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Der christliche Konvertit Hamid Soudad sitzt seit dem 20. Jänner hinter Gittern. Noch am Tag der Festnahme kam er in der Küstenstadt Arzew (Provinz Oran) vor ein Gericht. Es verurteilte ihn wegen Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed zur Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Er soll im Internet eine Karikatur geteilt haben. Am 22. März bestätigte der Gerichtshof der Stadt Oran das erstinstanzliche Urteil.

Der Anwalt des Verurteilten ist davon überzeugt, dass die unverhältnismäßige Härte des Strafmaßes in Soudads Glaubenswechsel vom Islam zum Christentum begründet liegt. Dieser ist vierfacher Familienvater. Sein jüngstes Kind ist ein halbes Jahr alt, die anderen drei sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Gegen das Urteil legte Soudad Rechtsmittel ein.

Die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit kritisierte dieses und weitere Urteile gegen Konvertiten. Es handele sich um unverhohlene Versuche, das Recht algerischer Christen auf Religionsfreiheit zu verweigern. Ein Buchhändler aus Oran und sein Angestellter waren im Februar wegen Mission zu jeweils zwei Jahren Haft verurteilt worden. 

Der Anteil der Christen unter den 43 Millionen Einwohnern Algeriens – fast ausschließlich Muslime – liegt bei 0,3 Prozent. Die rund 129.000 Christen haben fast alle einen muslimischen Hintergrund. Wenn ihre Hinwendung zu Christus bekannt wird, verlieren sie meist ihren Arbeitsplatz und werden bei der Arbeitssuche diskriminiert. (Quell: IDEA)

Zwei Christen wurden wegen „Proselytismus“ (Bemühung um einen Wechsel der Konfession) zu zweijährigen Haftstrafen und hohen Geldstrafen verurteilt. Geahndet werden Vorfälle aus den Jahren 2008 und 2017. Pastor Rachid Seighir und einer seiner Gemeindemitglieder, Nouh Hamimi, erfuhren von ihren Strafen durch eine schriftliche Benachrichtigung, die an ihrem Kirchengebäude in Oran angeschlagen wurde.

Im September 2017 wurde eine Buchhandlung, die Pastor Rachid gehörte und in der Hamimi als Verkäufer arbeitete, von den Behörden in Oran durchsucht. Nachdem sie christliche Bücher, Druckmaschinen und Bibeln gefunden hatten, schloss der Gouverneur die Buchhandlung. 2018 und 2019 gewann die Kirche Gerichtsverfahren, die die Neuöffnung des Buchladens verfügten. Der Gouverneur weigerte sich jedoch, die Gerichtsentscheidung zu befolgen. Die Buchhandlung ist seit dem ursprünglichen Vorfall geschlossen geblieben.

Nach zwei erfolglosen Gerichtsverhandlungen legte die Kirche im Oktober 2019 Berufung bei einem Verwaltungsgericht ein. Es entschied zu ihren Gunsten. Das Urteil beinhaltete eine finanzielle Entschädigung von 3.745 USD. Stattdessen wurden Pastor Rachid und Hamimi am 27. Februar in Abwesenheit verurteilt. Beide gehen gegen ihre Verurteilung in Berufung.

Zwei weitere Christen wurden seit Dezember 2020 wegen Blasphemie angeklagt. (Quelle: ICC)

Der „Kleine Bruder Charles“ – ein großer Heiliger: Am 27. Mai erkannte Papst Franziskus ein zweites Wunder an, das dem seligen Charles de Foucauld (1858-1916) zugeschrieben wird. Der Heiligsprechung steht nun nichts mehr im Weg.

Der ehemalige französische Offizier und spätere Priester, Mönch und Sahara-Eremit ist für viele Menschen wegen seiner Anspruchslosigkeit und radikalen Christusnachfolge ein großes Vorbild.

Rund 20 Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschafen berufen sich auf ihn. Nicht zuletzt gilt er als Vorbild im christlich-muslimischen Dialog, hat er doch den größten Teil seines kontemplativen Lebens in Nordafrika verbracht.

Schwester Martine mit Kindern (Foto: Kleine Schwestern von Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/KIRCHE IN NOT).

