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Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel, ein katholisches Ehepaar mit vier Kindern aus Gojra in der Nähe von Faisalabad, wurden im Juli 2013 unter dem Vorwurf der Blasphemie verhaftet und zum Tod verurteilt. Nach jahrelangen Revisionsbemühungen sprach das Oberste Gericht in Lahore die beiden Christen im Juni 2021 frei. Heute lebt die Familie an einem sicheren Ort in Europa. Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) konnte mit Shagufta Kausar sprechen und gibt ihr persönliches Zeugnis wieder:
Shagufta Kausar und ihr Mann Shafqat Emmanuel.

„Ich wurde in eine sehr gläubige christliche Familie hineingeboren. Die meisten Einwohner in unserem Dorf waren Muslime. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es je einen Streit oder eine Auseinandersetzung aufgrund der Religion gab.

Einige Jahre nach meiner Heirat mit Shafqat zogen wir nach Gojra und mein Mann fand dort eine Arbeit. Mein Mann ist seit zwölf Jahren teilweise gelähmt. Er hatte versucht, einen Streit zu schlichten und war dabei von einem Querschläger aus einer Waffe getroffen worden. Das Leben danach war hart, doch wir hatten Glück und fanden beide eine Arbeit an einer christlichen Schule, wo wir Hausmeisterdienste verrichteten. Nebenbei reparierte mein Mann Handys.

Geständnis unter Folter erzwungen

Im Juli 2013 stürmte die Polizei unser Haus und verhafteten meinen Mann und mich. Sie warfen uns Gotteslästerung vor. Über die SIM-Karte unseres Handys sei eine SMS über den Propheten Mohammed verfasst worden. Die Nachricht war auf Englisch geschrieben – eine Sprache, die weder mein Mann noch ich sprechen oder lesen können.

Im Gefängnis wurden wir gefoltert. Die Beamten sagten meinem Mann, dass sie mich vor seinen Augen vergewaltigen würden, wenn er die Tat nicht gestehen würde. Also tat er es, obwohl wir beide unschuldig waren.

Acht Monate waren wir inhaftiert, als wir vom Gericht schuldig gesprochen und zum Tod verurteilt wurden. Unser Anwalt durfte sein Schlussplädoyer nicht zu Ende führen, keiner von uns wurde angehört. Als ich das Todesurteil hörte, wurde ich ohnmächtig.

Eine Christin in Pakistan beim Gebet.

Todesdrohungen auch gegen die Kinder

Mein Mann und ich wurden nach der Verhandlung getrennt: Shafqat wurde in das Gefängnis von Faisalabad überführt, während ich in eine Todeszelle in Multan gebracht wurde. Meine Kinder konnten mich nur zweimal im Jahr für knapp eine halbe Stunde besuchen. Auch für sie war es sehr schwer: Sie mussten ständig umziehen und sich verstecken. Islamisten hatten sie mit dem Tod bedroht, weil sie unsere Kinder waren.

Jeden Tag habe ich geweint, weil ich nicht bei meinen Kindern sein konnte. Ich dachte ständig daran, dass mein Mann und ich eines Tages gehängt würden. Doch trotzdem verlor ich nie meinen Glauben. Ich betete jeden Tag und sang Psalmen und Hymnen. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Mehrmals wurde mir gesagt: Wenn ich zum Islam konvertiere, könnte ich der Todesstrafe entgehen und würde eines Tages freigelassen. Ich habe immer Nein gesagt.

Eine Zeit lang war Asia Bibi, die ebenfalls unter der falschen Anklage der Blasphemie zum Tode verurteilt worden war, meine Nachbarin in der Todeszelle in Multan. [Asia Bibi war 2010 als erste Frau in Pakistan zum Tod wegen Gotteslästerung verurteilt worden. Ihr Schicksal erregte internationale hohe Aufmerksamkeit. Sie kam schließlich nach einer Revisionsverhandlung Anfang 2019 frei; Anm. d. Red.]

Polizeischutz vor einer Kirche in Pakistan.

Nach Freilassung in Pakistan nicht mehr sicher

Mittlerweile wurden weltweit Stimmen laut, die sich gegen unseren unfairen Prozess und unsere Verurteilung wandten. Sie beteten für unsere Freilassung und boten uns moralischen und geistlichen Beistand an. Und schließlich geschah es – man ließ meinen Mann und mich frei. Doch konnten wir ebenso wie Asia Bibi nicht mit unserer Familie in Pakistan bleiben, weil fanatische und extremistische Muslime darauf aus waren, uns zu töten, wenn wir in Pakistan blieben.

Wir sind jedoch sehr froh, dass ein europäisches Land uns Asyl gewährt hat und unsere Familie nun wieder vereint ist. Ich hoffe und bete, dass in meiner Heimat Pakistan die falschen Blasphemie-Anschuldigungen aufhören und dass diejenigen bestraft werden, die falsche Anschuldigungen erheben.“

Informationen zur Lage der Religionsfreiheit in Pakistan im Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT:

KIRCHE IN NOT unterstützt die pastorale Arbeit und das Gemeindeleben der katholischen Minderheit Pakistans. Das Hilfswerk hilft über die Partner vor Ort auch Personen, die wegen Blasphemie angeklagt sind und macht auf internationaler Ebene auf ihr Schicksal aufmerksam. KIRCHE IN NOT finanziert auch Initiativen, die sich gegen die Entführung von Frauen und Mädchen einsetzen.

Helfen Sie den bedrängten Christen in Pakistan mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:


Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

Die mangelnde Gewährleistung von „Grundrechten religiöser Minderheiten in Pakistan ist besorgniserregend, wie sich im Bereich der Blasphemievorwürfe, bei religiösen Konversionen, bei der Umsetzung von Arbeitsnormen und im Bildungssektor zeigt“, heißt es in einem Bericht des Zentrums für soziale Gerechtigkeit (Center for Social Justice, CSJ), der die soziale, politische und religiöse Situation der nicht-muslimischen Gruppen in der pakistanischen Gesellschaft untersucht. In dem Bericht umreißt der CSJ unter der Leitung des katholischen Laien Peter Jacob die die Situation im Jahr 2021 und konzentriert sich dabei auf vier wichtige Aspekte der Verstöße gegen die Religionsfreiheit in Pakistan: den Missbrauch der Blasphemiegesetze; die Zunahme von Zwangskonversionen; die umstrittene Zählung religiöser Minderheiten; die Probleme bei der Reform des Bildungssystems.

Was den ersten Punkt anbelangt, so stellt der Bericht fest, dass der Missbrauch des Blasphemiegesetzes auch im Jahr 2021 anhält. Mindestens 84 Personen wurden auf der Grundlage der so genannten „Blasphemieparagraphen“ angeklagt. Drei Menschen wurden in diesem Zusammenhang außergerichtlich ermordet, darunter der srilankische Staatsangehörige Priyanka Kumara, der in Sialkot durch Lynchjustiz ums Leben kam. Diese Zahlen beruhen auf Fällen, über die in den Medien berichtet wurde und die vom Zentrum für soziale Gerechtigkeit überprüft wurden. „Diese Daten sind jedoch aufgrund der begrenzten Mittel und der Häufigkeit der Vorfälle nicht erschöpfend, so dass die Zahl der Opfer wesentlich höher sein könnte“, berichtet das Zentrum.

Im Jahr 2021 wurden die meisten Fälle in Sheikhupura (13) verzeichnet, gefolgt von Lahore (11) und Kasur (10), allesamt Bezirke des Nord-Punjab. Insgesamt 80 % der Fälle wurden im Jahr 2021 in der Provinz Punjab verzeichnet. Die meisten Opfer von Blasphemie (45) gehören dem muslimischen Glauben an, gefolgt von Ahmadis (25), während sieben Fälle gegen Hindus und sieben gegen Christen vorgegangen wurde. „Es ist jedoch dabei zu bedenken, dass die christlichen und hinduistischen Minderheiten zusammen nur 3,5 % der Bevölkerung ausmachen. Und das Vorhandensein von Missbrauch, Drohungen und Gewalt hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben dieser Gemeinschaften“, stellt der CSJ-Bericht fest. Die Organisation fordert in diesem Zusammenhang die Regierung auf, Gesetze zu verabschieden, die einen besonderen Schutz gegen den Missbrauch der Blasphemiegesetze bieten, und die Täter, die zu Unrecht der Blasphemie beschuldigt oder außergerichtlich getötet werden, strafrechtlic h zu verfolgen.

