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Blasphemiegesetz

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In diesem bewegenden Video-Interview mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT  (ACN) appelliert Asia Bibi an den pakistanischen Premierminister Imran Khan, Minderheiten zu verteidigen. Sie erinnert an das Drama zahlreicher pakistanischer minderjähriger Frauen, die entführt, bekehrt und gewaltsam zur Heirat gezwungen wurden.

Die pakistanische Christin, die zu einem Symbol für das durch die weltweite Christenverfolgung verursachte Leiden geworden ist, sprach von ihrem derzeitigen Wohnsitz in Kanada aus mit dem Direktor von KIRCHE IN NOT Italien, Alessandro Monteduro. Monteduro erwähnte dabei die beiden jungen Christinnen Huma Younus und Maira Shahbaz, die Opfer von Missbrauch wurden. Das Hilfswerk verteidigt deren Fälle mit einer langfristigen Medienkampagne.

Asia Bibi sagte dazu: „Ich weiß, dass diese Mädchen verfolgt werden. Ich appelliere an den Premierminister Pakistans Imran Khan, unseren Mädchen zu helfen, denn keine von ihnen sollte leiden müssen!“

Asia Bibi

Ein weiteres besonders heikles Thema, das in den letzten Tagen erneut die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich gezogen hat, ist das sogenannte Blasphemiegesetz. Laut dem vom Hilfswerk veröffentlichten Bericht über Religionsfreiheit schränken die sogenannten Blasphemiegesetze, die 1986 in das pakistanische Strafgesetzbuch aufgenommen wurden (Abschnitte 295 B, 295 C, 298 A, 298 B, 298 C), die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit massiv ein. Das Schänden des Koran, sowie das Beleidigen des Propheten stellen Straftaten dar, welche im Höchstfall jeweils mit lebenslänglicher Haft sowie dem Tod bestraft werden können. Im Alltag werden diese Gesetze häufig als Mittel genutzt, um religiöse Minderheiten zu verfolgen. Asia Bibi, eine Mutter von fünf Kindern, war genau aufgrund dieser Anklage von 2009 bis zur Aufhebung des Urteils durch das höchste Gericht Pakistans im Oktober 2018 inhaftiert.

„Als Pakistan gegründet und von Indien getrennt wurde, garantierte der Gründer Ali Jinnah in seiner Eröffnungsrede allen Bürgern Religions- und Gedankenfreiheit“, erklärte Asia Bibi in dem Interview. „Aber heute gibt es einige Gruppen, die die bestehenden Gesetze missbrauchen. Deshalb appelliere ich an den pakistanischen Premierminister, insbesondere die Opfer des Blasphemiegesetzes und die gewaltsam bekehrten Mädchen sowie die Minderheiten, die auch pakistanische Bürger sind, zu verteidigen und zu schützen. Als Opfer spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich habe schrecklich gelitten und viele Schwierigkeiten durchlebt; aber jetzt bin ich frei, und ich hoffe, dass diese Gesetze so geändert werden können, dass jeder Missbrauch vermieden wird“, sagte Asia Bibi.

Christliche Familie in Pakistan.

Bei dem Interview, das vollständig auf dem YouTube-Kanal von KIRCHE IN NOT Italien veröffentlicht wurde, bezog sich Asia Bibi auch auf Papst Franziskus. „Ich habe zwei Rosenkränze, die der Heilige Vater gesegnet hat“, sagte sie. „Der eine ist in Pakistan geblieben, den anderen habe ich bei mir. Ich bete den Rosenkranz jeden Tag für den Glauben und für die Verfolgten in Pakistan. Ich danke dem Heiligen Vater Franziskus und Papst Benedikt, die für mich Fürsprache einlegten. Ebenfalls danke ich KIRCHE IN NOT und den vielen anderen Menschen, die für mich gebetet haben.“

Im Namen von KIRCHE IN NOT lud Monteduro Bibi und ihre Familie nach Rom ein. Sie nahm die Einladung mit Freude auf: „Ich habe den großen Wunsch, Rom zu besuchen und, wenn möglich, den Heiligen Vater zu treffen“, antwortete Asia. „Ich bete für Papst Franziskus, der uns in unserem Glauben bestärkt“. Die pakistanische Christin wandte sich abschließend an die Wohltäter des Hilfswerks: „Ich danke KIRCHE IN NOT und allen Wohltätern in Italien und auf der ganzen Welt für die Unterstützung von Menschen, die wie ich wegen ihres Glaubens verfolgt werden.“

