
In der alten christlichen Nation Äthiopien gibt es Nomadengruppen, die noch nie etwas vom Evangelium gehört haben. Die Spiritaner arbeiten mit diesen Gemeinschaften zusammen, um die Frohe Botschaft zu verbreiten und die Kultur zu evangelisieren, was auch den Dialog im Zusammenhang mit umstrittenen Traditionen beinhaltet.
„Jede Gemeinschaft hat ihre eigene Kultur und selbstverständlich ist ihre Kultur wunderbar“, sagt Pater Kilimpe Garbicha, während er über das Nomadenvolk der Hamar spricht, das im Omo-Tal im Südwesten Äthiopiens lebt. Pater Kilimpe wurde 2013 zum Priester geweiht und ist seit 2022 Provinzial in seiner Heimat Äthiopien. Anlässlich eines Besuchs am internationalen Hauptsitz des Hilfswerks KIRCHE IN NOT berichtete er kürzlich über die Arbeit der Spiritaner in diesem Land, unter anderem auch über ihren Dienst als Missionare beim Volk der Hamar.

„Die Spiritaner kamen 1972 zum ersten Mal nach Äthiopien“, so Pater Kilimpe. „Es ist das Charisma des Ordens, dorthin zu gehen, wo es der Kirche an Personal mangelt oder wohin niemand anders geht.“ Aus diesem Grund sind die Spiritaner in abgelegenen ländlichen Gebieten Äthiopiens präsent und widmen sich Nomaden, die noch nie von Jesus gehört haben.
„Die Menschen leben in ihrer eigenen Kultur. Wir wollen mit ihrer Kultur in einen Dialog treten“, sagt Pater Kilimpe über die Hamar.
Einige Aspekte dieser Kultur könnten Außenstehenden seltsam erscheinen, erklärt er und nennt als Beispiel den Bullensprung. „Dieser Bullensprung ist eine Art Initiationsritual für junge Männer. Sie stellen vier oder fünf Rinder nebeneinander auf, und der junge Mann springt auf und läuft über sie hinweg, mehrmals, je nachdem wieviel Kraft er hat.“ Der Ritual ist zu einer Touristenattraktion geworden, die dieser sehr armen Region Äthiopiens etwas Geld einbringt.

Es gibt bei diesem Ritual allerdings auch einen Aspekt, der für Pater Kilimpe verstörend ist. Nachdem der junge Mann diesen Meilenstein in seinem Leben erreicht hat, feiern die Frauen und Mädchen – Verwandte und Dorfbewohnerinnen – mit ihm. Als Teil dieser Feier „sehen wir, wie Frauen von dem jungen Mann mit einer Rute ausgepeitscht werden“, berichtet Pater Kilimpe. „Für sie ist es eine Form, ihre Freude zu zeigen, doch das Auspeitschen ist sehr grausam und führt zu Verletzungen bei den Frauen und Mädchen. Man sieht, wie die Frauen bluten und es bleiben große Narben zurück.“
Pater Kilimpe erklärt, dass die Frauen und Mädchen häufig darum bäten, ausgepeitscht zu werden, da dies als Ausdruck von Freude angesehen werde und als Möglichkeit für sie, an dem Ritual teilzuhaben. „Ich habe gesehen, wie ein kleines Mädchen, vielleicht neun oder zehn Jahre alt, ausgepeitscht werden wollte. Ihre Mutter hat nein gesagt, aber der Rest der Familie hat es erlaubt. Sie wurde ausgepeitscht und sie lächelte dabei. Für mich war es inakzeptabel. Ich habe die Narben auf ihrem Körper gesehen und es hat mich berührt. Beinahe so, als hätte man mir die Wunden zugefügt.“
„Als Missionar fühle ich mich berufen, etwas zu unternehmen. Dies ist Teil der Evangelisierung, Teil dieses Dialogs mit der Kultur“, erläutert der Spiritaner und ergänzt, dass dies viel Feingefühl und Respekt erfordere. „Es geht um einfache Gespräche, ohne sie zu verurteilen. Sie können ihre Bräuche immer noch beibehalten, aber vielleicht können wir einen alternativen Weg finden, der sanfter ist und niemandem Schaden zufügt? Es ist ein langsamer Prozess, der intensiven Austausch erfordert.“

Äthiopien hat eine reiche und alte christliche Tradition, überwiegend orientalisch-orthodox. Es ist eher selten, dass es in einer bestimmten Gegend eine nennenswerte Anzahl von Katholiken gibt. Laut Pater Kilimpe sei es insbesondere die allumfassende Entwicklung des Menschen, die von der kleinen Katholischen Kirche in diesem Land gefördert werde. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz bei der Evangelisierung. Herz, Geist und Körper müssen genährt werden“, erklärt er. Dazu gehörten nicht nur Themen, bei denen es um das Bullensprung-Ritual gehe, sondern auch andere Themen, von der Wasserversorgung bis hin zur Förderung von Bildung für Mädchen.
Zu diesem Ansatz gehört auch, dass Pater Kilimpe sehr viel Respekt für die Kultur des Volkes der Hamar hegt. „Ich möchte nicht, dass die Menschen ihre Kultur als etwas Schlechtes ansehen“, sagt er. „Wir untergraben sie nicht. Wir treten in einen Dialog mit der Kultur und evangelisieren sie. Als Katholiken schaffen wir keine Spaltungen. Wir schaffen Einheit, respektieren die Kultur und setzen uns mit ihr auseinander. Wir lernen ihre Sprache und leben ihre Lebensweise. Wir finden wichtige Dinge in der Kultur, die den Menschen helfen können, das Evangelium kennenzulernen.“
Die Missionsarbeit bei den Nomaden im Omo-Tal ist nur ein Teil der Arbeit der Spiritaner in Äthiopien. Die Spiritaner leiten auch Pfarren, Einrichtungen der Gefängnisseelsorge und Schulen. Sie engagieren sich in der humanitären Arbeit und sind am Hauptsitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba als Seelsorger tätig. Pater Kilimpe und die Spiritaner sind KIRCHE IN NOT für seine Unterstützung sehr dankbar. Das Hilfswerk hat den Orden in den letzten fünf Jahren bei der Umsetzung von mehr als zehn Projekten unterstützt, darunter die Renovierung und der Bau von Kirchen und anderen Gebäuden, der Kauf von Transportmitteln, sowie mit der Bereitstellung von Messstipendien und der Übersetzung von Texten in lokale Sprachen.
Die durch die Gewalt verursachten Vertreibungen erschweren die Bemühungen, die Ansteckungen einzudämmen. Die Kirche hilft, wo sie kann.
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) sieht sich mit einer neuen Ebola-Welle konfrontiert, und das unter besonders schwierigen Bedingungen im Osten des Landes. Dort schränken bewaffnete Konflikte sowie die Präsenz von Rebellengruppen die Möglichkeiten der Regierung und der Kirche ein, auf die Krankheit zu reagieren.
Bei seinem Besuch am internationalen Hauptsitz von Aid to the Church in Need (ACN) in Deutschland erklärte Pater Olivier Ndondo, Provinzial der Ordensgemeinschaft vom Allerheiligsten Sakrament in der DR Kongo und Uganda, dass das Land derzeit erneut mit einem Ausbruch der Krankheit konfrontiert sei, die dort 1976 erstmals aufgetreten war.

