
In der alten christlichen Nation Äthiopien gibt es Nomadengruppen, die noch nie etwas vom Evangelium gehört haben. Die Spiritaner arbeiten mit diesen Gemeinschaften zusammen, um die Frohe Botschaft zu verbreiten und die Kultur zu evangelisieren, was auch den Dialog im Zusammenhang mit umstrittenen Traditionen beinhaltet.
„Jede Gemeinschaft hat ihre eigene Kultur und selbstverständlich ist ihre Kultur wunderbar“, sagt Pater Kilimpe Garbicha, während er über das Nomadenvolk der Hamar spricht, das im Omo-Tal im Südwesten Äthiopiens lebt. Pater Kilimpe wurde 2013 zum Priester geweiht und ist seit 2022 Provinzial in seiner Heimat Äthiopien. Anlässlich eines Besuchs am internationalen Hauptsitz des Hilfswerks KIRCHE IN NOT berichtete er kürzlich über die Arbeit der Spiritaner in diesem Land, unter anderem auch über ihren Dienst als Missionare beim Volk der Hamar.

„Die Spiritaner kamen 1972 zum ersten Mal nach Äthiopien“, so Pater Kilimpe. „Es ist das Charisma des Ordens, dorthin zu gehen, wo es der Kirche an Personal mangelt oder wohin niemand anders geht.“ Aus diesem Grund sind die Spiritaner in abgelegenen ländlichen Gebieten Äthiopiens präsent und widmen sich Nomaden, die noch nie von Jesus gehört haben.
„Die Menschen leben in ihrer eigenen Kultur. Wir wollen mit ihrer Kultur in einen Dialog treten“, sagt Pater Kilimpe über die Hamar.
Einige Aspekte dieser Kultur könnten Außenstehenden seltsam erscheinen, erklärt er und nennt als Beispiel den Bullensprung. „Dieser Bullensprung ist eine Art Initiationsritual für junge Männer. Sie stellen vier oder fünf Rinder nebeneinander auf, und der junge Mann springt auf und läuft über sie hinweg, mehrmals, je nachdem wieviel Kraft er hat.“ Der Ritual ist zu einer Touristenattraktion geworden, die dieser sehr armen Region Äthiopiens etwas Geld einbringt.

Es gibt bei diesem Ritual allerdings auch einen Aspekt, der für Pater Kilimpe verstörend ist. Nachdem der junge Mann diesen Meilenstein in seinem Leben erreicht hat, feiern die Frauen und Mädchen – Verwandte und Dorfbewohnerinnen – mit ihm. Als Teil dieser Feier „sehen wir, wie Frauen von dem jungen Mann mit einer Rute ausgepeitscht werden“, berichtet Pater Kilimpe. „Für sie ist es eine Form, ihre Freude zu zeigen, doch das Auspeitschen ist sehr grausam und führt zu Verletzungen bei den Frauen und Mädchen. Man sieht, wie die Frauen bluten und es bleiben große Narben zurück.“
Pater Kilimpe erklärt, dass die Frauen und Mädchen häufig darum bäten, ausgepeitscht zu werden, da dies als Ausdruck von Freude angesehen werde und als Möglichkeit für sie, an dem Ritual teilzuhaben. „Ich habe gesehen, wie ein kleines Mädchen, vielleicht neun oder zehn Jahre alt, ausgepeitscht werden wollte. Ihre Mutter hat nein gesagt, aber der Rest der Familie hat es erlaubt. Sie wurde ausgepeitscht und sie lächelte dabei. Für mich war es inakzeptabel. Ich habe die Narben auf ihrem Körper gesehen und es hat mich berührt. Beinahe so, als hätte man mir die Wunden zugefügt.“
„Als Missionar fühle ich mich berufen, etwas zu unternehmen. Dies ist Teil der Evangelisierung, Teil dieses Dialogs mit der Kultur“, erläutert der Spiritaner und ergänzt, dass dies viel Feingefühl und Respekt erfordere. „Es geht um einfache Gespräche, ohne sie zu verurteilen. Sie können ihre Bräuche immer noch beibehalten, aber vielleicht können wir einen alternativen Weg finden, der sanfter ist und niemandem Schaden zufügt? Es ist ein langsamer Prozess, der intensiven Austausch erfordert.“

Äthiopien hat eine reiche und alte christliche Tradition, überwiegend orientalisch-orthodox. Es ist eher selten, dass es in einer bestimmten Gegend eine nennenswerte Anzahl von Katholiken gibt. Laut Pater Kilimpe sei es insbesondere die allumfassende Entwicklung des Menschen, die von der kleinen Katholischen Kirche in diesem Land gefördert werde. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz bei der Evangelisierung. Herz, Geist und Körper müssen genährt werden“, erklärt er. Dazu gehörten nicht nur Themen, bei denen es um das Bullensprung-Ritual gehe, sondern auch andere Themen, von der Wasserversorgung bis hin zur Förderung von Bildung für Mädchen.
Zu diesem Ansatz gehört auch, dass Pater Kilimpe sehr viel Respekt für die Kultur des Volkes der Hamar hegt. „Ich möchte nicht, dass die Menschen ihre Kultur als etwas Schlechtes ansehen“, sagt er. „Wir untergraben sie nicht. Wir treten in einen Dialog mit der Kultur und evangelisieren sie. Als Katholiken schaffen wir keine Spaltungen. Wir schaffen Einheit, respektieren die Kultur und setzen uns mit ihr auseinander. Wir lernen ihre Sprache und leben ihre Lebensweise. Wir finden wichtige Dinge in der Kultur, die den Menschen helfen können, das Evangelium kennenzulernen.“
Die Missionsarbeit bei den Nomaden im Omo-Tal ist nur ein Teil der Arbeit der Spiritaner in Äthiopien. Die Spiritaner leiten auch Pfarren, Einrichtungen der Gefängnisseelsorge und Schulen. Sie engagieren sich in der humanitären Arbeit und sind am Hauptsitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba als Seelsorger tätig. Pater Kilimpe und die Spiritaner sind KIRCHE IN NOT für seine Unterstützung sehr dankbar. Das Hilfswerk hat den Orden in den letzten fünf Jahren bei der Umsetzung von mehr als zehn Projekten unterstützt, darunter die Renovierung und der Bau von Kirchen und anderen Gebäuden, der Kauf von Transportmitteln, sowie mit der Bereitstellung von Messstipendien und der Übersetzung von Texten in lokale Sprachen.
Christen in Pakistan erleben Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung. Ein neuer Bericht der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der pakistanischen Bischofskonferenz dokumentiert schwere Menschenrechtsverletzungen aus dem Jahr 2025. Dazu gehören tödliche Übergriffe, Blasphemieanklagen sowie Entführungen und Zwangsverheiratungen von Mädchen. KIRCHE IN NOT unterstützt die Arbeit der Kommission und ihren Einsatz für Menschenrechte seit Langem.
„Pakistan ist ein Land, das reich mit vielfältigen Kulturen und einem tiefen religiösen Erbe gesegnet ist. Doch in seinem Innersten gibt es einen beunruhigenden Widerspruch“, schreibt Bischof Samson Shukardin aus Hyderabad, Vorsitzender der Kommission, im Vorwort.
Immer wieder erklärten Politiker und muslimische Geistliche öffentlich, Pakistan sei „ein Land von Muslimen für Muslime“. Damit machten sie die religiösen Minderheiten unsichtbar, kritisiert der Bischof. Für Christen und andere Minderheiten hat diese Ausgrenzung konkrete Folgen: Ihre Sicherheit, ihre Rechte und ihre Zukunft in der Heimat sind gefährdet.

