.“

Titelbild des Berichts zur Religionsfreiheit, der am 20. April 2021 international vorgestellt wird.

Verfolgte Gläubige dem Vergessen entreißen

Für die Menschen, die unter Verletzungen der Religionsfreiheit leiden, sei es wichtig, dass sie darauf vertrauen könnten, „dass irgendwo auf unserem Planeten Erde Menschen an sie denken und vielleicht für sie beten“, erklärte Bielefeldt.

„Das Schlimmste, was einen Menschen passieren kann, ist, an einem Ort festgehalten zu werden, wo er oder sie denkt: ,Niemand wird jemals erfahren, was mit mir passiert ist. Ich bin vergessen.’ Insofern ist der Bericht über Religionsfreiheit weltweit eine Quelle der Hoffnung für viele Menschen.“

Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ erscheint dieses Jahr zum 15. Mal; „KIRCHE IN NOT gibt ihn seit 1999 heraus. Unser Hilfswerk ist die einzige internationale katholische Institution, die regelmäßig die Situation der Religionsfreiheit in 196 Ländern weltweit untersucht und analysiert.

Demonstration gegen Terror und Verfolgung in Nigeria.

KIRCHE IN NOT stellt den Bericht am 20. April in Rom vor. Danach folgen die 23 Länder, in denen das Hilfswerk Nationalbüros unterhält. Die Präsentation in Österreich, Deutschland und der Schweiz findet – vorbehaltlich des Infektionsgeschehens – im Rahmen einer Pressekonferenz am 22. April 2021 um 11:00 Uhr in Berlin statt.

Die Pressekonferenz wird für österreichische Journalisten und Interessenten per Livestream (unter: https://www.kircheinnot.at/informieren/bericht-religionsfreiheit-livestream) übertragen. Daran werden der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel MdB, der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch, Dr. Thomas Heine-Geldern sowie weitere Vertreter des Hilfswerks mitwirken.

Die Neuauflage des Berichts zur Religionsfreiheit weltweit ist ab dem 20. April abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at. Aktuell ist dort noch der Bericht aus dem Jahr 2018 eingestellt.

Auf der Internetseite können sowohl die einzelnen Länderberichte, die Regionalstudien und die Weltkarte eingesehen werden. Auch ein Download des gesamten Berichts ist möglich. KIRCHE IN NOT veröffentlicht darüber hinaus eine Zusammenfassung und die wichtigsten Ergebnisse des Berichts als Broschüre.

Ehemaliger UN-Sonderberichterstatter würdigt Dokumentation zur Religionsfreiheit von KIRCHE IN NOT

„Mit unserem neuen Bericht ‚Religionsfreiheit weltweit’ wollen wir unsere Stimme für die Menschen erheben, die nicht für sich selbst sprechen dürfen und die weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden”. Das erklärte der Geschäftsführende Präsident des internationalen katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (Aid to the Church in Need – ACN), Dr. Thomas Heine-Geldern, zur bevorstehenden Veröffentlichung des „Religious Freedom in the World Report“ (RFR).

KIRCHE IN NOT stellt den Bericht am 20. April in Rom vor. Darüber hinaus werden die Ergebnisse in zahlreichen anderen Städten auf der ganzen Welt präsentiert, „um eine breite, an Menschenrechten interessierte Öffentlichkeit anzusprechen“, so Heine-Geldern. Die Präsentation in Österreich, Deutschland und der Schweiz findet – vorbehaltlich des Infektionsgeschehens – im Rahmen einer Pressekonferenz am 22. April 2021 um 11 Uhr in Berlin statt. Die Pressekonferenz wird für österreichische Journalisten und Interessenten per Livestream (unter: https://www.kircheinnot.at/informieren/bericht-religionsfreiheit-livestream) übertragen. Daran werden der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel MdB, der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch, Dr. Thomas Heine-Geldern sowie weitere Vertreter des Hilfswerks mitwirken.

