Am 6. April 1992 brach in der auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina ein Krieg aus, der erst am 21. November 1995 offiziell mit der Unterzeichnung des Abkommens von Dayton endete. Es war ein vorläufiger Friedensvertrag, durch den Bosnien zu einem Halbprotektorat der Vereinten Nationen wurde. Heute ist das Land zwischen drei ethnischen Gruppen aufgeteilt: den Bosniern, den Serben und den Kroaten. Obgleich sie auf dem Papier gleichberechtigt sind, treiben in Wirklichkeit bestehende Frustrationen gefährliche Fliehkräfte an: Die muslimischen Bosnier orientieren sich zunehmend an der Türkei und der islamischen Welt; die mehrheitlich orthodoxen Serben unterliegen dem Einfluss aus Russland, während die katholischen Kroaten, die kleinste der drei ethnischen Gruppen, sich Europa zuwenden. Ein zunehmender interner Konflikt gefährdet die Zukunft des Landes und verkompliziert seinen geplanten Beitritt zur EU.
Von 1992-1995 wütete ein brutaler Krieg in der kleinen, auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina. Schätzungen zufolge wurden dabei mindestens 100.000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben. Obwohl alle Kriegsparteien einen schrecklichen Preis zahlten, gab es eine Gruppe, die am meisten gelitten hat und bis heute leidet, nämlich die Minderheit der katholischen Kroaten. Noch heute sind viele kroatische Dörfer im Herzen Bosniens, die während des Krieges zerstört wurden, unbewohnt. Der kroatische Journalist Zvonimir Čilić berichtete dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT, dass alleine in seiner Heimatstadt Vitez 653 Menschen von bosnischen Muslimen getötet wurden, und dass dabei mehr als 460 Witwen und 600 Waisen und Halbwaisen zurückblieben – und all dies innerhalb von nur 316 Tagen.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist. Diese salafistischen Extremisten lebten und leben nach wie vor verborgen in den Außenbezirken der städtischen Ballungsgebiete wie Sarajevo, Tuzla, Zenica und Bihac sowie in entlegenen Dörfern wie Dubnica, Ošve, Gornja Maoča oder Bočinje. Dort haben diese Extremisten sich versammelt und 22 sogenannten Para-Jamaats gebildet, deren Finanzierung bis heute von den Golfstaaten sichergestellt wird.
Auch als die Kroaten nach dem offiziellen Ende des Krieges begannen, in ihre Heimatsdörfer zurückzukehren, fielen sie noch Terroranschlägen marodierender islamistischer Extremisten zum Opfer. „Sieben Menschen aus unserer Gemeinschaft wurden 1997, 1998 und in den Jahren danach an ihren Arbeitsplätzen umgebracht, alles in der Absicht, die Vertriebenen von der Rückkehr in ihre Heimat abzuhalten”, stellt Zvonimir Čilić fest. Bis zum heutigen Tage wurde keiner der Täter, die die Terroranschläge gegen die katholischen Rückkehrer von Travnik begingen, vor Gericht gestellt.

„Vor dem Krieg war Travnik ein guter Ort zum Leben. Es war ein Industriezentrum. Nach dem Krieg sieht es in Travnik komplett anders aus. Die Menschen haben keine Arbeit. Viele von ihnen wurden getötet, viele verloren ihre Häuser oder ihre Angehörigen. Diese Wunden sind immer noch nicht verheilt. Hier gibt es zerrissene Familien, Auswanderung, zerstörte Arbeitsstätten, und es mangelt an Arbeitsmöglichkeiten. Es gibt hier keine Zukunftsperspektiven, und die jungen Menschen ziehen fort”, erklärt Pater Željko Maric, Schulleiter der Peter Barbaric School.
Ein weiteres Problem ist die Diskriminierung katholischer Rückkehrer im zivilen und religiösen Leben: Während die islamischen Gemeinschaften ihre gesamten Besitztümer nach Kriegsende zurückerhalten haben, wurden trotz der positiven Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bis heute zahlreiche kirchliche Besitztümer immer noch nicht ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben. Das Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat und die hohe, in den Dörfern oftmals über 50 % liegende Arbeitslosigkeit, sind die maßgeblichen Gründe für eine massive Auswanderung der jungen katholischen Kroaten. Nach Angaben von Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo, verlassen jährlich bis zu 10 000 Katholiken Bosnien und Herzegowina. Die Hauptstadt Sarajevo mit ihrem einstmals angepriesenen multiethnischen Charakter war vor dem Krieg Heimat von 35 000 Kroaten; heute hat sich diese Zahl halbiert. Insgesamt sind nach inoffiziellen Angaben der katholischen Kirche in den vier Diözesen Bosnien und Herzegowinas nur noch 380 000 Katholiken im Land geblieben.

Auf der anderen Seite ist es in den letzten zehn Jahren zu einem rapiden Anstieg der Zahl der aus der Türkei oder den Golfstaaten nach Bosnien eingewanderten Muslime gekommen. In ganz Bosnien sind von arabischen Investoren gebaute Einkaufszentren sowie sogenannte arabische Zentren entstanden, und wenn die Bautätigkeit weiter fortschreitet, wird bald Wohnraum für 100 000 Menschen da sein. Nach den 2018 von der örtlichen islamischen Gemeinde veröffentlichten Daten, gibt es im Land 1 912 Moscheen, von denen 554 nach Kriegsende gebaut oder wiederaufgebaut wurden. Anhand ihrer Architektur sind deutlich die Finanzmittel aus dem Ausland sowie die Expansionsbestrebungen neuer und konkurrierender Strömungen des Islam erkennbar: Konservative Glaubensströmungen des sunnitischen Islam, mehrheitlich aus Saudi-Arabien wetteifern mit dem schiitischen Islam aus dem Iran. Die König-Fahd-Moschee, die im Jahr 2000 von den Saudis erbaut wurde, ist das zweitgrößte muslimische Gotteshaus auf dem Balkan. Laut eines 2017 erstellten Berichtes des Europarates waren in den letzten zwanzig Jahren in Bosnien und Herzegowina 245 verschiedene arabische humanitäre Organisationen tätig, von denen einige die Förderung eines konservativen Islam im Land finanzieren.
Die Radikalisierung der lokalen muslimischen Bevölkerung hat nicht nur größere Besorgnis bezüglich der interreligiösen Harmonie, die in Bosnien seit jeher besteht, hervorgerufen, sondern auch Spannungen innerhalb des Islam verschärft. Die bosnischen Muslime lehnen die jüngste Einführung dieser fundamentalistischen Glaubensstränge ab und sind besorgt, dass diese das Verständnis des traditionellen bosnischen Islam verformen könnten, der lange Zeit für seine Toleranz und Akzeptanz der religiösen Vielfalt bekannt war. Professor Dzemaludin Latic von der Universität für Islamwissenschaften in Sarajevo erklärt: „Die saudische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Die iranische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Was die Saudis betrifft, haben sie kein Gefühl für die Multiethnizität, die es hier gibt. Und die Iraner haben keinen Sinn für unser Schicksal, weil sie das Schiitentum verbreiten. Das führt dazu, dass unsere Situation hier noch komplizierter wird.“