Zwar haben die Behörden rasch gehandelt, um Fälle zu diagnostizieren, Ansteckungen einzudämmen und eine weitere Ausbreitung in weiten Teilen des Landes zu verhindern. Doch im Osten ist die Lage besonders gravierend, da der Konflikt den Zugang zu den betroffenen Gebieten erschwert. „Es ist wegen des Krieges sehr schwierig, dorthin zu gelangen“, erklärt der Priester und weist darauf hin, dass die Regierung Schwierigkeiten habe, bestimmte Gebiete zu erreichen und medizinische Versorgung sicherzustellen.
Hinzu kommen die durch die Gewalt verursachten Zwangsvertreibungen in andere Regionen, die das Risiko einer Ausbreitung des Virus erhöhen. Sowohl im Osten als auch im Nordosten, an der Grenze zu Uganda, stellen die ständigen Bevölkerungsbewegungen eine zusätzlich Herausforderung dar.
Laut Pater Ndondo scheint die Lage jenseits der Grenze besser unter Kontrolle zu sein, da die Behörden dort leichter eingreifen können. Die Mobilität zwischen beiden Gebieten erschwert jedoch weiterhin die Eindämmung der Krankheit. „Einerseits müssen sie mit dem Konflikt fertig werden, aber dazu kommt noch das Problem der Krankheit“, fasst der Priester zusammen.

Inmitten der Krise spielt die Kirche eine besonders wichtige Rolle und versucht, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen: Sie nimmt Vertriebene auf, leistet Nothilfe, klärt über Ebola auf und ruft zur Solidarität mit den Gemeinden im Osten auf.
Die Bischofskonferenz der DR Kongo hat ihrerseits eine Erklärung veröffentlicht, um das Bewusstsein für die Gefahren von Ebola zu schärfen. Darin ruft sie zu verantwortungsbewusstem Verhalten sowie zur Einhaltung der Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen auf, um weitere Ansteckungen zu vermeiden.
„Die Kirche im Osten begegnet den beiden Notlagen – dem Krieg und der Epidemie – mit dem, was sie hat und was sie kann“, erklärt der Priester. Zu den Schwierigkeiten bei der Eindämmung der Krankheit zählen auch bestimmte lokale Bestattungsbräuche, die einen körperlichen Kontakt mit den Verstorbenen vorsehen und dadurch die Präventionsmaßnahmen erschweren können.

„Frieden und Gesundheit“ sind eng miteinander verbunden, betont Pater Ndondo. „Ohne Frieden ist es schwieriger, die Gesundheit zu schützen, und ohne Gesundheit ist es noch schwieriger, die Hoffnung einer Bevölkerung wiederherzustellen, die von jahrzehntelanger Gewalt geprägt ist“, erklärt der Priester.
Die Gewalt hat zudem schwerwiegende psychologische und soziale Auswirkungen. Ohne Frieden, so Pater Ndondo, können die Menschen nicht arbeiten, ihre Kinder nicht zur Schule schicken oder angemessene Gesundheitsbedingungen aufrechterhalten. „Durch den Krieg verlieren wir die Hoffnung“, sagt der Priester und weist darauf hin, dass es Menschen gibt, die praktisch ihr ganzes Leben in einem Konfliktumfeld verbracht haben: „Menschen, die vor 30 Jahren geboren wurden, kennen nichts anderes als Krieg.“
Die Situation hat Folgen für die gesamte kongolesische Bevölkerung. Auch von der Hauptstadt Kinshasa aus sind die Kosten des Krieges deutlich zu spüren – sowohl durch die wirtschaftliche Belastung für die Regierung als auch durch die menschlichen Folgen der Gewalt: Todesfälle, Entführungen, Hunger und Vertreibungen.
KIRCHE IN NOT unterstützt 254 Projekte in der Demokratischen Republik Kongo. Unterstützen Sie unsere Nothilfe mit Ihrer Spende.
Zum Gebet des Rosenkranzes für den Frieden mit Papst Leo XIV. am 1. Oktober an der Lourdesgrotte in den Vatikanischen Gärten werden 700 bis 1.000 Kinder aus Schulen und Pfarren Roms erwartet. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr.
Das Gebet bildet den Auftakt der weltweiten Gebetsaktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“, die das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT seit mehr als 20 Jahren fördert. Erstmals erstreckt sich das Gebet über eine ganze Woche: Vom 1. bis 7. Oktober können Diözesen, Pfarren, Schulen und Familien einen passenden Tag wählen, um gemeinsam für Frieden und Einheit zu beten. Höhepunkt ist der 7. Oktober, das Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz.

Auch in zahlreichen anderen Ländern bereiten sich Kinder auf die Teilnahme vor, darunter in Bolivien, im Sudan, in Simbabwe, Mosambik und Sierra Leone.
Im kriegsgezeichneten Sudan werden sich nach Angaben von Pater Franck Mandozi aus der Pastoralregion Kosti Kinder aus mehreren Pfarren und Schulen beteiligen. Aus einer indigenen Tsimané-Gemeinschaft im bolivianischen Amazonasgebiet berichtet Schwester Patricia Alejandra Botello López, dass die Kinder den Rosenkranz bereits auf T’siman und Spanisch beten.
In Simbabwe lädt die Pfarre St. Christopher in der Erzdiözese Bulawayo am 4. Oktober zum Kindergebet ein. Pfarrer Charles Mafurutu plant zudem, in den folgenden Wochen abgelegene Gemeinden und Missionsstationen zu besuchen. In Paraguay will Radio Pa’i Puku die Aktion bekannt machen und das Rosenkranzgebet der Kinder aus der Pfarre San Eugenio de Mazenod live übertragen.

Die Gebetsaktion 2026 steht unter dem Leitwort aus der Botschaft von Fatima: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“
In seiner Einladung beschreibt Kardinal Kurt Koch, Präsident von KIRCHE IN NOT International und Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der christlichen Einheit, das Unbefleckte Herz Mariens als Sinnbild eines Lebens, das ganz für den Heiligen Geist offen ist. Maria sei zugleich Vorbild des Glaubens, der Liebe und des Gebets.
Angesichts von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Armut soll das gemeinsame Gebet Kinder über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg verbinden und ein Zeichen des Vertrauens und der Hoffnung setzen.