Dr. Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT.

Bericht erscheint zum 15. Mal

Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ erscheint dieses Jahr zum 15. Mal; KIRCHE IN NOT gibt ihn seit 1999 heraus. Das Hilfswerk ist die einzige internationale katholische Institution, die regelmäßig die Situation der Religionsfreiheit in 196 Ländern weltweit untersucht und analysiert. Mit dem RFR möchte KIRCHE IN NOT im Sinne von Papst Franziskus „der Verteidigung der Religionsfreiheit und der Menschenwürde neuen Schwung verleihen“, führte Heine-Geldern aus. Das Hilfswerk erfülle auf diese Weise eine tragende Säule seines Auftrags, der in Information, Gebet und tätiger Nächstenliebe besteht.

Titelbild des Berichts zur Religionsfreiheit, der am 20. April 2021 international vorgestellt wird.

Bericht deckt 196 Länder und alle Religionen ab

Die 196 Länderberichte wurden von insgesamt 30 unabhängigen internationalen Experten erstellt und decken die verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen ab. Dadurch könne KIRCHE IN NOT, so Heine-Geldern, „mit vielen unserer Mitbürger ins Gespräch kommen, ihr Interesse wecken und gleichzeitig ihr Bewusstsein für das Thema Religionsfreiheit schärfen.”

Kinder in Syrien inmitten von Trümmern. Foto: Ismael Martinez Sanchez

Die Neuauflage des Berichts zur Religionsfreiheit weltweit ist ab dem 20. April abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at. Aktuell ist dort noch der Bericht aus dem Jahr 2018 eingestellt. Auf der Internetseite können sowohl die einzelnen Länderberichte, die Regionalstudien und die Weltkarte eingesehen werden. Auch ein Download des gesamten Berichts ist möglich. KIRCHE IN NOT veröffentlicht darüber hinaus eine Zusammenfassung und die wichtigsten Ergebnisse des Berichts als Broschüre.

Weitere Infos zur Pressekonferenz werden kurzfristig veröffentlicht, Interessenten können sich melden unter: kin@kircheinnot.at

Ragheed Ganni, 35 Jahre alt, war ein chaldäisch-katholischer Priester und in der Heilig-Geist-Gemeinde im Norden Mossuls im Irak tätig. Am 3. Juni 2007 wurde er zusammen mit den drei Subdiakonen, Basman Yousef Daud, Wahid Hanna Isho und Gassan Isam Bidawed von unbekannten Angreifern erschossen.

Nach der Eucharistiefeier wurde Ragheed Ganni von einem der Mörder zurechtgewiesen, der ihn davor gewarnt hatte, die Kirche zu öffnen. Der Priester antwortete ihm: „Wie kann ich das Haus Gottes schließen?” Alle vier Männer wurden an Ort und Stelle erschossen.

Das Grab von Ragheed Ganni.

Ragheed Ganni war einer von vielen Priestern, die mit Hilfe eines Stipendiums von KIRCHE IN NOT in Rom studiert hatten. Obwohl er weiter in Rom hätte studieren können, entschied er sich, in den Irak zurückzukehren. Er fühlte, dass ihn die Menschen in seiner Gemeinde brauchten. Einer der letzten Briefe, die er verfasste, war ein Dankbrief an KIRCHE IN NOT für die Unterstützung.

Gut ausgebildete katholische Priester mit Blick für die universelle katholische Kirche sind für die Arbeit der Kirche weltweit wichtig. Wie Ragheed Ganni unterstützt KIRCHE IN NOT viele Priester bei ihrer Ausbildung. 2019 hat KIRCHE IN NOT über 400 Stipendien für ein Studium in Europa, Asien oder Südamerika vergeben.

