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Mindestens 115 Christen wurden im vergangenen Jahr wegen der Ausübung ihres Glaubens im Iran verhaftet, so ein Bericht von Article 18, einer in London ansässigen gemeinnützigen Organisation, die sich für die Religionsfreiheit im Land einsetzt.

Der am 1. Februar veröffentlichte Jahresbericht von Artikel 18, „Rechtsverletzungen gegen Christen im Iran“, stellte fest, dass die Mehrheit der verhafteten Christen Konvertiten aus dem Islam waren. Berichte über Christen und christliche Konvertiten, denen mit Haft gedroht wird, weil sie ihre Religion in Gruppen praktizieren, werden ebenfalls in dem Bericht beschrieben.

Der Bericht beschreibt detailliert die anhaltende Verfolgung von Christen durch die iranische Regierung, einschließlich der Beschlagnahmung von Bibeln, der Beschädigung christlicher Friedhöfe und des Abrisses von Kirchen.

Mansour Borji, ein Sprecher von Article 18, sagte gegenüber Kayhan Life, dass Christen im Iran zunehmend inhaftiert würden.

„Die Verhaftungen gegen Christen nehmen jedes Jahr zu, wegen des Wachstums der Kirche, aber auch, weil die iranische Regierung neue Methoden der Überwachung entwickelt, vor allem online, was unserer Meinung nach erklärt, warum jetzt so viele Menschen im Iran verhaftet werden“, sagte Borji.

In einem Briefing des britischen Innenministeriums über die Christen und christlichen Konvertiten im Iran vom Februar 2020 hieß es, dass die Zahl der Verhaftungen von Christen im Iran zwar immer noch relativ gering sei, die iranische Regierung sich aber offenbar auf führende Mitglieder ihrer christlichen Gemeinden konzentriere, um den Gottesdienst einzuschränken.

In dem Grundsatzpapier heißt es: „Die Beweise deuten darauf hin, dass die iranischen Behörden eher die Leiter und Organisatoren von Hauskirchen [christliche Gemeinden, die sich in Privathäusern zum Gottesdienst versammeln] ins Visier nehmen als ‚gewöhnliche‘ Konvertiten (d.h. diejenigen, die nicht aktiv evangelisieren). Dies deutet darauf hin, dass die iranischen Behörden in erster Linie damit beschäftigt sind, die Ausbreitung des Christentums zu stoppen und nicht die Ressourcen haben, alle christlichen Konvertiten zu überwachen.“ (Quelle: AKREF/Kayhan Life, Bild: Hansueli Krapf/wikipedia)

Der Iran geht mit drakonischen Strafen gegen ehemalige Muslime vor, die zum Christentum übergetreten sind. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte berichtet, wurde der Konvertit Zaman Fadaee am 15. November im Teheraner Evin-Gefängnis ausgepeitscht. Ein Revolutionsgericht hatte ihn zu 80 Peitschenhieben und sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde bestraft, weil er Wein beim Abendmahl getrunken und Hausgottesdienste organisiert hatte. Damit habe er „das zionistische Christentum gefördert“, so das Gericht.

Ein weiterer Konvertit, Mohammad Reza Omidi, war bereits am 13. November wegen Teilnahme am Abendmahl mit 80 Peitschenhieben bestraft worden. In der Islamischen Republik Iran dürfen Muslime keinen Alkohol trinken. Für anerkannte religiöse Minderheiten gibt es Ausnahmen – Christen eingeschlossen –, aber Konvertiten werden nicht als Christen anerkannt. Die Abkehr vom Islam im Iran ist streng verboten und kann mit dem Tode bestraft werden. Der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin, erklärte: „Drakonische Strafen, Diskriminierung und staatlich geförderte religiöse Intoleranz bestimmen den Alltag in der Islamischen Republik Iran.“ Betroffen seien neben Ex-Muslimen, die zum Christentum konvertiert seien oder religionslos lebten, auch Bahai und Sufis. 95 Prozent der rund 84 Millionen Einwohner des Iran gehören zum schiitischen Zweig des Islams. Angeblich liegt die Zahl der Christen bei rund 800.000. (Quelle: idea)

Zaman Fadaei – bekannt als Saheb – wurde im Mai 2016 zusammen mit seinem Pastor Yousef Nadarkhani, Nadarkhanis Frau Fatemeh (Tina) Pasandideh, Mohammad Ali (Yaser) Mosayebzadeh und Mohammad Reza (Youhan) Omidi in Rasht verhaftet.

