Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 52 von 52
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Das Oberste Pakistanische Gericht hat am 29. Jänner den Freispruch der Katholikin Asia Bibi von der Todesstrafe wegen angeblicher Gotteslästerung bestätigt. Dazu erklärt der Generalsekretär der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN), Philipp Ozores:

„Die heutige Gerichtsentscheidung ist ein Triumph der Menschenreche über religiöse Intoleranz, ein Sieg des Rechts über den Hass der Fanatiker – vor allem aber ein persönliches Glück und eine große Freude für Asia Bibi und ihre Familie. Millionen Menschen haben für ihr Schicksal gebetet und sich für eine Freilassung eingesetzt, darunter auch KIRCHE IN NOT.

Nach über acht Jahren der Ungewissheit ist heute eine lang gehegte Hoffnung Wirklichkeit geworden. Eine Hoffnung, die auch die 187 weiteren pakistanischen Christen beflügelt, die wie Asia Bibi wegen Blasphemie angeklagt sind, in Gefängnissen sitzen oder auf ihre Hinrichtung warten. Für ihre baldige Freilassung wird KIRCHE IN NOT zusammen mit anderen Organisationen und den Projektpartnern in Pakistan weiterhin beten und arbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung des Gerichts endlich auch ein Umdenken der Regierung zufolge hat und die Blasphemiegesetze gelockert oder am besten ganz aufgehoben werden.

Im Blick auf Asia Bibi gilt ein dreifacher Wunsch: Sie soll das Land so schnell wie möglich verlassen können, um mit ihrer Familie in Freiheit vereint zu sein. Es möge der pakistanischen Regierung gelingen, den Mob religiöser Fanatiker auf den Straßen im Zaum zu halten. Und wir alle – Medien, Politik und Organisationen – sollten uns mit Spekulationen über Asia Bibis Verbleib zurückhalten. Ausufernde Spekulationen könnten ihre Ausreise buchstäblich auf den letzten Metern gefährden. Die Gefahr ist noch nicht gebannt, aber die Zuversicht überwiegt.“

Hintergrund:

Die Katholikin Asia Bibi (51) war vor acht Jahren zum Tod verurteilt worden. Das Gericht befand sie für schuldig, im Gespräch mit Nachbarinnen den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Im islamisch geprägten Pakistan gilt ein strenges Blasphemiegesetz. Über Jahre hinweg hatten sich zahlreiche Politiker und Kirchenführer für die Freilassung von Asia Bibi eingesetzt, darunter auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus. Asia Bibis Mann und eine ihrer Töchter hatten mehrfach auf Einladung von KIRCHE IN NOT Reisen nach Europa unternommen, um auf das Schicksal der Inhaftierten aufmerksam zu machen.

Nach jahrelangen Verzögerungen hatte das Oberste Pakistanische Gericht am 31. Oktober 2018 das Todesurteil aufgehoben. Daraufhin kam es in einigen pakistanischen Städten zu gewalttätigen Demonstrationen islamischer Extremisten. Die Regierung sagte schließlich zu, Asia Bibis Ausreise zu verhindern und einen erneuten Revisionsantrag zu zulassen. Diesen hat das Gericht am 29. Jänner abgelehnt.

Foto: British Pakistani Association

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Dominikanerpater James Channan setzt sich seit Jahren für den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein – in einem Land, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen gegen die verschwindend kleine Minderheit der Christen kommt und ein Blasphemiegesetz jede vermeintliche Kritik am Islam unter drakonische Strafen stellt, nicht nur im Fall Asia Bibi. Channan leitet das „Peace Center“ in der pakistanischen Stadt Lahore. 

Mit Tobias Lehner sprach er über die Auswirkungen der Blasphemiegesetze bei einem Besuch in der Zentrale von der Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN), hoffnungsvolle Entwicklungen in der islamischen Welt und die Zukunftsaussichten für Asia Bibi.

Tobias Lehner: Die lebensgefährliche Situation vieler Christen in Pakistan hat für die Weltöffentlichkeit durch das Schicksal von Asia Bibi ein Gesicht bekommen. Nach Jahren in der Todeszelle wurde sie Ende Oktober 2018 vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen. Was wissen Sie über die aktuelle Situation?