Dr. Stipe Odak von der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften an der belgischen Universität Löwen erklärt, dass sowohl ein organisatorischer als auch ein ideologischer Kampf gegen die „importierten“ radikalen salafistischen Gruppen begonnen hat. Da sie nicht im Einklang mit dem islamischen Kanon stehen, sind sie vor die Wahl gestellt worden, sich entweder in die bestehende Organisation der bosnischen islamischen Gemeinschaft zu integrieren oder sich aufzulösen. Bisher erfolglos. Dr. Odak ist der Ansicht, dass die Verkomplizierung der Situation einen wirtschaftlichen Hintergrund hat: Die von den Golfstaaten finanzierten Para-Jamaats bieten denjenigen, die ihre Ideologie akzeptieren, wirtschaftliche Sicherheit. Die Idee einer arabischen Hochburg im Westen, die von ausländisch geförderten fundamentalistischen Ideologien angetrieben wird, ist besonders besorgniserregend vor dem Hintergrund, dass Bosnien-Herzegowina Mitglied in der NATO oder der Europäischen Union werden möchte.
Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt. Professor Dzemaludin Latic ist überzeugt: „Wir müssen über unsere eigenen Ängste sprechen. Die katholischen Kroaten müssen die Schmerzen und die Angst der Bosnier verstehen. Wir Bosnier müssen als Mehrheit die Gefühle dieser Kroaten nachempfinden, die das Land verlassen, und deren Zahl sich halbiert hat. Wir müssen erkennen, was uns erwartet, wenn wir allein bleiben, ohne die Unterstützung der Kroaten für diesen Staat. Was können wir erwarten?“ Eine offene Frage, auf die es 25 Jahre nach Kriegsende aufgrund der Diskriminierung der katholischen Minderheit und des unaufhaltsamen Wachstums des radikalen Islam, nur wenige optimistischen Antworten gibt.
Die Lage hat sich zwar etwas beruhigt, doch ist die Gefahr durch die COVID19-Pandemie nicht verschwunden. In den mittel- und osteuropäischen Ländern sind die offiziellen Zahlen der Infizierten relativ gering, aber die tatsächlichen Zahlen liegen wesentlich höher, da diese Länder keinen Zugang zu zuverlässigen Tests haben. In der Ukraine ist das Gesundheitssystem sehr schlecht ausgestattet; die Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, müssen meistens ihre Medikamente, notwendiges Verbandsmaterial und medizinische Grundausrüstung selbst mitbringen.
Priester halten weiterhin einen pastoralen Notdienst aufrecht, halten Beerdigungen, besuchen kranke und ältere Menschen, nehmen die Beichte ab und spenden die Krankensalbung. Damit werden sie folglich zur nächsthöheren Risikogruppe nach den Ärzten und dem Pflegepersonal. In der Ukraine wurden sieben Priester auf COVID-19 positiv getestet. Einer starb im Alter von 55 Jahren.

Bei den Ostergottesdiensten in den Kirchen selbst waren nur 2 % der Gläubigen dabei. Die übrigen nahmen über soziale Netzwerke an der Liturgie teil. Zurzeit ist die Teilnahme an der heiligen Messe auf zehn Gläubige beschränkt. Obwohl die katholische Kirche des lateinischen wie des griechisch-katholischen Ritus die Einschränkungen der Regierung sehr ernst nehmen, können sich die Priester der Gesundheit der Seelen nicht verweigern.
Aus diesem Grund haben viele Geistliche unter Beachtung der Sicherheits- und Schutzmaßnahmen die Zahl der Heiligen Messen erhöht. Sie sind außerdem den ganzen Tag über in den Kirchen anwesend, um „die Gläubigen, die das Sakrament der Beichte oder der heiligen Kommunion empfangen möchten“, individuell zu betreuen, so Pater Mikolay Leskiv, ein Priester des lateinischen Ritus in Tscherwonohrad.
„In diesen schwierigen Zeiten müssen wir uns noch stärker um unsere Gläubigen kümmern und ihnen unseren Dienst auf dem Weg der Erlösung anbieten. Wir müssen allerdings auch für ihre Sicherheit in der Kirche sorgen. Ungeachtet der hohen Preise, die sich seit Beginn der Pandemie mehr als verzehnfacht haben, habe ich deshalb Desinfektionsmittel gekauft. Eine Flasche steht am Eingang der Kirche für die Gläubigen zur Verfügung. Eine weitere ist für den Priester bestimmt, der die heilige Kommunion austeilt, die neben dem Tabernakel aufbewahrt wird. Ich habe auch Schutzmasken für die Gläubigen besorgt, die nicht über die dafür notwendigen Mittel verfügten. Aber unsere Geldmittel sind begrenzt“, erklärt Pater Mikolay Leskiv.
Die Zeit der Quarantäne und des Lockdown geht zwar bald vorbei; die Vorschrift, eine Schutzmaske zu tragen, wird jedoch noch über Monate bestehen bleiben. Das mit Hilfe von KIRCHE IN NOT bereitgestellte Material wird voraussichtlich bis August reichen.
Das Sonderhilfepaket zur Linderung der COVID-Folgen in der Ukraine umfasst auch Unterstützung für den Lebensunterhalt von 150 Ordensfrauen aus 24 Ordensgemeinschaften in der Diözese Kamjanez-Podilskyj. Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen und der COVID-19-Beschränkungen kann das Bistum trotz der von den Ordensfrauen in Pfarren, Waisenhäusern und Krankenhäusern geleisteten außerordentlichen Arbeit für ihren Lebensunterhalt kaum aufkommen.
Gerade in dieser Zeit haben viele von Arbeitslosigkeit, Armut, häuslicher Gewalt und Perspektivlosigkeit betroffene, insbesondere junge Menschen die Hoffnung verloren. Wegen der mangelnden Betreuung seitens der Regierung werden Priester und Ordensfrauen zu deren ersten Gesprächspartnern, weil Hunderte von Menschen mit jemandem reden müssen, dem sie vertrauen. Darüber hinaus werden Geistliche und Ordensleute oft vor Ort zu „Führungskräften“, die die Gemeinden anregen und ermutigen, Selbsthilfegruppen für Bedürftige, Kranke oder Gesundheitspersonal zu organisieren. Die drei Projekte zum Schutz und zur Unterstützung der „Seelenärzte“ in der Ukraine belaufen sich auf 165.400 €.
Christliche Kirchenführer im Heiligen Land zeigen sich besorgt über die Ankündigung von Premierminister Benjamin Netanjahu, Teile des Westjordanlandes offiziell in das israelische Staatsgebiet einzugliedern.
In einer gemeinsamen Erklärung fordern die katholischen, orthodoxen und evangelischen Bischöfe und Geistlichen den Staat Israel auf, „solche einseitigen Schritte zu unterlassen“. An die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO richteten sie den Appell, „interne Streitigkeiten und Konflikte“ beizulegen und am „Frieden und Aufbau eines lebensfähigen Staates“ mitzuwirken
„Kirche in Not“ sprach mit dem Generalvikar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, über Hintergründe und Auswirkungen der Annexionspläne auf die christliche Minderheit im Heiligen Land.

