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Christenverfolgung

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Das gesamte Interview mit Thomas Heine-Geldern ist auf „Radio klassik Stephansdom“ am 26. Juli um 17.30 Uhr zu hören.

Das Christentum ist als die am meisten verfolgte Religion der Welt. Das betont der geschäftsführende Präsident des internationalen päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“, Thomas Heine-Geldern. Über 250 Millionen Christen leben demnach in Ländern, wo es Verfolgung und Diskriminierung gibt, „wo sie Bürger zweiter Klasse sind“, wie Heine-Geldern im Interview für die Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ und „Radio klassik Stephansdom“ betont. Religiöse Minderheiten seien häufig unterdrückt und „Christen sind in vielen Ländern eine solche“, erläutert der Jurist. Auch die Botschaft Jesu Christi werde oft in sich „als Ärgernis“ gesehen.

Die Aufgabe des international tätigen katholischen Hilfswerks sei es daher, Missstände rund um Religionsfreiheit aufzuzeigen, „nicht um den Graben zu vertiefen und Hass und Zwiespalt zu sehen, sondern um diesen Menschen eine Stimme zu verleihen“.

Thomas Heine-Geldern, internationaler geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT

„Kirche in Not“ legt alle zwei Jahre einen Bericht zur Religionsfreiheit weltweit vor, der über den Zustand der verfolgen Christen, aber auch anderer religiöser Minderheiten informiert. Heine-Geldern: „Es geht uns um das Menschenrecht Religionsfreiheit. Da geht es nicht nur um Unterstützung von Christen, sondern auch um Buddhisten, Hindus und Muslime, ob die in einem Land verfolgt oder diskriminiert werden.“

Die Erkenntnisse des rund 800-Seiten starken Berichts seien die Basis für Gespräche mit Politikern und Entscheidungsträgern, erläuterte Heine-Geldern. „Kirche in Not“ poche dabei auf die Forderung, dass „Religionsfreiheit, die Freiheit zur Ausübung einer Religion, oder zur Nichtausübung einer Religion ein fundamentales Menschenrecht ist, das geschützt werden muss“.

Zwar könnten Menschenrechte prinzipiell nur von staatlichen oder internationalen Organisationen geschützt werden, die kirchliche Stiftung könne jedoch hinweisen, „dass es ein absolut schützenswertes Gut ist und bleiben soll“.

Internationale Brennpunkte

Aktuelles Schwerpunktland von „Kirche in Not“ ist Pakistan. Dort machen die Christen zwar nur zwei Prozent der Bevölkerung aus, zählen aber wegen der hohen Bevölkerungszahl einige Millionen Menschen. Sie „stehen sie auf der Sozialstufe sehr weit unten und sind daher diskriminiert“. Speziell in der Zeit der Corona-Krise bringe dies negative Auswirkungen mit sich, so seien Christen etwa von den normalen Hilfestellungen des Staates ausgenommen. „Kirche in Not“ betreibt laut Heine-Geldern in Pakistan derzeit „Existenzhilfe“ für christliche Familien, „damit sie überleben“.

In anderen Ländern sei Hilfe wiederum unmöglich. Als Beispiel nannte der „Kirche in Not“-Chef den Iran. Dort dürften anerkannte christliche Minderheiten wie die Armenisch-apostolische Kirche ihre Religion zwar weitgehend ausüben, jedoch nicht missionieren. Pastorale Projekte seien darum nicht möglich.

Eine massive Verschlechterung der Situation für Christen nimmt Heine-Geldern aktuell in der Sahelzone Afrikas wahr. In Ländern wie Burkina Faso, Mali, Niger oder Nigeria schürten fremde islamistische Prediger Hass gegen Minderheiten. „Es kommt verstärkt zu Zwischenfällen, wo Christen Kollateralgeschädigte sind, weil es um die Zerstörung der Institutionen des Staates, der Schulen und des Gesundheitswesens geht.“ Und: „Immer mehr kommen die dort lebenden Christen aber auch ins Fadenkreuz der Banden.“

Das gesamte Interview mit Thomas Heine-Geldern ist auf „Radio klassik Stephansdom“ am 26. Juli um 17.30 Uhr zu hören.

Die Diözese Pjöngjang in der Hauptstadt Nordkoreas wird Unserer Lieben Frau von Fatima geweiht. Dies kündigte Andrew Kardinal Yeom Soo-jung , Erzbischof von Seoul, am 25. Juni bei einer Zeremonie zum Gedenken an den Beginn des Koreakrieges vor genau siebzig Jahren an, zu einem Zeitpunkt, da die Spannungen auf der Halbinsel wieder zunehmen.

Msgr. Yeom Soo-jung  sprach bei diesem Anlass über die Bedeutung von Frieden und Harmonie auf der koreanischen Halbinsel und erinnerte an die rund drei Millionen Toten des Krieges, der am 25. Juni 1950 ausbrach, sowie an die Tragödie der Flüchtlinge, das Drama der auseinandergerissenen Familien und die Verfolgung der Christen durch das nordkoreanische Regime.

Andrew Kardinal Yeom Soo-jung , Erzbischof von Seoul

Die Ankündigung der Weihe der Diözese Pjöngjang war der Höhepunkt der Eucharistiefeier in der Myeongdong-Kathedrale in Seoul, wo in diesem Jahr für die Versöhnung des koreanischen Volkes gebetet wurde.

Der Jahrestag des Kriegsbeginns fällt in eine Zeit besonderer Spannungen, da die Verantwortlichen des nordkoreanischen Regimes alle Kommunikationskanäle mit dem Süden abgeschnitten und am 16. Juni das Gebäude in Kaesong gesprengt haben, das den Delegationen der beiden Länder als Verbindungsbüro diente.

Tatsächlich befinden sich beide Länder technisch gesehen immer noch im Krieg, und das Regime in Pjöngjang droht kontinuierlich mit der Entwicklung neuer Massenvernichtungswaffen. Die Zunahme der Spannungen in den letzten Wochen schürt die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation und stellt einen tiefgreifenden Rückschritt auf dem Weg zur Versöhnung dar, der in den letzten Jahren zwischen den beiden Ländern eingeleitet worden ist und im April 2018 in der Erklärung von Panmunjom durch den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in und den nordkoreanischen Führer Kim Jong-un gipfelte.

Die katholische Kirche hat sich besonders für den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel eingesetzt. Als Zeichen dafür wird in Südkorea seit Dezember letzten Jahres und bis zum 28. November jeden Tag eine heilige Messe für den Frieden gefeiert. Startschuss für diese Initiative war die Plenarsitzung der südkoreanischen Bischofskonferenz im vergangenen November.

Der Koreakonflikt stellt eine der blutigsten Episoden des so genannten Kalten Krieges dar, in dem die Welt in zwei ideologische Blöcke geteilt war. Das Regime in Pjöngjang wurde hauptsächlich von China unterstützt, das Regime in Seoul hingegen von den Vereinigten Staaten. Die Kämpfe endeten 1953 mit einem Waffenstillstand; technisch gesehen befinden sich die beiden Länder immer noch im Krieg.

Neben der Gefahr eines militärischen Konflikts auf der koreanischen Halbinsel spaltet auch die Frage der Religionsfreiheit die beiden Länder. Laut dem jüngsten Bericht der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT über die Christenverfolgung, der im Oktober 2019 veröffentlicht wurde, „gilt Nordkorea allgemein als der gefährlichste Ort der Welt, um Christ zu sein“; das Praktizieren des christlichen Glaubens, der als „westlich“ gilt wird in diesem Land „streng bestraft“.