KIRCHE IN NOT lädt auch Eltern, Lehrkräfte, Priester, Ordensleute und Katecheten zum Mitbeten ein. Dafür muss nicht der gesamte Rosenkranz gebetet werden: Auch ein einzelnes Gesätz kann Teil der weltweiten Gebetskette sein. Teilnehmer werden gebeten, sich auf der internationalen Webseite anzumelden. Die Anmeldung macht die Beteiligung auf einer weltweiten Karte sichtbar. Plakate und Faltblätter mit einer Anleitung des Rosenkranzgebets können kostenlos auf der Webseite von KIRCHE IN NOT Österreich bestellt werden.
Organisiert wird die Initiative in Zusammenarbeit mit dem Marienheiligtum von Fatima, dem Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes und dem Weltapostolat von Fatima. Erstmals beteiligt sich heuer auch der World Rosary Day.
Die Initiative entstand 2005 in Venezuela und entwickelte sich zu einer weltweiten Gebetsbewegung. Inspiriert ist sie von Worten, die dem heiligen Pater Pio zugeschrieben werden: „Wenn eine Million Kinder den Rosenkranz beten, wird sich die Welt verändern.“
Mehr Infos zur Gebetsaktion finden Sie unter: www.kircheinnot.at/eine-million-kinder
Nach erneuten bewaffneten Überfällen und Entführungen in Nigeria haben die katholischen Bischöfe des Landes eindringlich ein Ende der Gewalt gefordert. In einer KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegenden Erklärung beklagen sie eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage. Anlass sind zwei voneinander unabhängige Gewalttaten in den Regionen Borgu im Bundesstaat Niger und Ukum im Bundesstaat Benue.
Die Orte liegen im sogenannten „Middle Belt“ („Mittlerer Gürtel“) im Zentrum Nigerias. Dort kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Überfällen im Zusammenhang mit Land- und Weiderechten. Hinzu kommen Angriffe dschihadistischer Gruppen sowie Entführungen mit Lösegeldforderungen, die sich in weiten Teilen Nigerias zu einem einträglichen kriminellen Geschäft entwickelt haben.

Oft ist die Gewalt gezielt gegen Christen gerichtet; aber auch Muslime sind betroffen, wie im jüngsten Fall Ende August: Damals wurden in Borgu mehr als 60 Gläubige aus einer Moschee entführt. Hinter der Tat werden dschihadistische Kämpfer vermutet. Damit zeigt der Vorfall nach Ansicht von KIRCHE IN NOT erneut, dass sich die Gewalt in Nigeria nicht allein als religiöser Konflikt beschreiben lässt.
Bei einem weiteren Angriff in Ukum Mitte August kamen 47 Menschen ums Leben, 17 weitere wurden schwer verletzt. Dieser Angriff wird bewaffneten Gruppen von Fulani-Hirten zugeschrieben. „Ob in einer Moschee, einer Kirche, auf einem Marktplatz oder in der Ruhe ihrer Häuser: Nigerianer werden weiterhin ungestraft getötet, traumatisiert und vertrieben“, heißt es in der Erklärung.

Die Bischöfe betonen ausdrücklich ihre Solidarität mit den Muslimen, die von der Entführung in Borgu betroffen waren. Sie fordern die nigerianischen Behörden auf, entschlossener gegen die anhaltende Gewalt vorzugehen. Zwar erkenne man bereits unternommene Anstrengungen an. Die Regierung dürfe jedoch in ihrer Verantwortung nicht nachlassen: „Die Tränen der trauernden Familien müssen Sie so sehr beunruhigen, dass Sie alles in Ihrer Macht Stehende tun, um diese Gewalt zu beenden“, heißt es in der Erklärung.
Zugleich wenden sich die Bischöfe direkt an die Verantwortlichen der Gewalt: „An die Kriminellen, Terroristen, Entführer und ihre Unterstützer appellieren wir: Beendet das Blutvergießen! Das menschliche Leben gehört Gott allein, und kein Anliegen rechtfertigt diese Grausamkeit. Ihr könnt keine Zukunft auf den Tränen unschuldiger Menschen aufbauen.“
KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche in Nigeria seit vielen Jahren und hilft unter anderem bei der Versorgung von Binnenvertriebenen. Zuletzt finanzierte das Hilfswerk gemeinsam mit der Diözese Kaduna den Wiederaufbau eines bei einem Angriff zerstörten Dorfes. Dadurch konnten Bewohner in ihre Heimat zurückkehren, anstatt dauerhaft in Flüchtlingslagern leben oder an anderen Orten neu angesiedelt werden zu müssen.
Als Bischof Stephen Nyodho zum Oberhirten der Diözese Malakal ernannt wurde, fand er nichts vor: keine kirchlichen Gebäude, keine funktionierenden Dienstleistungen und auch keine Gemeindemitglieder. Mit Mut, Ausdauer und persönlichem Vorbild begann er den Wiederaufbau – zuerst des Vertrauens der Menschen, dann der Infrastruktur.
Die Stadt Malakal im Südsudan war einst Heimat von Zehntausenden Menschen, bevor 2013 der Bürgerkrieg ausbrach, kurz nachdem der Priester Stephen Nyodho nach Rom gezogen war, um dort zu promovieren.
Als Papst Franziskus ihn 2019 zum Bischof von Malakal ernannte, wollte Stephen Nyodho in seiner Heimatstadt geweiht werden. Doch nichts hatte ihn auf die Verwüstung vorbereitet, die ihn dort erwartete.

„Als ich zurückkam, war nichts mehr da, nicht einmal ein Stuhl oder ein Tisch, nichts. Ich musste bei null anfangen. Viele Kirchen und Kapellen, aber auch alle anderen Einrichtungen der Kirche waren zerstört worden; es war nichts mehr übrig. Als ich das zum ersten Mal sah, weinte ich. Denn hier bin ich geboren, hier bin ich aufgewachsen. Aber mein Haus, meine Schule – alles war verschwunden“, erklärte der Bischof bei einem Besuch am internationalen Hauptsitz des Hilfswerks KIRCHE IN NOT.
In Malakal lebten nur noch etwa tausend Menschen. Der Großteil der Bevölkerung war geflohen und etwa 50.000 Personen hatten in nahegelegenen UN-Lagern Zuflucht gesucht.
Die Nachricht von der Rückkehr eines Bischofs in die Diözese verbreitete sich schnell. Viele Menschen strömten herbei. „Meine Bischofsweihe brachte Tausende von Menschen zurück nach Malakal – aus den Lagern und sogar aus Khartum, der Hauptstadt des benachbarten Sudan. Sie kehrten zum ersten Mal zurück, um Malakal nach der Zerstörung zu sehen“, erinnert sich Bischof Stephen Nyodho. „Selbst die Bischöfe, die zur Weihe angereist waren, kehrten noch am selben Tag nach Juba, die Hauptstadt des Südsudans, zurück: In Malakal gab es keine Unterkunft mehr.“