Der Bericht dokumentiert unter anderem die Ermordung zweier Christen im Jahr 2025. Der katholische Landarbeiter Kashif Masih starb am 12. Mai im Distrikt Sialkot in der Provinz Punjab nach schweren Misshandlungen. Nach Angaben seines Bruders hatten sein Arbeitgeber und weitere Männer ihn beschuldigt, ein Mobiltelefon gestohlen zu haben.
Afzal Masih wurde am 7. September auf dem Weg zum Marienwallfahrtsort Mariamabad erschossen. Er war mit einer Pilgergruppe aus Lahore unterwegs. Nach Angaben eines Mitreisenden belästigten Angreifer zunächst Frauen aus der Gruppe und schlugen Masih, als er einschritt. Bei einem späteren Zwischenhalt griffen sie die Pilger mit einer Schusswaffe an. Masih starb, sein Cousin wurde schwer verletzt.
Auch die Aufarbeitung der Angriffe in Jaranwala vom 16. August 2023 bleibt dem Bericht zufolge unzureichend. Nach Blasphemievorwürfen gegen zwei Christen hatten Menschenmengen Kirchen und christliche Wohnhäuser geplündert und in Brand gesetzt. Nach Angaben von KIRCHE IN NOT wurden 26 Kirchen und rund 80 Wohnhäuser beschädigt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gewalt gegen Frauen und Mädchen religiöser Minderheiten. Für 2025 dokumentiert die Kommission 35 Vorfälle. Dazu zählen Entführungen mit anschließender Zwangskonversion und Zwangsverheiratung.
In einigen Fällen stellten sich Behörden auf die Seite der Entführer und weigerten sich, Anzeigen der Eltern minderjähriger Mädchen aufzunehmen. Der Bericht nennt jedoch auch Entscheidungen zugunsten der Betroffenen: Richter verweigerten die Übergabe Minderjähriger an deren angebliche Ehemänner und ermöglichten ihre Rückkehr zu den Familien. In einzelnen Fällen wurden Täter verurteilt.

Neben den Menschenrechtsverletzungen verzeichnet der Bericht positive Entwicklungen. Der für Minderheiten zuständige Minister der Provinz Punjab bezeichnete den Beitrag der christlichen Gemeinschaft als „vorbildlich“ und erklärte ihren Schutz zu einer der wichtigsten Aufgaben der Provinzregierung.
Zudem untersagte ein Gericht 2025 ausdrücklich die Formulierung „nur Christen“ in Stellenanzeigen für Reinigungskräfte. Damit wurde eine seit vielen Jahren verbreitete diskriminierende Praxis auf dem Arbeitsmarkt verboten.
Dennoch bleibt die Lage ernst. Im Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ ordnet KIRCHE IN NOT Pakistan der Kategorie „Verfolgung“ zu – der höchsten Stufe der Einschränkung der Religionsfreiheit. Die dokumentierten Fälle zeigen, warum der Einsatz gegen Christenverfolgung in Pakistan und für die Rechte aller religiösen Minderheiten weiter notwendig ist.
KIRCHE IN NOT unterstützt die christliche Minderheit und die Menschenrechtsarbeit der katholischen Kirche in Pakistan. Mit Ihrer Spende stärken Sie diesen Einsatz und stehen Menschen bei, die Diskriminierung und Verfolgung erleben.
Die durch die Gewalt verursachten Vertreibungen erschweren die Bemühungen, die Ansteckungen einzudämmen. Die Kirche hilft, wo sie kann.
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) sieht sich mit einer neuen Ebola-Welle konfrontiert, und das unter besonders schwierigen Bedingungen im Osten des Landes. Dort schränken bewaffnete Konflikte sowie die Präsenz von Rebellengruppen die Möglichkeiten der Regierung und der Kirche ein, auf die Krankheit zu reagieren.
Bei seinem Besuch am internationalen Hauptsitz von Aid to the Church in Need (ACN) in Deutschland erklärte Pater Olivier Ndondo, Provinzial der Ordensgemeinschaft vom Allerheiligsten Sakrament in der DR Kongo und Uganda, dass das Land derzeit erneut mit einem Ausbruch der Krankheit konfrontiert sei, die dort 1976 erstmals aufgetreten war.