Nach Angaben des Hilfswerkes, Zeugenaussagen von Menschen, die aus Nordkorea geflohen sind, weisen darauf hin, dass Christen, die vom Regime entdeckt werden, „der Folter ausgesetzt sind“ und dass viele von ihnen zur Zwangsarbeit „in Lager geschickt“ werden, die in erster Linie für politische Gefangene bestimmt sind.

Dem Bericht von KIRCHE IN NOT zufolge könnte es „zwischen 50 000 und 70 000 Christen in diesen Lagern geben“, was etwa der Hälfte der Gefangenen entspräche. „Außergerichtliche Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Folter, Verfolgung, Hunger, Missbrauch, Zwangsabtreibungen und sexuelle Gewalt“ sind einige der Übergriffe, denen Christen ausgesetzt sind, wenn sie in das engmaschige Überwachungsnetz des nordkoreanischen Regimes geraten.

Die christliche Bevölkerung im Irak könnte verglichen mit den Zahlen vor der Invasion des „Islamischen Staates“ (IS) in den kommenden Jahren um 80 Prozent zurückgehen, sollte die internationale Gemeinschaft keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Das ist einer der Hauptbefunde einer englischsprachigen Studie, die das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ veröffentlicht hat. Sie trägt den Titel „Leben nach dem IS: Neue Herausforderungen für das Christentum im Irak“ und bündelt mehrere Umfragen, die das Hilfswerk im Jahr 2019 unter Christen in der irakischen Ninive-Ebene durchgeführt hat.

100 Prozent der Christen fühlen sich unsicher

Die Gegend im Nordirak ist jahrhundertealtes christliches Siedlungsgebiet. Der IS hatte im Zuge seiner Eroberungen im Jahr 2014 auch die Ninive-Ebene okkupiert. Weit über 100 000 Christen waren damals geflohen. Die Verfolgung der christlichen Minderheit wurde international als Völkermord eingestuft. Nach dem militärischen Sieg über den IS waren viele der vertriebenen Christen in ihre alte Heimat zurückgekehrt – mit durchaus zwiespältigen Gefühlen.

Christen in der Ninive-Ebene bei einem Friedensgebet.

Wie die Studie offenlegt, gaben 100 Prozent der Befragten an, sich aktuell in der Ninive-Ebene unsicher zu fühlen; 87 Prozent sogar „spürbar“ oder „deutlich“ unsicher. Hauptgründe seien gewalttätige Übergriffe lokaler Milizen sowie die Sorge vor einer Rückkehr der IS-Anhänger. Diese Bedrohung nennen 69 Prozent der befragten Christen als Hauptgrund, der sie über eine Auswanderung nachdenken lässt.

Die Christen in der Ninive-Ebene beklagen „Belästigungen und Einschüchterungen, oft in Verbindung mit Geldforderungen“ von Seiten der in der Region stationierten Milizen, so die Studie. Die größten dieser Gruppierungen sind die „Shabak-Miliz“ und die „Babylon-Brigade“. Da sie zum Sieg gegen den IS beigetragen haben, gibt ihnen die irakische Regierung weitgehende Handlungsfreiheit. Rund ein Viertel der befragten Christen berichtete, dass sie mit den Angehörigen einer Miliz oder einer anderen militärischen Gruppe bereits negative Erfahrungen gemacht habe.

Neben der mangelhaften Sicherheitslage nennen die Christen in der Studie als weitere Herausforderungen auch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung (70 Prozent), Korruption (51 Prozent) sowie religiöse Diskriminierung (39 Prozent).

Zerstörte Kirche St. Kiryakos in Batnaya.

„Klare und dringende Warnung“

„Der Bericht stellt eine klare und dringende Warnung dar“, erklärte der Leiter der Studie und Nahost-Referent von „Kirche in Not“, Dr. Andrzej Halemba. „Ohne abgestimmte und sofortige politische Aktion werden die Christen in der Ninive-Ebene und Umgebung ausgelöscht werden.“

Die bislang positive Entwicklung stehe auf dem Spiel: „Heute sind 45 Prozent der christlichen Familien wieder in ihrer alten Heimat, auch wenn teilweise nur einzelne Mitglieder zurückkehren konnten und viele Familien nach wie vor getrennt sind“, erklärte Halemba. In einer ersten Befragung von „Kirche in Not“ im Jahr 2016 hatten nur 3,3 Prozent der vertriebenen Christen die Hoffnung geäußert, wieder in ihre Städte und Dörfer in der Ninive-Ebene zurückkehren zu können. „Dass dieser Trend umgekehrt werden konnte, ist auf den langfristigen Wiederaufbauplan für die Ninive-Ebene zurückzuführen. Dieser Erfolg ist jetzt in Gefahr, wenn nicht bald etwas geschieht“, erklärte Halemba.

Zusammen mit anderen Organisationen und lokalen christlichen Kirchen hatte „Kirche in Not“ 2017 den Wiederaufbau gestartet. Seither konnten über ein Drittel der zerstörten Häuser in sechs Städten und Dörfern der Ninive-Ebene instandgesetzt werden. Das Aufbauprojekt geht nun in eine neue Phase: Auch rund 400 kirchliche Einrichtungen wie Kirchen, Gemeindehäuser und Kindergärten werden wieder aufgebaut. So sollen die karitative und pastorale Arbeit der Kirche gestärkt und weitere Anreize für den Verbleib der Christen gesetzt werden.

Christen am Wendepunkt

„Die Christen haben das Gefühl, an einem Wendepunkt zu stehen, was die Möglichkeiten für Bleiben angeht“, erklärte Halemba. Auf lokaler Ebene könne dies nicht allein bewältigt werden: „Es gibt Pläne und Initiativen, die bei einer regionalen, nationalen und internationalen Zusammenarbeit nicht nur durchführbar, sondern auch nachhaltig wären.“

Neben Maßnahmen, um die Wirtschaft anzukurbeln, müssten Christen auch auf politischer Ebene dauerhaft vertreten sein, „um die Verteidigung ihrer grundlegenden Menschenrechte, insbesondere das Recht auf Gleichbehandlung als irakische Staatsbürger“ zu gewährleisten, so der Nahost-Referent.

Die aktuelle Studie sei ein Weckruf an Christen und Politiker in aller Welt, erklärte auch Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich: „Wir haben alles uns Mögliche getan und werden mit Unterstützung unserer Wohltäter weiterhin alles tun, um die die christliche Präsenz im Irak zu erhalten. Aber den Christen und anderen Minderheiten Sicherheit und Gleichberechtigung zu geben, liegt nicht allein in unserer Hand. Jede Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, muss jetzt genutzt werden. Zukünftige Generationen sollten uns niemals vorhalten dürfen: Ihr habt zu wenig getan und zu spät gehandelt.“

Die Studie „Leben nach dem IS: Neue Herausforderungen für das Christentum im Irak“ umfasst 80 Seiten und ist in englischer Sprache verfasst. Sie kann …hier heruntergeladen und eingesehen werden.

Um den Christen in der Ninive-Ebene weiterhin beistehen und den Wiederaufbau sowie die pastorale und karitative Betreuung der Bevölkerung weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online …hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Irak

Als die Roten Khmer unter Pol Pot von 1975 bis 1979 in Kambodscha an der Macht waren, wurden über 1,7 Millionen Menschen getötet – vorrangig ethnische und religiöse Minderheiten. Seit 30 Jahren können die Menschen ihren Glauben wieder praktizieren.