Doch Bischof Nyodho blieb, und zur Überraschung vieler kehrte das Leben nach Malakal zurück: „Dass ich in Malakal geblieben bin, hat den Menschen Hoffnung gemacht. Jetzt sind dort mehr als 20 000 Menschen. Fast alle Schulen sind wieder geöffnet und voller Kinder. Das Leben kehrt zurück!“
Während sich im Südsudan langsam ein zerbrechlicher Frieden abzeichnete, brach 2023 jenseits der Grenze im Sudan ein neuer Bürgerkrieg aus. Die Kirche in Malakai hätte sich auf ihre eigenen Probleme konzentrieren und zurückziehen können. Doch als der Bischof hörte, dass sich auf der anderen Seite des Weißen Nils Tausende Menschen sammelten, in der Hoffnung, sich in Sicherheit zu bringen, zögerte er nicht. „Ich erhielt einen Anruf von meinen Mitarbeitern; sie sagten mir, die Lage sei schwierig: Tausende Menschen befänden sich am Flussufer und wollten nach Malakal kommen. Sie saßen fest, hatten nichts bei sich und waren von ihrer Flucht aus Khartum völlig erschöpft“, berichtet der Bischof gegenüber KIRCHE IN NOT.
„Ich sagte, das sei kein Problem, und wies an, dass unser größtes Boot sofort losfahren sollte, um die Menschen abzuholen und nach Malakal zu bringen. Auf diese Weise haben wir mehr als 10 000 Menschen hierhergebracht. Unsere Diözese war die erste, die Vertriebene aufnahm. Viele von ihnen versorgt die Diözese noch heute mit Lebensmitteln“, erklärt der Bischof.

Die wichtigste Aufgabe für den Bischof liegt nun auf dem Wiederaufbau. „Als ich in Malakal ankam, sagte ich: Zuerst müssen wir das soziale Zusammenleben wiederherstellen, denn unsere Menschen waren während des Krieges gespalten. Sie haben einander getötet und sich selbst zerstört. Es waren Menschen von hier, die diesen Ort zerstört haben. Wie können wir sie also zurückholen? Wir können den Ort wieder aufbauen, die Straßen reparieren. Wenn aber die Menschen wieder gegeneinander kämpfen, wird alles erneut zerstört. Daher ist das Wichtigste, Frieden zu schaffen. Deshalb habe ich beschlossen, dass zuerst der Radiosender wieder in Betrieb genommen werden muss. Es ist der einzige Radiosender in der Gegend, und er hat das Leben Tausender Menschen verändert.“
„Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt, und wir wollen andere Dinge wiederaufbauen, zum Beispiel Häuser für die Priester, einige Kirchen und Schulen renovieren und neue Gebäude errichten.“
Doch der Wiederaufbau birgt Herausforderungen. Bischof Stephen erklärt, Malakal sei einer der teuersten Orte der Welt für Bauvorhaben. Ein Sack Zement, der in Juba 15 US-Dollar koste, koste in Malakal 50 US-Dollar, da der Transport des Materials auf der Straße oder per Schiff hohe Kosten verursache.
Umso dankbarer ist Bischof Stephen Nyodho den Wohltätern, die es KIRCHE IN NOT ermöglichen, Projekte in Malakal zu unterstützen. „Ohne Ihre Hilfe wäre das Leben tausender Menschen in der Diözese Malakal und in verschiedenen Teilen des Südsudans in Gefahr. Gott segne Ihre Großzügigkeit. Es gibt noch immer tausende Menschen, die leiden – im Südsudan und in der Diözese Malakal. Deshalb bitten wir Sie weiterhin inständig: Unterstützen Sie uns, begleiten Sie uns auf diesem Weg des Leidens. Lassen Sie uns nicht allein. Wir sind auf Sie angewiesen. Danke.”
Mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT können im Jahr 2026 weltweit 33 631 Kinder und Jugendliche an kirchlichen Ferienfreizeiten teilnehmen. Das Hilfswerk finanziert in elf Ländern insgesamt 407 Sommercamps. Neben Spiel, Gemeinschaft und Erholung stehen Katechese, Gebet und die Stärkung des kirchlichen Lebens im Mittelpunkt.
Besonders viele junge Christen nehmen in Syrien an den kirchlichen Ferienfreizeiten bei: Dort unterstützt KIRCHE IN NOT 230 Sommercamps mit insgesamt 17 855 Teilnehmern. Auch im Libanon (7465 Teilnehmer) und in der Ukraine (3518 Teilnehmer) gehören Sommerprogramme zu den größten pastoralen Initiativen für junge Menschen.
Wie wichtig solche Angebote gerade in Krisenzeiten sind, zeigt das Beispiel der Ukraine. Mit dem Projekt „Ferien mit Gott“ unterstützt KIRCHE IN NOT Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen von Krieg und Flucht leiden. Die „Ferien mit Gott“ verbinden Gebet, Gemeinschaft und Freizeitangebote mit einem geschützten Umfeld. Ihre Motivation beschreiben die Projektpartner in der Ukraine so: „Jedes Kind verdient es, Frieden, Freude und die Liebe Gottes zu erfahren – selbst mitten im Krieg.“

Ein weiteres Beispiel kommt aus Israel. Dort unterstützt KIRCHE IN NOT Sommerlager des Vikariats für hebräischsprachige Katholiken, das zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehört. Viele dieser Familien haben einen Migrations- oder Fluchthintergrund.
Die Partner des Patriarchats beschreiben die Teilnehmer „als Minderheit innerhalb einer Minderheit“ der immer kleiner werdenden christlichen Gemeinde im Heiligen Land. Die Sommerlager verbinden Gebet, Katechese, Sport und kreative Angebote und sollen jungen Menschen helfen, ihren Glauben gemeinsam zu leben. Bis zu 150 Kinder und Jugendliche nehmen daran teil.
Auch in Armenien richtet sich die Unterstützung gezielt an Kinder mit belastenden Erfahrungen. Die Sommerlager der „Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis“ nehmen besonders Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Grenzregionen sowie von Vertreibung betroffene Kinder aus Bergkarabach in den Blick. Eine Teilnehmerin berichtet über ihre Erfahrung: „Ich bin Gott unendlich dankbar, dass er mich geschaffen hat und mir vergibt. Bei der Ferienfreizeit habe ich gelernt: Egal, was du tust – Gott liebt dich.“

