Spenden
Afrika

Afrika

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 50 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen
Die Menschen in Sierra Leone haben in der jüngeren Vergangenheit viel Leid erfahren: Bis heute sind die Folgen des blutigen Bürgerkriegs zu spüren, der zwischen 1991 und 2002 unzählige Menschenleben forderte und große Teile der Infrastruktur verwüstete. Die Wirtschaft liegt am Boden, mehr als 70 Prozent der rund 7 Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes leben in Armut.  Schwere Naturkatastrophen und die Ebola-Epidemie von 2014 erschwerten die Lage zusätzlich. Nun ist im Jahr 2020 auch noch die Corona-Pandemie ausgebrochen, die besonders in den armen Ländern das Leben zusätzlich erschwert.
Die Menschen haben in der jüngeren Vergangenheit viel Leid erfahren.
In allen schwierigen Situationen ist es von jeher die Katholische Kirche, die der Bevölkerung zur Seite steht.  In Sierra Leone betreut sie die Gläubigen seit mehr als 100 Jahren nicht nur seelsorglich, sondern verhilft den Menschen zu medizinischer Versorgung, stillt den Hunger, leistet Entwicklungshilfe und begleitet die Familien in allen ihren Nöten. Besonders aktiv ist sie auf dem Gebiet von Bildung und Erziehung. Bis vor kurzem waren katholische Schulen überhaupt die einzigen Bildungsinstitute, die in Sierra Leone existierten, obwohl 78 Prozent der Einwohner des Landes Muslime sind. Die Kirche wird in der Bevölkerung hoch für ihre Werke der Nächstenliebe geachtet, da sie allen Menschen hilft, ohne nach Religion oder Volkszugehörigkeit zu unterscheiden. Zugleich muss sie aber auch ihrer Kernaufgabe gerecht werden, das Evangelium zu verkünden, die Sakramente zu spenden und die Seelen zu Gott zu führen. Für ihre zahlreichen Aufgaben werden jedoch auch finanzielle Mittel benötigt. Die Ortskirche ist aber selbst arm und benötigt dringend Hilfe aus dem Ausland.
In allen schwierigen Situationen ist es von jeher die Katholische Kirche, die der Bevölkerung zur Seite steht.

So ist es auch in der Erzdiözese Freetown. 40 Priester stehen hier den Menschen in ihren geistlichen und auch leiblichen Nöten zur Seite. Viele von ihnen sind in Pfarreien tätig, in denen es weder elektrischen Strom, fließendes Wasser, Kommunikationsmittel oder Fahrzeuge gibt. Der Erzbischof ist selbst arm und kann seine Priester nicht in dem Maß unterstützen, wie es notwendig wäre. Die Corona-Krise hat diese Lage noch verschärft. Da die öffentlichen Gottesdienste eingestellt wurden, fielen auch die ohnehin geringen Kollekten weg. KIRCHE IN NOT hat daher die 40 Priester der Erzdiözese mit Mess-Stipendien in Höhe von insgesamt 17.160 Euro unterstützt – knapp 430 Euro pro Priester für ein ganzes Jahr. Die Priester feiern die heilige Messe in den Anliegen der Wohltäter, die diese Messstipendien gestiftet haben. Ein Mess-Stipendium ist eine freiwillige Gabe der Dankbarkeit und der Liebe für einen Priester, der die Heilige Messe in einem bestimmten Anliegen, zum Beispiel für einen Verstorbenen oder für einen Kranken, feiert. Es ist nach geltendem Kirchenrecht keine „Bezahlung“ für die Feier der Heiligen Messe. Dennoch sind diese Gaben in vielen Teilen der Welt ein wesentlicher Beitrag zum Lebensunterhalt der Priester, die sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Bedürfnisse ihrer Gemeinden verwenden.

Pfarrer Emmanuel ist einer der Priester, der Mess-Stipendien erhalten hat. Er schreibt: „Ich musste mich während der Krise jeden Tag nach dem Morgengebet den Fischern anschließen, um mein tägliches Brot zu verdienen. Meine Kirche liegt am Strand. Ich bin sehr dankbar für die Mess-Stipenden, die ich erhalten habe. Möge der Herr Sie weiterhin überreich segnen!“

Christine du Coudray war 28 Jahre lang in der internationalen Zentrale des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT als Projektreferentin für Afrika tätig.

Frau du Coudray, nach 28 Jahren nähern sich Ihre letzten Arbeitstage bei KIRCHE IN NOT. Kommt da schon so etwas wie Wehmut auf?

Es gibt eine Zeit, um zu dienen, und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Nach 28 Jahren bin ich zu Letzterem bereit. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine neue Generation junger Mitarbeiter bei uns im Haus, die sehr engagiert sind und die diese Mission weiterführen werden.

Als ich vor 28 Jahren begann, konnte ich kaum die afrikanischen Länder auf der Weltkarte finden. Ich habe die Herausforderung angenommen und bei Null mit dem Lernen angefangen.

- Christine du Coudray
Christine du Coudray im Gespräch mit Ordensfrauen in einem Kloster der Diözese Bukavu.

Was haben Sie durch Ihre Arbeit gelernt?

Ich habe gelernt, dass jeder Kontinent seine eigene Berufung hat. Schon vor der ersten Afrika-Synode 1994 habe ich selbst erfahren, dass Afrika der Kontinent der Familie ist. Dies ist umso erstaunlicher, als auch dort die Familie verwundet wird und es wie überall Probleme gibt, und dennoch scheint es, dass die Familie, die Zukunft der Menschheit, die Berufung Afrikas ist.. Dort spielt sie eine ganz besondere Rolle. Als Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Benin war, hat er diese Tatsache noch einmal betont, die bereits für den heiligen Papst Johannes Paul II. klar gewesen war.

Über all diese Jahre hinweg war die Unterstützung der Familie wie ein Roter Faden für mich. Wir haben viel dafür getan und machen es immer noch.

Gab es Personen, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt haben?

Ja, vor allem war es Johannes Paul II., der im Laufe dieser Jahre sozusagen mein „geistiger Meister“ geworden und geblieben ist. Ich wollte immer seine Perspektive für die Kirche in Afrika verstehen und umsetzen. Es war für mich ein Privileg, 1994 an der ersten Afrikasynode teilnehmen zu dürfen. Ich war die einzige Frau aus Europa. Es gab ca. 350 Teilnehmer: Kardinäle, Bischöfe und Priester, Experten und Zuhörer. Ich war unter den Zuhörern und war einen Monat lang in Rom, um an der Synode teilzunehmen. Es war ein Jahr nach meiner Ankunft bei KIRCHE IN NOT die beste Fortbildung, die ich je bekommen konnte.

Bei dieser Gelegenheit habe ich mit dem Papst zu Mittag gegessen. Wir haben uns ausgetauscht, und es war etwas ganz Besonderes. Die Synode hat Früchte getragen, und zehn Jahre später, im Jahr 2004, habe ich in Rom ein Treffen mit Bischöfen aus Afrika und Europa organisiert, um eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten zu schlagen. Bei dieser Gelegenheit hat Johannes Paul II. die zweite Afrikasynode ausgerufen. Auch das war wieder ein echtes Geschenk für mich.

Christine du Coudray besichtigt das Priesterseminar in Kaduna (Nigeria).

Was waren für Sie die schönsten Momente?

Zu den schönsten Augenblicken gehörten sicherlich die Reisen. Meine erste Reise führte mich 1994 nach Tansania, die letzte im März 2020 kurz vor der Corona-Pandemie in den Sudan. Die Situationen vor Ort haben sich stark verändert: Früher gab es nur eine einfache Kerze in einer Hütte, heute gibt es Strom aus Solarpaneelen. Ich habe noch alle Hefte mit meinen Aufzeichnungen behalten!

Warum sind Reise wichtig für Ihre Arbeit?

Es reicht nicht, ein Projekt schriftlich zu bekommen, um zu verstehen, dass ein Auto oder die Renovierung eines katechetischen Zentrums gebraucht wird. Wir müssen wirklich an Ort und Stelle sehen, was benötigt wird. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Vor einem Jahr war ich in der Demokratischen Republik Kongo in der Erzdiözese Kananga in der Provinz Kasai. Dort haben wir eine unglaubliche Situation in den Badezimmern des Priesterseminars vorgefunden. Es war furchtbar. „Wie ist es möglich, dass diese zukünftigen Priester täglich ohne Dusche und unter solchen Bedingungen leben müssen?“ Im März dieses Jahrs erhielten wir den Projektantrag, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir aufgrund der Corona-Krise das Projekt leider negativ entscheiden, weil kein Geld da war. Aber jetzt vor zwei Tagen habe ich gedacht, dass wir diese negative Entscheidung revidieren müssen. Dies war das Resultat eines Besuchs an Ort und Stelle. Vielleicht hätte ich nie so reagiert, wenn ich diese Situation nicht wirklich mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.

Haben Sie denn etwas wie ein „Lieblingsland“?

Ja, ich würde sagen, mein „Lieblingsland“ ist die Demokratische Republik Kongo. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dieses Land aufgrund seiner Lage im Herzen des Kontinents und aufgrund seines hohen Anteils an Katholiken eine wichtige Rolle zu spielen hat. Frauen spielen zum Beispiel eine wesentliche Rolle.

Leider befindet sich das Land wegen seiner Bodenschätze im totalen Chaos. Es gibt dort viel mehr Bodenschätze als anderswo in der Welt, und deshalb sind viele Länder – die Nachbarländer und der Westen – sehr daran interessiert. Wenn es irgendwo Bodenschätze gibt, ist der Krieg leider vorprogrammiert. Aber die Menschen dort haben einen Mut, eine Energie, die unglaublich ist.