„Eine ganz kleine Gruppe“ – so fasst der italienischstämmige Missionar Pater Luca Bolelli gegenüber KIRCHE IN NOT die kirchliche Situation in Kambodscha zusammen. Die Katholiken machten 0,15 Prozent der Bevölkerung aus – das sind rund 24 000 Menschen. 90 Prozent der Kambodschaner gehören dem Buddhismus an, der auch Staatsreligion ist.

Die katholische Kirche in Kambodscha hat einen Kreuzweg hinter sich. Das kommunistische Regime unter Pol Pot unterdrückte die Ausübung jeglicher Religion und traditioneller Riten. Damals wurden fast alle Kirchen zerstört; zahlreiche Priester und Ordensleute wurden hingerichtet. Die katholische Kirche verlor fast die Hälfte ihrer Mitglieder.

Heilige Messe in der Apostolischen Präfektur Kompong-Cham (Kambodscha), Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT

Langjähriger Bürgerkrieg

Im Jahr 1979 folgte auf den Krieg zwischen Kambodscha (damals Volksrepublik Kampuchea) und Vietnam ein Bürgerkrieg, der bis Ende 1990er-Jahre andauerte. Bis 1989 stand Kambodscha unter der Herrschaft der vietnamesischen Kommunisten. Sie verboten ebenfalls jede Form der Religionsausübung.

Nachdem auch dieses Regime gestürzt werden konnte, erkannte die Regierung Kambodschas die Christen offiziell an. Am 14. April 1990, konnte nach 15 Jahren Verfolgung erstmals wieder ein öffentlicher Gottesdienst gefeiert werden: Es war die Osternacht. Dieses Datum ist den Katholiken Kambodschas seither als Symbol ihrer Wiederauferstehung in Erinnerung geblieben.

Häuser auf Bambusflößen

Damals gab es nur noch 3000 katholische Christen im Land, unter ihnen eine ältere Frau. Sie war die einzige verbliebene Katholikin im „schwimmenden Dorf“ Prek-Toal. Es besteht aus Häusern, die auf Bambusflößen errichtet sind.

Seither versuchen sie, die Inhalte des Glaubens und der Lehre Jesu gerade auch für die Dorfbevölkerung zugänglich zu machen, berichtet Bischof Olivier Schmitthaeusler. Er stammt aus dem Elsass und ist heute Apostolischer Vikar in der Hauptstadt Phnom Penh.

„Als ich hier ankam, war gerade Weihnachten. Ich dachte, es wäre sinnvoll, die Weihnachtsgeschichte als Krippenspiel aufzuführen. Die Menschen waren begeistert. Damals begann, was ich Evangelisierung durch Kunst nenne.

Kirche auf einem Floß, Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT

„Evangelisierung durch Kunst”

Die Leute kommen zu unseren Aufführungen und Veranstaltungen. Viele von ihnen sind Buddhisten. Sie sehen, dass wir ihre Kultur respektieren. Schritt für Schritt können sie den Sinn des Evangeliums begreifen. Und wir können auf diese Weise nachempfinden, wie die Künste, die Evangelisierung und die Kultur zum gegenseitigen Verständnis beitragen.“

Dieses Vorgehen falle auf fruchtbaren Boden, dann viele Kamdodschaner hätten „die Kunst im Blut“, erklärt der Bischof: „Für alle Menschen hier ist es natürlich, zu singen und zu tanzen.“ Wichtig sei auch der Respekt gegenüber dem Buddhismus und den verschiedenen Landestraditionen, betont er.

Der Missionar Luca Bolelli bringt einer älteren Frau die Kommunion, Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT

Trotz dieser Aufbrüche sind die Narben von Terror und Verfolgung unter den Katholiken Kambodschas immer noch deutlich spürbar: Zahlreiche Kirchen wurden zerstört, andere entweiht. Pater Totet Banaynaz berichtet von einer Kirche, die im 19. Jahrhundert von französischen Missionaren errichtet worden war.

Auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen

Während des Pol-Pot-Regimes wurde sie als Kuhstall und später als Mühle genutzt. Jetzt wurde sie der katholischen Kirche zurückgegeben, „aber in dieser Kirche gibt es überhaupt nichts Heiliges mehr“, beklagt der Missionar.

Ohne externe Hilfe sei es unmöglich, dieses und andere Gotteshäuser zu renovieren. KIRCHE IN NOT unterstützt seit Langem die wiedererstandene Kirche Kambodschas.

Pater Banaynaz lädt alle Menschen ein, „die mit uns missionarisch tätig sein wollen“, sich an diesem Projekt zu beteiligen, denn: „Wir haben etwas, das wir ihnen geben können: das Beispiel unseres Lebens, unserer Einfachheit und unseres Leidens.

Meiner Gemeinde sage ich immer: Niemand ist so arm, dass er nichts geben kann. Und niemand ist so reich, dass er nichts entgegennehmen kann.“

Um das Überleben der Christen in Kambodscha weiterhin sichern zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – onlineonline oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Kambodscha

Am 6. April 1992 brach in der auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina ein Krieg aus, der erst am 21. November 1995 offiziell mit der Unterzeichnung des Abkommens von Dayton endete. Es war ein vorläufiger Friedensvertrag, durch den Bosnien zu einem Halbprotektorat der Vereinten Nationen wurde. Heute ist das Land zwischen drei ethnischen Gruppen aufgeteilt: den Bosniern, den Serben und den Kroaten. Obgleich sie auf dem Papier gleichberechtigt sind, treiben in Wirklichkeit bestehende Frustrationen gefährliche Fliehkräfte an: Die muslimischen Bosnier orientieren sich zunehmend an der Türkei und der islamischen Welt; die mehrheitlich orthodoxen Serben unterliegen dem Einfluss aus Russland, während die katholischen Kroaten, die kleinste der drei ethnischen Gruppen, sich Europa zuwenden. Ein zunehmender interner Konflikt gefährdet die Zukunft des Landes und verkompliziert seinen geplanten Beitritt zur EU.

Von 1992-1995 wütete ein brutaler Krieg in der kleinen, auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina. Schätzungen zufolge wurden dabei mindestens 100.000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben. Obwohl alle Kriegsparteien einen schrecklichen Preis zahlten, gab es eine Gruppe, die am meisten gelitten hat und bis heute leidet, nämlich die Minderheit der katholischen Kroaten. Noch heute sind viele kroatische Dörfer im Herzen Bosniens, die während des Krieges zerstört wurden, unbewohnt. Der kroatische Journalist Zvonimir Čilić berichtete dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT, dass alleine in seiner Heimatstadt Vitez 653 Menschen von bosnischen Muslimen getötet wurden, und dass dabei mehr als 460 Witwen und 600 Waisen und Halbwaisen zurückblieben – und all dies innerhalb von nur 316 Tagen.

Schätzungen zufolge wurden im Krieg mindestens 100 000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist. Diese salafistischen Extremisten lebten und leben nach wie vor verborgen in den Außenbezirken der städtischen Ballungsgebiete wie Sarajevo, Tuzla, Zenica und Bihac sowie in entlegenen Dörfern wie Dubnica, Ošve, Gornja Maoča oder Bočinje. Dort haben diese Extremisten sich versammelt und 22 sogenannten Para-Jamaats gebildet, deren Finanzierung bis heute von den Golfstaaten sichergestellt wird.

