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Mosambik: „Wie viele Tote braucht es noch, bis die Welt reagiert?“

Mosambik: „Wie viele Tote braucht es noch, bis die Welt reagiert?“

KIRCHE IN NOT fordert nach jüngsten Angriffen zu Unterstützung auf

08.04.2021 aktuelles
Zwei Wochen nach dem dschihadistischen Angriff auf die Stadt Palma im Norden Mosambiks hat der katholische Pfarrer António Chamboco noch keine Gewissheit über das Schicksal seiner Gemeindemitglieder. Chamboco war am 24. März, als der Angriff begann, gerade auswärts – das hat ihm möglicherweise das Leben gerettet. „Als ich von dem Angriff erfuhr, fühlte ich Traurigkeit und Schmerz. Ich arbeite seit einem Jahr in Palma und habe die Menschen dort liebgewonnen“, schilderte der Seelsorger im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.
Verteilung von Hilfsgütern in Mosambik (Foto: Johan Viljoen).

Noch immer gelten viele Menschen als vermisst

Zunächst sei es noch möglich gewesen, Kontakt zu den eingekesselten Menschen zu halten, dann seien die Telefon- und Internetverbindungen zusammengebrochen. „Ich war in der ersten Phase des Angriffs mit zwei Koordinatoren unserer Gemeinde in Kontakt. Sie informierten mich, dass geschossen wird. Fünf Minuten später gab es keine Kommunikationsmöglichkeit mehr“, erzählt Chamboco. Der Pfarrer weiß nicht, ob seine Kirche und das Gemeindehaus noch stehen und was mit seinen Gemeindemitgliedern passiert ist. Tausende von Menschen sind noch immer verschollen.

Der Angriff auf Palma in der Provinz Cabo Delgado ist ein trauriger Höhepunkt einer Serie von dschihadistischen Angriffen, denen der Norden Mosambiks seit 2017 ausgesetzt ist. Selbst Experten wissen wenig über die Herkunft und die Hintergründe der bewaffneten Einheiten; sie gelten als Splittergruppen der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Beobachtern zufolge rekrutieren sie sich überwiegend aus jungen Männern. Auch zum Angriff auf Palma bekannte sich der IS.

Dschihadistische Kämpfer in Mosambik (Foto: Johan Viljoen).

Massaker an der Zivilbevölkerung

Die Terrortruppen dürften auch von wirtschaftlichen und politischen Zielen motiviert sein: Vor der Küste im Norden Mosambiks sind große Erdöl-Bohrungen in Vorbereitungen – eines der größten Investitionsprojekte in Subsahara-Afrika. Medienangaben zufolge haben die Angriffe begonnen, als die Fortsetzung des Erdölprojekts verkündet worden sei. „Palma war ein wichtiger Ort. In der Region hatten zusätzlich zu den Einheimischen mehr als 40 000 Menschen Zuflucht gefunden, die vor früheren Angriffen in anderen Bezirken geflohen waren“, erklärt der Projektleiter für Mosambik in der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“, Ulrich Kny.

Ein Videoclip, der „Kirche in Not“ zugesandt wurde und nach dem Angriff in Palma aufgezeichnet worden sein soll, zeigt enthauptete Menschen und verstümmelte Leichen. „Die Bilder sind schockierend. Wir können sie nicht teilen, weil sie durch ihre Brutalität die Menschenwürde verletzen“, sagt Kny. „Es zerreißt mir das Herz. Wie viele Tote braucht es noch, bevor die Welt reagiert?“

Jüngsten Berichten zufolge hat das Militär die Stadt Palma wieder unter Kontrolle gebracht, es werde jedoch in der Region weiterhin gekämpft. Die Stadt zählte vor dem Angriff rund eine halbe Million Einwohner. Es ist von Dutzenden Toten die Rede. Tausende Menschen ergriffen die Flucht. In ganz Mosambik gibt es laut UN-Flüchtlingshilfswerk über 670 000 Binnenvertriebene.

Ulrich Kny, Projektreferent für Mosambik bei KIRCHE IN NOT.

Flüchtlingsströme steigen weiter

„Kirche in Not“ unterstütze Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter, die sich dieser Menschen annehmen, erklärt Ulrich Kny: „Unser Hilfswerk versucht dort zu helfen, wo die Kirche vor Ort das Mögliche und oft das Unmögliche tut, um die humanitäre Krise zu lindern.“

„Kirche in Not“ hat Soforthilfen zur Verfügung gestellt, damit Vertriebene in kirchlichen Einrichtungen untergebracht und versorgt werden können. Außerdem unterstützt das Hilfswerk den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensfrauen in der Region, die Ausbildung und Schulung von Seminaristen und weitere Projekte, die mit den dringendsten Bedürfnissen des kirchlichen Lebens in Mosambik zu tun haben.

„Angesichts der jüngsten Angriffe und der steigenden Flüchtlingsströme werden die Diözesen in der Region ihre Arbeit ohne Hilfe von außen nicht ausweiten können“, erklärte Ulrich Kny. „Wir müssen unsere Unterstützung für den Norden Mosambiks erhöhen. Beten wir für dieses Volk, das alles verloren hat. Die Welt kann dieses Drama nicht ignorieren.“

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