Pater James Channan: Die Lage der Christen in Pakistan ist alarmierend. Sie leben in Angst und Unsicherheit. Diese Situation hält schon seit den Siebzigerjahren an, seitdem die islamische Gesetzgebung der Scharia in Pakistan als Quelle der Gesetzgebung dient. Vor allem das umstrittene Blasphemigesetz wird von radikalen Muslimen missbraucht, um persönliche Rechnungen zu begleichen. Wenn irgendwo ein Christ wegen angeblicher Blasphemie angeklagt wird, stehen gleichzeitig alle Christen in der Region am Pranger. Oft kommt es dann auch zu Ausschreitungen gegen Christen.
Genau das passierte auch im Fall Asia Bibi. Wegen angeblicher Blasphemie war sie neun Jahre in der Todeszelle. Auch nach ihrem Freispruch ist sie nach wie vor nicht sicher. Radikale Islamisten versuchen, sie ausfindig zu machen und zu töten. Daher steht sie unter staatlichem Schutz. Wir hoffen, dass das oberste Gericht bald den Freispruch nochmals bestätigt und keine weitere Revision zulässt. Dann kann sie hoffentlich ausreisen und in Freiheit leben.

Asia Bibi ist kein Einzelfall. Was wissen Sie über das Schicksal der Christen, die ebenfalls wegen Blasphemie angeklagt sind?

Einem Bericht der katholischen Bischofskonferenz von Pakistan zufolge gibt es weitere 187 Fälle, in denen Christen wegen Blasphemie angeklagt sind. Darunter ist zum Beispiel das Ehepaar Shafqat Masih und Shagufta Bibi. Sie sind in der Todeszelle, ich habe sie dort besucht. Sie werden beschuldigt, blasphemische SMS verschickt zu haben. Das Paar bestreitet das. Ihre Zukunftsaussichten sind sehr düster. Selbst wenn sie doch noch freigesprochen werden sollten, werden sie und ihre Kinder nicht länger in Pakistan leben können. Fanatische Muslime werden versuchen, sie zu töten. Das Blasphemiegesetz zerstört das Leben der Angeklagten, auch wenn sie der Hinrichtung entgehen.

Nach dem Freispruch von Asia Bibi haben wir Bilder einer aufgeheizten Menge gesehen, die weiterhin ihre Hinrichtung fordert. Haben die Christen in Pakistan vor diesem Hintergrund jemals eine Chance auf Religionsfreiheit?

Es entstand der Eindruck, dass eine Gruppe militanter Muslime jederzeit das ganze Land lahmlegen können. Aber der militante Islamismus hat in Pakistan keine Mehrheit. Es gibt entweder zehn bis 15 Prozent radikale Islamisten, die die Menschen zu Gewalt anstacheln. Die Mehrheit der Muslime folgt diesen Aufheizern nicht. Sie setzen sich für die Religionsfreiheit auch der Christen ein. Es war eine große Erleichterung für Christen und Muslime, dass die pakistanischen Sicherheitskräfte in jüngster Zeit über 1000 Islamisten festgenommen hat. Es war ein richtiger Schritt der Regierung, hart gegen den Extremismus vorzugehen. Und ich hoffe, dass das so bleibt.

KIRCHE IN NOT arbeitet seit vielen Jahren mit Ihnen zusammen. Aus europäischer Sicht scheinen die Möglichkeiten begrenzt, um die Situation zu verändern. Macht die Hilfe dennoch einen Unterschied für die Christen in Pakistan?

Die Unterstützung von KIRCHE IN NOT trägt immens dazu bei, dass die Kirche in Pakistan den Glauben verkünden und den Dialog fortsetzen kann. Durch diese Hilfe ist es uns gelungen, viele Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen. Wir wollen zeigen, dass die verschiedenen Religionen keine Angst voreinander zu haben brauchen. Im Friedenzentrum in Lahore sind viele muslimische Geistliche, darunter der Großimam der zweitgrößten Moschee Pakistans, fester Bestandteil unseres Programms und enge Freunde. Ich bin überzeugt, dass eine gute und friedliche Zukunft im Dialog zwischen Christen und Muslimen begründet liegt.

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Nach fünf Jahren Ehe adoptierten Gulzar Masih und seine Frau, ein katholisches Ehepaar, mit Hilfe eines Freundes der Familie ein kleines Mädchen aus einem örtlichen Krankenhaus. Sie gaben ihm den Namen Meerab. Mittlerweile ist Meerab, die in Sargodha, Pakistan, lebt, 19 Jahre alt und erzählt der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT von ihrem schwierigen Leben und ihren Zielen für die Zukunft.