Auch als die Kroaten nach dem offiziellen Ende des Krieges begannen, in ihre Heimatsdörfer zurückzukehren, fielen sie noch Terroranschlägen marodierender islamistischer Extremisten zum Opfer. „Sieben Menschen aus unserer Gemeinschaft wurden 1997, 1998 und in den Jahren danach an ihren Arbeitsplätzen umgebracht, alles in der Absicht, die Vertriebenen von der Rückkehr in ihre Heimat abzuhalten”, stellt Zvonimir Čilić fest. Bis zum heutigen Tage wurde keiner der Täter, die die Terroranschläge gegen die katholischen Rückkehrer von Travnik begingen, vor Gericht gestellt.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist.

„Vor dem Krieg war Travnik ein guter Ort zum Leben. Es war ein Industriezentrum. Nach dem Krieg sieht es in Travnik komplett anders aus. Die Menschen haben keine Arbeit. Viele von ihnen wurden getötet, viele verloren ihre Häuser oder ihre Angehörigen. Diese Wunden sind immer noch nicht verheilt. Hier gibt es zerrissene Familien, Auswanderung, zerstörte Arbeitsstätten, und es mangelt an Arbeitsmöglichkeiten. Es gibt hier keine Zukunftsperspektiven, und die jungen Menschen ziehen fort”, erklärt Pater Željko Maric, Schulleiter der Peter Barbaric School.

Ein weiteres Problem ist die Diskriminierung katholischer Rückkehrer im zivilen und religiösen Leben: Während die islamischen Gemeinschaften ihre gesamten Besitztümer nach Kriegsende zurückerhalten haben, wurden trotz der positiven Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bis heute zahlreiche kirchliche Besitztümer immer noch nicht ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben. Das Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat und die hohe, in den Dörfern oftmals über 50 % liegende Arbeitslosigkeit, sind die maßgeblichen Gründe für eine massive Auswanderung der jungen katholischen Kroaten. Nach Angaben von Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo, verlassen jährlich bis zu 10 000 Katholiken Bosnien und Herzegowina. Die Hauptstadt Sarajevo mit ihrem einstmals angepriesenen multiethnischen Charakter war vor dem Krieg Heimat von 35 000 Kroaten; heute hat sich diese Zahl halbiert. Insgesamt sind nach inoffiziellen Angaben der katholischen Kirche in den vier Diözesen Bosnien und Herzegowinas nur noch 380 000 Katholiken im Land geblieben.

Eine Moschee gleich neben der Kirche in Sarajevo.

Auf der anderen Seite ist es in den letzten zehn Jahren zu einem rapiden Anstieg der Zahl der aus der Türkei oder den Golfstaaten nach Bosnien eingewanderten Muslime gekommen. In ganz Bosnien sind von arabischen Investoren gebaute Einkaufszentren sowie sogenannte arabische Zentren entstanden, und wenn die Bautätigkeit weiter fortschreitet, wird bald Wohnraum für 100 000 Menschen da sein. Nach den 2018 von der örtlichen islamischen Gemeinde veröffentlichten Daten, gibt es im Land 1 912 Moscheen, von denen 554 nach Kriegsende gebaut oder wiederaufgebaut wurden.  Anhand ihrer Architektur sind deutlich die Finanzmittel aus dem Ausland sowie die Expansionsbestrebungen neuer und konkurrierender Strömungen des Islam erkennbar: Konservative Glaubensströmungen des sunnitischen Islam, mehrheitlich aus Saudi-Arabien wetteifern mit dem schiitischen Islam aus dem Iran. Die König-Fahd-Moschee, die im Jahr 2000 von den Saudis erbaut wurde, ist das zweitgrößte muslimische Gotteshaus auf dem Balkan. Laut eines 2017 erstellten Berichtes des Europarates waren in den letzten zwanzig Jahren in Bosnien und Herzegowina 245 verschiedene arabische humanitäre Organisationen tätig, von denen einige die Förderung eines konservativen Islam im Land finanzieren.

Die Radikalisierung der lokalen muslimischen Bevölkerung hat nicht nur größere Besorgnis bezüglich der interreligiösen Harmonie, die in Bosnien seit jeher besteht, hervorgerufen, sondern auch Spannungen innerhalb des Islam verschärft. Die bosnischen Muslime lehnen die jüngste Einführung dieser fundamentalistischen Glaubensstränge ab und sind besorgt, dass diese das Verständnis des traditionellen bosnischen Islam verformen könnten, der lange Zeit für seine Toleranz und Akzeptanz der religiösen Vielfalt bekannt war. Professor Dzemaludin Latic von der Universität für Islamwissenschaften in Sarajevo erklärt: „Die saudische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Die iranische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Was die Saudis betrifft, haben sie kein Gefühl für die Multiethnizität, die es hier gibt. Und die Iraner haben keinen Sinn für unser Schicksal, weil sie das Schiitentum verbreiten. Das führt dazu, dass unsere Situation hier noch komplizierter wird.“

Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt.

Dr. Stipe Odak von der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften an der belgischen Universität Löwen erklärt, dass sowohl ein organisatorischer als auch ein ideologischer Kampf gegen die „importierten“ radikalen salafistischen Gruppen begonnen hat. Da sie nicht im Einklang mit dem islamischen Kanon stehen, sind sie vor die Wahl gestellt worden, sich entweder in die bestehende Organisation der bosnischen islamischen Gemeinschaft zu integrieren oder sich aufzulösen. Bisher erfolglos. Dr. Odak ist der Ansicht, dass die Verkomplizierung der Situation einen wirtschaftlichen Hintergrund hat: Die von den Golfstaaten finanzierten Para-Jamaats bieten denjenigen, die ihre Ideologie akzeptieren, wirtschaftliche Sicherheit. Die Idee einer arabischen Hochburg im Westen, die von ausländisch geförderten fundamentalistischen Ideologien angetrieben wird, ist besonders besorgniserregend vor dem Hintergrund, dass Bosnien-Herzegowina Mitglied in der NATO oder der Europäischen Union werden möchte.

Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt. Professor Dzemaludin Latic ist überzeugt: „Wir müssen über unsere eigenen Ängste sprechen. Die katholischen Kroaten müssen die Schmerzen und die Angst der Bosnier verstehen. Wir Bosnier müssen als Mehrheit die Gefühle dieser Kroaten nachempfinden, die das Land verlassen, und deren Zahl sich halbiert hat. Wir müssen erkennen, was uns erwartet, wenn wir allein bleiben, ohne die Unterstützung der Kroaten für diesen Staat. Was können wir erwarten?“  Eine offene Frage, auf die es 25 Jahre nach Kriegsende aufgrund der Diskriminierung der katholischen Minderheit und des unaufhaltsamen Wachstums des radikalen Islam, nur wenige optimistischen Antworten gibt.

KIRCHE IN NOT (ACN) startet Nothilfe für bedrängte Christen in Pakistan, die aufgrund der COVID-19-Folgen vom Hunger bedroht sind.

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hat sich das soziale Elend der christlichen Minderheit in Pakistan weiter verschärft. Um mehr als 5000 Familien, die bereits vor der Pandemie unterhalb der Armutsgrenze lebten und sich jetzt in einer verzweifelten Lage befinden, mit Nahrungsmittelhilfepaketen versorgen zu können, haben die Bischöfe der Diözesen von Faisalabad, Islamabad-Rāwalpindi und Lahore „Kirche in Not“ ein umfassendes Hilfsprogramm vorgelegt. Das internationale Hilfswerk wird dieses mit einer Starthilfe in Höhe von insgesamt 150.000 Euro unterstützen.

Nach offiziellen Angaben haben sich inzwischen 59 151 Personen mit dem Virus infiziert und 1225 gestorben (Stand 27. Mai). Am stärksten betroffen sind die Regionen Sindh und Punjab.