Schwerpunkt von Foucaulds Wirken war Tamanrasset im Süden Algeriens, wo er unter dem Nomadenvolk der Tuareg lebte. Er entfaltete keine klassische Missionstätigkeit. Seine Predigt war sein Leben, die Gastfreundschaft und viele Stunden des Gebetes. So erwirbt er sich großes Ansehen in einer Region, in der seit Jahrhunderten kaum mehr Christen anzutreffen waren.

Vor einem gewaltsamen Tod bewahrte ihn das nicht: Am 1. Dezember 1916 überfallen und ermorden ihn bewaffnete Aufständische.

„Die Ankündigung, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird, weckt in mir eine tiefe innere Freude, erneuert meinen Glauben und stärkt meine Präsenz in einem muslimischen Land“, erzählt Schwester Martine Devriendt gegenüber KIRCHE IN NOT.

Gruppenfoto nach einer Taufe in Algerien.

„Von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert”

Sie steht wortwörtlich in der Nachfolge des künftigen Heiligen: Sie lebt seit über 20 Jahren in Tamanrasset, dem letzten Wirkungsort von Charles de Foucauld. Auch ihre Ordensgemeinschaft, die „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ sind von der Spiritualität des Wüstenmönchs inspiriert.

„Die Heiligsprechung bestätigt die Leitlinien von Charles de Foucauld gewissermaßen offiziell. Sie sind auch heute noch aktuell: Gebet, ein genügsames Leben, Freundschaft und Nähe zu Menschen in prekären Lebensverhältnissen“, ist Schwester Martine überzeugt.

In Tamanrasset – zur Zeit de Foucaulds ein kleines Dorf, heute eine Stadt mit über 100 000 Einwohnern – sind diese Leitlinien auch heute noch sichtbar: durch eine kleine Gemeinschaft, die sich durch eine kontemplative Präsenz im Dienst an den Mitmenschen inmitten einer muslimischen Umwelt auszeichnet.

Gottesdienst in Algerien.

Dienst inmitten einer muslimischen Umwelt

Die „Kleinen Schwestern“ sind im Jahr 1933 zeitgleich mit einer Brüdergemeinschaft entstanden. 1952 kamen die Schwestern nach Tamanrasset, wo sie sich nahe bei der Einsiedelei ihres Vorbilds niedergelassen haben.

Schwester Martine erklärt, warum die Präsenz christlicher Frauen in der Wüstenstadt wichtig ist: Sie hat Zugang zu muslimischen Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung, von denen es sehr viele gibt und die unter oft unter entsetzlichen Bedingungen leben. Die Ordensfrau macht Besuche zu Hause, in Spitälern und Gefängnissen, vermittelt Kontakte zu Ärzten, hilft bei Behördengängen und steht trauernden Menschen bei.

Zudem ist Tamanrasset ein Knotenpunkt geworden, „an dem sich ganz Algerien und Afrika begegnen“, so Schwester Martine. Während des Algerischen Bürgerkriegs suchten viele Menschen aus dem Norden des Landes Zuflucht im Süden.

Wüste in Algerien. Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten.“

Viele Miganten zugewandert

Auch viele Migranten aus Ländern südlich der Sahara sind zugewandert. Manche von ihnen suchen Arbeit in Algerien. Andere hoffen, von dort aus leichter nach Europa zu kommen. Unter ihnen gibt es sehr viele Christen, zum Beispiel aus Nigeria und Mali.

Die „Kleinen Schwestern“ sind für sie Anlaufstelle und geistliche Unterstützerinnen. Nicht nur in Algerien arbeiten sie eng mit ihrem männlichen Pendant, den „Kleinen Brüdern“ zusammen. „Hier ist es eine gemeinsame Mission mit den drei Brüdern. Schon seit eineinhalb Jahren sind wir ohne Priester. Ein Nachfolger wartet auf sein Einreisevisum.“

Auch Schwester Martine könnte Verstärkung brauchen: Seit fünf Jahren ist sie die Einzige ihrer Gemeinschaft, die in Tamanrasset lebt. Die älteren Schwestern mussten in ihre französische Heimat zurückkehren.