Der zweite Aspekt betrifft die Häufigkeit von Zwangskonversionen von Frauen und Mädchen. Obwohl die Regierung diesbezüglich eine „parlamentarische Ad-hoc-Kommission“ eingesetzt hat, stieg die Zahl der Vorfälle im Jahr 2021 auf mindestens 78 gemeldete Fälle (39 Fälle mit Hindu-Mädchen, 38 mit christlichen Mädchen oder Frauen und ein Sikh). Die meisten Fälle (40) wurden aus der Provinz Sindh gemeldet, gefolgt von 36 aus dem Punjab, während aus Khyber Pakhtunkhwa und Belucistan jeweils ein Fall gemeldet wurde.

Laut CSJ ist der Anstieg nicht zuletzt auch auf die Straffreiheit zurückzuführen, die die Wahrscheinlichkeit von Verbrechen gegen die schwächsten und verletzlichsten Menschen erhöht. „Angesichts der Untätigkeit der Regierung nutzen die Täter den Vorwand der religiösen Bekehrung, um Verbrechen wie die Entführung von Mädchen religiöser Minderheiten zu vertuschen“, stellt der CSJ fest.

Der dritte Punkt des Berichts, betrifft die umstrittene Volkszählung, die 2017 in Pakistan durchgeführt wurde und deren endgültige Ergebnisse erst im im Jahr 2021 bekannt gegeben wurden. Nach den Ergebnissen der Volkszählung sank der Anteil der religiösen Minderheiten an der Bevölkerung von 3,73 % im Jahr 1998 auf 3,52 % im Jahr 2017 (ein Rückgang von 0,21 % in 19 Jahren). Angesichts des allgemeinen Bevölkerungswachstums ist diese Entwicklung der religiösen Minderheiten erstaunlich asymmetrisch. Die christliche Bevölkerung ist den Angaben zufolge um 0,32 % zurückgegangen. Der CSJ fordert die Regierung auf, im April 2023 eine weitere Volkszählung durchzuführen, um eine ordnungsgemäße Vorbereitung mit einer angemessenen Sensibilisierungskampagne für die notwendige Registrierung zu ermöglichen. Man müsse, die „Kultur der Geheimhaltung“ bei der Datenverarbeitung überwinden, „um das Vertrauen in allen Teilen der Bevölkerung zu stärken“, heißt es in dem Bericht.

Im vierten und letzten Punkt erinnert der Bericht an den die Einführung eines einheitlichen staatlichen Lehrplans für die Klassenstufen 1 bis 5 für das Jahr 2021. „Der allgemeine pädagogische Ansatz hat das öffentliche Bildungswesen dem Religionsunterricht in den Madrassas (Koranschule) angenähert“, stellt der CSJ fest, wobei „der Inhalt des Unterrichts stark von Lektionen über die islamische Religion geprägt ist, die nicht zur religiösen Toleranz und zum sozialen Zusammenhalts beitragen“, prangert der CSJ an.

Die Schulbücher in den staatlichen Schulen verstoßen damit nach Ansicht der Autoren des Berichts gegen Artikel 22 der pakistanischen Verfassung, der garantiert: „Niemand, der eine Bildungseinrichtung besucht, darf verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erhalten, an einer religiösen Zeremonie teilzunehmen oder einem religiösen Gottesdienst beizuwohnen, wenn sich dieser Unterricht, diese Zeremonie oder dieser Gottesdienst auf eine andere Religion als die eigene bezieht“.
„Schüler religiöser Minderheiten erhalten während der Schulzeit keinen Unterricht in der eigenen Religion“, während vor dem Obersten Gerichtshof Pakistans mehrere Klagen zu diesem Thema anhängig seien, heißt es in dem Bericht, der die Behörden auffordert, Artikel 22 der pakistanischen Verfassung zu respektieren.

Der CSJ stellt abschließend dazu fest, dass das 2020 geänderte Gesetz über die Lehrpläne und Schulbücher in Punjab („Punjab Curriculum and Textbook Board Act“) die Ziele der „öffentlichen Bildung“ mit denen der „religiösen Bildung“ verwechsele und erinnert daran, dass das Schulministerium der Provinz Punjab die Einstellung von 70.000 Islamlehrern angekündigt hat, obwohl es einen großen Mangel an Lehrern für Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften gibt. (Quelle: Fidesdienst)

Ein Bezirksgericht in Rawalpindi hat den seit 2012 inhaftierten 58-jährigen protestantischen Pastor Zafar Bhatti wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Der christliche Religionsvertreter war beschuldigt worden, blasphemische Textnachrichten verschickt zu haben. Zafar Bhatti wurde am 3. Mai 2017 gemäß den Paragrafen 295 (a) und 295 (c) des pakistanischen Strafgesetzbuchs wegen Beleidigung des Propheten Mohammed und seiner Mutter zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor seiner Verhaftung im Jahr 2012 hatte Pastor Zafar Bhatti die Wohltätigkeitsorganisation „Jesus World Mission“ zur Unterstützung der Armen und eine Hauskirche gegründet und betreut.

Nach der Anzeige eines Unbekannten nahm die Polizei Pastor Zafar Bhatti wegen Blasphemie fest. Doch bei der Überprüfung der Handynummer bestätigte der Anbieter, dass die zum Versenden von Textnachrichten verwendete SIM-Kartennummer nicht auf seinen Namen registriert war. Eine muslimische Frau namens Ghazala Khan wurde als Inhaberin der SIM-Kartennummer ermittelt, die zum Versenden blasphemischer Textnachrichten verwendet wurde. Das Gericht verurteilte die Frau im April 2013, ließ sie aber auf Kaution frei. Vom ersten Tag an hat Zafar Bhatti die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten. Er ist derzeit der am längsten wegen Blasphemie Inhaftierte und der erste, gegen den das Gericht am 3. Januar die Todesstrafe verhängte.

Der christlicher Menschenrechtsaktivist, Ilyas Samuel, äußerte seine Bestürzung über das ungerechtfertigte Todesurteil gegen Zafar Bhatti: „Diese Nachricht macht mich traurig. Ich bedaure, dass der Missbrauch der Blasphemiegesetze so weit verbreitet ist und als Racheinstrument gegen unschuldige Menschen eingesetzt werden kann“.

Unterdessen wurde am 5. Januar der Christ Nadeem Samson, der seit November 2017 Opfer des Blasphemiegesetzes inhaftiert war, nach vier Jahren Haft auf Kaution freigelassen. Dies entschied der Oberste Gerichtshof. Nadeem Samson war unter dem Vorwurf verhaftet worden, ein gefälschtes Facebook-Konto eingerichtet zu haben, auf dem er angeblich blasphemische Inhalte postete.

Joseph Jansen, Präsident von „Voice for Justice“ sagte dazu: „Wir sind froh, dass wir eine Freilassung auf Kaution für Nadeem Samson erwirkt haben. In der Tat ging es bei dem Streit mit dem Beschwerdeführer um Geld- und Vermögensfragen. Die meisten Fälle von Gotteslästerung beruhen auf falschen Anschuldigungen, auf Familienstreitigkeiten oder religiösen Vorurteilen. Diejenigen, die andere fälschlicherweise der Blasphemie beschuldigen, müssen vor Gericht gestellt und ordnungsgemäß bestraft werden“, sagte er.