Zwar haben die Behörden rasch gehandelt, um Fälle zu diagnostizieren, Ansteckungen einzudämmen und eine weitere Ausbreitung in weiten Teilen des Landes zu verhindern. Doch im Osten ist die Lage besonders gravierend, da der Konflikt den Zugang zu den betroffenen Gebieten erschwert. „Es ist wegen des Krieges sehr schwierig, dorthin zu gelangen“, erklärt der Priester und weist darauf hin, dass die Regierung Schwierigkeiten habe, bestimmte Gebiete zu erreichen und medizinische Versorgung sicherzustellen.
Hinzu kommen die durch die Gewalt verursachten Zwangsvertreibungen in andere Regionen, die das Risiko einer Ausbreitung des Virus erhöhen. Sowohl im Osten als auch im Nordosten, an der Grenze zu Uganda, stellen die ständigen Bevölkerungsbewegungen eine zusätzlich Herausforderung dar.
Laut Pater Ndondo scheint die Lage jenseits der Grenze besser unter Kontrolle zu sein, da die Behörden dort leichter eingreifen können. Die Mobilität zwischen beiden Gebieten erschwert jedoch weiterhin die Eindämmung der Krankheit. „Einerseits müssen sie mit dem Konflikt fertig werden, aber dazu kommt noch das Problem der Krankheit“, fasst der Priester zusammen.

Inmitten der Krise spielt die Kirche eine besonders wichtige Rolle und versucht, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen: Sie nimmt Vertriebene auf, leistet Nothilfe, klärt über Ebola auf und ruft zur Solidarität mit den Gemeinden im Osten auf.
Die Bischofskonferenz der DR Kongo hat ihrerseits eine Erklärung veröffentlicht, um das Bewusstsein für die Gefahren von Ebola zu schärfen. Darin ruft sie zu verantwortungsbewusstem Verhalten sowie zur Einhaltung der Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen auf, um weitere Ansteckungen zu vermeiden.
„Die Kirche im Osten begegnet den beiden Notlagen – dem Krieg und der Epidemie – mit dem, was sie hat und was sie kann“, erklärt der Priester. Zu den Schwierigkeiten bei der Eindämmung der Krankheit zählen auch bestimmte lokale Bestattungsbräuche, die einen körperlichen Kontakt mit den Verstorbenen vorsehen und dadurch die Präventionsmaßnahmen erschweren können.

„Frieden und Gesundheit“ sind eng miteinander verbunden, betont Pater Ndondo. „Ohne Frieden ist es schwieriger, die Gesundheit zu schützen, und ohne Gesundheit ist es noch schwieriger, die Hoffnung einer Bevölkerung wiederherzustellen, die von jahrzehntelanger Gewalt geprägt ist“, erklärt der Priester.
Die Gewalt hat zudem schwerwiegende psychologische und soziale Auswirkungen. Ohne Frieden, so Pater Ndondo, können die Menschen nicht arbeiten, ihre Kinder nicht zur Schule schicken oder angemessene Gesundheitsbedingungen aufrechterhalten. „Durch den Krieg verlieren wir die Hoffnung“, sagt der Priester und weist darauf hin, dass es Menschen gibt, die praktisch ihr ganzes Leben in einem Konfliktumfeld verbracht haben: „Menschen, die vor 30 Jahren geboren wurden, kennen nichts anderes als Krieg.“
Die Situation hat Folgen für die gesamte kongolesische Bevölkerung. Auch von der Hauptstadt Kinshasa aus sind die Kosten des Krieges deutlich zu spüren – sowohl durch die wirtschaftliche Belastung für die Regierung als auch durch die menschlichen Folgen der Gewalt: Todesfälle, Entführungen, Hunger und Vertreibungen.
KIRCHE IN NOT unterstützt 254 Projekte in der Demokratischen Republik Kongo. Unterstützen Sie unsere Nothilfe mit Ihrer Spende.
Die christliche Präsenz im Heiligen Land ist nach Einschätzung des Rektors des Priesterseminars des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem in Beit Jala bei Bethlehem, Bernard Poggi, bedroht – die Hoffnung unter den Christen sei aber nach wie vor groß und die Gemeinden vital.
Gewalt und Einschüchterungen, fehlende Arbeitsplätze, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und wirtschaftliche Not nähmen indes immer mehr Christen die Möglichkeit, in ihrer Heimat zu bleiben. „Niemand muss den Christen ausdrücklich befehlen, das Land zu verlassen“, sagte Poggi.
Vielmehr sei es die Summe vieler Belastungen, die das Bleiben immer schwieriger mache: Straßensperren, nicht zugängliche landwirtschaftliche Flächen, fehlende Arbeitsgenehmigungen, Einschüchterungen und mangelnde Zukunftsperspektiven. „Wenn eine Familie schließlich zu dem Schluss kommt, dass sie nur durch Weggehen ihren Kindern eine sichere Zukunft ermöglichen kann, dann ist Auswanderung keine wirklich freie Entscheidung mehr.“

Besonders besorgt äußerte sich Poggi über den Anstieg der Gewalt gegen Christen. Er verwies unter anderem auf Taybeh, das letzte vollständig von Christen bewohnte Dorf im Westjordanland. „Wenn Felder, Fahrzeuge, Häuser oder Kirchen angegriffen werden, hat das immer dieselbe Folge: Für die Christen wird es schwieriger, in ihrer Heimat zu bleiben, und ihr Lebensraum wird immer weiter eingeschränkt.“
Auch in Jerusalem erlebten Christen Anfeindungen. Poggi berichtete von einem Besuch zusammen jungen Seminaristen aus den Palästinensischen Gebieten. Für viele sei es das erste Mal gewesen, die nur wenige Kilometer entfernten Heiligen Stätten in Jerusalem zu besuchen. Auf dem Weg vom Zionsberg seien Kinder auf die Gruppe zugekommen und hätten die Seminaristen wegen ihrer sichtbar getragenen Kreuze angespuckt. „Warum spucken sie uns an?“, hätten die Jugendlichen ihn gefragt. Poggi habe ihnen anschließend die Betenden an der Klagemauer gezeigt, um ihnen das Gebet als verbindendes Element der Religionen vor Augen zu führen.

Auch die wirtschaftliche Lage sei eine der größten Gefahren für die christliche Präsenz, erklärte Poggi. Besonders schwer wiege der Einbruch des Pilger- und Tourismussektors im Raum Bethlehem, in dem traditionell viele Christen beschäftigt seien. Betroffen seien Reiseführer, Händler, Kunsthandwerker, Hotelangestellte und junge Hochschulabsolventen.
Hinzu kämen Einschränkungen bei Arbeitsgenehmigungen und Bewegungsfreiheit. Für die kleinen christlichen Gemeinschaften sei dies besonders folgenreich, da Jerusalem, Bethlehem und andere Orte wirtschaftlich, kirchlich und familiär eng miteinander verbunden seien.