Christine du Coudray referiert beim „Institut Johannes Paul II.“ in Benin.

Haben Sie bei der Erfüllung dieser Mission aus Ihrem Glauben geschöpft?

Mit Sicherheit, denn ich habe tief erfahren, dass alles, was ich vorgeschlagen habe, alle Initiativen, nicht aus mir selbst kamen, sondern vom Heiligen Geist, wie z.B. das Treffen zwischen den Bischöfen aus Afrika und Europa. Das kam nicht von mir selbst. Außerdem haben wir erfahren, dass die Bischöfe selbst unserer Fürsorge bedürfen. Es ist wesentlich, den Bischöfen zu helfen, damit sie besser dazu in der Lage sind, ihre Diözesen zu leiten. Dazu müssen wir für sie Sorge tragen. Daher bieten wir ihnen eine Auszeit in Form von Exerzitien für ganze Bischofskonferenzen an, und diejenigen, die bisher an einer solchen teilgenommen haben, waren sehr begeistert von diesem Vorschlag. So sind zum Beispiel alle Bischöfe aus dem Maghreb (Marokko, Tunesien, Libyen) zusammen in Senegal in einem Mönchskloster gewesen. Das war eine Premiere für sie, und sie waren begeistert.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?

An erster Stelle die Reisen an Ort und Stelle, um die Situation besser zu verstehen und die Projekte zu entdecken. Jedes Projekt ist einzigartig. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben schreiben ihren Antrag mit dem Herzen und erwarten unsere Hilfe. Deswegen habe ich ihnen immer gesagt: Wenn Ihr einen Projektantrag schreiben und unsere Wohltäter überzeugen wollt, müsst Ihr Euch vorstellen, dass Ihr einen Saal mit 100 Personen vor Euch habt, die Euch unterstützen wollen, und Ihr ihnen voller Herzblut Eure Erwartungen erklären müsst. Mit Eurem Herzen werdet Ihr sie überzeugen. Es ist wichtig, dass die Projekte auf solche Weise beschreiben werden, damit wir eine immer stärkere Brücke zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bauen können.

Haben Sie Ihre Arbeit als eine „Mission“ empfunden?

Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist jede Situation einzigartig. Jedes Land hat seine eigene Lebenswirklichkeit und seine besonderen Bedürfnisse. Wir sind nicht in erster Linie dafür da, eine finanzielle Unterstützung zu bringen, sondern  den Bischöfen, den Priestern, den Schwestern zuzuhören, ihren Alltag zu teilen und zu verstehen, was sie brauchen. Natürlich gibt es den Moment, in dem wir unbedingt finanzielle Unterstützung leisten müssen, das ist ganz klar! Aber es würde sie verletzen, wenn wir nur über finanzielle Aspekte sprechen würden. Zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben besteht eine tiefe Gemeinschaft. Unsere Tätigkeit ist keine bloße Arbeit, sondern sie ist eine Mission, die der Herr uns anvertraut hat für das Wachstum der Kirche überall in der Welt.

In den vergangenen sieben Monaten kam es im Süden des Bundesstaates Kaduna im nördlichen Zentralnigeria ununterbrochen zu Angriffen auf christliche Gemeinden, bei denen 178 Menschen ums Leben kamen. In einer dem Internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) zugegangenen Stellungnahme der katholischen Bischöfe der Provinz Kaduna prangern die Bischöfe an: „Dunkle Wolken der Gewalt umhüllen unser Land. Unser Land befindet sich im festen Griff des Sensenmanns. In den letzten Jahren haben die Gewalttäter das Land übernommen und unsere Sicherheitskräfte in die Defensive gedrängt.“
178 Menschen starben in den letzten Monaten bei Angriffen auf christliche Gemeinden.

Unterstützen Sie verfolgte und notleidende Christen in Nigeria.

Jetzt spenden!

In den vergangenen zehn Jahren bestand Nigerias größte Herausforderung darin, die Terrorgruppe Boko Haram in Schach zu halten; vor zwei Jahren gab das Militär bekannt, dass sich die Gefahr verringert habe. „Aber“, so die Bischöfe, „unsere Freude war nur von kurzer Dauer, da sich die Situation zunehmend verschlechtert hat. Heute befinden sich fast alle Bundesstaaten des Nordens in den Händen dieser Gewalttäter und Überbringer des Todes. In den letzten drei Jahren wurden wir zu Zeugen ständiger Überfälle und Plünderungen ganzer Gemeinden durch Verbrecher in Staaten wie Benue, Kebbi, Plateau, Kaduna, Katsina, Nasarawa, Niger, Sokoto und Zamfara. Tausende Menschen haben durch diese Banditen, die mit unerbittlicher Hemmungslosigkeit operieren, ihr Leben verloren“. Sie fügen hinzu: „Die Verwüstungen von Boko Haram, von den Viehhirten, den Entführern und den Banditen haben uns alle zu Opfern gemacht.“

Pater Sam Ebute weiß aus erster Hand, wovon die Bischöfe sprechen. Der Missionar aus der Gesellschaft der Afrikamissionen SMA lebt in Kagoro, einer der betroffenen Gemeinden, wo er als Leiter der Stelle für geistliche Berufungen arbeitet. Kürzlich musste er 21 seiner Gemeindemitglieder begraben, die bei einem Angriff getötet wurden: „Es geschah am 21. Juli gegen 23.20 Uhr im Dorf Kukum Daji, etwa zehn Autominuten von Kagoro entfernt. In der Gemeinde fand gerade ein Jugndtreffen statt, als plötzlich Schüsse und Schreie von Männern zu hören waren. Sie wussten sofort, was los war, weil sie es bereits in Agwala, Doka, Kaura und Zangon Kataf erlebt hatten“, so Pater Ebute gegenüber KIRCHE IN NOT.

Pater Sam Ebute auf dem Feld, wo er seine Pfarrmitglieder begraben hat.

„In weniger als zwei Stunden töteten die Verbrecher 17 junge Menschen, meist Mädchen. Vier weitere Menschen starben auf dem Weg zum oder im Krankenhaus, so dass sich die Zahl der Todesopfer auf 21 erhöhte. 30 weitere Menschen wurden schwer verletzt und mussten in den Krankenhäusern in Kafanchan und Kaduna behandelt werden.“

Der Priester musste nicht zum ersten Mal Gläubige begraben: „Seit vier Jahren, seit ich im Jahr 2016 zum Priester geweiht wurde, begrabe ich meine Gemeindemitglieder. 2017 musste ich in Táchira eine Frau begraben, die mit ihren vier Kindern in der Nacht getötet worden war. Im Jahr 2018 musste die Gemeinde in Tsonje ebenfalls vier getötete Menschen begraben. Im Jahr 2019 wurden in Zunruk sieben junge Menschen am helllichten Tag beim Fußballspielen getötet.“

Der letzte Anschlag galt Kukum Daji. Alle diese Gemeinden befinden sich in Gebieten, in denen die Missionare ihren Dienst ausüben. Sie alle gehören zur Hauptpfarrei St. Joseph von Kagoro in der Diözese Kafanchan. „In den vergangenen sieben Wochen haben wir unsere Gemeindemitglieder begraben, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Die jüngsten Angriffe haben uns alle in Angst versetzt, vor allem aber in Angst vor dem Unbekannten. Denn wir wissen nicht, wann die nächsten Angriffsrunden stattfinden und was sie auslösen werden. Wir können unseren Glauben nicht in Frieden ausüben. Wir haben kein Vertrauen in die Sicherheit unserer Häuser“, erklärt der Missionar.

Dies wirkt sich auf das tägliche Leben aus: „Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, unsere Gläubigen können ihre Tätigkeiten nicht frei ausüben. Jetzt ist Erntezeit, aber die Menschen wagen es nicht, auf die Felder zu gehen, aus Angst, dort angegriffen zu werden. Sie haben ihre Ernten verderben lassen. Es ist, als ob sie uns wegen unseres Glaubens sterben lassen.“

Auf die Frage nach seiner Aufgabe als Priester und Missionar antwortet Pater Ebute: „Wer als Hirte der Gläubigen solche Angriffe erlebt, leidet genauso darunter wie sie. Dennoch müssen wir an ihrer Seite sein, um sie zu trösten, für sie zu beten und sie zu ermutigen, ihren Glauben an Gott zu bewahren und standhaft zu bleiben. Wir bieten geistige, moralische und materielle Unterstützung, so gut wir können.“

„Die Menschen in Süd-Kaduna fühlen sich in ihrer Trauer von ihrem Gouverneur im Stich gelassen“, kritisieren die Bischöfe in der Stellungnahme. Pater Ebute stimmt zu: „Was all dies noch schwieriger macht, ist, dass die Regierung keine entschiedenen Maßnahmen ergreift, um die Bedrohung zu stoppen. Das ist besonders verheerend und frustrierend. Schwierig ist es außerdem, Menschen Vergebung, Versöhnung, Frieden und Liebe zu predigen, deren Lebensgrundlagen weggenommen wurden, deren Wohlstand durch diese Anschläge geschmälert und zerstört wird.“

Trotz der Morde, der unbeschreiblichen Gewalt, all der Schmerzen und allem Leid vertraut der Missionar auf Gott: „In dieser Situation tröstet mich die Tatsache, dass Gott nicht tot ist und dass er uns sieht. Seine Zeit wird kommen. Er hat uns in Psalm 46,10 gesagt, wir sollen auf ihn vertrauen. Das Blut dieser Märtyrer wird nicht vergeblich sein.“

Um den verfolgten und notleidenden Christen in Nigeria weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nigeria

Der „Kleine Bruder Charles“ – ein großer Heiliger: Am 27. Mai erkannte Papst Franziskus ein zweites Wunder an, das dem seligen Charles de Foucauld (1858-1916) zugeschrieben wird. Der Heiligsprechung steht nun nichts mehr im Weg.