Christliche Familien leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Ausgangssperre und sie werden bei humanitären Hilfen benachteiligt.

Christen zählen zu den sozial Schwächsten in Pakistan

„Christen, die etwa zwei Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, zählen zu den sozial Schwächsten in Pakistan. Sie leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Ausgangssperre und den Einschränkungen, die seit Ende März im Land herrschen. Das Coronavirus hat ihnen das Stück Brot weggenommen, das sie hatten. In dieser Krise, in der sie auf engstem und überfülltem Raum mit wenigen Ressourcen leben müssen, können wir sie nicht einer grausamen Wahl zwischen Hunger oder Infektion überlassen“, betont Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not“.

Laut lokalen Berichten, über die „Kirche in Not“ vor kurzem informiert hat, haben sich einige NGOs in Pakistan sowie muslimische Führer geweigert, Christen und andere religiöse Minderheiten im Rahmen der COVID-19-Nothilfe zu unterstützen, obwohl diese zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Bevölkerungsgruppen gehören.

Arbeiter in einer Ziegelei in Faisalabad. Viele Christen arbeiten in diesem Bereich.

Minderheiten werden bei staatlichen Hilfsprogrammen ausgeschlossen

„Die auf staatlicher Ebene angebotenen Hilfsprogramme schließen religiöse Minderheiten zumeist aus; de facto sind sie Bürger zweiter Klasse, die staatliche Förderung nur selten in Anspruch nehmen können. Religiöse Diskriminierung in Pakistan ist nichts Neues, besorgniserregend ist allerdings, dass Minderheiten auch während dieser globalen Krise klar benachteiligt werden“, bedauert Heine-Geldern.

Viele Christen arbeiten als Tagelöhner, Hausangestellte, in Reinigungs- oder Küchendiensten, als Straßenverkäufer oder in der Ziegelproduktion. Sie sind Geringverdiener, die auf ihren Tageslohn angewiesen sind, um ihre Familie zu ernähren. „Alle diese Arbeitsbereiche sind von den Schließungen stark betroffen. Viele christliche Hausangestellte wurden etwa ohne Vorwarnung oder Entschädigung von den Familien entlassen, in denen sie jahrelang gearbeitet hatten, weil diese befürchteten, dass die Armen die Infektion in ihre Häuser bringen könnten“, so der geschäftsführende Präsident.

Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT

In Faisalabad beinhaltet das von „Kirche in Not“ unterstützte Nothilfeprogramm neben der Verteilung von Nahrungsmitteln auch eine Sensibilisierungskampagne, die Familien über Radio und digitale Medien informieren soll, wie man sich vor dem Virus schützen kann. Zudem ist laut dem internationalen geschäftsführenden Präsidenten von „Kirche in Not“, Dr. Thomas Heine-Geldern, geplant, in den Kirchen Masken an die Gläubigen zu verteilen sowie Priester, Katecheten, Diözesanpersonal und Freiwillige auszurüsten, um ihren persönlichen Schutz bei der Durchführung ihrer Seelsorge- und Sozialprogramme zu gewährleisten.

„Priorität unseres Hilfswerkes ist, Christen zu helfen, die unter Verfolgung und Diskriminierung leiden, und in Pakistan ist dies offensichtlich der Fall. Wir haben bereits Nothilfe über Mess-Stipendien zur Unterstützung von Priestern geleistet, aber das reicht nicht aus. Zwar haben wir nicht die Mittel, um alle Not zu lindern, aber wir glauben, dass es gut ist, dieses Zeichen der Solidarität zu setzen, und wir hoffen, dass andere Organisationen und viele Menschen guten Willens sich diesen Bemühungen anschließen werden, andernfalls sind Christen in Pakistan in ihrer Existenz bedroht“, warnt Heine-Geldern.

„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600

Verwendungszweck: Pakistan

In Pakistan häufen sich Vorfälle, bei denen Christen und andere religiöse Minderheiten bei der Verteilung von Schutzausrüstungen und humanitären Hilfen während der Corona-Pandemie benachteiligt werden. Dies berichtete Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Dem Leiter der katholischen Menschenrechtsorganisation zufolge gibt es zahlreiche Berichte, wonach islamische Organisationen und Moscheegemeinden Christen bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Nothilfen dezidiert zurückwiesen. Dies sei zum Beispiel in einem Dorf in der Nähe von Lahore der Fall gewesen. In einem anderen Dorf in der Provinz Punjab seien 100 christliche Familien von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen worden.

Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), bei einem Kongress von KIRCHE IN NOT.

Christen besonders von Ansteckung gefährdet

Es gebe auch Meldungen über Hilfspersonal, das Nichtmuslimen die Unterstützung verweigert habe mit dem Hinweis, dass es sich um Spenden aus der „Zakat“, der islamischen Armensteuer, handle. Chaudry zitierte einen Imam aus Lahore, der bei einer Predigt angekündigt habe: „Morgen früh werden Hilfsgüter an Notleidende verteilt, aber nur an Muslime.“

Dabei gehörten Christen und andere religiöse Minderheiten zu den besonders hilfsbedürftigen Gruppen der pakistanischen Gesellschaft, so der Menschenrechtler. Viele von ihnen lebten als Tagelöhner unter der Armutsgrenze; ihre Einkunftsmöglichkeiten seien durch die Pandemie weggebrochen. Auch seien sie besonders ansteckungsgefährdet, da sie zum Beispiel als Hausangestellte, in Ziegeleien oder bei der Müll- und Abwasserbeseitigung arbeiten, erklärte Chaudry: „Covid-19 kennt keine Grenzen – Jeder ist gefährdet, unabhängig von der Religion. Ist es also gerecht, Christen und anderen Minderheiten die Nothilfe zu verweigern?“

Arbeiter in einer Ziegelei in Faisalabad. Viele Christen arbeiten in diesem Bereich.

Religiöse Minderheiten in Entscheidungen einbeziehen

Der NCJP-Leiter rief die pakistanische Regierung auf, Schutzmaterialien für besonders gefährdete Berufsgruppen zur Verfügung zu stellen, unter denen auch viele Christen seien. Außerdem sollten die religiösen Minderheiten bei den Initiativen zur Pandemie-Bekämpfung hinzugezogen werden, so Chaudry: „Wir haben bislang keine Kenntnis über Initiativen, die Angehörige religiöser Minderheiten miteinbeziehen. Ihre Bedürfnisse dürfen nicht ignoriert werden.“

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spendenonline … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

„Der Herr des Lebens zeige den Menschen in Asien und Afrika seine Nähe, die schwere humanitäre Krisen durchmachen, wie etwa in der Region Cabo Delgado im Norden Mosambiks“, sagte Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft. Er ist einige der wenigen internationalen Persönlichkeiten, die sich öffentlich zur terroristischen Gewalt in dieser Provinz im Norden Mosambiks geäußert haben – eine Tragödie, von der viele Menschen nichts wissen.

Seit 2017 kommt es in der Region zu terroristischen Gräueltaten; Hintergründe und Urheber bleiben im Dunkeln. Maria Lozano vom internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ sprach mit Bischof Luiz Fernando Lisboa aus Pemba, das in der Provinz Cabo Delgado liegt, über die aktuelle Situation. Sie hat sich über die Ostertrage nochmals verschlimmert.

Der ausgebrannte Altarraum der Herz-Jesu-Kirche in Muambula nach einem Brandanschlag am Karfreitag 2020. © Kirche in Not

Kirche in Not: Vor ein paar Wochen haben Sie über Angriffe auf die Stadt Mocímboa da Praia im Norden Ihrer Diözese berichtet. Wie ist die Lage dort heute?