Kirche in Not: Die neue israelische Einheitsregierung wurde als Antwort auf die Herausforderungen der Corona-Krise gebildet. Nutzt sie den Notstand aus, um ihre Annexionspläne für Teile des Westjordanlandes zu beschleunigen?
Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo: Die Bildung und der Amtsantritt der „Einheits- und Notstandsregierung“ wurden durch die vielen Nöte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beschleunigt. Das ist klar. Allerdings ist der Zusammenhang „Pandemie ist gleich Beschleunigung der Annexions-Pläne für Teile des Westjordanlandes“ überhaupt nicht klar. Wir wissen jedoch aus Erfahrung, das jede gute oder schlechte Gelegenheit häufig ausgenutzt wird, um Partikularinteressen zu erreichen und die Weltaufmerksamkeit von anderen wichtigen Fragen abzulenken.
Die Erklärung der Kirchenführer spricht davon, dass die Annexionspläne „ernste Fragen nach der Machbarkeit eines jeglichen Friedensprozesses“ aufwerfen. Warum?
Die Annexionspläne sind nicht lediglich ein Problem unter vielen anderen. Sie sind der letzte Sargnagel für jedwede Möglichkeit, einen eigenständigen palästinensischen Staat zu schaffen, der mit Israel koexistiert – innerhalb anerkannter Grenzen und mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt. Diese sogenannte Zweistaatenlösung schien bisher die einzig vernünftige, friedliche und mögliche, um den „ewigen“ Konflikt zu beenden und Frieden für das Heilige Land zu erreichen. Die Reaktion auf die Annexionspläne sind von Verzweiflung geprägt. Im Heiligen Land wissen wir leider aus Erfahrung, wohin Verzweiflung führen kann. Was diese Verzweiflung noch schmerzlicher macht, ist die Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft, die Schwäche Europas und auch die Gleichgültigkeit bestimmter arabischer Länder diesen eklatanten Ungerechtigkeiten gegenüber.
Was wären die konkreten Auswirkungen für die palästinensischen Christen?
Es ist bereits bekannt, dass einige Gebiete des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem und weitere christliche Gemeinschaften direkt von der Annexion betroffen sein werden. Die in der Presse veröffentlichten Landkarten zeigen darüber hinaus eine erschreckende Zersplitterung des Landes. Man muss sich das vor Augen führen: Das gesamte Jordantal plus hunderte von Siedlungen, die über palästinensische Gebiete verteilt sind, könnten von Israel annektiert werden – zusammen mit dem gesamten Straßennetz, das diese Gebiete verbindet. Dann kann man sich leicht vorstellen, dass sich daraus keine oder nur erschwerte territoriale Kontinuität der palästinensischen Gebiete ergeben wird.
Was bedeutet das für das alltägliche Leben?
Einzelne Gebiete würden an den Staat Israel übergehen. Die Eigentümer der Grundstücke sind jedoch in der Regel Palästinenser, darunter auch Christen, die nächsten Dorf oder in der nächsten palästinensischen Stadt leben. Daraus ergeben sich viele rechtliche und vor allem praktische Probleme: etwa die Frage möglicher Enteignungen, die Trennmauer, die Unmöglichkeit, ohne Genehmigung das eigene Lande zu bearbeiten und natürlich die Schwierigkeiten, im Alltag zu einem Krankenhaus, zur Kirche, auf den Markt oder zu Familienmitglieder zu fahren.
Wie sehen die Gläubigen die Zukunft?
Wie bereits während und nach jeder Intifada, stimmen unsere Gläubigen in den unglückseligen „Refrain“ der Auswanderung ein. Das beunruhigt uns zutiefst. Wie können wir den Menschen aber angesichts der politischen Entscheidungen wirklich helfen? Darüber hinaus fallen die Annexionspläne in eine sehr schwierige Zeit. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass Pilgerfahrten ausbleiben. Die Wirtschaft im Heiligen Land leidet schwer darunter. Die christliche Gemeinschaft im In- und Ausland hat in dieser Zeit eine beeindruckende Solidarität gezeigt – aber das war nur für kurze Zeit und in diesem speziellen Fall. Aber was können wir jetzt den territorialen Umwälzungen mit ihren sozialen, wirtschaftlichen und familiären Auswirkungen entgegensetzen?
Befürchten Sie, dass die Annexionspläne in der Region wieder zu Gewalt führen werden?
Das ist im Moment unsere größte Befürchtung. Die Annexion wird zu einem Ausbruch von Reaktionen, Protesten und Gewalt führen – nicht nur in der Region. Es wird wahrscheinlich auch Nachbarländer betreffen. In unserer gemeinsamen Erklärung rufen wir die Bürger auf, ihre Rechte standhaft einzufordern, aber auf jede Provokation zu verzichten, die zu blutigen oder tödlichen Zusammenstöße führen könnte. Die Arbeit der Kirche im Heiligen Land hat im Laufe der Geschichte zwei Ziele verfolgt und tut es noch immer: Gerechtigkeit als Basis, Frieden und Versöhnung als Ziel.

KIRCHE IN NOT (ACN) startet Nothilfe für bedrängte Christen in Pakistan, die aufgrund der COVID-19-Folgen vom Hunger bedroht sind.
Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hat sich das soziale Elend der christlichen Minderheit in Pakistan weiter verschärft. Um mehr als 5000 Familien, die bereits vor der Pandemie unterhalb der Armutsgrenze lebten und sich jetzt in einer verzweifelten Lage befinden, mit Nahrungsmittelhilfepaketen versorgen zu können, haben die Bischöfe der Diözesen von Faisalabad, Islamabad-Rāwalpindi und Lahore „Kirche in Not“ ein umfassendes Hilfsprogramm vorgelegt. Das internationale Hilfswerk wird dieses mit einer Starthilfe in Höhe von insgesamt 150.000 Euro unterstützen.
Nach offiziellen Angaben haben sich inzwischen 59 151 Personen mit dem Virus infiziert und 1225 gestorben (Stand 27. Mai). Am stärksten betroffen sind die Regionen Sindh und Punjab.

„Christen, die etwa zwei Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, zählen zu den sozial Schwächsten in Pakistan. Sie leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Ausgangssperre und den Einschränkungen, die seit Ende März im Land herrschen. Das Coronavirus hat ihnen das Stück Brot weggenommen, das sie hatten. In dieser Krise, in der sie auf engstem und überfülltem Raum mit wenigen Ressourcen leben müssen, können wir sie nicht einer grausamen Wahl zwischen Hunger oder Infektion überlassen“, betont Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not“.
Laut lokalen Berichten, über die „Kirche in Not“ vor kurzem informiert hat, haben sich einige NGOs in Pakistan sowie muslimische Führer geweigert, Christen und andere religiöse Minderheiten im Rahmen der COVID-19-Nothilfe zu unterstützen, obwohl diese zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Bevölkerungsgruppen gehören.

„Die auf staatlicher Ebene angebotenen Hilfsprogramme schließen religiöse Minderheiten zumeist aus; de facto sind sie Bürger zweiter Klasse, die staatliche Förderung nur selten in Anspruch nehmen können. Religiöse Diskriminierung in Pakistan ist nichts Neues, besorgniserregend ist allerdings, dass Minderheiten auch während dieser globalen Krise klar benachteiligt werden“, bedauert Heine-Geldern.
Viele Christen arbeiten als Tagelöhner, Hausangestellte, in Reinigungs- oder Küchendiensten, als Straßenverkäufer oder in der Ziegelproduktion. Sie sind Geringverdiener, die auf ihren Tageslohn angewiesen sind, um ihre Familie zu ernähren. „Alle diese Arbeitsbereiche sind von den Schließungen stark betroffen. Viele christliche Hausangestellte wurden etwa ohne Vorwarnung oder Entschädigung von den Familien entlassen, in denen sie jahrelang gearbeitet hatten, weil diese befürchteten, dass die Armen die Infektion in ihre Häuser bringen könnten“, so der geschäftsführende Präsident.