KIRCHE IN NOT unterstützt notleidende und verfolgte Christen in Pakistan. Um den Christen weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Pakistan

In Pakistan häufen sich Vorfälle, bei denen Christen und andere religiöse Minderheiten bei der Verteilung von Schutzausrüstungen und humanitären Hilfen während der Corona-Pandemie benachteiligt werden. Dies berichtete Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Dem Leiter der katholischen Menschenrechtsorganisation zufolge gibt es zahlreiche Berichte, wonach islamische Organisationen und Moscheegemeinden Christen bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Nothilfen dezidiert zurückwiesen. Dies sei zum Beispiel in einem Dorf in der Nähe von Lahore der Fall gewesen. In einem anderen Dorf in der Provinz Punjab seien 100 christliche Familien von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen worden.

Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), bei einem Kongress von KIRCHE IN NOT.

Christen besonders von Ansteckung gefährdet

Es gebe auch Meldungen über Hilfspersonal, das Nichtmuslimen die Unterstützung verweigert habe mit dem Hinweis, dass es sich um Spenden aus der „Zakat“, der islamischen Armensteuer, handle. Chaudry zitierte einen Imam aus Lahore, der bei einer Predigt angekündigt habe: „Morgen früh werden Hilfsgüter an Notleidende verteilt, aber nur an Muslime.“

Dabei gehörten Christen und andere religiöse Minderheiten zu den besonders hilfsbedürftigen Gruppen der pakistanischen Gesellschaft, so der Menschenrechtler. Viele von ihnen lebten als Tagelöhner unter der Armutsgrenze; ihre Einkunftsmöglichkeiten seien durch die Pandemie weggebrochen. Auch seien sie besonders ansteckungsgefährdet, da sie zum Beispiel als Hausangestellte, in Ziegeleien oder bei der Müll- und Abwasserbeseitigung arbeiten, erklärte Chaudry: „Covid-19 kennt keine Grenzen – Jeder ist gefährdet, unabhängig von der Religion. Ist es also gerecht, Christen und anderen Minderheiten die Nothilfe zu verweigern?“

Arbeiter in einer Ziegelei in Faisalabad. Viele Christen arbeiten in diesem Bereich.

Religiöse Minderheiten in Entscheidungen einbeziehen

Der NCJP-Leiter rief die pakistanische Regierung auf, Schutzmaterialien für besonders gefährdete Berufsgruppen zur Verfügung zu stellen, unter denen auch viele Christen seien. Außerdem sollten die religiösen Minderheiten bei den Initiativen zur Pandemie-Bekämpfung hinzugezogen werden, so Chaudry: „Wir haben bislang keine Kenntnis über Initiativen, die Angehörige religiöser Minderheiten miteinbeziehen. Ihre Bedürfnisse dürfen nicht ignoriert werden.“

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spendenonline … hier  oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

Während ihres Aufenthalts in Frankreich beantragte Asia Bibi politisches Asyl. Die pakistanische Christin, deren Schicksal KIRCHE IN NOT seit ihrer Verurteilung im Jahr 2010 verfolgt, gewährte uns ein Interview. 

Offensichtlich ist Asia Bibi müde. Interviews und offizielle Treffen nehmen die wenigen Tage in Anspruch, die sie in Frankreich verbringt. Doch sie lächelt den Fotografen zu, die unablässig Bilder machen, und gibt tapfer eine Reihe Interviews: „Es ist den Medien zu verdanken, dass ich noch lebe“, versichert sie.

Opfer eines absurden Gesetzes

Das Ende ihres Leidensweges verdankt sie vor allem der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet, die sie „ihre Schwester“ nennt und die ihr bei der Veröffentlichung des Buches „Enfin libre!“ (Endlich frei! erschienen bei du Rocher) geholfen hat. Diese Autobiografie erzählt, wie die pakistanische, katholische Bäuerin zu einer weltweiten Ikone des Widerstands gegen den islamischen Fundamentalismus wurde. Von ihren muslimischen Nachbarn der Blasphemie beschuldigt, verbrachte Asia Bibi neun Jahre im Gefängnis, unter Androhung der Hinrichtung, nachdem sie zum Tode verurteilt worden war. Das pakistanische Antiblasphemie-Gesetz wird häufig zur Beilegung einfacher Nachbarschaftsstreitigkeiten herangezogen und hat schlimme Folgen. Die Angeklagten werden oft von einem wütenden Mob gelyncht oder „verschwinden“, „begehen Selbstmord“ im Gefängnis. Die Medienberichterstattung über Asia Bibi hat sie vor diesem Schicksal bewahrt.

