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KIRCHE IN NOT hat die Ankündigung der irakischen Regierung begrüßt, die Rückkehr christlicher Familien gezielt fördern zu wollen. Nach Angaben des seit Mai amtierenden irakischen Premierministers Ali al-Zaidi sollen Christen künftig unter anderem bevorzugt in ein staatliches Wohnbauprogramm aufgenommen werden.

„Wir freuen uns sehr über die Worte des Premierministers. Seine Botschaft entspricht der langjährigen Unterstützung unserer Wohltäter für die christliche Gemeinschaft im Irak“, erklärte Marco Mencaglia, Leiter der Projektabteilung von KIRCHE IN NOT am Sitz des Hilfswerks in Königstein im Taunus.

Seit Jahrzehnten unterstützt KIRCHE IN NOT die Christen im Irak. Nach der Vertreibung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Jahr 2014 finanzierte das Hilfswerk gemeinsam mit der Ortskirche den Wiederaufbau zerstörter Häuser in der Ninive-Ebene. Das als „Marshallplan“ bekannt gewordene Hilfsprogramm ermöglichte tausenden christlichen Familien die Rückkehr in ihre Heimat. Es war das bislang größte Hilfsprojekt in der fast 80-jährigen Geschichte von KIRCHE IN NOT.

Darüber hinaus fördert das Hilfswerk bis heute den Wiederaufbau von Wohnhäusern, die Förderung kirchlicher Bildungsprojekte, die Ausbildung von Priestern sowie pastorale und soziale Hilfsprogramme. Ein weiteres Großprojekt ist die Hilfe für die Katholische Universität in Erbil, in der Angehörige verschiedener Religionen gemeinsam studieren.

Marco Mencaglia, Projektdirektor von KIRCHE IN NOT

Christen als „wesentlicher Teil der irakischen Gesellschaft“

„Dank der Hilfe von KIRCHE IN NOT konnten tausende Menschen zurückkehren. Auch das Projekt der Katholischen Universität in Erbil trägt dazu bei, die christliche Präsenz im Land zu bewahren. Wir hoffen, dass die zusätzlichen Anreize der Regierung dazu beitragen werden, eine starke christliche Präsenz im Irak zu sichern“, sagte Mencaglia.

Premierminister al-Zaidi hatte Mitte Juli bei einem Treffen mit dem neu gewählten Patriarchen der chaldäischen Kirche, Paul III. Nona, die Rückkehr christlicher Familien zur „nationalen und staatlichen Priorität“ erklärt. Christen seien „ein aktiver Bestandteil, ein wesentlicher Teil der irakischen Gesellschaft“ und ein wichtiger Partner beim Aufbau des Landes.

An dem Gespräch nahm auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, teil. Nach seinen Worten habe der Regierungschef die Kirche ausdrücklich ermutigt, sich weiterhin im Bildungs- und Gesundheitswesen einzubringen. Zugleich habe er Unternehmer aus der christlichen Diaspora aufgerufen, in ihre Heimat zurückzukehren und dort zu investieren. Die Kirche habe diese Signale positiv aufgenommen.

Studenten der Katholischen Universität Erbil danken KIRCHE IN NOT für die erhaltenen Stipendien.

Gemeinsam an einer besseren Zukunft des Landes mitwirken

Nach Angaben der Kirche betreiben die christlichen Konfessionen neben der Katholischen Universität Erbil derzeit 18 Schulen im Irak. Patriarch Paul III. Nona habe bei seinem Treffen mit dem Ministerpräsidenten die Bereitschaft der Kirche bekräftigt, gemeinsam an einer besseren Zukunft des Landes mitzuwirken.

Vor rund 25 Jahren lebten noch etwa 1,5 Millionen Christen im Irak. Heute sind es infolge von Krieg, Terror und Auswanderung weniger als 300 000. Besonders die Eroberung weiter Teile Nordiraks durch den sogenannten „Islamischen Staat“ im Jahr 2014 führte zu einer massiven Vertreibung der christlichen Bevölkerung.

Nach einem Besuch in den von den Erdbeben Ende Juni betroffenen Regionen Venezuelas hat die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, die Situation als „apokalyptisch“ bezeichnet. Das Hilfswerk unterstützt die Ortskirche bereits mit Soforthilfe und bereitet weitere langfristige Hilfsmaßnahmen vor.

„Ich hatte nicht mit einem solchen Ausmaß der Zerstörung gerechnet“, erklärte Lynch nach ihrer Rückkehr aus Venezuela. „Wenn man überall die Trümmerberge sieht, wie schwere Baumaschinen sich durch die Schuttmassen arbeiten und wie ganze Wohnblocks unbewohnbar geworden sind, dann ist das sehr bedrückend.“

Trotz der dramatischen Lage zeigte sich die Präsidentin tief beeindruckt vom Einsatz der Kirche vor Ort. „Man erkennt, wie gut die Kirche in Venezuela organisiert ist. Überall arbeiten Freiwillige mit großem Einsatz zusammen. Es war wie in einem Bienenstock“, berichtete sie nach dem Besuch einer kirchlichen Verteilstelle für Hilfsgüter.

Neben der materiellen Not begegnete die Delegation von KIRCHE IN NOT auch zahlreichen Menschen, die schwer traumatisiert sind. In einem katholischen Krankenhaus in La Guaira hatten Mitarbeiter selbst Angehörige und ihre Häuser verloren. Zwei Ärzte kamen bei der Katastrophe ums Leben. KIRCHE IN NOT sagte deshalb auch Unterstützung auch bei der psychologischen und seelsorglichen Begleitung der Betroffenen zu.

Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, in einer Verteilstelle für Hilfsgüter in Caracas.

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Hilfe auch für seelische Wunden

Besonders bewegte die Delegation die Begegnung mit der 31-jährigen Gismely. Sie überlebte den Sturz aus dem zwölften Stock eines Wohnhauses, verlor jedoch ein Bein. Dank der Begleitung einer Pfarrei-Ehrenamtlichen habe sie neuen Lebensmut gefunden. „Ich weiß, dass es ohne mein Bein nicht einfach sein wird, aber mein Leben ist mehr als das“, sagte sie.

Die Zahl der Todesopfer liegt nach staatlichen Angaben mittlerweile bei über 5000. Die Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT hatten mit einem Pfarrer gesprochen, in dessen Gemeinde 80 Prozent der Mitglieder durch die Erdbeben getötet wurden.