Der muslimische Anwalt Saif-ul-Malook, der Nadeem Samson vertritt und auch Verteidiger im Fall von Asia Bibi war, sagte: „Dies ist eine historische Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Pakistan. Dieses Urteil wird als Präzedenzfall dienen, um anderen Opfern von Blasphemievorwürfen zu helfen. Die pakistanischen Gerichte lehnen routinemäßig Kautionsanträge von Opfern des Blasphemiegesetzes ab, insbesondere wenn die Anklage auf Artikel 295(c) beruht. Wir danken Richter Syed Mansoor Ali Shah vom Obersten Gerichtshof Pakistans dafür, dass er sich nicht von religiösen Vorurteilen davon abhalten ließ, Recht zu sprechen“, schließt er.

LIBERALE MUSLIME UND CHRISTLICHE AKTIVISTEN haben ihre Besorgnis über die von Premierminister Imran Khan angekündigte Einrichtung einer neuen Behörde mit dem Namen Rehmatul-lil-Alameen („Barmherzigkeit für alle Welten“ – ein Satz aus dem Koran) zum Ausdruck gebracht. Ziel dieser neuen Behörde ist es, die Umsetzung der Lehren Mohammeds in der pakistanischen Gesellschaft zu gewährleisten, insbesondere durch die Überwachung der Lehrpläne an Schulen, die Förderung der islamischen Forschung an Universitäten und die Eindämmung der Verbreitung vulgärer und blasphemischer Inhalte in den sozialen Medien.

Sabir Michael, ein dominikanischer Laie, vergleicht diesen Schritt mit dem Islamisierungsprogramm in den 1980er Jahren unter dem Militärmachthaber Zia-ul-Haq, der Popmusik, Entertainment und Tanz verbot und auch Werbung als obszön untersagte. Gegenüber dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) äußert Sabir Michael, der seit 2013 an der Universität von Karachi lehrt, die Sorge, die auch von anderen Kritikern geteilt wird, dass die RAA den Einfluss extremistischer islamischer Prediger stärken und die Rechte von Frauen und religiösen Minderheiten bedrohen wird.

“Meiner Meinung nach ist das ein politisches Manöver. Der Rat für Islamische Ideologie ist bereits mit genügend Befugnissen ausgestattet und hat vor kurzem den lang erwarteten Gesetzentwurf gegen Zwangskonvertierungen abgelehnt. Außerdem wird damit das bestehende Ministerium für religiöse Angelegenheiten dupliziert. Premierminister Imran Khan versucht nur zu zeigen, dass er angesichts der rasant steigenden Inflation umsichtig ist.  Nach Angaben des Economist ist Pakistan das Land mit der vierthöchsten Inflationsrate der Welt. Die tödlichen Proteste der radikalen islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) erhöhen den Druck auf die Regierung zusätzlich.

Der Premierminister möchte, dass die RAA eine intellektuelle Antwort auf blasphemische Handlungen im Westen gibt. Eine perfekte Antwort wäre es, die Menschen davon abzuhalten, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen und andere ohne ein faires Verfahren zu bestrafen.

Die Parteikollegen des Premierministers werben für ein so genanntes islamisches Präsidialsystem, in dem der Oberste Führer die absolute Macht hat. Der Premierminister hält nichts von Demokratie und trifft seine Entscheidungen ohne jede Debatte im Parlament. In diesem Kontext ist es einfacher, die Menschen im Namen der Religion zu überzeugen. Er benutzt die Religion für politische Zwecke. Einen Tag nach der Erhöhung des Benzinpreises forderte Khan die Nation auf, den Jahrestag der Geburt des Propheten Mohammed in einer noch nie dagewesenen Weise zu feiern. Das war ein politischer Schachzug.

Die strukturellen Probleme des Extremismus, der Armut, der wirtschaftlichen Ungleichheiten und der wachsenden Klassenunterschiede werden nicht angegangen. Seine Maßnahmen sind künstlich und vorübergehend. Die RAA wird die Kurse zum Thema Seerat-e-Nabi (Leben des Propheten) in den Schulen überwachen, aber dieses Fach wird bereits bis zum Schulabschluss gelehrt. Seerat-Kurse wurden in den Jahren 1975-76 an allen öffentlichen Universitäten des Landes eingerichtet. Die RAA ist nur eine Wiederholung – alter Wein in neuen Schläuchen. Ebenso überwacht das Ministerium für Information und Rundfunk bereits die Medieninhalte. Die neue religiöse Körperschaft wird nur einigen Leuten Gehälter verschaffen. 

Heute ist Pakistan aufgrund der Islamisierung und der mangelnden Achtung der Menschenrechte isoliert. Touristen sind von unseren Straßen verschwunden. Religiöse Minderheiten können ohne Sicherheitsvorkehrungen keine Gottesdienste abhalten. Schulen und Hotels haben sich in Festungen verwandelt. Nicht-muslimische Eltern verbieten ihren schulpflichtigen Kindern, sich an jeglicher religiöser Diskussion zu beteiligen. Selbst viele Universitätsstudenten, die vorgeben, säkular zu sein, sind im Grunde ihres Herzens TLP-Aktivisten. Nur die Durchsetzung der Scharia, des islamischen Strafrechts, kann ihnen die Augen öffnen. Die Jugend von heute ist überwiegend extremistisch. TLP-Slogans sind stolz auf den Läden an der Straße zu lesen. Die RAA wird alles noch schlimmer machen.

Mit dieser neuen Einrichtung fördert der Staat eine Religion und verleugnet andere. Diese Vorzugsbehandlung des Islam ist eine Bedrohung. Artikel 25 der Verfassung garantiert die Gleichheit aller Bürger ohne jegliche Diskriminierung. Artikel 20 der pakistanischen Verfassung garantiert jedem Bürger die Freiheit, seine Religion zu bekennen, auszuüben und zu verbreiten. Als gleichberechtigte Steuerzahler fordern die Christen eine alternative Behörde, die im Sinne der ‚Liebe zu allen‘ oder ‚Liebe deinen Nächsten‘ agiert.“

Die Corona-Krise hat in Pakistan zu einer Zunahme der Anklagen aufgrund der international umstrittenen Blasphemiegesetze geführt, erklärte der Leiter der Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Pakistan, Emmanuel Yousaf, gegenüber KIRCHE IN NOT. „Wir beobachten einen alarmierenden Anstieg, insbesondere durch die zunehmende Nutzung der sozialen Medien. Die religiöse Radikalisierung ist weiter auf dem Vormarsch.“

Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden verteidigt Christen und andere religiöse Minderheiten, denen angebliche Gotteslästerung oder Beleidigung des Islam vorgeworfen wird und dokumentiert diese Fälle.

Radikale Muslime machten sich zunutze, dass aufgrund der Covid-19-Pandemie Ermittlungen länger dauerten oder Gerichtsverhandlungen verschoben würden, erklärte Yousaf. Eine weitere Entwicklung macht dem Priester Sorgen: „Es ist eine Zunahme [der Blasphemiebeschuldigungen] in den Städten zu verzeichnen, die sich gegen Studierende, Krankenschwestern, Ärzte und andere gebildete Berufsgruppen richten.

Emmanuel Yousaf, Leiter der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Pakistan.

Auch Freispruch schützt nicht vor Verfolgung

Das deutet darauf hin, dass die Mehrheit ihre Mitmenschen noch entschlossener zwingen will, zu konvertieren oder sich ihrer Ideologie anzuschließen. Wenn diese sich weigern, werden sie fälschlich der Blasphemie beschuldigt.“

Auch ein Freispruch vor Gericht schütze die Betroffenen nicht: „Bei vielen Fällen ist zu beobachten, dass eine fälschlich beschuldigte Person nicht in seine Wohngegend, noch nicht einmal in seine Heimatregion zurückkehren kann. Das Leben dieser Menschen ist immer in Gefahr.“

Die Islamische Republik Pakistan hat 1986 mehrere Paragrafen im Strafgesetzbuch eingeführt, die für „gotteslästerliche Handlungen“ drastische Strafen vorsehen: Die Schändung des Korans kann mit lebenslanger Haft, abschätzige Bemerkungen über den Propheten Mohammed sogar mit dem Tod bestraft werden.