Im September 2016 wurden Saheb, Yaser und Youhan zu je 80 Peitschenhieben verurteilt, weil sie beim Abendmahl Wein getrunken hatten.

Im Juni 2017 wurden Saheb, Yaser und Youhan und Yousef Nadarkani zu je 10 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie „durch die Propagierung von Hauskirchen und die Förderung des zionistischen Christentums gegen die nationale Sicherheit gehandelt“ hatten. Sie begannen mit der Verbüßung der Strafen im Jahr 2018.

Im Mai 2020 wurden die Strafen bei einer Überprüfung reduziert. Die Strafen von Saheb und Yousef wurden auf je sechs Jahre und die von Youhan auf zwei Jahre herabgesetzt. Die Situation von Yaser ist unbekannt.

Saheb erhielt die Strafe von 80 Peitschenhieben am 15. November.

Youhan erhielt seine Peitschenhiebe im Oktober, eine Tat, die von vielen internationalen Beobachtern, einschließlich des US-Außenministeriums, verurteilt wurde, wie es in einem Tweet hieß:

„Zutiefst beunruhigt durch Berichte, dass der Iran Mohammad Reza Omidi mit 80 Peitschenhieben bestraft hat, weil er Kommunionswein getrunken hatte. Er saß bereits zwei Jahre im Gefängnis, weil er einer Hauskirche angehörte. Wir verurteilen diese ungerechten Strafen und fordern den Iran auf, allen Iranern die Freiheit zu gewähren, ihren Glauben auszuüben“. (Quelle: IGFM, AKREF, Bild: IGFM)

Ein Konvertit aus dem Iran berichtet. Seyed Mohammad Mahdi stammt aus dem Iran, einem Land, in dem es keine Religionsfreiheit gibt und in dem der Besitz einer Bibel ein Todesurteil nach sich ziehen kann. Mahdi musste den Iran verlassen und lebt heute als Geflüchteter in Spanien: „In meinem Land war mein Leben normal und glücklich, zusammen mit meiner Familie, insbesondere mit meiner Tochter, bis ich einen Glaubensweg begann. Alles zu verlassen, um Christ zu werden, war sehr schwer, aber es war meine Entscheidung.“ Mit diesen Worten gibt er in einem Interview am spanischen Sitz des Internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN) sein Zeugnis.

Woher kommen Sie? Wie war Ihr Leben im Iran?

Ich bin Iraner und 38 Jahre alt. Mein Leben in meinem Land war ganz normal: Ich hatte Arbeit, ein Haus; ich war glücklich mit meiner Familie und vor allem mit meiner Tochter. Ich vermisse sie sehr; vor zwei Tagen hatte meine Tochter Geburtstag, und ich möchte ihr an dieser Stelle einen Gruß schicken.

Was hat dieses normale Leben verändert?

Es war hart, weil ich Christ werden wollte – dies ist ein langer und harter Weg. In meinem Land ist es Muslimen verboten, die Religion zu wechseln. Deshalb musste ich mein Land verlassen. Ich weiß nicht, wie lange ich ohne Nahrung, ohne Wasser, auf Bergen und Flüssen unterwegs war, jede Nacht aus Angst vor der Polizei und den Menschen. Aber Gott sei Dank bin ich wohlbehalten angekommen. Ich bin bei Jesus in einem freien Land, in dem ich meinen Glauben frei leben kann.

Auf der Reise haben Sie sich von einer Sache nie getrennt, die Sie jetzt in Händen halten: von einer Bibel in Farsi, der iranischen Sprache.

Das ist alles, was ich jetzt habe. Ich trage dieses Buch immer bei mir, weil alle seine Worte für mich eine Bestimmung und einen Zweck enthalten. Es hat mir immer geholfen, es hat starke Worte für mich.

Wie ich sehe, tragen Sie auch einen Rosenkranz um den Hals. Warum?

Ja, ich trage ihn immer bei mir, und ich bete ihn. Es ist ein ganz besonderes Geschenk von einem sehr befreundeten Priester, meinem Pfarrer aus der Pfarrei San Cosme in Burgos, hier in Spanien. In meinem Land ist das etwas Verbotenes; dort können wir Christen kein Kreuz tragen oder die Bibel dabei haben.

Wie ist Ihr Leben hier?