Die Beispiele von aktuellen Märtyrern stammen aus unserem Büchlein “Kalender der Märtyrer und Zeugen der Liebe”, das Sie in unserem Shop bestellen können: zum Kalender der Märtyrer

Die Diözese Teixera de Freitas-Caravelas liegt im armen Nordosten Brasiliens im Bundesstaat Bahia, der den höchsten afrikanischstämmigen Bevölkerungsanteil des Landes aufweist.

Knapp 340.000 Einwohner der Diözese sind katholisch. Katholiken machen somit fast 80 Prozent der Bevölkerung aus. Allerdings gibt es nur 35 Priester – viel zu wenige für die zahlreichen Gläubigen. Daher hat die Diözese ihre Berufungspastoral verstärkt, um Jugendlichen dabei zu helfen, eine mögliche Berufung zu entdecken und zu entwickeln. Dieses Engagement zeigt Früchte: Zur Zeit sind 31 junge Männer aus der Diözese am Priesterseminar St. Johannes Paul II. in Salvador de Bahia untergebracht. Sie wohnen dort im Studienhaus, das von ihrer eigenen Diözese eingerichtet wurde, sie studieren aber an der Universität zusammen mit den angehenden Priestern der Erzdiözese Salvador. Fünf weitere Jugendliche aus Diözese Teixera de Freitas-Caravelas bereiten sich im Propädeutikum darauf vor, in ein Priesterseminar einzutreten.

Zur Zeit sind 31 junge Männer aus der Diözese am Priesterseminar St. Johannes Paul II.

Die Berufungspastoral erfordert Besuche in den Pfarren der Diözese, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und sie zu begleiten. Außerdem müssen Einkäufe getätigt und die Seminaristen für ihre Einsätze in Pfarren, in denen sie praktische Erfahrung in der Seelsorge sammeln sollen, aus Salvador de Bahia abgeholt und an ihre Einsatzorte gebracht werden. Das alte Auto, das sem Seminar bisher zur Verfügung stand, verschlang viel Treibstoff und war daher teuer im Unterhalt. Zudem war es für die Fahrten auf dem als sehr gefährlich berüchtigten Highway von Bahia zu unsicher. Bischof Jailton de Oliveira Lino fürchtete stets um das Leben der Priester und Seminaristen, wenn diese unterwegs waren, und daher hatte er uns eindringlich um Hilfe gebeten.

Unsere Wohltäter haben ihn nicht im Stich gelassen und haben 20.700 Euro gespendet, damit ein neues, stärkeres Autos angeschafft werden konnte. Es ist im Unterhalt billiger und ist außerdem robuster als das alte Fahrzeug des Seminars, so dass die Fahrten auf den gefährlichen Straßen von nun an sicherer sein werden. Die angehenden Priester danken allen von Herzen, die geholfen haben!

Zwei Wochen nach dem dschihadistischen Angriff auf die Stadt Palma im Norden Mosambiks hat der katholische Pfarrer António Chamboco noch keine Gewissheit über das Schicksal seiner Gemeindemitglieder. Chamboco war am 24. März, als der Angriff begann, gerade auswärts – das hat ihm möglicherweise das Leben gerettet. „Als ich von dem Angriff erfuhr, fühlte ich Traurigkeit und Schmerz. Ich arbeite seit einem Jahr in Palma und habe die Menschen dort liebgewonnen“, schilderte der Seelsorger im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.
Verteilung von Hilfsgütern in Mosambik (Foto: Johan Viljoen).

Noch immer gelten viele Menschen als vermisst

Zunächst sei es noch möglich gewesen, Kontakt zu den eingekesselten Menschen zu halten, dann seien die Telefon- und Internetverbindungen zusammengebrochen. „Ich war in der ersten Phase des Angriffs mit zwei Koordinatoren unserer Gemeinde in Kontakt. Sie informierten mich, dass geschossen wird. Fünf Minuten später gab es keine Kommunikationsmöglichkeit mehr“, erzählt Chamboco. Der Pfarrer weiß nicht, ob seine Kirche und das Gemeindehaus noch stehen und was mit seinen Gemeindemitgliedern passiert ist. Tausende von Menschen sind noch immer verschollen.