Polizeischutz vor einer Kirche in Pakistan.

Drastische Strafen bei „gotteslästerlichen Handlungen“

Beobachter kritisieren seit Langem, dass Anklagen, Prozessführung und Haftbedingungen rechtsstaatlichen Standards widersprechen.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Resolution des Europäischen Parlaments von Ende April. Die Abgeordneten fordern Pakistan unter anderem zur Abschaffung von Todesstrafe und lebenslanger Haft in den Blasphemiegesetzen auf. Andernfalls sollten die Pakistan gewährten Handelspräferenzen auf den Prüfstand gestellt werden.

„Diese Resolution ist sehr wichtig für die Rechte religiöser Minderheiten in Pakistan, insbesondere für Christen“, bilanziert Yousaf. Fast ein Sechstel (14,5 Prozent) der wegen Blasphemie angeklagten Personen seien Christen, obwohl diese weniger als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung Pakistans ausmachen.

Verteilung von Lebensmittelpaketen in Pakistan.

Nur zwei Prozent der Pakistaner sind Christen

Allerdings sieht der Menschenrechtler wenig Chancen, die Gesetze ganz abzuschaffen, dazu sei die pakistanische Gesellschaft zu sehr radikalisiert. Auch seien viele Bürger der Auffassung, „diese Gesetze seien nicht von Menschen gemacht, sondern göttlich“.

Nach Verabschiedung der Resolution hatte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums der Europäischen Union mangelndes Verständnis für die religiösen Empfindsamkeiten in der islamischen Welt vorgeworfen.

Das treffe in gewissem Maße zu, erklärte Yousaf: „Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden hat die Regierung immer wieder aufgefordert, den Missbrauch dieser Gesetze zu unterbinden und dazu auch Vorschläge gemacht. Wir fordern nicht die Aufhebung der Gesetze, sondern verfahrenstechnische Änderungen.

Pakistan hat 1986 mehrere Paragrafen im Strafgesetzbuch eingeführt, die für „gotteslästerliche Handlungen“ drastische Strafen vorsehen, bis hin zum Tod.

„Einseitig parteiische Lehrpläne”

Obwohl der Staat sagt, dass er sich an internationales Recht hält, werden den Minderheiten meiner persönlichen Erfahrung nach ihre gesetzlich garantierten Rechte vorenthalten.“

Yousaf appelliert an die internationale Gemeinschaft, „auf die Regierung einzuwirken und Druck auf sie auszuüben, damit sie den Schutz der religiösen Minderheiten gewährleistet“. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch Bildung. „Im Lauf der Jahre haben die öffentlichen Einrichtungen aufgrund einseitig parteiischer Lehrpläne die Ideologie gestärkt, dass es in Pakistan nur Platz für den Islam gibt.“

Unterstützen Sie den Einsatz der katholischen Kirche in Pakistan für benachteiligte religiöse Minderheiten mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Pakistan

Die Corona-Krise hat in Pakistan zu einer Zunahme der Anklagen aufgrund der international umstrittenen Blasphemiegesetze geführt, erklärte der Leiter der Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Pakistan, Emmanuel Yousaf, gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN). „Wir beobachten einen alarmierenden Anstieg, insbesondere durch die zunehmende Nutzung der sozialen Medien. Die religiöse Radikalisierung ist weiter auf dem Vormarsch.“

Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden verteidigt Christen und andere religiöse Minderheiten, denen angebliche Gotteslästerung oder Beleidigung des Islam vorgeworfen wird und dokumentiert diese Fälle.

Radikale Muslime machten sich zunutze, dass aufgrund der Covid-19-Pandemie Ermittlungen länger dauerten oder Gerichtsverhandlungen verschoben würden, erklärte Yousaf. Eine weitere Entwicklung macht dem Priester Sorgen: „Es ist eine Zunahme [der Blasphemiebeschuldigungen] in den Städten zu verzeichnen, die sich gegen Studierende, Krankenschwestern, Ärzte und andere gebildete Berufsgruppen richten. Das deutet darauf hin, dass die Mehrheit ihre Mitmenschen noch entschlossener zwingen will, zu konvertieren oder sich ihrer Ideologie anzuschließen. Wenn diese sich weigern, werden sie fälschlich der Blasphemie beschuldigt.“

Auch Freispruch schützt nicht vor Verfolgung

Auch ein Freispruch vor Gericht schütze die Betroffenen nicht: „Bei vielen Fällen ist zu beobachten, dass eine fälschlich beschuldigte Person nicht in seine Wohngegend, noch nicht einmal in seine Heimatregion zurückkehren kann. Das Leben dieser Menschen ist immer in Gefahr.“

Die Islamische Republik Pakistan hat 1986 mehrere Paragrafen im Strafgesetzbuch eingeführt, die für „gotteslästerliche Handlungen“ drastische Strafen vorsehen: Die Schändung des Korans kann mit lebenslanger Haft, abschätzige Bemerkungen über den Propheten Mohammed mit dem Tod bestraft werden.

Beobachter kritisieren seit Langem, dass Anklagen, Prozessführung und Haftbedingungen rechtsstaatlichen Standards widersprechen.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Resolution des Europäischen Parlaments von Ende April. Die Abgeordneten fordern Pakistan unter anderem zur Abschaffung von Todesstrafe und lebenslanger Haft in den Blasphemiegesetzen auf. Andernfalls sollten die Pakistan gewährten Handelspräferenzen auf den Prüfstand gestellt werden.

Vorwürfe treffen Christen unverhältnismäßig oft

„Diese Resolution ist sehr wichtig für die Rechte religiöser Minderheiten in Pakistan, insbesondere für Christen“, bilanziert Yousaf. Fast ein Sechstel (14,5 Prozent) der wegen Blasphemie angeklagten Personen seien Christen, obwohl diese weniger als zwei Prozent der Gesamtbevölkerung Pakistans ausmachen.

Allerdings sieht der Menschenrechtler wenig Chancen, die Gesetze ganz abzuschaffen, dazu sei die pakistanische Gesellschaft zu sehr radikalisiert. Auch seien viele Bürger der Auffassung, „diese Gesetze seien nicht von Menschen gemacht, sondern göttlich“. Nach Verabschiedung der Resolution hatte der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums der Europäischen Union mangelndes Verständnis für die religiösen Empfindsamkeiten in der islamischen Welt vorgeworfen.

Das treffe in gewissem Maße zu, erklärte Yousaf: „Die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden hat die Regierung immer wieder aufgefordert, den Missbrauch dieser Gesetze zu unterbinden und dazu auch Vorschläge gemacht. Wir fordern nicht die Aufhebung der Gesetze, sondern verfahrenstechnische Änderungen. Obwohl der Staat sagt, dass er sich an internationales Recht hält, werden den Minderheiten meiner persönlichen Erfahrung nach ihre gesetzlich garantierten Rechte vorenthalten.“

Yousaf appelliert an die internationale Gemeinschaft, „auf die Regierung einzuwirken und Druck auf sie auszuüben, damit sie den Schutz der religiösen Minderheiten gewährleistet“. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch Bildung. „Im Lauf der Jahre haben die öffentlichen Einrichtungen aufgrund einseitig parteiischer Lehrpläne die Ideologie gestärkt, dass es in Pakistan nur Platz für den Islam gibt.“

Unterstützen Sie den Einsatz der katholischen Kirche in Pakistan für benachteiligte religiöse Minderheiten mit Ihrer Spende – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Das Leben für Christen in Pakistan ist nicht einfach. Als Angehörige einer religiösen Minderheit sind sie häufig Opfer von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung. Die meisten Christen gehören zu den ärmsten Schichten der Gesellschaft und sind Fabrikarbeiter, Tagelöhner, Hausangestellte, Reinigungspersonal von Abflüssen und Toiletten… Viele von ihnen finden sich ohne Zugang zu rechtlicher Unterstützung wieder und werden von den Behörden ignoriert, wenn sie versuchen, ihre Menschenrechte zu verteidigen. Christliche Frauen sind in diesem Kontext noch verwundbarer und größeren Gefahren ausgesetzt. Öffentliche Berichte über sexuellen Missbrauch und Zwangsverheiratungen werden immer zahlreicher, und doch ist die tatsächliche Zahl dieser Fälle wahrscheinlich noch höher.

