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Glaubens-Kompass - "Die Taufe"

Glaubens-Kompass - "Die Taufe"

Zur Taufe und zur Beerdigung, da sehen wir unsere Leute noch“, sagte ein Priester. Trotz aller Ressentiments gegen die Kirche scheint die Taufe in der Tradition Österreichs noch verwurzelt zu sein. Doch ebenso wie das Weihnachtsfest läuft die Taufe Gefahr, zu oberflächlich behandelt zu werden. Dabei bildet sie die Grundlage für ein christliches Leben.

Ist die Taufe überhaupt notwendig?

Für viele Menschen erschließt sich die Heilsnotwendigkeit der Taufe nicht automatisch. Es kursiert das Bild des „lieben Gottes“, der auf solchen vermeintlichen Bürokratismus doch verzichten könne. „Wichtig ist die Einstellung“, wird gerne gesagt. Bei eben dieser Einstellung kommt allerdings zu kurz, dass unser Glaube weniger auf unserem Empfinden von Moral gründet, sondern hauptsächlich auf der Offenbarung der Frohen Botschaft. Im Johannesevangelium heißt es ausdrücklich: „Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3,5). Letztendlich haben wir durch diese Aussage Gewissheit, dass die Taufe notwendig ist, um an Jesu Kreuzesopfer teilzuhaben und dadurch Heil zu erlangen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche [KKK] 1257ff.).

Was bewirkt die Taufe?

 Durch die Taufe werden wir vom einfachen Geschöpf zum Kind Gottes. „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben“ (Röm 8,17), sagt der Apostel Paulus. Beim Erben fällt dem Menschen etwas zu, für das er selbst keine Leistung erbringen muss. Das Erbe besteht letztendlich im ewigen Leben bei Gott.

Durch die Taufe werden uns sämtliche Sünden erlassen, sowohl die Erbsünde als auch die persönlichen Sünden. Allerdings ist das kein „Freischein“ für ein zügelloses Leben. Wenn wir sündigen, schwächen wir die Wirkung der Taufgnade ab, die uns erst zu den göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe befähigt. Durch das Sakrament der Buße (Beichte) und die Erneuerung des Taufversprechens müssen wir uns immer wieder neu auf geistige Weise reinigen, damit sich die Taufgnade voll entfalten kann. Durch die Taufe gelangen wir zu einer neuen Seinsweise, werden wir zu neuen Menschen, die auch Miterben am Reich Gottes sind: Wir werden zu Kindern Gottes. Durch die Taufgnade können wir die Gaben des Heiligen Geistes empfangen und auch im Guten wachsen. Als Ausdruck unseres Neuanfangs als „neue Schöpfung“ erhalten wir bei der Taufe einen bedeutungsvollen Namen.

Durch die Taufe werden wir zu Gliedern des Leibes Christi, also der Kirche. Alle Christen bilden eine Gemeinschaft, die als mystischer Leib Jesu Christi bezeichnet wird. Dabei bildet Jesus das Haupt, und wir sind die unterschiedlichen Glieder mit individuellen Fähigkeiten und Aufgaben. Die Taufe ist Grundvoraussetzung für den Empfang aller anderen Sakramente (Eucharistie, Bund der Ehe, Bußsakrament etc., vgl. KKK 1262ff.).

Jesus wird von Johannes dem Täufer getauft. Dieses Bild stammt aus unserer Kinderbibel „Gott spricht zu seinen Kindern“.

Wer kann getauft werden?

Laut Kirchenrecht kann jeder getauft werden, der noch nicht getauft wurde (KKK 1246). Wichtig ist dabei das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Dabei gilt es zwischen Kindstaufe und Erwachsenentaufe zu unterscheiden.

Kindstaufe:

Dies ist die bei uns übliche Form. Die Kirche lehrt, dass alle Menschen mit der Erbsünde belastet auf die Welt kommen. Dabei ist es egal, ob wir schon bewusst handeln und somit selber sündigen können oder nicht: Wir tragen bereits den Makel der Sünde Adams in uns. Die Folge der Sünde ist der Tod. Der Apostel Paulus schreibt: „Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1 Kor 15,22). Deshalb können auch Kleinkinder bereits getauft werden. Die Eltern und Paten spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie einerseits für das Kind sprechen und andererseits in die Pflicht genommen werden, sich um eine christliche Erziehung des Kindes zu kümmern. Erstkommunion und Firmung werden zeitlich später gespendet, wenn das Kind vernunftbegabt ist (vgl. KKK 1250-1252).