In Faisalabad beinhaltet das von „Kirche in Not“ unterstützte Nothilfeprogramm neben der Verteilung von Nahrungsmitteln auch eine Sensibilisierungskampagne, die Familien über Radio und digitale Medien informieren soll, wie man sich vor dem Virus schützen kann. Zudem ist laut dem internationalen geschäftsführenden Präsidenten von „Kirche in Not“, Dr. Thomas Heine-Geldern, geplant, in den Kirchen Masken an die Gläubigen zu verteilen sowie Priester, Katecheten, Diözesanpersonal und Freiwillige auszurüsten, um ihren persönlichen Schutz bei der Durchführung ihrer Seelsorge- und Sozialprogramme zu gewährleisten.
„Priorität unseres Hilfswerkes ist, Christen zu helfen, die unter Verfolgung und Diskriminierung leiden, und in Pakistan ist dies offensichtlich der Fall. Wir haben bereits Nothilfe über Mess-Stipendien zur Unterstützung von Priestern geleistet, aber das reicht nicht aus. Zwar haben wir nicht die Mittel, um alle Not zu lindern, aber wir glauben, dass es gut ist, dieses Zeichen der Solidarität zu setzen, und wir hoffen, dass andere Organisationen und viele Menschen guten Willens sich diesen Bemühungen anschließen werden, andernfalls sind Christen in Pakistan in ihrer Existenz bedroht“, warnt Heine-Geldern.
„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan
Corona hat die Welt im Griff. Priester und Ordensfrauen sorgen dafür, dass Seelsorge und Nächstenliebe in dieser Zeit weitergehen.
Menschen in Kriegs- und Entwicklungsländern trifft Corona mit besonderer Härte. Häufig sind sie bei der Gesundheitsfürsorge vom Einsatz der Kirche abhängig. Die Kirche betreibt Krankenhäuser und Heime und versorgt die Bevölkerung mit Lebensmitteln. An erster Stelle steht aber immer die Seelsorge.
Bitte helfen Sie ihnen mit Ihrer Spende, damit Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter gerade in dieser Zeit notleidenden Menschen Gottes Liebe und Erbarmen in Wort und Tat vermitteln können.
„Da in Folge der COVID-19-Pandemie eine Welle menschlichen Leids weltweit spürbar wird, ist der Bedarf an sozialer und geistlicher Fürsorge gestiegen“, sagt Thomas Heine-Geldern, der Geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“.

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzumildern, stellt KIRCHE IN NOT Nothilfen für Priester und Ordensfrauen zur Verfügung. Die finanzielle Hilfe unterstützt insbesondere Hilfsprojekte im Nahen Osten, in Mittel- und Osteuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika.
Der Geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT, Dr. Thomas Heine-Geldern, wendet sich an alle, die jetzt helfen: „Mein Dank gilt vor allem unseren Wohltätern, die oft trotz ihres eigenen Leids und ihrer eigenen Bedrängnis die Hand nach ihren Mitchristen ausstrecken und helfen, den Glauben lebendig zu halten.“

Um den Einsatz von Priester und Ordensfrauen weltweit im Kampf gegen COVID-19 unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online …hier oder auf folgendes Konto:
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BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nothilfen COVID-19

Während der Corona-bedingten Ausgangssperren ist in Pakistan ein minderjähriges Mädchen entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen worden. Es handelt sich um die 14-jährige Katholikin Maira Shahbaz aus Faisalabad im Nordwesten des Landes.
Der Haupttäter, der Muslim Mohamad Nakash, habe das Mädchen zur Frau genommen und sie gezwungen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Dies berichtete Anwalt Khalil Tahir Sandhu, dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Er vertritt die Familie der Entführten. Laut Zeugenaussagen wurde das Mädchen am 28. April von drei Männern auf offener Straße in ein Auto gezogen. Beim Wegfahren hätten die Männer in die Luft geschossen.

In einem Schnellverfahren vor dem Magistratsgericht Faisalabad habe der Entführer Dokumente vorgelegt, die belegen sollten, dass er und das Mädchen bereits im vergangenen Oktober geheiratet hätten. Außerdem behauptete er, dass Mädchen sei bereits 19 Jahre alt, so der christliche Anwalt. Am Tag der Verhandlung seien rund 150 Männer zum Gericht gekommen, um den Entführer zu unterstützen. Diese hätten auch Druck auf den Staatsanwalt ausgeübt.
Mairas Familie habe anhand von Urkunden, kirchlichen Dokumenten und Schulunterlagen zu beweisen versucht, dass Maira noch minderjährig sei. Das Gericht setzte sich darüber hinweg und gab dem Entführer recht. Dieser sei bereits verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebe nicht weit vom Haus der christlichen Familie entfernt und habe Maira so kennengelernt.
„Menschen, die einem Kind so etwas antun, behandeln uns nicht wie menschliche Wesen, sondern wie Tiere“, beklagte Sandhu. Er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen – falls nötig bis vor den Obersten Gerichtshof Pakistans. Dieser hatte im Oktober 2018 auch das Todesurteil gegen die wegen angeblicher Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi gekippt. Der Fall hat weltweit Beachtung gefunden und in Pakistan eine Gewaltwelle radikaler Muslime ausgelöst.

„Kirche in Not“ sprach auch mit der katholischen Menschenrechtlerin Lala Robin Daniel. Sie kennt das entführte Mädchen und ihre Angehörigen persönlich: „Die Familie Shahbaz ist eine der ärmsten im Viertel. Sie verdienen ihr kleines Einkommen mit Putzen.“ Maira habe schon früh die Schule verlassen müssen, da sich die Familie das Schulgeld nicht mehr leisten konnte.
Nighat Shahbaz, die alleinerziehende Mutter der Entführten, ist nach der Tat mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden. Über „Kirche in Not“ richtete sie einen Appell an die Öffentlichkeit: „Ich flehe darum, dass uns meine Tochter zurückgegeben wird. Ich habe Angst, sie nie wieder zu sehen.“
Mairas Schicksal ist kein Einzelfall: Der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden“ zufolge werden in Pakistan jedes Jahr rund 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen entführt und zwangsverheiratet. „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren.
„Kirche in Not“ unterstützt christliche Familien bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und steht den bedrängten Gemeinden bei. Um weiter helfen zu könnten, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:
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Verwendungszweck: Pakistan
Als Antwort auf die anhaltende dramatische Situation der Christen in Syrien unterstützt das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mit einem weiteren Nothilfeprogramm 20 550 christliche Familien unterschiedlicher Konfessionen.
Der einmalige Zuschuss von 25 Euro pro Familie ermögliche besonders bedürftigen Familien, Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen, das sich auch in Syrien ausbreite, erklärte der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“. „Es scheint ein kleiner Betrag zu sein, aber er entspricht fast der Hälfte des monatlichen Einkommens einer syrischen Familie und ist daher lebenswichtig. Die Nothilfe muss schnell umgesetzt werden, bevor sich COVID-19 weiter im Land ausbreitet.“