KIRCHE IN NOT fördert nun ein Programm, das junge christliche Frauen, die in diesen extrem schwierigen Verhältnissen leben, stärken soll. Viele der jungen Frauen, die an dem Programm teilnehmen, sind Studentinnen oder Hausangestellte in den Außenbezirken einer pakistanischen Großstadt. Um die Sicherheit der betroffenen jungen Frauen zu schützen und sie und die lokalen Projektpartner von KIRCHE IN NOT vor jeglicher Art der Repressalien zu bewahren, gibt die Hilfsorganisation weder Namen noch Orte bekannt. Sie teilt aber dennoch die Geschichten der Frauen, die Ängste und die Sorgen, mit denen sie konfrontiert sind. Es ist die Realität, von der so viele christliche Frauen in Pakistan betroffen sind.

Schülerinnen einer katholischen Schule in Pakistan (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
Schülerinnen einer katholischen Schule in Pakistan (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).

Eine dieser jungen Frauen ist „Samia“ (Name geändert). Sie lebt im Norden Pakistans zusammen mit ihren Eltern und vier Brüdern. Ihr Vater ist Fabrikarbeiter und ihre Mutter ist Hausfrau. Sie berichtet: „Da ich zu einer christlichen Familie gehöre, haben meine Eltern mich immer ermahnt, niemals mit anderen Menschen über religiöse Unterschiede zu sprechen. Sie haben uns beigebracht, jede Art von Diskriminierung einfach zu ertragen, da wir ohnehin keinen Einfluss haben, weil wir in einem muslimischen Land leben. Ich habe Angst von den Gesetzen diskriminiert zu werden; wir sind eine Minderheit in Pakistan, die nicht viel Unterstützung hat. Wir leben in einem Zustand der Angst und des ständigen Drucks. Wir glauben, dass wir, wenn wir versuchen, unsere Rechte zu verteidigen, aufgrund falscher Anschuldigungen der Blasphemie oder anderer Vergehen beschuldigt werden, so wie es in der Vergangenheit schon häufiger vorgekommen ist.

Dank meiner Teilnahme an dem von KIRCHE IN NOT International unterstützten Frauenförderprogramm bin ich in meinem Glauben gestärkt worden. Es hilft uns Frauen, uns unserer Verantwortung und unserer Rechte stärker bewusst zu werden. Es ermutigt uns, stark zu bleiben, gegen Diskriminierung, Zwangsbekehrung, Belästigung und Gewalt zu kämpfen und unsere gleichen Rechte zu verteidigen“, erklärt die 20-jährige. Das Programm habe sie ermutigt, „hart zu arbeiten, damit unsere Gemeinschaft eine bessere Zukunft haben kann“.

Paksitan, Sargodha, 2018
Daughter Meerab Gulzaar and her monther Naasra Bibi at their home.
Nach fünf Jahren Ehe adoptierten Gulzar Masih und seine Frau, ein katholisches Paar, mit Hilfe eines Familienfreundes ein kleines Mädchen aus einem örtlichen Krankenhaus. Das Mädchen hieß Meerab. Meerab, der heute 19 Jahre alt ist und in Sargodha, Pakistan, lebt, spricht über die schwierigen Realitäten ihres Lebens und ihre Ziele für die Zukunft an die Pontifikalstiftung Aid to the Church in Need.

Eine andere junge Frau, die an dem Programm teilnimmt, ist „Ashia“ (Name geändert). Ihr Vater ist Straßenkehrer und verdient gerade mal 10.000 Rupien (rund 53 Euro) im Monat. „Als ich zum College ging, wurde ich von meinen Lehrern und Mitschülern oft diskriminiert, und das ging so weit, so dass ich mich nicht mehr aufs Lernen konzentrieren konnte“, berichtet die 17-jährige. Sie erzählte ihre Schwierigkeiten einer Freundin, die sie ermutigte, am KIRCHE IN NOT-Programm teilzunehmen. „Ich nahm an den Beratungsgesprächen teil und sie gaben mir neue Hoffnung, mit meinen Umständen fertig zu werden. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich den Anderen keine weitere Gelegenheit geben werde, meine Zukunft zu zerstören. Ich werde fleißig studieren und den Menschen zeigen, dass unser Herr immer bei uns ist, dass er uns Kraft gibt und uns führt und beschützt“, schließt sie.

Paradigmatisch is der Fall von „Shazia“ (Name geändert). Wie viele junge christliche Frauen hatte die 19-Jährige große Träume. Ihr Vater, ein Rikschafahrer, war der Einzige, der für den Lebensunterhalt der Familie sorgte. Mit viel Mühe seitens ihrer Familie schaffte sie es, an der Universität Software Engineering zu studieren. Doch wegen der Finanzkrise musste sie das Studium im zweiten Jahr abbrechen. „Ich begann, in einer Fabrik zu arbeiten, um meinem Vater zu helfen, die Familie finanziell zu unterstützen. Ich verdiente zwischen acht- und zehntausend pakistanische Rupien im Monat. Ich dachte, das ist mein Schicksal und das sollte meine Zukunft sein“, erinnert sie sich. Sie hatte sich mit diesem  Schicksal abgefunden, bis sie das von KIRCHE IN NOT gesponserte Förderprogramm kennenlernte. „Neue Hoffnung keimte auf. Es entzündete in mir den Funken der Hoffnung, dass es möglich sein kann, etwas Anderes in unserem Leben zu tun, und das selbst verzweifelte junge Menschen wie ich es schaffen können, positive Veränderungen herbeizuführen. Der Motivationsvortrag hat mich so sehr inspiriert, und mir wurde klar, dass Bildung das einzige Werkzeug und der Schlüssel zum Erfolg ist. Alles ist möglich, wenn wir uns mit ganzem Herzen engagieren und uns mutig den Schwierigkeiten des Lebens stellen“, sagt Shazia jetzt.

Das Leben für Christen in Pakistan ist nicht einfach. Als Angehörige einer religiösen Minderheit sind sie häufig Opfer von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung.

Eine der jüngsten Teilnehmerinnen des Programms ist „Nasreen“ (Name geändert). Diese junge Frau war gerade 15 Jahre alt und befand sich im neunten Schuljahr an einer staatlichen Schule, als die Pandemie ihr Leben zerstörte. Ihr Vater ist Tagelöhner und befand sich durch den „Lockdown“ in großen finanziellen Schwierigkeiten, so dass er das Schulgeld und den Online-Unterricht in Zeiten der COVID-Pandemie nicht mehr bezahlen konnte. Zudem war Nasreen die einzige Christin in der Klasse. Am Ende wurde sie aus den Online-Kursen verwiesen. „Ich war sehr verletzt und aufgebracht, aber ich konnte darüber mit meinen Eltern nicht sprechen, weil sie aufgrund der schwierigen finanziellen Situation in der Familie ohnehin schon sehr litten“, erinnert sie sich. „Es war nicht das erste Mal, dass ich von meinen Mitschülern aufgrund unserer Religion Diskriminierungen und Vorurteilen gegenüber mir und meiner Familie ausgesetzt war. Ich war völlig ratlos und verzweifelt über das, was mir widerfahren ist“, erzählt Nasreen. „Dann lernte ich das Team kennen, das das Förderprojekt leitete und das einer Gruppe junger Mädchen wie mir die Teilnahme an einem Kurs anbot. Sie erklärten uns, dass eine Ausbildung unerlässlich ist, um persönlich und spirituell wachsen zu können.“ Schließlich besserte sich die Lage und Nasreens Vater konnte wieder arbeiten und ihr Schulgeld bezahlen.