Bischof Luiz Fernando Lisboa: In den vergangenen Monaten wurden nicht nur Mocímboa da Praia, sondern auch in zwei anderen wichtigen Ortschaften Anschläge verübt. In Mocímboa da Praia ist die Lage zurzeit unter Kontrolle, aber leider hat es viele Plünderungen gegeben. Während der Angriffe sind viele Menschen aus der Stadt geflohen und haben im Wald Zuflucht gesucht. Einige Kriminelle haben dies ausgenutzt, um die Häuser zu plündern. Am 20. April wurde einer dieser Diebe gefasst und von der Bevölkerung gelyncht. Leider führt dieses Klima des Terrors zu Unsicherheit und zunehmender Kriminalität.

Am Karfreitag wurde die Missionsstation im Dorf Muambula angegriffen. Was ist dazu bekannt?

Die Angreifer überfielen die Kirche und steckten mehrere Kirchenbänke sowie das aus schwarzem Holz gefertigte Bildnis der Muttergottes in Brand. Sie zerstörten auch ein Bild des Heiligsten Herzens Jesu, dem die Pfarrei geweiht ist. Glücklicherweise konnten sie nicht die ganze Kirche in Brand stecken, sondern nur die Kirchenbänke.

War dies der erste Anschlag auf eine Kirche?

Es wurden bereits sechs Kapellen bereits angegriffen und niedergebrannt. Auch auf Moscheen wurden Brandanschläge verübt. Allerdings sind in jüngerer Zeit offensichtlich die christlichen Kirchen die Hauptziele.

Bischof Luiz Fernando Lisboa segnet Gläubige bei einem Pastoralbesuch. © Leandro Martins

Stimmt es, dass es in einem der Dörfer des Distrikts Muidumbe zu einem Massaker gekommen ist?

Ja, am 7. April in Xitaxi. Zu unserer großen Trauer wurden dort 52 junge Menschen niedergemetzelt, als sie sich weigerten, sich den Aufständischen anzuschließen. Für uns sind sie Märtyrer des Friedens, weil sie es abgelehnt haben, sich am Krieg zu beteiligen und deshalb ihr Leben verloren haben.

Warum ist Mosambik zum Schauplatz des islamistischen Terrors geworden?

Ich würde nicht behaupten, dass Mosambik ein Schauplatz des islamistischen Terrors ist. Die jüngsten Anschläge sind vermeintlich vom sogenannten „Islamischen Staat“ verübt worden, aber es bestehen weiterhin Zweifel daran. Einige meinen, dass eine lokale Gruppe dafür verantwortlich ist, die den Namen des Islamischen Staates benutzt. Wir wissen auch nicht, was hinter all dem steckt, glauben aber, dass es um natürliche Ressourcen geht.

Aber sind die Beteiligten an diesen Terrorakten überall dieselben? Woher kommen sie?

Wir haben bemerkt, dass die Terroristen in der Vergangenheit nur einen Anschlag an je einem Ort verübt haben. Nun sind sie dazu übergegangen, mehrere Angriffe gleichzeitig durchzuführen. Viele Berichte besagen, dass ein Teil von ihnen Mosambikaner sind und die anderen aus Tansania und anderen Ländern kommen.

Haben die Anschläge eine religiöse Komponente?

Von Anfang an haben sich die muslimischen Führer von den Anschlägen distanziert. Sie haben erklärt, mit all dem nichts zu tun zu haben. Sie wollen keine Gewalt. Sowohl in Cabo Delgado als auch im übrigen Mosambik haben wir nie Probleme zwischen den Religionen gehabt. Wir haben viele gemeinsame Aktivitäten unternommen: Gebete, Erklärungen und Märsche für den Frieden.

Was unternimmt die Regierung in Mosambik, um die Situation zu entschärfen?

Sie hat verstärkt Verteidigungskräfte entsandt. Allerdings gibt es darunter viele junge Leute, die dort aus reiner Pflicht sind. Wenn es dann zu einem Angriff kommt, desertieren viele. Sie sind schlecht auf den Kampf vorbereitet und kaum in der Lage, mit dieser Situation umzugehen. Ich empfinde schreckliches Mitleid mit den jungen Menschen, denn viele haben bereits ihr Leben verloren.

In seiner Osterbotschaft hat der Heilige Vater über Mosambik gesprochen. Er ist eine der wenigen Stimmen, die das Schweigen brechen.

Es war für uns sehr wichtig, dass der Papst die humanitäre Krise in Cabo Delgado angesprochen hat, weil es hier eine Art „Verschwiegenheitsgesetz“ gibt.

Was meinen Sie damit?

Die Lage ist sehr ernst, weil nicht frei gesprochen werden kann. Einige Journalisten wurden verhaftet; bei vielen Reportern wurden die Kameras konfisziert. Es ist wichtig, dass bekannt wird, was vor sich geht, und dass internationale Organisationen tätig werden. Die Menschen hier haben sehr viel gelitten; es gibt Hunderte von Toten. In unserer Provinz haben wir mehr als 200 000  Vertriebene. Es ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Die Menschen hier haben sehr wenig, und das Wenige, das sie haben, geht durch diesen Krieg verloren.

„Kirche in Not“ unterstützt die schwierige Mission der Kirche in Mosambik. Das Hilfswerk fördert zum Beispiel die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten, finanziert Fahrzeuge für die Seelsorge, fördert den Bau und die Renovierung von Kirchen und unterstützt die kirchliche Friedensarbeit. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

Um auf das Schicksal von Millionen verfolgter und bedrohter  Christen weltweit aufmerksam zu machen, wurden im Rahmen der weltweiten Aktion „Red Wednesday“ in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern berühmte, öffentliche Gebäude und Kirchen blutrot angestrahlt.

Die Events in diesem Jahr finden auf vier Kontinenten statt.  Den Anfang machte Australien mit der Illuminierung von sieben Kathedralen, darunter der Kathedralen von Sydney und Melbourne. Der Höhepunkt wird der 27. November sein, wenn Tausende Gebäude in London, Amsterdam, Lissabon, Prag und Washington D.C. am sogenannten Red Wednesday (Roten Mittwoch) teilnehmen.

An diesem Tag werden 120 Gebäude im Vereinigten Königreich rot angestrahlt, darunter dreizehn Kathedralen. Auf den Philippinen werden mehr als 2050 Pfarrkirchen in 68 Diözesen illuminiert. Dieses Jahr wird diese Initiative erstmalig auch Budapest erreichen, wo die Kettenbrücke und die Statue des heiligen Gerhard (ung. Gellért), des ersten Märtyrers Ungarns, rot beleuchtet werden.

In den vergangenen Jahren waren das Kolosseum in Rom, die Westminster Abbey in London, die Christusstatue „Cristo Redentor“ in Rio de Janeiro, die Sagrada Familia in Barcelona und viele weitere Sehenswürdigkeiten Protagonisten der Initiative.

Erstmals wird diese Aktion auch in Österreich von „Kirche in Not“ durchgeführt. So wird am 27. November 2019 die Süd-Seite des Stephansdomes angestrahlt.  Zusätzlich haben sich schon dutzende Kirchen österreichweit angemeldet.

Rund 200 Millionen Christen in aller Welt leben in einem Umfeld, in dem sie gewaltsam verfolgt, diskriminiert oder an der freien Ausübung ihres Glaubens gehindert werden.