98,5 Prozent der Einwohner Algeriens sind Muslime, nur 0,2 Prozent sind Christen (Foto: Moschee in Algerien).

Schwestern möchten Präsenz im Land erhalten

Die „Kleinen Schwestern“ setzen alles daran, ihre Präsenz inmitten der muslimischen Umwelt zu erhalten und zu verstärken, aber: „Wir können diese nicht mehr allein aufrechterhalten, weil uns Menschen fehlen, die neu hinzukommen. Jetzt geht es darum, Gemeinschaft in der Vielfalt der Charismen der Kongregationen und von weiblichen Laien zu schaffen, die sich für eine bestimmte Zeit engagieren wollen“, erklärte die Gemeinschaft im September 2019.

Um interessierten Frauen eine angemessene und vor allem sichere Unterkunft zu gewährleisten, sollen nun die Wohnmöglichkeiten erneuert werden. KIRCHE IN NOT finanziert das Projekt mit.

„Die Bewilligung ist zeitgleich mit der Ankündigung gekommen, dass Charles de Foucauld heiliggesprochen wird. Das ist eine segensreiche Fügung und verleiht unserem Projekt noch mehr Aktualität“, schrieb die Generalpriorin der „Kleinen Schwestern“, Schwester Isabel Lara Jaén, an das Hilfswerk.

Das alte Wohngebäude der Schwestern aus Lehm (Foto: Kleine Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld/KIRCHE IN NOT).

„Segensreiche Fügung”

Das ursprüngliche Wohngebäude der Gemeinschaft in Tamanrasset bestand nur aus Lehm, es gab keinen Strom und nur eine Außentoilette. Nach dem Abriss sind vier einfache Appartements entstanden – und ein kleiner Saal, um Gäste zu beherbergen. Im Herbst soll alles fertig sein.

Die „Kleinen Schwestern“ haben bereits einen Aufruf gestartet: Frauen können mindestens ein Jahr ein Leben in den Fußstapfen von Charles de Foucauld führen. „Es wollten auch schon ein paar Interessentinnen kommen, doch Corona hat das verhindert. Der Aufruf ist aber immer noch aktuell“, betont Schwester Martine. Sie lässt sich nicht entmutigen, so wie der „Kleine Bruder Charles“, der bald als Heiliger verehrt werden kann.

Um die Arbeit der „Kleinen Schwestern vom Heiligsten Herzen von Charles de Foucauld“ in Algerien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online …hier oder auf folgendes Konto:/

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck:Algerien

Am 15. Oktober schlossen die algerischen Behörden die «Eglise du Plein Evangile» in Tizi Ouzou. Es war der nächste Schritt der Regierung im Rahmen ihres mutmaßlichen Plans, alle protestantischen Kirchen im grössten Land Afrikas zu schließen.

Der langjährige Leiter der Gemeinde, Pastor Salah, lud am selben Tag die etwa 700 Gemeindeglieder zu einer letzten gemeinsamen Versammlung in der Kirche ein, um die Informationen über die bevorstehende Schliessung mitzuteilen. Die Gemeinde zählt zu den grössten Algeriens. Seit Anfang 2018 haben 17 Gemeinden von den Behörden einen Schließungsbefehl erhalten und wurden aufgefordert, ihre christlichen Aktivitäten zu stoppen. Bei zwölf dieser Gemeinden wurden die Gottesdiensträume von den Behörden versiegelt. Letzte Woche ist eine weitere Kirchgemeinde über ihre baldige Schließung informiert worden.

Über die möglichen Hintergründe befragt, sagt Pastor Salah: «Wir haben damit gerechnet, da es eine Strategie der Regierung ist, die Kirchen zu schließen. Ich glaube, dass alle protestantischen Kirchen in Algerien ins Visier genommen werden. Einer der Hauptgründe ist vermutlich, dass wir so viele Christen mit muslimischem Hintergrund haben. Das missfällt den Behörden.»