Das mit über eine halbe Million Euro umfassende Programm kommt katholischen, orthodoxen und evangelischen Familien in ganz Syrien zugute. Viele Familien sind durch den immer noch andauernden Krieg und die Wirtschaftssanktionen am Ende ihrer Kräfte. Jetzt müssen sie sich einer weiteren Herausforderung stellen: der Ausbreitung von COVID-19. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Schließung von Geschäften und Schulen sowie der Einstellung des Transports zwischen den Städten, stößt die finanzielle Situation der Ortskirchen in Syrien an ihre Grenzen.
„Wir unterstützen mehr als hundert Projekte in Syrien. Einige sind wegen der Pandemie eingeschränkt, aber viele laufen weiter, wie zum Beispiel unser Projekt ,Ein Tropfen Milch‘. Damit wird hunderten Kleinkindern und Säuglingen eine lebenswichtige Milchration gewährleistet. Das neue Hilfsprogramm ist ein Zeichen der Ermutigung für unsere Brüder und Schwestern in Syrien und gibt ihnen Trost und finanzielle Unterstützung“, erklärt Thomas Heine-Geldern. „Wir möchten die Christen in Syrien nicht allein lassen.“

Besonders die christliche Bevölkerung in Syrien leidet unter den Folgen des Krieges, der seit 2011 andauert. Waren Diskriminierungen gegen Christen davor eher selten und die Auswanderung begrenzt, so fühlen sie sich heute als Bürger zweiter Klasse, die von der Regierung im Stich gelassen und von anderen Bürgern diskriminiert werden. Ihr Eigentum wurde im Krieg zerstört, geplündert oder weit unter Preis verkauft. Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren. Ausländische Hilfen erreichen wegen der Sanktionen und Grenzschließungen das Land nur sehr schwer.
Darüber hinaus ist das Bankensystem des Nachbarlandes Libanon, das einen Teil des Systems aufrechterhalten hat, aufgrund der politisch-sozialen Krise und der COVID-19-Pandemie zusammengebrochen. Die Inflation im Land ist immens hoch.
Um die Christen in Syrien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Syrien
Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine medizinische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine pastorale. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat seit Ausbruch der Krise zahlreiche Solidaritätsbekundungen von Projektpartnern überall auf der Welt erhalten, aber auch von den steigenden Nöten und dem Einsatz von Priestern und Ordensleuten im Kampf gegen die Pandemie erfahren. Als Antwort darauf hat das Hilfswerk ein Sonderprogramm auf den Weg gebracht, um diese Arbeit zu stärken. Tobias Lehner hat mit Regina Lynch, Projektdirektorin von „Kirche in Not“, über die aktuellen Hilfen und den Einsatz der Kirche in der Corona-Krise gesprochen.
Kirche in Not: Von welchen Nöten berichten die Projektpartner von „Kirche in Not“ in der Corona-Krise am meisten?
Regina Lynch: Sie schildern, welche Auswirkungen die Einschränkungen auf das kirchliche Leben haben: Öffentliche Gottesdienste und Versammlungen sind verboten, die Schulen sind geschlossen und immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In den meisten unserer Projektländer sind die Christen in der Minderheit und gehören zu den unteren sozialen Schichten, manchmal werden sie auch verfolgt.
Am härtesten trifft es die Kirche, dass weder Gottesdienste noch karitative und seelsorgerische Aktivitäten in gewohnter Form möglich sind. Priester und Ordensleute können ihren wichtigsten Pflichten nicht mehr nachgehen: Sakramente spenden, das Evangelium verkünden und die Menschen trösten.

Wo sind die aktuellen Schwerpunkte der Hilfe von „Kirche in Not“ angesichts der Pandemie?
Damit sie nicht durch Geldmangel an der Erfüllung ihrer Hauptaufgaben gehindert werden, unterstützt „Kirche in Not“ notleidende und bedrängte Gemeinden. Wir geben zum Beispiel Mess-Stipendien für mittellose Priester oder Existenzhilfen für Ordensleute weiter. Außerdem unterstützt „Kirche in Not“ Priesterseminare, da in vielen Fällen auch die Seminaristen der Ausgangs- und Kontaktsperre unterliegen und ihr Rektor keine Möglichkeit hat, für sie zu sorgen. Wir helfen, damit sich Priester, Seminaristen und Ordensschwestern mit Masken und Schutzkleidung eindecken können. Das ist zum Beispiel in Chile oder in der Ukraine der Fall, wo Geistliche und Ordensleute weiterhin ihre Gemeindemitglieder besuchen, insbesondere die Kranken und Sterbenden.
Es wird auch zwei neue Projekte geben: Wir starten ein weiteres Hilfsprojekt für die Christen in Syrien, dass es jeder Familie ermöglichen soll, Lebensmittel und Schutzausrüstungen zu kaufen. Für Pakistan, wo Christen mit Diskriminierung und manchmal Verfolgung zu kämpfen haben, arbeiten wir an einem Nothilfeprogramm. Es gibt Berichte, dass Christen dort bei öffentlichen Hilfeleistungen benachteiligt werden.
Welche Hilfen wurden bislang geleistet?
Dank der Großzügigkeit unserer Spender konnte „Kirche in Not“ seit März fast 400.000 Messstipendien an mehr als 10 000 mittellose Priester zu weitergeben. Wir werden Ordensschwestern in allen Teilen der Welt unterstützen. Wir erhalten in diesem Bereich laufend neue Anfragen. Schon immer stand diese Art der Unterstützung im Fokus, insbesondere in Osteuropa und Lateinamerika. Dort erteilen die Ordensschwestern nicht nur Katechismusunterricht oder bereiten die Gläubigen auf die Sakramente vor. Sie kümmern sich auch um Waisenkinder, alleingelassene alte Menschen oder um Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden. Eine der Folgen der Corona-Krise ist, dass uns nun zum ersten Mal Diözesen um Hilfe bitten, die bisher ohne unsere Unterstützung auskamen.