Ich bin glücklich, weil ich die Freiheit habe, über Jesus zu sprechen, frei zu glauben und zu denken. Manche meinen, der Glaube sei ein Traum. Aber das stimmt nicht; ich spüre immer die Nähe Gottes. Als ich in Spanien ankam, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Kirche gesehen. Ich trat ein und fühlte etwas ganz Besonderes. Ich ging in die Kirche, um Gott zu danken, dass er mich am Leben erhalten hat, denn es war eine sehr harte Reise.

Wer hilft Ihnen auf dem Glaubensweg?

Jesus, Maria und dieses Buch, die Bibel. Als ich mein Land verließ, wusste ich nicht, was vor mir liegen würde. Ich hatte oft das Gefühl, keine Kraft mehr zu haben. Jesus Christus hat mir geholfen, weil ich nie meinen Glauben verloren habe. Jetzt habe ich vor nichts Angst.

Was haben Sie am Tag Ihrer Taufe empfunden, die allerdings wegen der Corona-Pandemie verschoben werden musste?

Erzbischof Fidel (Herráez) von Burgos hat mich getauft. Als er das Wasser über meinen Kopf goss, wurde ich völlig verwandelt. Ich fühlte die Vergebung meiner Sünden. Ich hatte mich immer gefragt, was ich tun könnte, um die Dinge zu ändern, die ich falsch gemacht hatte. Es war mir aber nie gelungen. Als ich die Taufe empfing, war es, als hätte Gott mir eine neue Seele und einen neuen Körper gegeben, das habe ich gespürt. Ich kann nicht aufhören, an Gott zu denken. Wenn ich aufwache, wenn ich ins Bett gehe, wenn ich gehe, denke ich, dass Gott alles richtig gemacht hat und die Welt wunderschön ist.

Iran ist eines der Länder, die am härtesten vom Ausbruch des Coronavirus betroffen sind. Mehrere der dort inhaftierten Christen wurden im Zuge der Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie entlassen. Andere, wie der im Mai 2017 zu zehn Jahren Haft verurteilte Nasser Navard Gol-Tapeh, verbüßen unverändert ihre Strafe. Den folgenden, sehr emotionalen Brief schrieb er jüngst aus dem Evin-Gefängnis in Teheran.

„Niemals könnte ich all das allein durchstehen“

Im Namen des Herrn, „wahrlich, ihr seid unsere Ehreund unsere Freude“ (1.Thessalonicher 2,20). An alle lieben Brüder und Schwestern, die von Gottes Liebe und Gnade beschenkt sind.

Ich sende euch Grüße, während ichmich hinter den hohen und mit Stacheldraht bewehrten Mauern des Evin-Gefängnisses nach eurer Gemeinschaft sehne. Mein Herzist voller Liebe, Fürsorge und Dankbarkeit,wennich über all die Erinnerungen an unsere Zeiten der Gemeinschaftnachsinne. Ich schreibe auf, was aus meinem Herzen zu euch hinausdringt. Ich erinnere mich an eure geistlichen Zusammenkünfte, in denen ihrin Einheit des Geistes und des Herzens Lieder für den Herrn gesungen habt, um ihn zu verherrlichen. Ich bin [im Geist] bei euch. Mauern und Entfernungen halten mich nicht fern, auch wenn ich deshalbKummer empfinde; ihr seid immer in meinen Gebeten […]. Ich danke Gott für die Unterstützung, mit derihr michbeschenkhabt, […] dass ihr meine Lasten geteilt, mir Kraft gegeben und mich ständig ermutigt habt. Wie glücklich bin ich, euch an meiner Seite zu haben!Niemals könnte ich all das allein durchstehen; der Herr trägt mich […] mit der Wärme eurer Liebe durch die Härte dieses Kerkers. Die wichtigste Botschaft, die ich hörte, war, einander zu lieben. Möge die Liebe und Fürsorge des Herrn mit euch sein und euch beschützen. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Tod?(Römer 8,35)

Mit all meiner Liebe und Fürsorge

Nasser Navard

Ähnlich wie der 58-jährige Gol-Tapeh verbüßen derzeit noch drei weitere Christen wegen ihres Glaubens zehnjährige Haftstrafen im Evin-Gefängnis (offizielle Anklage: Gefährdung der nationalen Sicherheit u.a.): Yousef Nadarkhani (42), Mohammad Reza (Yohan) Omidi (46), und Zaman (Saheb) Fadaei (36).