Im Priesterseminar von La Guaira wurden mehrere Gebäudeteile zerstört. Bischof Pablo Modesto Gonzalez Perez und seine Seminaristen überlebten nur knapp. Dennoch richtet der Bischof den Blick nach vorn: „Wir sind hier, um dieses Land wieder aufzubauen. Ich glaube, dass dies derzeit eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche ist.“

Verteilung von Hilfsgütern in Caracas.

„Zum Glück gibt es die Kirche in Venezuela“

Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Ausmaßes der Katastrophe hatte KIRCHE IN NOT eine erste Soforthilfe in Höhe von 100.000 Euro auf den Weg gebracht. Mit den Mitteln werden derzeit Priester, Ordensschwestern und Ehrenamtliche unterstützt, die den Überlebenden beistehen und die pastorale sowie humanitäre Hilfe koordinieren. Gleichzeitig prüft das Hilfswerk weitere Projekte, darunter den Wiederaufbau kirchlicher Einrichtungen sowie Hilfen zur Traumabewältigung. „Zum Glück gibt es die Kirche in Venezuela“, bilanzierte Regina Lynch nach ihrer Reise.

Mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT können im Jahr 2026 weltweit 33 631 Kinder und Jugendliche an kirchlichen Ferienfreizeiten teilnehmen. Das Hilfswerk finanziert in elf Ländern insgesamt 407 Sommercamps. Neben Spiel, Gemeinschaft und Erholung stehen Katechese, Gebet und die Stärkung des kirchlichen Lebens im Mittelpunkt.

Besonders viele junge Christen nehmen in Syrien an den kirchlichen Ferienfreizeiten bei: Dort unterstützt KIRCHE IN NOT 230 Sommercamps mit insgesamt 17 855 Teilnehmern. Auch im Libanon (7465 Teilnehmer) und in der Ukraine (3518 Teilnehmer) gehören Sommerprogramme zu den größten pastoralen Initiativen für junge Menschen.

Wie wichtig solche Angebote gerade in Krisenzeiten sind, zeigt das Beispiel der Ukraine. Mit dem Projekt „Ferien mit Gott“ unterstützt KIRCHE IN NOT Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen von Krieg und Flucht leiden. Die „Ferien mit Gott“ verbinden Gebet, Gemeinschaft und Freizeitangebote mit einem geschützten Umfeld. Ihre Motivation beschreiben die Projektpartner in der Ukraine so: „Jedes Kind verdient es, Frieden, Freude und die Liebe Gottes zu erfahren – selbst mitten im Krieg.“

Gebet bei einer Sommerfreizeit in Lemberg/Ukraine.

Israel: Kirche begleitet eine „Minderheit innerhalb einer Minderheit“

Ein weiteres Beispiel kommt aus Israel. Dort unterstützt KIRCHE IN NOT Sommerlager des Vikariats für hebräischsprachige Katholiken, das zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehört. Viele dieser Familien haben einen Migrations- oder Fluchthintergrund.

Die Partner des Patriarchats beschreiben die Teilnehmer „als Minderheit innerhalb einer Minderheit“ der immer kleiner werdenden christlichen Gemeinde im Heiligen Land. Die Sommerlager verbinden Gebet, Katechese, Sport und kreative Angebote und sollen jungen Menschen helfen, ihren Glauben gemeinsam zu leben. Bis zu 150 Kinder und Jugendliche nehmen daran teil.

Auch in Armenien richtet sich die Unterstützung gezielt an Kinder mit belastenden Erfahrungen. Die Sommerlager der „Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis“ nehmen besonders Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Grenzregionen sowie von Vertreibung betroffene Kinder aus Bergkarabach in den Blick. Eine Teilnehmerin berichtet über ihre Erfahrung: „Ich bin Gott unendlich dankbar, dass er mich geschaffen hat und mir vergibt. Bei der Ferienfreizeit habe ich gelernt: Egal, was du tust – Gott liebt dich.“

Kinder bei einem Sommercamp in Beirut/Libanon.

Erholung und neue Zuversicht

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT geht es bei den Sommerfreizeiten nicht allein um Erholung. Sie sollen Kindern und Jugendlichen Räume eröffnen, in denen sie Glauben erleben, Freundschaften knüpfen und neue Zuversicht gewinnen können – oft dort, wo Krieg, Unsicherheit oder gesellschaftliche Ausgrenzung den Alltag prägen.

KIRCHE IN NOT unterstützt weltweit pastorale Projekte für Kinder und Jugendliche, um christliche Gemeinschaften langfristig zu stärken und jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen.

Unterstützen Sie Feriencamps für Kinder und Jugendliche weltweit mit Ihrer Spende:

Der Wiederaufbau eines abgelegenen Dorfes in Nigeria ist ein Zeichen dafür, dass Hoffnung über Verzweiflung triumphieren kann und Gewalt nicht das letzte Wort behält.

Am 27. Mai 2026 besuchte der Erzbischof von Kaduna in Nigeria ein abgelegenes Dorf, um dort mit den Gläubigen die heilige Messe zu feiern. Doch es war kein gewöhnlicher Pastoralbesuch – es war die Feier eines Sieges über Tod, Hass und Zerstörung.

Gut zwei Jahre nach der vollständigen Zerstörung von Adama Dutse durch Terroristen konnte der Wiederaufbau von mehr als 20 Häusern sowie gemeinsamer Infrastruktur abgeschlossen werden. Möglich wurde dies durch die Unterstützung des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN). Die Messe war ein Fest der Freude – und zugleich ein Gedenken an jene, die bei dem Angriff ihr Leben verloren hatten.

Am 18. Februar 2024 hatten bewaffnete Terroristen das katholische Dorf Adama Dutse im Middle Belt Nigerias überfallen. Es war 6.10 Uhr morgens; die Bewohner bereiteten sich gerade auf die heilige Messe vor. Kurz darauf waren 13 Menschen tot und zahlreiche Häuser standen in Flammen.

Nigeria,
Some burnt houses in the community of Adama Dutse.
The archbishop visited the village of Adama Dutse, which was attacked in February 2024, leaving widespread destruction and 11 dead.
Am 18. Februar 2024 hatten bewaffnete Terroristen das katholische Dorf Adama Dutse im Middle Belt Nigerias überfallen.

Die Spuren des Angriffs sind überall

Zwei Monate später besuchte eine Delegation von KIRCHE IN NOT gemeinsam mit Erzbischof Matthew Ndagoso von Kaduna die Überreste des Dorfes. Das Erste, was der KIRCHE IN NOT-Projektkoordinatorin für Afrika, Kinga Schierstaedt, auffiel, war die massive militärische Eskorte – ein deutliches Zeichen dafür, wie gefährlich die Lage in der Region weiterhin war.

„Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich von einer so großen militärischen Präsenz begleitet wurde“, erinnert sich Schierstaedt. „Vorne fuhren zwei Militärfahrzeuge, hinten zwei weitere, dazu kamen Polizei- oder Militärmotorräder, die den Weg freimachten und sicherstellten, dass sich niemand hinter den Bäumen versteckte.“

„Die Menschen freuten sich, den Erzbischof zu sehen, doch zugleich war das Leid in den Gesichtern der Bewohner unübersehbar. Wir gingen durch das Dorf, und fast alle Häuser waren niedergebrannt. Übrig geblieben waren nur schwarze Ruinen. Alles war zerstört, geschmolzen, jeder einzelne Bewohner war betroffen“, so Schierstaedt.

„Ich erinnere mich an einen Jungen mit zwei Einschusslöchern im Arm. Er wird diesen Arm nie wieder benutzen können, weil er nicht rechtzeitig im Krankenhaus behandelt wurde. Und ich erinnere mich an ein kleines Mädchen, vielleicht drei Jahre alt, mit Verbrennungen an Armen und Gesicht. Es weinte ununterbrochen vor Schmerzen.“

Erzbischof Ndagoso führte die Delegation auch an den Rand des Dorfes, zu dem Massengrab, in dem die Opfer des Angriffs hastig beigesetzt worden waren.

Aus Schmerz wächst neue Hoffnung

Erzbischof Ndagoso führte die Delegation auch an den Rand des Dorfes, zu dem Massengrab, in dem die Opfer des Angriffs hastig beigesetzt worden waren. „Einige Bewohner kamen mit uns, um zu beten, aber die meisten konnten es nicht. Ihr Schmerz war zu groß. Normalerweise begleiteten die Menschen Besucher durch das ganze Dorf. Dort aber gingen wir größtenteils allein.“

Trotz der Zerstörung weigerten sich die Bewohner, ihr Dorf aufzugeben. Sie wussten: Würden sie in ein Flüchtlingslager gehen, könnten sie ihr Land verlieren. Mit nichts als ihrem Glauben und ihrer Entschlossenheit beschlossen sie, Adama Dutse wieder aufzubauen. KIRCHE IN NOT sagte Hilfe zu.

„Der Erzbischof machte uns deutlich, dass er den Menschen beistehen wollte. Er sagte uns, er könne die Toten nicht wieder zum Leben erwecken. Aber er glaube, dass er den Menschen helfen könne, dort zu bleiben und ihre Häuser und ihre Kirche wieder aufzubauen. Das war der Grund, warum das internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT beschloss, die Dorfgemeinschaft zu unterstützen: als Zeichen dafür, dass es zumindest ein paar Menschen auf der Welt gibt, die ihr Leid sehen und ihnen helfen wollen.“

Zwei Jahre später ist der Wiederaufbau abgeschlossen. Dank der Hilfe der Wohltäter von KIRCHE IN NOT verfügt das Dorf heute über einen neuen Brunnen, Latrinen und solarbetriebene Sicherheitsalarme. Als Erzbischof Ndagoso am 27. Mai 2026 zurückkehrte, um die Dankesmesse zu feiern, war die Veränderung der Atmosphäre deutlich spürbar, die Gesichter der Menschen strahlten vor Stolz.

„Es war eine wunderschöne Feier. Die Gemeinde war begeistert und glücklich über das, was für sie getan wurde. Die Menschen sind nicht nur dankbar; sie fühlen sich denjenigen tief verbunden, die ihnen ein dauerhaftes Zuhause ermöglicht haben“, sagte Erzbischof Ndagoso gegenüber KIRCHE IN NOT.

„Wir können den Wohltätern von KIRCHE IN NOT nie genug dafür danken, was sie getan haben, um den Menschen in Not zu helfen. Wir können nur hoffen, dass Gott diejenigen segnet, die dazu beigetragen haben. Es ist wirklich wunderbar. Die Gemeinde ist zutiefst, zutiefst dankbar.“

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Die Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo greift in jüngster Zeit auf Regionen über, die bislang als vergleichsweise stabil galten. In der Provinz Ober-Uelle im Norden des Landes an der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik und Südsudan, hätten bewaffnete Gruppen zahlreiche Menschen zur Flucht gezwungen und eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. Darauf haben in der Demokratischen Republik Kongo tätige Missionare im Gespräch mit KIRCHE IN NOT hingewiesen.

Nach Angaben des Comboni-Missionars Pater Claudino Gomes wurden in den vergangenen Wochen hunderte Menschen aus Dörfern im Landesinneren vertrieben. Viele hätten lange Strecken zu Fuß zurückgelegt, um die Provinzhauptstadt Isiro zu erreichen. „Die massive Ankunft von Binnenvertriebenen hat die Bevölkerung überrascht“, erklärte der Ordensmann.

Die Demokratische Republik Kongo leidet seit Jahren unter bewaffneten Konflikten. Millionen Menschen gelten landesweit als Binnenvertriebene. Kirchliche Einrichtungen gehören vielerorts zu den wenigen verbliebenen Strukturen, die humanitäre Hilfe und seelsorgerische Begleitung leisten. Die Herkunft und Zusammensetzung einzelner Milizengruppen ist bis heute unbekannt.

Verteilung von Lebensmitteln in einem kirchlichen Flüchtlingslager in der Provinz Ober-Uelle.

Wachsende Unsicherheit im Norden

Besonders beunruhigend sei aktuell, dass sich die Gewalt offenbar über die bisher bekannten Konfliktregionen hinaus ausbreite, berichten die Missionare. Während die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo bislang vor allem in den Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu im Osten des Landes stattfanden, berichten kirchliche Mitarbeiter nun von wachsender Unsicherheit auch weiter nördlich. Pater Claudino schilderte schwere Gewalttaten in mehreren Ortschaften. In einigen Dörfern seien Menschen getötet und Häuser zerstört worden.

Angesichts der Notlage hätten viele Familien in Isiro ihre Häuser geöffnet und Vertriebene aufgenommen. Auch kirchliche Einrichtungen unterstützen die Menschen. Nach Angaben der Missionare wurden Binnenvertriebene in Klöstern sowie in katholischen und protestantischen Gemeinden untergebracht.

In einem Flüchtlingslager im Norden der Demokratischen Republik Kongo.

„Gespenst des Hungers zeichnet sich bereits ab“

Neben Lebensmitteln und medizinischer Hilfe spiele die seelsorgerische Begleitung eine wichtige Rolle. Die Kirche spende die Sakramente, höre den Menschen zu und schaffe Räume für Gemeinschaft. Für Kinder würden Gebete, Katechesen und gemeinsame Aktivitäten organisiert.