Der ehemalige französische Offizier und spätere Priester, Mönch und Sahara-Eremit ist für viele Menschen wegen seiner Anspruchslosigkeit und radikalen Christusnachfolge ein großes Vorbild.

Rund 20 Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschafen berufen sich auf ihn. Nicht zuletzt gilt er als Vorbild im christlich-muslimischen Dialog, hat er doch den größten Teil seines kontemplativen Lebens in Nordafrika verbracht.

Schwester Martine mit Kindern (Foto: Kleine Schwestern von Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/KIRCHE IN NOT).

Schwerpunkt von Foucaulds Wirken war Tamanrasset im Süden Algeriens, wo er unter dem Nomadenvolk der Tuareg lebte. Er entfaltete keine klassische Missionstätigkeit. Seine Predigt war sein Leben, die Gastfreundschaft und viele Stunden des Gebetes. So erwirbt er sich großes Ansehen in einer Region, in der seit Jahrhunderten kaum mehr Christen anzutreffen waren.

Vor einem gewaltsamen Tod bewahrte ihn das nicht: Am 1. Dezember 1916 überfallen und ermorden ihn bewaffnete Aufständische.

„Die Ankündigung, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird, weckt in mir eine tiefe innere Freude, erneuert meinen Glauben und stärkt meine Präsenz in einem muslimischen Land“, erzählt Schwester Martine Devriendt gegenüber KIRCHE IN NOT.

Gruppenfoto nach einer Taufe in Algerien.

„Von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert”

Sie steht wortwörtlich in der Nachfolge des künftigen Heiligen: Sie lebt seit über 20 Jahren in Tamanrasset, dem letzten Wirkungsort von Charles de Foucauld. Auch ihre Ordensgemeinschaft, die „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ sind von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert.

„Die Heiligsprechung bestätigt die Leitlinien von Charles de Foucauld gewissermaßen offiziell. Sie sind auch heute noch aktuell: Gebet, ein genügsames Leben, Freundschaft und Nähe zu Menschen in prekären Lebensverhältnissen“, ist Schwester Martine überzeugt.

In Tamanrasset – zur Zeit de Foucaulds ein kleines Dorf, heute eine Stadt mit über 100 000 Einwohnern – sind diese Leitlinien auch heute noch sichtbar: durch eine kleine Gemeinschaft, die sich durch eine kontemplative Präsenz im Dienst an den Mitmenschen inmitten einer muslimischen Umwelt auszeichnet.

Gottesdienst in Algerien.

Dienst inmitten einer muslimischen Umwelt

Die „Kleinen Schwestern“ sind im Jahr 1933 zeitgleich mit einer Brüdergemeinschaft entstanden. 1952 kamen die Schwestern nach Tamanrasset, wo sie sich nahe bei der Einsiedelei ihres Vorbilds niedergelassen haben.

Schwester Martine erklärt, warum die Präsenz christlicher Frauen in der Wüstenstadt wichtig ist: Sie hat Zugang zu muslimischen Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung, von denen es sehr viele gibt und die unter oft unter entsetzlichen Bedingungen leben. Die Ordensfrau macht Besuche zu Hause, in Spitälern und Gefängnissen, vermittelt Kontakte zu Ärzten, hilft bei Behördengängen und steht trauernden Menschen bei.

Zudem ist Tamanrasset ein Knotenpunkt geworden, „an dem sich ganz Algerien und Afrika begegnen“, so Schwester Martine. Während des Algerischen Bürgerkriegs suchten viele Menschen aus dem Norden des Landes Zuflucht im Süden.

Wüste in Algerien. Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten.“

Viele Miganten zugewandert

Auch viele Migranten aus Ländern südlich der Sahara sind zugewandert. Manche von ihnen suchen Arbeit in Algerien. Andere hoffen, von dort aus leichter nach Europa zu kommen. Unter ihnen gibt es sehr viele Christen, zum Beispiel aus Nigeria und Mali.

Die „Kleinen Schwestern“ sind für sie Anlaufstelle und geistliche Unterstützerinnen. Nicht nur in Algerien arbeiten sie eng mit ihrem männlichen Pendant, den „Kleinen Brüdern“ zusammen. „Hier ist es eine gemeinsame Mission mit den drei Brüdern. Schon seit eineinhalb Jahren sind wir ohne Priester. Ein Nachfolger wartet auf sein Einreisevisum.“

Auch Schwester Martine könnte Verstärkung brauchen: Seit fünf Jahren ist sie die Einzige ihrer Gemeinschaft, die in Tamanrasset lebt. Die älteren Schwestern mussten in ihre französische Heimat zurückkehren.

98,5 Prozent der Einwohner Algeriens sind Muslime, nur 0,2 Prozent sind Christen (Foto: Moschee in Algerien).

Schwestern möchten Präsenz im Land erhalten

Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten, weil uns Menschen fehlen, die neu hinzukommen. Jetzt geht es darum, Gemeinschaft in der Vielfalt der Charismen der Kongregationen und von weiblichen Laien zu schaffen, die sich für eine bestimmte Zeit engagieren wollen“, erklärte die Gemeinschaft im September 2019.

Um interessierten Frauen eine angemessene und vor allem sichere Unterkunft zu gewährleisten, sollen nun die Wohnmöglichkeiten erneuert werden. KIRCHE IN NOT finanziert das Projekt mit.

„Die Bewilligung ist zeitgleich mit der Ankündigung gekommen, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird. Das ist eine segensreiche Fügung und verleiht unserem Projekt noch mehr Aktualität“, schrieb die Generalpriorin der „Kleinen Schwestern“, Schwester Isabel Lara Jaén, an das Hilfswerk.

Das alte Wohngebäude der Schwestern aus Lehm (Foto: Kleine Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/KIRCHE IN NOT).

„Segensreiche Fügung”

Das ursprüngliche Wohngebäude der Gemeinschaft in Tamanrasset bestand nur aus Lehm, es gab keinen Strom und nur eine Außentoilette. Nach dem Abriss sind vier einfache Appartements entstanden – und ein kleiner Saal, um Gäste zu beherbergen. Im Herbst soll alles fertig sein.

Die „Kleinen Schwestern“ haben bereits einen Aufruf gestartet: Frauen können mindestens ein Jahr ein Leben in den Fußstapfen von Charles de Foucauld führen. „Es wollten auch schon ein paar Interessentinnen kommen, doch Corona hat das verhindert. Der Aufruf ist aber immer noch aktuell“, betont Schwester Martine. Sie lässt sich nicht entmutigen, so wie der „Kleine Bruder Charles“, der bald als Heiliger verehrt werden kann.

Um die Arbeit der „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ in Algerien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online …hier oder auf folgendes Konto:/

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck:Algerien

60 Jahre ist es her, dass 17 Staaten Afrikas ihre Unabhängigkeit erlangten – darunter Kamerun, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik und Nigeria. Das Jahr 1960 wird darum auch als „Afrikanisches Jahr“ bezeichnet – die europäische Kolonialherrschaft auf dem Kontinent ging nach und nach zu Ende.

In die Freude über Selbstbestimmung und Eigenstaatlichkeit mischt sich Nachdenklichkeit: Nach wie vor befinden sich viele Länder Afrikas in tiefer Krise. Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT blickt mit Professor Apollinaire Cibaka Cikongo auf 60 Jahre Unabhängigkeit zurück. Der Priester lehrt an der Universität von Mbuji-Mayi im Süden der Demokratischen Republik Kongo und hat unter anderem zahlreiche Werke zu gesellschaftspolitischen Themen verfasst.

Eine Ordensschwester in Ruanda versorgt eine ältere Frau. © KIRCHE IN NOT

 KIN: Herr Professor Cikongo, Sie haben kürzlich gesagt, dass seit dem „Afrikanischen Jahr“ 60 Jahre des Scheiterns vergangenen sind, die Afrika zum Kontinent der Gewalt gemacht haben. Ist diese Analyse nicht zu hart?

Appolinaire Cibaka Cikongo: Es ist die Wahrheit. Die gegenwärtige Gestalt Afrikas südlich der Sahara ist nicht das Ergebnis einer positiven Dynamik, sondern einer Dynamik der Gewalt. Sie wurde durch die westliche Eroberung hervorgerufen: Sklavenhandel, Kolonialisierung, Diktaturen und Schein-Demokratien. Subsahara-Afrika ist ein geopolitisches Gebilde, das auf Gewalt aufbaut, Gewalt erleidet und von Gewalt lebt.

Die Gewalt zeigt ihr grausamstes Antlitz in den kriegerischen Auseinandersetzungen. Sie haben die vergangenen 60 Jahre geprägt und dauern immer noch an. Warum?

Es gibt viele Faktoren, die zum Ausbruch dieser Kriege geführt haben; ich möchte drei hervorheben: Erstens die Konflikte, die durch eine „gescheiterte Koexistenz“ aufgrund künstlicher geopolitischer Entscheidungen verursacht werden. Zweitens die Kriege, die durch Gier und Wirtschaftsinteressen einiger indigener Gruppen und internationaler Mächte verursacht werden. Und drittens die Religionskriege, durch die Völker gewaltsam bekehrt werden sollen und die sich gegenwärtig in einem gewalttätigen, blinden und grundlosen islamistischen Terrorismus zeigen.