Mehrere Christen wegen der Pandemie vorzeitig entlassen

Erfreuliches gibt es dagegen von anderen ehemals inhaftierten Christen zu berichten, die aufgrund der Corona-Pandemie wieder in Freiheit sind. Unter dem Eindruck der Entwicklung in China, wo Gefängnisse als Brandherde der Ausbreitung des Virus identifiziert wurden, hat die iranische Regierung im März über 80.000 Häftlinge entlassen. Darunter befanden sich einige Christen, denen zunächst nur eine begrenzte Zeit des Freigangs zugestanden wurde, unter anderem Mahrokh Ghanbari (62) und Amin Khaki (36). Mahrokh Ghanbari wurde am 2. April bei ihrer planmäßigen Rückkehr ins Gefängnis mitgeteilt, man „benötige“ sie dort nicht mehr. Am 6. April wurde auch Amin Khaki darüber in Kenntnis gesetzt, dass seine Haft ohne Auflagen beendet sei. Beide hoffen darauf, dass die Behörden ihnen die zwischenzeitlich hinterlegte Kaution zurückzahlen. (Quelle: Open Doors, Bild: hansueli-krapf)

Am 27. Juli wurde Mahrokh (Roksare) Kanbari (65) vor das islamische Revolutionsgericht von Karaj geladen, um wegen „Vorgehens gegen die nationale Sicherheit“ angeklagt zu werden. Freunde kommentierten die Gerichtsverhandlung am Samstag und sagten, dass der Richter sehr unhöflich gewesen sei und versuchte, Mahrokh zu demütigen, da sie mit ihm nicht übereinstimmte. Heute (29. Juli) wurde ihr ihre Haftstrafe von einem Jahr wegen „Propaganda gegen das System“ mitgeteilt. Sie kann gegen dieses Urteil Berufung einlegen.

Die Anhörung war auf ihre Verhaftung kurz vor Weihnachten zurückzuführen, als drei Agenten des iranischen Geheimdienstes ihr Haus überfielen und Mahrokh zu den Geheimdiensten brachten, wo sie zehn Tage lang intensiv verhört wurde, bevor sie nach Einreichung der Kaution von 30 Millionen Toman (2.500 US-Dollar) entlassen wurde.

In einem separaten Fall traten am 28. Juli Mohammad Vafadar, Kamal Naamanian, Hossein Kadivar (Elisha) und Khalil Dehghan – alle aus Rasht – einzeln vor dem 28. Revolutionsgericht in Teheran auf, weil sie wegen  „Handelns gegen die nationale Sicherheit“ und „Förderung des Zionismus“ angeklagt waren. Bei der Verhandlung behauptete der Richter Mohammad Moghiseh, dass die Bibel gefälscht worden sei und dass die Angeklagten den Zionismus förderten.

Dies folgt auf eine abgebrochene Anhörung am 24. Juli. Pastor Matthias Haghnejad und acht weitere, darunter die vier oben genannten, waren vor Richter Mohammed Moghiseh erschienen. Matthias Haghnejad, Shahrouz Eslamdoust, Babak Hosseinzadeh, Behnam Akhlaghi und Mehdi Khatibi hatten Moshgani Farahani als ihren Anwalt gewählt. Die anderen Angeklagten (die am 28. Juli vorgeladen wurden) hatten beschlossen, sich selber zu verteidigen.

Das Beharren der fünf Angeklagten auf einer Klage gegen Moshgani Farahani verärgerte den Richter, der die Überstellung von Pastor Haghnejad und Shahrouz Eslamdoust in das Evin-Gefängnis und die Verhaftung von Babak Hosseinzadeh, Behnam Akhlaghi und Mehdi Khatibi anordnete, bis sie die Kaution von je 1,5 Milliarden Toman (160.000 €) eingereicht hatten – ein exorbitanter Betrag. Babak Hosseinzadeh, Behnam Akhlaghi und Mehdi Khatibi wurden an einen unbekannten Ort gebracht. Es ist nicht bekannt, wann die fünf Männer als nächstes vor Gericht geladen werden.