Trotz des schmerzhaften Einschnitts in das blühende Gemeindeleben sieht Pastor Salah seine Kirche noch nicht am Ende. Er erwartet, dass sich die Christen künftig in Privathäusern treffen: «Einige Gemeinden in unserem Land versammeln sich draußen im Freien, um den Herrn gemeinsam anzubeten. Andere Kirchen versammeln sich nun als Hauskirchen. Ich denke, das werden wir auch tun.» Allerdings fügt er an: «Ich fürchte, dass die Behörden auch die Hauskirchen verbieten werden.»

Erst vor zwei Woche hatte die «Protestantische Kirche von Algerien» (EPA) eine Pressemeldung veröffentlicht, nachdem allein im Bezirk Bejaia fünf Kirchen geschlossen worden waren. In der Meldung fordert die Kirchenleitung «die Entfernung der Siegel von den Versammlungsstätten, ein Ende der Einschüchterung unserer Gemeinschaften und Mitglieder sowie die Aufhebung des freiheitsraubenden Gesetzes von 2006». Man habe alle administrativen Möglichkeiten ausgeschöpft. Die EPA bedauert insbesondere die nicht nachvollziehbare und unbegründete Weigerung der Behörden von Bejaia, ihnen eine Anhörung zu gewähren.

Pastor Salah hofft jetzt auf die Unterstützung der Christen: «Ich bitte die weltweite Gemeinde, dafür zu beten, dass der Herr während dieser Notlage bei uns sein wird.» Salah empfiehlt das Gebet der Jünger aus Apostelgeschichte 4,24-30. Dort heisst es unter anderem: «Die Könige der Erde lehnen sich auf … gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Sieh ihre Drohungen an und verleihe deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden.» (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS/wikipedia)

„Wütend und traurig“ sei er, sagt Pastor Salah von der Full Gospel Church in Tizi Ouzou. Letzten Freitag informierte ihn die örtliche Polizei, dass man das Kirchengebäude der Gemeinde am Mittwoch, den 16. Oktober schließen werde. Es ist der nächste Schritt der Regierung im Rahmen ihres mutmaßlichen Plans, alle protestantischen Kirchen im größten Land Afrikas zu schließen. 

15 Kirchen seit Anfang 2018 geschlossen

Pastor Salah lud die etwa 700 Gemeindeglieder zu einer letzten gemeinsamen Versammlung in der Kirche am gestrigen Dienstag ein, um die Informationen über die bevorstehende Schließung mitzuteilen. Die Gemeinde zählt zu den größten Algeriens. Auch eine Gemeinde der „Assemblies of God“ in Tizi Ouzou sowie eine Gemeinde in Makouda wurden über ihre bevorstehende Schließung informiert. Seit Anfang 2018 wurden damit bereits über 15 Kirchen in Algerien geschlossen. Über die möglichen Hintergründe befragt, sagt Pastor Salah: „Wir haben damit gerechnet, da es eine Strategie der Regierung ist, die Kirchen zu schließen. Ich glaube, dass alle protestantischen Kirchen in Algerien ins Visier genommen werden. Einer der Hauptgründe ist vermutlich, dass wir so viele Christen mit muslimischem Hintergrund haben. Das missfällt den Behörden.“

Trotz des schmerzhaften Einschnitts in das blühende Gemeindeleben sieht Pastor Salah seine Kirche noch nicht am Ende. Er erwartet, dass sich die Christen künftig in Privathäusern treffen: „Einige Gemeinden in unserem Land versammeln sich draußen im Freien, um den Herrn gemeinsam anzubeten. Andere Kirchen versammeln sich nun als Hauskirchen. Ich denke, das werden wir auch tun.“

Im Blick auf die Zukunft der Kirche in seinem Land beobachtet Salah den gegenwärtigen Trend zu Kirchenschließungen jedoch mit großer Sorge: „Ich fürchte, dass die Behörden auch die Hauskirchen verbieten werden. Wir haben das bereits erlebt. Pastoren, deren Kirchen geschlossen waren, begannen, Versammlungen in den Häusern abzuhalten, und die Regierung hat es untersagt.“