Gleichzeitig verschärft sich nach Einschätzung der Missionare die Versorgungslage. Viele Felder könnten nicht mehr bewirtschaftet werden; Ernten seien verloren gegangen, Viehbestände zerstört und Häuser niedergebrannt worden. „Das Gespenst des Hungers zeichnet sich bereits ab“, warnte Pater Claudino.

Auch aus anderen Teilen der Region erreichen KIRCHE IN NOT ähnliche Berichte. Pater Bienvenu Clemy, Comboni-Missionar in Mungbere, erklärte, Angst und Unsicherheit bestimmten inzwischen den Alltag der Menschen. „Der Großteil der Bevölkerung ist geflohen. Unsere Gemeinschaft hat jedoch beschlossen, bei den Ärmsten zu bleiben“, sagte der Priester. Viele Menschen hätten keinen Ort mehr, an den sie gehen könnten.

Pater Marcelo Oliveira bei einer Taufe.

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Missionare bleiben trotz Gefahr

Der in der Hauptstadt Kinshasa tätige Comboni-Missionar Pater Marcelo Oliveira bat um internationale Unterstützung. Die Kirche werde die Menschen weiterhin begleiten – auch unter schwierigen Bedingungen. „Gott verlässt sein Volk nicht; er geht an seiner Seite. Deshalb werden wir Missionare trotz Verfolgung, Leid und Schwierigkeiten weiterhin bei den Menschen bleiben“, betonte er. „Wir sind lebendige Zeichen der Gegenwart Gottes.“

Die Diözese Fada N’Gourma liegt im Osten Burkina Faso. Mit einer Fläche von 46.800 Quadratkilometern ist sie größer als es anderswo ganze Länder sind, beispielsweise die Niederlande oder die Schweiz. Allerdings ist sie mit zwei Millionen Einwohnern nur dünn besiedelt. Die ca. 103.700 Katholiken der Diözese leben weit verstreut in sechzehn riesigen Pfarren.

Die Priester müssen daher weite Wege zurücklegen, um die Gläubigen zu betreuen. Viele Dörfer liegen 50, 60 oder 70 Kilometer vom Sitz der jeweiligen Pfarre entfernt. Ohne ein geeignetes Transportmittel ist die Seelsorge mühsam und oft unmöglich. Ein Motorrad ist hier unentbehrlich. Zugleich erhöht es auch die Sicherheit der Priester. Der Bischof hatte uns daher um Hilfe gebeten, denn zwei junge Priester mussten nach ihrer Priesterweihe zwei Jahre lang ohne geeignetes Fahrzeug auskommen und wurden dadurch in ihrem Dienst stark behindert. Aber unsere Wohltäter ließen die beiden jungen Priester nicht im Stich: 6.100 Euro kamen zusammen.

Die Priester müssen weite Wege zurücklegen, um die Gläubigen zu betreuen. Viele Dörfer liegen 50, 60 oder 70 Kilometer vom Sitz der jeweiligen Pfarre entfernt.
Die Motorräder, die ihnen dank Ihrer Hilfe nun zur Verfügung stehen, erleichtern ihren priesterlichen Dienst enorm. Vikar Séraphin KIEMA, einer der beiden Priester, denen Sie geholfen haben, schreibt uns: „Ich erinnere mich, dass ich früher manchmal gezwungen war, jemanden darum zu bitten, mich hinzufahren, wenn ich Aufgaben der Seelsorge erfüllen musste. Einmal kam jemand mit dem Fahrrad zu mir und bat mich um die Krankensalbung für einen erkrankten Angehörigen. Da auch ich kein Motorrad hatte, suchte die Person anderswo nach einem Motorrad, damit wir problemlos zur Familie des Kranken gelangen konnten. Durch das neue Motorrad bin ich nun in meiner Bewegungsfreiheit ungebunden und kann meinen pastoralen Dienst mit großer Freude erfüllen. ‚Was ihr für einen dieser Geringsten, meine Brüder, getan habt, das habt ihr mir getan‘, sagt uns Jesus (Mt 25,40). Von ganzem Herzen danke ich denjenigen, die mir geholfen haben!“

Während die Folgen der verheerenden Erdbeben in Venezuela immer deutlicher zutage treten, ist die katholische Kirche zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Betroffenen geworden. Besonders in der Diözese Petare, einem der ärmsten und am dichtesten besiedelten Gebiete im Ballungsraum der Hauptstadt Caracas, versorgen hunderte Ehrenamtliche in den Pfarrgemeinden Verletzte und ihre Familien, die aus der besonders schwer betroffenen Küstenregion La Guaira kommen. KIRCHE IN NOT hat in einem ersten Schritt 100.000 Euro bewilligt, um die Nothilfe der Kirche vor Ort zu unterstützen; weitere Hilfen sind geplant.

„Rund 90 Prozent der Menschen in meiner Diözese leben in Armut. Trotzdem ist Petare zu einem Ausgangspunkt der Hilfe für die Überlebenden der Erdbebenkatastrophe geworden“, berichtet Bischof Juan Carlos Bravo Salazar gegenüber KIRCHE IN NOT. In seiner Diözese gab es keine Toten, allerdings wurden Wohngebäude sowie auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen schwer beschädigt.

Da sich in Petare vier der wichtigsten Krankenhäuser Venezuelas befinden, konzentriert sich die Hilfe der Kirche vor allem auf die Versorgung der Verletzten und Obdachlosen. Viele hätten ihr Zuhause verlassen müssen und kämen mit nichts als ihrer Kleidung in den Krankenhäusern an, berichtete der Bischof. Die Diözese hat vier Sammelstellen eingerichtet. Mehr als 250 Freiwillige verteilen dort Medikamente, medizinisches Material, Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel.

Ein Seelsorger im Gespräch mit einer Helferin.

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Überwältigende Solidarität trotz großer Armut

Besonders bewegt zeigte sich der Bischof von der Solidarität der Menschen in den Armenvierteln. „Die Großzügigkeit der Menschen ist überwältigend. Wir sehen Gottes Spuren in allem, was hier geschieht“, sagt Bravo. Ein Erlebnis habe ihn besonders beeindruckt: Zwei Schuhmacher brachten 50 Paar reparierte Schuhe zur Sammelstelle – als Spende für die Überlebenden der Erdbeben. Damit hätten sie auf einen großen Teil ihres Lohns verzichtet.