“Mein Vater war Gulzar Masih, meine Mutter ist Naasra Bibi. Ich habe einen acht Jahre alten Bruder, Shahryar Gulzar und gehöre zu einer katholischen Familie. Mein Vater arbeitete als Tagelöhner auf dem Bau und als Anstreicher; er verdiente 200 pakistanische Rupien am Tag, was etwa zwei Dollar entspricht. Aber an manchen Tagen gelang es ihm nicht, Arbeit zu finden, sodass wir gelegentlich auf die Mahlzeit verzichten mussten. Für unseren Bedarf zu sorgen, war für meinen Vater immer schwierig. Wir dankten aber dennoch Gott für seinen Segen.

Eines Tages wurde mein Vater schwer krank, und meine Mutter brachte ihn ins Krankenhaus. Der Arzt diagnostizierte Diabetes. Für eine angemessene Behandlung fehlte uns das Geld, so dass mein Vater starb.

Nach seinem Tod fand meine Mutter, obgleich sie unter großen Sorgen und Mühen litt, Arbeit als Haushaltshilfe. Der Lohn sollte unsere häuslichen Bedürfnisse und Ausbildungkosten decken. Das Einkommen unserer Familie war dennoch niedrig und die Kosten hoch, sodass ich meine schulische Ausbildung unterbrechen musste. Meine Mutter ermutigte mich, nicht den Glauben an Gott zu verlieren, wobei sie sagte, Er werde uns den Weg zeigen. Jede Nacht dachte ich an meinen Vater und die Nöte unserer Familie. So entschloss ich mich, meiner Mutter, die nicht sehr gesund war, zu helfen. Sie ist oft krank und leidet unter hohem Blutdruck.

Ich sagte ihr, ich würde ihr nach der Schule helfen und entweder mit ihr zusammen oder an ihrer Stelle arbeiten. Eines Tages ging ich allein zur Arbeit, wo der etwa 40 Jahre alte Hausherr mich bat, ihm eine Tasse Tee zu kochen. Als ich zu ihm kam, um ihn zu bedienen, hielt er mich am Arm fest und küsste mich. Ich fürchtete mich davor, dies meiner Mutter zu erzählen, da ich dachte, sie würde mich schlagen. Aber als sich dies wiederholte, erzählte ich es ihr. Daraufhin erlaubte sie mir nicht mehr, mit ihr zu arbeiten. Ich fragte mich, ob sie wohl genauso belästigt wird.

Ich betete immer zu Gott in der Hoffnung, dass Er uns helfen und einen Ausweg zeigen möge. Einige Leute besuchten uns und boten uns ihre Unterstützung an. Ich setzte meine schulische Ausbildung an der katholischen St. Ann’s Primary School fort. Mein Bruder besuchte zu dieser Zeit auch die Schule, aber aufgrund unserer finanziellen Schwierigkeiten verließ er sie wieder , um im Baugewerbe als Maler zu arbeiten.

Als ich in der achten Klasse war, begann die zu unserer Diözese gehörende Gesellschaft des heiligen Vinzenz von Paul uns finanziell zu helfen. Zu Beginn bekamen wir ein monatliches Stipendium in Höhe von 500 Rupien, das nach zwei Jahren auf 1000 Rupien erhöht wurde. Später bekam ich die Zulassung für die Oberschule am Ort, die von einer katholischen Organisation geleitet wird und eine der besten Schulen unserer Stadt ist. Ich bin unserem Schulleiter dankbar, der uns alle Gebühren erließ, so dass ich meine schulische Laufbahn problemlos fortsetzen konnte.

Dank der guten Menschen, die Gott uns sandte, kann ich an einem auf das Medizinstudium vorbereitenden Hochschulprogramm teilnehmen. Dort werde ich religiös diskriminiert, da die Schule muslimisch ist, aber ich weiß, dass Gott mit mir ist. Ich lebe in einer sehr armen Gegend; deshalb unterrichte ich abends 200 Kinder kostenlos. Ich wünsche mir sehr, Ärztin zu werden und den Armen zu helfen, damit niemand stirbt, wie mein Vater starb.

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