In manchen Staaten gibt es ohne die Kirche keine Hoffnung und keine Zukunft. Das zeigt sich in vielen Bereichen, besonders in der Bildung und der Gesundheitsvorsorge.

Sie haben von Gier gesprochen. Zahlreiche afrikanische Länder verfügen über große natürliche Ressourcen. Doch die Menschen leiden dort paradoxerweise umso mehr unter Armut und Verwahrlosung. Was sind die Gründe dafür, warum sich daran auch nach 60 Jahren Unabhängigkeit nichts geändert hat?

Unsere Wirtschaft beruht auf den Interessen der Großmächte, die uns unterjocht haben – aber auch auf den Interessen der „neuen“ Mächte, die aus Asien kommen. Noch heute profitieren diese Mächte aufgrund der ungerechten Gesetze einer grausamen Marktwirtschaft mehr von den vorhandenen Ressourcen als die eigentlichen Eigentümer. Darüber hinaus war die afrikanische Wirtschaft nicht in der Lage, sich zu entwickeln oder zu diversifizieren. Sie geht nicht über Gewinnung und den Verkauf von Rohstoffen hinaus.

Später kaufen wir die aus den Rohstoffen hergestellten Waren auf den vom Ausland dominierten Märkten zu einem hohen Preis zurück. Es gibt aber auch eine „Wirtschaft der Verschwendung und des Diebstahls“ in den afrikanischen Ländern selbst: Das Wenige, das im Land bleibt, wird nicht zum Wohler aller Bürger eingesetzt, sondern für die Interessen und Launen der Mächtigen.

Einige afrikanische Projektpartner von KIRCHE IN NOT beklagen eine anhaltende „soziale Unterwerfung“, was Lebensart und Kultur angeht. Es gibt Berichte, wonach internationale Organisationen als Voraussetzung für Hilfen Bedingungen stellen, die Auswirkungen auf Weltanschauung und Lebensbild der Afrikaner haben. Stimmt das?

Es handelt sich um eine kulturelle Gewalt von Seiten fremder Staaten und Interessensgruppen. Sie verleugnen die tief verwurzelten afrikanischen Werte, um uns fremde Sitten und Gebräuche aufzuzwingen, die oft im Widerspruch zum Naturrecht stehen. Dies geschieht vor allem im Hinblick auf das Leben und die Familie. Es gibt einen starken wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Druck. Es handelt sich auch um eine „anthropologische Gewalt“: Sie nimmt uns das Recht auf Entscheidungsfreiheit. Ich denke, das ist das Hauptvermächtnis des Sklavenhandels, der Afrika in eine Hölle verwandelt hat.

Wie würden Sie die Rolle der katholischen Kirche Afrikas in den vergangenen 60 Jahren bezeichnen?

Die Kirche ist die am besten funktionierende Institution. In vielen Ländern, zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, ist die Kirche ein Art „Ersatz-Staat“, ohne den es kein Leben, keine Hoffnung, keine Zukunft gibt. Das zeigt sich in vielen Bereichen, besonders in der Bildung und der Gesundheitsvorsorge. So leitet die Kirche etwa die Hälfte der Schulen, Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Unter ihnen befinden sich die besten Einrichtungen des Landes, aber auch die einzigen in den Dörfern, die vom Staat oft vollkommen vergessen sind.

Begräbnis in einem abgelegenen afrikanischen Dorf in Kenia.

Mit welchen Schwierigkeiten hat die afrikanische Kirche derzeit zu kämpfen?

Die katholische Kirche leistet ihre pastorale und soziale Arbeit trotz Zerbrechlichkeit von innen und Feindschaft von außen. Wir leiden unter innerer Zerbrechlichkeit, weil viele Gläubige ihre Berufung in der Welt kaum leben. Das gesamte soziale Engagement ruht auf den Schulten der einzelnen Bischöfe und der Bischofskonferenzen. Darüber hinaus mangelt es am Geld; wir sind von der Großzügigkeit aus dem Ausland abhängig. Schließlich leben wir in einem Klima starker religiöser Konkurrenz, es gibt viele evangelikale Sekten. Außerdem sind unsere Mitgliederzahlen rückläufig, weil es uns nicht gelungen ist, unsere apostolische Tätigkeit zu erneuern.

Sie haben auch eine Feindseligkeit von außen genannt. Worin besteht die?

Aufgrund ihres sozialen Engagements bedroht die Kirche viele Interessen. Deshalb ist es für viele Menschen ein Ziel, den Einfluss der Kirche zu verringern. Wir sind eine unbequeme Kirche, die von einigen Staaten gehasst oder sogar verfolgt wird. Einige Menschen oder Gruppen versuchen, jede kritische Äußerung mit Gewalt und Einschüchterung zum Schweigen zu bringen.

Weitere Methoden, die Kirche zu schwächen, bestehen darin, die Christen zu spalten oder die Korruption in der „religiösen Welt“ durch Schaffung neuer christlicher Kirchen zu fördern, von denen viele reine Geschäftsbetriebe sind. In der Demokratischen Republik Kongo hat der Staat in den letzten 30 Jahren rund 17 0000 christlichen Gemeinschaften Rechtsstatus gewährt. Das bedeutet, dass im Schnitt alle zwei Tage drei neue „Kirchen“ entstehen.

Sie zeichnen ein düsteres Bild. Was können wir tun, um nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein?

Nur eine Kirche, die Christus und dem Evangelium treu ist, kann aus der Kontemplation, der Demut, der Vorbildlichkeit und dem Engagement aller ihrer Mitglieder ihre Sendung erfüllen. Dies ist das einzige, was Christus von ihr verlangt, damit sie Tempel und Werkzeug seiner Liebe und Gnade ist.

Um die Arbeit der katholischen Kirche Afrikas weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Afrika

Die Sprache Tschiluba (Ciluba) wird von etwa sechs Millionen Menschen in der Kasai-Region im Südosten der Demokratischen Republik Kongo gesprochen. Sie ist eine der vier Nationalsprachen des Landes.

Die Bischöfe der acht in dieser Region gelegenen Diözesen hatten vor einigen Jahren den dringenden Bedarf erkannt, die liturgischen Bücher in dieser Sprache nach und nach neu herauszugeben.

Zum einen waren die Bücher bereits vergriffen, zum anderen mussten sie auch sprachlich überarbeitet und korrigiert werden.

Gottesdienst in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Kasai-Region ist eine arme und vernachlässigte Gegend. In den Jahren 2016 und 2017 kam es in dieser Region zu wahren Gewaltorgien, bei denen mehrere Tausend Menschen getötet wurden. Es wurden später zahlreiche Massengräber gefunden.

Auch kirchliche Gebäude wurden angegriffen, geplündert und niedergebrannt, so beispielsweise die Kathedrale und der Bischofssitz Luebo.

Die Regierung ist in dieser Region nahezu nicht präsent. Um die Nöte der Bevölkerung kümmert sich vor allem die Kirche. Sie hat vor allem das Seelenheil der Menschen im Blick. Die Eucharistiefeier bedeutet der Mittelpunkt des kirchlichen Lebens.

Daher stand für die Bischöfe der Region die Herausgabe der liturgischen Bücher ganz oben auf der Prioritätenliste. Dank der Hilfe der Wohltäter von KIRCHE IN NOT, die 20.000 Euro ermöglicht haben, konnte die erste Auflage der Bücher gedruckt werden. Die Freude ist groß: Bischöfe, Priester und Gläubige danken allen, die geholfen haben.

Lohnausfälle bei ohnehin schon dürftigen Löhnen. Wegfall der materiellen und finanziellen Unterstützung seitens der Gläubigen. Große Armut. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und des Lockdown in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) sind für die Kirche schwerwiegend. Zusätzlich zur Unterstützung, die KIRCHE IN NOT (ACN) bereits den Priestern und Seminaristen zukommen lässt, hat die päpstliche Stiftung im Rahmen eines speziellen Coronavirus-Projektpakets nun eine Not-Existenzhilfe für fast 70  Schwesterngemeinschaften in der im Osten des Landes gelegenen Kirchenprovinz Bukavu freigegeben.

Am 14. Juni wurden in der Demokratischen Republik Kongo 5826 an Covid-19 erkrankte Menschen sowie 130 Todesfälle erfasst. Mit Ankunft der Pandemie wurde das Leben der Ordensfrauen der im Osten des Landes gelegenen Kirchenprovinz Bukavu zu einem regelrechten Albtraum. Bereits unter normalen Umständen ist die Situation dort extrem schwierig. In dieser von ethnischen Konflikten gebeutelten Region, die von Unsicherheit, bewaffneten Einfällen durch Nachbarländer, Entführungen und Vergewaltigungen geprägt ist, versuchen die Schwestern zu überleben, indem sie den Katechismus unterrichten und in den Schulen und Gesundheitszentren arbeiten. Doch die zum Schutz vor dem Coronavirus verhängten gesundheitlichen Maßnahmen haben ihre Versorgung unterbrochen und sie dadurch in eine extrem prekäre Lage gebracht.

Mädchen nähen Mund- und Nasenschutzmasken, um gegen die Pandemie anzukämpfen.