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT geht es bei den Sommerfreizeiten nicht allein um Erholung. Sie sollen Kindern und Jugendlichen Räume eröffnen, in denen sie Glauben erleben, Freundschaften knüpfen und neue Zuversicht gewinnen können – oft dort, wo Krieg, Unsicherheit oder gesellschaftliche Ausgrenzung den Alltag prägen.
KIRCHE IN NOT unterstützt weltweit pastorale Projekte für Kinder und Jugendliche, um christliche Gemeinschaften langfristig zu stärken und jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen.
Der Wiederaufbau eines abgelegenen Dorfes in Nigeria ist ein Zeichen dafür, dass Hoffnung über Verzweiflung triumphieren kann und Gewalt nicht das letzte Wort behält.
Am 27. Mai 2026 besuchte der Erzbischof von Kaduna in Nigeria ein abgelegenes Dorf, um dort mit den Gläubigen die heilige Messe zu feiern. Doch es war kein gewöhnlicher Pastoralbesuch – es war die Feier eines Sieges über Tod, Hass und Zerstörung.
Gut zwei Jahre nach der vollständigen Zerstörung von Adama Dutse durch Terroristen konnte der Wiederaufbau von mehr als 20 Häusern sowie gemeinsamer Infrastruktur abgeschlossen werden. Möglich wurde dies durch die Unterstützung des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN). Die Messe war ein Fest der Freude – und zugleich ein Gedenken an jene, die bei dem Angriff ihr Leben verloren hatten.
Am 18. Februar 2024 hatten bewaffnete Terroristen das katholische Dorf Adama Dutse im Middle Belt Nigerias überfallen. Es war 6.10 Uhr morgens; die Bewohner bereiteten sich gerade auf die heilige Messe vor. Kurz darauf waren 13 Menschen tot und zahlreiche Häuser standen in Flammen.

Zwei Monate später besuchte eine Delegation von KIRCHE IN NOT gemeinsam mit Erzbischof Matthew Ndagoso von Kaduna die Überreste des Dorfes. Das Erste, was der KIRCHE IN NOT-Projektkoordinatorin für Afrika, Kinga Schierstaedt, auffiel, war die massive militärische Eskorte – ein deutliches Zeichen dafür, wie gefährlich die Lage in der Region weiterhin war.
„Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich von einer so großen militärischen Präsenz begleitet wurde“, erinnert sich Schierstaedt. „Vorne fuhren zwei Militärfahrzeuge, hinten zwei weitere, dazu kamen Polizei- oder Militärmotorräder, die den Weg freimachten und sicherstellten, dass sich niemand hinter den Bäumen versteckte.“
„Die Menschen freuten sich, den Erzbischof zu sehen, doch zugleich war das Leid in den Gesichtern der Bewohner unübersehbar. Wir gingen durch das Dorf, und fast alle Häuser waren niedergebrannt. Übrig geblieben waren nur schwarze Ruinen. Alles war zerstört, geschmolzen, jeder einzelne Bewohner war betroffen“, so Schierstaedt.
„Ich erinnere mich an einen Jungen mit zwei Einschusslöchern im Arm. Er wird diesen Arm nie wieder benutzen können, weil er nicht rechtzeitig im Krankenhaus behandelt wurde. Und ich erinnere mich an ein kleines Mädchen, vielleicht drei Jahre alt, mit Verbrennungen an Armen und Gesicht. Es weinte ununterbrochen vor Schmerzen.“

Erzbischof Ndagoso führte die Delegation auch an den Rand des Dorfes, zu dem Massengrab, in dem die Opfer des Angriffs hastig beigesetzt worden waren. „Einige Bewohner kamen mit uns, um zu beten, aber die meisten konnten es nicht. Ihr Schmerz war zu groß. Normalerweise begleiteten die Menschen Besucher durch das ganze Dorf. Dort aber gingen wir größtenteils allein.“
Trotz der Zerstörung weigerten sich die Bewohner, ihr Dorf aufzugeben. Sie wussten: Würden sie in ein Flüchtlingslager gehen, könnten sie ihr Land verlieren. Mit nichts als ihrem Glauben und ihrer Entschlossenheit beschlossen sie, Adama Dutse wieder aufzubauen. KIRCHE IN NOT sagte Hilfe zu.
„Der Erzbischof machte uns deutlich, dass er den Menschen beistehen wollte. Er sagte uns, er könne die Toten nicht wieder zum Leben erwecken. Aber er glaube, dass er den Menschen helfen könne, dort zu bleiben und ihre Häuser und ihre Kirche wieder aufzubauen. Das war der Grund, warum das internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT beschloss, die Dorfgemeinschaft zu unterstützen: als Zeichen dafür, dass es zumindest ein paar Menschen auf der Welt gibt, die ihr Leid sehen und ihnen helfen wollen.“
Zwei Jahre später ist der Wiederaufbau abgeschlossen. Dank der Hilfe der Wohltäter von KIRCHE IN NOT verfügt das Dorf heute über einen neuen Brunnen, Latrinen und solarbetriebene Sicherheitsalarme. Als Erzbischof Ndagoso am 27. Mai 2026 zurückkehrte, um die Dankesmesse zu feiern, war die Veränderung der Atmosphäre deutlich spürbar, die Gesichter der Menschen strahlten vor Stolz.
„Es war eine wunderschöne Feier. Die Gemeinde war begeistert und glücklich über das, was für sie getan wurde. Die Menschen sind nicht nur dankbar; sie fühlen sich denjenigen tief verbunden, die ihnen ein dauerhaftes Zuhause ermöglicht haben“, sagte Erzbischof Ndagoso gegenüber KIRCHE IN NOT.
„Wir können den Wohltätern von KIRCHE IN NOT nie genug dafür danken, was sie getan haben, um den Menschen in Not zu helfen. Wir können nur hoffen, dass Gott diejenigen segnet, die dazu beigetragen haben. Es ist wirklich wunderbar. Die Gemeinde ist zutiefst, zutiefst dankbar.“
Die Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo greift in jüngster Zeit auf Regionen über, die bislang als vergleichsweise stabil galten. In der Provinz Ober-Uelle im Norden des Landes an der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik und Südsudan, hätten bewaffnete Gruppen zahlreiche Menschen zur Flucht gezwungen und eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. Darauf haben in der Demokratischen Republik Kongo tätige Missionare im Gespräch mit KIRCHE IN NOT hingewiesen.
Nach Angaben des Comboni-Missionars Pater Claudino Gomes wurden in den vergangenen Wochen hunderte Menschen aus Dörfern im Landesinneren vertrieben. Viele hätten lange Strecken zu Fuß zurückgelegt, um die Provinzhauptstadt Isiro zu erreichen. „Die massive Ankunft von Binnenvertriebenen hat die Bevölkerung überrascht“, erklärte der Ordensmann.
Die Demokratische Republik Kongo leidet seit Jahren unter bewaffneten Konflikten. Millionen Menschen gelten landesweit als Binnenvertriebene. Kirchliche Einrichtungen gehören vielerorts zu den wenigen verbliebenen Strukturen, die humanitäre Hilfe und seelsorgerische Begleitung leisten. Die Herkunft und Zusammensetzung einzelner Milizengruppen ist bis heute unbekannt.