Wie sieht es mit der Hilfe in Asien aus, dem Ausgangspunkt der Corona-Pandemie?
Der Erzbischof von Chittagong in Bangladesch sandte uns einen dringenden Hilferuf zur Unterstützung der Ordensschwestern, die in seinem Erzbistum arbeiten. Weil Gästeunterkünfte und Krankenstationen geschlossen wurden, haben sie kein Einkommen mehr. Bereits vor der Krise reichte der kleine Betrag, den die Gläubigen zum Unterhalt der Schwestern beisteuern konnten, nicht aus, doch nun ist die Situation dramatisch. In Maimansingh, ebenfalls Bangladesch, haben die Schwestern vom Heiligen Kreuz zusammen mit dem Bischof das gesamte verfügbare Geld dazu eingesetzt, den leidenden Menschen zu helfen. Doch die Schwestern selbst müssen auch überleben, und da kann „Kirche in Not“ helfen.
Wir werden alle diese Projekte fortführen. Selbst wenn in einigen Ländern die öffentlichen Gottesdienste langsam wieder stattfinden, wird sich die wirtschaftliche Situation weiterhin verschlechtern. Unsere Hilfe wird mehr denn je benötigt.
Welches Projekt hat Sie besonders beeindruckt, wie Priester und Ordensleute sich der Bekämpfung der Corona-Pandemie stellen?
Da gibt es zum Beispiel die Priester in der Diözese Dolisie in der Republik Kongo. Sie teilen die Mess-Stipendien, die sie von uns bekommen, mit ihren armen Gemeindemitgliedern. Ich bin beeindruckt von der Hingabe so vieler Ordensschwestern, die ihre Arbeit trotz des Gesundheitsrisikos fortsetzen. Ein Beispiel sind die Schwestern der Kongregation „Hermanas Sociales“ in Kuba. Trotz der notwendigen Einschränkungen finden sie Möglichkeiten, ihre seelsorgerische Arbeit fortzusetzen und sich weiterhin um betagte Menschen oder Obdachlose zu kümmern.
Ich denke auch an die Studenten eines Priesterseminars in Burkina Faso, deren Familien wegen Terroranschlägen ihre Dörfer verlassen mussten. Einer ihrer Ausbilder ist an Covid-19 gestorben, vier ihrer Kommilitonen sind erkrankt. Wir haben ihnen und ihren Familien geholfen und unterstützen nun ein Programm, um die anderen Seminaristen vor dem Coronavirus zu schützen.
Beeindruckend ist auch, wie viel Kreativität die Kirche in der Krise zeigt. Bereits zu Beginn der Pandemie erkannte Bischof Dodë Gjergji im Kosovo, dass er trotz des Verbotes öffentlicher Gottesdienste versuchen musste, seine Gläubigen zu erreichen. Er bat uns, die Ausrüstung für die Übertragung der Sonntagsmesse aus der Mutter-Teresa- Kathedrale in Priština zu finanzieren. Wir haben ihn unterstützt und kürzlich berichtete er uns, dass sich während der Übertragung einer heiligen Messe über 50.000 Menschen eingeloggt hatten. Die Möglichkeiten der Medien sind nicht zu unterschätzen.
„Kirche in Not“ ist ein pastorales Hilfswerk; der Bedarf in der Corona-Krise beruht in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch auf humanitärem und medizinischem Gebiet. Wie gehen beide Zielsetzungen zusammen?
Während eine medizinische, und in zahlreichen Ländern auch humanitäre Reaktion auf die Corona-Krise absolut notwendig ist, sind hierfür in erster Linie die örtlichen Behörden verantwortlich. Wir wissen, dass dies in vielen Ländern nicht der Fall ist und dass stattdessen Hilfsorganisationen und die Kirche diese Aufgaben übernehmen. Tätige Nächstenliebe gehört zum Wesen der Kirche. Doch ihr geht die Seelsorge voraus. In diesen Krisenzeiten brauchen die Menschen die Kirche mehr denn je. Sie haben Angst und wissen nicht, was die Zukunft bringen wird. Die Kirche tröstet sie und bringt ihnen sowohl geistige als auch materielle Hilfe, die nicht nur den eigenen Gemeinden zugutekommt, sondern dem ganzen Volk Gottes.
Um den Einsatz von Priestern und Ordensfrauen im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.


Die Hagia Sophia in Istanbul (Türkei) war einst das Zentrum der Orthodoxie, bevor sie in eine Moschee und dann in ein Museum umgewandelt wurde. In dieser ehemaligen byzantinischen Kathedrale, die seit 1934 offiziell religiös neutral ist, erklang am 23. März erneut der Ruf des Muezzins zum muslimischen Gebet. Nach 85 Jahren war dies das erste Mal am 3. Juli 2016 wieder geschehen.
Um die Beweggründe für dieses bedeutsame Ereignis herauszufinden, hat die internationale Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) Etienne Copeaux, einen Historiker, der sich mit der zeitgenössischen Türkei befasst, interviewt. Er war ehemals Mitarbeiter des Französischen Instituts für anatolische Studien in Istanbul und Forscher am CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung). Er betreibt den Blog Susam-Sosak, der ganz der Türkei gewidmet ist. Das Interview führte Christophe Lafontaine.
Wie ist die Forderung der Muslime zu erklären, in der Hagia Sophia zu beten?
Die Forderung, dass die Basilika aus dem 6. Jahrhundert wieder für die muslimische Religionsausübung zurückgegeben werden soll, ist seit den Feierlichkeiten zur 500. Jahrestag der Einnahme von Konstantinopel im Jahr 1953 stark gegenwärtig. Anlässlich der Einnahme der Stadt (der „Fetih“) feierte der Sultan den Sieg in der Hagia Sophia und wandelte diese ipso facto in eine Moschee um. Diese Geste verlieh der Basilika einen sakralen und islamischen Charakter und machte sie zu einem Symbol des Islam, obgleich paradoxerweise ihr griechischer, christlicher Name beibehalten wurde: „Aya Sofia“. Atatürk, der Gründer und von 1923 bis 1938 erste Präsident der türkischen Republik, hat 1934 zum großen Ärger der Gläubigen entschieden, die Hagia Sophia zu säkularisieren und sie in ein Museum zu verwandeln, das sie bis heute geblieben ist.

Stellt die Frage des muslimischen Gebetes in der Hagia Sophia eine Zurückweisung der von Atatürk gewollten Laizität dar?
Das Gedenken im Jahr 1953, das alles in allem eine ziemlich einfache Zeremonie war, fand in einer anti-laizistischen Periode statt, einer Zeit der Rückkehr des Religiösen unter der Regierung der Demokratischen Partei von Adnan Menderes (1950-1960), der 1956 in Konya erklärte: „Die türkische Nation ist muslimisch.“ Diese Aussage, die den Charakter der Türkei, die nach dem Völkermord an den Armeniern, der Ausweisung der orthodoxen Griechen und den Pogromen an den Juden de facto zu 99 Prozent muslimisch geworden war, widerspiegelt, wurde zum Lieblingsslogan der extremen Rechten in der Türkei.
Als der politische Islam von Juni 1996 bis Juni 1997 wieder an die Macht kam, versprach Premierminister Necmettin Erbakan seinen Wählern, die Basilika dem Islam zurückzugeben. Er blieb nicht lange genug an der Macht, um diesen Plan zu verwirklichen.
Zur selben Zeit, nämlich von 1994 bis 1998, war Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister von Istanbul und formulierte dieselben Absichten. Doch er wurde 1998 durch die Armee abgesetzt und sogar für die „Verletzung der Laizität“ inhaftiert.
2018 rezitierte Erdogan als türkischer Präsident den ersten Koranvers in der Hagia Sophia und erklärte im März 2019, er wolle den Status eines Museums in den einer Moschee umwandeln. Steht der Gebetsruf vom 23. März damit im Zusammenhang?
Ich meine, dass viele Maßnahmen, die Erdogan seit 2002 und insbesondere im Jahr 2012 getroffen hat, zum einen ein politisches Ziel haben, das 50 Jahre zurückgeht, und zum anderen als eine Rache für die Verletzung gesehen werden können, die ihm seine Absetzung 1998 zugefügt hat. So ist auch das Gebet von vergangenem März in meinen Augen nichts anderes als ein (für den Augenblick) bescheidenes Ergebnis eines langen Prozesses. Vor allem darf man das Regime von Erdogan nicht als einen Bruch betrachten, sondern es ist Teil einer langen national-islamischen Geschichte, die sich nicht immer unterirdisch vollzogen hat.
Wie können die Christen in der Türkei reagieren?
Die Christen in der Türkei, und vor allem der Überrest der orthodoxen Bevölkerung, deren größter Teil 1914, 1955 und 1964 in Wellen ausgewiesen wurde – um nicht von der Vertreibung der Orthodoxen aus Nordzypern im Jahr 1974 zu sprechen – ist angesichts des von ihnen Erlebten extrem zurückhaltend. Die Anweisung, sich zurückzuhalten, wird sogar von den religiösen Führern beharrlich wiederholt: keine hohen Wellen zu schlagen, sich nie zu beklagen. Die Reaktionen der Orthodoxie können in der Türkei nur über den offiziellen Weg des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel laufen. Aber der Erfahrung nach sind die Treffen zwischen dem Patriarchen und den türkischen Behörden oft sehr konventionell, sehr diplomatisch. Wird die griechische und russische Orthodoxie passiv bleiben, wenn die Basilika wie im Jahr 1453 der muslimischen Religionsausübung überlassen werden sollte? Angesichts des komplizierten Kontextes der Beziehungen mit Russland aufgrund des Syrienkonflikts ist es ziemlich unwahrscheinlich.
Titelbild: Arild Vågen/wikimedia
In Pakistan häufen sich Vorfälle, bei denen Christen und andere religiöse Minderheiten bei der Verteilung von Schutzausrüstungen und humanitären Hilfen während der Corona-Pandemie benachteiligt werden. Dies berichtete Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.
Dem Leiter der katholischen Menschenrechtsorganisation zufolge gibt es zahlreiche Berichte, wonach islamische Organisationen und Moscheegemeinden Christen bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Nothilfen dezidiert zurückwiesen. Dies sei zum Beispiel in einem Dorf in der Nähe von Lahore der Fall gewesen. In einem anderen Dorf in der Provinz Punjab seien 100 christliche Familien von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen worden.