Seit dem Beginn des am 24. März vom Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo verhängten Ausnahmezustands wurden die Löhne ausgesetzt. Hinzu kommt, dass das medizinische Personal, zu dem zahlreiche Ordensfrauen gehören, abhängig von der Anzahl der behandelten Patienten bezahlt wird. Aus Angst, sich dort mit dem Coronavirus anzustecken, gehen jedoch die Menschen im Moment nur widerwillig ins Krankenhaus. Dadurch ist es für die Schwestern zu einem drastischen Rückgang oder sogar totalen Ausfall ihrer Einkünfte gekommen. Und diejenigen der Schwestern, die in den Schulen arbeiten, erhalten normalerweise einen Zuschuss für ihren Lebensunterhalt von den Eltern der Schüler. In Zeiten, in denen die Schulen wegen der Covid-19-Pandemie geschlossen haben, fällt natürlich auch dieses Entgelt weg.

Um angesichts dieses Elends den Schwestern für ihr Überleben zu helfen, hat KIRCHE IN NOT als Reaktion auf den Hilferuf von François-Xavier Maroy, Erzbischof von Bukavu, beschlossen, 69 Schwesterngemeinschaften aus sechs verschiedenen Kongregationen zu unterstützen, die in der Kirchenprovinz Bukavu mit ihren sechs Diözesen tätig sind. Die Hilfe der Stiftung in Höhe von 120.000 € kommt insgesamt 464 Ordensfrauen zugute.

Um angesichts dieses Elends den Schwestern für ihr Überleben zu helfen, hat KIRCHE IN NOT beschlossen, 69 Schwesterngemeinschaften zu unterstützen, die in der Kirchenprovinz Bukavu tätig sind.

„Es ist unsere Pflicht, ihnen angesichts dieser Entbehrungen Trost zukommen zu lassen, einen Trost, den sie zugunsten derer vervielfältigen werden, die noch weniger haben als sie selbst“, erklärt Christine du Coudray, KIRCHE IN NOT-Projektreferentin für das Land. „Während alle Nichtregierungsorganisationen aufgrund der Konflikte geflohen sind, ist die Kirche und sind insbesondere die Ordensfrauen vor Ort geblieben, in unmittelbarer Nähe der am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen, wie gute, unerkannte Seelen, ganz im Geiste von Mutter Teresa!“, fährt die Referentin fort und fügt hinzu: „Wie oft habe ich sie nach einem weiteren Übergriff rivalisierender Banden besucht, in diesem seit zwanzig Jahren schwelenden Konflikt, nachdem sie Opfer von Vergewaltigungen und Massakern geworden waren, die vor niemandem Halt machen, nachdem sie Erdbeben, Erdrutsche oder beeindruckende Überschwemmungen erlebt hatten, so wie es jetzt der Fall in Uvira ist [mehr als 100 km weiter südlich von Bukavu], Katastrophen, die alles auf ihrem Weg auslöschen und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.“

Die Hilfeleistung für die Schwestern fungiert als zusätzliche Unterstützung, nachdem KIRCHE IN NOT zu Beginn der Krise bereits die Priester in verschiedenen Diözesen des Landes durch Mess-Stipendien unterstützt hat. Auch die Priester sehen sich großen finanziellen Schwierigkeiten ausgesetzt. Ohne die sonntäglichen Kollekten oder andere Einnahmequellen, die durch die Aussetzung der Pastoral- und Gemeindearbeit wegfallen, sind zahlreiche Priester heute nicht in der Lage, allein für ihren Lebensunterhalt zu sorgen oder ihre seelsorgerischen Aufgaben zu erfüllen. Zu normalen Zeiten sind es die Gläubigen, die die Priester mit Lebensmitteln und anderen Gaben unterstützen“, erklärt der Bischof der Diözese Mbuji-Mayi, im Zentrum der DR Kongo, und fährt fort: „Jetzt wo ihre Schäfchen durch den Lockdown alle zu Hause bleiben müssen, ist das Leben urplötzlich für alle viel schwieriger als in der Vergangenheit geworden, weil die meisten Menschen unter der sehr hohen Arbeitslosenquote leiden (ungefähr bei 96 %) und sich irgendwie von Tag zu Tag durchschlagen.“ In einem Schreiben drückte Bischof Bernard-Emmanuel Kasanda seine Dankbarkeit gegenüber KIRCHE IN NOT aus, durch dessen Hilfe zu Beginn der Krise 289 Priester und Ordensleute seiner Diözese zahlreiche Mess-Stipendien erhalten hatten.

Ebenso kamen mehrere Mess-Stipendien den 25 Priestern der Kongregation der Arbeitermissionare zugute. Das ist eine regelrechte „Erleichterung“, schreibt einer der Begünstigten, Pater Alain Mwila Wa Ilunga, der beschlossen hat, diese finanzielle Zulage „mit den Ärmsten der Armen und den mittellosen Kranken zu teilen, damit sie täglich Brot zu essen haben.“ Der Novizenmeister dieses Ordens, Pater Clément Mwehu Muteba, freute sich ebenfalls über diese finanzielle Unterstützung, die es ihm ermöglichen wird, Benzin zu kaufen und dadurch seinem Apostolat in der ihm zugeteilten Kapelle nachgehen zu können. Dank der Mess-Stipendien kann er auch „einige Bögen Papier kaufen, die für die Ausbildung der Jugendlichen benötigt werden“, um die er sich in Lubumbashi, in der Provinz Ober-Katanga, kümmert.

Auch 40 Priestern der im Osten des Landes gelegenen Diözese Kilwa-Kasenga kamen Mess-Stipendien zugute. Dadurch „können wir leben, und es ermöglicht uns, das Leben tausender Gläubiger zu sichern, die durch unsere bescheidene Arbeit das heilige Wort Gottes hören und die Sakramente empfangen können“, erläutert Pater André Mpundu, der sehr glücklich darüber ist, dank der empfangenen Unterstützung seinen seelsorgerischen Pflichten nachkommen zu können. Pater Mpundu ist Vikar in der Pfarrei der Seligen Anuarita in Kasenga und erzählt, wie eine 80-jährige ehemalige Mesnerin sich neulich bei ihm für seinen Besuch (natürlich unter Einhaltung der gesundheitlichen Schutzmaßnahmen) bedankte. Sie vertraute ihm an: „Zu mir kommt regelmäßig ein Krankenpfleger, um mein Rheuma zu behandeln, doch wenn du es bist, Pater, der mit Christus kommt, damit ich die Kommunion empfangen kann, ist meine Freude riesengroß und grenzenlos.“ „Wir hören zahlreiche derartige Aussagen“, freut sich der Pater, derweiterhin die Kranken, die Alten und die Einsamen besucht, und schließt mit der Feststellung: „Das ist sehr ermutigend für meinen Dienst als Priester.“

Zu Beginn der weltweiten Corona-Krise und massiver Einschränkungen des öffentlichen Lebens riefen die Vereinten Nationen zu einem weltweiten Waffenstillstand auf, um sich auf den Kampf gegen Covid-19 zu konzentrieren. Papst Franziskus wiederholte diesen Appell. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat mit Projektpartnern in Kriegs- und Krisenländern Kontakt aufgenommen. Trotz der Pandemie gehen Krieg und Terror weiter. Die Not der Bevölkerung steigt.

„Die Wut des Virus veranschaulicht den Irrsinn des Krieges. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren’’, erklärte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am 23. März. Er hoffe, dass sich die Menschen bewusst seien, dass das Virus keinen Unterschied zwischen den Nationen mache und alle betreffe.

Papst Franziskus griff diesen Appell auf. Am 29. März forderte er die „Schaffung von Korridoren für humanitäre Hilfe, Offenheit für die Diplomatie und Aufmerksamkeit denen gegenüber …, die sich in einer Situation befinden, die sie am verletzbarsten macht’.

Flüchtling in Aleppo Syrien mit einer Friedenstaube © Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT

Umdenken bei Kriegsparteien?

„Hier geht der Konflikt weiter”, beklagt Erzbischof Andrew Nkea Fuanya aus Bamenda im Nordwesten von Kamerun. Der anglophone Teil des zentralafrikanischen Landes ist seit vier Jahren Schauplatz bewaffneter Konflikte mit tausenden Toten und weit mehr als einer halben Million Vertriebenen. Separatisten kämpfen dort für eine eigene „Republik Ambazonien“, unabhängig vom französischsprachigen Teil. Die katholische Kirche Kameruns agiert als Vermittlerin zwischen den Bürgerkriegsparteien.

Zwar hätten einige Anführer aus dem Lager der Separatisten zugestimmt, ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen, so Erzbischof Nkea. Sie seien sich bewusst, was in der Corona-Pandemie auf dem Spiel stehe, aber sie hätten „wenig Einfluss auf die Kämpfer in dem Gebiet”, räumt er ein.

Dasselbe gilt auch für die Region Hassaké im Norden Syriens, wo „Militärflugzeuge weiterhin den Himmel überziehen und die Angriffe nicht aufhören”, teilt Nidal Thomas, Generalvikar der chaldäisch-katholischen Kirche im Nordosten Syriens mit: „Wir haben seit dem Auftreten des Coronavirus nur zwei oder drei Tage erlebt, an denen Ruhe herrschte.”

Die Pandemie habe das Land nach neun Kriegsjahren in einem Zustand großer Schwäche getroffen. Syrien habe 60 Prozent seiner Ärzte verloren – sie sind bei den Kämpfen umgekommen, wurden verschleppt oder sind geflüchtet. Nur ein Viertel der Krankenhäuser sei in Betrieb, erklärt Thomas. Außerdem sei Syrien durch die Wirtschafts- und Währungskrise im Nachbarland Libanon mitbetroffen: Syrische Sparer haben ihre Einlagen bei libanesischen Banken verloren, Hilfsgelder über den Libanon können nur noch unter erschwerten Umständen fließen. Syrien leidet zudem unter den internationalen Sanktionen, die seine Wirtschaft belasten.