Verhalten der Behörden „nicht nachvollziehbar und unbegründet“

Erst in der vergangenen Woche hat die „Protestantische Kirche von Algerien“ (EPA) eine Pressemeldung veröffentlicht, nachdem allein im Bezirk Bejaia fünf Kirchen geschlossen worden waren. In der Meldung fordert die Kirchenleitung „die Entfernung der Siegel von den Versammlungsstätten“, ein Ende der „Einschüchterung unserer Gemeinschaften und Mitglieder“ sowie die Aufhebung des „freiheitsraubenden Gesetzes von 2006“. Man habe alle administrativen Möglichkeiten ausgeschöpft. „Die Türen des Dialogs wurden leider von den Behörden geschlossen. Die EPA bedauert insbesondere die nicht nachvollziehbare und unbegründete Weigerung der Behörden von Bejaia, ihr eine Anhörung zu gewähren, um die Frage der Schließung der Gotteshäuser anzusprechen.“

Pastor Salah aus Tizi Ouzou hofft jetzt auf die Unterstützung anderer Christen: „Ich bitte die weltweite Gemeinde, dafür zu beten, dass der Herr während dieser Notlage bei uns sein wird. Ich hoffe auch, dass Christen auf der ganzen Welt ihre Regierungen bitten werden, die algerische Regierung aufzufordern, mit dem, was sie tut, aufzuhören.“ Salah empfiehlt das Gebet der Jünger aus Apostelgeschichte 4,24-30. Dort heißt es unter anderem: „Die Könige der Erde lehnen sich auf … gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Sieh ihre Drohungen an und verleihe deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden.“ (Quelle und Bild: Open Doors)

Am 25. September teilten Beamte den Führern der Kirche von Tigzirt, einer Küstenstadt im Nordosten Algeriens in der Provinz Tizi-Ouzou, mit, dass ihr Gebäude bald geschlossen werde. Gendarmen versiegelten es am nächsten Tag. Das Gebäude diente seit 2013 als Bibelschule und seit 2015 als Gottesdienststätte für rund 70 Gemeindemitglieder.

Im November 2017 starteten algerische Behörden eine systematische Kampagne zur Schließung christlicher Kultstätten und anderer christlicher Institutionen. Bisher wurden neun der EPA angeschlossene Kirchengebäude (l’Église Protestante d’Algérie, der gesetzlich anerkannten Dachorganisation protestantischer Kirchen in Algerien) geschlossen. Weitere vier kirchliche Gruppen wurden angewiesen, alle Aktivitäten einzustellen. In einigen Fällen wurden Vermieter von den Behörden unter Druck gesetzt, Gläubigen den Zugang zu den Räumlichkeiten zu verweigern. (Quelle: Middle East Concern)

Eine 40-jährige muslimische Frau in Algerien verklagt ihren christlichen Ehemann (50) und beschuldigt ihn, sie zum Christentum bekehren zu wollen. Ebenfalls des gleichen „Verbrechens“ angeklagt sind drei Mitglieder einer anderen Familie, allesamt Christen, die versucht hatten, zwischen dem Paar zu vermitteln. Zum Zeitpunkt des Schreibens war der Fall noch nicht entschieden. „Einen Muslim zum Religionswechsel anzuregen“ ist ein Verbrechen gemäß Verordnung 6-3 von 2006. Die Strafe beträgt zwei bis fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu einer Million Dinar (ca.  7.500 €). Betet für die vier angeklagten Christen, dass die Anklage gegen sie fallen gelassen wird. (Quelle: Barnabasfund)

Am 14. November ordnete ein Gericht die Schließung der Kirche in Aït Djemaa, 35 km südlich von Tizi Ouzou im Bezirk Ait Bouadou an.  Der Befehl wurde erteilt, weil die Kirche nicht über die erforderliche Erlaubnis des Nationalkomitees für nicht-muslimische kultische Handlungen verfügt.

Die Bezirksbehörden reichten im September 2017 eine Klage gegen diese Kirche ein und warfen der Kirche vor, gegen die Vorschriften des Dekrets 2006-03 zu verstoßen, das die nicht-muslimische kultische Handlungen regelt.  Das Gebäude ist für die Wohn- oder Geschäftsnutzung, nicht aber als Kultstätte ausgewiesen.  Die Kirche ist der Evangelischen Kirche von Algerien (L’Église Protestante d’Algérie / EPA) angeschlossen, aber das Gericht hat entschieden, dass eine solche Zugehörigkeit die Anforderung, dass einzelne Kirchen die Erlaubnis des Nationalkomitees einholen müssen, nicht erfüllt.  Die EPA wird gegen das jüngste Urteil Berufung einlegen.