Es gebe auch Meldungen über Hilfspersonal, das Nichtmuslimen die Unterstützung verweigert habe mit dem Hinweis, dass es sich um Spenden aus der „Zakat“, der islamischen Armensteuer, handle. Chaudry zitierte einen Imam aus Lahore, der bei einer Predigt angekündigt habe: „Morgen früh werden Hilfsgüter an Notleidende verteilt, aber nur an Muslime.“
Dabei gehörten Christen und andere religiöse Minderheiten zu den besonders hilfsbedürftigen Gruppen der pakistanischen Gesellschaft, so der Menschenrechtler. Viele von ihnen lebten als Tagelöhner unter der Armutsgrenze; ihre Einkunftsmöglichkeiten seien durch die Pandemie weggebrochen. Auch seien sie besonders ansteckungsgefährdet, da sie zum Beispiel als Hausangestellte, in Ziegeleien oder bei der Müll- und Abwasserbeseitigung arbeiten, erklärte Chaudry: „Covid-19 kennt keine Grenzen – Jeder ist gefährdet, unabhängig von der Religion. Ist es also gerecht, Christen und anderen Minderheiten die Nothilfe zu verweigern?“

Der NCJP-Leiter rief die pakistanische Regierung auf, Schutzmaterialien für besonders gefährdete Berufsgruppen zur Verfügung zu stellen, unter denen auch viele Christen seien. Außerdem sollten die religiösen Minderheiten bei den Initiativen zur Pandemie-Bekämpfung hinzugezogen werden, so Chaudry: „Wir haben bislang keine Kenntnis über Initiativen, die Angehörige religiöser Minderheiten miteinbeziehen. Ihre Bedürfnisse dürfen nicht ignoriert werden.“
In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.
„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

In den Departements Bourzanga (Region Centre-Nord) und Djibo (Region Sahel) finden täglich Anschläge statt. Nach dem Hilfswerk vorliegenden Erkenntnissen „sind ganze Landstriche von der Welt abgeschnitten, aber nicht wegen der Ausgangssperre aufgrund der Pandemie, sondern wegen der dort vorherrschenden totalen Unsicherheit. Die wenigen noch bevölkerten Dörfer beherbergen Tausende von Binnenvertriebenen, sind aber zunehmend vom Rest des Landes isoliert.“
So auch die Stadt Djibo, die seit Mitte Januar 2020 von Terroristen umzingelt ist. Von KIRCHE IN NOT befragte Quellen schildern, dass „es keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Versorgung mit Lebensmitteln, keinen Zugang hinein oder hinaus gibt, dass es an Wasser, Treibstoff und Lebensmitteln mangelt, immer wieder zu Stromausfällen usw. kommt“.

Nach Angaben des Nationalen Rates für Nothilfe und Wiederaufbau (CONASUR) leben in der Provinzhauptstadt Djibo fast 150 000 Binnenvertriebene. Unter der Blockade leidet ebenfalls die Stadt Arbinda, die 60 000 Binnenvertriebene aufgenommen hat. Die beiden Städte sind die letzten Enklaven des Lebens in der Provinz und der einzige Schutzwall, der viele Menschen vor den Terroristen bewahrt hat.
Ein vertriebener Priester aus der Diözese Kaya in der nördlichen Zentralregion berichtet KIRCHE IN NOT von einer ähnlichen Lage dort: „Die Dörfer sind so gut wie menschenleer; dort ist kein Leben mehr, obwohl es immer noch Zeichen der Hoffnung gibt. In meiner Pfarrei, in der viele Menschen Zuflucht gesucht haben, gibt es Probleme in der Grundversorgung. Das entscheidende Problem ist nach wie vor das Wasser. Es ist sehr schwierig, an dieses kostbare Gut zu gelangen, was die Frauen bei allen damit verbundenen Risiken dazu zwingt, in die wegen terroristischer Bedrohungen verlassenen Nachbardörfer zurückzukehren, um zu versuchen, Wasser zu beschaffen und es auf Dreirädern zu transportieren.“
Auch in Kaya sind wichtige Gemeinden, etwa Namisgma und Dablo, von den Städten abgeschnitten, die sie früher versorgt haben. In der Stadt Pensa haben sich die Terroristen nach wiederholten Anschlägen niedergelassen, und die Stadt vom Rest des Territoriums abgetrennt.

Nach Aussage der Betroffenen erkennen die lokalen und nationalen Behörden zwar das Drama, unter dem die Bevölkerung leidet. Ihre Bemühungen werden jedoch meistens aufgrund fehlender Ressourcen schnell zunichte gemacht. Viele bedauern auch, dass außerhalb des Landes das Ausmaß der Tragödie nicht erkannt werde: „Von den 75 Dörfern in meiner Pfarrgemeinde sind nur noch zehn bewohnt. Die Menschen sind alle gegangen. Weil die Dörfer verlassen sind, befindet sich ein großer Teil des Territoriums in der Hand von Terroristen, die sich auf diese Weise der staatlichen Kontrolle entziehen“, sagt ein Priester der Diözese Kaya, der ebenfalls wegen der Drohungen gegen seine Gemeinde fliehen musste.
Obwohl ausländische, vor allem französische Streitkräfte präsent sind, sind viele Burkiner skeptisch. Sie beklagen, dass sie keinerlei Ergebnisse sehen. Sie kritisieren auch die Tatsache, dass die nationale Armee effektiver sein könnte, wenn sie über die gleichen Transport- und Waffenbedingungen verfügte wie die ausländischen Streitkräfte.
Im Allgemeinen fühlen sich die meisten Burkiner angesichts des Unglücks ohnmächtig, „vor allem, weil sich die Aufmerksamkeit im Moment auf die Coronavirus-Pandemie konzentriert, und dabei vergessen wird, dass der Terrorismus sogar noch mehr Opfer fordert als Covid19“, beklagt der Priester.
Viele fordern von den Behörden, dass sie bei der Verbesserung der Lage der Binnenflüchtlinge und bei der Bekämpfung des Terrorismus die gleiche Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit an den Tag legen wie bei der Bekämpfung der Pandemie. „Beide Gefahren bestehen mit Sicherheit. Wir sind mittendrin gefangen; es ist sehr schwer herauszufinden, was schlimmer ist. In jedem Fall sind die Folgen die gleichen, weil beide tödliche Konsequenzen haben“, sagt ein weiterer Partner von KIRCHE IN NOT aus der Region Fada N’Gourma. Er hat gerade Unterstützung für den Bau einer Sicherheitsmauer um seine Pfarrei erhalten, nachdem sie gewaltsame Übergriffe erlitten hatte.
Seit fast fünf Jahren wird Burkina von einer beispiellosen terroristischen Welle heimgesucht. Im Februar 2020 reiste eine KIRCHE IN NOT-Delegation in das Land, um sich ein Bild von der Notlage der Christen im Norden des Landes zu machen, und um die Solidarität der Weltkirche zu bekräftigen. Nach den von KIRCHE IN NOT bei dem Besuch gesammelten Daten beläuft sich die Zahl der Binnenvertriebenen auf fast eine Million. Seit 2019 wurden mehr als 1000 Menschen – Christen, Anhänger der traditionellen Religion und Muslime – getötet. Dreizehn Priester, sieben Ordensgemeinschaften und 193 Pastoralkoordinatoren mussten in sichereren Pfarreien Schutz suchen. Mindestens acht Pfarreien sind geschlossen.
„Der Herr des Lebens zeige den Menschen in Asien und Afrika seine Nähe, die schwere humanitäre Krisen durchmachen, wie etwa in der Region Cabo Delgado im Norden Mosambiks“, sagte Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft. Er ist einige der wenigen internationalen Persönlichkeiten, die sich öffentlich zur terroristischen Gewalt in dieser Provinz im Norden Mosambiks geäußert haben – eine Tragödie, von der viele Menschen nichts wissen.
Seit 2017 kommt es in der Region zu terroristischen Gräueltaten; Hintergründe und Urheber bleiben im Dunkeln. Maria Lozano vom internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ sprach mit Bischof Luiz Fernando Lisboa aus Pemba, das in der Provinz Cabo Delgado liegt, über die aktuelle Situation. Sie hat sich über die Ostertrage nochmals verschlimmert.