Zerstörte Häuser in der Donbass-Region im Osten der Ukraine.

Eine Tragödie in der Tragödie

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt, gehe der Krieg in der Donbass-Region im Osten der Ukraine weiter, teilt Bischof Pawlo Honczaruk aus Charkiw mit. Seine Diözese umfasst auch Teile der umkämpften Gebiete. Die Corona-Pandemie lasse offenbar werden, wie sehr „das oligarchische System das ukrainische Gesundheitswesen insbesondere in ländlichen Gebieten geschwächt hat. Die Pandemie legt die Korruption der politischen Führung offen, die eine Folge der Geschichte unseres Landes ist“, erklärt der Bischof. Der Verlust der Solidarität gefährde besonders die ärmsten Menschen.

In Nigeria ist es ebenfalls die grassierende Armut, die der Kirche neben den Folgen des islamistischen Terrors am meisten Sorge bereitet. „Die größte Gefahr in Verbindung mit Covid-19 in unserem Land ist, dass die Pandemie Hungersnöte unter den Ärmsten und eine Destabilisierung der bereits sehr schwachen Wirtschaft auslösen kann”, erklärt Erzbischof Ignatius Kaigama aus der Hauptstadt Abuja. Er betont, dass das Land insbesondere im Nordosten seit dem Auftreten der Pandemie weiterhin unter Terroranschlägen von Boko Haram leide.

Erzbischof Ignatius Kaigama aus Abuja/Nigeria verteilt während der Corona-Pandemie Lebensmittel an Bedürftige.

Eine Kirche der offenen Türen

„Die Gewalt hat in unserer Gesellschaft auch während der Pandemie nicht nachgelassen”, beklagt Erzbischof Carlos Garfias Merlos, Vizepräsident der Bischofskonferenz in Mexiko. Ohne Zweifel sei die Friedens-Botschaft von Papst Franziskus bei den Drogenbanden nicht angekommen. Mehr als je zuvor fahre die Kirche damit fort, „ihre Türen für die Opfer der Gewalt zu öffnen”, berichtet der Erzbischof.

Die Bürgerkriegsparteien in der Zentralafrikanischen Republik hätten ebenfalls nicht auf den Aufruf zum Waffenstillstand gehört, beklagt Bischof Bertrand Guy Richard Appora-Ngalanibé aus Bambari. „Leider liefern sich in einigen Gebieten die bewaffneten Gruppierungen strategische Gefechte mit dem Ziel, ihre Vorherrschaft auszuweiten und die Ressourcen des Landes zu plündern.” Dennoch zeigten die interreligiösen Initiativen, dass diese Krise eine Gelegenheit sein könne, um die Verbundenheit zwischen den Bürgern des Landes zu stärken, so Ngalanibé: „Mit der Hilfe unserer protestantischen und muslimischen Brüder und Schwestern bemühen wir uns darum, Sensibilisierungskampagnen durchzuführen, um die Pandemie-Gefahr einzudämmen.”

Der Einsatz für Frieden bleibt auch in der aktuellen Situation ein Stachel im Fleisch für die internationale Gemeinschaft. Weltweit gehen Kriege und Konflikte auch während der Corona-Krise weiter. „Kirche in Not“ steht in vielen Ländern den Betroffenen bei und unterstützt die Arbeit der Kirche vor Ort, die für viele notleidende Menschen die einzige Anlaufstelle ist.

Damit Seelsorger und kirchliche Mitarbeiter die Corona-Pandemie schultern und für die ihnen anvertrauten Menschen da sein können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online …hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nothilfen Covid-19

Flüchtlingskinder in der Zentralafrikanischen Republik.
Die terroristische Bedrohung, die besonders fünf Regionen im Norden und Osten Burkina Fasos betrifft, wird laut mehreren lokalen Quellen im Gespräch mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) „von der Covid-19-Pandemie überschattet“. Für die unmittelbar von den Terroranschlägen betroffene Bevölkerung ist das Coronavirus „ein Unglück mitten im Unglück“. Die Gesprächspartner aus den stark von den Auswirkungen des Terrorismus betroffenen Diözesen Dori, Kaya und Fada N’Gourma sind sich einig, dass „der Ernst der Lage an einigen Orten gleichgeblieben oder sogar noch schlimmer geworden ist“ als vor der Pandemie. Fast eine Million Menschen wurden aus diesem Gebiet vertrieben, ohne eine wirksame Reaktion seitens der nationalen oder internationalen Behörden.
Flüchtlinge in einem der vielen Flüchtlingslager.

In den Departements Bourzanga (Region Centre-Nord) und Djibo (Region Sahel) finden täglich Anschläge statt. Nach dem Hilfswerk vorliegenden Erkenntnissen „sind ganze Landstriche von der Welt abgeschnitten, aber nicht wegen der Ausgangssperre aufgrund der Pandemie, sondern wegen der dort vorherrschenden totalen Unsicherheit. Die wenigen noch bevölkerten Dörfer beherbergen Tausende von Binnenvertriebenen, sind aber zunehmend vom Rest des Landes isoliert.“

So auch die Stadt Djibo, die seit Mitte Januar 2020 von Terroristen umzingelt ist. Von KIRCHE IN NOT befragte Quellen schildern, dass „es keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Versorgung mit Lebensmitteln, keinen Zugang hinein oder hinaus gibt, dass es an Wasser, Treibstoff und Lebensmitteln mangelt, immer wieder zu Stromausfällen usw. kommt“.

Nach Angaben des Nationalen Rates für Nothilfe und Wiederaufbau (CONASUR) leben in der Provinzhauptstadt Djibo fast 150 000 Binnenvertriebene. Unter der Blockade leidet ebenfalls die Stadt Arbinda, die 60 000 Binnenvertriebene aufgenommen hat. Die beiden Städte sind die letzten Enklaven des Lebens in der Provinz und der einzige Schutzwall, der viele Menschen vor den Terroristen bewahrt hat.

Ein vertriebener Priester aus der Diözese Kaya in der nördlichen Zentralregion berichtet KIRCHE IN NOT von einer ähnlichen Lage dort: „Die Dörfer sind so gut wie menschenleer; dort ist kein Leben mehr, obwohl es immer noch Zeichen der Hoffnung gibt. In meiner Pfarrei, in der viele Menschen Zuflucht gesucht haben, gibt es Probleme in der Grundversorgung. Das entscheidende Problem ist nach wie vor das Wasser. Es ist sehr schwierig, an dieses kostbare Gut zu gelangen, was die Frauen bei allen damit verbundenen Risiken dazu zwingt, in die wegen terroristischer Bedrohungen verlassenen Nachbardörfer zurückzukehren, um zu versuchen, Wasser zu beschaffen und es auf Dreirädern zu transportieren.“

Auch in Kaya sind wichtige Gemeinden, etwa Namisgma und Dablo, von den Städten abgeschnitten, die sie früher versorgt haben. In der Stadt Pensa haben sich die Terroristen nach wiederholten Anschlägen niedergelassen, und die Stadt vom Rest des Territoriums abgetrennt.

Ein Begräbnis von Opfer des Terrorismus.

Appelle an nationale und internationale Behörden für ein energisches Vorgehen

Nach Aussage der Betroffenen erkennen die lokalen und nationalen Behörden zwar das Drama, unter dem die Bevölkerung leidet. Ihre Bemühungen werden jedoch meistens aufgrund fehlender Ressourcen schnell zunichte gemacht. Viele bedauern auch, dass außerhalb des Landes das Ausmaß der Tragödie nicht erkannt werde: „Von den 75 Dörfern in meiner Pfarrgemeinde sind nur noch zehn bewohnt. Die Menschen sind alle gegangen. Weil die Dörfer verlassen sind, befindet sich ein großer Teil des Territoriums in der Hand von Terroristen, die sich auf diese Weise der staatlichen Kontrolle entziehen“, sagt ein Priester der Diözese Kaya, der ebenfalls wegen der Drohungen gegen seine Gemeinde fliehen musste.

Obwohl ausländische, vor allem französische Streitkräfte präsent sind, sind viele Burkiner skeptisch. Sie beklagen, dass sie keinerlei Ergebnisse sehen. Sie kritisieren auch die Tatsache, dass die nationale Armee effektiver sein könnte, wenn sie über die gleichen Transport- und Waffenbedingungen verfügte wie die ausländischen Streitkräfte.

Im Allgemeinen fühlen sich die meisten Burkiner angesichts des Unglücks ohnmächtig, „vor allem, weil sich die Aufmerksamkeit im Moment auf die Coronavirus-Pandemie konzentriert, und dabei vergessen wird, dass der Terrorismus sogar noch mehr Opfer fordert als Covid19“, beklagt der Priester.

Viele fordern von den Behörden, dass sie bei der Verbesserung der Lage der Binnenflüchtlinge und bei der Bekämpfung des Terrorismus die gleiche Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit an den Tag legen wie bei der Bekämpfung der Pandemie. „Beide Gefahren bestehen mit Sicherheit. Wir sind mittendrin gefangen; es ist sehr schwer herauszufinden, was schlimmer ist. In jedem Fall sind die Folgen die gleichen, weil beide tödliche Konsequenzen haben“, sagt ein weiterer Partner von KIRCHE IN NOT aus der Region Fada N’Gourma. Er hat gerade Unterstützung für den Bau einer Sicherheitsmauer um seine Pfarrei erhalten, nachdem sie gewaltsame Übergriffe erlitten hatte.