Der Angriff auf Palma in der Provinz Cabo Delgado ist ein trauriger Höhepunkt einer Serie von dschihadistischen Angriffen, denen der Norden Mosambiks seit 2017 ausgesetzt ist. Selbst Experten wissen wenig über die Herkunft und die Hintergründe der bewaffneten Einheiten; sie gelten als Splittergruppen der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Beobachtern zufolge rekrutieren sie sich überwiegend aus jungen Männern. Auch zum Angriff auf Palma bekannte sich der IS.

Dschihadistische Kämpfer in Mosambik (Foto: Johan Viljoen).

Massaker an der Zivilbevölkerung

Die Terrortruppen dürften auch von wirtschaftlichen und politischen Zielen motiviert sein: Vor der Küste im Norden Mosambiks sind große Erdöl-Bohrungen in Vorbereitungen – eines der größten Investitionsprojekte in Subsahara-Afrika. Medienangaben zufolge haben die Angriffe begonnen, als die Fortsetzung des Erdölprojekts verkündet worden sei. „Palma war ein wichtiger Ort. In der Region hatten zusätzlich zu den Einheimischen mehr als 40 000 Menschen Zuflucht gefunden, die vor früheren Angriffen in anderen Bezirken geflohen waren“, erklärt der Projektleiter für Mosambik in der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“, Ulrich Kny.

Ein Videoclip, der „Kirche in Not“ zugesandt wurde und nach dem Angriff in Palma aufgezeichnet worden sein soll, zeigt enthauptete Menschen und verstümmelte Leichen. „Die Bilder sind schockierend. Wir können sie nicht teilen, weil sie durch ihre Brutalität die Menschenwürde verletzen“, sagt Kny. „Es zerreißt mir das Herz. Wie viele Tote braucht es noch, bevor die Welt reagiert?“

Jüngsten Berichten zufolge hat das Militär die Stadt Palma wieder unter Kontrolle gebracht, es werde jedoch in der Region weiterhin gekämpft. Die Stadt zählte vor dem Angriff rund eine halbe Million Einwohner. Es ist von Dutzenden Toten die Rede. Tausende Menschen ergriffen die Flucht. In ganz Mosambik gibt es laut UN-Flüchtlingshilfswerk über 670 000 Binnenvertriebene.

Ulrich Kny, Projektreferent für Mosambik bei KIRCHE IN NOT.

Flüchtlingsströme steigen weiter

„Kirche in Not“ unterstütze Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter, die sich dieser Menschen annehmen, erklärt Ulrich Kny: „Unser Hilfswerk versucht dort zu helfen, wo die Kirche vor Ort das Mögliche und oft das Unmögliche tut, um die humanitäre Krise zu lindern.“

„Kirche in Not“ hat Soforthilfen zur Verfügung gestellt, damit Vertriebene in kirchlichen Einrichtungen untergebracht und versorgt werden können. Außerdem unterstützt das Hilfswerk den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensfrauen in der Region, die Ausbildung und Schulung von Seminaristen und weitere Projekte, die mit den dringendsten Bedürfnissen des kirchlichen Lebens in Mosambik zu tun haben.

„Angesichts der jüngsten Angriffe und der steigenden Flüchtlingsströme werden die Diözesen in der Region ihre Arbeit ohne Hilfe von außen nicht ausweiten können“, erklärte Ulrich Kny. „Wir müssen unsere Unterstützung für den Norden Mosambiks erhöhen. Beten wir für dieses Volk, das alles verloren hat. Die Welt kann dieses Drama nicht ignorieren.“

Unterstützen Sie die Versorgung von Flüchtlingen und Vertriebenen in Mosambik! Mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Mosambik