„Selbst diejenigen, die nichts haben, geben alles“, sagte der Bischof. „Die Armen sind der größte Schatz der Kirche in Venezuela.“ Auch viele junge Menschen engagieren sich unermüdlich. Sie entladen Lastwagen mit Hilfsgütern, sortieren Kleidung, bereiten Lebensmittelpakete vor und transportieren Spenden. „Sie helfen mit Freude, Disziplin und ohne jede Suche nach Anerkennung“, berichtete Bravo.

Ausgabestelle in einer Pfarre in der Diözese Petare.

Menschen brauchen auch geistlichen Beistand

Neben der materiellen Hilfe begleitet die Kirche die Betroffenen auch seelsorglich. Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Mitarbeiter stehen Familien bei, deren Angehörige unter den Trümmern begraben wurden; auch für die Helfern und das medizinische Personal sind sie da. „Wir dürfen uns nicht nur auf psychologische Hilfe beschränken. Wir müssen den Menschen auch geistlichen Beistand geben – nicht um das Leid zu verklären, sondern um es aus der Perspektive Jesu menschlich zu begleiten“, erklärt der Bischof.

Mit der bereits auf den Weg gebrachten Soforthilfe ermöglicht KIRCHE IN NOT den betroffenen Diözesen, flexibel auf die dringendsten Bedürfnisse zu reagieren – von der unmittelbaren Nothilfe bis hin zur pastoralen und seelsorglichen Begleitung der Menschen. Das Hilfswerk steht in ständigem Austausch mit seinen Projektpartnern in Venezuela.

Auslieferung von Hilfsgütern in einer Pfarre in La Guaira.

In ständigem Austauch mit Projektpartnern vor Ort

Zum Schluss richtete Bischof Bravo einen besonderen Dank an alle Wohltäter und Spender: „Wir sind froh, dass wir auf Brüder und Schwestern zählen können, die uns die Hand reichen. Ich wünsche mir, dass KIRCHE IN NOT weiterhin eine Gemeinschaft bleibt, die Geschwisterlichkeit stiftet.“

Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat KIRCHE IN NOT eine erste Soforthilfe von 100.000 Euro auf den Weg gebracht. Mit den Mitteln werden Priester, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen unterstützt, die Überlebende der Naturkatastrophe beherbergen, versorgen und pastoral begleiten. Gleichzeitig bereitet das Hilfswerk weitere Hilfen für den Wiederaufbau zerstörter Kirchen und kirchlicher Gebäude vor.

Nach aktuellen internationalen Medienberichten liegt die Zahl der getöteten Menschen aktuell bei über 2000, rund 11 000 Menschen wurden verletzt. Zehntausende haben ihre Wohnungen verloren, zahlreiche Gebäude sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Besonders betroffen ist die Küstenregion La Guaira nördlich von Caracas.

„Jetzt hat oberste Priorität, das Leben wieder aufzubauen“, sagt der Erzbischof von Caracas, Raúl Biord Castillo, gegenüber KIRCHE IN NOT. Zwar müssten die materiellen Schäden beseitigt werden, mindestens ebenso wichtig sei jedoch die Begleitung der Überlebenden, von denen viele Angehörige verloren haben und schwer traumatisiert sind. Die seelischen Wunden würden Venezuela noch lange begleiten. „Dies wird in den kommenden Monaten eine der größten Prioritäten für die Diözese sein: diejenigen zu unterstützen und auszubilden, die in erster Reihe die Menschen geistlich und psychologisch begleiten“, erklärte Biord.

Erzbischof Raúl Biord Castillo aus Caracas besichtigt eine schwer beschädigte Kirche.

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Traumahilfe hat hohe Priorität

Genau hier setzt die Hilfe von KIRCHE IN NOT an. Das Hilfswerk unterstützt Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Seelsorger, die – obwohl viele von ihnen selbst von der Katastrophe betroffen sind – Familien aufnehmen, Verletzte in Krankenhäusern besuchen und den Menschen in den zerstörten Gemeinden Hoffnung geben. Zugleich wird gemeinsam mit den Diözesen der Bedarf für den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude ermittelt.

Wie sehr die Kirche den Menschen gerade jetzt Halt gibt, zeigen die Berichte aus den betroffenen Gemeinden. Als während einer Messfeier im Bistum Petare im Großraum Caracas die Erde zu beben begann, verließen die Gläubigen die Kirche. Pfarrer Ignacio Caleya brach den Gottesdienst jedoch nicht ab, sondern setzte ihn auf der Straße fort. Bewohner umliegender Häuser und Patienten eines benachbarten Krankenhauses schlossen sich spontan der Eucharistiefeier an. Aus einer Evakuierung wurde so ein Zeichen der Hoffnung mitten in der Katastrophe.

Überlebende des Erdbebens in Caracas beten auf der Straße.

Kirche vermittelt nicht nur Hilfe, sondern auch geistlichen Trost

Gleichzeitig erleben viele Seelsorger unvorstellbares persönliches Leid. Ein Priester aus La Guaira begleitet täglich obdachlos gewordene Familien, obwohl mehrere Mitglieder seiner eigenen Familie – darunter seine dreijährige Nichte – weiterhin vermisst werden. Dennoch geht er jeden Tag auf die Straßen, um mit den Menschen zu beten und ihnen Trost zu spenden.

Auch in den Krankenhäusern werden Priester mit Schicksalen konfrontiert, die selbst erfahrene Seelsorger an ihre Grenzen bringen. Erzbischof Biord berichtet von einer Mutter, die nach der Amputation beider Beine lächelnd sagte: „Ich lebe. Alles wird gut.“ Eine andere Mutter bat ihn lediglich, für ihre beiden verstorbenen Kinder zu beten. „Die Realität ist verheerend“, fasst ein Priester seine Eindrücke zusammen.

Auslieferung von Hilfsgütern in einer Pfarre in La Guaira.

„Wir stehen erst am Anfang eines langen Weges“

Dass die Kirche trotz allem Hoffnung schenkt, zeigt auch das Priesterseminar in La Guaira, das KIRCHE IN NOT seit vielen Jahren unterstützt. Die Seminarkirche ist völlig zerstört, die Wohngebäude schwer beschädigt. Obwohl sich alle Seminaristen während des Bebens im Gebäude befanden, kam niemand ums Leben. „Man kann von einem Wunder sprechen“, sagt Erzbischof Biord. Das Gebäude ist allerdings unbewohnbar; die Seminaristen haben nahezu ihren gesamten Besitz verloren und sind derzeit in Caracas untergebracht.