Erwachsenentaufe:

Ihr geht ein Unterricht im Glauben voraus, der sogenannte Katechumenat. Erst nach Erlangung eines bestimmten Wissensstandes und einer Bewährung im Leben nach den Geboten der Kirche wird der Taufbewerber (Katechumene) getauft. Obwohl sie noch nicht getauft sind, sind die Katechumenen eng mit der Kirche verbunden. Diese Form der Taufe findet oft dort statt, wo die Kirche noch jung ist oder der Taufbewerber noch keine Möglichkeit der Kindstaufe hatte. In derselben Feier folgen dann die Firmung und die Erstkommunion. Dadurch wird man zum vollmündigen Christen (vgl. KKK 1247-1249).

Sollte das Kind selbst entscheiden, ob es getauft werden will? Die Kirche rät ausdrücklich davon ab, Kinder nicht zu taufen. Ungetaufte sind ausgeschlossen von der oben erwähnten göttlichen Taufgnade, die für ein heilvolles Leben unerlässlich ist. Durch die Taufe wird dem Kind nicht die Freiheit genommen, sich später für oder gegen Gott zu entscheiden. Denn gelebter Glaube besteht in der täglichen Umkehr, die jeden Tag eine neue Entscheidung für Gott fordert.

Wer kann taufen?

Im Normalfall können Bischof, Priester oder Diakon die Taufe spenden. Im Notfall bei akuter Lebensgefahr kann jeder Mensch (sogar ein Ungetaufter) mit dem Satz „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (trinitarische Taufformel) unter Verwendung von Weihwasser oder gewöhnlichem Wasser wirksam taufen, wenn er das im Sinne der Kirche tut (vgl. KKK 1256).

Was geschieht mit Ungetauften, wenn sie sterben?

„Gott hat das Heil an das Sakrament der Taufe gebunden, aber er selbst ist nicht an seine Sakramente gebunden“ (KKK 1257). Das bedeutet, dass die Kirche als Leib Christi keinen anderen Weg des Heils als über die Taufe anbieten kann. Gott hat aber in seiner Allmacht alle Wege offen. Er will, dass alle Menschen gerettet werden (vgl. 1 Tim 2,4). Er hat aber gleichzeitig Respekt vor unserem freien Willen. Er zwingt uns das Heil nicht auf, wenn wir uns gegen ihn entscheiden. Wer sich aber nicht gegen Gott stellt und unverschuldet nicht getauft werden konnte, kann auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen.

Wie wird die Taufe gespendet?

Der Ritus der Taufe ist voller tief reichender Symbolik. Es gibt eine vorgeschriebene Abfolge, die alle wichtigen Elemente festlegt. Diese sind (vgl. KKK 1234-1245):

  • Kreuzzeichen:

Wir sind Christen und bekennen uns zu Jesus, der uns am Kreuz erlöst hat.

  • Verkündigung des Wortes Gottes:

Die Bibel ist das lebendige Wort Gottes und bewirkt den Glauben in uns.

  • Exorzismus mit Glaubensbekenntnis:

Der Täufling beziehungsweise seine Eltern und Paten widersagen dem Teufel und bekennen sich zum dreifaltigen Gott.

  • Weihe des Taufwassers:

Im Gebet wird Gott angerufen, damit die Kraft des Heiligen Geistes in das Wasser herabsteige.

  • Die eigentliche Taufe durch dreimaliges Eintauchen in das Taufwasser:

 Das Eintauchen und Wiederauftauchen steht für den Tod des alten sündigen Menschen und für die Auferstehung als neue Schöpfung. Es erinnert zudem an den Zug der Israeliten durch das Rote Meer nach der Flucht aus Ägypten. Gültig ist auch die Taufe durch dreimaliges Übergießen des Kopfes mit dem Taufwasser. Bei beiden Formen wird die trinitarische Taufformel gesprochen.

  • Salbung mit Chrisam:

Das Einreiben mit dem wohlriechenden Öl steht für den Empfang des Heiligen Geistes.

  • Anziehen des weißen Kleides:

Die weiße Farbe steht für die neu gewonnene Reinheit. Zugleich hat der Getaufte „Christus (als Gewand) angelegt“ (Gal 3,27).

  • Entzünden der Taufkerze an der Osterkerze:

Der Täufling ist erleuchtet durch Jesus Christus und wird zum „Licht der Welt“ (Mt 5,14).

  • Feierlicher Segen:

Der Segen Gottes ist eine Voraussetzung für Wachsen und Gelingen. Besonders wichtig bei der Kindstaufe ist die Segnung der Mutter. Mit der Taufe ist das Christ-Sein nicht vollendet, sondern es beginnt jetzt erst richtig. Gott hat für jeden Menschen einen einzigartigen Weg vorbereitet, auf dem er glücklich werden kann. Die Taufe ist der Startpunkt. Für unterwegs stellt uns die Kirche die Lehre und die Sakramente als Stärkung zur Verfügung. Am Ende wartet auf uns die Vollendung. „Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben“ (Jak 1,12).