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Die kleine katholische Gemeinde Algerien freut sich sehr auf die geplante Reise von Papst Leo XIV. in das nordafrikanische Land. „Der Besuch ist eine große Ermutigung für uns“, sagte der Bischof von Constantine-Hippone, Michel Jean-Paul Guillaud, in einem Interview mit KIRCHE IN NOT. Constantine ist die drittgrößte Stadt Algeriens und liegt im Nordosten des Landes. Auf dem Gebiet des Bistums befindet sich auch die frühere Bischofsstadt des heiligen Augustinus, Hippo Regius, das heutige Annaba.

Der Heilige Stuhl hatte bestätigt, dass der Papst im Rahmen einer Afrikareise vom 13. bis 23. April unter anderem Algerien besuchen wird. Leo XIV., der dem Augustinerorden angehört und dessen Generaloberer war, wird in die Hauptstadt Algier und nach Annaba reisen – Wirkungsort des Kirchenvaters Augustinus. Es ist der erste Besuch eines amtierenden Papstes in Algerien.

Für die Christen des Landes sei der Papstbesuch eine große Überraschung und Freude, erklärte Bischof Guillaud: „Für eine kleine Kirche wie die unsere ist es mehr, als wir erwarten konnten.“ Der Papst sei bereits zweimal als Generalprior des Augustinerordens in Algerien gewesen, unter anderem zu einer Konferenz über den heiligen Augustinus sowie zur Wiedereröffnung der Basilika in Annaba. Nun komme er, um „dem algerischen Volk selbst zu begegnen“.

Michel Jean-Paul Guillaud, Bischof von Constantine-Hippone in Algerien. © KIRCHE IN NOT

Leo XIV. kehrt als Papst an Orte des heiligen Augustinus zurück

Nach der Wahl von Papst Leo XIV. habe seine Selbstbezeichnung als „Sohn des heiligen Augustinus“ im Land große Aufmerksamkeit ausgelöst. Zunächst hätten manche Algerier dies geografisch verstanden, berichtete der Bischof, später habe man erkannt, dass es um eine geistliche Verbundenheit gehe. „Dass er drei Tage in Nordafrika verbringt, in einem Land mit muslimischer Mehrheit, ist ein starkes Zeichen.

Der Kirchenvater Augustinus (354–430), Bischof von Hippo Regius, wird heute auch in Algerien zunehmend als Teil des kulturellen Erbes wahrgenommen. Einen wichtigen Impuls habe eine internationale Konferenz im Jahr 2003 gegeben, die vom Hohen Islamischen Rat Algeriens gemeinsam mit der Universität Fribourg organisiert wurde, sagte Guillaud. Seitdem sei das Interesse an Augustinus gewachsen.

Blick auf die algerische Stadt Annaba, eine der geplanten Stationen der Papstreise. In der Antike hieß die Stadt Hippo Regius, wo der heilige Augustinus lebte. Die Überbleibsel der antiken Stadt liegen im Süden von Annaba. (Foto: pixabay)

Nur einige Zehntausend Katholiken in Algerien

Heute besuchen jedes Jahr Zehntausende Menschen die Basilika des heiligen Augustinus in Annaba – „99 Prozent von ihnen sind Muslime“, so der Bischof. Auch der algerische Staat habe zur Restaurierung der Basilika beigetragen. Augustinus werde zunehmend als gemeinsames kulturelles Erbe gesehen.

Christen bilden in Algerien eine sehr kleine Minderheit. Schätzungen zufolge leben in dem nordafrikanischen Land nur einige Zehntausend Katholiken unter einer überwiegend muslimischen Bevölkerung. Die katholische Kirche habe sich seit der Unabhängigkeit Algeriens stark verändert, erklärte Bischof Guillaud. Nach dem Weggang vieler europäischer Christen sei die Kirche deutlich kleiner geworden, besonders durch politische Umbrüche und Konflikte in den 1990er-Jahren.

Seit den 1980er-Jahren habe sich jedoch eine neue Realität entwickelt: Viele junge Christen aus Ländern südlich der Sahara kommen als Studierende nach Algerien. „Heute bestehen etwa 80 Prozent unserer Gemeinden aus Studierenden aus Ländern wie Uganda, Tansania, Simbabwe, Mosambik oder Angola“, sagte der Bischof. Dadurch sei eine junge und dynamische Gemeinschaft entstanden.

Papst Leo XIV. wird im April unter anderem nach Algerien reisen. Auf dem Programm stehen auch Besuche in anderen afrikanischen Ländern.