„Wir stehen erst am Anfang eines langen Weges“, sagte Erzbischof Biord. „Ich bin KIRCHE IN NOT und allen dankbar, die uns jetzt beistehen. Der Bedarf ist groß, um unser Land wiederaufzubauen.“

Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat im Jahr 2025 weltweit Spenden in Höhe von 145,8 Millionen Euro erhalten – das ist ein Plus von rund fünf Prozent im Vorjahresvergleich. Mit diesen Einnahmen konnte KIRCHE IN NOT 5368 Hilfsprojekte in 141 Ländern unterstützen.

Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei die Wohltäter in Österreich: Hier erzielte KIRCHE IN NOT 2025 ein Spendenergebnis von 4,1 Millionen Euro (2024: 3,6 Millionen). Trotz anhaltender Unsicherheiten sind die Einzelspenden in Österreich sogar leicht gestiegen, wie der Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich, Tobias Pechmann, erläuterte: „Die Großherzigkeit unserer Wohltäter ist überwältigend. Wir sehen darin auch eine starke Solidarität mit den Teilen der Weltkirche, die trotz Armut oder Verfolgung wachsen. Diese enge Verbundenheit, auch im Gebet für die leidenden Christen, ist ermutigend und ein Wesensmerkmal unserer Wohltäter.“

Die Arbeit von KIRCHE IN NOT finanziert sich rein aus privaten Spenden und erhält keine österreichweiten Kirchensammlungen, lediglich Kollekten einzelner Pfarren, die sich für arme und verfolgte Christen engagieren; die Spenden werden in den 24 Nationalbüros des Hilfswerks gesammelt.

Ein Bischof in Burkina Faso verteilt Lebensmittel an Flüchtlinge. Die Pakete wurden durch KIRCHE IN NOT finanziert. © KIRCHE IN NOT

Kirchliche Hilfe ist für viele Menschen die letzte Hoffnung

„Unsere Wohltäter machen konkrete Hilfe für die Kirche dort möglich, wo Menschen unter Krieg, Verfolgung, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung leiden“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. „Ihre Unterstützung hilft, Hoffnung zu geben – oft an Orten, an denen die Kirche für viele Menschen die letzte verlässliche Struktur geblieben ist.“

Zu den am stärksten unterstützten Ländern zählten Indien, die Ukraine, der Libanon und Syrien. In dieser Region floss der Großteil der Nothilfe in die Bewältigung der Folgen anhaltender bewaffneter Konflikte.

Regional lag der Schwerpunkt der Projektförderung erneut in Afrika, das 34,5 Prozent der weltweiten Hilfen erhielt. Gründe dafür sind unter anderem die Ausbreitung islamistischer Gewalt, Fluchtbewegungen und das starke Wachstum kirchlicher Gemeinschaften. Besonders intensiv unterstützte KIRCHE IN NOT Länder wie Burkina Faso, Niger und Mali.

19,1 Prozent der Hilfe ging an die Kirche in Asien, 17,1 Prozent erhielt der Nahe Osten, Lateinamerika 16,4 Prozent und 12,8 Prozent Europa – hier gingen die Hilfen zum allergrößten Teil in die Ukraine.

Studenten der katholischen Universität Erbil/Irak danken für die Hilfe von KIRCHE IN NOT. © KIRCHE IN NOT

So viele Messstipendien wie noch nie

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT profitierten im vergangenen Jahr weltweit über 40 000 Priester von der Unterstützung durch Messstipendien – statistisch gesehen etwa jeder zehnte Priester weltweit. Insgesamt wurden fast 1,9 Millionen Messstipendien vergeben – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Hilfswerks. Messstipendien sind freiwillige Gaben für die Feier der heiligen Messe, oft verbunden mit einem bestimmten Anliegen. In Ländern, in denen Priester wenig oder gar keinen Lohn erhalten, sind diese Beiträge lebenswichtig.

Darüber hinaus unterstützte KIRCHE IN NOT die Ausbildung von über 13 000 Seminaristen, also jeden achten Priesteramtskandidaten weltweit. Schwerpunkt der Förderung war Afrika: Dort erhielten mehr als 8 300 Seminaristen Unterstützung.

Auch Ordensgemeinschaften wurden umfangreich gefördert: Rund 20 000 Ordensschwestern profitierten direkt oder indirekt von Projekten des Hilfswerks – etwa durch Ausbildungsförderung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.

Neben pastoralen Projekten finanzierte KIRCHE IN NOT weltweit den Bau und die Renovierung kirchlicher Einrichtungen, die Ausbildung von Katecheten sowie die Verteilung religiöser Literatur. Insgesamt wurden über eine halbe Million religiöse Bücher bereitgestellt, darunter mehr als 111 000 Bibeln sowie über 214 000 Ausgaben des Jugendkatechismus YOUCAT.

Der Finanzbericht von KIRCHE IN NOT weist aus, dass 78,7 Prozent der Gesamtausgaben für „missionsbezogene Aktivitäten“ verwendet wurden: Das sind die konkreten Projekte, sowie Aufwendungen für Information, Glaubensverkündigung und Interessenvertretung für die verfolgte und leidende Kirche. Für Verwaltung wurden 8,5 Prozent, für Wohltäterbetreuung und Fundraising 12,8 Prozent aufgewendet.

KIRCHE IN NOT (ACN) ist eine katholische Hilfsorganisation, die 1947 als Solidaritätsaktion für Vertriebene gegründet wurde. Seit 2011 ist sie eine Päpstliche Stiftung. KIRCHE IN NOT widmet sich durch Information, Gebet und Hilfe Christen überall dort, wo Unterdrückung und Verfolgung herrschen oder zu wenig Geld für die Seelsorge vorhanden ist. 

Junge Christen in Brasilien studieren gemeinsam die Bibel. © KIRCHE IN NOT

Unterstützen Sie die Arbeit von KIRCHE IN NOT mit Ihrer Spende

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ruft KIRCHE IN NOT zum Gebet für die betroffenen Menschen auf und kündigt schnelle Unterstützung für die Kirche vor Ort an. Die beiden Erdstöße ereigneten sich am frühen Abend des 24. Juni (Ortszeit). Nach Angaben der örtlichen Kirche erreichten sie eine Stärke von 7,2 beziehungsweise 7,5 und verursachten Todesopfer sowie erhebliche Schäden an Häusern, öffentlichen Gebäuden und kirchlichen Einrichtungen. Tausende Menschen trauten sich zunächst nicht, in ihre Wohnungen zurückzukehren.

Besonders betroffen sind nach Angaben der lokalen Partner von KIRCHE IN NOT auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen. Viele von ihnen haben trotz erheblicher Schäden ihre Türen geöffnet, um Familien aufzunehmen, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können.