Seit fast fünf Jahren wird Burkina von einer beispiellosen terroristischen Welle heimgesucht. Im Februar 2020 reiste eine KIRCHE IN NOT-Delegation in das Land, um sich ein Bild von der Notlage der Christen im Norden des Landes zu machen, und um die Solidarität der Weltkirche zu bekräftigen. Nach den von KIRCHE IN NOT bei dem Besuch gesammelten Daten beläuft sich die Zahl der Binnenvertriebenen auf fast eine Million. Seit 2019 wurden mehr als 1000 Menschen – Christen, Anhänger der traditionellen Religion und Muslime – getötet. Dreizehn Priester, sieben Ordensgemeinschaften und 193 Pastoralkoordinatoren mussten in sichereren Pfarreien Schutz suchen. Mindestens acht Pfarreien sind geschlossen.

„Der Herr des Lebens zeige den Menschen in Asien und Afrika seine Nähe, die schwere humanitäre Krisen durchmachen, wie etwa in der Region Cabo Delgado im Norden Mosambiks“, sagte Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft. Er ist einige der wenigen internationalen Persönlichkeiten, die sich öffentlich zur terroristischen Gewalt in dieser Provinz im Norden Mosambiks geäußert haben – eine Tragödie, von der viele Menschen nichts wissen.

Seit 2017 kommt es in der Region zu terroristischen Gräueltaten; Hintergründe und Urheber bleiben im Dunkeln. Maria Lozano vom internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ sprach mit Bischof Luiz Fernando Lisboa aus Pemba, das in der Provinz Cabo Delgado liegt, über die aktuelle Situation. Sie hat sich über die Ostertrage nochmals verschlimmert.

Der ausgebrannte Altarraum der Herz-Jesu-Kirche in Muambula nach einem Brandanschlag am Karfreitag 2020. © Kirche in Not

Kirche in Not: Vor ein paar Wochen haben Sie über Angriffe auf die Stadt Mocímboa da Praia im Norden Ihrer Diözese berichtet. Wie ist die Lage dort heute?

Bischof Luiz Fernando Lisboa: In den vergangenen Monaten wurden nicht nur Mocímboa da Praia, sondern auch in zwei anderen wichtigen Ortschaften Anschläge verübt. In Mocímboa da Praia ist die Lage zurzeit unter Kontrolle, aber leider hat es viele Plünderungen gegeben. Während der Angriffe sind viele Menschen aus der Stadt geflohen und haben im Wald Zuflucht gesucht. Einige Kriminelle haben dies ausgenutzt, um die Häuser zu plündern. Am 20. April wurde einer dieser Diebe gefasst und von der Bevölkerung gelyncht. Leider führt dieses Klima des Terrors zu Unsicherheit und zunehmender Kriminalität.

Am Karfreitag wurde die Missionsstation im Dorf Muambula angegriffen. Was ist dazu bekannt?

Die Angreifer überfielen die Kirche und steckten mehrere Kirchenbänke sowie das aus schwarzem Holz gefertigte Bildnis der Muttergottes in Brand. Sie zerstörten auch ein Bild des Heiligsten Herzens Jesu, dem die Pfarrei geweiht ist. Glücklicherweise konnten sie nicht die ganze Kirche in Brand stecken, sondern nur die Kirchenbänke.

War dies der erste Anschlag auf eine Kirche?

Es wurden bereits sechs Kapellen bereits angegriffen und niedergebrannt. Auch auf Moscheen wurden Brandanschläge verübt. Allerdings sind in jüngerer Zeit offensichtlich die christlichen Kirchen die Hauptziele.

Bischof Luiz Fernando Lisboa segnet Gläubige bei einem Pastoralbesuch. © Leandro Martins

Stimmt es, dass es in einem der Dörfer des Distrikts Muidumbe zu einem Massaker gekommen ist?

Ja, am 7. April in Xitaxi. Zu unserer großen Trauer wurden dort 52 junge Menschen niedergemetzelt, als sie sich weigerten, sich den Aufständischen anzuschließen. Für uns sind sie Märtyrer des Friedens, weil sie es abgelehnt haben, sich am Krieg zu beteiligen und deshalb ihr Leben verloren haben.

Warum ist Mosambik zum Schauplatz des islamistischen Terrors geworden?

Ich würde nicht behaupten, dass Mosambik ein Schauplatz des islamistischen Terrors ist. Die jüngsten Anschläge sind vermeintlich vom sogenannten „Islamischen Staat“ verübt worden, aber es bestehen weiterhin Zweifel daran. Einige meinen, dass eine lokale Gruppe dafür verantwortlich ist, die den Namen des Islamischen Staates benutzt. Wir wissen auch nicht, was hinter all dem steckt, glauben aber, dass es um natürliche Ressourcen geht.

Aber sind die Beteiligten an diesen Terrorakten überall dieselben? Woher kommen sie?

Wir haben bemerkt, dass die Terroristen in der Vergangenheit nur einen Anschlag an je einem Ort verübt haben. Nun sind sie dazu übergegangen, mehrere Angriffe gleichzeitig durchzuführen. Viele Berichte besagen, dass ein Teil von ihnen Mosambikaner sind und die anderen aus Tansania und anderen Ländern kommen.

Haben die Anschläge eine religiöse Komponente?

Von Anfang an haben sich die muslimischen Führer von den Anschlägen distanziert. Sie haben erklärt, mit all dem nichts zu tun zu haben. Sie wollen keine Gewalt. Sowohl in Cabo Delgado als auch im übrigen Mosambik haben wir nie Probleme zwischen den Religionen gehabt. Wir haben viele gemeinsame Aktivitäten unternommen: Gebete, Erklärungen und Märsche für den Frieden.

Was unternimmt die Regierung in Mosambik, um die Situation zu entschärfen?

Sie hat verstärkt Verteidigungskräfte entsandt. Allerdings gibt es darunter viele junge Leute, die dort aus reiner Pflicht sind. Wenn es dann zu einem Angriff kommt, desertieren viele. Sie sind schlecht auf den Kampf vorbereitet und kaum in der Lage, mit dieser Situation umzugehen. Ich empfinde schreckliches Mitleid mit den jungen Menschen, denn viele haben bereits ihr Leben verloren.

In seiner Osterbotschaft hat der Heilige Vater über Mosambik gesprochen. Er ist eine der wenigen Stimmen, die das Schweigen brechen.

Es war für uns sehr wichtig, dass der Papst die humanitäre Krise in Cabo Delgado angesprochen hat, weil es hier eine Art „Verschwiegenheitsgesetz“ gibt.

Was meinen Sie damit?

Die Lage ist sehr ernst, weil nicht frei gesprochen werden kann. Einige Journalisten wurden verhaftet; bei vielen Reportern wurden die Kameras konfisziert. Es ist wichtig, dass bekannt wird, was vor sich geht, und dass internationale Organisationen tätig werden. Die Menschen hier haben sehr viel gelitten; es gibt Hunderte von Toten. In unserer Provinz haben wir mehr als 200 000  Vertriebene. Es ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Die Menschen hier haben sehr wenig, und das Wenige, das sie haben, geht durch diesen Krieg verloren.

„Kirche in Not“ unterstützt die schwierige Mission der Kirche in Mosambik. Das Hilfswerk fördert zum Beispiel die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten, finanziert Fahrzeuge für die Seelsorge, fördert den Bau und die Renovierung von Kirchen und unterstützt die kirchliche Friedensarbeit. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

„Was hier geschieht, ist eine Schande“, klagt der Bischof von Pemba nach dem jüngsten Angriff in seiner Diözese.

Am vergangenen Montag, den 23. März, hat eine bewaffnete Gruppe die Stadt Mocímboa da Praia, die Bezirkshauptstadt der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks mit etwa zwanzigtausend Einwohnern, angegriffen und besetzt. Der Angriff ging über mehrere Stunden.

Nach Angaben lokaler Medien steckten die Angreifer öffentliche Gebäude in Brand, ließen Häftlinge aus dem örtlichen Gefängnis frei und patrouillierten sogar frei auf den Straßen. Als weiteres Zeichen ihrer Machtdemonstration hissten die Aufständischen die schwarze Flagge, Kennzeichen dschihadistischer Gruppen.

In einem Telefongespräch mit dem international Hilfswerk KIRCHE IN NOT bestätigte Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba die Vorkommnisse: „Sie gingen ein und aus, wie sie wollten. Es gab keine entschlossene Reaktion der Sicherheitskräfte. Viele der Sicherheitskräfte flohen, weil die Angreifer zahlreicher waren, so dass diese Kleidung, Waffen, Lebensmittel, Autos und Militärkleidung mitnehmen konnten. Einige [der Angreifer] waren mit militärischen [Uniformen] bekleidet. Die so genannte Verstärkung der Verteidigungskräfte kam erst, nachdem sich die Angreifer zurückgezogen hatten“, sagte der Bischof gegenüber KIRCHE IN NOT.

„Es ist ein Skandal. Was in Mosambik geschieht, ist eine Schande. Es ist wirklich traurig, dass unsere Bevölkerung auf diese Weise gedemütigt wird“, betonte der Bischof.

Ein Wendepunkt?

Der Angriff könnte einen Wendepunkt in der wachsenden Instabilität darstellen, die im Norden Mosambiks seit Oktober 2017 zu spüren ist. Bislang fanden die Angriffe vor allem in ländlichen oder dünn besiedelten Gebieten statt. Diesmal haben die Aufständischen eine Machtdemonstration in der Bezirkshauptstadt gewagt.