Aber es geht nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt. Die moralische Unterstützung und Ermutigung, die die Kurse bieten, sind absolut notwendig, um diesen jungen christlichen Frauen zu helfen, die sich sonst angesichts ihres Schicksals oft überfordert und verlassen fühlen. „Ich bin KIRCHE IN NOT so dankbar, dass es mir eine so große Veränderung in meinem Leben ermöglicht hat. Jetzt erleuchtet die Kerze des Glaubens und der Hoffnung meinen Weg, und ich werde sie in Zukunft nicht durch irgendeine Art von Diskriminierung verlöschen lassen“, sagt Nasreen.

Um christlichen Frauen in Pakistan, die in diesen extrem schwierigen Verhältnissen leben, helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

Wieder Todesstrafe für pakistanischen Christen wegen Blasphemie. Immer wieder wird das pakistanische Blasphemiegesetz gegen Christen gerichtet. Nun wurde erneut ein Christ zum Tode verurteilt: Per SMS soll er den Islam beleidigt haben. Menschenrechtler und die Katholikin Asia Bibi, einst selbst Opfer, üben Kritik. 

In Pakistan wurde wieder ein Christ wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt. Am Dienstag verurteilte ein Gericht in Lahore den 37-jährigen Asif Pervaiz zum Tod am Strang. Angeblich soll er blasphemische Kurznachrichten verschickt haben. Vor Vollstreckung muss er eine Geldstrafe zahlen und drei Jahre wegen „Missbrauchs des Telefons“ ins Gefängnis. Sein Anwalt, der bereits die ebenfalls wegen Blasphemie zum Tod verurteilte Asia Bibi verteidigt hatte, kündigte an, in Berufung zu gehen. Pervaiz ist schon seit 2013 in Gefangenschaft; damals hatte ein Vorgesetzter den Textilarbeiter beschuldigt, von ihm Nachrichten mit Schmähungen des von Muslimen als Propheten verehrten Mohammed erhalten zu haben.

Unterstützt wurde die Verteidigung von Pervaiz durch die Kommission für Recht und Frieden der pakistanischen katholischen Bischofskonferenz. Die katholische NGO „Human Friends Organization“, die auch am Prozess beteiligt war, kritisiert die Prozessführung und die aus ihrer Sicht mangelhafte Beweiswürdigung: „Es werden sogar Beweise angeführt, die überhaupt keine Relevanz haben“, zitiert das Nachrichtenportal UCAnews den Vorsitzenden der Organisation.

Asia Bibi kritisiert Anwendung des Blasphemie-Gesetzes

Asia Bibi, deren Urteil mittlerweile durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben wurde, hatte sich zwei Jahre nach ihrer Befreiung gegenüber dem Hilfswerk „Kirche in Not“ kritisch zur Anwendung des Blasphemiegesetzes in ihrer Heimat geäußert, das in der Praxis nur gegen Äußerungen gegen islamische Glaubensinhalte gerichtet wird. „Religiöse Minderheiten sollten dieselben Rechte wie alle Bürger haben. Das Recht in Pakistan verlangt, dass alle in Freiheit leben können. Diese Freiheit muss garantiert und respektiert werden.“ Es gebe in Pakistan Gruppen, die das Recht ausnutzen, um anderen zu schaden, so Bibi. Als Opfer des Blasphemiegesetzes spreche sie aus eigener Erfahrung: „Ich habe schrecklich gelitten und so viele Schwierigkeiten überlebt. Jetzt bin ich endlich frei und hoffe, dass diese Gesetze so geändert werden, dass sie nicht mehr missbraucht werden können.“

Zuvor hatte sich Bibi jedoch in einem in ihrer Muttersprache Urdu geführten Interview gegenüber dem Sender „Voice of America“ von ihrer von einer Französin geschriebenen Biographie distanziert und das Rechtssystem in Pakistan verteidigt, schließlich sei es ein pakistanisches Gericht gewesen, das sie befreit hat: „Wenn Leute Anschuldigungen erheben, muss der betreffenden Person die Gelegenheit zur Rechtfertigung gegeben werden. Das Gesetz ist absolut gut, aber Menschen missbrauchen es.“ Der deutschsprachige Renovamen-Verlag hat darauf die für September geplante deutsche Übersetzung vorerst gestoppt. (Quelle: UCAnews, katholisch.de)

In diesem bewegenden Video-Interview mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT  (ACN) appelliert Asia Bibi an den pakistanischen Premierminister Imran Khan, Minderheiten zu verteidigen. Sie erinnert an das Drama zahlreicher pakistanischer minderjähriger Frauen, die entführt, bekehrt und gewaltsam zur Heirat gezwungen wurden.

Die pakistanische Christin, die zu einem Symbol für das durch die weltweite Christenverfolgung verursachte Leiden geworden ist, sprach von ihrem derzeitigen Wohnsitz in Kanada aus mit dem Direktor von KIRCHE IN NOT Italien, Alessandro Monteduro. Monteduro erwähnte dabei die beiden jungen Christinnen Huma Younus und Maira Shahbaz, die Opfer von Missbrauch wurden. Das Hilfswerk verteidigt deren Fälle mit einer langfristigen Medienkampagne.

Asia Bibi sagte dazu: „Ich weiß, dass diese Mädchen verfolgt werden. Ich appelliere an den Premierminister Pakistans Imran Khan, unseren Mädchen zu helfen, denn keine von ihnen sollte leiden müssen!“

Asia Bibi

Ein weiteres besonders heikles Thema, das in den letzten Tagen erneut die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich gezogen hat, ist das sogenannte Blasphemiegesetz. Laut dem vom Hilfswerk veröffentlichten Bericht über Religionsfreiheit schränken die sogenannten Blasphemiegesetze, die 1986 in das pakistanische Strafgesetzbuch aufgenommen wurden (Abschnitte 295 B, 295 C, 298 A, 298 B, 298 C), die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit massiv ein. Das Schänden des Koran, sowie das Beleidigen des Propheten stellen Straftaten dar, welche im Höchstfall jeweils mit lebenslänglicher Haft sowie dem Tod bestraft werden können. Im Alltag werden diese Gesetze häufig als Mittel genutzt, um religiöse Minderheiten zu verfolgen. Asia Bibi, eine Mutter von fünf Kindern, war genau aufgrund dieser Anklage von 2009 bis zur Aufhebung des Urteils durch das höchste Gericht Pakistans im Oktober 2018 inhaftiert.

„Als Pakistan gegründet und von Indien getrennt wurde, garantierte der Gründer Ali Jinnah in seiner Eröffnungsrede allen Bürgern Religions- und Gedankenfreiheit“, erklärte Asia Bibi in dem Interview. „Aber heute gibt es einige Gruppen, die die bestehenden Gesetze missbrauchen. Deshalb appelliere ich an den pakistanischen Premierminister, insbesondere die Opfer des Blasphemiegesetzes und die gewaltsam bekehrten Mädchen sowie die Minderheiten, die auch pakistanische Bürger sind, zu verteidigen und zu schützen. Als Opfer spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich habe schrecklich gelitten und viele Schwierigkeiten durchlebt; aber jetzt bin ich frei, und ich hoffe, dass diese Gesetze so geändert werden können, dass jeder Missbrauch vermieden wird“, sagte Asia Bibi.

Christliche Familie in Pakistan.