Der Erzbischof der venezolanischen Hauptstadt Caracas, Raúl Biord Castillo, verschaffte sich unmittelbar nach den Beben einen Überblick über die Lage. „Ich bin gerade von einem Besuch mehrerer Pfarren zurückgekehrt. Viele von ihnen weisen schwere strukturelle Schäden auf“, berichtete er gegenüber KIRCHE IN NOT. Besonders betroffen seien die Kathedrale von Caracas sowie zahlreiche weitere Pfarren. Aufgrund von Strom- und Internetausfällen sei das volle Ausmaß der Schäden jedoch noch nicht absehbar.

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Kirchliche Einrichtungen schwer getroffen – und dennoch geöffnet

Auch die Diözese La Guaira, der bedeutendsten Hafenstadt Venezuelas, wurde schwer getroffen. Bischof Pablo Modesto González Pérez erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass das Priesterseminar der Diözese, das seit Jahren von KIRCHE IN NOT unterstützt wird, erhebliche Schäden erlitten habe: „Im Seminar sind viele Mauern eingestürzt.“ Die Seminaristen mussten evakuiert werden. Sie warten auf einem Parkplatz, während die Statik ihres Wohngebäudes geprüft wird. Mehrere Kirchen in der Region seien ebenfalls beschädigt worden.

Nach Angaben der Ortskirche wurden bereits erste Hilfsmaßnahmen gestartet. Viele Gemeinden hätten Menschen aufgenommen, die die Nacht nicht in ihren Wohnungen verbringen konnten. Gleichzeitig laufen technische Prüfungen, um zu entscheiden, welche Kirchengebäude wieder genutzt werden können.

Die zerstörte Kirche des Priesterseminars.

Unterstützung für Wiederaufbau zugesagt

KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit der Kirche in Venezuela. Die genaue Schadenshöhe und die dringendsten Bedarfe werden derzeit noch erhoben. Schon jetzt steht jedoch fest, dass das Hilfswerk die Kirche in Venezuela bei der Bewältigung der Folgen der Erdbeben unterstützen wird.

Marco Mencaglia, Projektdirektor von KIRCHE IN NOT, erklärte: „Venezuela ist seit vielen Jahren ein Schwerpunktland unseres Hilfswerks. Jetzt haben die Menschen Vorrang. Die Kirche tut in dieser Krise das, was sie immer tut: Sie öffnet ihre Türen, begleitet diejenigen, die alles verloren haben, und bringt Hoffnung dorthin, wo Angst eingezogen ist.“ KIRCHE IN NOT ruft dazu auf, für die Menschen in Venezuela zu beten und die Hilfe für die Kirche vor Ort zu unterstützen.

Innerhalb weniger Monate ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour im Distrikt Nabatäa nahezu verschwunden: Von rund 120 Gläubigen leben heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort. Für den maronitischen Pfarrer Youssef Semaan ist diese Entwicklung mehr als eine Folge der anhaltenden Kämpfe. Sie stellt für ihn auch die Frage, ob das, was über Jahrzehnte an Vertrauen und Zusammenhalt gewachsen ist, den Krieg überstehen kann. Aktuell hat er daran große Zweifel, wie er im Gespräch mit KIRCHE IN NOT erklärte.

„Vor vielen Jahren beschloss ich, nach Al-Kfour zurückzukehren, um Zeugnis davon zu geben, dass Vergebung möglich ist. Doch der aktuelle Krieg zerstört nach und nach das Vertrauen. Das Zusammenleben wird immer schwieriger“, erklärte Semaan.

Mit Al-Kfour verbindet ihn eine besondere und schmerzliche Familiengeschichte: Sein Vater Khalil, ebenfalls maronitischer Priester – in der maronitischen Kirche können verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden –, wurde am 2. Dezember 1987 während des libanesischen Bürgerkriegs auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe entführt und starb Jahre später in Gefangenschaft.

Der maronitische Priester Youssef Semaan feiert Gottesdienst in seinem fast verlassenen Heimatort Al-Kfour.

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Einsatz für Versöhnung – jetzt ist das Miteinander zerstört

Trotz dieses Schicksals entschied sich Youssef Semaan, selbst Priester zu werden – und dort als Seelsorger zu wirken, wo sein Vater entführt wurde. Für ihn war das ein bewusstes Zeichen: Gewalt sollte nicht das letzte Wort behalten. Nun erlebt er erneut, wie der Krieg Menschen aus ihrer Heimat drängt – und das gewachsene Miteinander zerstört.

Seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien nach Beirut oder Sidon geflohen. Manche hätten keine Möglichkeit gehabt zu bleiben, andere hätten ihre Existenz zurücklassen müssen. „Einige hatten nicht die Mittel, um wegzugehen. Andere besitzen Vieh und konnten sich nicht damit abfinden, es zurückzulassen“, berichtete der Priester.

Christliche Flüchtlingsfamilie aus dem Südlibanon.

Immer mehr zivile Ziele geraten ins Fradenkreuz

Der Südlibanon ist seit Beginn der Militäroffensive in Reaktion auf den islamistischen Terrorangriff in Israel erneut zur Kampfzone geworden. Ziel sind Hisbollah-Stellungen in der Region. Aber immer mehr geraten auch zivile Ziele ins Fadenkreuz. Betroffen sind auch die Christen, von denen es verhältnismäßig viele im Südlibanon gibt.

Auch Semaan selbst musste sein Dorf aus Sicherheitsgründen verlassen. In den vergangenen Monaten konnte er zweimal zurückkehren; mit den verbliebenen Familien hält er täglich über Nachrichten Kontakt.

Die Lage hat sich zuletzt weiter verschärft: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wurden nach Angaben des Priesters drei Häuser zerstört, die Gemeindemitgliedern gehörten. Auch sein eigenes Haus sei beschädigt worden. „Jede Woche ist gefährlicher als die vorherige. Die Situation ist unerträglich geworden“, sagte Semaan. Viele Familien stünden inzwischen vor einer Entscheidung, die weit über die aktuelle Krise hinausreiche: bleiben und ihr Leben riskieren – oder ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, ob eine Rückkehr jemals möglich sein wird.

„Hoffnung allein reicht nicht“

Trotz allem hält der Priester an der Hoffnung fest: „Wir bewahren uns die Hoffnung. Aber Hoffnung allein reicht nicht aus. Sie muss sich auf konkrete Grundlagen stützen, die es uns ermöglichen, wieder aufzubauen und weiterzuleben.“ KIRCHE IN NOT unterstützt im Libanon weiterhin pastorale und humanitäre Hilfen für Gemeinden und Familien, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind.