Kirche in Not: Vor ein paar Wochen haben Sie über Angriffe auf die Stadt Mocímboa da Praia im Norden Ihrer Diözese berichtet. Wie ist die Lage dort heute?
Bischof Luiz Fernando Lisboa: In den vergangenen Monaten wurden nicht nur Mocímboa da Praia, sondern auch in zwei anderen wichtigen Ortschaften Anschläge verübt. In Mocímboa da Praia ist die Lage zurzeit unter Kontrolle, aber leider hat es viele Plünderungen gegeben. Während der Angriffe sind viele Menschen aus der Stadt geflohen und haben im Wald Zuflucht gesucht. Einige Kriminelle haben dies ausgenutzt, um die Häuser zu plündern. Am 20. April wurde einer dieser Diebe gefasst und von der Bevölkerung gelyncht. Leider führt dieses Klima des Terrors zu Unsicherheit und zunehmender Kriminalität.
Am Karfreitag wurde die Missionsstation im Dorf Muambula angegriffen. Was ist dazu bekannt?
Die Angreifer überfielen die Kirche und steckten mehrere Kirchenbänke sowie das aus schwarzem Holz gefertigte Bildnis der Muttergottes in Brand. Sie zerstörten auch ein Bild des Heiligsten Herzens Jesu, dem die Pfarrei geweiht ist. Glücklicherweise konnten sie nicht die ganze Kirche in Brand stecken, sondern nur die Kirchenbänke.
War dies der erste Anschlag auf eine Kirche?
Es wurden bereits sechs Kapellen bereits angegriffen und niedergebrannt. Auch auf Moscheen wurden Brandanschläge verübt. Allerdings sind in jüngerer Zeit offensichtlich die christlichen Kirchen die Hauptziele.

Stimmt es, dass es in einem der Dörfer des Distrikts Muidumbe zu einem Massaker gekommen ist?
Ja, am 7. April in Xitaxi. Zu unserer großen Trauer wurden dort 52 junge Menschen niedergemetzelt, als sie sich weigerten, sich den Aufständischen anzuschließen. Für uns sind sie Märtyrer des Friedens, weil sie es abgelehnt haben, sich am Krieg zu beteiligen und deshalb ihr Leben verloren haben.
Warum ist Mosambik zum Schauplatz des islamistischen Terrors geworden?
Ich würde nicht behaupten, dass Mosambik ein Schauplatz des islamistischen Terrors ist. Die jüngsten Anschläge sind vermeintlich vom sogenannten „Islamischen Staat“ verübt worden, aber es bestehen weiterhin Zweifel daran. Einige meinen, dass eine lokale Gruppe dafür verantwortlich ist, die den Namen des Islamischen Staates benutzt. Wir wissen auch nicht, was hinter all dem steckt, glauben aber, dass es um natürliche Ressourcen geht.
Aber sind die Beteiligten an diesen Terrorakten überall dieselben? Woher kommen sie?
Wir haben bemerkt, dass die Terroristen in der Vergangenheit nur einen Anschlag an je einem Ort verübt haben. Nun sind sie dazu übergegangen, mehrere Angriffe gleichzeitig durchzuführen. Viele Berichte besagen, dass ein Teil von ihnen Mosambikaner sind und die anderen aus Tansania und anderen Ländern kommen.
Haben die Anschläge eine religiöse Komponente?
Von Anfang an haben sich die muslimischen Führer von den Anschlägen distanziert. Sie haben erklärt, mit all dem nichts zu tun zu haben. Sie wollen keine Gewalt. Sowohl in Cabo Delgado als auch im übrigen Mosambik haben wir nie Probleme zwischen den Religionen gehabt. Wir haben viele gemeinsame Aktivitäten unternommen: Gebete, Erklärungen und Märsche für den Frieden.
Was unternimmt die Regierung in Mosambik, um die Situation zu entschärfen?
Sie hat verstärkt Verteidigungskräfte entsandt. Allerdings gibt es darunter viele junge Leute, die dort aus reiner Pflicht sind. Wenn es dann zu einem Angriff kommt, desertieren viele. Sie sind schlecht auf den Kampf vorbereitet und kaum in der Lage, mit dieser Situation umzugehen. Ich empfinde schreckliches Mitleid mit den jungen Menschen, denn viele haben bereits ihr Leben verloren.
In seiner Osterbotschaft hat der Heilige Vater über Mosambik gesprochen. Er ist eine der wenigen Stimmen, die das Schweigen brechen.
Es war für uns sehr wichtig, dass der Papst die humanitäre Krise in Cabo Delgado angesprochen hat, weil es hier eine Art „Verschwiegenheitsgesetz“ gibt.
Was meinen Sie damit?
Die Lage ist sehr ernst, weil nicht frei gesprochen werden kann. Einige Journalisten wurden verhaftet; bei vielen Reportern wurden die Kameras konfisziert. Es ist wichtig, dass bekannt wird, was vor sich geht, und dass internationale Organisationen tätig werden. Die Menschen hier haben sehr viel gelitten; es gibt Hunderte von Toten. In unserer Provinz haben wir mehr als 200 000 Vertriebene. Es ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Die Menschen hier haben sehr wenig, und das Wenige, das sie haben, geht durch diesen Krieg verloren.
„Kirche in Not“ unterstützt die schwierige Mission der Kirche in Mosambik. Das Hilfswerk fördert zum Beispiel die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten, finanziert Fahrzeuge für die Seelsorge, fördert den Bau und die Renovierung von Kirchen und unterstützt die kirchliche Friedensarbeit. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.