Dramatisch sei auch die Situation im Gazastreifen. Vor Kriegsbeginn habe nach lokalen Angaben die christliche Gemeinschaft etwa 1000 Menschen umfasst, Ende 2025 seien es nur noch 541 gewesen. „Bei einer Gemeinschaft dieser Größe zählt jede Familie“, betonte Poggi. Dennoch seien die katholische Pfarrei Heilige Familie und die griechisch-orthodoxe Pfarrei St. Porphyrius weiterhin Orte der Zuflucht und dienten Menschen unabhängig von ihrer Religion.
Poggi appellierte an die Unterstützer von „Kirche in Not“, neben unmittelbarer Hilfe vor allem Strukturen zu stärken, die Christen ein dauerhaftes Leben in ihrer Heimat ermöglichen: Schulen, Pfarreien, Wohnungen und Kliniken. Ebenso wichtig seien Gehälter, Stipendien und Hilfen für die Lebenshaltungskosten.
Entscheidend sei auch die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Unterstützung lokaler Unternehmen, von Handwerk und Landwirtschaft. „Ein Arbeitsplatz ermöglicht einer Familie zu bleiben“, sagte Poggi. Auch die Ausbildung von Lehrern, Seminaristen, Priestern, Ordensleuten und jungen Verantwortungsträgern müsse weitergehen.
Trotz der schwierigen Lage bleibe die christliche Hoffnung lebendig. Die christliche Gemeinschaft im Heiligen Land sei klein und verletzlich, könne aber weiterhin Schulen, Kliniken und Heiligtümer offenhalten und sich Hass und Verzweiflung widersetzen. „Bitte helft uns nicht nur, die nächste Krise zu überleben“, appellierte Poggi an die Wohltäter von „Kirche in Not“. „Helft der Kirche, damit die nächste Generation im Heiligen Land bleiben kann!“

Pater Friedrich Bechina gehört der Geistlichen Familie „Das Werk“ an. Zwei Jahrzehnte war er in der vatikanischen Kongregation für das Katholische Bildungswesen tätig, dem heutigen Dikasterium für Kultur und Bildung. Dort beschäftigte er sich mit der Arbeit kirchlicher Hochschulen und arbeitete bereits bei Bildungsprojekten und Stipendien mit KIRCHE IN NOT zusammen.
Mit seinem Wechsel zum weltweiten katholischen Hilfswerk rückt für ihn die Unterstützung der Ortskirchen stärker in den Mittelpunkt. „Ich habe den Eindruck, dass ich näher dorthin komme, wo das Leben der Kirche stattfindet“, erklärte Bechina. Den Spendern und Unterstützern dankte er ausdrücklich: „Sie sind es, die all dies möglich machen.“
Der internationale Kirchliche Assistent stärkt das geistliche Leben innerhalb des Hilfswerks, begleitet die pastorale Ausrichtung der Hilfsprojekte und pflegt weltkirchliche Kontakte. Damit unterstützt er die kirchliche Ausrichtung von KIRCHE IN NOT, das seit 2011 eine päpstliche Stiftung ist.

Zum Abschied hob Pater Anton Lässer die persönliche Begleitung der Projektpartner und die Großzügigkeit der Spender hervor. „Viele unserer Wohltäter sind selbst nicht wohlhabend. Dennoch spenden sie Monat für Monat treu einen kleinen Betrag zur Unterstützung der Arbeit von KIRCHE IN NOT.“
Besonders geprägt haben ihn Begegnungen mit Menschen in Kriegsgebieten und der Besuch einer Ordensgemeinschaft im Libanon, die 800 Flüchtlinge in ihrem Kloster aufgenommen hatte. Diese Erfahrungen hätten ihm gezeigt, wie konkret KIRCHE IN NOT Menschen auch unter schwierigsten Bedingungen erreicht und ihnen hilft.
Kriege, wirtschaftliche Not und Abwanderung setzen christliche Schulen im Nahen Osten zunehmend unter Druck. Das internationale katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt deshalb im laufenden Schuljahr im Libanon, in Syrien und im Heiligen Land mehr als 15 000 Schülerinnen und Schüler an über 200 christlichen Schulen. Auch etwa 2500 Lehrkräfte profitieren von der Hilfe. In diesem und im vergangenen Jahr stellte KIRCHE IN NOT rund 2,6 Millionen Euro für Schulen und Bildungsprojekte im Libanon, in Syrien und im Heiligen Land bereit.
Besonders angespannt ist die Situation im Libanon. Bereits nach dem Zusammenbruch des Bankensystems 2021 konnten viele Familien das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr bezahlen. Die jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen haben die Lage weiter verschärft. Vor allem im Süden des Libanon wurden Menschen vertrieben und Lebensgrundlagen zerstört. Einige Schulen konnten ihren Unterricht online fortsetzen oder nach dem Waffenstillstand wieder öffnen. Andere blieben aus Sicherheitsgründen geschlossen oder haben kaum noch Schüler, weil die Familien in andere Landesteile geflohen sind.

„Libanon befindet sich immer noch im Kriegszustand, und niemand weiß, was passieren wird“, erklärt Marielle Boutros, die für KIRCHE IN NOT Projekte im Libanon und in Syrien koordiniert. Da Eltern kaum genug Geld hätten, um ihre Familien durchzubringen, könnten sie das Schulgeld nicht bezahlen. Die Gebühren seien aber unverzichtbar, weil sich die Schulen weitgehend selbst finanzieren. Gleichzeitig müssten die Gehälter der Lehrkräfte weiterfinanziert werden. Aufgrund der starken Abwanderung gebe es längst nicht mehr genügend qualifizierte Lehrer, so Boutros: „Die Lehrer müssen weiterbezahlt werden, um zu verhindern, dass wir sie verlieren. Denn aufgrund der Abwanderung haben wir nicht mehr so viele talentierte Lehrer wie früher.“
Auch in Syrien bleibt die Situation schwierig. Die Unsicherheit sei dort inzwischen „zur neuen Normalität“ geworden, erklärte Boutros. Vor allem die wirtschaftliche Situation sei weiterhin äußerst angespannt: „Es ist wichtig zu verstehen, dass Syrien die Krise noch nicht überwunden hat.“