Bei dem Interview, das vollständig auf dem YouTube-Kanal von KIRCHE IN NOT Italien veröffentlicht wurde, bezog sich Asia Bibi auch auf Papst Franziskus. „Ich habe zwei Rosenkränze, die der Heilige Vater gesegnet hat“, sagte sie. „Der eine ist in Pakistan geblieben, den anderen habe ich bei mir. Ich bete den Rosenkranz jeden Tag für den Glauben und für die Verfolgten in Pakistan. Ich danke dem Heiligen Vater Franziskus und Papst Benedikt, die für mich Fürsprache einlegten. Ebenfalls danke ich KIRCHE IN NOT und den vielen anderen Menschen, die für mich gebetet haben.“

Im Namen von KIRCHE IN NOT lud Monteduro Bibi und ihre Familie nach Rom ein. Sie nahm die Einladung mit Freude auf: „Ich habe den großen Wunsch, Rom zu besuchen und, wenn möglich, den Heiligen Vater zu treffen“, antwortete Asia. „Ich bete für Papst Franziskus, der uns in unserem Glauben bestärkt“. Die pakistanische Christin wandte sich abschließend an die Wohltäter des Hilfswerks: „Ich danke KIRCHE IN NOT und allen Wohltätern in Italien und auf der ganzen Welt für die Unterstützung von Menschen, die wie ich wegen ihres Glaubens verfolgt werden.“

KIRCHE IN NOT unterstützt notleidende und verfolgte Christen in Pakistan. Um den Christen weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Pakistan

In einem bewegenden Video-Interview mit dem Päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) appelliert Asia Bibi an den pakistanischen Premierminister Imran Khan, Minderheiten zu verteidigen. Sie erinnert an das Drama zahlreicher pakistanischer minderjähriger Frauen, die entführt, bekehrt und gewaltsam zur Heirat gezwungen wurden.

Die pakistanische Christin, die zu einem Symbol für das durch die weltweite Christenverfolgung verursachte Leiden geworden ist, sprach von ihrem derzeitigen Wohnsitz in Kanada aus mit dem Direktor von KIRCHE IN NOT Italien, Alessandro Monteduro. Monteduro erwähnte dabei die beiden jungen Christinnen Huma Younus und Maira Shahbaz, die Opfer von Missbrauch wurden. Das Hilfswerk verteidigt deren Fälle mit einer langfristigen Medienkampagne.

Asia Bibi sagte dazu: „Ich weiß, dass diese Mädchen verfolgt werden. Ich appelliere an den Premierminister Pakistans Imran Khan, unseren Mädchen zu helfen, denn keine von ihnen sollte leiden müssen!“

Ein weiteres besonders heikles Thema, das in den letzten Tagen erneut die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich gezogen hat, ist das sogenannte Blasphemiegesetz. Laut dem vom Hilfswerk veröffentlichten Bericht über Religionsfreiheit schränken die sogenannten Blasphemiegesetze, die 1986 in das pakistanische Strafgesetzbuch aufgenommen wurden (Abschnitte 295 B, 295 C, 298 A, 298 B, 298 C), die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit massiv ein. Das Schänden des Koran, sowie das Beleidigen des Propheten stellen Straftaten dar, welche im Höchstfall jeweils mit lebenslänglicher Haft sowie dem Tod bestraft werden können. Im Alltag werden diese Gesetze häufig als Mittel genutzt, um religiöse Minderheiten zu verfolgen. Asia Bibi, eine Mutter von fünf Kindern, war genau aufgrund dieser Anklage von 2009 bis zur Aufhebung des Urteils durch das höchste Gericht Pakistans im Oktober 2018 inhaftiert.

„Als Pakistan gegründet und von Indien getrennt wurde, garantierte der Gründer Ali Jinnah in seiner Eröffnungsrede allen Bürgern Religions- und Gedankenfreiheit“, erklärte Asia Bibi in dem Interview. „Aber heute gibt es einige Gruppen, die die bestehenden Gesetze missbrauchen. Deshalb appelliere ich an den pakistanischen Premierminister, insbesondere die Opfer des Blasphemiegesetzes und die gewaltsam bekehrten Mädchen sowie die Minderheiten, die auch pakistanische Bürger sind, zu verteidigen und zu schützen. Als Opfer spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich habe schrecklich gelitten und viele Schwierigkeiten durchlebt; aber jetzt bin ich frei, und ich hoffe, dass diese Gesetze so geändert werden können, dass jeder Missbrauch vermieden wird“, sagte Asia Bibi.

Bei dem Interview, das vollständig auf dem YouTube-Kanal von KIRCHE IN NOT Italien veröffentlicht wurde, bezog sich Asia Bibi auch auf Papst Franziskus. „Ich habe zwei Rosenkränze, die der Heilige Vater gesegnet hat“, sagte sie. „Der eine ist in Pakistan geblieben, den anderen habe ich bei mir. Ich bete den Rosenkranz jeden Tag für den Glauben und für die Verfolgten in Pakistan. Ich danke dem Heiligen Vater Franziskus und Papst Benedikt, die für mich Fürsprache einlegten. Ebenfalls danke ich KIRCHE IN NOT und den vielen anderen Menschen, die für mich gebetet haben.“

Im Namen von KIRCHE IN NOT lud Monteduro Bibi und ihre Familie nach Rom ein. Sie nahm die Einladung mit Freude auf: „Ich habe den großen Wunsch, Rom zu besuchen und, wenn möglich, den Heiligen Vater zu treffen“, antwortete Asia. „Ich bete für Papst Franziskus, der uns in unserem Glauben bestärkt“. Die pakistanische Christin wandte sich abschließend an die Wohltäter des Hilfswerks: „Ich danke KIRCHE IN NOT und allen Wohltätern in Italien und auf der ganzen Welt für die Unterstützung von Menschen, die wie ich wegen ihres Glaubens verfolgt werden.“

Das gesamte Video mit englischen Untertiteln können Sie auf unserem YouTube-Kanal finden unter: https://youtu.be/Ubx0R5zvQBE

„Extremismus und Unsicherheit sind die Hauptprobleme für in Pakistan lebende religiöse Minderheiten. Tag für Tag sind die religiösen Minderheiten Pakistans Aggressionen ausgesetzt, während die Auswirkungen von religiösem Extremismus und Fundamentalismus zu spüren sind, die zu verschiedenen Formen der Verfolgung führen, einschließlich der erzwungenen Bekehrung von Frauen aus religiösen Minderheiten“, so Christian Sabir Michael, Präsident des „Research Advocacy and Social Training Institute“ in Karatschi und Dozent für Menschenrechte und den Schutz religiöser Minderheiten gegenüber Fides. Wie Professor Michael betont, standen diese Themen im Mittelpunkt des „Nationalen Tages der religiösen Minderheiten“, der am 11. August in Pakistan gefeiert wird, um an die bekannte Rede zu erinnern, die Ali Jinnah, der Gründer Pakistans, am 11. August 1947 vor der verfassunggebenden Versammlung hielt, in der er religiösen Minderheiten bei der Gründung Pakistans ihre legitimen Rechte garantierte.

Michael erinnert an einige der jüngsten Episoden: die brutale Ermordung des Christen Nadeem Joseph (vgl. Fides 02/07/2020) und die Ermordung eines Mannes aus der Ahmadia-Gemeinde, der in einem Gericht in Peshāwar vor dem Richter getötet wurde: Tahir Ahmed Naseem (57) war aufgrund des Blasphemiegesetzes vor Gericht gestellt worden, als ein junger Mann den Gerichtssaal betrat und ihn tötete. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf die Unterbrechung des Baus eines Hindu-Tempels in der Hauptstadt Pakistans durch islamische Fundamentalisten, die sich gegen den Bau nicht-islamischer Kultstätten wehrten. Darüber hinaus stellt er fest, dass „Anschläge auf zwei Kirchen in der Provinz Punjab verübt wurden“ und betont „Alle diese Episoden sind ein Zeichen für wachsenden religiösen Extremismus und Intoleranz in Pakistan“.