Besonders beunruhigend sei aktuell, dass sich die Gewalt offenbar über die bisher bekannten Konfliktregionen hinaus ausbreite, berichten die Missionare. Während die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo bislang vor allem in den Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu im Osten des Landes stattfanden, berichten kirchliche Mitarbeiter nun von wachsender Unsicherheit auch weiter nördlich. Pater Claudino schilderte schwere Gewalttaten in mehreren Ortschaften. In einigen Dörfern seien Menschen getötet und Häuser zerstört worden.
Angesichts der Notlage hätten viele Familien in Isiro ihre Häuser geöffnet und Vertriebene aufgenommen. Auch kirchliche Einrichtungen unterstützen die Menschen. Nach Angaben der Missionare wurden Binnenvertriebene in Klöstern sowie in katholischen und protestantischen Gemeinden untergebracht.

Neben Lebensmitteln und medizinischer Hilfe spiele die seelsorgerische Begleitung eine wichtige Rolle. Die Kirche spende die Sakramente, höre den Menschen zu und schaffe Räume für Gemeinschaft. Für Kinder würden Gebete, Katechesen und gemeinsame Aktivitäten organisiert.
Gleichzeitig verschärft sich nach Einschätzung der Missionare die Versorgungslage. Viele Felder könnten nicht mehr bewirtschaftet werden; Ernten seien verloren gegangen, Viehbestände zerstört und Häuser niedergebrannt worden. „Das Gespenst des Hungers zeichnet sich bereits ab“, warnte Pater Claudino.
Auch aus anderen Teilen der Region erreichen KIRCHE IN NOT ähnliche Berichte. Pater Bienvenu Clemy, Comboni-Missionar in Mungbere, erklärte, Angst und Unsicherheit bestimmten inzwischen den Alltag der Menschen. „Der Großteil der Bevölkerung ist geflohen. Unsere Gemeinschaft hat jedoch beschlossen, bei den Ärmsten zu bleiben“, sagte der Priester. Viele Menschen hätten keinen Ort mehr, an den sie gehen könnten.

Der in der Hauptstadt Kinshasa tätige Comboni-Missionar Pater Marcelo Oliveira bat um internationale Unterstützung. Die Kirche werde die Menschen weiterhin begleiten – auch unter schwierigen Bedingungen. „Gott verlässt sein Volk nicht; er geht an seiner Seite. Deshalb werden wir Missionare trotz Verfolgung, Leid und Schwierigkeiten weiterhin bei den Menschen bleiben“, betonte er. „Wir sind lebendige Zeichen der Gegenwart Gottes.“
Die Diözese Fada N’Gourma liegt im Osten Burkina Faso. Mit einer Fläche von 46.800 Quadratkilometern ist sie größer als es anderswo ganze Länder sind, beispielsweise die Niederlande oder die Schweiz. Allerdings ist sie mit zwei Millionen Einwohnern nur dünn besiedelt. Die ca. 103.700 Katholiken der Diözese leben weit verstreut in sechzehn riesigen Pfarren.
Die Priester müssen daher weite Wege zurücklegen, um die Gläubigen zu betreuen. Viele Dörfer liegen 50, 60 oder 70 Kilometer vom Sitz der jeweiligen Pfarre entfernt. Ohne ein geeignetes Transportmittel ist die Seelsorge mühsam und oft unmöglich. Ein Motorrad ist hier unentbehrlich. Zugleich erhöht es auch die Sicherheit der Priester. Der Bischof hatte uns daher um Hilfe gebeten, denn zwei junge Priester mussten nach ihrer Priesterweihe zwei Jahre lang ohne geeignetes Fahrzeug auskommen und wurden dadurch in ihrem Dienst stark behindert. Aber unsere Wohltäter ließen die beiden jungen Priester nicht im Stich: 6.100 Euro kamen zusammen.

Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat im Jahr 2025 weltweit Spenden in Höhe von 145,8 Millionen Euro erhalten – das ist ein Plus von rund fünf Prozent im Vorjahresvergleich. Mit diesen Einnahmen konnte KIRCHE IN NOT 5368 Hilfsprojekte in 141 Ländern unterstützen.
Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei die Wohltäter in Österreich: Hier erzielte KIRCHE IN NOT 2025 ein Spendenergebnis von 4,1 Millionen Euro (2024: 3,6 Millionen). Trotz anhaltender Unsicherheiten sind die Einzelspenden in Österreich sogar leicht gestiegen, wie der Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich, Tobias Pechmann, erläuterte: „Die Großherzigkeit unserer Wohltäter ist überwältigend. Wir sehen darin auch eine starke Solidarität mit den Teilen der Weltkirche, die trotz Armut oder Verfolgung wachsen. Diese enge Verbundenheit, auch im Gebet für die leidenden Christen, ist ermutigend und ein Wesensmerkmal unserer Wohltäter.“
Die Arbeit von KIRCHE IN NOT finanziert sich rein aus privaten Spenden und erhält keine österreichweiten Kirchensammlungen, lediglich Kollekten einzelner Pfarren, die sich für arme und verfolgte Christen engagieren; die Spenden werden in den 24 Nationalbüros des Hilfswerks gesammelt.

„Unsere Wohltäter machen konkrete Hilfe für die Kirche dort möglich, wo Menschen unter Krieg, Verfolgung, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung leiden“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. „Ihre Unterstützung hilft, Hoffnung zu geben – oft an Orten, an denen die Kirche für viele Menschen die letzte verlässliche Struktur geblieben ist.“
Zu den am stärksten unterstützten Ländern zählten Indien, die Ukraine, der Libanon und Syrien. In dieser Region floss der Großteil der Nothilfe in die Bewältigung der Folgen anhaltender bewaffneter Konflikte.
Regional lag der Schwerpunkt der Projektförderung erneut in Afrika, das 34,5 Prozent der weltweiten Hilfen erhielt. Gründe dafür sind unter anderem die Ausbreitung islamistischer Gewalt, Fluchtbewegungen und das starke Wachstum kirchlicher Gemeinschaften. Besonders intensiv unterstützte KIRCHE IN NOT Länder wie Burkina Faso, Niger und Mali.
19,1 Prozent der Hilfe ging an die Kirche in Asien, 17,1 Prozent erhielt der Nahe Osten, Lateinamerika 16,4 Prozent und 12,8 Prozent Europa – hier gingen die Hilfen zum allergrößten Teil in die Ukraine.