Auch im Heiligen Land unterhalten die christlichen Kirchen ein großes Bildungsnetzwerk. Allein das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreibt in Israel, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien 43 Schulen und 35 Kindergärten mit insgesamt rund 20 000 Schülerinnen und Schülern.
Von den anhaltenden Auseinandersetzungen im Heiligen Land sind die christlichen Schulen unmittelbar betroffen – auch in personeller Hinsicht: Im Januar 2026 verabschiedete die israelische Regierung ein Gesetz, das neuen Lehrkräften mit Abschlüssen von Universitäten im Westjordanland untersagt, an Schulen in Israel zu unterrichten.
Vor Kurzem wurden die Einreiseerlaubnisse für zahlreiche Lehrkräfte, die im Westjordanland leben, nicht verlängert. Christliche Schulen in Israel riefen daraufhin zum Streik auf. In der Folge lenkte die Regierung ein und erneuerte die Einreisegenehmigungen, wenn auch in einigen Fällen nur für wenige Wochen.
Christliche Schulen sind im Nahen Osten nicht nur für die christlichen Gemeinschaften von großer Bedeutung. Die meisten Einrichtungen stehen auch Kindern anderer Religionen offen. Damit schaffen sie Orte, an denen gemeinsames Lernen und das Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften gefördert werden.
Kirchen, Klöster oder öffentliche Gebäude blutrot, um auf das Schicksal von Millionen unterdrückter, bedrohter und verfolgter Christen aufmerksam zu machen. Mit der RED Week ruft „Kirche in Not“ Pfarren, Klöster und Organisationen in ganz Österreich dazu auf, sich diesem weltweiten Zeichen anzuschließen. Ab sofort ist die Anmeldung unter www.redweek.at möglich.
Zuletzt beteiligten sich allein in Österreich über 250 Kirchen, Klöster und Institutionen – heuer soll diese Zahl deutlich wachsen. Denn: Je mehr Gebäude leuchten, desto stärker das Zeichen, das wir gemeinsam setzen – ein Gebet, das man von Weitem sieht. Setzen auch Sie ein Zeichen und nehmen Sie teil! Wenn eine Beleuchtung nicht möglich ist, dann durch Gebet, Fürbitten oder eine Heilige Messe.

Am Dienstagabend, 17. November 2026, lädt KIRCHE IN NOT in Wien zu einem Solidaritätszug von Am Hof zur (im Inneren eindrucksvoll rot beleuchteten) Votivkirche und anschließendem großen ökumenischen Gebet ein. Unser Gast wird Erzbischof Bashar Matti Warda aus dem Irak sein – eine bedeutende Stimme für die Christen im Nahen Osten. Als zuständiger Bischof für verfolgte Christen begleitet Weihbischof Franz Scharl die Veranstaltung, gemeinsam mit weiteren wichtigen Vertretern christlicher Kirchen. Alle sind herzlich eingeladen!
Die RED Week ist mehr als ein Zeichen der Solidarität. Wie P. Anton Lässer CP, internationaler kirchlicher Assistent von KIRCHE IN NOT, in Predigten und Vorträgen zur Christenverfolgung betont: ‚Verfolgung gehört zum Christsein nicht als Zufall, sondern als Konsequenz der Nachfolge Christi dazu – und die Antwort der Verfolgten ist bezeichnenderweise nicht Hass, sondern Vergebung und Feindesliebe. Die verfolgte Kirche ist damit nicht nur Empfängerin unserer Hilfe, sondern schenkt uns selbst ein Zeugnis dafür, was der Glaube wert ist.‘ Wer in der RED Week ein Zeichen setzt, hilft also nicht nur – er lässt sich auch beschenken.

Anmeldung und Info: www.redweek.at | kin@kircheinnot.at | +43 (1) 405 25 53
Zum Gebet des Rosenkranzes für den Frieden mit Papst Leo XIV. am 1. Oktober an der Lourdesgrotte in den Vatikanischen Gärten werden 700 bis 1.000 Kinder aus Schulen und Pfarren Roms erwartet. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr.
Das Gebet bildet den Auftakt der weltweiten Gebetsaktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“, die das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT seit mehr als 20 Jahren fördert. Erstmals erstreckt sich das Gebet über eine ganze Woche: Vom 1. bis 7. Oktober können Diözesen, Pfarren, Schulen und Familien einen passenden Tag wählen, um gemeinsam für Frieden und Einheit zu beten. Höhepunkt ist der 7. Oktober, das Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz.

Auch in zahlreichen anderen Ländern bereiten sich Kinder auf die Teilnahme vor, darunter in Bolivien, im Sudan, in Simbabwe, Mosambik und Sierra Leone.
Im kriegsgezeichneten Sudan werden sich nach Angaben von Pater Franck Mandozi aus der Pastoralregion Kosti Kinder aus mehreren Pfarren und Schulen beteiligen. Aus einer indigenen Tsimané-Gemeinschaft im bolivianischen Amazonasgebiet berichtet Schwester Patricia Alejandra Botello López, dass die Kinder den Rosenkranz bereits auf T’siman und Spanisch beten.
In Simbabwe lädt die Pfarre St. Christopher in der Erzdiözese Bulawayo am 4. Oktober zum Kindergebet ein. Pfarrer Charles Mafurutu plant zudem, in den folgenden Wochen abgelegene Gemeinden und Missionsstationen zu besuchen. In Paraguay will Radio Pa’i Puku die Aktion bekannt machen und das Rosenkranzgebet der Kinder aus der Pfarre San Eugenio de Mazenod live übertragen.

Die Gebetsaktion 2026 steht unter dem Leitwort aus der Botschaft von Fatima: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“
In seiner Einladung beschreibt Kardinal Kurt Koch, Präsident von KIRCHE IN NOT International und Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der christlichen Einheit, das Unbefleckte Herz Mariens als Sinnbild eines Lebens, das ganz für den Heiligen Geist offen ist. Maria sei zugleich Vorbild des Glaubens, der Liebe und des Gebets.
Angesichts von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Armut soll das gemeinsame Gebet Kinder über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg verbinden und ein Zeichen des Vertrauens und der Hoffnung setzen.