Laut Sabir Michael „muss noch viel getan werden, um das hasserfüllte Narrativ in den Lehrbüchern der pakistanischen Schulen zu beseitigen: Sie vermitteln den Kindern Hass und Verachtung und definieren Hindus und Christen als Ungläubige“. „Diese Bücher lehren auch, dass Christen ‚Agenten der westlichen Welt‘ und Hindus ‚Spione für Indien‘ sind“, betont er, „und damit Menschen, denen man nicht trauen kann.“ „Die Entführung und erzwungene Bekehrung hinduistischer und christlicher Mädchen im Teenageralter, nimmt in den Provinzen Sindh und Punjab ebenfalls zu“, beklagt er. „Dieses Phänomen ist eine Bedrohung für die Sicherheit und den Wohlstand religiöser Minderheiten“, so der Aktivist, der daran erinnert, dass „laut dem
jüngsten Bericht der Menschenrechtskommission Pakistans (HRCP), der im April 2019 veröffentlicht wurde, durchschnittlich 1.000 nichtmuslimische Mädchen jedes Jahr entführt und vergewaltigt werden, wobei man sie schließlich dazu zwingt, einen viel älteren Mann zu heiraten. Viele der Mädchen, die zu diesen Ehen gezwungen wurden, sind jünger als 18 Jahre“. „Es wäre dringend erforderlich, dass die Institutionen sicherstellen, dass diese Angriffe auf religiöse Minderheiten abnehmen. Während der Blockade aufgrund von Covid-19 haben sie jedoch rasch zugenommen: Es liegt in der Verantwortung der Regierung, ihre Pläne und Strategien zum Schutz und zur Gewährleistung der legitimen Rechte der in Pakistan lebenden religiösen Minderheiten zu überarbeiten“, so Michael abschließend.

Wie die NGO „Minority Rights Group International“ (MRG) berichtet, „setzt sich die religiöse Diskriminierung im privaten und öffentlichen Bereich fort und manifestiert sich auch in einigen Sektoren der Regierung, selbst während Covid-19“. Es gebe Hinweise darauf, „dass die soziale Diskriminierung aufgrund von Religion und Weltanschauung fortbesteht, was einen starken Einfluss auf das tägliche Leben der Betroffenen hat“. „Die wiederholte Veröffentlichung von Stellenanzeigen, die bestimmte schlecht bezahlte und gering qualifizierte Arbeitsplätze auf religiöse Minderheiten beschränken, ist nur ein Beispiel für diese alltägliche Realität“, heißt es in dem Bericht. MRG ist besorgt über“ Hassreden aufgrund von Religion oder Weltanschauung, die auch im Internet veröffentlicht werden, sowie über die Art und Weise, in der Diskriminierung die Chancengleichheit in Bildung, Arbeit, Wirtschaft untergräbt und letztendlich für viele wieder zu Armut führt“. „In Anerkennung der in der Verfassung Pakistans verankerten Grundrechte, einschließlich der Religionsfreiheit und der Gleichheit der Bürger, die durch die Artikel 20 und 25 der Verfassung garantiert werden“, fordert die Nichtregierungsorganisation die pakistanische Regierung auf,„Schritte in Richtung Gleichstellung und Inklusion für alle Bürger Pakistans zu unternehmen“. (Quelle: Fidesdienst, Bild: AP-Photo_Anjum-Naveed)

Tabassum Yousaf, Anwältin am Hohen Gericht der Provinz Sindh mit der Hauptstadt Karachi ist mit der Verteidigung der Eltern der fünfzehnjährigen Huma Younus befasst, die im Oktober 2019 entführt und zur Konversion zum Islam gezwungen wurde. Die Anwältin berichtete im Gespräch mit KIRCHE IN NOT über die dramatische persönliche und juristische Lage, in der sich die Jugendliche befindet.

“Huma hat ihre Eltern angerufen und hat sie darüber informiert, dass sie infolge der erlittenen sexuellen Gewalt schwanger geworden sei. Auf die Bitte ihres Vaters, das Haus des Entführers zu verlassen und nach Hause zurückzukehren, antwortete die Minderjährige, dass es ihr nicht erlaubt sei, das Haus zu verlassen, und dass ihr Leben noch schwieriger geworden sei, da sie in einem Schlafzimmer gefangen gehalten werde“, berichtete die Anwältin Tabassum Yousaf.

Der Entführer, der Moslem Abdul Jabbar, habe einen Bruder namens Mukhtiar, der bei einer Sicherheitseinheit, den Rangers, angestellt sei. „Letzterer hat Humas Eltern angerufen, ihnen in dem Videotelefonat die Waffen gezeigt und gesagt, dass er sie töten werde, wenn sie ihre Tochter suchen würden. Mit Audionachrichten kündigte er überdies an, dass selbst wenn alle Christen sich zusammentäten, um Huma zurückzuholen, er sowohl die Eltern als auch all jene, die ihnen helfen würden, töten werde.

Hinsichtlich der juristischen Seite erklärte der Rechtsbeistand von Humas Familie, dass das Gericht in erster Instanz (Third Judicial Magistrate in Ostkarachi) den Fall aus Mangel an Beweisen geschlossen habe. Es sei bei demselben Richter Berufung eingelegt worden, mit dem Ziel, die als Beweis vorgelegten Dokumente noch einmal zu überprüfen, und der Staatsanwalt habe die zuständige Behörde, den NADRA, kontaktiert, um eine Geburtsurkunde der Jugendlichen zu erhalten. Die nächste Anhörung sei für den 13. Juli 2020 angesetzt.

Die Anwältin der Eltern des Mädchens habe jedoch im Laufe einer der Anhörungen bereits zwei offizielle Dokumente vorgelegt, aus denen die Minderjährigkeit hervorgehe: eine Bescheinigung der Schule und die Taufbescheinigung der katholischen Pfarrei St. James in Karachi. Beide Dokumente wiesen als Humas Geburtsdatum den 22. Mai 2005 aus.

Das Oberste Gericht der Provinz Sindh ist aufgrund der Corona-Pandemie noch geschlossen und öffnet wahrscheinlich im August wieder. Erst danach könne man einen Termin für eine Anhörung vor diesem Gericht erhalten.

Der Anwalt des Entführers ziele darauf ab, durch jede denkbare juristische Spitzfindigkeit Zeit zu gewinnen, da das junge Mädchen in drei Jahren volljährig werde und der Fall dann sehr wahrscheinlich geschlossen werde, erklärte Humas Anwältin.

Das Höchste Gericht von Pakistan, dasselbe, das Asia Bibi freigesprochen hat, könne den Fall theoretisch in kürzester Zeit untersuchen und entscheiden, aber die radikale islamische Gesellschaft Pakistans gestatte dem  Justizsystem keine Autonomität. Überdies bestehe die Tendenz, einen Fall aufzuschieben, wenn es um das Recht religiöser Minderheiten gehe, da es „weder für prioritär noch für dringend“ gehalten werde. Der bereits erwähnte Fall von Asia Bibi stelle in dieser Hinsicht einen „vielsagenden Präzedenzfall“ dar.

Über die Verbreitung des Phänomens, dem Huma zum Opfer gefallen ist, erklärte die Anwältin Tabassum Yousaf, dass viele NGOs Schätzungen über die Zahl der registrierten und öffentlich gewordenen Fälle dass jedoch nicht alle Fälle an die Öffentlichkeit gelängen. „Nach dem, was ich gelesen habe und was auf Erfahrungswerten beruht, gibt es jedes Jahr 2000 ähnliche Fälle – sowohl registrierte als auch nicht registrierte.“

Laut der Anwältin von Humas Familie sei „eine verspätete Gerechtigkeit eine verweigerte Gerechtigkeit, da jedes Herauszögern einer Entscheidung zur Verteidigung der Rechte der religiösen Minderheiten eine Negierung dieser Rechte darstellt. Das Gericht hat die Gerechtigkeit herausgezögert und zögert sie die Gerechtigkeit zu Humas Gunsten weiterhin heraus, nur weil sie eine christliche Minderjährige ist. Wenn ein ähnlicher Fall zum Schaden einer muslimischen Minderjährigen einträte, würden sofort alle Behörden aktiv. Ich bin als Anwältin sicher, dass der Vorsitzende des Höchsten Gerichts von Pakistan den Eltern der Minderjährigen und Huma zur Gerechtigkeit verhelfen kann. Auf jeder anderen, niedrigeren Ebene des Gerichtssystems wird es für Minderheiten keine Gerechtigkeit geben“, schließt die Anwältin mit Bitterkeit.

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