Die Urteile für Mahrokh und die vier Bekehrten von Rasht stehen nach den jüngsten Anhörungen noch aus. (Quelle: Middle East Concern, Bild: Hansueli-Krapf/wikipedia)

In der vergangenen Woche wurden im Iran erneut zwei Christen verhaftet. Der 26-jährige Sina Moloudian wurde am Mittwoch vor den Augen seiner Eltern aus dem Haus geführt. Zeugen sprachen von Blutergüssen in seinem Gesicht, ein Hinweis darauf, dass bei der Verhaftung Gewalt angewendet wurde. Zwei Tage später, am Freitag, nahmen Beamte den 64-jährigen Ismaeil Maghrebinejad in Gewahrsam. Er war vor fast 40 Jahren zum christlichen Glauben konvertiert.

Seit Monaten observiert

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Article 18 verschafften sich am 23. Januar gegen neun Uhr morgens acht Männer in Zivil gewaltsam Zutritt zu Sinas Haus. Sie gaben sich als Beamte des Gemeindienstes (MOIS) aus, legten jedoch keinen Haftbefehl vor. Man habe ihn „seit Monaten observiert“, ließen sie den jungen Mann wissen. Nachdem die Männer alle Räume durchsucht hatten, konfiszierten sie Sinas Smartphone, seinen Computer sowie alle Gegenstände, die mit dem christlichen Glauben in Verbindung stehen, wie seine Bibel, Bücher, CDs und ein Kreuz. Später durfte er seine Familie anrufen und konnte ihnen so mitteilen, dass er im Dastgerd-Gefängnis von Isfahan festgehalten wird. Die Behörden weigerten sich, dies zu bestätigen.

„Melden Sie ihn einfach als vermisst“

Seit Anfang der 1980er-Jahre, als Ismaeil Maghrebinejad beschloss Christ zu werden, wurde er viele Male belästigt und verfolgt. Ihm nahestehende Personen gaben gegenüber Article 18 an, dass er etwa 10 Jahre nach seiner Bekehrung einen Anschlag nur knapp überlebt habe. Im Jahr 2013 wurde er gezwungen, seine verstorbene Frau Mahvash nach islamischem Ritus auf einem islamischen Friedhof beerdigen zu lassen – trotz eines Briefes vom obersten Bischof der anglikanischen Kirche im Iran, der Mahvash neben ihrer Taufe und Konfirmation auch Engagement in der Kirchengemeinde bescheinigte. Am 25. Januar wurde Maghrebinejad von Beamten in Zivil festgenommen, die anschließend gemeinsam mit ihm zu seiner Wohnung fuhren und diese durchsuchten. Als Angehörige sich später bei den Behörden nach seinem Aufenthaltsort erkundigten, teilte man ihnen mit, er werde in keiner ihrer Hafteinrichtungen festgehalten. Man empfahl, ihn als vermisst zu melden. Später hatte Ismaeil die Gelegenheit, seine Familie zu kontaktieren, konnte jedoch auch keine Angaben zu seinem Aufenthaltsort machen. (Quelle: Open Doors)

Im Iran sind zwei evangelikale Christen wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ und Mission zu einer jeweils achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit. Nach ihren Angaben hat ein Revolutionsgericht in Schiraz die Urteile gegen die beiden Männer Eskandar Rezaie und Suroush Saraie am 28. Dezember gefällt. Beide zählen zu dem Kreis Evangelikaler im Iran, die immer wieder ins Visier der islamischen Staatsmacht geraten, weil sie ihren christlichen Glauben bekennen. Rezaie wurde am 6. Juli vergangenen Jahres zu Hause in der südiranischen Stadt Lar festgenommen. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten dort mehrere Hundert Ausgaben des Neuen Testaments. Saraie wurde ebenfalls im Juli inhaftiert. Beide waren erstmals im Oktober 2012 für fünf Monate in Haft gekommen, als Sicherheitskräfte ein Gebetstreffen in Schiras auflösten, an dem sie teilnahmen. Im Juli 2014 wurden sie erneut eingesperrt und erst nach 16 bzw. 17 Monaten wieder freigelassen.