KIRCHE IN NOT lädt auch Eltern, Lehrkräfte, Priester, Ordensleute und Katecheten zum Mitbeten ein. Dafür muss nicht der gesamte Rosenkranz gebetet werden: Auch ein einzelnes Gesätz kann Teil der weltweiten Gebetskette sein. Teilnehmer werden gebeten, sich auf der internationalen Webseite anzumelden. Die Anmeldung macht die Beteiligung auf einer weltweiten Karte sichtbar. Plakate und Faltblätter mit einer Anleitung des Rosenkranzgebets können kostenlos auf der Webseite von KIRCHE IN NOT Österreich bestellt werden.
Organisiert wird die Initiative in Zusammenarbeit mit dem Marienheiligtum von Fatima, dem Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes und dem Weltapostolat von Fatima. Erstmals beteiligt sich heuer auch der World Rosary Day.
Die Initiative entstand 2005 in Venezuela und entwickelte sich zu einer weltweiten Gebetsbewegung. Inspiriert ist sie von Worten, die dem heiligen Pater Pio zugeschrieben werden: „Wenn eine Million Kinder den Rosenkranz beten, wird sich die Welt verändern.“
Mehr Infos zur Gebetsaktion finden Sie unter: www.kircheinnot.at/eine-million-kinder
Nach fast drei Jahren Krieg hat die katholische Schule „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt Mitte September wieder mit dem Unterricht für rund 1000 Schülerinnen und Schüler begonnen. Für den Pfarrer der katholischen Pfarre in Gaza, Pater Gabriel Romanelli, ist die Wiederaufnahme des Schulbetriebs ein wichtiges Hoffnungszeichen. „Für mich ist die Schule ein Licht in der Dunkelheit“, erklärte Romanelli dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN). „Wenn die Menschen die Kinder und Jugendlichen zur Schule kommen sehen, zeigt ihnen das, dass es eine Zukunft gibt.“
Die Schule „Heilige Familie“ ist aktuell die einzige christliche Bildungseinrichtung im Gaza-Streifen. Vor Beginn des Kriegs im Jahr 2023 gab es dort fünf christliche Schulen – drei in katholischer, eine in orthodoxer und eine in evangelischer Trägerschaft. Aktuell besuchen rund 130 christliche Schüler verschiedener Konfessionen die Schule, die auch Kindern aus muslimischen Familien offensteht.

Noch bis vor wenigen Monaten hatten mehr als 450 Binnenvertriebene in dem Schulgebäude Schutz gesucht. Nun soll dort wieder Unterricht stattfinden. Die Verantwortlichen hätten große Anstrengungen unternommen, um den Kindern eine sichere und saubere Umgebung zu bieten, erklärte Pater Romanelli. „Für die Schüler und ihre Familien wird die Wiedereröffnung der Schule ein Stück Normalität zurückbringen“, sagte der Priester. Zugleich machte er deutlich: „In Gaza ist nichts normal.“ Überall seien Zerstörung und Trümmer zu sehen.
Der Krieg habe tiefe seelische Spuren hinterlassen – bei Kindern und Erwachsenen. Deshalb sollen psychologische Begleitung und Traumahilfe künftig einen festen Platz im Schulalltag erhalten. „Früher gehörte die psychosoziale Betreuung nicht zu unserem Programm. Jetzt wird sie ein wesentlicher Bestandteil unserer Schularbeit sein“, erklärte Romanelli. Auch viele Lehrer seien durch die Kriegserlebnisse schwer traumatisiert. „Jeder in Gaza trägt

Die Schule soll deshalb weit mehr sein als ein Ort des Unterrichts. Auch nach Schulschluss sollen dort Freizeitaktivitäten und Kurse angeboten werden. Von den Kindern höre er immer wieder: „Wir haben keinen Ort, an den wir gehen können“, berichtete Romanelli.
Auch seine Pfarre versucht, den Familien kleine Auszeiten vom Alltag zu ermöglichen. Nach der Sonntagsmesse gehe er mit Gemeindemitgliedern beispielsweise an den Strand von Gaza-Stadt, sagte der Priester. Obwohl auch dort überall Trümmer lägen, sollten die Familien wenigstens für kurze Zeit Erholung finden.
KIRCHE IN NOT unterstützt in enger Zusammenarbeit mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem die christliche Minderheit in Gaza wie im gesamten Heiligen Land. Das Hilfswerk fördert dort unter anderem kirchliche und pastorale Projekte und hilft christlichen Familien, die angesichts von Krieg, wirtschaftlicher Not und fehlenden Zukunftsperspektiven vor großen Herausforderungen stehen.
Nach erneuten bewaffneten Überfällen und Entführungen in Nigeria haben die katholischen Bischöfe des Landes eindringlich ein Ende der Gewalt gefordert. In einer KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegenden Erklärung beklagen sie eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage. Anlass sind zwei voneinander unabhängige Gewalttaten in den Regionen Borgu im Bundesstaat Niger und Ukum im Bundesstaat Benue.
Die Orte liegen im sogenannten „Middle Belt“ („Mittlerer Gürtel“) im Zentrum Nigerias. Dort kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Überfällen im Zusammenhang mit Land- und Weiderechten. Hinzu kommen Angriffe dschihadistischer Gruppen sowie Entführungen mit Lösegeldforderungen, die sich in weiten Teilen Nigerias zu einem einträglichen kriminellen Geschäft entwickelt haben.

Oft ist die Gewalt gezielt gegen Christen gerichtet; aber auch Muslime sind betroffen, wie im jüngsten Fall Ende August: Damals wurden in Borgu mehr als 60 Gläubige aus einer Moschee entführt. Hinter der Tat werden dschihadistische Kämpfer vermutet. Damit zeigt der Vorfall nach Ansicht von KIRCHE IN NOT erneut, dass sich die Gewalt in Nigeria nicht allein als religiöser Konflikt beschreiben lässt.
Bei einem weiteren Angriff in Ukum Mitte August kamen 47 Menschen ums Leben, 17 weitere wurden schwer verletzt. Dieser Angriff wird bewaffneten Gruppen von Fulani-Hirten zugeschrieben. „Ob in einer Moschee, einer Kirche, auf einem Marktplatz oder in der Ruhe ihrer Häuser: Nigerianer werden weiterhin ungestraft getötet, traumatisiert und vertrieben“, heißt es in der Erklärung.