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT profitierten im vergangenen Jahr weltweit über 40 000 Priester von der Unterstützung durch Messstipendien – statistisch gesehen etwa jeder zehnte Priester weltweit. Insgesamt wurden fast 1,9 Millionen Messstipendien vergeben – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Hilfswerks. Messstipendien sind freiwillige Gaben für die Feier der heiligen Messe, oft verbunden mit einem bestimmten Anliegen. In Ländern, in denen Priester wenig oder gar keinen Lohn erhalten, sind diese Beiträge lebenswichtig.
Darüber hinaus unterstützte KIRCHE IN NOT die Ausbildung von über 13 000 Seminaristen, also jeden achten Priesteramtskandidaten weltweit. Schwerpunkt der Förderung war Afrika: Dort erhielten mehr als 8 300 Seminaristen Unterstützung.
Auch Ordensgemeinschaften wurden umfangreich gefördert: Rund 20 000 Ordensschwestern profitierten direkt oder indirekt von Projekten des Hilfswerks – etwa durch Ausbildungsförderung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.
Neben pastoralen Projekten finanzierte KIRCHE IN NOT weltweit den Bau und die Renovierung kirchlicher Einrichtungen, die Ausbildung von Katecheten sowie die Verteilung religiöser Literatur. Insgesamt wurden über eine halbe Million religiöse Bücher bereitgestellt, darunter mehr als 111 000 Bibeln sowie über 214 000 Ausgaben des Jugendkatechismus YOUCAT.
Der Finanzbericht von KIRCHE IN NOT weist aus, dass 78,7 Prozent der Gesamtausgaben für „missionsbezogene Aktivitäten“ verwendet wurden: Das sind die konkreten Projekte, sowie Aufwendungen für Information, Glaubensverkündigung und Interessenvertretung für die verfolgte und leidende Kirche. Für Verwaltung wurden 8,5 Prozent, für Wohltäterbetreuung und Fundraising 12,8 Prozent aufgewendet.
KIRCHE IN NOT (ACN) ist eine katholische Hilfsorganisation, die 1947 als Solidaritätsaktion für Vertriebene gegründet wurde. Seit 2011 ist sie eine Päpstliche Stiftung. KIRCHE IN NOT widmet sich durch Information, Gebet und Hilfe Christen überall dort, wo Unterdrückung und Verfolgung herrschen oder zu wenig Geld für die Seelsorge vorhanden ist.

Während Millionen Menschen weltweit die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen, erinnert KIRCHE IN NOT daran, dass für viele Menschen aus den teilnehmenden Ländern ein grundlegendes Menschenrecht weiterhin nicht selbstverständlich ist: die Freiheit, den eigenen Glauben auszuüben.
Nach Angaben des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT ist die Religions- oder Weltanschauungsfreiheit in 14 der 48 Teilnehmerländer der Fußball-Weltmeisterschaft erheblich eingeschränkt. In drei dieser Staaten dokumentiert der Bericht religiöse Verfolgung, in elf weiteren schwere Formen der Diskriminierung.
Dieser Anteil von 30 Prozent der Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit entspricht in etwa dem weltweiten Befund des Berichts von KIRCHE IN NOT: Er stuft 62 von untersuchten 196 Ländern in die Kategorie „orange“ für Diskriminierung oder in die rote Kategorie für religiöse Verfolgung ein.

Besonders gravierend ist die Situation laut dem Bericht unter anderem im Iran und in Saudi-Arabien. Dort schränkten gesetzliche und gesellschaftliche Vorgaben die Religionsfreiheit erheblich ein – insbesondere für Konvertiten und Angehörige religiöser Minderheiten. Verstöße könnten mit Festnahmen, Haftstrafen und teilweise sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.
Auch in der Demokratischen Republik Kongo bleibt die Lage angespannt. Dort verschärfen anhaltende Gewalt und die Aktivitäten bewaffneter Gruppen im Osten des Landes seit Jahren die Situation für die Bevölkerung.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Haiti dar. Bewaffnete Banden kontrollieren dort weite Teile des Landes und behindern wiederholt die Arbeit von Kirchen und religiösen Organisationen. Religiöse Verantwortungsträger waren in den vergangenen Jahren immer wieder Betroffene von Entführungen und Gewalt.

Mexiko, eines der Gastgeberländer der Weltmeisterschaft, steht wiederum für eine andere Form der Bedrohung: Nicht staatliche Restriktionen, sondern organisierte Kriminalität und Drogenkartelle setzen dort kirchliche Mitarbeiter, Priester und Seelsorger zunehmend unter Druck.
Weitere Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit sind laut dem Bericht unter anderem Marokko, Tunesien, Algerien, Jordanien, Katar, Ägypten, die Türkei sowie Usbekistan. Religiöse Minderheiten, darunter Christen, Angehörige der Bahai-Religion und einzelne muslimische Gemeinschaften, sind dort weiterhin in unterschiedlichem Maße Diskriminierung sowie Einschränkungen bei der Ausübung und dem Bekenntnis ihres Glaubens ausgesetzt.

In Algerien ist der Islam verfassungsrechtlich als Staatsreligion verankert, was die rechtliche und gesellschaftliche Stellung anderer Glaubensgemeinschaften stark einschränkt. Obwohl die Verfassung formell die Religionsfreiheit garantiert, wird diese durch restriktive Gesetze – insbesondere die Verordnung 06-03 – in der Praxis massiv beschnitten. Besonders Konvertiten, Ahmadis und protestantische Christen sind von systematischen Kirchenschließungen, Blasphemie-Vorwürfen und Haftstrafen betroffen. Da auch die Missionierung von Muslimen unter Strafe steht und staatliche Eingriffe zunehmen, wird die Lage der Religionsfreiheit insgesamt als besorgniserregend eingestuft.
Auch in Jordanien ist der Islam als Staatsreligion verankert, weshalb keine umfassende Religionsfreiheit herrscht, obwohl die Verfassung formell die Gleichheit der Bürger garantiert. Während anerkannte christliche Minderheiten weitgehend das Recht auf freie Religionsausübung genießen und politisch im Parlament repräsentiert sind, stehen nicht anerkannte Gruppen wie die Bahai vor erheblichen rechtlichen Hürden. Besonders prekär ist die Lage für Konvertiten vom Islam, die zwar keine staatlichen Strafen, aber extremen gesellschaftlichen Druck sowie gravierende zivilrechtliche Folgen durch Scharia-Gerichte wie den Verlust von Erbansprüchen oder die Annullierung der Ehe befürchten müssen. Trotz vereinzelter christenfeindlicher Übergriffe und des politischen Erstarkens islamistischer Kräfte gilt das Verhältnis zwischen den Religionen als weitgehend friedlich, was maßgeblich durch die aktive Toleranzförderung des jordanischen Königshauses gestützt wird.
In Argentinien ist die Religionsfreiheit verfassungsrechtlich garantiert, wobei der Staat den römisch-katholischen Glauben besonders stützt. Trotz eines besorgniserregenden Anstiegs antisemitischer Vorfälle und vereinzelter Vandalismen an Kirchen wird die Lage aufgrund eines starken interreligiösen Dialogs und einer die Glaubensrechte schützenden Justiz insgesamt als positiv bewertet.