Diese Situation spiegelt eine seit langem bestehende rechtliche Schwierigkeit für die Kirchen in Algerien wider.  Das Dekret 2006-03 schreibt vor, dass vor der Nutzung eines Gebäudes für nicht-muslimische Gottesdienste eine Genehmigung eingeholt werden muss.  Die Behörden haben jedoch fast alle Anträge von Kirchen, die dem gesetzlich registrierten WPA angehören, nicht beantwortet.  Angesichts der mangelnden Resonanz ist es für Kirchen zum Standard geworden, Räumlichkeiten zu mieten und die örtlichen Behörden darüber zu informieren, dass sie ihre Räumlichkeiten als Gotteshäuser nutzen. (Quelle: MEC/AKREF/pm, Bild: TUBS)

Vergangenes Wochenende verriegelten die Behörden zwei Gemeinden in der nordöstlichen Provinz Kabylie. Genau dort wächst die Gemeinde Jesu derzeit am meisten. Eine der Gemeinden befindet sich in Ait-Mellikeche, ca. 200 km östlich der Hauptstadt Algier. Sie wurde im Jahr 2005 gegründet und mehr als 200 Algerier besuchen den wöchentlichen Gottesdienst. Die Benachrichtigung, dass die Kirche geschlossen werden würde, kam ohne Vorwarnung und wurde von keinem der Leiter erwartet.“Die Beamten kamen am Freitagmorgen und verriegelten einfach den Haupteingang. Zuvor hatten sie das ja schon bei anderen Kirchen gemacht, aber hatten zumindest einen Hinweis gegeben“, berichtet ein Gemeindeleiter.

Bis jetzt gab es keinerlei Erklärung, warum die Behörden so handelten. Am 28. Mai begaben sich einige der Gemeindeleiter zur Polizeistation, um die Motive der Behörden herauszufinden und sich zu bemühen, die Schließung wieder aufzuheben. „Doch wir wurden mit leeren Händen einfach wieder nach Hause geschickt“, berichtet einer der Leiter. „Die Polizei  erklärte uns, dass wir eine Bitte um Öffnung des Gebäudes beim Präfekten einreichen müssten – denn er sei es auch gewesen, der die Schließung angeordnet hätte.“

Die zweite Gemeinde befindet sich der Stadt Maatkas, ca. 100 km östlich von Algier. Es war derselbe Präfekt, der die Schließung angeordnet hatte. Die Gemeinde dort ist derzeit am Wachsen und momentan treffen sich 60 Gemeindeglieder. Auch hier wurden keinerlei Ankündigungen gemacht. Am Samstagmorgen traf die Polizei ein, verriegelte das Gebäude und gab den Ältesten die Anweisung, es bis auf Weiteres nicht wieder zu öffnen.

Die algerische Regierung wurde immer wieder wegen Diskriminierung der christlichen Minderheit im Land kritisiert. Gemeinden und Einzelpersonen waren die letzten Monate ganz besonders immer wieder mit steigenden Einschränkungen konfrontiert. Dies lässt darauf schließen, dass dieser Druck zu einer koordinierten Kampagne gegen Christen gehört. (Quelle: World Watch Monitor/HMK,

Christen und christliche Gemeinden in Algerien sind in den vergangenen Wochen verstärkt unter Druck geraten. Die christliche Hilfsorganisation Middle East Concern (MEC) äußerte deshalb Befürchtungen, dahinter könne eine „koordinierte Kampagne eines verstärkten Vorgehens gegen Kirchen durch staatliche Stellen“ stehen.

Ein „vereitelter Evangelisationsversuch“ und fehlende Genehmigungen

Am 19. Dezember wurden drei Christen in Chlef verhaftet, 200 km nordwestlich der Hauptstadt Algier. Nach Angaben von MEC stammen sie aus der Stadt Tizi Ouzou und waren in einem öffentlichen Café mit einer Kontaktperson verabredet. „Die Polizei kam auf sie zu, fand christliche Literatur bei ihnen und nahm sie daraufhin mit aufs Revier. Dort folgte ein langes und intensives Verhör“, so MEC.

