Christenverfolgung in der Türkei - KIRCHE IN NOT Österreich
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Christenverfolgung in der Türkei

Christenverfolgung in der Türkei

Die Ankündigung vom August 2020, dass die Hagia Sophia und die Chora-Museen in Istanbul – die als christliche Kirchen gebaut wurden – formell zu Moscheen umgewidmet werden würden, war höchst umstritten. Während die Pläne für die Hagia Sophia vorangetrieben wurden, kam das Chora-Projekt zum Stillstand, nachdem das UNESCO-Welterbekomitee Bedenken geäußert hatte. Im Mai 2024 wurde das islamische Gebet in der ehemaligen Chora-Kirche jedoch wieder aufgenommen.

Die aktuellen Rechtsauslegungen des Lausanner Vertrags von 1923 gewähren nur armenisch-apostolischen orthodoxen Christen, griechisch-orthodoxen Christen und Juden den Status einer rechtlichen Minderheit. Trotz ihres Sonderstatus haben sie keine Rechtspersönlichkeit und können weder gemeinsam Eigentum kaufen oder besitzen, noch Rechtsmittel einlegen. Dasselbe gilt für andere Minderheitengruppen, darunter Katholiken und Protestanten. Derzeit können diese Gruppen Eigentum nur über separate Stiftungen besitzen.

Katholizismus, Protestantismus, Islam, Buddhismus und Taoismus sind die einzigen anerkannten Religionen. Anhänger dieser Glaubensrichtungen müssen ihre Religion unter der Schirmherrschaft einer der staatlich anerkannten „patriotischen Vereinigungen“ ausüben. Nur Gruppen (zum Beispiel örtliche Gemeinden), die diesen fünf Religionen angehören, dürfen sich registrieren lassen, um öffentliche Gottesdienste abhalten zu können.

Trotz dieser Einschränkungen wurde im Oktober 2023 die syrisch-orthodoxe Kirche St. Ephrem im Beisein von Präsident Recep Erdoğan offiziell eröffnet. Es ist die erste neue Kirche, die mit staatlicher Genehmigung seit der Gründung der modernen Türkei gebaut wurde. Kirchenquellen im Land teilten KIRCHE IN NOT mit, es gebe auch Hinweise darauf, dass die Regierung Baugenehmigungen für weitere neue Kirchen erteilen werde.

Christliche Gemeinden sehen sich außerdem weiterhin mit gewissen Einschränkungen bei der Ausbildung von Geistlichen konfrontiert. Protestantische Gemeinden können im Land keine Geistlichen ausbilden und sind weitgehend auf im Ausland geborene Priester angewiesen. Das Seminar der griechisch-orthodoxen Kirche in Halki ist seit mehr als einem halben Jahrhundert geschlossen und schickt deshalb, ebenso wie die armenisch-apostolische orthodoxe Kirche, Priesterkandidaten zum Studium ins Ausland.

Pfarrer Gabriel Akyuz von der syrisch-orthodoxen Kirche der 40 Märtyrer in Mardin lobte die Beseitigung bürokratischer Schwierigkeiten, die die Rückkehr aus der Türkei ausgewanderter Christen verhinderten. Er zollte dem türkischen Präsidenten Erdoğan und der regierenden AKP-Regierung Tribut und stellte fest, dass „die höchsten Behörden des Staates den Assyrern versichert haben, dass sie sicher in ihr Land zurückkehren können“. Die Ängste wurden jedoch erneut entfacht, als die 91-jährige syrisch-orthodoxe Rückkehrerin Gevriye Akgüç im November 2023 in Anhil, Mardin, erschossen wurde.


Einwohner

85 Millionen

Religionszugehörigkeit

98,2 % Muslime
0,2 % Christen
1,2 % Agnostiker
Detaillierte Informationen zur Religionsfreiheit in der Türkei und der aktuellen Situation im Land finden Sie in unserem Bericht “Religionsfreiheit weltweit” und in unserer Broschüre “Verfolgt und vergessen”, die Sie in unserem Shop kostenlos bestellen können.

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