In Folge dessen hat die Angst in der Bevölkerung zugenommen: „Sie haben die Botschaft hinterlassen, dass sie zurückkehren werden“, unterstrich der Bischof. „Die Menschen haben Angst. Nachdem Mocímboa, die größte Stadt in dieser Region, angegriffen wurde, fühlt sich [die Bevölkerung] von Palma, von Mueda, von Macomia in Gefahr. Die Menschen haben Angst; sie hatten zwar schon vorher Angst, aber jetzt ist es noch schlimmer geworden.“

Lokalen Presseberichten zufolge gab es während der Machtübernahme in Mocímboa Szenen von „Chaos und Panik“, als die Angreifer selbst an den wichtigsten Gebäuden schwarze Flaggen hissten, die die Gruppen als Dschihadisten ausweisen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat kürzlich die Verantwortung für weitere Anschläge in der Provinz Cabo Delgado übernommen. Anfang März bekannte sie sich über das Internet nach Zusammenstößen mit Regierungstruppen schuldig am Tod von mosambikanischen Armeesoldaten. Und am 19. Februar wurden mindestens vier Soldaten in dem Dorf Chiculua im Bezirk Palma getötet, wo der Islamische Staat vermeintlich mehrere Häuser niederbrannte und einige Geschäfte plünderte.

Die katholische Kirche verfolgt die Entwicklung natürlich mit Sorge. „Der Angriff in dieser Woche hat das Gefühl der Unsicherheit noch verstärkt. Die katholische Kirche wird weiterhin den Menschen zur Seite stehen, trotz des offensichtlichen Risikos weiterer bewaffneter Zwischenfälle“, sagte Bischof Luiz Fernando gegenüber KIRCHE IN NOT.

Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba ©Leandro Martins

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara von Port-Bergé im Norden von Madagaskar spricht in einem Interview, das anlässlich seines Besuchs am 20. Februar am Hauptsitz des weltweiten Hilfswerks KIRCHE IN NOT geführt wurde, über die Herausforderungen für die Kirche in seinem Land, zu denen sowohl die Islamisierung der Insel als auch der Einfluss der Hexerei gehören. Das Interview führte Amelie de La Hougue.

KIRCHE IN NOT: Sind die Christen, die ja die Mehrheit im Land ausmachen, auf der gesamten Insel präsent?

Mons. Georges Varkey: Ihre Präsenz ist von Diözese zu Diözese sehr unterschiedlich. Der Katholizismus ist besonders in der Hochebene verbreitet. Die Region wurde ja vor 160 Jahren evangelisiert. Aber in meinem Bistum ist das nicht der Fall: Von den 800 000 Einwohnern sind nur 25 000 bis 30 000 Katholiken, und dann gibt es noch einige wenige Gläubige anderer Glaubensrichtungen. Fünfundneunzig Prozent der Bevölkerung meines Bistums können jedoch als Animisten bezeichnet werden.

Ist unter der Bevölkerung die Hexerei immer noch stark verbreitet?

Ja, sehr sogar! Wegen des Glaubens an die Hexerei ist es mir verboten, bestimmte Dörfer zu betreten. Ein Beispiel: In ein Dorf meiner Diözese, in das ich nicht gehen kann, kam eine Frau, um Katechismus-Unterricht zu geben. Ihr Haus wurde zweimal niedergebrannt. Sie musste umziehen. Die Hexerei ist in den Dörfern im Urwald immer noch allgegenwärtig; aufgrund der mangelnden Bildung wissen es die Menschen nicht anders.

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara
Wie sind die Beziehungen zum Islam?

Früher war das Verhältnis zu den Muslimen gut. Seit einiger Zeit treten jedoch Islamisten auf. Wir werden mit der Islamisierung des Landes konfrontiert. Die Zahl der Muslime nimmt stark zu: Früher gab es nur Komoren, Pakistanis und einige wenige madagassische Muslime, aber jetzt kommen Islamisten aus dem Ausland, wie, wissen wir nicht. Außerdem gibt es Rekrutierungen im Land. Überall werden Moscheen gebaut, und mit der Regierung besteht eine Vereinbarung über den Bau von 2400 (!) Moscheen. In meiner Diözese gibt es beispielsweise keine Muslime, aber es werden viele Moscheen gebaut. Die Muslime kommen auch, um Menschen zu bekehren. Sie eröffnen Koranschulen und geben den Kindern Stipendien, die zu ihnen kommen. Wir haben auch erfahren, dass an den Universitäten junge, nicht muslimische Frauen drei Euro pro Tag dafür erhalten, die Burka zu tragen. Sie nutzen die Armut der Menschen aus, vor allem der Studenten, die Geld brauchen! Hier leben 85% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Was ist heute die größte Herausforderung für die Kirche in Madagaskar?

Für uns besteht eine der wichtigsten Herausforderungen in der Bildung. In meinem Bistum sind etwa 70% der jungen Menschen Analphabeten, weil es in der Nähe keine Schulen und nicht genügend Transport- und Verkehrsmittel gibt. Ich versuche, Ordensgemeinschaften dazu zu bewegen, zu uns zu kommen. Aber es ist schwierig. Dreiundfünfzig Prozent der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Wir wollen junge Menschen ausbilden, um ihnen ihre Würde zurückzugeben, um ihnen zu helfen, Arbeit zu finden, um ihnen zu helfen, damit sie ihrerseits dann ihre Kinder besser erziehen können. Wir wollen mit ihnen über Gott sprechen, ihnen helfen, ihre Berufung zu finden … Aber es ist schwierig, Lehrer zu finden, die bereit sind, in abgelegene Gebiete zu ziehen.

Stimmt es, dass in Ihrem Land auch viel Korruption herrscht?

Ja, die Korruption ist etwas Schreckliches. Die Regierung hat zu deren Bekämpfung Pläne aufgestellt. Dies erweist sich jedoch als schwierig, weil sie fest in der Gesellschaft verankert ist …

Andererseits versuchen wir, gegen die sogenannte „Volksjustiz“, also Selbstjustiz, zu kämpfen. Obwohl die Armut in den Großstädten abnimmt, wird sie in den Dörfern großer. Deshalb kommt es manchmal dazu, dass jemand wegen des einfachen Diebstahls eines Huhns von den anderen Dorfbewohnern gelyncht wird. In der Kirche arbeiten wir daran, durch unsere Predigten, durch die Verbreitung des Katechismus und auch durch die in allen Diözesen vertretenen Ausschüsse für Gerechtigkeit und Frieden den Menschen Bildung zu geben. Wir versuchen, den Madagassen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben, so nahe wie möglich zu sein, um ihnen zu helfen und ihnen Hoffnung im Kampf gegen die Korruption zu geben.

Madagaskar plant, 100 Millionen Bäume zur Bekämpfung von Naturkatastrophen zu pflanzen.

Ja, denn in Madagaskar haben wir es mit zwei Extremsituationen zu tun: Überschwemmungen im Norden (in meinem Bistum wurden kürzlich 1600 Häuser dadurch beschädigt) und Dürren im Süden. Die Kirche und die Regierung ermutigen die Menschen, Bäume zu pflanzen, um gegen die Abholzung der Wälder anzugehen. So soll beispielsweise auf dem Land, das für die Feier der großen heiligen Messe mit dem Papst im vergangenen September zur Verfügung gestellt wurde, eine Baumschule eingerichtet werden. Ich ermutige das madagassische Volk, Obstbäume, aber auch Reis, Maniok usw. zu pflanzen, damit es sich selbst ernähren kann.

Hat der Besuch von Papst Franziskus im vergangenen September Hoffnung geweckt?

Der Papstbesuch war wirklich ein Segen für das ganze Land. Menschen aller Konfessionen wollten den Heiligen Vater hören, sogar diejenigen, die der Kirche kritisch gegenüberstanden. An der Messe nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Alle vergaßen in seiner Gegenwart ihre Probleme; sie erkannten in Papst Franziskus wirklich einen Mann Gottes, der sich allen zuwendet. Seine Ankunft hinterließ einen bleibenden Eindruck in den Herzen.

Möchten Sie unseren Wohltätern etwas mitteilen?

Ja, ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Dank KIRCHE IN NOT konnten wir in dem Gefängnis, in dem ich Kaplan war, eine Kapelle bauen und einen Raum einrichten, den wir als Bibliothek nutzen und in dem wir den Katechismus lehren und gegen den Analphabetismus vorgehen. Dies hat den Gefangenen Hoffnung gegeben; sie konnten das barmherzige Gesicht der Kirche sehen, einer Kirche, die ihnen helfen und ihre Lebensbedingungen verbessern will.

Ich bitte Sie, für mein Bistum zu beten: Es umfasst 33 367 km2, aber ich habe nur 33 Priester. Ich brauche wirklich Berufungen, Missionare, um zu evangelisieren und die Frohe Botschaft zu verkünden. Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber Gott und die Jungfrau Maria geben uns Mut, weiter zu arbeiten. Wir tragen unser Kreuz, aber wir vertrauen weiterhin auf Gott. Und wir beten auch für alle unsere Wohltäter.

Beiträge zu diesem Thema

Ghana: Bau einer Dorfkapelle

Ghana: Bau einer Dorfkapelle

01.07.2020 hilfsprojekt
Algerien: Ein Auto für die Seelsorge

Algerien: Ein Auto für die Seelsorge

07.05.2018 hilfsprojekt