Bei der Pressekonferenz am 26. November 2019 berichteten führende Vertreter aus Politik und Kirche über diese Aktion. Auf dem Foto v.l.n.r. Dr. Thomas Heine Geldern (Internationaler Präsident von KIRCHE IN NOT), Prof. Dr. Ikenna Okafor (Seelsorger in der Pfarre Lassee und Professor für Interkulturelle Theologie an der Kath. Theolog. Fakultät in Wien), Dr. Gudrun Kugler (Nationalabgeordnete und Menschrechtssprecherin des ÖVP-Klus), Herbert Rechberger (Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT – Österreich)

Dr. Gudrun Kugler, Nationalabgeordnete und Menschrechtssprecherin des ÖVP-Klubs betonte in ihrem Statement: „Übergriffe auf Christen gehören tragischerweise in vielen Ländern bereits zum Tagesgeschehen – von Diskriminierung bis zur Vertreibung und Ermordung. Dennoch sprechen wir kaum bis gar nicht darüber. Wir brauchen ein deutliches Aufstehen der Öffentlichkeit, damit die Gewalt gegen Christen endlich ein Ende hat. Europa darf nicht länger tatenlos zusehen.“

Prof. Dr. Ikenna Okafor, ein Priester aus Nigeria, Seelsorger in der Pfarre Lassee und Professor für Interkulturelle Theologie an der Kath. Theolog. Fakultät in Wien berichtete u.a. dass „die  Christenverfolgung in Nigeria schon sehr früh begonnen hat, noch bevor die islamistische Sekte ´Boko Haram´ im Land war“.

Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not-International“  stellte klar, dass „allen Glaubensgemeinschaften regelmäßig Gewalt widerfährt. Doch internationale Berichte zur Religionsfreiheit bestätigen leider immer wieder, dass Christen am stärksten verfolgt werden. Eine wesentliche Aufgabe von KIRCHE IN NOT ist es, der schweigenden und zum Schweigen gebrachten Kirche eine Stimme zu verleihen“.

KIRCHE IN NOT setzt sich schon seit Jahrzehnten für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung ein. Alle 2 Jahre erscheint der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“. Er ist eine umfassende Dokumentation über die Bedrohung der Religionsfreiheit heute und gibt einen detaillierten Einblick (in allen 196 Ländern der Welt) in die verschiedensten Verstöße gegen das Menschenrecht Religionsfreiheit und berücksichtigt dabei alle Religionen. Mehr unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

Zusätzlich erscheint auch alle 2 Jahre der Bericht „Verfolgt und vergessen?“. Dieser analysiert die Bedrohungen, denen Christen ausgesetzt sind, und die Gründe dafür. In Anbetracht der hohen Anzahl der Betroffenen, der Schwere der verübten Taten und ihrer Auswirkung sind Christen nicht nur stärker verfolgt als jede andere Gruppe, sondern eine immer weiter zunehmende Zahl von Gläubigen erleidet die schlimmsten Formen der Verfolgung. Zum Bericht …hier 

Nach dem schweren Anschlag auf die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Santiago de Chile am Freitag, den 8. November traf sich der Pfarrer Pedro Narbona mit seinen Gemeindemitgliedern, um zu beten und um die Kirche zu reinigen. Einige von ihnen konnten die Tränen nicht zurückhalten. Pfarrer Pedro Narbona versuchte, die Gläubigen zu trösten: „Eine Kirche wird nicht so sehr mit physischem Material, mit Baumaterial errichtet, sondern vielmehr mit lebendigen Steinen, mit jedem einzelnen von uns. Wir sind lebendiger Stein, und das ist das Wichtigste.“ Darüber hinaus bat er die Anwesenden darum, „nicht in einen Teufelskreis des Hasses zu geraten, der die Seelen vergiften kann.“

Am Sonntag wurde auch eine einfache Sühneandacht gefeiert, bei der die Gläubigen das beschädigte und entweihte Kruzifix küssen konnten. Es wurden auch Muttergottes-Lieder gesungen, denn ihr ist in Chile der Monat November gewidmet.

Im Zuge der Proteste und gewalttätigen Demonstrationen, die derzeit das Land erschüttern wurde die Kirche am 8. November von Vermummten angegriffen. Sie warfen Kirchenbänke und Heiligenbilder auf die Straße, zerstörten sie und setzten sie in Brand. Sie malten auch Graffiti und Beleidigungen an die Innenwände der Kirche.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Anschlag auf eine katholische Kirche verübt wurde. Pfarrer Narbona, der ebenfalls geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT in Chile ist, berichtete im Gespräch mit der Stiftung, es sei bereits am Freitag, den 1. November versucht worden, die Kirche in Brand zu setzen. Damals sei es aber gelungen, die Feuerwehr zu rufen. Auch die Fassade einer anderen Pfarrei, die Pater Pedro in der Innenstadt von Santiago betreut, der Pfarrkirche Vera Cruz, sei eine Woche vorher beschädigt worden. Außerhalb der Hauptstadt kam es Ende Oktober zu zwei aufeinander folgenden Anschlägen auf die Kathedrale von Valparaíso sowie zu einem weiteren Anschlag auf die Gemeinde Santa Teresa de Los Andes, in Villa Alfredo Lorca, Punta Arenas.

„Voll Sorge schauen wir auf das Ausmaß der Gewalt in diesen Tagen, die sich auch gegen die Kirche richtet. Heute haben wir erneut die Plünderung einer Pfarrei erleben müssen. Als Stiftung KIRCHE IN NOT trifft uns diese Gewalt besonders“, sagte direkt nach den Attacken Maria Covarrubias, Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile.

„In diesen schwierigen Zeiten bitten wir Sie, für unseren geistlichen Assistenten, für seine Gemeinde, für den Frieden in unserem Land und dafür zu beten, dass Gott die Herzen derer bekehren möge, die diese bedauerlichen Taten begangen haben“, so der Appell der Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile an die Wohltäter der Stiftung in aller Welt.

Der Apostolische Administrator von Santiago de Chile, Msgr. Celestino Aós, brachte seine Solidarität mit Pfarrer Narbona sowie seine Ablehnung der Plünderung der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in einer Videobotschaft zum Ausdruck, die auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese veröffentlicht wurde: „Lieber Herr Pfarrer, liebe Gläubigen der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, wir versichern Euch unserer Nähe und Solidarität in Eurem Schmerz. Euch allen, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, sage ich mit dem Apostel Paulus: Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“

Er rief außerdem zum Frieden auf: „Mit aller Kraft rufen wir wir unsere Schwestern und Brüder, unsere Landsleute, dazu auf, jegliche Gewalt einzustellen. Mögen diejenigen, die betrügen, indem sie an die scheinbare Wirksamkeit und den Triumph der Gewalt glauben, den Weg des Dialogs und der Suche nach Lösungen für die bestehenden Probleme einschlagen und ihre eigenen Visionen einbringen.“

Bei einem bewaffneten und vermutlich gezielten Überfall auf ein Auto eines Priesters sind am vergangenen Montag in Syrien der Geistliche und dessen mitgereister Vater getötet worden. Ein weiterer Mitfahrer wurde verletzt, einem vierten Insassen gelang die Flucht.

Wie der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, gegenüber dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtete, waren die vier Männer auf dem Weg nach Deir ez-Zor, rund 350 Kilometer östlich von Aleppo, um dort die Baustellen von Häusern und der Kirche besuchen, die zurzeit wiederaufgebaut werden. Kurz vor ihrem Ziel seien die Reisenden von zwei bewaffneten Personen auf einem Motorrad überholt worden, die sofort das Feuer eröffnet hätten. Pfarrer Hovsep Hanna Bedoyan (43) wurde so schwer verletzt, dass er auf dem Weg zum Krankenhaus starb. Sein Vater war sofort tot.