Eine Lokalzeitung berichtete von einem „vereitelten Evangelisationsversuch“ und beschuldigte die Christen, unter dem Deckmantel humanitärer Aktivitäten zu agieren, während sie junge Muslime mit finanziellen Anreizen und Reisen zum Religionswechsel verführten. Obwohl die Christen kurz darauf wieder freikamen, droht ihnen eine Anklage wegen „Proselytismus“ (Verführung zum Religionswechsel).

In derselben Woche erhielten zwei Kirchen in der Provinz Bejaia (nordöstliche Kabylei) Besuch von einem behördlichen Komitee, das aus Vertretern des Religionsministeriums, der Feuerwehr, der Bundespolizei und des Geheimdienstes bestand. „Die Kirchen wurden informiert, man überprüfe lediglich die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen“, berichtete MEC. „Die beiden Gebäude dienen acht Gemeinden in Bejaia als Versammlungsort. Das Ergebnis der Überprüfung steht noch aus.“

In der südalgerischen Stadt Ouargla erhielt eine seit zehn Jahren existierende Kirche nach einer Gebäudeinspektion am 14. Dezember die Anordnung des Provinzgouverneurs, alle religiösen Aktivitäten einzustellen. „Den Leitern wurde mitgeteilt, sie verfügten nicht über die erforderliche Genehmigung, um das Gebäude für Gottesdienste zu nutzen; außerdem erfülle das Haus nicht die geltenden Sicherheitsauflagen. Man riet ihnen, die nötigen Anträge beim Religionsministerium einzureichen, und wies sie darauf hin, dass weitere religiöse Aktivitäten frühestens drei Monate nach Erhalt einer Genehmigung beginnen dürften“, so der MEC-Bericht weiter.

Bereits im November waren eine Kirche und ein christlicher Buchladen in der Nähe von Oran zur Schließung gezwungen worden. (Quelle: MEC)

Die Schließung aller christlichen Kirchen in Algerien und möglicherweise deren Umwandlung in Moscheen fordert der algerische salafistische Religionsführer Abdel Fattah Zarawi, Präsident der salafistischen Front Algeriens. Seine Forderung rechtfertigt er als Reaktion auf islamfeindliche Episoden, die seiner Ansicht nach in vielen europäischen Ländern, insbesondere auch in Frankreich zunehmen. Dies berichten algerische Medien. Auch algerische Basiliken, wie zum Beispiel “Notre Dame d’Afrique” in Algier und die des heiligen Augustinus in Annaba werden als Überreste der Kolonialzeit bezeichnet, von denen sich das Land befreien müsse. (Quelle: Fidesdienst, Foto: Yelles/wikipedia)

Immer wieder werden Christen in Algerien öffentlich diskriminiert. So wurde nun einer christlichen Familie verweigert, ihren verstorbenen Sohn Lahlou Naroubi (24) auf dem öffentlichen Friedhof seines Heimatortes zu begraben. Nur eine Beerdigung nach muslimischen Bestattungsregeln sei auf dem Friedhof erlaubt, wurde ihnen mitgeteilt. Aufgrund dieser Forderung bestattete die Familie, die in Chemini in der nordalgerischen Kabylei wohnt, den Studenten lieber auf einem privaten Grundstück. „Die muslimische Gemeinschaft Cheminis informierte uns, dass ihre Religion es ihnen nicht gestatte, einen Christen gemeinsam mit Muslimen auf ein und demselben Friedhof zu begraben“, ergänzte Pastor Nordine Mahmoudik, der Naraouis Begräbnis geleitet hatte.

Diskriminierung von Christen an der Tagesordnung 

Dieser Fall ist nicht der erste seiner Art. Bereits 2011 weigerte man sich in der Nähe, in Akbou, eine christliche Beerdigung zuzulassen. Die offizielle Begründung der Behörden lautete: „Der Islam duldet keine Bestattung von Ungläubigen neben Muslimen.“ Damals spendete die örtliche Kirchengemeinde ein Stück Land, auf dem Christen begraben werden konnten. (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS)

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