Die Bischöfe betonen ausdrücklich ihre Solidarität mit den Muslimen, die von der Entführung in Borgu betroffen waren. Sie fordern die nigerianischen Behörden auf, entschlossener gegen die anhaltende Gewalt vorzugehen. Zwar erkenne man bereits unternommene Anstrengungen an. Die Regierung dürfe jedoch in ihrer Verantwortung nicht nachlassen: „Die Tränen der trauernden Familien müssen Sie so sehr beunruhigen, dass Sie alles in Ihrer Macht Stehende tun, um diese Gewalt zu beenden“, heißt es in der Erklärung.
Zugleich wenden sich die Bischöfe direkt an die Verantwortlichen der Gewalt: „An die Kriminellen, Terroristen, Entführer und ihre Unterstützer appellieren wir: Beendet das Blutvergießen! Das menschliche Leben gehört Gott allein, und kein Anliegen rechtfertigt diese Grausamkeit. Ihr könnt keine Zukunft auf den Tränen unschuldiger Menschen aufbauen.“
KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche in Nigeria seit vielen Jahren und hilft unter anderem bei der Versorgung von Binnenvertriebenen. Zuletzt finanzierte das Hilfswerk gemeinsam mit der Diözese Kaduna den Wiederaufbau eines bei einem Angriff zerstörten Dorfes. Dadurch konnten Bewohner in ihre Heimat zurückkehren, anstatt dauerhaft in Flüchtlingslagern leben oder an anderen Orten neu angesiedelt werden zu müssen.
Einen Monat nach dem schweren Erdbeben im Westen Kolumbiens sind die Folgen für die Bevölkerung weiterhin deutlich spürbar. Die katholische Kirche ist eine wichtige Anlaufstelle. Priester und Ordensleute stehen den Menschen bei und halten das kirchliche Leben unter schwierigen Bedingungen aufrecht, wie Projektpartner von KIRCHE IN NOT berichten. Das weltweite päpstliche Hilfswerk hatte wie beim vorhergehenden Erdbeben in Venezuela auch in Kolumbien Nothilfen zugesagt.
Besonders betroffen ist das Departamento Valle del Cauca mit der Millionenstadt Cali, 300 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá. Allein in der Erzdiözese Cali wurden nach Angaben der Kirche 40 beschädigte Kirchen registriert, zehn davon schwer. Einige Gotteshäuser wurden vollständig zerstört.

In der Pfarre St. Teresa von Ávila im Süden Calis, zu der rund 9000 Menschen gehören, stürzte das Dach der Kirche ein. Gottesdienste und andere Aktivitäten der Gemeinde finden deshalb derzeit in einem Zelt in einem nahegelegenen Park statt.
Pfarrer Luis Alberto Ríos beschreibt die Kirche in dieser Situation als ein „geistliches Krankenhaus“. Der provisorische Gottesdienstort sei zu einem wichtigen Treffpunkt geworden, an dem die Betroffenen erfahren könnten, dass sie mit ihrem Leid nicht allein seien. Die Feier der Gottesdienste unter freiem Himmel sei für ihn „ein Zeichen dafür, dass Jesus selbst auf die Straße gegangen ist, um den Menschen zu begegnen“.
Auch in der benachbarten Diözese Palmira, rund 30 Kilometer östlich von Cali, wurden elf Pfarrkirchen beschädigt. Einige sind nach Angaben von Bischof Rodrigo Gallego Trujillo so stark zerstört, dass sie abgerissen werden müssen. In einer Ortschaft kamen bei dem Erdbeben fünf Kinder ums Leben. Auch in ländlichen Gebieten stürzten zahlreiche Häuser von Bauernfamilien ein.
Trotz der Schäden gehe die Seelsorge weiter, betont Bischof Gallego: „Die Kirche lebt und bleibt.“ Gottesdienste und pastorale Angebote würden nun in Gemeindehäuser und öffentliche Räume verlegt, um „die Hoffnung lebendig zu halten und der Bevölkerung geistlichen Beistand zu geben“.

Auch in der Diözese Cartago im Norden des Departamentos Valle del Cauca, sind die Schäden erheblich. Rund 20 Kirchen wurden schwer beschädigt, weitere 20 müssen umfassend repariert werden. Bischof César Alcides Balbín betont, die wichtigste Aufgabe der Kirche bestehe jetzt darin, den Menschen „Begleitung, Unterstützung und Trost“ zu geben und ihnen einen Zufluchtsort zu bieten. Gerade die Feier der Sonntagsmesse sei wichtig: Das Zusammenkommen gebe den Menschen die geistliche Kraft für den langen Weg des Wiederaufbaus.
Wie konkret diese Begleitung aussieht, zeigt das Beispiel von Schwester Andaris Flores von den Missionarinnen der heiligen Theresia vom Kinde Jesu. Während des Erdbebens, bei dem ihr Schul- und Klostergebäude in La Victoria schwer beschädigt wurde, blieb Schwester Andaris im zweiten Stock bei einer 83-jährigen Mitschwester, die nicht mehr die Treppe hinuntergehen konnte. Während das Gebäude bebte und Trümmer herabfielen, kniete sie nieder und betete. Inzwischen lebt die Ordensfrau vorübergehend bei einer Familie. Die langfristige Herausforderung sieht sie nicht allein im Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Es gehe auch darum, die seelischen und psychischen Verletzungen der Menschen zu heilen – und vor allem darum, „die Seele wieder aufzubauen“.
Das Erdbeben der Stärke 7,4 hatte Kolumbien am 10. August erschüttert, nur zwei Monate nach der Naturkatastrophe im Nachbarland Venezuela. Das Epizentrum lag im Departamento Chocó. Nach Angaben der kolumbianischen Behörden liegt die Zahl der Toten mittlerweile bei über 300, mehr als 100 Personen werden noch vermisst. Mehr als eine halbe Million Menschen sind direkt von den Folgen des Erdbebens betroffen.
Als Bischof Stephen Nyodho zum Oberhirten der Diözese Malakal ernannt wurde, fand er nichts vor: keine kirchlichen Gebäude, keine funktionierenden Dienstleistungen und auch keine Gemeindemitglieder. Mit Mut, Ausdauer und persönlichem Vorbild begann er den Wiederaufbau – zuerst des Vertrauens der Menschen, dann der Infrastruktur.
Die Stadt Malakal im Südsudan war einst Heimat von Zehntausenden Menschen, bevor 2013 der Bürgerkrieg ausbrach, kurz nachdem der Priester Stephen Nyodho nach Rom gezogen war, um dort zu promovieren.
Als Papst Franziskus ihn 2019 zum Bischof von Malakal ernannte, wollte Stephen Nyodho in seiner Heimatstadt geweiht werden. Doch nichts hatte ihn auf die Verwüstung vorbereitet, die ihn dort erwartete.