Der Iran hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert, der auch Religionsfreiheit garantiert. Sie beinhaltet das Recht, den eigenen Glauben öffentlich zu bekennen und die Religion zu wechseln. Der Iran zählt zu den Staaten, die Christen am stärksten verfolgen. Im Weltverfolgungsindex des Hilfswerkes Open Doors rangiert das Land auf Platz zehn. 95 Prozent der über 77 Millionen Einwohner gehören zum schiitischen Zweig des Islams. Die Zahl der Christen liegt bei 360.000. (Quelle: idea, Foto: Hansueli Krapf/wikipedia)

Shiitische Milizen eröffnen muslimische Schulen in ehemaligen christlichen Zentren. Vom Iran unterstützte shiitische Milizen eröffnen nun muslimische Schulen in ehemaligen von Christen genutzten Gebäuden. Als Beispiel dient die Iman Khomeini School in Bartella, benannt nach dem iranischen Staatsoberhaupt. Zwei weitere Schulen sind momentan noch im Bau befindlich. Bevor der IS 2014 Bartella eroberte, waren ca 40 000 der Einwohnenden Christen. Obwohl die Stadt im Oktober 2016 befreit wurde, kehrten die Christen aufgrund von Bedenken nicht zurück.

Ein christlicher Repräsentant des kurdischen Parlaments kritisierte die Aktionen der Shiamilizen als eine “schamlose Ungerechtigkeit gegenüber Christen” und bezeichnete es als “Shiafizierung der Ninivehebene”, dem historisch gesehenen Herkunftswiege des Nordirak. Die schiitischen Milizen versuchten, in vormals christlich geprägten Städten “systematisch die demografische Struktur der Christen zu verändern”, so ein christlicher Anwohner. Christen in Syrien und dem Irak fühlen sich schon seit langem vernachlässigt. Nun sehen sie sich einer neuen Bedrohung gegenüber von denjenigen, welche ihre Städte und Dörfer eigentlich “befreien” sollten. (Quelle: Barnabasfund)

Nach Informationen des christlichen Hilfswerkes Open Doors wurden im Iran im Jahr 2016 mindestens 193 Christen verhaftet oder ins Gefängnis geworfen. Die von Präsident Rohani im Dezember 2016 ausgegebene „Charta für Bürgerrechte“ kann demnach bestenfalls als Absichtserklärung gelten. Seit Beginn seiner Amtszeit 2013 leiden religiöse Minderheiten zunehmend unter Verfolgung. Ein aktueller Bericht der amerikanischen „Kommission für internationale Religionsfreiheit“ (USCIRF) weist darauf hin, dass die Anzahl inhaftierter Angehöriger religiöser Minderheiten unter Präsident Rohani gestiegen ist.

Gottesdienste in der Landessprache Persisch sind im Iran verboten, ebenso die Verbreitung christlicher Schriften. Regierung und Medien diffamieren den christlichen Glauben und warnen vor seinen Anhängern. Mindestens 12 Christen wurden in den letzten Monaten zu Haftstrafen von 10 und mehr Jahren verurteilt. Das soll ebenso abschrecken wie andauernde Razzien in Kirchengemeinden – insbesondere Hauskirchen. Wie bei zahlreichen Prozessen gegen Christen in den letzten Jahren lautete die Anklage u.a. auf „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ sowie „Organisation von Hauskirchen“ oder „Beleidigung des Heiligen“ (Blasphemie). Trotz dieser Zunahme von Verfolgung wächst gerade unter jungen Menschen das Interesse am christlichen Glauben. Konvertiten aus dem Islam stellen mit mehreren Hunderttausend inzwischen die weitaus größte Gruppe von Christen im Iran, noch vor den Angehörigen traditioneller Kirchen. Warum nehmen sie dieses Risiko auf sich, da der Koran – und Fatwas – für den Abfall vom Islam die Todesstrafe vorsehen? „Ich habe durch Jesus Christus Frieden gefunden“ oder „Der Gott der Christen ist Liebe“, lautet die Antwort vieler Konvertiten.

Fürchtet das Regime den Glauben der Christen?

Bizarr wirkt die jüngste Veröffentlichung von Bildern durch die wirtschaftlich und auch politisch einflussreiche Revolutionsgarde, auf denen große Mengen konfiszierter Bibeln und weiterer christlicher Materialien zu sehen sind. Mansour Borji von der Menschenrechtsorganisation Artikel 18 fragt dazu: „Warum veröffentlichen nicht Polizei oder Justizbehörden die Bilder, sondern die Revolutionsgarde, die ja eine militärische Einheit ist? Ist es ihre Aufgabe, Hauskirchen auszuheben? Wie kann eine stabile Regierung so beunruhigt sein über das Neue Testament und christliche Bücher? Sie behaupten, sie würden die Freiheit religiöser Minderheiten respektieren, während sie die konfiszierten Materialien vorführen wie Beweismaterial für kriminelle Handlungen.“

Die aktuelle Statistik vom 10. Oktober, dem Internationalen Tag gegen die Todesstrafe, komplettiert das Bild eines repressiven Regimes. Unter allen Ländern, in denen die Todesstrafe vollzogen wird, rangiert der Iran laut Amnesty International mit mindestens 567 vollstreckten Todesurteilen in 2016 auf Rang 2, gefolgt von Saudi-Arabien (mindestens 154 Hinrichtungen).