Große Entfernungen, kleine Gemeinschaften

Die Diözese Constantine-Hippone umfasst rund 110 000 Quadratkilometer, das entspricht etwa der Fläche der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Auf dem großen Gebiet ist die katholische Kirche an sieben Orten präsent. Etwa zehn Priester und eine ähnliche Zahl von Ordensschwestern betreuen die Gemeinden.

Nicht überall können regelmäßig Eucharistie gefeiert werden. Mancherorts versammeln sich die Gläubigen deshalb zum gemeinsamen Lesen der Bibel. „Wir entdecken neu, dass die Grundlage einer christlichen Gemeinschaft vor allem die Anwesenheit von Christen ist“, erklärte Guillaud.

Zugleich gibt es örtliche ökumenische Kontakte, etwa mit einer methodistischen Gemeinde in Constantine. Während der Gebetswoche für die Einheit der Christen werden gemeinsame Treffen organisiert. „Das Umfeld begünstigt eine sehr konkrete Form der Ökumene, die sich auf das Wesentliche konzentriert“, sagte Bischof Guillaud.

Ein Priester mit Gläubigen einer Gemeinde in Algier. © KIRCHE IN NOT

Vorsichtige Begleitung bei Taufwünschen

Gelegentlich wenden sich auch Einheimische an die Kirche mit dem Wunsch, Christ zu werden. In solchen Fällen gehe man sehr behutsam vor. Die Behörden seien über die Arbeit der Kirche informiert und respektierten die Gewissensfreiheit, solange keine missionarische Werbung betrieben werde, sagte der Bischof.

Wer um die Taufe bittet, werde deshalb sorgfältig begleitet und gründlich vorbereitet. Schwierigkeiten entstünden dabei oft eher im familiären Umfeld als durch staatliche Stellen, erklärte Guillaud. „Der Wechsel der religiösen Tradition kann in einer Gesellschaft, die an ihrem Erbe festhält, schmerzhaft sein“, erklärte Guillaud.

Der „Kleine Bruder Charles“ – ein großer Heiliger: Am 27. Mai erkannte Papst Franziskus ein zweites Wunder an, das dem seligen Charles de Foucauld (1858-1916) zugeschrieben wird. Der Heiligsprechung steht nun nichts mehr im Weg.

Der ehemalige französische Offizier und spätere Priester, Mönch und Sahara-Eremit ist für viele Menschen wegen seiner Anspruchslosigkeit und radikalen Christusnachfolge ein großes Vorbild.

Rund 20 Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschafen berufen sich auf ihn. Nicht zuletzt gilt er als Vorbild im christlich-muslimischen Dialog, hat er doch den größten Teil seines kontemplativen Lebens in Nordafrika verbracht.

Schwester Martine mit Kindern (Foto: Kleine Schwestern von Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/KIRCHE IN NOT).

Schwerpunkt von Foucaulds Wirken war Tamanrasset im Süden Algeriens, wo er unter dem Nomadenvolk der Tuareg lebte. Er entfaltete keine klassische Missionstätigkeit. Seine Predigt war sein Leben, die Gastfreundschaft und viele Stunden des Gebetes. So erwirbt er sich großes Ansehen in einer Region, in der seit Jahrhunderten kaum mehr Christen anzutreffen waren.

Vor einem gewaltsamen Tod bewahrte ihn das nicht: Am 1. Dezember 1916 überfallen und ermorden ihn bewaffnete Aufständische.

„Die Ankündigung, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird, weckt in mir eine tiefe innere Freude, erneuert meinen Glauben und stärkt meine Präsenz in einem muslimischen Land“, erzählt Schwester Martine Devriendt gegenüber KIRCHE IN NOT.

Gruppenfoto nach einer Taufe in Algerien.

„Von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert”

Sie steht wortwörtlich in der Nachfolge des künftigen Heiligen: Sie lebt seit über 20 Jahren in Tamanrasset, dem letzten Wirkungsort von Charles de Foucauld. Auch ihre Ordensgemeinschaft, die „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ sind von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert.

„Die Heiligsprechung bestätigt die Leitlinien von Charles de Foucauld gewissermaßen offiziell. Sie sind auch heute noch aktuell: Gebet, ein genügsames Leben, Freundschaft und Nähe zu Menschen in prekären Lebensverhältnissen“, ist Schwester Martine überzeugt.