Wachsamkeit und Gelassenheit trotz Terrorgefahr: Diese beiden Haltungen schildern zwei Kirchenvertreter nach dem jüngsten Selbstmordanschlag auf die Kathedrale von Makassar, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Südsulawesi, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

„Ich bin froh, dass niemand aus unserer Gemeinde ums Leben gekommen ist und es keine Schwerverletzten gab“, sagte der Priester Wilhelminus Tulak, der an der Herz-Jesu-Kathedrale von Makassar tätig ist.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen sei die Zahl der Gottesdienstbesucher nicht so hoch gewesen wie sonst – vielleicht einer der Gründe, warum es außer den beiden Attentätern keine weiteren Toten gab. Medienberichten zufolge wurden mindestens 20 Personen verletzt.

Die Sicherheitsleute, die bei jeder heiligen Messe die Türen bewachen, hätten Schlimmeres verhindert, erzählt Tulak: „Ein Sicherheitsmann beobachtete, wie zwei Personen mit einem Motorrad auf das Kirchengelände fahren wollten. Hinten saß eine Frau. Sie trug schwarze Kleidung und ihr Gesicht war verhüllt. Das kam dem Sicherheitsmann komisch vor und er hinderte die beiden daran, das Gelände zu befahren. Gleich darauf gab es eine Explosion.“

Wilhelminus Tulak, Priester an der Herz-Jesu-Kathedrale in Makassar (Indonesien).

Sicherheitsleute haben Schlimmeres verhindert

Wie die indonesische Polizei bereits kurz nach dem Anschlag mitteilte, gehörten die beiden Attentäter der Terrorgruppe „Jamaah Ansharut Daulah“ (JAD) an, die als lokaler Ableger des „Islamischen Staats“ gilt.

Dabei handle es sich „um ein kleine Randgruppe, die meiner Meinung nach nicht auszurotten ist, obwohl die indonesische Anti-Terror-Polizei sie überall jagt“, erklärte der deutschstämmige Jesuitenpater Franz Magnis-Suseno gegenüber KIRCHE IN NOT.

Der 84-Jährige lehrte an verschiedenen Universitäten Indonesiens und gilt als Kenner des Landes und der religiösen Situation. „Mein erster Eindruck nach dem Anschlag war: Schon wieder? Aber ich war nicht überrascht“, so der Jesuit. „Wir werden in Indonesien mit gelegentlichen Terroranschlägen leben müssen.“ Das gelte besonders in der Provinz Südsulawesi, die eine „Hochburg des Hardliner-Islam“ sei.

Heilige Messe in Indonesien (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).

Mehrheit der Bevölkerung unterstützt Terrorismus nicht

In Indonesien, der größten muslimischen Nation der Welt, gilt das Zusammenleben der Religionen als weitgehend friedlich, viele Muslime folgen moderaten sunnitischen Strömungen.

Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT zufolge hätten in jüngerer Zeit konservative und teilweise gewaltbereite islamistische Strömungen zugenommen, besonders nach dem militärischen Sieg über die Milizen des „Islamischen Staates“ in Syrien und dem Irak.

Dabei handle es sich jedoch nicht um eine generelle Entwicklung, erklärt Magnis-Suseno: „Der Mainstream der muslimischen Hardliner in Indonesien unterstützt den Terrorismus nicht.“ Auch die größten muslimischen Organisationen des Landes, der Religionsminister und der indonesische Präsident Joko Widodo hätten den jüngsten Anschlag „schnell und hart“ verurteilt.

An zahlreichen Orten Indonesiens übernehmen Sicherheitskräfte der weltgrößten muslimischen Nicht-Regierungsorganisation „Nahdlatul Ulama“ (NU) den Schutz der Ostergottesdienste. Diese würden mit Sicherheit stattfinden, fasst der Jesuit zusammen: „Die Reaktion nach dem Anschlag ist moderat, keine Panik.“

Unterstützen Sie die christliche Minderheit in Indonesien! Mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Indonesien