Während Millionen Menschen weltweit die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen, erinnert KIRCHE IN NOT daran, dass für viele Menschen aus den teilnehmenden Ländern ein grundlegendes Menschenrecht weiterhin nicht selbstverständlich ist: die Freiheit, den eigenen Glauben auszuüben.

Nach Angaben des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT ist die Religions- oder Weltanschauungsfreiheit in 14 der 48 Teilnehmerländer der Fußball-Weltmeisterschaft  erheblich eingeschränkt. In drei dieser Staaten dokumentiert der Bericht religiöse Verfolgung, in elf weiteren schwere Formen der Diskriminierung.

Dieser Anteil von 30 Prozent der Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit entspricht in etwa dem weltweiten Befund des Berichts von KIRCHE IN NOT: Er stuft 62 von untersuchten 196 Ländern in die Kategorie „orange“ für Diskriminierung oder in die rote Kategorie für religiöse Verfolgung ein.

Weltkarte aus dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT.

Schwere Verfolgung in Iran und Saudi-Arabien

Besonders gravierend ist die Situation laut dem Bericht unter anderem im Iran und in Saudi-Arabien. Dort schränkten gesetzliche und gesellschaftliche Vorgaben die Religionsfreiheit erheblich ein – insbesondere für Konvertiten und Angehörige religiöser Minderheiten. Verstöße könnten mit Festnahmen, Haftstrafen und teilweise sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.

Auch in der Demokratischen Republik Kongo bleibt die Lage angespannt. Dort verschärfen anhaltende Gewalt und die Aktivitäten bewaffneter Gruppen im Osten des Landes seit Jahren die Situation für die Bevölkerung.

Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Haiti dar. Bewaffnete Banden kontrollieren dort weite Teile des Landes und behindern wiederholt die Arbeit von Kirchen und religiösen Organisationen. Religiöse Verantwortungsträger waren in den vergangenen Jahren immer wieder Betroffene von Entführungen und Gewalt.

Ein Priester aus Venezuela spielt Fußball mit Kindern.

Priester im WM-Gastgeberland Mexiko unter Druck

Mexiko, eines der Gastgeberländer der Weltmeisterschaft, steht wiederum für eine andere Form der Bedrohung: Nicht staatliche Restriktionen, sondern organisierte Kriminalität und Drogenkartelle setzen dort kirchliche Mitarbeiter, Priester und Seelsorger zunehmend unter Druck.

Weitere Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit sind laut dem Bericht unter anderem Marokko, Tunesien, Algerien, Jordanien, Katar, Ägypten, die Türkei sowie Usbekistan. Religiöse Minderheiten, darunter Christen, Angehörige der Bahai-Religion und einzelne muslimische Gemeinschaften, sind dort weiterhin in unterschiedlichem Maße Diskriminierung sowie Einschränkungen bei der Ausübung und dem Bekenntnis ihres Glaubens ausgesetzt.

Fußballmannschaft an der Katholischen Universität in Erbil (Irak).

Zur Lage der Religionsfreiheit bei den österreichischen WM-Gegnern

In Algerien ist der Islam verfassungsrechtlich als Staatsreligion verankert, was die rechtliche und gesellschaftliche Stellung anderer Glaubensgemeinschaften stark einschränkt. Obwohl die Verfassung formell die Religionsfreiheit garantiert, wird diese durch restriktive Gesetze – insbesondere die Verordnung 06-03 – in der Praxis massiv beschnitten. Besonders Konvertiten, Ahmadis und protestantische Christen sind von systematischen Kirchenschließungen, Blasphemie-Vorwürfen und Haftstrafen betroffen. Da auch die Missionierung von Muslimen unter Strafe steht und staatliche Eingriffe zunehmen, wird die Lage der Religionsfreiheit insgesamt als besorgniserregend eingestuft.

Auch in Jordanien ist der Islam als Staatsreligion verankert, weshalb keine umfassende Religionsfreiheit herrscht, obwohl die Verfassung formell die Gleichheit der Bürger garantiert. Während anerkannte christliche Minderheiten weitgehend das Recht auf freie Religionsausübung genießen und politisch im Parlament repräsentiert sind, stehen nicht anerkannte Gruppen wie die Bahai vor erheblichen rechtlichen Hürden. Besonders prekär ist die Lage für Konvertiten vom Islam, die zwar keine staatlichen Strafen, aber extremen gesellschaftlichen Druck sowie gravierende zivilrechtliche Folgen durch Scharia-Gerichte wie den Verlust von Erbansprüchen oder die Annullierung der Ehe befürchten müssen. Trotz vereinzelter christenfeindlicher Übergriffe und des politischen Erstarkens islamistischer Kräfte gilt das Verhältnis zwischen den Religionen als weitgehend friedlich, was maßgeblich durch die aktive Toleranzförderung des jordanischen Königshauses gestützt wird.

In Argentinien ist die Religionsfreiheit verfassungsrechtlich garantiert, wobei der Staat den römisch-katholischen Glauben besonders stützt. Trotz eines besorgniserregenden Anstiegs antisemitischer Vorfälle und vereinzelter Vandalismen an Kirchen wird die Lage aufgrund eines starken interreligiösen Dialogs und einer die Glaubensrechte schützenden Justiz insgesamt als positiv bewertet.

Marta Petrosillo, Chefredakteurin von „Religionsfreiheit weltweit 2025“. © KIRCHE IN NOT/Flavio Ianniello

Menschenrecht unter Druck, aber auch Hoffnungssignale

„Die Weltmeisterschaft bringt Menschen aus allen Kulturen, Religionen und Nationen zusammen. Sie ist auch eine Gelegenheit, das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen, denen Millionen Menschen weltweit bei der Ausübung ihres Grundrechts auf Religions- oder Glaubensfreiheit weiterhin gegenüberstehen“, erklärte Marta Petrosillo, die Chefredakteurin von „Religionsfreiheit weltweit“.

Zugleich verweist „Kirche in Not“ auf Zeichen der Hoffnung. So sei die Nationalmannschaft des Irak ein Beispiel dafür, wie Menschen unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft gemeinsam auftreten können. Unter den Spielern befinden sich auch Christen – in einem Land, in dem ihr Bevölkerungsanteil inzwischen unter einem Prozent liegt. Petrosillo rief Regierungen weltweit dazu auf, Religionsfreiheit aktiv zu schützen: „Jeder Mensch muss seinen Glauben frei ausüben, wechseln oder teilen können – ohne Diskriminierung oder Verfolgung befürchten zu müssen.“

Der vollständige Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von „Kirche in Not“ dokumentiert die Menschenrechtslage in 196 Ländern und für alle Religionen. Der Bericht erscheint alle zwei Jahre und ist online abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

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