In Tamanrasset – zur Zeit de Foucaulds ein kleines Dorf, heute eine Stadt mit über 100 000 Einwohnern – sind diese Leitlinien auch heute noch sichtbar: durch eine kleine Gemeinschaft, die sich durch eine kontemplative Präsenz im Dienst an den Mitmenschen inmitten einer muslimischen Umwelt auszeichnet.

Gottesdienst in Algerien.

Dienst inmitten einer muslimischen Umwelt

Die „Kleinen Schwestern“ sind im Jahr 1933 zeitgleich mit einer Brüdergemeinschaft entstanden. 1952 kamen die Schwestern nach Tamanrasset, wo sie sich nahe bei der Einsiedelei ihres Vorbilds niedergelassen haben.

Schwester Martine erklärt, warum die Präsenz christlicher Frauen in der Wüstenstadt wichtig ist: Sie hat Zugang zu muslimischen Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung, von denen es sehr viele gibt und die unter oft unter entsetzlichen Bedingungen leben. Die Ordensfrau macht Besuche zu Hause, in Spitälern und Gefängnissen, vermittelt Kontakte zu Ärzten, hilft bei Behördengängen und steht trauernden Menschen bei.

Zudem ist Tamanrasset ein Knotenpunkt geworden, „an dem sich ganz Algerien und Afrika begegnen“, so Schwester Martine. Während des Algerischen Bürgerkriegs suchten viele Menschen aus dem Norden des Landes Zuflucht im Süden.

Wüste in Algerien. Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten.”

Viele Miganten zugewandert

Auch viele Migranten aus Ländern südlich der Sahara sind zugewandert. Manche von ihnen suchen Arbeit in Algerien. Andere hoffen, von dort aus leichter nach Europa zu kommen. Unter ihnen gibt es sehr viele Christen, zum Beispiel aus Nigeria und Mali.

Die „Kleinen Schwestern“ sind für sie Anlaufstelle und geistliche Unterstützerinnen. Nicht nur in Algerien arbeiten sie eng mit ihrem männlichen Pendant, den „Kleinen Brüdern“ zusammen. „Hier ist es eine gemeinsame Mission mit den drei Brüdern. Schon seit eineinhalb Jahren sind wir ohne Priester. Ein Nachfolger wartet auf sein Einreisevisum.“

Auch Schwester Martine könnte Verstärkung brauchen: Seit fünf Jahren ist sie die Einzige ihrer Gemeinschaft, die in Tamanrasset lebt. Die älteren Schwestern mussten in ihre französische Heimat zurückkehren.

98,5 Prozent der Einwohner Algeriens sind Muslime, nur 0,2 Prozent sind Christen (Foto: Moschee in Algerien).

Schwestern möchten Präsenz im Land erhalten

Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten, weil uns Menschen fehlen, die neu hinzukommen. Jetzt geht es darum, Gemeinschaft in der Vielfalt der Charismen der Kongregationen und von weiblichen Laien zu schaffen, die sich für eine bestimmte Zeit engagieren wollen“, erklärte die Gemeinschaft im September 2019.

Um interessierten Frauen eine angemessene und vor allem sichere Unterkunft zu gewährleisten, sollen nun die Wohnmöglichkeiten erneuert werden. KIRCHE IN NOT finanziert das Projekt mit.

„Die Bewilligung ist zeitgleich mit der Ankündigung gekommen, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird. Das ist eine segensreiche Fügung und verleiht unserem Projekt noch mehr Aktualität“, schrieb die Generalpriorin der „Kleinen Schwestern“, Schwester Isabel Lara Jaén, an das Hilfswerk.

Das alte Wohngebäude der Schwestern aus Lehm (Foto: Kleine Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/KIRCHE IN NOT).

„Segensreiche Fügung”

Das ursprüngliche Wohngebäude der Gemeinschaft in Tamanrasset bestand nur aus Lehm, es gab keinen Strom und nur eine Außentoilette. Nach dem Abriss sind vier einfache Appartements entstanden – und ein kleiner Saal, um Gäste zu beherbergen. Im Herbst soll alles fertig sein.

Die „Kleinen Schwestern“ haben bereits einen Aufruf gestartet: Frauen können mindestens ein Jahr ein Leben in den Fußstapfen von Charles de Foucauld führen. „Es wollten auch schon ein paar Interessentinnen kommen, doch Corona hat das verhindert. Der Aufruf ist aber immer noch aktuell“, betont Schwester Martine. Sie lässt sich nicht entmutigen, so wie der „Kleine Bruder Charles“, der bald als Heiliger verehrt werden kann.

Um die Arbeit der „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ in Algerien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online …hier oder auf folgendes Konto:/

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck:Algerien

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