Wirtschaftliche und Regierungsbeziehungen mehr nutzen

Auch dem iranischen Pastor Youcef Nadarkhani drohte 2010 wegen Abfall vom Islam die Todesstrafe. Diese wurde aufgrund internationaler Proteste in eine dreijährige Haftstrafe umgewandelt. Ein stärkeres Eintreten westlicher Regierungen für Religionsfreiheit sowie wirtschaftlicher Druck könnten die Situation der Christen im Iran deutlich verbessern. Forderungen nach der Wahrung der Menschenrechte oder dem Schutz von Christen vor willkürlicher Inhaftierung werden die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen nicht gefährden. Die Christen im Iran hoffen auf diese Unterstützung. (Quelle: Open Doors)

Der bekannteste Pastor in der Islamischen Republik Iran, Youcef Nadarkhani, ist wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ zu zehn Jahren Gefängnis und anschließend zwei Jahren Verbannung verurteilt worden. Das teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am 12. Juli in Frankfurt am Main mit. Laut inoffiziellen Aussagen des Islamischen Revolutionsgerichts sei Nadarkhani wegen „Verbreitung des Christentums“ bestraft worden. Zum Hintergrund: Der IGFM zufolge war der Pastor bei der Gründung von Hausgemeinden „erfolgreich“. Mit der Haftstrafe wollten die Machthaber eine Fortsetzung seiner Arbeit verhindern. Der Anwalt Nadarkhanis hat, so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin, zumindest auf dem Papier noch die Möglichkeit, innerhalb von 20 Tagen gegen das Urteil vom 6. Juli Berufung einzulegen. Die Justiz der Islamischen Republik sei jedoch dafür bekannt, dass sie nicht nur internationales Recht missachte, sondern auch das eigene, das iranische. 2010 hatte ein Revolutionsgericht den Pastor wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt. Die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea benannten ihn im Dezember des gleichen Jahres zum „Gefangenen des Monats“ und riefen dazu auf, sich für ihn einzusetzen. Im September 2012 kam er nach weltweiten Protesten aus der Haft frei. Die Behörden drangsalierten ihn aber weiter, weil er seine Gemeindearbeit nicht aufgab. (Quelle: idea)

Im Iran hat ein Gericht vier Christen wegen missionarischer Aktivitäten und angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt, drei von ihnen in Abwesenheit. Damit hob es das Urteil einer früheren Instanz auf. Wie die britische Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity Worldwide“ (Christliche Solidarität Weltweit) berichtet, handelt es sich bei den Christen um den Iraner Nasser Navard Goltape sowie die Aserbaidschaner Yusif Farhadov, Eldar Gurbanov und Bahram Nasibov. Alle vier waren im Sommer 2016 in Teheran verhaftet worden, wo sie befreundete Christen besuchten. Es folgten zwei Monate Einzelhaft. Anschließend wurden sie in ein anderes Gefängnis verlegt. Ende Oktober wurden sie gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Am 7. November 2016 durften die drei Aserbaidschaner in ihre Heimat ausreisen. Sie können der nun verhängten mehrjährigen Haftstrafe entgehen, wenn sie nicht in den Iran zurückkehren. Sie legten zudem Widerspruch gegen das Urteil ein. Beobachter sehen jedoch nur geringe Chancen auf Erfolg. Der Menschenrechtsanwalt Mansour Borji von der Organisation „Artikel 18“, die sich für verfolgte Christen einsetzt, hält das Urteil für alarmierend. Nach seiner Einschätzung versucht das Islamische Revolutionsgericht damit, ein Exempel zu statuieren, das auch andere Christen einschüchtern soll. In der Vergangenheit seien Christen in vergleichbaren Fällen zu maximal fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Leiter von „Christian Solidarity Worldwide“, Mervyn Thomas (London), forderte die iranischen Behörden auf, die Berufung der Christen ernsthaft zu prüfen. Sie dürften nicht wegen ihres Glaubens verfolgt werden. (Quelle: idea)

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