Am 31. Oktober 2018 wurde sie vom pakistanischen Obersten Gerichtshof auf Berufung freigesprochen und konnte nach vielen Höhen und Tiefen am 8. Mai 2019 – dank des internationalen Drucks – endlich nach Kanada ausreisen. Es gibt jetzt eine „Asia-Bibi-Rechtsprechung“, die es den der Blasphemie Beschuldigten erlaubt, sich gegen ihre Ankläger zu wenden. Das Antiblasphemie-Gesetz existiert in Pakistan immer noch, aber es ist zu einem Risiko geworden, es zu benutzen, um jemandem zu schaden.

Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich berühmt werden würde“, sagt Asia Bibi mit ihrer leisen Stimme. Sie erzählt von einer glücklichen Kindheit in ihrer Heimat Pakistan: „Ich habe mit meinen muslimischen Nachbarn gespielt, es gab keine Trennung“, erinnert sie sich nostalgisch. Im Alter von acht Jahren getauft, kann sie ihren Glauben ohne Schwierigkeiten leben. Was ihr religiöses Erbe angeht, erinnert sie an die lange Geschichte der pakistanischen Christen: „Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.“ Mit der Zeit wird Asia Bibi jedoch bewusst, dass es doch Unterschiede zwischen Christen und Muslimen in ihrem Land gibt. Sie erfährt von Angriffen gegen Christen. Einige werden von wütenden Mobs gelyncht. Es gibt auch Vorfälle von Muslimen, die junge christliche Frauen entführen und sie zwingen, zum Islam überzutreten, um sie zu heiraten.

Christen sind „unrein“.

Asia Bibi entdeckt auch, dass Muslime Christen als „unrein“ betrachten. Wegen dieses Irrglaubens wird ihr Leben an einem heißen Tag, dem 14. Juni 2009, auf den Kopf gestellt. Bei der Arbeit mit muslimischen Nachbarn wird sie gebeten, Wasser zu holen. Sie gehorcht, holt das Wasser und trinkt dann aus einer Tasse, bevor sie den anderen den Behälter bringt. Eine der Frauen weigert sich zu trinken, weil Asia die Flüssigkeit „unrein“ gemacht hätte. Asia Bibi verteidigt sich, indem sie sagt, dass sie nicht glaubt, dass der Prophet Mohammed dem zustimmen würde. Ihr wird gesagt, dass sie gerade Blasphemie begangen hat! Es folgen das Gefängnis, die von Fundamentalisten herbeigeführte Flucht ihrer Familie, die Verurteilung zum Tode durch den Strang… Eine Gerichtsodyssee, die 2019 ein glückliches Ende findet. Wenn sie über diese  schwierige Zeit ihres Lebens spricht, ist kein Ärger zu spüren, nur Traurigkeit und Müdigkeit.

Es gibt andere „Asia Bibi“…

Aber Asia weiß, dass sie in ihrer Lage nicht allein ist, und sie will das Mikrofon nutzen, um für diejenigen zu sprechen, die in ihrem Heimatland noch immer der Blasphemie beschuldigt werden. Sie wird lebendiger und ihre bis dahin leise Stimme wird drängender: „Während meiner Haft habe ich die Hand Christi gehalten, ihm habe ich es zu verdanken, dass ich standhaft geblieben bin. Habt keine Angst!“ Hinter ihrer neu gewonnenen Lebendigkeit können wir die Stärke einer Frau erahnen, die zehn Jahre schrecklicher Prüfungen nicht zu Fall bringen konnten. Dieselbe Frau, die sich immer geweigert hat, ihre Familie zu verlassen oder ihrem Glauben abzuschwören, wie man es nach ihrer Verhaftung verlangt hatte; so hätte sie einer Verurteilung entgehen können.

Trotz allem hat sie ihr Land verlassen müssen. Sie hofft, eines Tages zurückzukehren: „Dies ist meine Heimat, ich liebe Pakistan von Herzen!“, sagt sie. In Erwartung Ihrer Rückkehr würde sie gerne in Frankreich leben: „Mir ist hier viel Liebe entgegengebracht worden, ich glaube, ich würde mich bei euch sehr wohl fühlen.“

Asia Bibi

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03.03.2020 aktuelles