„Die Weltmeisterschaft bringt Menschen aus allen Kulturen, Religionen und Nationen zusammen. Sie ist auch eine Gelegenheit, das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen, denen Millionen Menschen weltweit bei der Ausübung ihres Grundrechts auf Religions- oder Glaubensfreiheit weiterhin gegenüberstehen“, erklärte Marta Petrosillo, die Chefredakteurin von „Religionsfreiheit weltweit“.
Zugleich verweist „Kirche in Not“ auf Zeichen der Hoffnung. So sei die Nationalmannschaft des Irak ein Beispiel dafür, wie Menschen unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft gemeinsam auftreten können. Unter den Spielern befinden sich auch Christen – in einem Land, in dem ihr Bevölkerungsanteil inzwischen unter einem Prozent liegt. Petrosillo rief Regierungen weltweit dazu auf, Religionsfreiheit aktiv zu schützen: „Jeder Mensch muss seinen Glauben frei ausüben, wechseln oder teilen können – ohne Diskriminierung oder Verfolgung befürchten zu müssen.“
Der vollständige Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von „Kirche in Not“ dokumentiert die Menschenrechtslage in 196 Ländern und für alle Religionen. Der Bericht erscheint alle zwei Jahre und ist online abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at
Bischof Osório Citora Afonso war ein Freund und Partner von KIRCHE IN NOT. Das Hilfswerk zeigt sich tief erschüttert über seinen Tod.
Auch Tage nach der Ermordung des Bischofs von Quelimane in Mosambik reißen Bestürzung und Beileidsbekundungen nicht ab. Die Hintergründe der Tat sind jedoch weiterhin ungeklärt.
Am Sonntag, den 7. Juni 2026, veröffentlichte die Pressestelle des Vatikans eine Erklärung von Papst Leo XIV., der sich derzeit auf Spanienreise befindet. Darin heißt es, der Papst habe „die Nachricht von der schweren Gewalttat, die zum Tod Seiner Exzellenz Osório Citora Afonso geführt hat, mit tiefer Trauer aufgenommen“.
Weiter hieß es in der Mitteilung, Leo XIV. sei „im Gebet mit der Diözese und dem Volk von Mosambik verbunden“ und bitte darum, dass „der Herr ihnen Trost schenke, jeden Mann und jede Frau in seiner Liebe behüte und die Hand der Gewalttätigen zurückhalte.“
Die mosambikanischen Behörden untersuchen weiter die Ereignisse in den frühen Morgenstunden des Samstags in Quelimane. Bischof Alfonso wurde mit einer Schussverletzung in der Brust, nahe dem Herzen, in einem Flur seiner Residenz aufgefunden. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Täter über die Mauer des Gebäudes geklettert, das Sicherheitssystem außer Betrieb gesetzt und anschließend mit einer Militärwaffe geschossen haben. Der Nationale Kriminalpolizeidienst Mosambiks (Sernic) beschrieb die Waffe als modernisierte Kalaschnikow (AK-M).

Das Verbrechen hat in der Kirche von Mosambik und in ganz Afrika tiefe Erschütterung ausgelöst. Das Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) veröffentlichte eine von Kardinal Fridoline Ambongo unterzeichnete Erklärung, die KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegt. Darin wird der Mord als „barbarische Tat“ verurteilt und eine umfassende und gründliche Untersuchung gefordert.
„Diese abscheuliche Tat, begangen an einem Hirten des Volkes Gottes, stellt nicht nur einen Angriff auf das Leben und die Würde eines frommen Dieners des Evangeliums dar, sondern auch einen Angriff auf die Grundwerte des Friedens, der Gerechtigkeit, der Menschenwürde und der Religionsfreiheit – Prinzipien, die für das Wohlergehen und die Entwicklung jeder Gesellschaft unerlässlich sind.“
Weiter heißt es: „Wir verurteilen dieses barbarische Verbrechen aufs Schärfste und vorbehaltlos. Kein religiöser Führer, unabhängig von seinem Glauben oder seiner Konfession, sollte Ziel von Gewalt sein. Diejenigen, die ihr Leben dem Dienst an Gott und der Förderung von Versöhnung, Solidarität, Bildung, Nächstenliebe und dem Gemeinwohl widmen, verdienen Schutz und Respekt – nicht Verfolgung oder Tod.“
„Im Namen des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) appellieren wir an die Regierung der Republik Mosambik und alle zuständigen Behörden, unverzüglich, umfassend, transparent und unabhängig zu ermitteln. Wir fordern, dass alle Verantwortlichen – direkte Täter ebenso wie Komplizen oder Anstifter – unverzüglich identifiziert, strafrechtlich verfolgt und vor Gericht gestellt werden. Das Volk von Mosambik, die katholische Kirche und die internationale Gemeinschaft verdienen die Wahrheit.”
Zugleich fordern die afrikanischen Bischöfe einen besseren Schutz aller Seelsorger. Sie betonen, dass „die Religionsfreiheit ein grundlegendes Menschenrecht und eine Säule jeder demokratischen und friedlichen Gesellschaft ist. Der Staat trägt die Verantwortung dafür, dass alle Bürger ihren Glauben frei und sicher ausüben können, ohne Angst vor Einschüchterung, Gewalt oder Verfolgung.“

Bischof Osório Citora Afonso war ein geschätzter Freund von KIRCHE IN NOT. Das Hilfswerk erinnert an eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Bischof.
Ulrich Kny, einer der Projektverantwortlichen von KIRCHE IN NOT für Afrika, hob diese Verbundenheit in einem Schreiben hervor, das er am Sonntag an führende Vertreter der Kirche in Mosambik sandte. Darin spricht er von dem „unauslöschlichen Eindruck“, den der verstorbene Bischof bei allen hinterlassen habe, die „das große Glück hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten“. Zugleich würdigte Kny eine „sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die es uns ermöglichte, an einigen seiner wertvollen Initiativen zur Unterstützung der Kirche in Mosambik teilzunehmen“.
Ulrich Kny bekräftigte die tiefe Bestürzung von KIRCHE IN NOT über die Ermordung des Bischofs. Sein Tod hinterlasse „eine große Lücke“, nicht nur in seiner Diözese, sondern in der gesamten Kirche dieses portugiesischsprachigen afrikanischen Landes.
KIRCHE IN NOT äußerte außerdem den Wunsch, dass die Kirchenführer in Mosambik die nötige Kraft und Gottes Segen finden mögen, um die Gläubigen weiterhin auf dem Weg des Herrn zu führen.