Die Untersuchungen des Vorfalls seien noch im Gange. Daher wisse man noch nicht, wer sie getötet habe, auch wenn sich offenbar der IS zu dem Überfall bekannt habe, so der Erzbischof. „Sicher ist, dass Pfarrer Hovsep einen Priesterkragen trug und daher erkennbar war, ebenso sein Auto, das auf dem Heck die Aufschrift ,Armenisch-katholische Kirche‘ trug.“

So könne man davon ausgehen, dass der Geistliche wegen seines Priesteramts und aufgrund seines Beitrags zur Wiederherstellung der christlichen Präsenz in Deir ez-Zor getötet worden sei, vermutet Erzbischof Marayati. Die Stadt im Osten Syriens ist seit Beginn des Krieges besonders umkämpft. Der IS eroberte Deir ez-Zor im Jahr 2014, erst drei Jahre später konnten syrische Streitkräfte die IS-Kämpfer vertreiben.

Der armenisch-katholische Priester Hovsep Hanna Bedoyan wurde in der Stadt Kamischli (Qamishli) im Nordosten Syriens beigesetzt. Die Stadt liegt in der Grenzregion zur Türkei und zum Irak. Hier komme es aufgrund der Kämpfe zwischen Türken und Kurden derzeit zu schweren Spannungen, sagt Erzbischof Marayati. „Die Situation ist chaotisch. Es sind Türken, Kurden, Amerikaner und Russen vor Ort. Die Christen haben große Angst, und bei jedem Gewaltausbruch entscheiden sich viele Familien für eine Auswanderung.“ Vor dem Krieg hätten 5000 armenische Katholiken in der Stadt gelebt, heute seien es nur noch rund 2000. Von den einstmals fünf Kirchen seien nur noch zwei geöffnet.

Erzbischof Marayati appellierte im Gespräch mit „Kirche in Not“ an die internationale Gemeinschaft: „Wir bitten nur darum, dass dieser Krieg aufhört. Aber das kann nicht geschehen, wenn Sie weiterhin den Terroristen helfen und Waffen nach Syrien schicken.“ An die Christen in der Welt gewandt sagte er: „Ich bitte Sie: Beten Sie für uns und unser Volk! Wir durchleben eine extrem schwierige Zeit.“

Christenverfolgung: Der Countdown bis zum Ende des Christentums in Teilen des Nahen Osten tickt immer lauter – und kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt handelt. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht „Verfolgt und vergessen?“ von „Kirche in Not“. Er wurde vom britischen Nationalbüro des weltweiten päpstlichen Hilfswerks erstellt und liegt nun in deutscher Übersetzung vor.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von 2017 bis 2019 und stellt die Entwicklung der Christenverfolgung in zahlreichen Weltregionen vor. Was die Entwicklung für die einzelnen Christen bedeutet, wird anhand zahlreicher Fallbeispiele und kurzer Länderberichte illustriert.

Zahl der Christen im Irak um bis zu 90 Prozent gesunken

Ein zentraler Befund von „Verfolgt und Vergessen?“: In den Ländern des Nahen Ostens ist nach dem militärischen Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ der Völkermord an Christen und anderen Minderheiten gestoppt. Allerdings hält der Exodus der Christen aus der Region weiterhin an – die Angst vor einem Wiederaufflammen des Terrors ist zu groß. Die jüngsten Meldungen aus dem Nordosten Syriens zeigen, wie real diese Angst ist.

Vor dem Jahr 2003 gab es im Irak noch rund 1,5 Millionen Christen. Bis Mitte 2019 ist die Zahl auf deutlich unter 150 000 gefallen – ein Rückgang von bis zu 90 Prozent innerhalb nur einer Generation. Auch in Syrien ist die Anzahl der Christen seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 um zwei Drittel zurückgegangen.

Mehr Aufmerksamkeit, aber Hilfen stocken

Der Bericht von „Kirche in Not“ hebt hervor, dass die Weltöffentlichkeit in den vergangenen Jahren dem Thema Christenverfolgung mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ursachen waren neben dem Genozid im Irak unter anderem das Schicksal von Asia Bibi in Pakistan. Die Christin war wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt und nach Jahren der Einzelhaft im Oktober 2018 freigesprochen worden.

Die für Christen wie andere religiöse Minderheiten erforderlichen Hilfen wurden von der internationalen Gemeinschaft jedoch zu wenig gewährt, so der Bericht. Für den Wiederaufbau im Irak seien zum Beispiel von den USA umfangreiche Mittel zugesagt worden, die Auszahlung jedoch stockte. „Kirche in Not“ und weitere Organisationen setzen sich für die Wiederbesiedelung christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene ein. Dort ist mittlerweile rund die Hälfte der ehemaligen Bewohner zurückgekehrt.

Asien ist neuer „Hotspot“ der Christenverfolgung

„Verfolgt und Vergessen?“ arbeitet ebenfalls heraus, dass sich in zahlreichen asiatischen Ländern die Situation für Christen und anderer religiöse Minderheiten deutlich verschärft hat. Die Anschläge am Ostersonntag auf Sri Lanka mit über 250 Toten und mehr als 500 Verletzen haben dies gezeigt.

Neben islamistischen Gruppen sind ein zunehmender Nationalismus und autoritäre Regime für das gewaltsame Vorgehen gegenüber Christen verantwortlich. In Indien sind allein 2017 über 450 antichristliche Überfälle gemeldet worden, die meist auf das Konto von nationalistischen Hindus gehen. Auch in China hat sich trotz eines vorläufigen Übereinkommens mit dem Vatikan Lage für Gläubige verschärft. Die kommunistische Regierung geht rigoros gegen religiöse Aktivitäten vor, die nicht staatlich genehmigt sind.

In Afrika geht Verfolgung auch von Regierungen aus

Die meisten verfolgten Christen leben auf dem afrikanischen Kontinent, so der Bericht von „Kirche in Not“. In Nigeria hält der Terror von Boko Haram weiter an, auch spielten im Landkonflikt mit mehrheitlich muslimischen Fulani-Nomaden religiöse Gewalt eine zunehmende Rolle. So seien allein in Nigeria im Jahr 2018 über 3700 Christen getötet worden, ermittelt der Bericht.

In anderen Teilen Afrikas geht die Bedrohung für Christen vom Staat aus: So hat das Regime in Eritrea im Sommer 2019 die verbleibenden Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft geschlossen. Im Sudan habe die Regierung zahlreiche Kirchen angreifen und niederbrennen lassen.

„Wir haben es in der Hand“

„Der neue Bericht ,Verfolgt und vergessen῾ zeigt einmal mehr: Die Lage für Christen weltweit ist ernst. Die Verletzungen des Grundrechts auf Religionsfreiheit nehmen weiter zu“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich.

„Der Bericht zeigt auch: Proteste und tatkräftige Hilfe machen einen Unterschied für verfolgte Christen“, sagte Rechberger weiter. „Wir haben es in der Hand, in welchem Maße verfolgte Christen Hilfe erfahren. Deshalb wird sich ,Kirche in Not῾ weiterhin mit aller Energie für sie einsetzen.“

Der illustrierte Bericht zur Christenverfolgung „Verfolgt und vergessen?“ umfasst 51 Seiten im Format DIN A5. Er ist bei „Kirche in Not“ bestellbar:

KIRCHE IN NOT
Telefon: 01 / 405 25 53
E-Mail: kin@kircheinnot.at

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