„Als ich zurückkam, war nichts mehr da, nicht einmal ein Stuhl oder ein Tisch, nichts. Ich musste bei null anfangen. Viele Kirchen und Kapellen, aber auch alle anderen Einrichtungen der Kirche waren zerstört worden; es war nichts mehr übrig. Als ich das zum ersten Mal sah, weinte ich. Denn hier bin ich geboren, hier bin ich aufgewachsen. Aber mein Haus, meine Schule – alles war verschwunden“, erklärte der Bischof bei einem Besuch am internationalen Hauptsitz des Hilfswerks KIRCHE IN NOT.
In Malakal lebten nur noch etwa tausend Menschen. Der Großteil der Bevölkerung war geflohen und etwa 50.000 Personen hatten in nahegelegenen UN-Lagern Zuflucht gesucht.
Die Nachricht von der Rückkehr eines Bischofs in die Diözese verbreitete sich schnell. Viele Menschen strömten herbei. „Meine Bischofsweihe brachte Tausende von Menschen zurück nach Malakal – aus den Lagern und sogar aus Khartum, der Hauptstadt des benachbarten Sudan. Sie kehrten zum ersten Mal zurück, um Malakal nach der Zerstörung zu sehen“, erinnert sich Bischof Stephen Nyodho. „Selbst die Bischöfe, die zur Weihe angereist waren, kehrten noch am selben Tag nach Juba, die Hauptstadt des Südsudans, zurück: In Malakal gab es keine Unterkunft mehr.“

Doch Bischof Nyodho blieb, und zur Überraschung vieler kehrte das Leben nach Malakal zurück: „Dass ich in Malakal geblieben bin, hat den Menschen Hoffnung gemacht. Jetzt sind dort mehr als 20 000 Menschen. Fast alle Schulen sind wieder geöffnet und voller Kinder. Das Leben kehrt zurück!“
Während sich im Südsudan langsam ein zerbrechlicher Frieden abzeichnete, brach 2023 jenseits der Grenze im Sudan ein neuer Bürgerkrieg aus. Die Kirche in Malakai hätte sich auf ihre eigenen Probleme konzentrieren und zurückziehen können. Doch als der Bischof hörte, dass sich auf der anderen Seite des Weißen Nils Tausende Menschen sammelten, in der Hoffnung, sich in Sicherheit zu bringen, zögerte er nicht. „Ich erhielt einen Anruf von meinen Mitarbeitern; sie sagten mir, die Lage sei schwierig: Tausende Menschen befänden sich am Flussufer und wollten nach Malakal kommen. Sie saßen fest, hatten nichts bei sich und waren von ihrer Flucht aus Khartum völlig erschöpft“, berichtet der Bischof gegenüber KIRCHE IN NOT.
„Ich sagte, das sei kein Problem, und wies an, dass unser größtes Boot sofort losfahren sollte, um die Menschen abzuholen und nach Malakal zu bringen. Auf diese Weise haben wir mehr als 10 000 Menschen hierhergebracht. Unsere Diözese war die erste, die Vertriebene aufnahm. Viele von ihnen versorgt die Diözese noch heute mit Lebensmitteln“, erklärt der Bischof.

Die wichtigste Aufgabe für den Bischof liegt nun auf dem Wiederaufbau. „Als ich in Malakal ankam, sagte ich: Zuerst müssen wir das soziale Zusammenleben wiederherstellen, denn unsere Menschen waren während des Krieges gespalten. Sie haben einander getötet und sich selbst zerstört. Es waren Menschen von hier, die diesen Ort zerstört haben. Wie können wir sie also zurückholen? Wir können den Ort wieder aufbauen, die Straßen reparieren. Wenn aber die Menschen wieder gegeneinander kämpfen, wird alles erneut zerstört. Daher ist das Wichtigste, Frieden zu schaffen. Deshalb habe ich beschlossen, dass zuerst der Radiosender wieder in Betrieb genommen werden muss. Es ist der einzige Radiosender in der Gegend, und er hat das Leben Tausender Menschen verändert.“
„Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt, und wir wollen andere Dinge wiederaufbauen, zum Beispiel Häuser für die Priester, einige Kirchen und Schulen renovieren und neue Gebäude errichten.“
Doch der Wiederaufbau birgt Herausforderungen. Bischof Stephen erklärt, Malakal sei einer der teuersten Orte der Welt für Bauvorhaben. Ein Sack Zement, der in Juba 15 US-Dollar koste, koste in Malakal 50 US-Dollar, da der Transport des Materials auf der Straße oder per Schiff hohe Kosten verursache.
Umso dankbarer ist Bischof Stephen Nyodho den Wohltätern, die es KIRCHE IN NOT ermöglichen, Projekte in Malakal zu unterstützen. „Ohne Ihre Hilfe wäre das Leben tausender Menschen in der Diözese Malakal und in verschiedenen Teilen des Südsudans in Gefahr. Gott segne Ihre Großzügigkeit. Es gibt noch immer tausende Menschen, die leiden – im Südsudan und in der Diözese Malakal. Deshalb bitten wir Sie weiterhin inständig: Unterstützen Sie uns, begleiten Sie uns auf diesem Weg des Leidens. Lassen Sie uns nicht allein. Wir sind auf Sie angewiesen. Danke.”